Skip to main content

Full text of "Geologisches Jahrbuch"

See other formats


Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commercial parties, including placing lechnical restrictions on automated querying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain fivm automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogXt "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct and hclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers rcach ncw audicnccs. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http: //books. google .com/l 



Google 



IJber dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Realen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfugbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 
Das Buch hat das Uiheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nu tzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in Partnerschaft lieber Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nie htsdesto trotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu veihindem. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche Tür Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials fürdieseZwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-MarkenelementenDas "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppcn zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter |http: //books . google .coiril durchsuchen. 



I^^^^s^^^^] 




SRANNEH 
GHOLOGICAL LIBRARY 1 




VTt^. 




^;^£^Ä<SV»*, 



Jahrbuch 



der 



Königlich Preussischen geologischen 
Landesanstalt und Bergakademie 



zu 



Berlin 



für das Jahr 



1900. 



Band XXI. 



* ♦ » I 



• in- • c , I ^ .1 ^t . *• 






• ■ « 



Berlin. 

Im Vertrieb bei der Simon ScHROPF^schen Hof-Landkartenhandlung 

(J. H. Neümann\ 

1901. 



Inhalt 



I 

Mittheilnngen ans der Anstalt. 

Seit« 

1. Bericht über cli(> Thätigkoit der König), geologischen Landesanstalt 

im Jahre 190() 7 

2. Arbeitsplan der Konigl. goologischon Landesanstalt für das Jahr 1901 19 

3. Mittheilungen der Mitarbeiter der Konigl. geologischen Landesanstalt 

über Ergebnisse der Aufnahmen im Jahre 19(X) i 

A. Denckmann: Ueber das Oberdevon auf Blatt BaWe (Sauerland.) i 

Erich Kaiser: Mittheilung über die Revision auf Blatt Lengenfeld 

im Sommer 1900 xix 

A. Klautzsch: Bericht über die Aufnahme des Blattes Rastenburg 

im Sommer 1900 XXI i 

H. Stille: Mittheilungcn aus dem Aufnahmegebiete am südliohen 

Teutoburger Walde (Eggegebirge) xxxix 

0. Tiktze: Bericht über die Aufnahme der Blätter Lebus, Seelow, 

Köstrin und Sonnenberg , Li 

W. Weissermkl: Bericht über di<' Aufnahmen auf den Blättern 

Grabow, Balow ^ind Karstadt lv 

WiLH. Wolff: Aufnahmeergebnisse in der nordöstlichen Kassubei 

(Blatt Prangenau und Gr. Paglau) LXiii 

Paul Gustaf Krause: Bericht über die Ergebnisse auf Blatt Kutten 

(Ostpreussen) HKK) LXXi 

A. Jbntzsch: Bericht über Aufnahmen in Westpreussen .... LXXXi 
J. Korn: Ueber Aufnahmen auf den Blättern Massin, Hohenwatde 

und Költschen in den Jahren 189^) — 1900 LXXXV 

M. Schmidt: Unteroligocän von Vardeilsen LXXXVIii 

A. Denckmann und H. Potoni^c: Bericht über eine in das Gom- 

memer Quarzit • Gebiet ausgeführte gemeinsame Excursion XCIV 

4. Nekrolog auf W. Hauchixormk xcvi 

'>. Personal -Verhältnisse cxv 

') In der Textüberschrift steht irrthümlich »Rambow<' statt »Balow<. 

A* 



GA-a.^^ 



IL 

Abhandliinjs:en von Mitarbeitern der Rönigl. geologischen 

Landesanstalt. 

Seit« 

Zur Altersfrage der N.—S.-Störungen in der Kreide von Lünebarg. 

Von Herrn Gotfribd Müller in Berlio 1 

Ueber grosse flache Ueberschiebungen im Dillgebiet Von Herrn Emanukl 

Katskr in Marburg in Hessen. (Hierzu Tafel I.) 7 

Die geologischen Verhftltnisse des Kleinen Deislers, Nesselberges und 

Osterwaldes. Von Herrn Wilhelm Wunstorp in Berlin. (Hierzu 

Tafel XVn.) 26 

Ueber Steinkohlen im Mittleren Keupur am Teutoburger Walde bei Neuen- 

heerse. Von Herrn Hans Stillk in Berlin 5S 

Pentamerus - Quarzit und Greifensteiner Kalk. Von Herrn H. Lotz in 

Berlin 64 

Ueber Wallberge auf Blatt Naugard. Von Herrn M. Schmidt in Berlin Sl 
Ueber Endmoränen in Wostprousstin und angrenzenden Gebieten. Von 

Herrn G. Maas in Berlin. (Hierzu Tafel XVIII — XXI.) 93 

Fauna einer Tien)ohrung in jungen Küstcnbildungen zu Dar-cs-Sal&m. 

Von Herrn W. Wolkf in Berlin 148 

Ueber das angebliche Tertiär von Ang<Tburg und Lotzen in Ostpreussen. 

Von Herrn C. Gagel in Berlin 158 

Ueber drei Aufschlüsse im vortertiaren Untergrund von Berlin. Von 

Herrn C. Gagkl in Berlin 167 

Ueber einen neuen Aufscliluss im pommerschen Tertiär. Von Herrn 

C. Gaoel in Berlin 183 

Zwei neue Aufschlösse von marinem Ober-Oligocän im nördlichen Han- 
nover. Von Herrn W. Kobkt in Berlin 187 

Ueber Triasgeschiebe. Von Herrn < >. v. Linstow in Berlin 2(X) 

Die Lagern ngs Verhältnisse des Oberdevon und Culni am Kalkberge bei 

Ebersdorf in Schlesien. Von Herrn E. Dathk in Berlin 214 



Abhandlungen von auHserbalb der Königl. geologischen 
Landesanstalt stehenden Personen. 

Die Fauna des Senon von Biewende bei Wolfenbuttel. Von Herrn 

A. Wollemann in Braunschweig 1 

Ueber einige Coleopteren- Flügel decken aus der präglacialen Braunkohle 
und dem interglacialen Torflager von Lauenburg (Elbe). Von Herrn 
FsRNAMD Meumiek iu Bfüssel 31 

Der Sandstein von Kieslingswalde in der Grafschaft Glatz und seine Fauna. 

Von Herrn Fkiedbich Sturm in Breslau. (Hierzu Tafel H— XL) ... 3J> 

Die Fauna der oberdevonischen Tuffbreocie vor Langen aubach bei Haiger. 
Von Herrn Fritz Drevermann in Marburg in Hessen. (Hierzu Tafel 

xn— XVI.) • . . . jn) 



Seite 
Diluviale Schichten mit SfisswaBserfaana an der üntertraye. Von Herrn 

R. Struck in Lübeck 208 

lieber Mastodon im Werragebiet. Von Herrn Johammbs Walthbb in Jena. 

(Hierzu Tafel XXII.) , 212 

Sach-Register 222 

OrtsRegisier • . . 285 

Druckfehler und Berichtigungen 289 



I. 



Mittheilungen aus der Anstalt. 



1. 

Berieht ttber die Thätigkeit 
der Königliehen geologischen Landesanstalt 

im Jahre 1900. 



I. Die Aufhahmen im Gebirgslande. 

Landesgeologe Professor Dr. KoOH setzte im Mittelharz die i. Der Han. 
Aufnahme des Blattes Wernigerode (G. A. 56; 9) ^) fort Im Ober- 
harz wurden von demselben gegen Schluss der Aufuahmezeit 
Revisionsbegehungen im stkd westlichen Antheil des Blattes Zeller- 
feld (G. A. 56; 7) ausgefilhrt. 

Bezirksgeologe Dr. Beushausen setzte die Aufnahme des 
Blattes St. Andreasberg-Braunlage (G. A. 56; u) fort und filhrte 
ausserdem im Bereiche der Blätter Seeseu, Osterode und Riefens- 
beek (G. A. 55; 12, I8 und G. A. 56; is)'llevi8ionsbegehungen aus. 

Derselbe führte auf Ersuchen des Königl. Oberbergamtes zu 
Clausthal eine Studie aus zum Zwecke der Nachweisung der 
etwaigen Fortsetzung des Rammelsberger Erzlagers. 

Geheimer Bergrath Professor Dr. von Koenen beendete mit 2. proTini 
Hülfe des Bezirksgeologen Dr. Müller und des Geologen Dr. 
Schmidt die Aufnahme der Blätter Alfeld, Dassel und Lauen- 
berg (G. A. 55 ; .% 9, lö) bis auf kleine Revisionen: ferner den öst- 
lichen und nördlichen Theil des Blattes Hardegsen (G. A. 55; 21) 

1) Oradabtheilaiig 56, BlaU 9. 

9 



und setzte die Aufnahme der Blätter Hildesheim, Salzhemmendorf, 
Gronau, Sibesse, Bockenem, Eschershausen und Lamspringe 
(6. A. 41 ; 53, 66, 57, 58, 59 Und G. A. 55 ; 2, 5) fort, besonders durch 
Untersuchung der Aufschltksse bei dem Bau der neuen Bahnstrecken 
Duingen-Deliigsen und Vorwohle-Bodenwerder. 

Bezirksgeologe Dr. MOller bearbeitete einen Theil des 
Blattes Alfeld (G. A. 55; 3). 

Hülfsgeologe Dr. Schmidt kartirte einen Theil der Blätter 
Eschershausen und Alfeld (G. A. 55 ; 2, 3), führte Revisionen auf 
dem Blatte Dassel (G. A. 55; 9) aus und setzte alsdann die Auf- 
nahme auf dem Blatte Lauenberg (G. A. 55; 15) weiter fort. 
X prorioB Bezirksgeologe Dr. Zeise brachte die Aufnahme der Blätter 

^ **"* Berlingerode, Heiiigenstadt und Kella (G. A. 55; 86, 41, 47) zum 
Abschluss. 

Hülfsgeologe Dr. Kaiser überarbeitete und beendete die von 
Dr. Pröscholdt begonnene Aufnahme des Blattes Lengenfeld 
(G. A. 55; 48). 

Hülfsgeologe Dr. Naumann begann die Revision des Blattes 
Dingelstädt (G. A. 55; 42). 
4. ThfiriDgen. Laudesgcologe Dr. Zimmermann beendete die Aufnahme des 

preussischen, thüringischen und bayerischen Theils des Blattes 
Gefell (G. A. 71; 34), brachte die Revisionen auf dem Blatt Hirsch- 
berg a. S (G. A. 71; 33) dem Abschlüsse nahe und führte den 
Hülfsgeologen Dr. Kaiser in die Aufnahme des ihm überwiesenen 
Theilcs von Blatt Mielesdorf (G. A. 71 ; 28) und den Hülfsgeologen 
Dr. Siegert in die Aufnahme des ihm überwiesenen Blattes 
Schön bach-Kauschwitz (G. A. 71; 29) ein. 

Hülfsgeologe Dr. Kaiser vollendete die Aufnahme des ihm 
überwiesenen Schleizer Waldes und der angrenzenden Gebiete 
auf dem Blatte Mielesdorf (G. A. 71; 28). 

Hülfsgeologe Dr. Siegert vollendete den grössten Theil des 
Reussischen Antheils von Blatt Schön bach-Kauschwitz (G. A.71 ; 29). 

Professor Dr. Beyschlag fahrte einige Revisionen auf den 
Blättern Eisenach und Salzungen (G. A. 69; 6, 12) aus. 

Professor Dr. BüCKING unterzog das Blatt Schmalkalden 
(G. A. 70; 18) einer Schlussrevision. 

10 



Professor Dr. Scheibe fthrte einige Schlnssbegehungen auf 
den Blftttero Brotterode und Tambach (G. A. 70; 7, u) aus, wo- 
durch dieselben zum endgültigen Abschluss gelangten. 

Bergrath Frantzen setzte die Aufnahme auf Blatt Kreuzburg 
(G. A. 55; 6o) fort. 

Im Regierungsbezirk Cassel setzte Professor Dr. BOCKING 5. nie ProTini 
unter zeitweiser Hülfeleistung des Assistenten Dr. Söllner die 
Bearbeitung des Blattes Kleinsassen (G. A. 69; 28) fort. 

Major a. D. von Setfribd filhrte die Aufnahme des Blattes 
Schlüchtern (G. A. 69; 2») weiter. 

Im Regierungsbezirk Wiesbaden vollendete Professor 
Dr. Katser unter Hülfeleistung des Hülfsgeologen Dr. LoTZ die 
Aufnahme des Blattes Herborn (G. A. 67; 24). Ausserdem ver- 
wandte der Genannte noch ungefähr 14 Tage zur Begehung einiger 
besonders wichtiger Theile des erst im Spätsommer 1900 neu er- 
schienenen Messtischblattes Dillenburg (G. A. 67; is). 

Landesgeologe Dr. Leppla fahrte die Aufnahme des Blattes 
Pressberg (G. A. 67 ; 68) zu Ende , begann im Verein mit Herrn 
VON Rein ACH diejenige des Blattes Homburg v. d. H. (G. A. 68; 44). 
Ausserdem fdhrte derselbe in Gemeinschaft mit Landesgeologen 
Professor Dr. Wahnschaffe die geologisch-agronomische Unter- 
suchung der näheren Umgebung von Geisenheim im Interesse des 
dortigen Obst- und Weinbaues zu Ende. 

Professor Dr. Holzapfel beendete die Schlussrevision der 
Blfttter Caub, Algenroth und St. Goarshausen (G. A. 67; 57, 62, 61). 

Landesgeologe Dr. Loretz setzte die Aufnahme der Blätter e. ProTim 
Lüdenscheid und Altena (G. A. 53; 44, 45) fort und machte Re- . 
Visionsbegehungen auf den Blättern Hohenlimburg und Iserlohn 
(G. A. 53; 88, 89). 

Bezirksgeologe Dr. Denckmann nahm unter theilweiser Halfe- 
leistung des Hülfsgeologen Dr. LoTZ die Kartirung der Blätter 
Neheim, Balve und Plettenberg (G. A. 53; 84, 40, 46) in Angriff 
und machte Instructions - Begehungen zu Vergleichszwecken auf 
den benachbarten Blättern. 

11 



7. Die Rhein- 
pro vi ni. 



8. Provins 
Schlesien. 



HQlfsgeologe Dr. Lorz Dahin an den Orientirungs-Begehungen 
des Dr. Dengkmann Theil und begann mit der Aufnahme der 
NO.-Ecke des Blattes Balve (G. A. 53; 4o). 

HQlfsgeologe Dr. Stille kartirte den grössten Theil der 
Blätter Altenbeken und Lichtenau (6. A. 54; 16, 22) und einen 
kleinen Theil des Blattes Willebadessen (G. A. 54; 2s). 

Professor Dr. Holzapfel vollendete, vorbehaltlich einer 
Schlussreyision, das Blatt Stolberg (G. A. 65; is), kartirte den 
paläozoischen Theil der Blätter Eschweiler und DQren (G. A. 65; 12 
und G. A. 66; 7), um namentlich die hier auftretenden, den Ge- 
birgsabbruch begleitenden grossen Störungszonen festzulegen. 

Landesgeologe Dr. Dathe führte die Aufnahme der Blätter 
Rudolfswaldau, Laugenbielau, Wünschelburg und Neurode (G. A. 
76 ; 19, 20, 2Ä, 26) zu Ende, wobei besonders die specielle Gliede- 
rung des Obercarbons und des Rothliegenden der erstgenannten 
beiden Blätter durchgeführt wurde. 

Landesgeologe Dr. Leppla begutachtete im Auftrage des 
Ministeriums ft\r Handel und Gewerbe eine grössere Anzahl von 
Stauprojecten im Flussgebiet der oberen Oder. 



II. Die Aufnahmen im Flachlande 

mit besonderer Berücksichtigung der agronomischen 

Bodenverhältnisse. 

9 Provin» Landesgeologe Dr. Schroeder kartirte Blatt Lamstedt (G. A. 

und schieiwig- 23; 23) uud begann Blatt Kadenberge (G. A. 23; n\ ausserdem 

Holstein, erledigte . er Theile der Blätter Himmelpforten uud Harsefeld 

(G. A. 23; 24 und G. A. 24; 32), so dass beide in der Aufnahme 

fertig vorliegen. 

Hülfsgeologe Dr. Monke revidirte die Blätter Horneburg 
und Hagen (G. A. 24; 26, 25), kartirte einen Theil von Blatt 
Himmelpforten (G. A. 23; 24) und schloss Blatt Harsefeld (G. A. 
24 ; 82) ab. 

Bezirksgeologe Dr. Müller beendete die Aufnahme der Blätter 
Lüneburg und Lauenburg (G. A. 25; 48,38) und begann Blatt 
Hittfeld (G. A. 24; 4o). 

12 



Hülfsgeologe Dr. Koert beendigte die Aufnahme des Blattes 
Winsen (G. A. 24 ; 42) und kartirte alsdann einen Theil des Blattes 
Hittfeld (G. A. 24; 40). 

Hülfsgeologe Dr. Krusch begann und vollendete die Auf- 
nahme des Blattes Lingen und kartirte alsdann einen Theil des 
Blattes Lohne (G. A. 38; so, se). 

Bezirksgeologe Dr. Gagel kartirte einen Theil des Blattes 
Pötrau (G. A. 25; 32). 

Landesgeologe Professor Dr. Wahnschaffe kartirte das Blatt ^^ provin« 
Bäk (G. A. 26;52), welches mit Hülfe des Hülfsgeologen Dr. »"°«*•"^"«• 
Schulte bis auf einen kleinen Theil vollendet wurde. 

Hülfsgeologe Dr. Weissermel nahm den preussischen Antfaeil 
der Blätter Grabow und Balow auf, die nahezu vollendet wurden 
und begann die Aufnahme dos Blattes Karstfidt (G. A. 26; 44, 45, 51). 

Hülfsgeologe Dr. Schulte beendete die Aufnahme des Blattes 
Daunenwalde (G. A. 27; 60), betheiligte sich an der Aufnahme des 
Blattes Bäk (G. A. 26; 02) und kartirte alsdann den grössten Theil 
des Blattes Hülsebeck (G. A. 26 ; 46). 

Landesgeologe Professor Dr. Keilhack beendete gemeinsam 
mit dem Hülfsgeologen Dr. Tietze die Aufnahme der Blätter 
Seelow und Lebus (G. A. 46; 25, 82), mit den Hülfsgeologen Dr. 
Korn und Dr. Tietze diejenige des Blattes Sonneburg (G. A. 
46; 27), mit den Hülfsgeologen Dr. KoKN und Dr. von Linstow 
diejenige des Blattes Drossen (G. A. 46; 34), bearbeitete und been- 
dete allein die Aufnahme des Blattes Frankfurt (G. A. 46;S8). 
Ausserdem führte derselbe die neu eingetretenen Hülfsgeologen 
Dr. Tietze und Dr. Wünstorf in die Arbeiten ein und hielt 
einen Cursus fbr Landwirthschaftslehrer ab, an welchem auch 
noch ^der Hülfsgeologe Dr. Kaiser Theil nahm. 

Hülfsgeologe Dr. Tietze bearbeitete Theile der Blätter Seelow, 
Küstrin, Sonnenburg und Lebus (G. A. 46; 25, 26, 27, 32). 

Hülfsgeologe Dr. von Linstow kartirte den nördlichen Theil 
des Blattes Drossen (G. A. 46; 84), nahm Blatt Alt - Limm ritz 
(G. A. 4Ü; 2S) auf und bearbeitete einzelne Theile der Blätter 
Küstrin und Sonnenburg (G. A. 46; 26, 27). 

13 



Hülfsgeologe Dr. Korn beendete die Aufnahme der Blätter 
Hohenwalde und Költscben (G. A. 46; 17, 23) stellte sodann gemein- 
schaftlich mit Dr. Kbilhack die Resthälfte von Blatt Drossen 
(6. A. 46; u) fertig und nahm schliesslich den von Blatt Sonnen- 
burg (G. A. 46; 27) noch übrig gebliebenen Theil auf. 

Kulturtechniker Dr. Woblfbr bearbeitete die nordöstliche 
Hälfte des Blattes Küstrin (G. A. 46; 26), so dass die Aufnahme 
des Blattes abgeschlossen vorliegt. 

11. ProTins Hülfsgeologe Dr. Schmidt kartirte den ostlichen Theil des 

Pommaro. g,^^^ Naugard (G. A. 29; 28). 

Hülfsgeologe Dr. Wünstorf kartirte den westlichen Theil 
des Blattes Naugard (G. A. 29; 23) und setzte alsdann die Auf- 
nahme auf dem Blatte Bassenthin (G. A. 29; 22) fort. 

11 Provini Landesgeologe Professor Dr. Jentzsch stellte die Aufnahme 

der Blätter Schwetz und Sartowitz (G. A. 33; 31, 82) fertig und 
begann alsdann die Aufnahme der Blätter Laskowitz, Warlubien 
und Kulm (G. A. 33; 20,26,37). Ausserdem wurden grössere Re- 
visionstouren in der Gegend von Danzig ausgeführt und die 
7 Blätter umfassende Lieferung dieser Gegend zum Druck ab- 
geschlossen. 

Professor Dr. Grüner brachte das im Vorjahre begonnene 
Blatt Jablonowo (G. A. 33; 41) zum AbschUiss und fährte Revisions- 
touren auf dem Blatte Bahrendorf (G. A. 33; 47) aus. 

Hülfsgeologe Dr. Maas fahrte eine Schlussbegehung des 
Blattes Lindenbusch (G. A. 32; 29) aus und beendete sodann die 
Aufnahme der Blätter Zalesie und Dritschmin (G. A. 32; 23, so). 
Ferner wurden die Aufschlüsse der neuen Eisenbahn von Kulm 
nach Unislav untersucht. 

Hülfsgeologe Dr. Kuhn stellte Blatt Carthaus (G. A. 15; 42) 
fertig, führte die Aufnahme des Blattes Zuekau (G. A. 16; s?) zu 
Ende und ging sodaun auf Blatt Quaschiu (G. A. 16; 81) über, das 
zum grössten Theil kartirt wurde. 

Hülfsgeologe Dr. Wolff beendete die Aufnahme des Blattes 
Prangenau (G. A. 16; 43) und ging dauu auf Blatt Gr. Paglau 
(G. A. 16; 49) über, welches etwa zur Hälfte fertig gestellt wurde. 

14 



Landes^eologe Professor Dr. Klebs stellte die Aufnahme der is. Provin» 
Blätter Cabienen, Seehesten, Sorquitten, Sensburg und Ribben(G. A. ' p'«""*" 
3»; 5, 6, 11, 12, 17) bis auf einige kleine Theile fertig. 

Hülfsgeologe Dr. Klautzsch vollendete die Aufnahme des 
Blattes Rastenburg (G. A. 19;56) und begann die des Blattes 
Wenden (G. A. 19; 49). 

Hülfsgeologe Dr. Krause ftlbrte die Aufnahme des Blattes 
Kutten (G. A. 19; 62) bis auf einen kleinen Rest in der S W.- 
Ecke aus. 

Hülfsgeologe Dr. Kaünhowbn begann und beendete die Auf- 
nahme des Blattes Gross-Barten (G. A. 19 ; 48), vollendete diejenige 
des Blattes Gross - Stürlack (G. A. 19; 56) und stellte den geolo- 
gischen Anschluss der inzwischen in ihrer Grenz-Topographie be- 
richtigten Blätter Drengfiirth und Rosengarten (G. A. 19; 44, so) her. 

Hülfsgeologe Dr. Michael begann und vollendete die Auf- 
nahme das Blattes Gilgenburg (G. A. 34; 85) und ging alsdann auf 
das Blatt Geiers walde (G. A. 34; 29) über. 

Landesgeologe Professor Dr. Wahnschaffe fnhrte auf Ver- u. Provin« 
anlassung der deutschen Landwirtschat'ts-Gesellschaft als Mitglied 
einer Commissiou eine vierzehntägige Bereisung der Provinz Posen 
zur Feststellung der dortigen Obstbauverhältnisse aus. Es war 
ihm die Aufgabe zuertheilt, die dortigen Bodenverhältnisse zu be- 
gutachten. 

III. Anderweitige Arbeiten. 

Landesgeologe Professor Dr. Keilhack ftihrte die geologisch- 
agronomische Untersuchung der Königlichen Domäne Altkloster 
(Kreis Bomst), Hülfsgeologe Dr. Maas diejenige der Domäne 
Althöfchen (Kreis Schwerin a. W.), Hülfsgeologe Dr. Schmidt 
diejenige der Domäne Steiuhagen hei Stralsund, Hülfsgeologe 
Dr. Klautzsch diejenige der Domäne Fiddichow (Kreis Greifen- 
bagen), Hülfsgeologe Dr. Michael diejenige der Domäne Gross- 
Saabor (Kreis Neumarkt) und Kulturtechniker Dr. Wölfer die- 
jenige der Domäne Bärenklau (Kreis Osthavelland) aus. 



Posen. 



15 



stand der Im Laufc des Jahres sind zur Veröffentlichung gelangt : 

Yeröffent- 
Ilchangen. 

A. Karten. 

1. Lief. LXXIX, enthaltend die Blätter Wittlich, 
Bemkastel, Sohren, Neumagen, Morbach und 
Hottenbach 6 Blätter. 

2. Lief. LXXXVI, enthaltend die Blätter Neuen- 
bürg, Garnsee, Feste Courbiäre, Roggenhausen 4 » 

3. Lief. XC, enthaltend die Blätter Neumark, 
Schwochow, Uchtdorf, Wildenbruch, Beyers- 
dorf 5 » 

4. Tiief. XCII, enthaltend die Blätter Wilhelms- 
höhe, Cassel, Besse, Oberkaufungen ... 4 » 

5. Lief. XCIX, enthaltend die Blätter Obornik, 
Lukowo, Schocken, Murowana-Goslin, Dom- 
browka und Gurtschin 6 » 



zusammen 25 Blätter. 
Es waren veröffentlicht 451 » 



Mithin sind im Ganzen veröffentlicht . . 476 Blätter. 

Was den Stand der noch nicht herausgegebenen Karten- 
arbeiten betrifft, so ist derselbe gegenwärtig folgender: 

1. In der lithographischen Ausführung sind nahezu beendet: 

Lief. LXIV, Gegend von Suhl .... 6 Blätter. 
Lief. LXXXIV, Gegend von Orteisburg 6 » 
Lief. XCIV, Gegend von Königsberg i. N, 
Lief. XCVI, Gegend von Gülzow . . 
Lief. XCVII, Gegend von Graudenz . 
Lief. XCVIII, Gegend von Liebenberg 
Lief. CI, Gegend von Dillenburg . . 
Lief. CIV, Gegend von Passenheim 



6 » 

6 » 

4 » 

6 

4 » 

6 y> 



zusammen 44 Blätter. 



16 



2. In der lithographischen Ausführung begriffen 
sind: 

Lief. LXXXI, Gegend von Freienwalde 
Lief. LXXXVII, Gegend von Gandenitz 
Lief. XCV, Gegend von Neudamm 
Lief. C, Gegend von Zellerfeld . 
Lief. CII, Gegend von Soldin . . 
Lief, cm, Gegend von Briesen 
Lief CV, Gegend von Perleberg . 
Lief. CXVI, Gegend von Kellerwald 

Zusammen 1. und 2 

3. In der geologischen Aufnahme fertig, jedoch 
noch nicht zur Veröffentlichung in Liefe- 
rungen abgeschlossen 

4. In der geologischen Bearbeitung begriffen . 
Es sind mithin einschliesslich der herausgege- 
benen Blätter in der Anzahl von . . . . 

im Ganzen " 

zur Untersuchung gelangt. 



5 BlÄtter. 
3 



6 
4 
5 
5 
4 
4 



» 



80 Blätter. 



108 
77 

476 



» 



741 Blätter 



B. Abhandlungen. 

1. Neue Folge. Heft 30. Beüshaosen, Das Devon des nörd- 

lichen Oberharzes mit besonderer Be- 
rücksichtigung der Gegend zwischen 
Zellerfeld und Goslar. Mit 11 Abbil- 
dungen im Text und einer Karte. 

2. Neue Folge. Heft 32. A. Leppla, Geologisch-hydrographische 

Beschreibung des Niederschlagsgebietefs 
der Glatzer Neisse (oberhalb der Steine- 
mündung). Mit 7 Tafeln und einem 
Atlas. 

3. Neue Folge. Heft 34. A. Denckmann, Der geologische Bau 

des Kellerwaldes. Hierzu eine Ueber- 
sichtskarte 1 : 100000 und 2 Special- 
karten 1 : 25000. 



17 



Jahrlmflh 1900. 



ß 



Ausserdem sind noch folgende Abhandlungen im Druck und 
in der Lithographie befindlich: 

1. Neue Folge. Heft 9. Beyschlag und Potonie, Ueber das 

liothliegende des Thüringer Waldes 
Theil I. 

2. Neue Folge. Heft 18. H. Schröder, Die Säugethierfauna des 

Mosbacher Sandes. 

3. Neue Folge. Heft 24. A. von Koenen, Die Mollusken des 

Norddeutschen Neocoih. 

C Jahrbücher. 

Jahrbuch der Königlich Preussischen geologischen Landesanstalt 
und Bergakademie für das Jahr 18^)9, CXVI und 379 
Seiten Text und 16 Tafeln. 

Ferner ist das Jahrbuch für 1900 im Druck befindlich. 

D. Sonstige Karten und Schriften. 

A. Schneider, Einführung in die Benutzung des Messtisch bliltter. 

K. Keilhack, Einführung in das Verständniss der geologisch- 
agronomischen Specialkarten des norddeutschen Flach- 
landes. 

Ueber den Nach dem Berichte für das Jahr 1899 betrug 

^*^\fnJ die Gesammtzahl der verkauften Kartenblätter . 42849 Blätter, 
scbrifteu. j^ Jahrc 1900, und zwar vom 1. April bis 

31. December, wurden verkauft: 

von Blättern des Gebirgslandes 1057 Exempl. 
» » » Flachlandes 959 » 

Zusammen ... 2016 » 
so dass im Ganzen verkauft sind . . 44805 Blätter. 

Von den Abhandlungen zur geologischen Special- 
karte etc. sind verkauft worden . . . . 215 Exempl. 

Von den Jahrbüchern der Anstalt 75 

und von den sonstigen Karten und Schriften . . 63 



» 



18 



2. 

Arbeitsplan 
der Königliehen geologischen Landesanstalt 

für das Jahr 190L 



I. Die Aufnalimen im Gebirgslande. 

I. Der Harz. 

Landesgeologe Professor Dr. Koch wird auf Blatt Wernigerode 
(G. A. 56; 9) ^) liegenden Antheil des BrockengraDits und seiner 
basischen Randzone kartiren und alsdann die bereits früher be- 
gonnenen Aufnahmen auf Blatt Harzburg (G. A. 56; s) zeitweise 
unter Hülfeleistung des neu eintretenden Hülfsgeologen Dr. Bode 

fortsetzen. 

Liquidationsort: Harzburg. 

Prof. Dr. Beushausen wird die zum Abschlüsse der Erläute- 
rungen der Oberharzblätter erforderlichen Grubenbefahningen, 
zugleich mit einigen Schlussbegehuugen der Blätter Osterode und 
Seesen (G. A. 55; I8, 12) unternehmen; demnächst wird er die 
Aufnahme des Blattes St. Andreasberg-Braunlage (G. A. 56; u) 
zeitweise unter Hülfeleistung des neu eintretenden Hülfsgeologen 
Dr. Bode weiterführen. Ausserdem werden die Vorgenannten in 
Gemeinschaft mit den Landesgeologen Prof Dr. Wahnschaffb 
und Keilhack eine Begehung der fraglichen Glacialablagerungen 
im Brockengebiete ausführen. 

Liquidationsorte: Clausthal und Brauulage. 

Gradabtheilung 56, Blatt 9. 

B* 



2. Provinz Hannover. 

Geheimer Bergrath Prof. Dr. v. Koenen wird die Aiifuahme 
der Blätter Hardegsen, Lauenburg, Dassel, Alfeld und Eschers- 
hauseu abschliessen (G. A. 55; 21, 15, 9, s und 2). 

Liquidationsort: Eschershausen. 

3. Provinz Sachsen. 

Landesgeologe Prof. Dr. Wahnschaffe wird unter Hülfe- 
leistuug der Hülfsgeologen Dr Siegert und Dr. Weissermel die 
Blätter Landsberg, Halle a. S., Gröbers, Merseburg, Kötzschau, 
Weissenfeis und Lützen (G. A. 57; 29, S4, 35, 40, 41, 46, 47) geologisch- 
agronomisch flberarbeiteu. Ausserdem wird er die neu eintretenden 
Hülfsgeologen Dr. Picard und Dammer dabei in die geologischen 
Aufnahme- Arbeiten einfiihren und beschäftigen. 

Liquidationsort : Weissenfeis. 

Bezirksgeologe Dr. Kaiser wird unter Holfeleistung des 
Hülfsgeologen Dr. Naumann die Blätter Langula, Langensalza, 
Berka und Henningsleben revidiren (G. A. 56; 49, 50, 55 und 56). 

Liquidationsort: Berka. 

Hülfsgeologe Dr. Naumann wird ausserdem die Revision des 
Blattes Dingelstedt zu Ende führen (G. A. 55; 42). 

Liquidationsorte: Dingelstedt und Berka. 

4. Thüringen. 

Landesgeologe Dr. Zimmermann wird die Aufnahme der 
Blätter Schleiz, Mielesdorf und Gefeil (G. A. 7 1 ; 27, 28, 34) beenden 
und eine Schlussrevision der Blätter Lehesten, Lobenstein und 
Hirschberg (G. A. 71; 31, 32, 83) ausfahren. Derselbe wird die 
Bahnlinien Blankeuburg-Katzhütte und Probstzella-Wallendorf be- 
gehen. Ausserdem werden Prof. Dr. Scheibe und Laudesgeologe 
Dr. Zimmermann gemeinschaftlich die Aufschlüsse der im Bau 
befindlichen Eisenbahnlinie Schleusingen-Ilmeuau kartiren. 

Liquidationsorte: Schleiz und Lehesten. 

20 



Hülfsgeolo^e Dr. Siegert wird unter Leitung des Landes- 
geologen Dr. Zimmermann die Aufnahme des Thüringischen Theiles 
von Blatt Schönbach beenden (G. A. 7 1 ; 29). 

Liquidationsort: Scfaönbach. 

Prof. Dr. Scheibe wird die Revision des Blattes Schwarza 
(G A. 70; 20) ausführen. 

Liquidationsort : Schwarza. 

Bezirksgeologe Dr. Kühn wird die Aufnahme der Blätter 
Meuselwitz und Windischleuba (G. A. 57; 60 und G. A. 58; 55) be- 
ginnen. 

Liquidationsort: Windischleuba. 

Dr. Blankenhorn wird die Aufnahme der Blätter Hühnfeld 
und Ostheim zu Ende führen und die zugehörigen Erläuterungen 
verfassen (G. A. 69 ; 21, sc). 

Liquidationsorte: Hühnfeld und Ostheim. 

Bergrath Frantzen wird die Blätter Treffurt und Kreuzburg 
(G. A. 55; 54, 60) zum Abschluss bringen. 

Liquidationsort: Kreuzburg. 

5. Provinz Hessen-Nassau. 

Prof. Dr. BOCKING wird die Aufnahme der Blätter Kleinsassen, 

Hilders, Gersfeld und Sondheim (G. A. 69; 28, 29, 34, 3ö) fertig zu 

stellen suchen. 

Liquidationsort: Gersfeld. 

Major a. D. v. Seyfried wird das Blatt Schlüchtern beenden 
und die Aufnahme auf den Blättern Ober-Zeil und Steinau(G.A. 69; 
38, 39, 37) fortsetzen. 

Liquidationsort: Schlüchtern. 

Dr. Lang wird die Aufnahme der Blätter Schwarzenhorn, 
Felsberg und Homberg beginnen (G. A. 69; 1 und G. A. 55; 49, 00). 

Liquidationsort: Schwarzenhorn. 

Prof. Dr. Kayser wird die Aufnahme der Blätter Buchenau 
(Caldern), Gladenbach und Rodheim beginnen (G. A. 68; 8, 14, 20). 

Liquidationsort: Rodheim. 

21 



Landesgeologe Dr. Lrppla wird in Gemeinschaft mit Herrn 
T. Reinach die Bearbeitung des Blattes Homburg v. d. H. (G. A. 68 ; 
44) fortsetzen und die im vorigen Jahre unterbliebene Revision der 
Alteren Aufnahmen im Taunus, behufs Erlangung einer gleich- 
massigen Auffassung der Taunus-Schichten, ausfahren; insonderheit 
wird er die vortertiftren Bildungen auf den Blättern Wiesbaden 
und Hochheim (G. A.67; 60 und G. A. 68; bb) einer Revision 
unterziehen. 

Liquidationsort: Homburg, Wiesbaden und Hochheim. 

6. Provinz Westftilen. 

Landesgeologe Dr. Denckmann wird unter Hülfeleistung des 
Hülfsgeologeu Dr. Loxz die Aufnahme der Blätter Balve und 
Neheim (G. A. 53; 40, 34) tortsetzen, sowie eine Revision der Blätter 
Schwerte, Menden, Hohenlimburg und Iserlohn (G. A. 53; 32, 33, 
88, 39) vornehmen. 

Liquidationsorte: Balve, Hohenlimburg. 
Landesgeologe Dr. Müller wird die Aufnahme der Blätter 
Kamen, Unna und Werl (G. A. 53; 26, 27, 23) beginnen. 

Liquidationsort: Unna. 
Bezirksgeologe Dr. KrüSCH wird die Aufnahme der Blätter 
Dortmund und Witten (G. A. 53; 25, 31) beginnen. 

Liquidationsort: Dortmund. 
Hülfsgeologe Dr. Stille wird die Aufnahme der Blätter Alten- 
beken und Lichtenau (G. A. 54; I6, 22) zum Abschlüsse bringen 
und das Blatt Kleinenberg (G. A. 54; 28) beginnen; ferner wird er 
eine geologisch-hydrologische Untersuchung der Paderquelleu und 
des Gebietes südlich und südöstlich von Paderborn ausführeu. 

Liquidationsort : K leinenberg. 

7. Rheinprovinz. 

Prof. Dr. Holzapfel wird die Aufnahme der Blätter Aachen, 

Stolberg, Herzogenrath und Eschweiler (G. A. 65; 17, I8, 11, 12) zu 

Ende führen und die Aufnahme des Blattes Lendersdorf (G. A. 

66 ; 13) fortsetzen. 

Liquidationsort: Lendersdorf. 

22 



Landesgeologe Dr. Leppla wird eine Untersuchung der 
Wasserverhältnisse der periodisch vom Typhus heimgesuchten Ge- 
biete der Eifel und des Hohen Venn ausführen. 

Ein noch zu bestimmender Geologe wird geologisch-agronomische 

Aufnahmearbeiten in Angriff nehmen. 

8. Provinz Schlesien. 

Laudesgeologe Dr. Dathe wird die Aufnahme der Blätter 
Reichenbach und Waidenburg (G. A. 76; 14 und G. A. 75; is) ab- 
schliessen und diejenige des Blattes Carlottenbrunn (G. A. 76; is) 
beginnen. Er wird den neu eintretenden Hülfsgeologen Dr. Erd- 
M ANNSDÖRFER dabei in die Kartirung einflihren. 

Liquidationsorte: Keichenbach und Waidenburg. 

Landesgeologe Dr. Zimmermann wird die A ufoahme der 
Blätter Freiburg und Ruhbank (G. A. 75; ii, 12) beginnen. 

Liquidationsort: Freiburg. 

Prof. Dr. GÖRICH wird das Blatt Jauer (G. A. 61 ; 60) aufnehmen. 

Liquidationsort : Jauer. 



II. Die geologisch-agronomischen Aufnahmen im Flacblande. 

Landesgeologe Prof. Dr. Wahnschaffe wird in seiner Eigen- 
schaft als Abtheilungsdirigeut für die Aufnahmen im Flachlande 
iu der nicht durch Aufnahmearbeiteu in Anspruch genommenen 
Zeit Revisionsarbeiten im Gesammtgebiete des norddeutschen 
Flachlandes ausfahren. 



9. Provinz Ostpreussen. 

Landesgeologe Professor Dr. Klebs wird eine Schlusshegehung 
der Blätter Cabienen, Seehesten, Sorquitten, Seusburg, Ribben und 
Aweyden ausführen (G. A. 35; 5, 6, 11, 12, 17, is). Sodann wird er 
die Aufnahme der Blätter Seeburg und Teistimmen beginnen 
(G. A. 35; 8, 4). 

Liquidationsort: Sensburg. 

23 



Halfsgeologe Dr. Krause wird das Blatt Kutteu beeudigen 
und zeitweise unter Hülfeleistung des neu eintretenden Hülfs- 
geologen Bergreferendar Schneider das Blatt Buddern in Angriff 
nehmen (G. A. 19; 63, 46). 

Liquidationsort: Buddern. 

Hülfsgeologe Dr. Klautzsch wird die Aufnahme des Blattes 
Wenden beenden und zeitweise unter Hülfeleistung des Hülfs- 
geologen Bergreferendar Schneider diejenige der Blätter Schmo- 
lainen, Raunau und Landsberg beginnen (G. A. 19; 49 und G. A. 
18; 66, 49, 4s). Dabei wird er den neu eintretenden Bergreferendar 
Schneider in die Aufnahmen einführen und bei denselben be- 
schäftigen. 

Liquidationsorte: Wenden und Schmolainen. 

Bezirksgeologe Dr. Kaünhowen wird die Blätter Benkheim, 
Kerschken und Orlowen in Angriff nehmen (G. A. 19; 47, öm, 69). 

Liquidationsort: Benkheim. 

Hülfsgeologe Dr. Michael wird das Gut Gross-Kirsteinsdorf 
und die angrenzende Königliche Forst Giballen in Bezug auf das 
Vorkommen von Kalk untersuchen. 

Liquidationsort : Gross-Kirsteinsdorf. 

Landesgeologe Prof. Dr. Wahnschaffe wird unter Hinzu- 
ziehung der Herren Prof. Dr. Klebs, Bezirksgeologen Dr. Gagel, 
Dr. Schulte und Dr. Kaünhowen eine Schlussrevisiou der 
Blätter Schöndamerau, Theerwisch, Babienten, Jedwabno, Ortels- 
burg, Olschienen, Schweutainen, Malga, Schiemanen, Liepowietz, 
Liebenberg und Leschienen ausführen (G. A. 35; 22, 23, 24, 27, 28, 29, 

80, 83, 84, 86, 4l). 

10. Provinz Westpreussen. 

Landesgeologe Prof. Dr. Jentzsch wird zeitweise unter Hülfe- 
leistung des Hülfsgeologen Schücht die Aufnahme der angefan- 
genen Blätter Warlubien und Laskowitz fortsetzen (G. A. 33; 26, 25); 
derselbe wird ferner eine Revision der Blätter Golhib und Bahren- 
dorf (G. A. 33 ; 68, 47) ausfahren. Es wird ausserdem eine Be- 

24 



gehung der im Bau beurriffeuen Eiseubahnliuie Czersk - Lasko witz 
mit Dr. Maas — jeder auf dem in seinem Arbeitsgebiet liegenden 
Theile — ausföhren. 

Liquidationsorte: Warlubien und GoUub. 

Bezirksgeologe Dr. Kühn wird die Aufnahme des Blattes 
Quaschin zu Ende führen (G. A. l(i; 31). Ausserdem wird er 
geeignetenfalls eine Begehung der im Bau begriffenen Bahnlinie 
Cart haus- Lauen bürg ausführen. 

Liquidationsort : Quaschin. 

Hnlfsgeologe Dr. Wolff wird eine Schlussbegehung des 
Blattes Prangenau ausführen, das Blatt Paglau fertigstellen und 
Blatt Sobbowitz in Angriff nehmen (G. A. 16; 4S, 49, 00). Ausser- 
dem wird er eine Begehung der im Bau begriffenen Eisenbahn- 
linien Carthaus-Berent, Berent-Bütow und Schöneck-Pr. Stargardt 
ausführen. Zum Vergleich sowie zur Beurtheilung der in seinem 
Aufnahme-Gebiete vorkommenden Endmoränenzüge wird er unter 
Führung des Herrn Dr. Maas eine Begehung des Endmoränen- 
gebietes der Umgebung von Tuchel ausführen. 

Liquidationsort: Trockenhütte. 

Bezirksgeologe Dr. Maas wird die bereits angefangenen 
Blätter Lonsk, Lubiewo, Bromke, Schirotzken (G. A. 32; 24, 36, 
36, 41) weiter führen, und das Blatt Lubiewo fertig zu stellen 
suchen. Dabei wird er den neu eintretenden Hülfsgeologen Dr. 
Menzel in die Aufnahmen einführen und bei denselben beschäf- 
tigen. Dr. Maas wird ferner eine Revision der Blätter Schönsee, 
Briesen und Szewo ausfahren (G. A. 33 ; 02, 46, 68). Ausserdem 
wird er eine Begehung der im Bau begriffenen Eisenbahnlinie 
Konitz-Lippusch ausfahren. 

Liquidationsorte: Lubiewo und Schönsee. 

II. Provinz Pommern. 

Bezirksgeologe Dr. Michael wird die Blätter Pyritz, Werben, 
Kollin und Prillwitz in Angriff nehmen (G. A. 29; 02, 46, 47, 53). 

Liquidationsort: Pyritz. 



Landesgeologe Prof. Dr. Kbilhack wird unter Hülfeleistung 
des Herrn Dr. Korn die Blätter Langenhagen, Gützlaffshagen, 
Kolberg und Gross-Jestin zu Ende ftlhren (G. A. 13; 49, 55, 50^ 56). 

Liquidationsort: Gützlaffshagen. 

Hülfsgeologe Dr. Wünstorf wird unter Leitung des Bezirks- 
geologen Dr. Zeisb das Blatt Basenthin fertigstellen und die 
Aufnahme der Blätter Speck und Eichenwalde beginnen (G. A. 29; 

32, 28, 29). 

Liquidationsort: Basenthin. 

Bezirksgeologe Dr. Zeisb wird die Aufnahme der Blätter 
Farbezin, Daher, Schönebeck beginnen (G. A. 29; 24, so, se). Dabei 
wird er den neu eintretenden Hülfsgeologen Dr. Hess von WiCh- 
DORFF in die Aufnahmen einführen und in seinem Gebiete be- 
schäftigen. 

Liquidationsort: Daher. 

12. Provinz Brandenburg. 

Hülfsgeologe Dr. Weissermel wird eine Schlussbegehung der 
Blätter Grabow und Balow ausführen und die Aufnahme des 
Blattes Karstedt zu Ende führen (G. A. 26 ; 44, 46, 5i). 

Liquidationsort: Karstedt. 

Bezirksgeologe Dr. Schulte wird die Aufnahme der Blätter 

Halsebeck und Bäk zu Ende führen (G. A. 26; 46, 02) und die 

Aufnahne der Blätter Gorlosen und Lenzen beginnen (G. A. 26 ; 

49, 55). 

Liquidationsorte: Hülsebeck und Lenzen. 

Landesgeologe Dr. Schroeder wird die Blätter Zehden, Bär- 
walde, Quartschen, Fürstenfelde, Neudam und Tamsel druckfertig- 
stellen (G. A. 45; 12 und G. A. 46; 13, 20, 14, 16, 21). 

Liquidationsort: Zehden. 

Landesgeologe Prof. Dr. Keilhack wird eine Revision der 
Blätter Alt-Limmritz und Drossen ausführen und eine Eintragung 
der bergbaulichen Aufschlüsse bewirken (G. A. 46; 28, 84). Zur 
Hülfeleistung ist ihm Hülfsgeologe Dr. von Linstow zugewieseo, 
der die Nordhälfte des Blattes Drossen überarbeiten wird. Prof. 

26 



Dr. KbiLiHACK wird ferner unter Hülfeleistung des Dr. v. Linstow 
die Blätter Görzke, Beizig, Brück und die drei südlich daran- 
stossenden Blätter in Angriff nehmen (G. A. 44 ; 49, 60, 6i, 55, 56, 67). 

Liquidationsort: Alt-Limmritz und Görzke. 

Hülfsgeologe Dr. Korn wird die Aufnahme der westlich 
anstossenden zwei Blätter Schweinitz und Loburg in Angriff 
nehmen (G. A. 43; 64, 6o). 

Liquidationsort: Schweinitz. 

Bezirksgeologe Dr. Zbisb wird die Blätter Thomsdorf und 
Hammelspring fertigstellen (G. A. 28; 4S und 66). 

Liquidationsort: Thomsdorf. 

13. Provinz Hannover. 

Landesgeologe Dr. Schroeder wird die Aufnahme des Blattes 
Kadenberge zu Ende f&hren (G. A. 23; 17). 

Liquidationsort: Kadenberge. 

Hülfsgeologe Dr. Monke wird zeitweise unter Hülfeleistung 
des Hülfsgeologen SchüCHT die Blätter Mulsum und Ebersdorf 
kartirten (G. A. 23; 30, 29). 

Liquidationsort: Mulsum. 

Hülfsgeologe Dr. Koert wird die Aufnahme des Blattes Hitt- 
feld zu Ende führen und diejenige der Blätter Stelle, Harburg 
und AUermöhe beginnen (G. A. 24; 40, 41, 34, 35). 

Liquidationsort: Hittfeld. 

Hülfsgeologe Dr. Koert wird die im Bau begriffene Eisen- 
bahn Buchholz- Soltau begehen. Mit Dr. Monke wird er die im 
Bau begriffene Eisenbahnlinie Buchholz - Geestemünde begehen, 
und zwar jeder der Herren in dem ihm zugewiesenen Aufnahme- 
gebiete. 

Liquidationsort: Mulsum. 

Hülfsgeologe Dr. Tietze wird nach voraufgegangener Ein- 
führung durch den Bezirksgeologen Dr. Krusch die Aufnahme 
des Moorgebietes an der Ems bei Lingen und Meppen ausführen. 
Damach wird er das angefangene Blatt Lohne fertigstellen und 

27 



die Aufnahme der Blätter Wietmarschen, Veldhausen, Itterbeck 
und Hesepertwist in Angriff nehmen (G. A. 38 ; 86, 29, 28, 27, 23). 

Liquidationsort: Lingen. 

14. Provinz Schleswig-Holstein. 

Bezirksgeologe Dr. Gagel wird die Bearbeituug der Blätter 
Crummesse, Ratzeburg, Nüsse, Moelln, Schwarzenbeck und Sieben- 
eichen sowie die Preussischen Antheile auf den Blättern Carlow, 
Seedorf, Gudow, Zarrentin, Pötrau und Gresse beginnen (G. A. 25; 

14, 16, 16, 20, 21, 22, 25, 26, 27, 28, 82, SS). 

Liquidationsort: Ratzeburg. 

15. Braunschweigiscfie Enclave Calvörde. 

Landesgeologe Prof. Dr. Wahnschaefe wird die Braun- 
schweigischen und Preussischen Antheile der Blätter Calvörde, 
Mieste, Letzlingen, Uthmöden in Angriff nehmen und dabei die 
neu eintretenden Holfsgeologen Dr. Wiegers und Dr. Picard in 
die Aufnahme einfuhren und beschäftigen (G. A. 42; 42, S6 und 
G. A. 43; 81, 87). 

in. Anderweitige Arbeiten. 

Geheimer Bergrath Prof. Dr. Bbtsghlag wird zusammen 
mit Bezirksgeologen Dr. Mighael eine Untersuchung der för die 
Wasserversorgung des oberschlesischen Industriebezirkes wichtigen 
Gegenden ausftlhreo. 

Von den Landesgeologen Dr. Keilhack, Dr. Sghroeder, Dr. 
Müller und dem Bezirksgeologen Dr. Zbise wird ein Cursus zur 
EinfbhruDg von Landwirthschaftslehrern und neu eingetretenen 
Hülfsgeologen in die Methoden der geologisch-agronomischen Auf- 
nahme und die diesbezügliche Darstellungsweise in den Karten ab- 
gehalten werden. 

Von einigen noch zu bestimmenden Geologen wird vom 
1. August ab ein vierwöchentlicher Cursus zur Einführung von 

28 



Bergassessoreu und Bergrefereudaren in die Methoden der geolo- 
gischen Aufnahmen und die bezügliche Darstellungsweite in den 
Karten abgehalten werden. 

Von dem Landesgeologen Dr. Leppla wird die Königliche 
Domäne Klein-Schwalbach, von den Bezirksgeologen Dr. Zeise, 
Kaunhowen und Dr. Maas werden die Domänen Kasimirsburg, 
bezw. Klostermansfeld, Holzzelle, Fischhausen und Heiligenwalde, 
bezw. Wogeleben, von den Hülfsgeologen Dr. Koert, Dr. Siegert, 
Dr. Klautzsch und Dr. Monke die Domänen Königshorst, 
Schladebach, Viehof und Mecklenhorst geologisch - agronomisch 
untersucht werden. 

Landesgeologe Prof. Dr. Potonie wird die Untersuchung der 
Bohrkerne der fiskalischen Tiefbohrungen im Saargebiete und in 
Oberschlesien auf ihren pflanzlichen Inhalt fortsetzen. 

Holfsgeologe Dr. Wünstorf wird im Frühjahr auf Ersuchen 
der Landwirthschaflskammer für die Provinz Pommern eine Be- 
reisung der Kreise Schlawe, Bublitz und Lauenburg zur Auf- 
suchung nutzbarer Kalklager ausflihren. 

• Zum Zwecke übereinstimmender Auffassung des westdeutschen 
Diluviums wird eine gemeinschaftliche Begehung der betheiligten 
Geologen mit denjenigen der benachbarten geologischen Landes- 
anstalten Hessens und Badens versucht werden. 



29 



B. 

Mittheilungen 

der Mitarbeiter der Königlichen geologischen 

Landesanstalt über Ergebnisse der Aufnahmen im 

Jahre 1900. 



A. Denckmann: lieber das Oberdevon auf Blatt Balve^) 
(Sauerland). 

Wie in den Oberdevon-Gebieten des Oberharzes, des Keller- 
waldes, des Dillenburgischen und des Lahngebietes, so zeigt sich 
auch im Sauerlande das Oberdevon in zwei verschiedenartigen 
Ausbildungen der Profile, deren Unterschiede darin bestehen, dass 
die rothen Schiefer mit ihren sandigen oder sandigtuffigen oder 
diabasischen Begleitgesteinen entweder einem vollständigen Profile 
von Adorfer Kalk und Clymenienkalk auflagern, oder dass sie 
bis auf das Mitteldevon transgrediren. 

Eine grosse Bedeutung für unser Verständniss der Oberdevon- 
Stratigraphie hat die nach ersterer Art entwickelte Zone des 
Auftretens von devonischen Kalken, deren räumliche Ausdehnung 
im Sauerlande nach unseren bisherigen Kenntnissen durch folgende 

^) In dem Nachfolgenden ist das im nordöstlichen Viertel des Blattes Balve 
gelegenen Oberdevon- Gebiet nur soweit berücksichtigt, als es sich um allgemeine 
Verhältnisse handelt Eine specielle Beschreibung des dort vorhandenen Ober- 
devon ist von Herrn Dr. Lotz zu erwarten, der mit der Kartirung dieses Ge- 
bietes beauftragt ist. 

Jabrboch 1900. a 



n 

Punkte (von Osten her gerechnet) bezeichnet wird: Martenberg 
und Webbel bei Adorf, Grube Charlottenzug, Padberg, Eukeberg, 
Burg, Altenbüren; Gegend zwischen Kallenhardt, Ruthen, Belecke 
und Warstein; Gegend von Hachen, EflPenberg, Ainghausen, 
Estinghausen; Hövel, Koland hei Bechum, Wettmarsen, Albringen, 
Ebberg und Beuel Ober dem Asbecker Thale. 

So weit sich die Sache nach den wenigen bisher nach W. 
bin vorgestossenen Excursionen beurtheilen lässt, scheint der 
letztere Punkt die äusserste Verbreitung der oberdevonischen 
Ammonitidcnkalke nach W. hin zu bezeichnen. Schon im 
Hönnethal-Profile fehlen auf dem linken Ufer des Flusses die 
drei Clymenienkalke, während auf dem rechten Ufer der Adorfer 
Kalk nur noch in Resten vorhanden zu sein scheint. 

Im Gebiete des Blattes Balve wird die Auffindung der 
unteren Grenze des Oberdevon durch drei Umstände 
erleichtert. Einmal dadurch, dass hier das obere Mitteldevon 
bis oben hin als derber Massenkalk beobachtet wird, dessen 
oberste Lagen von einem Crinoiden- und Brachiopoden - Kalke 
gebildet werden. Sodann beobachtet man in verschiedenen Ge- 
genden, besonders in der weiteren Umgebung der Stadt Balve, 
über dem Massenkalke einige geringmächtige Bänke von theils 
dunklem feinkörnigen, theils hellem dichten Kalke, dessen Fauna 
derjenigen der Prolecaniteu-Schichten des Dillenburger Gebietes 
entspricht. Endlich tritt im Gebiete des Blattes Balve, ebenfalls 
in weiter Verbreitung im tiefsten Oberdevon ein z. Th. in Diabas- 
Porphyrit übergehender Diabas-Mandelstein mit seinen Schalsteinen 
auf, der uns jedes Zweifels darüber enthebt, dass wir uns bereits 
im Oberdevon befinden. 

Schwieriger, als in unserem Gebiete, scheint sich die Frage 
nach der unteren Grenze des Oberdevon auf dem westlich an- 
stossenden Blatte Iserlohn zu gestalten. Beispielsweise löst sich 
in der Gegend von Hemer der massige Stringocephalenkalk nach 
oben hin in flinzartige Bänke auf, die ihrem allgemeinen petro- 
graphischen Habitus nach recht wohl schon Oberdevon sein könnten, 
die aber zum Theil noch erfüllt sind von Stringocephalus Burtini 
Defr. Diese Verhältnisse erheischen natürlich eine besondere 



m 

Sorgfalt und Beachtung der in den Kalken eingeschlossenen Faunen, 
falls man überhaupt Werth darauf legt. 

Die Sediment-Folge im Oberdevon ist: 

1. Aeiteres Oberdevon. 

a. Prolecaniten-Kalk. 

lieber den Prolecaniten - Kalk habe ich in der Deceniber- 
Sitzung der deutschen geologischen Gesellschaft ausführlicher ge- 
sprochen. (Siehe das Protocoll der December-Sitzung 1900.) 

b. Horizont des Diabas - Mandelsteins, des Diabas- 

Porphyrit und des Schalsteins. 

Im Hangenden des Massenkalke» und im Liegenden des 
Flinz beobachtet man in der weiteren Umgebung der Stadt Balve 
den Diabas mit seinen Schalsteinen in grösserer Verbreitung. 
Die von mir bis jetzt beobachteten Vorkommen sind folgende: 
Die Feldmark nordwestlich des Schlosses Wocklum; der Wasser- 
riss oberhalb Peterburg bei Wocklum ; der Weg, welcher südlich 
der Wocklumer Mühle nach der ehemaligen Eisenhütte führt; 
der hohle Stein östlich und südöstlich der Balver Höhle; das 
Gebiet, welches nördlich und nordöstlich, nordwestlich und west- 
lich an den Husenberg angrenzt; eine Anzahl Punkte, die zwischen 
Balve, Frühlingshausen und dem Galgenberge liegen; die weitere 
Umgebung der Langenholthäuser Ziegelei. 

Die Aufschlüsse im Diabas -Mandelstein des Blattes Balve 
sind in der Regel schlecht. Sein Gestein ist meist so stark 
durch Druckschieferung entstellt, dass es schwer ist, das Eruptiv- 
gestein von seinen Schalsteinen zu unterscheiden. In dem oben 
erwähnten, oberhalb Peterburg gelegenen Wasserrisse, sowie be- 
sonders an dem Fusswege, der von Balve nach Benkamp führt, 
finden sich dem Schalsteine Kalkgerölle von Massenkalk eingebettet. 

Die weiteren Untersuchungen müssen ergeben, wie weit sich 
eine Trennung der Diabase von ihren Schalsteinen durchführen 
lässt. Nach den bisherigen, in dieser Beziehung gemachten Er- 

a* 



IV 

fabruDgeD bat es den Anschein^ dass eine solche TrennuDg nur 
mit Hülfe werthloser Constructiouen möglich sein wird. 

Eine grössere Bedeutung in wirthschaftlicher Beziehung ge- 
winnen die diabasischen Gesteine des Blattes Balve dadurch, 
dass der an ihrer Basis auftretende Massenkalk vielfach zu Roth- 
eisenstein umgewandelt ist. Diese Erfahrung haben sich die 
älteren Bergleute der Gegend von Balve zu Nutzen gemacht und 
haben den Contact des Massenkalkes mit den Diabas-Mandel- 
steinen und dessen Schalsteinen ausgiebig durch Schürfarbeiten ver- 
folgt. An einigen Stellen, so besonders in der Grube Husenberg bei 
Balve, welche vom sogen. Baumhofe aus durch einen Stollen er- 
schlossen ist^ hat Abbau stattgefunden. Die hier gewonnenen 
Erze wurden auf der Wockluuier Hütte verhüttet. 

Der genannte Stollen ist leider zur Zeit unfahrbar, weil das 
Stollen-Mundloch vermauert worden ist. Da nun von der Halde eines 
Lichtschachtes der Grube Husenberg meine Prolecaniten-Funde 
stammen, so wäre es von Wichtigkeit, dass der Stollen, der nach 
Angabe älterer Bergleute im Uebrigen voraussichtlich fahrbar ist, 
zum Zwecke der Untersuchung geöffnet würde. 

c. Flinz. 

Bänke eines hellen oder duuklen körnigen Kalkes, Lagen 
von Linsen eines duuklen körnigen Kalkes, die mit milden, 
mergeligen Thonschiefern wechsellagern, treten unmittelbar über 
den Criüoidenkalken auf, welche, wie unten ausgeführt, als höchster 
Horizont des Massenkalkes beobachtet werden — sofern nicht 
die Gesteine des vorigen Horizontes dazwischen liegen. 

Im Gebiete des Blattes Balve spielt der Flinz nur eine 
untergeordnete Rolle. Zwischen dem Asbecker Thale und dem 
Dorfe Eisborn fehlt er überhaupt. Südlich von Eisborn, bis in 
die Gegend des Dasberges ist der Contact des Oberdevon mit 
dem Massenkalke zweifellos V^erwerfungscontact. Es ist also 
nicht zu entscheiden, ob der Flinz hier entwickelt ist, oder nicht. 
Am NW.- Hange des Dasberges und südlich vom Dasberge, rechts 
von dem Wege, der nach Beckum führt, treten die Schichten 
des Flinz unter der nächstfolgenden Zone stellenweise zu Tage. 



Weiterhin findet sich der Flinz östlich vom Husenberge bei 
Beckum sowie in dem zwischen Koland und Wocklum gelegenen 
Gebiete. In der weiteren Umgebung der Stadt Balve tritt der 
Flinz besonders häufig als Hangendes des Diabas zu Tage; so 
Dördlii'h und südlich des Schlosses Wocklum, an der Wocklamer 
MQhle, am Wocklumer Hammer, am Husenberge, am nordwest- 
lichen Schieberge, im südlichen Theile der Stadt Balve und 
südlich der Stadt, am rechten Ufer der Hönne oberhalb Balve 
bis über Hammerwerk Röthloh hinaus. Endlich findet sich der 
Flinz nördlich von Langenholthausen, in der Gegend der Grube 
Fossloh, anscheinend jedoch in äusserst geringer Mächtigkeit. 

Im grossen Ganzen tritt die Entwickelung des Flinz auf 
Blatt Balve gegenüber seiner Mächtigkeit auf dem benachbarten 
Blatte Iserlohn ganz erheblich zurück. Am Beuel über dem 
Asbecker Thale keilt er sich vollkommen aus, im Profile der Grube 
Fossloh ist seine Mächtigkeit äusserst gering. Mächtiger wird er 
nur in der Umgebung der Stadt Balve. 

Was die stratigraphische Stellung des Flinz anbetrifilt, so 
fehlen bis jetzt die Faunenfunde, die eine sichere Bestimmung 
seines specielleren Horizontes ermöglichen, namentlich auch seines 
Verhaltens gegen die Büdesheimer Schiefer. Auch ist es nach 
allen von mir bis jetzt gemachten Beobachtungen nicht ein- 
fach zu entscheiden, wie weit der Flinz local durch Tbonschiefer 
vertreten wird. So viel scheint jedoch sicher, dass man in allen 
von mir beobachteten Profilen, so weit überhaupt dem Flinz 
analoge Gesteine in Frage kommen, den derbe Kalkhänke und 
Kalklinsen ftihrenden Flinz von dem dichte Plattenkalke führenden 
üächstfolgenden Horizonte schon nach der Gesteiubeschaflenheit 
leicht unterscheiden kann. 

Der Flinz kann dem entsprechend vorläufig, d. h. so lange 
nicht Faunenfunde zu Hülfe kommen, nur nach folgenden Gesichts- 
punkten im.Sauerlande auf der Karte fixirt werden: 1. Nach 
unten hin wird durch specielle Untersuchungen festzustellen ge- 
sucht, wie weit dem Flinz petrographisch gleichartige Bänke noch 
als Mitteldevon aufzufassen sind. Hierbei wird man besonders 
feststellen müssen, ob der Prolecaniten-Horizont, der an manchen 



VI 

Stellen ftir die Grenze der beiden Formations-Abtheilungen leitend 
ist, in seiner Eigenschaft als dichter Kalk durchgeht, und ob 
man ihn im gegebenen Falle dem entsprechend als Leithorizont 
benutzen kann. 2. In dem mächtigen Systeme von dunklen 
Thonschiefern mit Kalkeinlagerungen des unteren Oberdevon wird 
man zunächst rein petrographisch einen tieferen Flinz-Horizont 
von einem höheren (reinen, splittrigen, plattigen Kalk führen- 
den) Horizonte unterscheiden. Durch Aufsuchung von Faunen 
ist dann festzustellen, wie weit etwa die so petrographisch ge- 
trennten Sedimente einerseits den Schichten der Rhynchonella 
cubaides^ andererseits den Büdesheimer Schiefern bei Büdeshcim 
zu identificiren sind. 

Es ist wohl kaum nöthig hier zu erwähnen, dass meine Auf- 
fassung des Flinz nicht unwesentlich von derjenigen der üeber- 
sichtskarte (Blatt Lüdenscheid) abweicht. 

d. Büdesheimer Schiefer. 

Mächtige dunkle, milde Thonschicfer, die namentlich nach 
ihrer oberen Grenze hin Bänderung und Flammung zeigen, 
nehmen auf Blatt Balve einen grossen Theil des Gebietes ein, 
welches östlich von der Entwickelung des Massenkalkes, zwischen 
diesem und dem Culm-Kieselschiefer liegt. Der Thonschiefer ist viel- 
fach lagenweise von Pyritknollen durchschwärmt, ganz wie solche 
in den Büdesheimer Schiefern der Eifel und des Kellerwaldes auf- 
treten. Von Versteinerungen enthält der Büdesheimer Schiefer 
Cypridinen und Tentaculiten, vielfach in grosser Häufigkeit der 
Individuen das Gestein erfüllend; selten scheinen verkieste Torno- 
ceraten und Gephyroceraten zu sein, wie ich solche au dem von 
Langenholthausen nach Garbeck führenden Wege in dem nord- 
östlich des Hahnberges dicht über der Wasserscheide liegenden 
Hohlwege aufgefunden habe. Das Gestein enthält ausser den 
Goniatiten noch Kerne von Gastropoden, Zweisehaleru (Posidonta) 
und Brachiopoden (Cavmrophoria), Dieselbe verkieste Fauna, 
mit Ausnahme der Goniatiten beobachtete ich an dem gleichen 
Wege, etwa 400 Meter von den letzten Häusern des Dorfes 
Langenholthausen entfernt. 



VII 

£8 ist nicht uDwahrscheiDÜch, dass maa durch methodisches 
Sammeln in unseren Schiefern eine reiche Fauna zu Tage fördern 
wird. Ich selbst konnte mich nur in beschränktem Maasse dieser 
Aufgabe widmen^ um so mehr, da der Beweis für die strati- 
graphische Stellung der oberdevonischen Thonschiefer durch oben 
genannte Goniatiten-Funde, in Verbindung mit anderen strati- 
graphischen Thatsachen, relativ früh während der Aufnahme des 
vorigen Sommers erbracht wurde. 

Unter den Finlagerungen in den Büdesheimer Schiefern ist 
im Gebiete des Blattes Balve, abgesehen von vereinzelten Linsen- 
und Knollen -Lagen dichten Kalkes, ein Horizont bemerkens- 
werth. £s ist dies eine im Durchschnitt nicht über 6 Meter mächtige 
Folge von Plattenkalken, die mit Kuollenkalk-Lagen wechsel- 
lagern. Der dünnplattige Plattenkalk sowohl, wie der Knollen- 
kalk sind hell gefärbt, dicht, splittrig. Sie zeigen eine grosse 
Aehnlichkeit mit dem Adorfer Kalke, werden aber durch das 
Fehlen des schwarzen Kellwasser-Kalkes mit seinen bituminösen 
schwarzen Schiefern, der sich im Adorfer Kalke nirgends ver- 
leugnet, von ihm unterschieden. 

Mit Ausnahme von Einzelkorallen, die ich in einem verlassenen 
Steinbruche des Schieberges bei Balve in unserem Plattenkalke 
auffand, haben sich bis jetzt keine Versteinerungen in ihm gefunden. 
Die stratigraphische Bedeutung unseres Plattenkalkes, wenigstens 
fiir den südlichen Theil des Gebietes, geht besonders daraus 
hervor, dass seine Verbreitung die genauere Feststellung des 
Verlaufes von Querverwerfungen in dem betreflPenden Oberdevon- 
Gebiete gestattet. 

Eine höchst auffällige Erscheinung ist im Bereiche des Blattes 
Balve das Fehlen der Büdesheimer Schiefer und ihrer FHnz- 
Unterlage zwischen dem Dorfe Eisborn und dem Asbecker Thale 
(bezw. dem rechten Ufer de» Hönnethales). Nach den immerhin 
am nordwestlichen Hange des Beuel relativ günstigen Aufschlüssen 
hat es den Anschein, als lagerten hier die Plattenkalke des 
Adorfer Kalkes direct auf mitteldevonischem Massenkalke. Obwohl 
eine derartige Lagerung nach den im Briloner Gebiete gemachten 



VIII 

Erfahrungen nichts Auffälliges hat, so ist doch das schnelle Aus- 
keilen von Tentaculiten- und Cypridinen- führenden Thonschiefern 
auf eine relativ kurze Strecke aufi&llig. Schon auf dem linken 
Hönne-Ufer setzen die Büdesheimer Schiefer wieder mit grösserer 
Mächtigkeit ein. 

Nach den immerhin wenigen bisher von mir im Sauerlande 
ausgeführten Orieutirungstouren lässt bich schon jetzt Einiges 
sagen, das die bisherigen Auffassungen und Darstellungen von 
diesem Theile des Rheinischen Schiefergebirges zu ergänzen im 
Stande ist. 

Zunächst erreichen die Büdesheimer Schiefer nach W. hin, 
im Gebiete der von Herrn Dr. Loretz bearbeiteten Blätter 
eine beträchtliche Mächtigkeit. Hier nehmen auch die Ein- 
lagerungen dichter Plattenkalke an Stärke gewaltig zu. In den 
Plattenkalken iindet man nicht selten (so am Bahnhofe Hemer, 
nördlich von Bilveringsen, nördlich von Letmathe etc.) bituminöse 
Schiefer und Platten oder Linsen schwarzen, bituminösen Kalkes 
eingelagert. Wie weit es sich hier um das Auftreten von Adorfer, 
bezw. von Kellwasserkalk handelt, bedarf noch der Untersuchung. 

Herr Loretz scheidet im genannten Gebiete eine Zone 
harter, kieselschieferartiger Schiefer aus. 

Im grossen Ganzen hat Verfasser von seinen bisherigen, west- 
lich des Blattes Balve ausgeführten Excursionen den Eindruck 
erhalten, als sei die Ausscheidung eines einzigen Plattenkalk- Hori- 
zontes hier nicht in der Weise durchführbar, wie im südwest- 
lichen Viertel des Blattes Balve. 

Im Lennethale wird das als dichter Schwerspath zu Tage 
Ausgehende der Meggener Schwefelkieslagerstätte von Prolecaniten 
führendem Knollenkalke, dieser von dunklen Thonschiefern über- 
lagert, in denen verkieste Goniatiteu (Tomoceras simplex etc.) 
ziemlich häufig sind. Wir haben es hier wohl mit Büdesheimer 
Schiefern zu thun, die transgredirend von den rothen und grünen 
Thonschiefern des Fossley überlagert werden. Dem gleichen 
stratigraphischen Niveau, wie die Büdesheimer Schiefer von 
Meggeu scheinen die Lenne abwärts am rechten Ufer des Flusses 



IX 

gelegenen, in alten Tagebau-Pingen aufgeschlossenen Dachschiefer 
anzugehören. 

In der Gegend von Nuttlar folgen auf die dort in einer An- 
zahl von Tagebauen und von unterirdischen Betrieben gewonnenen 
Flinz- Dachschiefer, die entweder dein unteren Oberdevon, oder 
dem obersten Mitteldevon angehören, reine milde dunkle Thon- 
schiefer, die wiederum von Fossley mit hangendem, das Devon 
nach oben hin abschliessendem Wocklumer Kalke unterteuft ^) 
werden. Auch hier sprechen Gestein und Lagerungsverhältuisse 
daf&r, dass in der betreffenden Gegend die Büdesheimer Schiefer 
vorhanden sind und durch die genannten reinen, dunklen Thon- 
schiefer vertreten werden. 

e. Adorfer Kalk. 

Die ersten Funde von Versteinerungen im Adorfer Kalke 
des Hönnethal-Gebietes machten Herr Dr. LoTZ und ich am 
gleichen Tage, unabhängig von einander am Beuel über dem 
Asbecker Thale. Hier ist besonders ein Steinbruch bemerkens- 
werth, aus dessen Profile hervorgeht, dass im Adorfer Kalke der 
betreffenden Gegend sich zwischen die Plattenkalke eine wohl 
5 Meter mächtige Zone von rothem Knollenkalke oder Kramenzel- 
kalke einschiebt, die übrigens keineswegs selten Gephyroceras intu- 
m^scens und andere leitende Versteinerungen führt. Erst über 
diesem rothen Knollenkalke lagert diejenige Gesteinsfolge von 
theils schwarzen bituminösen, theils hellröthlichen dichten Kalken, 
welche von Petrefacten geradezu erfüllt ist, und welche sich durch 
riesige Exemplare von Geph. intumescejis sowie durch schön er- 
haltene Stücke von Beloceras mvltilobatum auszeichnet. Wie an 
allen übrigen Punkten, so tritt auch hier der Kellwasserkalk in 
Form von Linsen in dünnen Lagen eines schwarzen bituminösen 
Thonschiefers oder Mergelschiefers auf. Der Zug des Adorfer 
Kalkes ist am Beuel in seiner ganzen streichenden Erstreckuug 
(bis zur Verwerfung, die ihn im 0. abschneidet) theils durch 

Bei überkippter Lagerung. 



Steinbrüche, theils durch natürliche Entblössungen vorzüglich 
aufgeschlossen. 

Ein weiteres Gebiet der Verbreitung des Adorfer Kalkes im 
Hönnethal-Revier liegt in der Gegend von Hövel, westlich der 
grossen Einbruchs-Zone, auf welcher hier die Sedimente der 
Steinkohlenformation gegen das Devon nach O. hin abschneiden. 
Die erste Cardiola anguli/era fand ich in diesem Gebiete an dem 
Wege, welcher vom Dorfe Hövel nach dem Dasberge führt. Eigen- 
thümlich ist hier für den Adorfer Kalk das Zurücktreten der 
reinen Plattenkalke gegenüber mehr plattig- schief rigen 
Sedimenten, die mit dichten Plattenkalken wechsellagern. Derartige 
abweichende Gesteinsausbildungen können irre führen. Immerhin 
bewahrt den aufmerksamen Beobachter das nirgends zu verkennende 
Auftreten der Kellwasserkalke vor der Verwechslung dieser mehr 
schiefrigen Sedimente des Adorfer Kalkes mit den mehr kalkigen 
Sedimenten der Büdesheimer Schiefer. 

Auffällig ist das Auftreten des Adorfer Kalkes in Platten auf 
den Büdesheimer Schiefern, eine Erscheinung, die auf sehr flache 
Lagerung des Devon in dem fraglichen Gebiete schliessen lässt. 
Die Gegend von Hövel zeigt übrigens in besonders schöner Weise 
die Bänderung und Flammung der Thonschiefer des vorigen Hori- 
zontes in der Nähe der Basis des Adorfer Kalkes. 

Sehr wichtig war für mich die Auffindung von Adorfer Kalk 
in einem kleinen Steinbruche, welcher unmittelbar westlich des 
Dorfes Langenholthausen über dem Garbecker Wege liegt, und 
der in seiner räumlichen Ausdehnung einer im Streichen nach 
beiden Seiten sich aushebenden Mulde von Adorfer Kalk im 
Büdesheimer Schiefer entspricht. Der Adorfer Kalk selbst, in 
dem ich u. A. Belocevas 7mdtilobaium und Gephyroceras intumescena 
fand, ist hier in der speciell Petrefacten führenden Lage dunkel 
geflammt, ähnlich, wie sich dies schon am Dasberge östlich von 
Hövel beobachten lässt. 

Das genannte Vorkommen von Langenholthausen ist besonders 
deshalb wichtig, weil dadurch die stratigraphische Selbstständigkeit 
der (in der Nähe verkieste Gouiatiten führenden) mächtig ent- 
wickelten Büdesheimer Schiefer bewiesen wird. 



XI 

Endlich ist noch ein Vorkommen des Adorfer Kalkes hier 
zu besprechen, das etwas jenseits der SW. - Ecke des Blattes 
Balve, unweit der von Balve nach Neuen rade fahrenden Strasse 
bei dem Wirthshause Kuschert liegt, ein Vorkommen, das ge- 
legentlich von Herrn Dr. Lotz und mir gemeinsam entdeckt 
wurde. Hier zeichnen sich speciell die schwarzen Linsen des 
Kellwasserkalkes durch vorzügliche Erhaltung der in ihnen zahl- 
reich eingeschlossenen Petrefacten aus. Der Adorfer Kalk, der 
hier ausser genanntem Kellwasserkalke auch aus dünnplattigen, 
dichten Kalken sowie aus Kalkbänken von kramenzliger Structur 
besteht, lagert auf Büdesheimer Schiefern und wird von Fossley 
(vorwiegend rotheu Thonschiefern) überlagert. Der Adorfer Kalk 
ist an der Kuschert in zahlreichen kleinen Steinbrüchen Gegen- 
stand der Gewinnung von Strassenmaterial gewesen. 

Dem Gestein nach zweifelhaft ist mir das Kalkvorkommen 
geblieben, dessen westliches Abschneiden an einer Verwerfung von 
dem Feldwege getroffen wird, der vom Hahnenberge nach Langen- 
holthausen führt. Da ich indess hier keine Versteinerungen ge- 
funden habe, so habe ich mich entschlossen, das betreffende 
Gestein auf der Karte als Kalkeinlagerung in den Büdesheimer 
Schiefern darzustellen. 

2. Jüngeres Oberdevon oder Clymenlen-Schlchten. 

Durch die Auffindung eines neuen, Clymenien führenden 
Kalk-Horizontes über den rothen Thonschiefern, Sandsteinen etc., 
des Fossley, fallt die scharfe Trennung fort, welche nach unseren 
bisherigen Kenntnissen zwischen dem als Ammonitidenkalk ent- 
wickelten Oberdevon (Adorfer Kalk, Clymeuienkalk) einerseits 
und dem Fossley andererseits bestand. Jedenfalls ist das Auf- 
treten von Clymenien in den devonischen Sedimenten etwas so 
Auffälliges, dass die Zusammeufossung der Clymenien führenden 
Sedimente zu einer grösseren Gruppe wohl kaum der Recht- 
fertigung bedarf. Eine andere Frage ist die, ob mau F. Frech's 
Vorschlage entsprechend einen bestimmten Horizont von Chiloceraa 
und Toimoceras führenden Gesteinen (die er mit den Goniatiten- 
Schiefem von Nehden identificirt), der auch im Sauerlande als 



XII 

tiefstes Glied des Enkeberger Kalkes beobachtet wird, als 
mittleres Oberdevon ausscheiden soll. Ich muss zunächst 
diese Frage verneinen. Denn erstens fallt das ganze mittlere 
Oberdevon in sich zusammen, in dem Falle, dass Frech's Iden- 
tiJBcation seines mittleren Oberdevon mit den Nehdener Schiefern 
sich als unrichtig erweist. Zweitens findet sich der grösste Theil 
der im »mittleren Oberdevon« auftretenden Goniatiten-Gruppen im 
Clymenienkalke — auch im Wocklumer Kalke wieder, so dass eine 
scharfe paläontologische Grenze nicht zu bestehen scheint. Drittens 
spielt der von F. Frech als mittleres Oberdevon angesprochene 
Horizont in den wichtigsten Oberdevou-Gebieteu, die wir genauer 
kennen, eine so minimale stratigraphische Rolle, dass es nicht 
lohnt, ihn als besondere Formations- Abtheiluug auszuscheiden. Ich 
setze natürlich voraus, dass man die durch Gon, delphinus, Bran- 
coceras aulcatum^ Sporadoceras Bronni etc. ausgezeichneten höheren 
Bänke des Enkeberger Kaikos, die von den Clymenienschichten nicht 
zu trennen sind, und in denen Clymenien vorkommen, von der 
Benennung »mittleres Oberdevon« von vorn herein ausnehmen 
würde. 

a. Enkeberger Kalk. 

Die tiefsten Bänke des Enkeberger Kalkes sind am besten 
in dem kleinen Steinbruche aufgeschlossen, der an der Asbecker 
Strasse am NW.-Hange des Beuel wohl zur Gewinnung von 
Strassenmaterial angelegt worden ist. Während noch am Eingänge 
des Steinbruches die Schichtenköpfe von Adorfer Plattenkalk und 
von Kellwasserkalk zu Tage treten, bestehen der südliche und der 
südöstliche Stoss des Steinbruches schon ganz aus Knollenkalken, 
die in Bänke abgesondert sind, und die in manchen Lagen reich 
sind an Individuen von Tornoceras- und C/nloceras- Arien, Nach 
oben hin nehmen die Kalke unseres Horizontes mehr bankige 
bis dickplattige Beschaffenheit an, indem die Knollenkalk-Structur 
zurücktritt. Diese Kalkbänke sind erfüllt von einer schön er- 
haltenen und reichen Fauna, besonders von Orthoceniteu, Gompho- 
ceraten, Goniatiten und Zweischalern. Wichtige Leitfossilien 
dieser Kalke sind u. A. Gonialite^ dflphinus^ Kochia dispar. 



XIII 

Von weiteren Vorkommen des Enkeberger Kalkes ist zu- 
nächst dasjenige des Wettmarser Steinbruches zu erwähnen. 
Der betreffende Steinbruch selbst Hegt in mächtigen Knollen- 
kalken, die als Bausteine, als Flursteine und als Prellsteine 
gewonnen werden. Die über dem Steinbruche zu Tage tretenden 
Klippen zeigen die mehr plattigen bis bankigen Gesteine unseres 
Horizontes, die auch hier eine reiche Fauna enthalten. 

Weiterhin ist der untere Clymenienkalk besonders an der 
linken Seite der von Hövel nach Sanssouci führenden Strasse, 
zwischen Hövel und dem Ballberge, sowie diesem Vorkommen 
gegenüber, unter dem Radeberge erschlossen. An letztgenannter 
Stelle findet man die Goniatiten des tieferen Enkeberger Hori- 
zontes. 

Femer konnte ich das Auftreten des Enkeberger Kalkes 
im Zuge des Roland bei Beckum an einer Reihe von Punkten 
durch glückliche Petrefactenfunde uachweiseu. 

b. Zone der Clymenia annulata. 

Verfolgt man von der Asbecker Strasse aus die untere Kiesel- 
schiefergrenze am N. -Hange des Beuel, so stösst man zunächst 
im Hochwalde auf einen kleinen, alten Steinbruch, in dem unter 
der Kieselschiefergrenze Clymenienkalke zu Tage treten. In 
diesen Kalken fand ich u. A. ein grosses Exemplar von Clymenia 
annulata. Weiter oben, etwa auf der Mitte des Berghanges findet 
sich an der Grenze des Hochwaldes gegen die daranstosseude 
Fichtenschonung ein kleiner, verlassener Steinbruch, in dem die 
KnoUeukalke des Enkeberger Kalkes gewonnen sind. Ueber 
diesem Steinbruche findet sich eine Klippe, an der gleichfalls die 
Versuche zur Anlagre eines Steinbruches zu erkennen sind. Die 
oberen, plattig entwickelten Schichtenköpfe der an dieser Klippe 
zu Tage tretenden Kalke enthalten eine mergelige Zwischenlage, 
welche von Petrefacten erfüllt ist. Ebenso reich an Fossilien ist 
diejenige Platte, welche zunächst über der mergeligen Zwischen- 
lage vorhanden ist. Besonders häufig sind hier Clymenien, Gonia- 
titen und Zweischaler. Namentlich die Deckplatte des Mergel- 
schiefers zeichnet sich neben vielen Schalentrümmeru von Clymenien 



XIV 

durch relativ riesenhafte, vollständige Exemplare der Clymenia 
annulata aus, die bis über 150 Millimeter Durchmesser erreichen. 

Von Interesse, wenn auch für den Kenner der Cephalopoden, 
speciell der Animonitiden nicht überraschend ist die Beobachtung, 
dass die grossen Exemplare der Clymenia annulata ihre Sculpturen 
verlieren und glatt werden, so dass die grösseren Stücke gewissen 
Aegoceraten des Lias in der äusseren Form ähnlich werden. 

Im Interesse einer cxacten Stratigraphie ist es von Wichtigkeit 
zu constatiren, dciss der nirgends sehr mächtige Horizont der 
Clymenia annulata sich so weit nach Westen, bis in die unmittel- 
bare Nähe des Hönne-Flusses hat verfolgen lassen. 

c. Dasberger Kalk. 

Der Dasberger Kalk (= oberer Clymenienkalk meiner 
früheren Publicationeu) wurde in dem speciell kartirten Gebiete 
im Wesentlichen in einer zwischen dem Dasberge und dem Gute 
Wettmarsen gelegenen, nicht sehr breiten Zone von mir beobachtet. 
Vielleicht treten seine tiefsten Schichten auch in den Aufschlüssen 
des Oberdevon-Kalkes zu Tage, welche au der von Hövel nach 
Sanssouci führenden Strasse liegen. Die reichsten Fundstellen in 
dem oben näher bezeichneten Gebiete sind: die nordöstlich und 
nördlich des Dasberger trigonometrischen Punktes gelegenen, mit 
Fichten bestandenen Waldflächen und die davor gelegenen Feld- 
flächen. Ferner die von obigem Gebiete nach Wettmarsen zu 
führende Depression, drittens das System von kleinsten Thälern, 
welches sich östlich bis nordöstlich der Haar nach Wettmarsen 
zu erstreckt. An allen drei Punkten, besonders an den drei erst- 
genannten, ist der typische Knolleukalk unseres Horizontes erfüllt 
von grossen, z. Th. riesenhaften Clymenien. Besonders häufig ist 
Clymenia laevigata. 

Nicht selten findet man Exemplare der Clymenia speciosa^ die 
(ohne Wohnkammer) einen Durchmesser bis zu 250 Millimeter 
erreichen. Daneben gehören Cl. undulata^ CL striata (letztere bei 
Wettmarsen mit Muudrand) und eine Anzahl theils neuer, theils 
noch nicht bestimmter Clymenien-Formen, ferner Brancoceras sul- 
catum, Sporadoceraif Bronni keineswegs zu den Seltenheiten. 



Ein glimmerig sandig kalkiges, plattig abgesondertes Gestein, 
in dem eine eigen thümliche, anscheinend zum Thcil neue Cly- 
menieu-Fauna auftritt, wechsellagert in geringer Mächtigkeit mit 
dem typischen Knollenkalke unseres Horizontes. 

d. Fossley. 

Fossley (== Fuchsfelsen = rothe Felsen) ist in einigen Gegenden 
des nördlichen Sauerlandes die locale Benennung für die Klippen, 
welche durch die rothen und grünen Thonschiefer des Oberdevon 
sowie durch die diesen eingelagerten rothen Kalkknotenschiefer 
gebildet werden. 

Mit dem Fossley kommen wir in diejenigen oberdevonischen 
Sedimente des Sauerlandes, welche den Auenberger Schichten 
des Kellerwaldes entsprechen, und welche gleich diesen über 
ältere Bildungen des Oberdevon hinweg transgrediren. 

Wie im Kellerwalde, so bestehen auch im Sauerlande die 
hierher gehörigen Gesteine hauptsächlich aus rothen und grünen 
Thonschiefern, denen entweder Knotenkalke und Kalkknoteu- 
schiefer, oder Sandsteine eingelagert sind. Diabase und die 
durch deren Auftreten bewirkte schalsteiuartige bezw. arkosische 
Abänderung unserer Sedimente fehlen im Sauerland scheinbar 
ganz. Speciell im Gebiete des Blattes Balve spielen auch Sand-» 
steine und sandige Einlagerungen im Fossley nur eine unter- 
geordnete Rolle. Ich beobachtete sie u. A. am Südfusse des 
Dasberges, sowie auf den beiden Ufern des Hönnethales. Ihr 
Auftreten ist jedoch in beiden Fällen ein so untergeordnetes, dass 
es nicht verlohnt, sie auf der Karte auszuscheiden. Auf dem 
von Herrn LiORETZ kartirten Blatte Iserlohn ist das Verhalten 
des Sandsteins ein völlig anderes. Hier schwillt er nach W. hin 
sehr schnell zu erheblicher Mächtigkeit an, so dass es nöthig 
wird, ihn besonders auszuscheiden. Andererseits sind die Kalk- 
kuotenschiefer auf dem Blatte Balve in grösseren zusammen- 
hängenden Gebieten derartig mächtig entwickelt, dass es nöthig 
wird, sie besonders auszuscheiden, ja dass vor ihnen die rothen 
und grünen, z. Th. an Cypridinen reichen Thonschiefer fast ganz 
zurück treten. Das Auftreten der Kalkknotenschiefer und der 



XVI 

Knotenkalke im Fossley ist in der Regel ein derartiges, dass es 
uicht möglich ist, ihre speeiellea Bänke einzeln auszuscheiden. 
Man muss sich damit beguflgen, durch die Farben und die Signa- 
turen das Vorwiegen der einen bezw. der anderen Gesteiusart zum 
Ausdrucke zu bringen. 

Wo es indes möglich ist, Beides auszuscheiden, da vertheilen 
sich die beiden Gesteinsarten in der Regel so, dass die rothen 
und grünen Thonschiefer (ev. mit Sandsteinen) ein tieferes Niveau 
einnehmen, als die gleichfalls roth oder grün oder auch wohl 
weiss gefärbten Knotenkalke und Kalkknotenschiefer. Dies be- 
obachtet man in unserem Blattgebiete besonders in der Gegend 
von Langeuholthausen am Boberge und am Schieberge, femer 
auf der linken Seite des Hönnethales bei Ober-Rödiughausen. 
Ganz besonders aber ist diese Scheidung der beiden Sediment- 
gruppen nach W. hin, in der Gegend von Hemer, Iserlohn, Let- 
mathe, Hohenlimburg entwickelt. Da in letztgenannten Gegenden 
das Fossley zumeist direct ältere oberdevonische Bildungen (Büdes- 
beimer Schiefer) transgredirend überlagert, so ist es nicht immer 
einfach, die Transgressionsgrenze haarscharf anzugeben. Man hat im 
Wesentlichen darauf zu achten, wo nach unten hin sandige oder 
glimmerführeude Lagen beginnen, und wo nach oben hin die 
Einlagerungen von dichten, splitterigen Plattenkalken in den 
Büdesheimer Schiefern aufhören. 

Beim Abschlüsse dieser stratigraphischen Ausführungen über 
das Fossley ist es wohl nöthig zu begründen, weshalb ich einen 
neuen Namen einführe, während man ev. mit der alten Bezeichnung 
»Cypridinenschiefer« sich begnügen könnte. Hier ist zunächst zu 
bedenken, dass der Name Cypridinenschiefer deshalb nicht zweck- 
mässig erscheint, weil die rothen und grünen Thonschiefer des 
Fossley keineswegs immer faciell dasjenige sind, was man als 
Cypridinenschiefer bezeichnet. Die Cypridinenschiefer pflegen in 
dem grössten Theile der Fossley-Sedimente selten zu sein oder doch 
nur in bestimmten Lagen aufzutreten. Das vorherrschende Gestein 
des Fossley ist — abgesehen von den Knotenkalken und den 
Kalkknotenschiefern — sandig glimmerig und führt in den sandigen 
Zwischenlagen Reste von Landpflanzen. Sodann ist das 



XVII 

liauptsächlichste Vorkommea vou Cypridiiicu führenden Thon- 
schiefern im Oberdevon keineswegs an den Horizont des Fossley 
gebunden. Vielmehr sind in den meisten Fällen die mftchtig 
entwickelten BQdesheimer Schiefer, sowie die local dem Adorfer 
Kalke eingelagerten, dunklen Thonschiefer »Cypridinenschicfer« im 
reinsten stratigraphischen Sinne des Wortes. 

e. Wocklumer Kalk. 

Ueber der petrographisch in der Kegel scharf ausgeprägten 
Entwickelung des Fossley stellt sich gewöhnlich eine Aenderung 
in der Gesteinsentwickelung ein, die dem aufmerksamen Beobachter 
nicht leicht entgeht. Bunt gefärbte Thonschiefer verschwinden ganz 
oder treten sehr zurück. An ihrer Stelle iinden sich dunkle, 
milde Thonschiefer ein, die im grossen Ganzen den Thonschiefern 
des unteren Oberdevon und der Nehdener Schiefer ausseror- 
dentlich ähnlich sind. In diesen Thonschiefern finden sich zunächst 
noch Sandsteine, die indes nur local entwickelt zu sein scheinen, 
und die sich im Fortstreichen rasch auskeilen. Sehr schnell stellen 
sich hingegen im Gebiete des Blattes Balve und weit über dessen 
Gebiet hinaus Bänke eines dunklen, dichten Knollenkalkes ein, 
der von den übrigen Kalksedimenten der Clynienien - Schichten 
im Aufschluss so gut unterscheidbar ist, dass mau ihn nicht 
leicht verkennt. Dieser dunkle Knollenkalk ist das charak- 
teristische Gestein des Wocklumer Kalkes. Er fuhrt in 
ziemlich grosser Individuen-Zahl namentlich Goniatiten, Clymenien 
und Segmente von Phacops- Arten. Die im Wocklumer Kalke 
entwickelte Fauna erscheint dem oberflächlichen Beobachter zu- 
nächst wenig von derjenigen des Dasberger Kalkes abzuweichen. 
Bei genauerer Betrachtung erkennt man jedoch, dass im Wock- 
lumer Kalke die häufigsten Arten des Dasberger Kalkes, z. B. 
C7. speciosa nicht vertreten sind, und dass diejenigen Formen 
unseres Horizontes, welche der 67. laevigata^ Cf, undulafa, CL striata^ 
CL a?iffusti8eptata etc. der tieferen Clymenien - Schichten zu ent- 
sprechen scheinen, von den typischen Vertretern der genannten 
Arten nicht unerheblich abweichen. Weiterhin scheint für den 
Wocklumer Kalk eine Art bezeichnend und leitend zu sein, die im 

Jahrbacb 1900. b 



xvin 

tieferen Clymenieu-Niveau fehlt oder sehr selten ist. Es ist dies 
Clymenia subarmata Münst. Eine genauere paläontologische Identi- 
fication der Fauna des Wocklunier Kalkes lässt sich zur Zeit 
nicht ausführen, da eine solche von einer umfassenden kritischen 
Bearbeitung der Clymenien und der oberdevonischen Goniatiten 
untrennbar ist. 

Eine stratigraphiscb merkwürdige Wechsellagerung von Go- 
niatiten führenden Knollenkalkeu mit Bänken eines Landpflanzcu 
führenden Sandsteins hat H. LoRETZ^) bereits von Oese (Blatt 
Menden) her erwähnt. Die betreffenden Knollenkalke gehören 
zweifellos zum Wocklumer Kalke. Ein ähnliches Vorkommen 
wurde von H. LoTZ in einem zwischen Deinstrop und Albringen 
gelegenen kleinen Steinbruche beobachtet und von mir später als 
dem Wocklumer Kalke angehörig festgestellt. 

Was die stratigraphische Wichtigkeit des Wocklumer Kalkes 
anbetrifft, so ergiebt sich diese besonders daraus, duss durch sie 
ein Clymenien führender Horizont noch über denjenigen Gesteinen 
vertreten wird, die von mir im Kellerwalde als Auenberger Schichten 
bezeichnet worden sind, und dass dieser Horizont einen faunistisch 
durchaus selbstständigen Charakter zeigt. Eine weitere Wichtig- 
keit unseres Horizontes ergiebt sich aus seiner ausserordentlich 
grossen Verbreitung. Auf dem Blatte Balve wurde der Wock- 
lumer Kalk fast überall da nachgewiesen, wo die Culmkiesel- 
schiefer zweifellos normal auf dem Oberdevon lagern, wo die An- 
nahme einer Verwerfung für die betreffende Grenze ausgeschlossen 
ist. Der Wocklumer Kalk lässt sich verfolgen von Benkamp über 
Langenholthausen, Kasberg, Boberg, Schieberg, Burg bis an den 
Koland heran. 

Zwischen Roland und dem Asbecker Thale fehlt bis jetzt 
der Nachweis des Wocklumer Kalkes. Die weitere Untersuchung 
muss noch festseilen, ob hier die Culmkieselschiefer transgredirend 
die Kalkbänke der älteren Clymenienschichten überlagern, oder 
ob sich der Wocklumer Kalk zwischen beiden Bildungen zum 
Theil noch einschiebt als directe Unterlage des Culmkieselschiefers. 

') Dieses Jahrbuch 1897, S. XXIX. 



XIX 

Letztere Deutung scheint für das Profil, welches an dem von 
Wettmarsen nach der Haar führenden Wege zu Tage tritt, nicht 
ausgeschlossen. 

Nach W. hin wurde der Wocklumer Kalk vom Hönnethale 
aus, wo er auf beiden Ufern typisch entwickelt ist, über Hemer, 
Iserlohn, Lethmathe bis an das Ruhrthal unterhalb Hoheulimburg 
verfolgt, und zwar hat es den Anschein, als ob seine Kalkbänke 
und seine Petrefactenftihrung nach W. hin eher zunehmen als 
abnehmen. Nach O. hin gehört das von mir vom Stillenberge 
bei Warstein (dieses Jahrb. 1893, S. 38) erwähnte Clymenien- 
Vorkommen dem Gestein, wie der Fauna nach, hierher. 

Noch weiter nach O. hin nimmt der Gehalt an kalkigen 
Einlagerungen in dem unter dem Culm auftretenden dunklen 
Thonschiefer erheblich ab. Die Kalkbänke werden dünner und 
lösen sich in Lagen von Kalkknollen auf. Gleichwohl bleibt auch 
bei dieser Entwickelung die potrographische Eigenart unseres 
Horizontes die gleiche. Derselbe dunkle, in's Grünliche spielende, 
zur Bildung von Griffelschiefer neigende Thonschiefer, dieselben 
dunklen, dichten Knollenkalke. In dieser Ausbildung habe ich 
den Wocklumer Kalk über das Nuttlarer Querthal bis in die 
Umgebung von Scharfenberg bei Brilon verfolgt. Damit beträgt 
seine Verbreitung in der Längenausdehnung seines Vorkommens 
bis jetzt rund 90 Kilometer. 

Erich ELa^iser. Mittheilung über die Revision auf 
Blatt Lengenfeld im Sommer 1900. 

An dem geologischen Aufbau des Blattes Lengenfeld (Eichs- 
feld) nehmen, wie schon von Proescholdt i) mitgetheilt worden 
ist, die Schichten der Trias vom Mittleren Buntsandstein bis zum 
Mittleren Keuper und quartäre Ablagerungen theil. 

Ueber den. Buntsandstein ist den PROESCHOLDx'schen An- 
gaben nichts Neues hinzuzufügen. 

Der Wellenkalk besitzt eine Entwickelung, die von der in 
dem Gebiete nördlich des Thüringer Waldes etwas abweicht, indem 



») Dieses Jahrbuch 1894, S. LXI— LXII. 



nämlich der Uutere W'elleukalk auf Blatt Leugenfeld im All- 
gemeinen eine geringere Mächtigkeit besitzt wie anderwärts iu 
dem Vorlande nördlich des Thüringer Waldes, während bei dem 
Oberen Wellenkalke eine solche Verschiedenheit nicht zu beob- 
achten ist. Die petrographische Ausbildung der Muschelkalk- 
schichten gleicht der sonst nördlich des Thüringer Waldes auf- 
tretenden. Mehrfach sind festere, meist »oolithische« oder schaumige 
Bänke dem Muschelkalk eingeschaltet. Diese lassen sich in ver- 
schiedenen Horizonten über das ganze Messtischblatt verfolgen, 
soweit sie nicht durch (xehäugeschutt und abgerutschte Muschel- 
kalkpartien verdeckt oder unter einer intensiven Waldcultur ver- 
steckt sind. Nachdem ich die Ausbildung des Muschelkalks in 
der Umgebung von Eisenach unter der Führung von Herrn 
Zimmermann kennen gelernt hatte, war mir die Ausscheidung 
der Zone der Oolithbänke, der Terebratelbänke wie der Schaum- 
kaikzonc auf Blatt Lengenfeld möglich. Am ungleichmässigsteii 
verhält sich auf Blatt Lengenfeld die Zone der Schaumkalkbänke. 
Sie besitzt in den verschiedenen, meist guten Aufschlüssen au/* 
Blatt Lengenfeld eine Mächtigkeit von 1,8 bis ca. 11 Meter. 
Während an vielen Stellen nur zwei Schaumkalklager mit einem 
Wellenkalkzwischenmittel auftreten, finden wir an anderen Stellen 
drei Schaumkalkluger in dieser Zone. 

In dem Oberen Muschelkalke zeigt sich ausser den festen 
Kalken der Trocliitenscliichten noch eine 0,4 — 0,G Meter mächtige 
Bank harter, blauer, oft auch oolithisclier oder schaumiger Kalke. 
Diese Bank tritt etwa in der Mitte der Zone der Nodosenschichten 
auf und ist ebenso wie die Zone der Trochitenschichten im 
Gelände durch eine Kante bemerkbar. Sie zeichnet sich durch einen 
besonderen Reichthum an Fossilien aus. Wahrscheinlich haben 
wir es hier mit einer weithin anhaltenden Bank zu thun, die 
einer auch anderwärts im Vorlande des Thüringer Waldes beob- 
achteten Bank entspricht. 

Blatt Lengenfeld bildet einen Ausschnitt aus der grossen. 
Trias-Mulde, die zwischen Thüringer Wald und Harz liegt^^ 



Vgl. £. Zimmermann, Erläuterung zu Blatt Stadt-Ilm der geologischer 
Specialkartc Ton Proussen und den Thfir. Staaten., S. 45 u. f. 



i 



XXI 

und zwar gehört Blatt LeDgeufeld der westlichen Theihnulde 
^ünstrutmulde) an. Demzufolge zeigen «ämmtliche Schichten 
ein schwach Ostnordost! iches Einfallen; die Oberen Muschelkalk- 
schichten senken sich ungefähr mit dem Gehänge gegen das 
Unstruttbal hin. Durch das Blatt Lengenfeld hindurch ziehen 
zwei von SO. nach NW. verlaufende Störungszonen, wo- 
durch die gleichmässigen Lagerungsverhältnisse theilweise er- 
heblich geändert werden. Die eine Störungszone ist schon von 
F. MoestaO und H. Proescholdt^) mit dem Gotha-Eichenbergcr 
Grabenzug identificirt worden (besser Saalfeld - Eichenberger- 
Störuugszone). Diese Störungszone durchschneidet das SW.- 
Viertel des Blattes in der Richtung von Hildebrandshausen nach 
Willbich und ist im Bereiche des Blattes Lengenfeld ribcrall als 
[jrraben ausgebildet (Willbicher Graben). Er wird von einer 
Vfuschelkalk - Keuper - Mulde ausgeflQllt und an seiner Südwest- 
leben Seite von muldenförmig gelagerten Muschelkalkschichten 
begleitet. Nordöstlich von dem Graben ziehen sich mehrere 
^tafielbrüche hin. Einen guten Ueberblick über den Aufbau des 
Yrabens gewinnt man von der Eisenbahn südlich von (iross- 
tartloff, von wo aus man an dem Verlaufe der festen Bänke des 
»luschelkalkes am jenseitigen Gehänge des Lutterthales das 
taffelförmige Einfallen an der nordöstlichen Seite des Grabens 
ind die muldenförmige Ausbildung des Grabens selbst genau 
erfolgen kann. Eine Störung hat dieser Graben dadurch erlitten, 
lass er durch einige ungefähr N.-S. verlaufende Störungen ver- 
rorfen ist. 

Die zweite Störungszone durchzieht das Blatt von Büttstedt, 
ih>er Küllstedt nach Wachstedt hin (Küllstedter Störungszone). 
>ie entspricht wahrscheinlich einem Zuge von Störungen, welche 
lordöstlich von Gotha die Saalfeld - Eichenberger Störungszonc 
«gleiten. 

Von besonderem Interesse ist auf Blatt Lengenfeld noch die 
rhalbildung. Durch Erosion wurden in den verhältnist>mässi^ 
^3.rten Muschelkalkschichten nur schmale Kinnen eingegraben. 

Dieses Jahrbach 1883, S. 66. 
») Dieses Jahrbuch 1894, S. LXII. 



XXII 

während in den weicheren Schichten des Buntsandsteins sich 
ebenso wie anderwärts breitere Flussthäler ausbilden mussten. 
Waren die Fhissrinnen bis in die weichen Köthschichteu einge- 
schnitten, so musste eine seitliche Erosion einsetzen. Dabei 
wurden die Muschelkalkschichten unterwaschen und die Thäler 
auch in ihren Anfangen verbreitert. Am auffälligsten ist dies bei 
dem Lutterthale, unterhalb von Gross-Bartloff. Bei diesem zeigt 
sich deutlich die Abhängigkeit der orographischen Ausbildung von 
dem lithologischeu Aufbau und durch diesen von dem geologischen 
Aufbau. Bei Gross- Bartlofi* hat sich durch seitliche Erosion in 
dem Buntsandstein ein weites Becken gebildet. Unterhalb von 
Gross-Bartloff aber treten die Gehänge dieses Beckens immer 
mehr an einander, je mehr wir uns dem Willbicher Graben 
nähern, und die engste Stelle des Thaies liegt dort, wo die 
Muschelkalkschichten des Graben zuges bis in die Tbalsohle 
reichen und hier eine Thalschwelle bildeten und bilden, hinter der 
das Gross- Bartlofier Becken ausgearbeitet wurde, das wohl einst von 
einem Stausee ausgefüllt gewesen ist, der sich heute noch in Kalk- 
tuffablagerungen rund um Gross-Bartloff herum zu erkennen giebt. 
Die Thäler auf Blatt Lengenfeld setzen quer durch den 
Willbicher Graben (Saalfeld - Eichenberger Störungszone) hin- 
durch, ohne dass durch den Graben eine Ablenkung der Thäler 
erfolgt ist. 

A. Klaützsch: Bericht über Endmoränen und Tief- 
bohrungen im Grundmoränen gebiete des Blattes K asten - 
bürg (Ostpreusscn). 

Das Gebiet des Blattes Kastenburg liegt am N. - Abfall des 
masuri sehen Höhenrückens, den man am besten mit der 
300 Fuss-Curve anfangen lässt. Topographisch erscheint das Ge- 
lände aus zwei, im SW. resp. NO. gelegenen Höhentheilen be- 
stehend, die durch einen in ca. 325 Fuss Höhe liegenden schmalen 
Pass bei Friedrichswalde mit einander in Verbindung stehen. Von 
W. her greift der Ü.-Flügel der auf dem Nachbarblatt Heiligelinde 
gelegenen Deinetlut>j?seuke in das Gebiet ein, von SO. her die 
weite Alluvialfläche des G Überflusses. 




Das geologische Bild ergiebt eich aus dem Verlauf eiues Ead- 
inor^neuzuges, der im nordöstlichen Theil des Blattes, von Blatt 
(rr StOrlack her westwärts ziehend, nordlich des Weges von der 




llllll NV^^ ^5^ 




Btrttl EniJmorjnt Ob Sand (IbTIioiimef^el Alluv um 

1 10OOOO 
Die EndmoriDC iwitchen Qaeden und Potcbel" i t v rsebentli h nicht ecngezeichnd 

Oberföreterei Görlitz nach Pirtich, iniierhilb der Rastenburger 
Stadiforst Görlitz verläuft In diesem Muck tritt die Liidmorane 
topographisch nur weni^j hervor, "le erscheint als stiirke Block 
Packung mit Gesthiebemergel als Zwis» henmasse Gleichfalls aK 



XXIV 

BlockpackuDg, aber als Stein miiS(>eu mit kiesigem Zwischeuinittel 
und angelagerten steinigen Kiespartien zieht sie von der Ober- 
fSrsterei Görlitz süd westwärts zum Sierczesee, der sie als Rinncu- 
see durchbricht, setzt sich westwärt« als lehmig- mergelige Block- 
packung und grobe Kiesanhäufung in gleicher Richtung bis zu 
dem am N.-Ufer des Quedensees gelegenen, zu Schwarzstein ge- 
hörigen Ausbau fort und schickt alsdann längs des Weges von 
diesem Ausbau nach Schwarzstein gen NO. einen Sporn, aus 
Blockpackung und grobem Grand bestehend, vor. Eine Fort- 
setzung desselben nach W. sind vielleicht die zum Theil gran— 
digen Sande zwischen Krausendorf und Rastenburg, die z. B— 
am Ausgang der Stadt beim Gestüt durch mehrere Gruben schöim 
erschlossen sind. Auch erscheint der unmittelbar nördlich sicL^ 
anschliessende Geschiebemergel hier sehr stein- und blockreich. 
Von Schwarzstein aus verläuft die Endmoräne dann weiterhin süd- 
wärts wieder zum W.-Ufer des Quedensees. Jenseits des Sees, au 
seinem SO. - Ufer, verbreitert sich die Endmoräne dann sehr 
stark und bildet östlich des Vorwerks Waldhaus bis zum 
Quedener Wald die höchsten Erhebungen des ganzen Gebieten 
(bis zu 440 Fuss). Sie erscheint hier als ein stark coupirtes 
Gelände, aufgebaut aus Oberen schwach grandigen, geschiebe- 
reichen Sauden oder Granden, nur unmittelbar an der Grenze 
des Sandes und der Grundmoräno wurden zwei kleine Block- 
packungeu festgestellt. Die topographisch schon hervortretenden 
Höhen zwischen Queden und Pohiebels, die erst nördlich, dann 
südlich die Chaussee begleiten und stellenweise Steinbestreuung 
zeigen, verbinden den auf Blatt Gr. Sturlack verlaufenden, west- 
lich Mertenheim auf unser Blatt ftbertreteuden Endmoränenzug 
mit der sich nunmehr westlich Quodeu weiter nach SW. fort- 
setzenden Endmoräne. In derselben Ausbildungsweise, als Obere 
Sand- und Grandaufschüttuuijeu, erscheint sie nach Ueberschreiteu 

Cr* 

der Chaussee Kastenburg-Lötzen am Bahnübergang nach Wilhelnis- 
dorf und länjjs der Bahnlinie nach SO. hin, erleidet dann inner- 
halb der Gubersenke zwischen (Queden und Glubenstein eine 
Unterbrechung und setzt dann nördlich des Gutes Glubenstein als 
Geschiebesand mit kleineu Graudpartien über aufgepressten 




Unteren Sanden westtjüd westlich auf Friedrichswalde zu fort, er- 
scheint dann unweit des zu Weischnurcn-Fricdrichswalde ge- 
hörigen Friedhofes an der Strasse Eichniedien-Rastenburg in Foi^m 
von Blockpackung und oberflächlicher Blockanhäufung und zieht 
in gleicher Weise westwärts ungefähr längs der Grenze Dorf 
Weischnuren-Reimsdorf. Ihr zuzureclmen sind in diesem Stück 
das coupirte, stark bestreute Obere Sandgebiet und die Kleinen 
Grandpartien, die östlich und westlich der Grenze zwischen Gut 
Weischnuren und Domäne Keinisdorf liegen. Dicht bei der Do- 
mäne selbst, an der Strasse nach Gr. Bürgersdorf, unweit des 
Teiches, sind durch Äbgrabung eine Unzahl grosser Blöcke aus 
iler dortigen Geschiebepackung freigelegt. Daran anschliessend 
folgen grobe Grande und geschiebereiche Sande. Unter den an 
dieser Stelle gesammelten Geschieben erscheint als auffallend ein 
ausgezeichnet schöner, rothbrauner, schlierenartig stellenweise 
dunkler gefärbter Quarzporphyr mit 2 — 5 Centimeter grossen, 
schön idiomorph ausgebildeten röthlichen Orthoklas-Einsprenglingen 
"nd schwärzlichen Quarzen in Tropfenform, sowie grosse, äusserst 
versteinern ngsreiche Platten grauen Orthoceren kalkes mit zahl- 
''^ichen Exemplaren von Orthoceras (30 — 50 Centimeter lang), 
'^'^tuitea^ Asap/ius^ Lichas^ Euomphalusy Phurotomana etc. Die 
^«•thoklaskrystalle des erst genannten Gesteins zeigen eine, viel- 
"^cli allerdings undeutliche Umwachsung durch Oligoklas: Der 
^ orphyr dürfte also einer porphyrischen Facies des Rapakiwi- 
%^^x\\is von Aland angehören. Von Reimsdorf ab wird der weitere 
^ Erlauf der Endmoräne ein undeutlicher. Zunächst zieht sie etwa 
"^^ zum Forsthaus Neuendorf nach S. als geschiebereicher, 
''^•^rk kuppiger Oberer Sand und Grand, erleidet alsdann aber 
'^'^ südlich des Bahnhofes Reimsdorf - Thurwaniren eine Unter- 
"•"^chung, um weiterhin erst wieder mit schmalem, nach SO. 
vorgelagertem Sandr als blockreicher und stark blockbcstreuter 
^^schiebemergel in der Richtung auf Thurwangen zu verlaufen. 
**'©r erhebt sie sich noch westwärts des Gutes als mächtige Auf- 
^^'hüttung bis zu 425 Fuss Höhe und tritt dann auf das südliche An- 
^^hlussblatt Bosemb Ober. 

Dieser, in seinem Verlauf eben geschilderte, das Blatt ziemlich 



diagonal von NO. nach SW. durchquerende Endnioränenzug um- 
fa88t 2 Endmoränen verschiedenen Alters. Die ältere zieht von 
Thurwangen von NO. bis Queden und biegt dann nach O. um, 
um südlich Pohiebels sich auf das Nachbarblatt nach Mertenheim 
hin fortzusetzen. Die jüngere umfasst das Stück Schwarzstein- 
Görlitz, der Theil Schwarzstein-Quedcn stellt eine Verbindung 
zwischen beiden her. 

Dahinter liegt nun das Gebiet der Grundmoräne, ein in seinen 
Landschaftsformen völlig un regelmässiges Terrain, in welches aber 
doch eine Reihe tief eingesenkter, länglicher, mit Alluvium erfüllter 
Senken eine gewisse Gliederung hineinbringt. Der Verlauf dieser 
Kinnen ist ein nord-südlicher bis nordwest südöstlicher. Eine derar- 
tige Kinne verbindet den vertorften sog. ßlindensee und den Ober- 
teich bei Rastenburg, setzt sich südlich der Stadt fort, umzieht das 
Gut Georgenberg auf Weischnuren zu und findet ihren weiteren 
Verlauf in dem grossen Bruch zwischen KI.Neuendorf-Weischnuren- 
Reimsdorf und in der südlich der Domäne bis zum Bahnhof 
Reimsdorf reichenden Rinne. Von ihr zweigt sich nördlicli 
Weischnuren eine zweite Rinne ab, die über Weischnuren- 
Friedrichswalde nach SO. zum heutigen Guberthal bei Eicb- 
medien verläuft. Eine dritte von Woplaucken ausgehende mündet 
über Karlshof- Luisenthal - Wilhelmsdorf- Queden - Glubensteiu 
südlich des Gutes Schäferei ebenfalls in das Guberthal bei Eich- 
medien. Eine vierte entwässerte den Moy-See und Sierczesee 
durch den ehemaligen, beim Gute Görlitz gelegenen Weisssee 
zum Gr. Tauchelsee, um sich auf dem anstossenden Blatt Gr. Stflr- 
lack durch den Kerstinowskisee zum Verschmintsee fortzusetzen. 

Vor der Eudmoräne, also nach SO. zu, breitet sich nun der 
Sandr aus. Er umschliesst zwei im gleichen Niveau gelegene, 
also wohl während jener Stillstandslage des Eises noch mit Eis 
bedeckte Inseln Oberen Geschiebemergels, deren eine vom Siercze- 
see aus sich südlich bis zum Gr. Tauchelsee ausdehnt, während 
die andere um Pohiebels liegt. Diese bildet den geringen, zu 
Tage liegenden Rest der zu jeuer älteren Endmoräne gehörigen 
Grundmoräne. Auch von ihr zieht ziemlich längs der Blattgrenze 
von N. nach S. eine endmoränenartige Verbindung zur nächst 



XXVII 

Iteren Endmoräne, die schon im Wesentlichen auf Blatt Gr. Stür- 
kck Terläufl und nur noch in einzelnen Particen auf Blatt Kasten- 
jrg übergreift: so östlich Mertenheim an der Blattgrenze südlich 
*r Eisenbahn in Form geschiebereicher Oberer Grande und nörd- 
jh der Rastenburg-Sensburger Kreisgrenze, sowie am Wege nach 
allau als kleine Block packungen oder Grandaufschüttungen. Nörd- 
?h Ballau tri£^ sie die von Salpkeira kommende nächst ältere End- 
oräne, die hier in südöstlichem Verlauf auf Blatt Rastenburg über- 
itt, wo sie längs der Strasse Ballau -Eichmedien grobe steinige 
Bind- und Grandaufschüttungen bildet, deren Schichten z. B. in 
&ni Aufscbluss der Bahnkiesgrube an der Eichmedieu-Ballauer 
irenze mit ca. 30^ nach S. einfallen. Von hier aus geben wohl 
lie Aufpressungen Unterer Sande und Mergelsande nach S. zu 
Jine Andeutung des weiteren Verlaufes dieser Endmoräne südlich 
Eichmedien nach W. hin in der Richtung auf Lauganken (Blatt 
Bosemb). Der ganze südliche Theil d('s Blattes gehört zu dem 
Grundmoränengebiet dieses Endmoränenzuges; er war wohl auch 
noch bei der nächst jüngeren, oben bereits geschilderten Still- 
iitandslage des Inlandeises von Eis bedeckt, da um ihn der Sandr 
jener Endmoräne ausbiegt. Bei seinem definitiven Freiwerden von 
Eis und dem Abfliesseu seiner Schmelzwasser nach der nun schon 
frei liegenden nördlichen Senke entstanden hier an der Grenze 
^es Grund moränengebietes zum Sand stellenweise auch endmo- 
räoenartige Bildungen, wie geschiebereiche, grandige Sande, kleine 
^Landpartien, Blockpackungen und Blockanhäufungen (z. B. nörd- 
lich Gr. Bürgersdorf). 

Interessante Bildungen des Grundmoränengebietes sind die 
^ü einzelnen Stelleu vorkommenden Deckthone, die in weiter 
Fläche das Gebiet zwischen Rastenburg, Muhlack, Georgenfelde 
und Prangeuau erfi[\llen oder in Form von Hauben oder Decken 
i/e obersten Partieen grösserer Berge oder Hochflächen bilden, 
:. B. zwischen Georgenberg und Luisenthal, zwischen Wei- 
L'hnuren, Wilhelmsdorf und Glubensteiu oder um Eichmedien 
ad zwischen Hinzenhof und Kl.-Bürgersdorf Stelleuweise 
igen diese Thone eine bis 2, auch 5 — 7 Decimeter tief reichende 
;hwarzerdebilduug, die ihre Fruchtbarkeit uicht unwesentlich 



XXVIII 

erhöht und die ganze Gegend als das Land der Rastcnbiirger 
Schwarzerde iu Ostpreusseu weit berühmt gemacht hat. Die 
Ablagerung dieser Thoue ist an keine Höhencurve gebunden, ihre 
Mächtigkeit reicht wohl durchschnittlich nicht viel Ober 2 Meter, 
vielfach ist sie auch geringer, so dass der sie unterlagernde Obere 
Geschiebemergel oder Sand noch erbohrt werden konnte. Ihre 
liildung spricht für eine Ablagerung in eingeschmolzenen Löcheru 
der noch die Grundmoräne bedeckenden Eishülle: die im Eis 
circulireuden, zum Eisrand strömenden, mit Gletscherschlamm er- 
füllten Wassermassen deponirten hier, in solchen Löchern sich 
sammelnd, den mitgeführten Detritus, ehe sie sich durch die Eis- 
wände weiterfresseu und abfliessen konnten'). 

Die Entwässerung des gesammten Gebietes erfolgt heutfe^ 
durch die, das Blatt von SO. nach NW. durchfliesseude Guber — 
Von Senke zu Senke herabfliessend, durchbricht sie in z. Th — 
landschaftlich sehr schönen, bis zu 20 Meter hohen Steilschluchtei 
die trennenden Diluvialhöheii, ohne jedoch irgendwie tiefer 

Diluvialschichten anzuschneiden. Ihre ganze Entstehung ist natüi 

lieh eine sehr jugendliche, konnte doch überhaupt erst eine nact* 
N. gehende Entwässerung nach dem Abschmelzen des Inlandeise 
erfolgen. Am Wege Glubenstein - Queden verursachte hier docI^ 
liegendes Eis während der Abschmelzperiode ein Aufstauen de^ 
Guberwassers, so dass hier die mitgefohrten Sande und Thonezii*" 
Ablagerung kamen und eine deutliche Terrassenbildung eintrat 

Dem freundlichen Entgegenkommen des Herrn Dr. SCHELLWIBI»^'? 
Leiter des physikalisch-ökonomischen Provinzialmuseums zu K^^ 
nigsberg in Preussen, verdanke ich die persönliche Einsicht zahl-' 
reicher Tief bohrproben, die über die tieferen Untergrund Verhält- 
nisse der Stadt Rasteuburg und ihrer Umgebung willkommenen 
Aufschluss geben. Schon zuvor war ich durch die beim Magistrat 
zu Kastenburg befindlichen Acten des Bohruuteruchmers BiKSKB 

cf. K. Keilhack: Der baltische Höhenrücken in Hinterpommem und 
Westpreussen. Dieses Jahrbuch 1889, S. 165. Berlin 1890. 

Ib.: Erläuterungen zu Bl. Wurchow der geologischen Specialkarte Ton 
Preussen etc. Lief. 59. Berlin 1895. 

F. Wahnschaffe: Die Ursachen der Obertlächcngestaltung des norddeut- 
schen Flachlandes, S. 168. 2. Aufl. Stuttgart 1901. 



^ 



XXIX 

SU Köuigsberg Ober die Ergebuisse einzeloer Bohrungen unter- 
richtet, späterhin stellte mir dann Herr Prof. Jentzsoh die von 
ihm seiner Zeit angefertigten Bohrregister zur Verfügung, die ich 
bei den folgenden Angaben mit freundlicher Erlaubniss und 
bestem Danke gleichfalls benutze. 

Aus den Bobrungen ergiebt sich, zum Theil wenigstens, för 
Rastenburg eine recht bedeutende, bisher wohl überhaupt nur 
selten beobachtete Mächtigkeit des Diluviums und speciell der 
oberdiluvialen Bildungen^), wenigstens giebt Jentzsoh 1896 als 
die grössten bisher beobachteten Mächtigkeiten diluvialer Ablage- 
rungen in Ostpreussen für Weedern bei Darkehuien 151 Meter 2) 
uind Oür Domäne Dinglauken im Kreise Darkehmen 150 Meter *'^) 
£in, während hier in der Bohrung am Bahnübergaug von Krausen- 
dorf und Georgenberg eine Tiefe von 160 Meter erreicht wurde, ohne 
dass das Diluvium schon dnrchsunken ist. Des Weiteren ergeben 
diese Bohrungen zur Evidenz, dass man nicht jede kleine Sand-, 
Grand-, Mergelsand- oder Thonbank, die unter Oberem Geschiebe- 
mergel folgt, als unterdiluvialen Alters auffassen darf, denn ent- 
sprechend den steten Schwankungen des Eisrandes während der Ab- 
schmeizperiode (Rastenburg liegt nur ca. 4 Kilometer hinter der 
Endmoräne) konnte f&r eine Zeit die Grundmoräne freiliegen und 
Konnten auf ihr fluviatile Bildungen zum Absatz kommen, über 
Welche dann bei erneutem Vorrücken des Eises sich wiedor neues 
^laterial derselben Grundmoräne aufschob. Der trennende Ho- 

• 

•"izont, die sog. Unteren Sande, müssen ja schon ihrer Genese 
^^tsprechend, in den meisten Fällen eine grössere Mächtigkeit als 
^ oder 2 oder auch noch mehr Meter haben, ausserdem sind 
^'^ es zumeist, in denen sich der wassergebende Grundwasser- 
^troin bewegt, der sie also auch in den einzelnen Bohrungen 

') F. Wahxschafke: 1. c., S. 66 u. G7, giebt eine ZusammenstelluDg der im 
Boreich des Dorddoatschen Flachlandes aafgefülirten Tiefbohrungen und der 
Ibciitigkeiten der darchsankcnen Quartärschichten. Nur ca. 15 übertreffen die 
hier erreichte Mächtigkeit. 

^ A.Jkntzsch: Masenmsbericht f. 1888 u. Sitz. - Ber. Phys.-ökon. Ges. f. 
1889, S. 4. 

^ Ib.: Nene Gesteinsaafschlüsse in Ost- und Wcstpreussen 1893—1895. 
Dieses .Jahrbuch 1896, S. 72. Berlin 1897. 



XX 

nämlich der Uutere Welleukalk auf Blatt LeDgenfeld im All- 
gemeinen eine geringere Mächtigkeit besitzt wie anderwärts in 
dem Vorlande nördlich des Thüringer Waldes, während bei dem 
Oberen Wellenkalke eine solche Verschiedenheit nicht zu beob- 
achten ist. Die petrographische Ausbildung der Muschelkalk- 
schichten gleicht der sonst nördlich des Thüringer Waldes auf- 
tretenden. Mehrfach sind festere, meist »oolithische« oder schaumige 
Bänke dem Muschelkalk eingeschaltet. Diese lassen sich in ver- 
schiedenen Horizonten über das ganze Messtischbl.itt verfolgen, 
soweit sie nicht durch Gehäugeschutt und abgerutschte Muschel- 
kalkpartien verdeckt oder unter einer intensiven Waldcultur ver- 
steckt sind. Nachdem ich die Ausbildung des Muschelkalks in 
der Umgebung von Eisenach unter der Führung von Herrn 
Zimmermann kennen gelernt hatte, war mir die Ausscheidung 
der Zone der Oolithbäuke, der Terebratelbänke wie der Schaum- 
kalkzone auf Blatt Lengcnfeld möglich. Am uugleichmässigsten 
verhält sich auf Blatt Lengenfeld die Zone der Schaumkalkbänke. 
Sie besitzt in den verschiedenen, meist guten Aufschlüssen auf 
Blatt Lengenfeld eine Mächtigkeit von 1,8 bis ca. 11 Meter. 
Während an vielen Stellen nur zwei Schaumkalklager mit einem 
Wellenkalkzwischen mittel auftreten, finden wir an anderen Stellen 
drei Schaumkalklager in dieser Zone. 

In dem Oberen Muschelkalke zeigt sich ausser den festen 
Kalken der Trochitensciucliten noch eine 0,4 — 0,G Meter mächtige 
Bank harter, blauer, oft auch oolithischer oder schaumiger Kalke. 
Diese Bank tritt etwa in der Mitte der Zone der Nodosenschichten 
auf und ist ebenso wie die Zone der Trochitenschichten im 
Gelände durch eine Kante bemerkbar. Sie zeichnet sich durch einen 
besonderen Reichthum an Fossilien aus. Wahrscheinlich haben 
wir es hier mit einer weithin anhaltenden Bank zu thun, die 
einer auch anderwärts im Vorlande des Thüringer Waldes beob- 
achteten Bank entspricht. 

Blatt Lengen feld bildet einen Ausschnitt aus der grossen 
Trias-Mulde, die zwischen Thüringer Wald und Harz liegt ^) 



') Vgl. E. Zimmermann, Erläuterung zu Blatt Stadt-Ilm der geologischen 
Specialkartc von Preussen uod den Thür. Staaten., S. 45 u. f. 



XXI 

uüd zwar gehört Blatt Leugenfeld der westlichen Theihnidde 
(ünstrutmulde) an. Demzufolge zeigen sämmtliche Schichten 
ein schwach ostnordöstliches Einfallen; die Oberen Muschelkalk- 
schichten senken sich ungefähr mit dem Gehänge gegen das 
Unstrutthal hin. Durch das Blatt Lengcnfeld hindurch ziehen 
zwei von SO. nach NW. verlaufende Störungszonen, wo- 
durch die gleichmässigen Lagerungsverhältnisse theilweise er- 
heblich geändert werden. Die eine Störungszone ist schon von 
F. MOESTA^) und H. Proescholdt^) mit dem Gotha-Eichenberger 
Grabenzug identificirt worden (besser Saalfeld - Eichenberger- 
Störuugszone). Diese Störungszone durchschneidet das S W.- 
Viertel des Blattes in der Richtung von Hildebrandshausen nach 
Willbich und ist im Bereiche des Blattes Lengenfeld nberall als 
Graben ausgebildet (Willbicher Graben). Er wird von einer 
Muschelkalk -Keuper- Mulde ausgefällt und an seiner südwest- 
lichen Seite von muldenförmig gelagerten Muschelkalkschichteu 
begleitet. Nordöstlich von dem Graben ziehen sich mehrere 
Staffelbrüche hin. Einen guten Ueberblick über den Aufbau des 
Grabens gewinnt man von der Eisenbahn südlich von (iross- 
Bartloff, von wo aus man an dem Verlaufe der festen Bänke des 
Muschelkalkes am jenseitigen Gehänge des Lutterthales das 
staffeiförmige Einfallen an der nordöstlichen Seite des Grabens 
und die muldenförmige Ausbildung des Grabens selbst genau 
verfolgen kann. Eine Störung hat dieser Graben dadurch erlitten, 
dass er durch einige ungefähr N.-S. verlaufende Störungen ver- 
worfen ist. 

Die zweite Störungszone durchzieht das Blatt von Bttttstedt, 
über Küllstedt nach Wachstedt hin (Küllstedter Störungszone). 
Sie entspricht wahrscheinlich einem Zuge von Störungen, welche 
nordöstlich von Gotha die Saalfeld - Eichenberger Störungszone 
begleiten. 

Von besonderem Interesse ist auf Blatt Lengenfeld noch <lie 
Thalbildung. Durch Erosion wurden in den verhältnissmässi<; 
harten Muschelkalkschichten nur schmale Kinnen eingegraben. 

Dieses Jahrbach 1883, S. 66. 
*} Dieses Jahrbach 1894, S. LXII. 



XXII 

während in den weicheren Schichten des Buntsandsteins sich 
ebenso wie anderwärts breitere Flussthäler ausbilden mussten. 
Waren die Flussrinnen bis in die weichen ßöthschichten einge- 
schnitten, so musste eine seitliche Erosion einsetzen. Dabei 
wurden die Muschelkalkschichten unterwaschen und die Thäler 
auch in ihren Anfängen verbreitert. Am auffalligsten ist dies bei 
dem Lutterthale, unterhalb von Gross-Bartloff. Bei diesem zeigt 
sich deutlich die Abhängigkeit der orographischen Ausbildung von 
dem lithologischen Aufbau und durch diesen von dem geologischen 
Aufbau. Bei Gross-Bartloff hat sich durch seitliche Erosion in 
dem Buntsandstein ein weites Becken gebildet. Unterhalb von 
Gross-Bartloff aber treten die Gehänge dieses Beckens immer 
mehr an einander, je mehr wir uns dem Willbicher Graben 
nähern, und die engste Stelle des Thaies liegt dort, wo die 
Muschelkalkschichten des Graben/uges bis in die Thalsohle 
reichen und hier eine Thalschwelle bildeten und bilden, hinter der 
das Gross-Bartloffer Becken ausgearbeitet wurde, das wohl einst von 
einem Stausee ausgefüllt gewesen ist, der sich heute noch in Kalk- 
tuffablagerungen rund um Gross-Bartloff herum zu erkennen giebt. 
Die Thäler auf Blatt Lengenfeld setzen quer durch den 
Willbicher Graben (Saalfeld - Eiehenberger Störungszone) hin- 
durch, ohne dass durch den Graben eine Ablenkung der Thäler 
erfolgt ist. 

A. Klautzsch: Bericht über Endmoränen und Tief- 
bohrungen im Grundmoränengebiete des Blattes Kasten- 
burg (Ostpreussen). 

Das Gebiet des Blattes Rastenburg liegt am N. - Abfall des 
masurischen Höhenrückens, den man am besten mit der 
300 Fuss-Curve anfangen lässt. Topographisch erscheint das Ge- 
lände aus zwei, im SW. resp. NO. gelegenen Höhentheilen be- 
stehend, die durch einen in ca. 325 Fuss Höhe liegenden schmalen 
Pass bei Friedrichswalde mit einander in Verbindung stehen. Von 
W. her greift der O.-Flügel der auf dem Nachbarblatt Heiligelinde 
gelegenen Deiueflusssenke in das Gebiet ein, von SO. her die 
weite Alluvialfläche des Guberflusses. 



Das geologische Bild ergiebt sich aus dem Verlauf eitles Eud- 
inoräneuzuges, der im nordöstlichen Tlieil des Blattes, von Blatt 
Gr. Stflriack her westwärte zielicud, üördlicb des Weges von der 




RASTEN BURt^cliwqri SU,, 



',d}mj^^^ä^Im:iM 



Oh.Gttch lirjil. Endmoräne. 



Ob. Sand 



^fl^"' 



Die Eadmoränc zwifchen Qaeden 



versehentlich uicbt ciogezeichut: 



Oberfbrsterei Görlitz nacb Partsch, innerbalb der Kastenburger 
Stadtforst Görlitz verläuft. In diesem Stück tritt die ICndinoritue 
topographisch nur wenig hervor, sie erscheiut als starke Bluck- 
packung mit Geschiebemergel als Zwisrhenmasse. Gleichfalls als 



XXTV 

BlockpackuDg, aber als Stein masseu mit kiesigem Zwischeumittel 
und angelagerten steinigen Kiespartien zieht sie von der Oher- 
försterei Görlitz südwestwärts zum Sierczesee, der sie als Rinnon- 
see durchbricht, setzt sich westwärts als lehmig- mergelige Block- 
packung und grobe Kiesanhäufung in gleicher Richtung bis zu 
dem am N.-Ufer des Quedeusees gelegenen, zu Schwarzstein ge- 
hörigen Ausbau fort und schickt alsdann längs des Weges von 
diesem Ausbau nach Schwarzstein gen NO. einen Sporn, aus 
Blockpackung und grobem Grand bestehend, vor. Eine Fort- 
setzung desselben nach W. sind vielleicht die zum Theil gran- 
digen Sande zwischen Krausendorf und Rastenburg, die z. B. 
am Ausgang der Stadt beim Gestüt durch mehrere Gruben schön 
erschlossen sind. Auch erscheint der unmittelbar nördlich sich 
anschliessende Geschiebemergel hier sehr stein- und blockrcich. 
Von Schwarzstein aus verläuft die Endmoräne dann weiterhin süd- 
wärts wieder zum W.-Ufer des Quedensees. Jenseits des Sees, au 
seinem SO. - Ufer, verbreitert sich die Endmoräne dann sehr 
stark und bildet östlich des Vorwerks Waldhaus bis zum 
Quedener Wald die höchsten Erhebungen des ganzen Gebietes 
(bis zu 440 Fuss). Sie erscheint hier als ein stark coupirtes 
Gelände, aufgebaut aus Oberen schwach grandigen, geschiebc- 
reicheu Sanden oder Granden, nur unmittelbar an der Grenze 
des Sandes und der Grundmoräne wurden zwei kleine Block- 
packungeu festgestellt. Die topographisch schon hervortretenden 
Höhen zwischen (^ueden und Pohiehels, die erst nördlich, dann 
südlich die Chaussee begleiten und stellenweise Steinbestreuuug 
zeigen, verbinden den auf Blatt Gr. Stürlack verlaufenden, west- 
lich Mertenheiui auf unser Blatt übertretenden Endmoränenzug 
mit der sich nunmehr westlich Quodeu weiter nach SW. fort- 
setzenden Endmoräne. In derselben Ausbild uugsweise, als Obere 
Sand- und Grandaufsehüttungen, erscheint sie nach Ueberschreiten 
der Chaussee Rastenburg-Lötzen am Bahnübergang nach Wilhelms- 
dorf und längs der Bahnlinie nach SO. hin, erleidet dann inner- 
halb der Gubersenke zwischen (Jueden und Glubenstein eine 
Unterbrechung und setzt dann nördlich des Gutes Glubenstein als 
Geschiebesand mit kleineu Grandpartien über aufgepressten 




XXV 

Unteren Sandeu west^fldwestlich auf Friedrichswalde zu fort, er- 
8cheiut dann unweit des zu Weischnuren-Friedrichswalde ge- 
hörigen Friedhofes an der Strasse Eichmedien-Rastenburg in Form 
Ton ßlockpackung und oberflächlicher Blockanhäufung und zieht 
in gleicher Weise westwärts ungefähr längs der Grenze Dorf 
Weischnuren-Reimsdorf. Ihr zuzureclinen sind in diesem Stftck 
das coupirte, stark bestreute Obere Sandgebiet und die Kleinen 
Grandpartien, die östlich und westlich der Grenze zwischen Gut 
Weischuuren und Domäne Reimsdorf liegen. Dicht bei der Do- 
mäne selbst, an der Strasse nach Gr. Bürgersdorf, unweit des 
Teiches, sind durch Abgrabung eine Unzahl grosser Blöcke aus 
der dortigen Geschiebepackung freigelegt. Daran anschliessend 
folgen grobe Grande und geschiebereiche Sande. Unter den an 
dieser Stelle gesammelten Geschieben erscheint als auffallend ein 
ausgezeichnet schöner, rothbrauner, schlierenartig stellenweise 
dunkler gefärbter Quarzporphyr mit 2 — 5 Centimeter grossen, 
schön idiomorph ausgebildeten röthlichen Orthoklas-Einsprenglingen 
und schwärzlichen Quarzen in Tropfenform, sowie grosse, äusserst 
versteinerungsreiche Platten grauen Orthocerenkalkes n)it zalil- 
reichen Exemplaren von Orthoceras (30 — 50 Centimeter laug), 
LituiteSj Asaphus^ Lichas^ Euoniphalusy Pleurotomaria etc. Die 
Orthoklaskrystalle des erst genannten Gesteins zeigen eine, viel- 
fach allerdings undeutliche Umwachsung durch Oligoklas: Der 
Porphyr durfte also einer porphyrischen Facies des Rapakiwi- 
;:;ranits von Aland angehören. Von Reimsdorf ab wird der weitere 
Verlauf der Endmoräne ein undeutlicher. Zunächst zieht sie etwa 
liis zum Forsthaus Neuendorf nach S. als geschiebereicher, 
^tark kuppiger Oberer Sand und Grand, erleidet alsdann aber 
Ms südlich des Bahnhofes Reimsdorf - Thurwaniren eine Unter- 
brechung, um weiterhin erst wieder mit schmalem, nach SO. 
vorgelagertem Sandr als blockreicher und stark blockbcstreuter 
Geschiebemergel in der Richtung auf Thurwangen zu verlaufen. 
Hier erhebt sie sich noch westwärts des Gutes als mächtige Auf- 
schüttung bis zu 425Fuss Höhe und tritt dann auf das südliche An- 
schlussblatt Bosemb über. 

Dieser, in seinem Verlauf eben geschilderte, das Blatt ziemlich 



XXXYI 



Bohrung XIV. 
Abbau Krausendorf: 96 Meter. Von -H 94 Meter N. ^ 



— 2 Meter 



0- 

80 

80,6- 

75- 

76- 
80 



-30 Meter Geschiebemergel 
-30,5 » Kalk. . . . 
-75 » Geschiebemergel 
76 » Sand. . . . 
80 » Geschiebemergel 
96 -f- » Sand. . . . 



8m 

Ök 

Om 

Os 

c)m 

ds 



Oberes C 
80 A4 



Wasserauftrieb bis 4 Meter unter Tage. 

Bohrung XV. 

Rastenburg, Brauerei-Äctiengesellschafl: 42 Meter. 

36 Meter. 



0- 

3- 

10 

32- 

35- 



Von -f- 78 Meter N. N. bis 

'3 Meter Alter Brunnenschacht 

10 » Grand 9g 

-32 » Geschiebemergel .... dm 

35 » Thonmergel dh 

42 4- » Sand ds 



OberesD 
32 M 



Bohrung XVI. 

Blindcnsee, nördlich Rasteuburg: 75 Meter. Von -f- 84 

N. N. bis -f- 9 Meter. 

0—3 Meter Torf t 



3-5 
5—33 
33-35 
35 -3Ü 
36-46 
46—47 
47-69 
69—70 
70—75 



» 



» 



» 



» 



Kalk k 

Geschiebemergel .... öm 

Sand ÖS 

Mergelsand 8ms 

Geschiebemergel .... Om 

Sand ds 

Geschiebemergel .... 8m 

Saud ds 

Mergelsand dms 



OberesD 
64 M 



? da I 
wasserg 



Nach den Magistratsacten folgt noch bis 77 Meter Sa 



XXVII 

älteren EDdmoräue, die schon im Wesentlichen auf Blatt Gr. Stür- 
lack Terläufl und nur noch in einzelnen Partiocn auf Blatt Kasten- 
bui^ übergreift: so östlich Mertenheim an der Blattgrenze südlich 
der Eisenbahn in Form geschiebereicher Oberer Grande und nörd- 
lich der Rasten burg-Sensburgcr Kreisgrenze, sowie ain Wege nach 
Ballau als kleine Blockpackungen oder Grandaufschöttuugen. Nörd- 
lich Ballau tri£^ sie die von Salpkeim kommende nächst ältere End- 
moräne, die hier in südöstlichem Verlauf auf Blatt Rastenburg über- 
tritt, wo sie längs der Strasse Ballau -Eichmedien grobe steinige 
Sand- und Grandaufschüttungen bildet, deren Schichten z. B. in 
dem Aufscbluss der Bahnkiesgrube an der Eichmedieu-Ballauer 
Grenze mit ca. 30^ nach S. einfallen. Von hier aus geben wohl 
die Äufpressungeu Unterer Sande und Mergelsaude nach S. zu 
eine Ändeutunnr des weiteren Verlaufes dieser Endmoräne südlich 
Eichmedien nach W. hin in der Richtung auf Lauganken (Blatt 
Bosemb). Der ganze südliche Theil des Blattes gehört zu dem 
Grundmoränengebiet dieses Endmoränenzuges; er war wohl auch 
noch bei der nächst jüngeren, oben bereits geschilderten Still- 
standslage des Inlandeises von Eis bedeckt, da um ihn der Saudr 
jener Endmoräne ausbiegt. Bei seinem definitiven Freiwerden von 
Eis und dem Abfliessen seiner Schmelzwasser nach der nun schon 
frei liegenden nördlichen Senke entstanden hier an der Grenze 
des Grundmoränengebietes zum Sand stellenweise auch cndmo- 
räuenartige Bildungen, wie geschiebereiche, grandige Sande, kleine 
Grandpartien, Blockpackungen und Blockanhäufungen (z. B. nörd- 
lich Gr. Bürgersdorf). 

Interessante Bildungen des Grundmoränengebietes sind die 
au einzelnen Stellen vorkommenden Deckthone, die in weiter 
Fläche das Gebiet zwischen Rastenburg, Muhlack, Georgenfelde 
lind Prangenau erfüllen oder in Form von Hauben oder Decken 
die obersten Partieen grösserer Berge oder Hochflächen bilden, 
z. B. zwischen Georgenberg und Luisenthal, zwischen Wei- 
schnuren, Wilhelmsdorf und Glubenstein oder um Eichmedien 
und zwischen Hinzenhof und Kl. -Bürgersdorf. Stellenweise 
zeigen diese Thone eine bis 2, auch 5—7 Decimeter tief reichende 
Schwarzerdebildung, die ihre Fruchtbarkeit nicht unwesentlich 



XXVIII 

erhöht und die ganze Gegend als das Land der Rabtenbiirger 
Schwarzerde in Ostpreusseu weit berühmt gemacht hat. Die 
Ablagerung dieser Thoue ist an keine Ilöhencurve gebunden, ihre 
Mächtigkeit reicht wohl durchschnittlich nicht viel Ober 2 Meter, 
vielfach ist sie auch geringer, so dass der sie unterlagernde Obere 
Geschiebemergel oder Sand noch erbohrt werden konnte. Ihre 
liildung spricht für eine Ablagerung in eingeschmolzenen Löchern 
der noch die Grundmoräne bedeckenden Eishülle: die im Eis 
circulirenden, zum Eisrand strömenden, mit Gletscherschlamm er- 
füllten Wassermassen deponirten hier, in solchen Löchern sich 
sammelnd, den mitgeführten Detritus, ehe sie sich durch die Eis- 
wände weiterfressen und abfliessen konnten^). 

Die Entwässerung des gesammten Gebietes erfolgt beute 
durch die, das Blatt von SO. nach NW. durchfliessende Guben 
Von Senke zu Senke herabfliessend, durchbricht sie in z. Th. 
landschaftlich sehr schönen, bis zu 20 Meter hohen Steilschluchteu 
die trennenden Diluvialhöhen, ohne jedoch irgendwie tiefere 
Diluvialschicbten anzuschneiden. Ihre ganze Entstehung ist natür- 
lich eine sehr jugendliche, konnte doch überhaupt erst eine nach 
N. gehende Entwässerung nach dem Abschmelzen des Inlandeises 
erfolgen. Am Wege Glubenstein - Queden verursachte hier noch 
liegendes Eis während der Abschmelzperiode ein Aufstauen des 
Guberwassers, so dass hier die mitgeführteu Sande und Thone zur 
Ablagerung kamen und eine deutliche Terrassenbildung eintrat. 

Dem freundlichen Entgegenkommen des Herrn Dr. Schellwien, 
Leiter des physikalisch-ökonomischen Provinzialmuseums zu Kö- 
nigsberg in Preussen, verdanke ich die persönliche Einsicht zahl- 
reicher Tiefbohrproben, die über die tieferen L^ntergruudverhält- 
nisse der Stadt Rastenburg und ihrer Umj^ebung willkommenen 
Aufschluss geben. Schon zuvor war ich durch die beim Magistrat 
zu Rastenburg befindlichen Acten des Bohruuternehmers Bieske 

cf. K. Keilhack: Der baltische Höhenrücken in Hintcrpommem und 
Westpreussen. Dieses Jahrbuch 1889, S. 165. Berlin 1890. 

Ib.: Erläuterungen zu Bl. Wurchow der geologischen Spocialkarte von 
Preusaen etc. Lief. 59. Berlin 1895. 

F. Wahnschaffe: Die Ursachen der Obortlächengestaltung des norddeut- 
schen Flachlandes, S. 168. 2. Aufl. Stuttgart 1901. 



XXIX 

zu Köuigsberg über die Ergebnisse einzelner Bohrungen unter- 
richtet, späterhin stellte mir dann Herr Prof. «Teni^zsoh die von 
ihm seiner Zeit angefertigten Bohrregister zur Verfügung, die ich 
bei den folgenden Angaben mit freundlicher Erlaubniss und 
bestem Danke gleichfalls benutze. 

Aus den Bobrungen ergiebt sich, zum Theil wenigstens, flßr 
Rastenburg eine recht bedeutende, bisher wohl überhaupt nur 
selten beobachtete Mächtigkeit des Diluviums und speciell der 
oberdilavialen Bildungen^), wenigstens gieht Jbntzsch 1896 als 
die grössten bisher beobachteten Mächtigkeiten diluvialer Ablage- 
rungen in Ostpreussen flir Weedern bei Darkohmen 151 Meter^) 
und Ar Domäne Dinglauken im Kreise Darkehmen 150 Meter ^) 
an, während hier in der Bohning am Bahnübergang von Krausen- 
dorf und Georgenberg eine Tiefe von 160 Meter erreicht wurde, ohne 
dass das Diluvium schon durchsunken ist. Des Weiteren ergeben 
diese Bohrungen zur Evidenz, dass man nicht jede kleine Sand-, 
Grand-, Mergelsund- oder Thonbank, die unter Oberem Geschiebe- 
mergel folgt, als uuterdiluvialen Alters auAassen darf, denn ent- 
sprechend den steten Schwankungen des Eisrandes während der Ab- 
schmelzperiode (Rastenburg liegt nur ca. 4 Kilometer hinter der 
Endmoräne) konnte fQr eine Zeit die Grundmoräne freiliegen und 
konnten auf ihr fluviatile Bildungen zum Absatz kommen, über 
welche dann bei erneutem Vorrücken des Eises sich wieder neues 
Material derselben Grundmoräne aufschob. Der trennende Ho- 
rizont, die sog. Unteren Sande, müssen ja schon ihrer Genese 
entsprechend, in den meisten Fällen eine grössere Mächtigkeit als 
1 oder 2 oder auch noch mehr Meter haben, ausserdem sind 
sie es zumeist, in denen sich der wassergebende Grundwasser- 
strom bewegt, der sie also auch in den einzelnen Bohrungen 

F. WAnxscHAFFE: ]. c, S. 66 a. G7, f<iebt eine Zusammenstellung der im 
Boreich des norddoatschen Flachlandes aufj^eführten Tiefbohrungen und der 
M&cLtigkeiten der dnrchsankcnen Qu^rtärschichten. Nur ca. 15 übertreffen die 
bier erreichte Mächtigkeit. 

*) A.Jkmtzsch: Moseumsbericht f. 1888 u. Sitz. - Ber. Phys.-ökon. Ges. f. 
1889, 3. 4. 

^ Ib.: Nene Gesteinsaafschlüsse in Ost- und Wcstpreussen 1893—1895. 
Dieses Jahrbuch 1896, S. 72. Berlin 1897. 



diagüosticirt. Wollte mau andererseits (bei den Bohrungen II, 
V, IX und XVIII) an eine Ausquetschung des trennenden Un- 
teren Sand- Horizontes denken, so dass die grosse Mächtigkeit der 
Geschiebe mergelablagerungen durch Uebereinanderlagerung von 
Oberem und Unterem Geschiebemergel zu erklären wäre, so er- 
gäbe das Profil der Bohrungen 1 — VII in II und V, wie das 
der Bohrungen VIII — XI in IX eigenthOmliche Horste von Un- 
terem Geschiebemergel, deren Existenz eine weit grössere Unwahr- 
scheinlichkeit hat, als die Annahme oberdiluvialer Ausfbllungen. 
Für das Obere Diluvium ergeben sich so hier Mächtigkeiten von 
z. B. 59 Meter (Infanteriekaserne), 85 Meter (Zuckerfabrik), 
137,5 Meter (Galgenberg bei Rastenburg), 157 Meter (Bahn- 
übergang bei Krausendorf nach Georgenberg). 

Im Einzelnen zeigen die Bohrungen folgende Schichtenfolge : 







Bohrung 


I. 




Georgenberg bei 


Kastenbiirg: 138 Meter. Von H- 93 Meter N. N. 






bis — 45 Meter 1). 




45 


Meter Goschiebemergel 


. . Om \ 




45 46 


» 


Mergelsand . . 


. . 9ms r 


OberesDihivinin 


40-47 


» 


Thonmergel . . . 


. . Oll } 


48 Meter. 


47 48 


» 


Geschiebemergel 


. . ()m ) 




48—50 


» 


Thonmergel . 


. dh 




50—51 


» 


Mergelsand . . , 


. dms 




51—65 


» 


Sand 


. . ds 




65 68 


y> 


Mergelsaud . . . 


. dms 




68 74 


» 


Saud 


. ds 




74—79 


» 


Viergelsaud . . 


. dms 




79—85 


» 


Sand 


. ds 




85—133 


» 


Mergeli?and . . . 


. dms 




133 134 


» 


Geschiebemergel (?^ 


) . dm (?) 




134 138 


» 


Grand . . . . . 


. dff 





Das Filter steht bei 135 — 138 Meter. Wasserauftrieb bis 

8 Meter unter Tage. 



») Ib.: J. c. S. 73. 



XXXI 



Bohrung II. 

Zuckerfabrik Rasteuburg: 87,5 Meter. Von 

bis — 10 Meter. 



77,5 Meter N. N. 



0-26 
26—28 
28—61 
61—62 
62—63 
63—71 
71—72 
72—85 
85-87,5 



Meter Geschiebemergel 
» Grand . . . . 
» Geschiebemergel 

Sand . . . . 

Thonmergel . . 

Geschiebemergel 

Thonmergel . . 

Geschiebemergel 



» 



» 



OberesDiluvium 
85 Meter. 



» Grand 

Das Filter steht bei 83 — 86 Meter, mit überlaufendem Wasser^). 
Nach Mittheilung des Bohruntemehmers entströmte dem 
Wasser bei ca. 80 Meter Tiefe der Bohrung brennbares Gas. 
Dasselbe entstammt wohl den tiefer liegenden Grandschichten. 



Bohrung III. 

Herr Wilke, Kastenburg: 35 Meter. Von 

bis -h 43 Meter. 

— 3 Meter Abraum und Aufschüttung 

3—8 » Grand c)g 

8 — 25 » Geschiebemergel . . 9m 
25-35+ » Sand ds 



78 Meter N. N. 



OberesDiluvium 
25 Meter. 



Bohrung IV. 

Rastenburg, Schlachthof: 73,6 Meter. Von 

bis 4- 10 Meter. 

— 40 Meter Geschiebemergel . . Om 

40—73 » Sand ds 

73 — 73,6-H- » Geschiebemergel . . dm 



83,6 Meter N. N. 

OberesDiluvium 
40 Meter. 



*) Dass dieser Brunnen artesisches Wasser ergiebt, zeigt sich unmittelbar aus 
dem Vergleich mit den benachbarten Bobrungen I und III. Bei der ersten liegt 
der Beginn des wasserführenden Horizontes in + 43 Meter Höhe, bei der an- 
deren bei 4- 53 Meter, während hier derselbe Horizont bei — 7,5 Meter Höhe liegt. 



xxxn 



86 Meter N. N. 



OberesDiluviuni 
140 Meter. 



Boliriiiig V. 

Rasteubiirg, Stadtschule: 147,7 Meter. Von 

bib — 61,7 Meter. 
Meter Alter Bniuuenschaelit 
Grand 

Geschiebemergel 
Mergelsaud . 
Sand .... 
Mergelßand . . 
Geschiebemergel 
Thonmergel . 
G eschiebeniergel 
Thonmergel . . 
Geschiebemergel 
Thoumergel . 
Goschiebemergel 
Mergelsaud . 
Thoumergel . 
Mergelsand . . 
Sand .... 

Bei dieser Bohrung könnte man mit einem gewissen Hecht 
das Untere Diluvium schon bei 27 Meter beginnen lassen, da hier 
bis 38 Meter Sand {ohrt. Da diese Sande aber nicht wasser- 
führend waren, so werden sie und die folgenden Schichten noch 
zum Oberen Diluvium gezogen. 



0-10 

10-11 

11-27 

27—28 

28- 38 

38-41 

41—1^0 

•JÜ- !) 1 

91 — 115 

115—116 

116—124 

124-126 

126—140 

140—141 

141 — 143 

143—144 
144—147,7 



» 



» 



» 



» 



» 



» 



» 



» 



» 



» 



» 



» 



» 



» 



» 



» 



dm 

Oms 

Ds 

Dms 

Om 

Oh 

c)m 

ü\i 

Dm 

Oh 

Om 

dms 

dh 

dms 

ds 



Bohrung VI. 

Uastenburg, Brauerei Schrempf: 70 Meter. 

bis 4- 13 Meter 

— 39 Meter Geschiebomergel 

39-41 » Thonmergel 

41 — 49 » Mergelsand . 

49-59 » Sand . 
59 - 60 
60-64 



» 
» 

» 
» 



Thonmergel 
Sand . 



Von -f- 83 Meter N. N. 



..^ { OberesDiluviuni 



dh 

dms 

ds 

dh 

ds 



l 39 Meter. 



xxxni 

64—65 Meter Mergelsand dms 

65—68 » Sand ds 

6S~7Ü4- » Geschiebe ine rgel . . . dm 

Bohrung VII. 

Rastenburg, Infanteriekaserne: 75 Meter. Von H- 94 Meter N. N. 

bis -\- 19 Meter. 

0-59 Meter Geschiebemergel . . . dm \ »iQ M f 

59-60 » Mergelsand dms 

60-75 -h » Sand ds 

VoD G3— 72 Meter sehr viel Wasser, das aber nur bis 18 Meter 

unter Tage aufsteigt. 



Karlsb 



erg 



Bohrung Vlll. 

bei Rastenburg: 68 Meter. Von 

bis 4- 19,5 Meter. 



0-^2 


Meter 


Geschiebemergel 


2-^3 


» 


Grand . . . 


3-28 


» 


Geschi ebe mergel 


28^30 


» 


Grand . . . 


30^36 


» 


Geschiebemergel 


36-38 


» 


Thon mergel 


38-55 


» 


Geschiebemergel 


55-56 


» 


Thon mergel 


56-^03 


» 


Geschiebemergel 


63-68 


» 


Sand .... 



87,5 Meter N. N. 



\ OboresDiluvium 
63 Meter. 



Bohrung IX. 

^^'genberg I, westlich Kastenburg: 142 Meter. Von 

N. N. bis — 72 Meter. 



0-18 


Meter Geschiebemergel . 


. . Om 


18-19 


» 


Thonmergel . . 


. Öh 


19-20 


» 


Geschiebemergel 


. <)m 


20-22 


» 


Sand .... 


. . ÖS 


22-24 


» 


Mergelsand . . . 


. . Dms 


J«hrb«eli ] 


L900. 







70 Meter 



OberesDiluvium 
137,5 Meter. 



XXXIV 



24 — 26 Meter Geschiebemersel 



26- 

28- 

58- 

61- 

104,5- 

105,5- 

137,5- 



28 

58 

61 

104,5 

105,5 

137,5 

142 



» 



» 



Thonmergel . . 
Geschiebemergel . 
Thonmergel . . 
Geschiebemergel . 
Sand 



Gesch iebeme rgel 



» 



Sand 



dm 

Öh 

dm 

mi 

dm 
Os 
Om 
ds 



OberesDiluvium 
137,5 Meter. 



Bohrung X. 
Gnlgenberg II, westlich Kastenburg: 72 Meter. Von + G2,ö Meter 

N. N. bis — 9,5 Meter. 



0-3 


Met( 


ir Sand 


8 




3-8 


» 


Thonmergel . . . 


. dh 


\ 


8 24 


» 


Geschiebemergel . . 


. dm 


f OberesDiluvium 


24 30 


» 


Thonmergel : . . 


. dh 


/ 57 Meter. 


30 (;o 


» 


Geschiebemergel . . 


. dm 


) 


60 64 


» 


Grand 


. Jg 




64-72-4- 


» 


Sand 


. ds 





Bohrung XI. 

Muhlack, Dorfstrassc, östlich der Chaussee: 21 Meter. 

Von 4- 78 Meter N. N. bis + 57 Meter. 

0—2 Meter Thonmergel dh 

2 — 15 » Geschiebemerjjel . . . dm 

15 — 17 » Grand ) p 

17 — 21 » Sand \' 

Sowohl die Grand-, wie die Sandschichten sind nicht wasser- 
gebend. Ihrem Alter nach sind sie wohl oberdiluvial, da bei An- 
ordnung der Bohrungen VIII — XI zu einem Querprofil in den 
vorhergehenden Bohrungen die wassergebenden Unteren Sande 
erst bei weit bedeutender Tiefe sich einstellen und in Bohruntf VIII 
sich etwa in gleicher Höhenlage (ca. + 60 Meter) 2 Meter Grand 
linden. Bei Weiterführung der Muhlacker Bohrung würde sich 



XXXV 



wohl bald wieder Oberer Geschicbemergel eingestellt haben, wie 
es nach Aussage eines dortigen Besitzers sogar der Fall gewesen 
sein soll. 



0—13,5 Meter Alter Brunnenschacht 



Bohrung XII. 
Karlshof, ostlich Rastenburg: 85 Meter. Von 

bis -f- 10 Meter. 



c)s 

c°)m 

9h 

Om 

üs 

9m 

ds 



95 Meter N. N. 



13,5-21 
21-22 
22-55 
55—56 
5G-75 
75-76 
76-77 
77-85 



» 



OberesDiluvium 
77 Meter. 



Goschiebemergel . 

Sand 

Geschiebemergel . 
Thouniergel . . 
Geschiebemergel . 

Sand 

Geschiebemergel . 
Sand 

Das Filter steht bei 82—85 Meter. Wasserauftrieb bis 2 Meter 

unter Tage. 



Bohrung Xlll. 
Kraiisendorf, östlich Rasteuburg, Epileptische Austalt: 97 Meter. 

Von -h 92 Meter N. N. bis — 5 Meter. 

0- 30 Meter Geschiebemergel . . . 9m 

30-32 * Grand 9g 

32—62 » Geschiebemergel . . . 9m 

62 — 63 » Sand 9s \ OberesDiluvium 

63—66 » Thonmergel 9h / 75 Meter. 

66—67 » Sand 98 

67 — 70 » Thonmergel 9h 

70—75 » Geschiebemergel . . . 9m 

75 — 77 » Sand ds 

77 — 78 » Thonmergel dh 

78-97+ » Sand ds 

Filter ist unten eingesetzt, Wasserauftrieb bis 4 Meter unter Tage. 

c* 



XXXVI 





Bohrung XIV. 


Abbau Krausendorf: 96 Meter. Von + 94 




— 2 Meter. 


0—30 Meter 


Geschiebemergel . . . dm 


80-30,5 » 


Kalk dk 


30,5—75 » 


Geschiebemergel . . . öm 


75—76 » 


Sand Os 


76—80 » 


Geschiebemergel . . . c)m 


80-96-+- » 


Sand ds 



94 Meter N. N. bis 



Oberes Diluviun 
80 Meter. 



Wasserauftrieb bis 4 Meter unter Tage. 

Bohrung XV. 

Rastenburg, Brauerei-Actiengesellschaft: 42 Meter. 

36 Meter. 



0- 

3- 

10 

32- 

35- 



Von 4- 78 Meter N. N. bis 

3 Meter Alter Brunnenschacht 

10 » Grand Ög 

-32 » Geschiebemergel .... dm 

35 » Thonmergel dh 

42 H- » Saud ds 



OberesDiluvium 
32 Meter. 



Boh rung XVI. 

Blindensee, nördlich Rastenburg: 75 Meter. Von -f- 84 Meter 

N. N. bis -h 9 Meter. 

0—3 Meter Torf t 



3-5 
5—33 
33-35 
35-3G 
36—46 
46-47 
47-69 
69—70 
70—75 



» 



» 



» 



» 



Kalk k 

Geschiebemergel .... 8m 

Sand 8s 

Mergelsand dms 

Geschiebemergel .... 8m 

Sand 8s 

Geschiebemergel .... 8m 

Sand ds 

Mergelsand dms 



OberesDihivium 
64 Meter. 



? da nicht 
wassergebeud. 



Nach den Magistratsacten folgt noch bis 77 Meter Sand. 



xxxvn 



Bohrung XVII. 

Torfbnich, södlich Langenberg bei Rastenburg: 70 Meter. 
Von 4- 81 Meter N. N. bis 4- 5 Meter. 

0-1 Meter Torf .... 



1-10 
10-16 
16-21 
21-23 
23-39 
39-41 
41-76 



Geschiebemergel 
Mergelsand . . 
Geschiebemergel 
Sand .... 
Geschiebemergel 
Sand .... 
Geschiebemergel 



t 

dm 

dms 

dm 

Os 

dm 

9s 

am 



OberesDiluvium 
75 Meter. 



» 



OberesDiluvium 
157 Meter. 



y> 



Bohrung XVIII. 

BahDübergang von Krausendorf nach Georgenberg: 160 Meter. 

Von H- 81 Meter N. N. bis — 79 Meter. 

0-3 
3-31 

31-32 

32-80 

80-82 

82-121 
121 — 12Ü 
129—145 » 
145—146 » 
1 4 6— 1 60 » Geschiebemergel 

Yen 82 — 83 Meter und von 149 — 150 Meter aufgearbeitete Braun- 
kohleuletten, von 151 Meter ab glaukouitisch, von 156 Meter ab 

sehr sandig. 

Zu diesen Bohrungen, die ihrer Lage nach genau bekannt 
sind und oben zu vier Gruppen angeordnet worden sind, so dass 
die Bohrungen I— VII, VIII— XI und XII-XV auf ungefähr je 
einer Geraden liegen, während XVI— XVIII ohne Beziehung zu 
einander sind, treten noch auf dem Terrain der Infanteriekaserne- 
ments folgende vier Bohrungen: 



Meter Aufschüttung 
» Geschiebemergel 
Thonmergel . . 
Geschiebemergel 
Grand . . . . 
Geschiebemergel 
Sand . . . . 
Geschiebemergel 
Sand . . . . 



xxxvrii 



1. 69,4 Meter. 

— 30 Motor (Toschicbemergel . . 

30—36 » Tlioninorgel . . . , 

36—46 » Geschiebemergel . . 

46 — 52,4 » Fayencemergel . . 

Thonmergel . . . . 

Sand , 

Geschiebemergel . . . 



52,4-64 
64-69,4 
69,4 



» 



» 



Dm 

Oh 

9m 

dms 

dh 

d8 

dm 





39- 
40 
63 
70 



39 
40 
63 
70 
72,5 



2. 72,5 Meter. 

Meter Geschiebemergel 
Thonmergel 
Geschiebemergel 
Sand .... 
Geschiebemergel 



y> 



» 



3. Kaserne I. 



Öm 

Ml 

<)m 

ds 

dm 



89 Meter. 





m 

o- 

ly- 

21- 

37 

43 

77 

78- 

84 

86- 

88 



5 Meter fehlt, sicher aber Geschiebemergel 



19 
21 
37 
43 

77 
78 
■84 
86 
■88 
89 



» 



» 



» 



» 



» 



» 



y> 



» 



» 



Geschiebemergel 

Thonmergel . . 

üeschiebemergol 

Thonmergel . 

Goschiebemergel 

Thonmergel . 

Gesell iobemergel 

Gnind 

Sand mit Lignit 

Thonmergel . . 



dm 

Oh 

9m 

9h 

9 m 

9h 

9m 

dg 
ds 

dh 



OberosDiluvii 
46 Meter. 



OberesDiluvii 
63 Meter. 



OberesDiluvi 
84 Meter. 



0- 



9._ 

30- 
37,5- 



4. Kaserne, Brunnen III: 7G Meter. 

2 Meter fehlt, sicher aber Geschiebe- 
mergel 
30 » Geschiebemergel. . . 9m 
37,5 » Mergclsand .... 9ms \ 
45 » Geschicbcmergel . . 9m 



OberesDiluvi 
66 Meter. 



45--47 Meter Thonmergel . . 

47— 5J,6 » Geschiebemergel 

5I,ß-53,7 » Grand . . . . 

oÜ,7— 56 » Fayencemergel . 

56—58 » Geschiebemergel 

58-58,25 » Sand . . . , 

58,25—61 » Geschiebemergel 

61—64 » Fayencemergel , 

64—66 » Geschiebemergel 

66—76+ » Sand . . . . 



Oberes!) iluviu m 
66 Meter. 



II. Stille. Mittheilungen aus dem Aufnahmegebiete 
am södlichen Teutoburger Walde (Eggegebirge). 

Die Aufnahmen im Sommer 1900 auf Blatt Altenbeken, 
dem südlich hieran angrenzenden Blatte Lichtenau und im süd- 
westlichen Theile des nach O. auf Lichtenau folgenden Blattes 
Willebadessen umfassen den nord-südlich verlaufenden Haupt- 
zug des Teutoburger Waldes, das sogenannte Eggegebirge, zwischen 
Willebadessen und der lippeschon Enklave Grevenhagen nördlich 
Altenbeken, das benachbarte östliche Vorland des Eggegebirges und 
einen Theil der westlich an die Egge sich anschliessenden Pläner- 
hochflächen. 

Trias und Jura im Vorlande der Egge nehmen im östlichen 
Theile der Blätter Altenbeken und Lichtenau nur schmale Zo- 
nen ein; der ganze übrige Theil der Blätter, die Egge und ihr 
festliches Hinterland, gehören schon zur westphälischen Kreide- 
mulde. 

In Bezug auf die Gliederung des Wellenkalkes, der auf 
Blatt Altenbeken am östlichen Abfall der Egge zum Driburger 
Thale in seiner ganzen Mächtigkeit, im nordöstlichen Theile von 
Blatt Lichtenau nur in seiner oberen Abtheilung entwickelt ist, 
haben sich einige bemerkenswerthe Resultate ergeben. Grössere 
Profile fehlen am O. -Hange der Egge; seine Gliederung musste 
deshalb vornehmlich auf den anschliessenden Blättern Driburg, 
Sandebeck und Steinheim, namentlich entlang der Bahnstrecke 
Himmighausen - Bergheim, bei Sandebeck, im Bahneinschnitt am 



XL 

Lilienberge östlich Driburg, am Schweinsberg nordwestlich Dri- 
burg u. 8. w. untersucht werden ^). 

Alle aufgenommenen Profile zeigen, dass dünnere feste Bänke 
oolithischen oder krystallinischen, auch wohl etwas schaumigen 
Kaikos in jedem Niveau die eigentlichen Wellenkalke unterbrechen 
können; im Allgemeinen schwanken diese aber sehr in Bezug auf 
Besch.'ifiVnheit, Mächtigkeit und seitliche Ausdehnung, wie schon der 
Vergleich der beiden kaum 1 ^2 Kilometer auseinanderliegenden Profile 
von Station Himmighausen (Blatt Sandebeck) und Dorf Himmig- 
hauseu (Blatt Steinheim) zeigt; vielfach handelt es sich nur um 
dünne, lager- oder linsenartige Einschaltungen, die sich bald aus- 
keilen. Danei^en kehren dann gleichmässig Zonen fester Bänke 
wieder, die wohl als die Vertreter der auch sonst überall im 
Wellenkalke des nordwestlichen Deutschlands ausgeschiedenen 
Zonen anzusehen sind, wenn auch ihre petrographische Ausbildung 
zum Theil von der in weiter östlich gelegenen Gegenden recht 
abweicht. — Ob die an der Egge durchführbare Wellenkalk- 
gliederung auch für das weitere östliche Westphalen Gültigkeit 
hat, oder ob es sich hier um ganz locale Ausbildungen handelt, 
müssen spätere Untersuchungen zeigen. 

Die tiefste dieser gleichmässig wiederkehrenden Zonen fester 
Bäuke im Wellenkalke liegt gleich im Hangenden des Roth. Sic ist 
charakterisirt durch rothbraune, krystallinische, harte, dolomitisclie 
Kalke, bei deren Verwitterung sich die einzelnen Kryställchen 
isoliren und das Gestein mit einer sich sandig anfühlenden, 
mürben (»Kalksand«-) Kruste umhüllen. Am Steilhang oberhalb 
der Quelle »Bollerwien«, am Waldrande südöstlich des Stellberges 
bei Driburg, wurde Profil I, 600 Meter weiter nördlich im »Katz- 
hohl« Profil II aufgenommen: , ,. 

Hangendes: normale Wellenkalke; 

1. blaugraue, feste, etwas oolith. Kalk- 

bank 0,12 0,06 

2. normaler Wellenkalk 0,24 0,28 

') Der Auffassung Fhaxtzln's über die Hinimighausencr " Profile (dieses 
Jahrbuch f. 1889, S. 457-4(>7) kanu ich mich in mancher Beziehung nicht an- 
schliessen, da einzelne in ihnen enthaltene Störungen nicht berücksichtigt sind. 



0,26 


0,78 


0,42 


\ nur sehr 


0,44 


1 unvoll- 




' kommen 


1,G0 


aufge- 


m 


schlossen 



XLI 

1. IL 

Meter Meter 

3. wie 1 0,12 0,15 

4. rothbrauner, krystallinischer, harter, 

dolomitischer Kalk mit mQrber, aus 
£inzelkrystallchen bestehender Ver- 
witterungskruste 1,70 1,07 

5. graublaue, bei Anwitterung bräunlich 

gesprenkelte^ harte Kalkbank . . 

6. wie 4 

7. graue, mürbe, stark mergelige Kalke 

8. eigelbe Kalke, durchzogen von Kalk- 

spathschnüren, z.Th. zellenkalkartig 

9. wie 7. noch 0,20 Meter aufgeschlossen 
Liegendes: rothe Thone des Roth. 

Etwa 35 Meter oberhalb der Röthgrenze liegt eine weitere 
2iOne festerer Bänke, die sich als mehr oder weniger deutlicher 
erster Absatz im Welleukalkanstiege entlaug der O.-Seite der 
Egge hei Driburg verfolgen lässt. Nach den Lagerungsverhält- 
nissen entspricht sie wohl der Oolithzone, wenn auch ihre petro- 
graphische Entwickclnng recht abweicht von der der Oolithzonen 
anderer Gegenden. 

Profil der Oolithzone aus dem Bahneinschnitt am 

Lilienberge westsüdwestlich Driburg. 
Hangendes: normale Welleukalke, 

0,11 Meter festerer, gleich massigerer, grauer Kalk, 

0,12 » normaler Wellenkalk, 

0,04 » blaugrauer, oolithischer Kalk. 

3,00 » a) festere, gelbe bis gelbgraue Kalke 0,90 Meter. 

b) dünnschichtige, gelbe Kalke . . 0,80 » 

c) festere, gelbe bis gelbgraue Kalke 1,30 » 
2,60 » Zone fester Bänke von gleichmässigem, grauem, 

z. Th. etwas oolithischem bis schaumig- 
oolithischem Kalke, der vielfach in echte, 
dann aber immer dickbankige Wellenkalke 
überfjeht. 
Liegendes: normale Welleukalke. 



XLII 



Profil der Oolithzone vom Schweinsberg, uordwestlich 

Driburg. 

(800 Meter östlich O.-Rand von Blatt Altenbeken.) 



Hangendes : 
1. 3,15 Meter 



2. 2,53 » 



Liegendes : 



Wellenkalke. 

a) festere, eigelbe Kalke von sehr 

gleichmässigem Geflttge . . . 1,25 Meter. 

b) dünnschichtige, graue Kalke . .0,10 » 

c) festere, gleichmässigere, grau- 

gelbe bis braungelbe Kalke . 1,80 » 

Zone fester Bänke eines gleichmässigeren 
Kalkes, der in Wellenkalk, gewöhnlich 
dann recht dickbankigen, übergeht. Ein- 
gelagert enthält sie eine etwa ^2 Meter 
starke Bank von festem, blauem bis blau- 
grauem, bei Auwitterung rostfarbenem Kalke 
von etwas oolithischer Structur; in diese 
wieder eingeschaltet dünne, bald sich aus- 
keilende Wellenkalklagen. 
Wellenkalke. 



Die Oolithzone ist danach an der Egge bei Driburg vertreten 
durch eine im Terrain sich deutlich abhebende Folge, fester, ho- 
mogener, zum Theil auch etwas oolithischer, blaugrauer bis grauer 
Kalke, die in echte, dann aber dickbankige Wellenkalke über- 
gehen können, und über denen 3 Meter gelbe Kalke folgen; die 
Mächtigkeit der ganzen Zone beträgt gegen 6 Meter. Als Decke 
des Plateaus der Iburg und des Bergrückens zwischen Iburg und 
Driburger - Pforte tritt sie in etwas grosserer Breite zu Tage, 
während sie sich sonst als schmales Band am Hange hinzieht und 
hier an den verschiedensten Stellen zwischen Frauenthalsgrund 
und Schweinsberg zu beobachten ist. 

Etwa 25 Meter über der Oolithzone liegt eine dieser petro- 
grnphisch ähnliche Folge festerer Bänke, ebenfalls begleitet von 
gelben Kalken, die nach ihren Lagerungsverhältnissen der Zone 
der Terebra telbänke entsprechen dürfte. Im Terrain ruft sie 



XLIII 

eine deutliche Kante hervor; etwa von derlbnrg bis zum Klüsen- 
berge am östlichen Hange der Egge bildet sie den oberen Ab- 
8chlusd des steilen Wellenkalkhanges Ober dem Dribnrger Thale. 
üeberall, wo genauere Profile zu beobachten waren, so bei Sande- 
beck, Himmighausen, Driburg und Neuenheerse, fanden sich in 
ihrem Liegenden mehrere Meter sehr mftrber, stark mergeliger, 
dönnschichtiger Kalke, auf die wohl zum Theil auch das deutliche 
Hervortreten der Terebratelzone im Terrain zurückzuführen ist. 

Auch in der Terebratelzone liegen zu unterst sehr feste, 
dickbankige Wellenkalke, die in blaue bis blaugraue, dichte, zum 
Theil etwas schaumige, zum Theil auch oolithische Bänke über- 
sehen. Hierüber folgen nach einer geringen Wellenkalkzwischen- 
lagerung etwa 3 Meter ziemlich fester, eigelber Kalke. 

Die durchschnittliche Mächtigkeit der Terebratelzone au der 
Egge beträgt etwa 7 Meter. 

Profil der Terebratelzone vom Bahnhofe Himmighausen. 

Hangendes: Wellenkalke, unterbrochen von einigen dünnen, 

festeren, etwas oolithischeu Bänkchen. 

3,25 Meter \ ^J^ ^**«'- Sl'-^b'-aune, ) ^.^^^^ 

l 2,90 » eigelbe, ) 

0,85 » dünnschichtiger Wellenkalk, 

1,80 » feste Wellenkalkbänke, übergehend in blaue bis 

blaugraue, wenig schaumige, zum Theil auch 
etwas oolithische Kalkbänke (bilden die Kante 
des »Vossberges«, beim Bahnhofe. 

Uegendes: mürbe, dünnschichtige Mergelkalke. 

Die Mächtigkeit des noch über den Terebratelbänkeu folgen- 
den Unteren Muschelkalkes beträgt gegen 50 Meter, damit die 
des gesammten Wellenkalkes etwa 120 Meter. 

Die obersten 20—25 Meter des Wellenkalkes sind an der 
Egge charakterisirt durch schaumige Bänke, sowie durch feste 
Knorpelkalke von grösserer Mächtigkeit, die an zahlreichen 
Stellen als Werkstein oder zur Wegebeschotterung gebrochen wer- 
den. Dieser obere Theil hebt sich im Terrain deutlich von den 



xuv 

liegenden Schichten ab; östlich Driburg, am Stellberge und weiter 
nördlich, bezeichnen stellenweise förmliche kleine Klippen seinen 
Beginn. Die Knorpelkalke können sich in den verschiedensten 
Horizonten dieser obersten Abtheilung finden; in einem tiefen 
Niveau liegen sie am Stellberg östlich der Oekonomie »Lachenichtc 
und weiter nördlich, wo sich folgendes Profil ergab: 

Hangendes: Wellenkalke, noch 1 Meter aufgeschlossen, 

0,04 Meter feste, graue Kalkbank, 

0,06 » normaler Wellenkalk, 

0,19 » grauer Schaumkalk, 

0,80 » feste, graue Knorpelkalke, 

0,40 » normaler Wellenkalk. 

Liegendes: dickbankiger, fester, grauer Wellenkalk, noch 

0,75 Meter aufgeschlossen. 

In den Profilen von Himmighausen finden sich die Knorpel- 
kalke etwa 16 Meter unter dem Mittleren Muschelkalke, und 
einen ähnlichen Horizont mögen sie auch zwischen Hausheide 
und Klusenberg einnehmen, während sie weiter südlich bis 
Neuenheerse hin bedeutend höher liegen dürften. Bald unter der 
Grenze gegen Mittleren Muschelkalk werden Knorpelkalke zur 
Beschotterung der fiskalischen Waldstrasseu südöstlich des Dübels- 
nackens (zwischen Altenbekeu und Driburg) gebrochen. Gelbe 
Kalke finden sich im oberen Wellenkalke in der Gegend des 
Bodenthaies und Nethenberges (Blatt Lichtenau) in geringer 
Mächtigkeit; weiter nördlich auf Blatt Altenbeken scheinen sie 
zu fehlen. 

Die Lage der Schaumkalkbänke im obersten Wellenkalke 
ergiebt sich für das gleich nördlich Altenbeken folgende Gebiet 
aus dorn Profile im Bahneinschnitte 900 Meter westlich Dorf 
Himmighausen: 

Hangendes: Mergel des Mittleren Muschelkalkes, 

1. 14,48 Meter Wellenkalke, die obere Hälfte sehr mürbe und 

stark mergelig, mit b zwischen 2 und 5 Centi- 
meter schwankenden, schaumigen Bänkchen, 



XLY 

2. 0,35 Meter grauer Schaum kalk mit Uebergängen zu 

Wellenkalk, ganz erföllt von Steinkernen und 
Abdrücken von Myopharia^ Gervillia^ Pecten^ 
Turbo u. 8. w. 

3. 1,38 » Wellenkalke, die obere Hälfte fester und dick- 

bankiger, 

4. 1,20 » feste Bänke knorpeligen Kalkes, 

5. 0,50 » festerer^ grauer, einigermaassen ebenschichtiger 

Kalk, 

6. 6,28 » Wellenkalke, zu oberst etwas mergelig und 

dünnschichtig, mit drei dünnen, schaumigen 
Bänkchen, 

7. 0,13 » Schaumkalk, in Folge eingelagerter, gelb- 

grauer Thonb rocken von conglomeratischem 
Aussehen. 

Liegendes: mürbe, stark mergelige, darunter normale 

Wellenkalke. 

Es sind also bei Himmighausen, abgesehen von einer Reihe 
döoner schaumiger Bänkchen, zwei stärkere Schaumkalkbänke 
vorhanden, die wir vielleicht mit der unteren und mittleren 
Schaumkalkbank des südlichen Hannovers u. s. w. in Vergleich 
bringen können. Die obere Schaumkalkbank dürfte möglicher- 
weise irgendwie durch die dünneren ßaiikchen unter 1. in obigem 
Profile vertreten sein. 

Nach dem Auftreten der Schaumkalkbänke gehören wohl 
die ganzen oberen 24 Meter des Himmighausener Wellenkalkes 
der Schaumkalkzone au. Vergleichen wir allerdings das Himmig- 
hausener Profil mit den von W. Frantzen und A. von Koenen ^) 
publicirten Wellenkalkprofilen, speciell mit dem nicht sehr fern- 
gelegenen Warburger Profile, in dem die Schaumkalkzone fol- 
gendermaassen gegliedert ist: 

W. FeANTzifif und A. von Koemkn, Ueber die Gliederung des 
Wellenkalkes im mittl. u. nordwestl. Deutschland. Dieses Jahrbuch 1888, 
S. 440-452. 



LVI 

tlioil weise wohl durch A iifschQttuog noch beträchtHch erhöht, 
laufen, theilwi ise danimartig scharfen Zügen zusammen 
nehmen stellen wi'iso den Charakter einer echten Endmoräne 
Besonders der Schncckonberg bei Garlin, der sich als lai 
dammartiger Rücken bis zur Seehöhe von 66 Metern, 2G M 
über der Umgebung erhebt, bietet mit den aufgesetzten Gra 
und Steinkuppen« die an einer Stelle den Charakter einer Bl< 
|>ackung annehmen, das Bild einer echten Endmoräne dar. 
Während die Endmoräne im südwestlichen und mittleren Tl 
von Blatt Kambow durch einen Zug grosser, flacher Du 
raijunjjen vertreten wird, theilt sie sich schon im nord- 
liehen Theile dieses Blattes, viel deutlicher aber im diesjähri 
Gebiete, in mehrere (3 bis 4) hinter einander liegende Zf 
Während der Eisrand im ersteren Gebiet längere Zeit still 
(unterdessen wurden die grossen Sandrflächen der Damniro 
Forsten uud des Stavenow-Dargardter Waldes gebildet und entsi 
die grosse Ausstrudeluug des Rambower Sees), zog er siel 
seinem weiter nordöstlichen Verlaufe ruckweise in kurzen Etap 
ein Stück weit zurück, jedesmal eine mehr oder weniger ^ 
artige Aufpressuug (theils auch Aufschüttung) und ein di 
entsprechendes System von Schmelzwasserrinnen hinterlass< 
Die Hauptsanmielrinne bildete dabei stets das kurz vor 
äussersteu Etappe verlaufende Löcknitzthal. 

An dorn die mecklenburgische Grenze bildenden Thal br 
die Endnioräue kurz und unvermittelt ab und findet in den flac 
Laiulschaftsformeu jenseits derselben keine deutliche Fortsetzu 
Ihre VerlänjjeruuiX würde fast rechtwinklich auf die gn 
mecklenburgische Endmoräne tier Kühner Berge stossen. Um 
Endmoräne scheint also einen vorgeschobenen Bogen zu die: 
grossen Endmoräueuzuge zu bilden. An Grossartigkeit sind d 
verhältnissmässig niedrigen Höhenzüge allerdings nicht mit 
zwei- bis dreimal höheren Kühner Beriten ver<;leich!)ar. 

Der vorderste Zug unserer Endmoräne besteht aus ziem 
breiten Durchragungsberijen, der »Markscheide« südlich Street 
der Höhe 56 bei Bootz. dem >Bootzer Berjje«. Die wen 
deutliche Fortsetzung dieses Zuges dürfte der Höhenrückeu 



XLvn 

Als zusammenhängendes Band verläuft der Neocomsandstein 
entlang der Kante des Eggegebirges. Er wird unterlagert vom 
N.-Rande des Blattes Altenbeken bis zum Rehberge von Lias, 
am südlichen Rehberge von Gypskeuper, Trochitenkalk, Wellen- 
kalk und Mittlerem Muschelkalke, von hier an bis zur »Klus- 
weide« auf 6 Kilometer nord-südlicher Erstreckung von Mitt- 
lerem Muschelkalke, in der Gegend der Försterei Klusweide 
vou Unterem, Mittlerem und Oberoin Muschelkalke, von der Klus- 
weide bis zum Netheberge nordwestlich Neuenheerse von Oberem 
Welleukalke, vom Netheberge an bis Aber Willebadessen hinaus 
von Keuper, und zwar im Allgemeinen von Mittlerem Keuper, 
nur in der Gegend des grossen Neuenheerser Bahneinschnittes 
auch von Rhätkeuper. Auf den südlich an das diesjährige 
Aufnahmegebiet anschliessenden Blättern Peckelsheim und Klei- 
nenberg liegt der Neocomsandstein bis in Höhe der Teutonia- 
Hütte bei Borlinghausen auf Gypskeuper, von hier bis etwa 
zur Chaussee Kleinenberg - Scherfedo (Blatt Kleinenberg) auf 
Wellenkalk, südlich Kleinen berg auf Roth und weiter west- 
lich auf Mittlerem Buntsandstein (siehe unten folgendes Profil 
vou Marschallshngcn). Im engsten Zusammenhange mit dem 
Wechsel im Liegenden des Neocoms stehen die orographischen 
Verhältnisse am O.-Abfall des Eggezuges: hohe, steil abfallende 
Hänge dort, wo mächtige^ inürbe Schichten des Keupers oder 
Lias den Sandstein unterlagern — so nördlich Altenbeken, ferner 
zwischen Neuenheerse und Teutonia-Hulte, am Benten-Berge süd- 
lich Kleinenberg — ; dagegen nur verhiiltnissmässig schwache 
Entwickelung des Hanges unter dem Neocomsandstein, wo die 
festeren Schichten des Muschelkalkes ihn unterlagern — so im 
sudlichen Theilc des Blattes Altenbeken, bei Borlinghausen u.s.w. — . 
Der Gaultsand stein hat am N.-Rande von Blatt Alten- 
l»eken nur geringe Mächtigkeit; wenig weiter nördlich, im süd- 
lichsten Theile des Blattes Sandebeck-Horn, keilt er sich ganz 
aus; dagegen schwillt er nach S. mächtig an und besitzt im 
Altenbekener Tunnel z. B. schon eine Mächtigkeit von 40 Metern. 
Am westlichen Abfalle der Egge tritt er bei flachem Einfallen im 
Allgemeinen sehr breit zu Tage. Etwa von Schwauey an nach 



xLvm 

S. werden Fossilien in ihm häufiger, namentlich Inoceramen und 
Pecten- Arien ^ dann auch Hoplites auritua Sow., mehrere Pelecy- 
poden der Gattungen Gryphaea^ Pinna^ AvünUay Modiola^ femer 
Seeigel, Spongien u. s. w. 

Der Flammen mergelnder am ganzen nördlichen Teutoburger 
Walde und auch am Eggegebirge bis südlich Altenbeken vertreten 
ist, fehlt südlich Schwaney vollständig, ist also auf Blatt Lichtenau 
überhaupt nicht mehr vorhanden, im Zusammenhange mit der über- 
greifenden Lagerung des Cenomans, das von Altenbeken an 
nach S. immer ältere Horizonte überlagert: von Altenbeken bis nörd- 
lich Büke die obere, glaukonitische Stufe des Flammenmergels, von 
Büke bis Schwaney die normalen, gclblich-weisseu Vertreter der 
Flammenmergelzone, von Schwaney durch das ganze Blatt Lich- 
tenau hindurch bis iu den nördlichen Theil des Blattes Kleinen- 
berg den Gaultsandstein, und noch weiter südwestlich, so bei 

N. — S. Profil zwischen Glashütte Marschallshagen und Holtheim 

(Blatt Kleinenberg) 1 : 5000. 




CmI „„,„,^, 

"" """^ [[llillilLM^llJl^lll^^iuyw - £"3 •'''' 



__ j^ 



Marschallshagen, den Neocomsandsteiu. Der Bergrücken zwischen 
Glashütte Marschallshagen und Holtheim zeigt in Folge der über 
greifenden Lagerung des Neocoms und des unteren Cenomans 
folgendes Profil: 

Cenomanpläner (COl,^) 

Cenomanmergel COl«)? trausgredirend über 
Neocomsandstoin (CUl), trausgredirend über 
Mittlerem Buntsaudstein (sm). 

Der Hauptzug des Eggegebirges besteht also, abgesehen vom 
Jura und der Trias an seinem O.-Abfall, aus den sandigen 
Schichten des Neocom und Gault; seine ost-westlichc Breite 
schwankt mit dem Einfallswinkel der Kreideschichten. 

Westlich von ihm schliesst sich das weite Plänergebiet der 



XLIX 

westphälischen Kreidemiilde an. Das Ceuomau beginnt mit grauen 
Mergeln in 40 — 50 Meter Mächtigkeit; diese werden überlagert 
von rund 80 Metern fester, cenomaner Planer, auf die nach einer 
Zwischen läge rung von 3 Metern Rothpläner der zweite Mergel- 
horizout mit Lioceramus mytüoides Mant. in etwa 25 Meter Mäch- 
tigkeit folgt; hierfiber liegen wieder festere Pläner mit Inoceramus 
Brogniard Mant. In Folge der Mergelzwischenlagerungen ist das 
«•iu den Hauptzug der Egge zunächst anschliessende Plänergebiet, 
bei ungestörten Lagerungs Verhältnissen, in zwei Etagen aufgebaut, 
deren gewöhnlich steiler östlicher Abfall von den Mergeln einge- 
nommen ist, während ihr langsam nach W. abfallender Rucken 
vom Plänerkalke gebildet wird. 

Im aufgenommenen Gebiete weit verbreitet ist der sogenannte 
»Hotten stein«, ein graues oder gelbliches, specifisch sehr leichtes, 
tlioniges Gestein, das durch Auslaugung des Kalkgehaltes aus dem 
Pläner hervorgeht. Die Structurverhältnisse des Pläners bleiben 
dabei im Allgemeinen gewahrt; die Versteinerungen sind in ihm 
als Steinkerne oder Abdrücke gewöhnlich in scharfen Umrissen 
enthalten. Gerade die festesten unteren cenomanen Pläner werden 
am weitgehendsten, in manchen Bezirken sogar ausschliesslich, 
von der Entkalkung ergriffen. Daneben scheint auch, wenn auch 
in geringerem Maassc, die Hottensteinbildung von Verwerfungen 
u- 8. w. abhängig zu sein. 



Die Kreideschichten im aufgenommenen Gebiete streichen 
"^örd-sudlich, ganz local etwas mehr nordnordwestlich, und treten 
^'6 einzelnen Horizonte bei der geringen Neigung, mit der sie 
nach W. einfallen, durchweg in ziemlicher Breite zu Tage. 

N. — S.- Brüche finden sich auf Blatt Lichtenau, nament- 
l'^'h im südlichen Theile. Am O.-Hange der Egge liegen hier 
"ord- südlich streichende Einbrüche von Unterem Lias im 
^ypskeuper. Oestlich des Hauptkammes verlauft am W.- Abfall 
der Egge eine streichende Verwerfung, die etwa bei Gut 
^chönthal beginnt und von hier an nach N. bis in Höhe 
^on Asseln eine Wiederholung von Neocomsandstein, stellen- 

Jakitaeli 1900. d 



weise auch von (jypskeuper, hervorruft. Auf diese Weise bildet 
sich hier ein zweiter Neocomsandsteinkamm heraus, der westlich 
der »Paderborner Berge« den eigentlichen Eggekanini sogar etwas 
an Höhe ttbertriflFt. In südlicher Verlängerung dieses Bruches 
liegt in der Unteren Kreide der breite Kleinenberger Cenoman- 
leinbruch. — Weiter westlich zwischen der Egge und Lichten«iu 
finden sich noch eine Reihe von N.— S.-Brftchen, welche die 
Grenze zwischen Conomanmergel und Cenomanpläner oft erheblich 
verschieben und dadurch im Terrain sehr deutlich hervortreten. 
Westlich eines dieser Brüche kommt unter dem Cenoinanmergel 
der Gaultsandstoin wieder hervor und legt sich als nord-südlich ver- 
laufende Barre quer durch das Odenheimer Thal und die Niede- 
rung nördlich der Sauer westlich Bühlheim. Südwestlich Hakon- 
berg ist an N. — S. -Brüchen eine schmale Parthie unterer Turon- 
schichten in die (unteren) Cenomanpläner eingesunken. Weiter 
nördlich liegen N. — S.-Brüche von geringer Sprunghöhe im Gebiete 
der Unteren Kreide. 

In der Kreide des Blattes Altenbeken finden sich N. — S.- 
Brüche in der Gaultsandstein - Flammenmergel - Partie nord- 
östlich Schwauey , in deren Verlängerung bei Büke eiu 
grabenartiger Einbruch von Ceiiomaumergeln den Flammen- 
mergelrückeri nord - südlich durchzieht. Was an Dislocationeu 
in der Kreide sonst noch auftritt, sind im Wesentlichen 
Querbrüche, die meist unbeträchtliche Verschiebungen der For- 
mationsgrenzen hervorrufen und besonders scharf dort hervor- 
treten, wo Terrainkanten über den cenomanen und turonen Mer- 
geln an ihnen absetzen. Durch Querbrttche geradezu aufgelöst in 
lauter einzelne, durch kleine Dellen getrennte Rücken, die in der 
Richtung des Scliichtenstreichens an einander gereiht sind, er- 
scheint der Zug der obersten cenomanen Pläner unterhalb der 
Mytiloides-Zone. Dasselbe hebt von Koenen^) für die (ironauer 
Kreidemulde hervor. 

Auf ost-westliche bis ostsüdost-westnordwestliche Querbrüche 



') V. Koenen: lieber die wissenschaftlichen Ergebnisse der geolojijischen 
Aufnahmen im Jahre ISüS. Dieses Jahrbach 181)8, S. LVI. 



LI 

ist auch wohl die erste Anlage der Qnerthäler zurückzuführen, 
die südlich Altenbeken in den WesUibfall des Eggegebirges ein- 
geschoittcu sind und diesen in lauter einzelne Kücken zerlegen, 
zwischen denen die Triasschichten des Vorlandes stellenweise 
weit nach W. vorrücken. 

Die Verhältnisse am Kreiderande werden namentlich dort 
recht complicirt, wo hier südost-nordwestliche Störungs- 
zonon an die Kreide herantreten und auch in sie hineiusetzen. 
So siud die Trias- und Liasschichten auf Blatt Lichtenau nördlich 
von Neuenheerse, auf Blatt Altenbeken in der Gegend der Försterei 
Klub weide und im ganzen nördlichen Thcile vom Dübelsnacken an 
vorwiftrend in der SO. — NW.-RicIitung gefaltet und verschoben. 

Berlin, den 13. Januar 1901. 

0. TiETZE: Bericht über die Aufnahme der Blätter 
Lebiis, Seelow, Küstrin und Sonnenburg. 

Der grössere Theil der Blätter Lebus, Seelow und Küstrin 
wird von den Bildungen des Oderstromes ausgefüllt; diese greifen 
auch noch von Blatt Küstrin, von dem ich jedoch nur die beiden 
westjiclien Achtel aufnahm, auf Blatt Sonnenburg über, wo sie sich 
niit den AUuvionen der Warthe vereinigen. 

Die betreffenden Bildungen bestehen meist aus Oderschlick, 
der bisweilen von grösseren oder kleineren Sandinseln und Sand- 
'^ü^en unterbrochen wird. Diese für den Landvvirth äusserst un- 
iingeaehmeu Sandvorkommnisse (im Volksmund »Schrinde« ge- 
uunat) sind theils durch Ueberschwenimungen der Oder ent- 
Jitanden, theils stellen sie vielleicht ;ilte Betten von Oderarmen 
dar. Ich habe hier besonders die auf Blatt Seelow (vergl. die 
beigeftigte Karte) ^) die Ebene von O. nach W. durchziehenden 
Saudrücken im Auge, von denen der südliche sich durch Sachsen- 
dorf zieht^ der nördliche die Chaussee Küstrin -Seelow zu beiden 
Seiten begleitet. Vielleicht stellen die im NO. des Blattes Lebus 

') Ich habe die von mir nicht aufgenommenen Tlieilo von Blatt Küstrin er- 
gänzt nach den Feldbl&ttern der Herren v. Lin^tow und Wülfek, die sich in 
die Aufnahme des übrigen Theiies des bei reffenden Blattes theilteD. 

d* 



iim das Vorwerk Werder auftretenden SandioselD die Erste eines 
dritten sitdlichsten Bettes eines Oderanncs dar. Auf Blatt Seelow 
biegen diese SaudzQge, ehe sie den westlicheD Tlialrand erreichen, 
nacli NW, um und endigen, der efldliclie in Sandstreifen, die dem 
W.-Ufer parallel uacli NW. laufen, der nördliche in ein sich nach 




N. verflachendps Thälclien, das jetzt noch mit Torf gefrdit ist. 
Nördliili des Dammes der Osthaliii frift't man mir mehr selten 
Sand in kleinen Inselclieu an, meist erreitlit sogar die Suhlickdecke 
eine Mächtigkeit von 2 Metern 

Der Schlick zeigt im Allgenieini'n flborall die gleiche Bcschaffrn- 
heit. Seine Mächtigkeit schwankt von wenigen Decimetern l)is /,u 
2 Metern und mehr. Au vielen Pnukten, wo er nach seiner 
Ahlagernng von Saud fiberdeckt worden war, ist er durch Uigolon 



LHI 

wieder an die Oberfläche gebracht worden. Er ist kalkfrei, mit 
Ausnahme einiger Gebiete, die sich iiin die Zuckerfabriken aus- 
dehnen, und eines bis zu 2 Kilometer breiten Streifens, der die 
vom Reitweiner Sporn gebildete Bucht innen umsäumt. Während 
in jenem Fall der Kalkgehalt künstlich durch den zur DOngung 
verwandten Scheideschlamm von der Rübenzuckerfabrikation in 
den Tbon gelangt, ist er hier durch einen natürlichen Process er- 
zeugt: der Kalk wird durch die Niederschlags- und Schmelzwässer 
aus dem die Bucht bildenden Geschiebemergelplateau herausgelöst, 
in die Ebene hinabgeführt und scheidet sich dort beim Verdunsten 
des Wassers wieder aus. Deshalb findet sich auf jenen künstlich 
gekalkten Feldern der Kalkgehalt selten bis zu 1 Meter Tiefe, wäh- 
rend er iu dieser Kalkzone, die auf Blatt Lebus beginnt, über 
Blatt Libbenicheu, welches aber noch nicht aufgenommen wurde, 
sich voraussichtlich fortsetzt und auf Blatt Seelow den Thalrand 
noch bis zum Seelower Bahnhof begleitet, sich noch in 2 Meter 
Tiefe leicht nachweisen lässt. Dieser kalkige Schlick verräth durch 
seine tiefschwarze Farbe zugleich einen etwas höheren Humus- 
gehalt. Solch schwarzer Schlick — die Färbung ist gewöhnlich 
auf die obersten Decimeter beschränkt — findet sich überhaupt 
meist dort, wo in Folge der tieferen Lage der Grundwasserstand 
ein sehr flacher und deshalb die Vegetation eine üppigere ist. 
An besonders tief gelegenen Punkten mögen sich wohl Sümpfe 
das ganze Jahr hindurch gehalten haben, so dass sich in ihnen 
eine vollkommene Sumpffauna entwickeln konnte. Ich fand 
wenigstens südlich der Chaussee Küstrin - Seelow, 4 Kilometer 
von Seelow (der Punkt ist auf der Karte durch ein Kreuz be- 
zeichnet), Aecker mit Diatomeeuerde^) bestreut, die der Bauer 
beim Auswerfen eines Grabens in nicht 1 Meter Tiefe gefunden 
hatte. Die Mächtigkeit der Schicht beträgt ungeföhr 1 Decimeter. 
Nächst dem Schlick spielt der Torf eine wichtige Rolle auf 
Blatt Lebus, wo er vom Blatt Frankfurt a. O. kommend sich auf 
der östlichen Seite der Thalniederung hinzieht und südlich Oetscher 

•) Es gelang Herrn Dr. Kört, der die Freundlichkeit hatte, die mitgebrachte 
Probe zn untersuchen, in derselben EpWiemia, Melosira, Navicvin, Fragilaria^ 
Sgnedra und andere Formen festzustellen. 



LIV 

ondigt. Er stellt mit den ihn l)cgleitenden Sandbänken wohl einen 
der letzten Hauptanne der Oder dar, der sieh mit dem jetzigen 
Oderlauf nördlicii Octscher wieder vereinigte. 

Der grössere Theil dos Blattes Sonnenburg wird von Torf- 
ablagernngen eingenommen. Sie reichen im S. bis an den 
Thalsnnd der jüngsten Stufe heran und füllen die Buchten zwischen 
den bei Tschernow gelegenen Thalsandrücken aus. Diese Rücken 
verlaufen in ost - westlicher Richtung und tragen fast särauitlich 
an ihrem nördlichen Saume Dünen, die auf einer Wanderung nach 
N. begriffen sind; denn am Nordrande der Sandstreifen wurde Torf 
unter dem Sande erbohrt. Der nördlichste dieser Sandzüjxe trägt 
einen Theil der Chaussee Küstrin-Sonnenburg, deren Damm zugleich 
die Ueberschwemmungsgebiete der Oder und Warthe trennt. Der 
Torf zwischen und nördlich dieser Sandzüge ist zum Theil so 
kalkreich, dass sich kleine Wiesenkalklager gebildet haben. 

Im SW. des Blattes geht der Torf in Schlick über, der durch 
die Hochwasser der Oder dort abgesetzt wurde. 

Die Grenze zwischen beiden Bildungen ist natürlich eine sehr 
unregelmässige; Verschlungene Sandzüge sind dem Schlick zum 
Theil aufgelagert, theils ragen sie als Rücken aus ihm hervor und 
^eheu dann in das Gebiet der Torfablaijerungen über, bis zur 
Küstriner Chaussee hin, woselbst der Torf eine Mächtigkeit bic 
zu 6 Metern besitzen soll. Dort ist denn auch der Damm bei 
Ueberschwemmungen am meisten gefährdet und des Oeftern aucli 
unterspült und durchbrochen worden, wie die zu seinen beiden 
Seiton gelegenen Kolke, tiefe in den Torf eingerissene, jetzt mit 
Wasser gefüllte Löcher beweisen. Die nördlich der Chaussee 
gelegenen Kolke sind vom Oderhochwasser, die südhch liegenden 
vom Warthehochwasscr aus<xehöhlt worden. 

Nach der Warthe hin nimmt die Zahl der Sandinseln wieder 
zu, bis sie schliesslich zu einem voUständiojen Bande länjrs dos 
Wartheufers worden. Auch das nördliche Ufer wird von einem 
ähnlichen Sandstreifon gchildet. Betrachtet man den Uferabfall 
nach dorn Flusse zu, so sieht man, dass er sich aus lauter horizon- 
talen Händern von weisser und schwarzer Farbe zusammensetzt 
erstere aus Sand, den die Warthe bei Ueberschwemmungen übei 



LV 

den Flussrand gespült, letztere aus humosem Sand bestehend, der 
die Vegetationsrinde darstellt, die sich jedesmal zwischen zwei 
aufeinander folgenden Ucberschwemmungen bildete. 

Id liuiger Entfernung endlich vom südlichen Wartheufer wurde 
an verschiedenen Stellen Schlick unter dem Torfe erbohrt. Auch 
sind bisweilen die obersten Decimeter Torf von so thoniger Natur, 
dass der Boden, namentlich wenn er etwas ausgetrocknet ist, eine 
bläuliche Farbe bekommt. Immerhin ist aber der Schlickgehalt 
noch nicht so gross, dass man von einer Schlickdecke sprechen 
könnte. 

W. Weissermel: Bericht über Aufnahmen auf den 
Blättern Grabow, Rambow und Karstadt (Westpriegnitz). 

Die diesjährigen Aufnahmen bewegten sich, von dem im 
Vorjahre bearbeiteten Blatt Rambow ausgehend, durch die preussi- 
schen Ant heile der Blätter Grabow und Balow der mecklen- 
burgischen Grenze folgend nach O. und dann auf Blatt Kar- 
stadt nach S. — Das Aufnahmegebiet wird durch das breite 
Löcknitzthal in zwei Theile getheilt, die, genetisch von einander 
abweicheud, gesondert behandelt werden müssen. 

Das Löcknitzthal entsteht auf Blatt Balow aus dem von der 
grossen mecklenburgischen Endmoräne der Ruhner Berge her- 
kommenden Thale der eigentlichen Löcknitz und den die preussisch- 
inecklenburgische Grenze bildenden Thälern der Taruitz und 
Karwe. Es durchzieht, etwa 2V2 Kilometer breit, das Blatt 
Karstfidt bis zu seiner südwestlichen P^cke. 

Das Gebiet westlich der Löcknitz umfasst winklich den N. 
"öd 0. des Blattes Rambow; seine Aufnahme brachte eine 
wesentliche Erweiterung der auf diesem gewonnenen Resultate. 

Bei der Aufnahme von Blatt Rambow im Vorjahre wurde 
^•"kannt, dass eine dasselbe in der Diagonale von SW. nach NO. 
""rchziehende Zone von Durchragungen, eine Scheide zwischen 
ebener Grundmoränenlandschaft und Saudr bildend, Vertreter 
^^^^r Endmoräne ist. In dem in diesem Jahre aufgenommeneu 
^achbargebiet schliessen sich die, schon im NO. von Blatt Ram- 
bow scharf aus der Umgebung heraustretenden Durchraguugszüge, 



LVI 

theilweise wohl durch Aufschüttung noch beträchtlich erhöht, zu 
laugen, theilwi Ise dammartig scharfen Zügen zusammen und 
nehmen stellen wim'so den Charakter einer echten Endmoräne an. 
Besonders der Sehncckonberg bei Garlin, der sich als lauger 
dammartiger Rücken bis zur Seehöhe von 66 Metern, 2G Meter 
über der Umgebung erhebt, bietet mit den aufgesetzten Grand- 
und Steinkuppen, die an einer Stelle den Charakter einer Block- 
packung annehmen, das Bild einer echten Endmoräne dar. — 
Während die Endmoräne im südwestlichen und mittleren Theile 
von Blatt Rambow durch einen Zug grosser, flacher Durch- 
ratjunijen vortreten wird, theilt sie sich schon im nord-öst- 
liehen Theile dieses Blattes, viel deutlicher aber im diesjährigen 
Gebiete, in mehrere (3 bis 4) hinter einander liegende Züge : 
Während der Eisrand im ersteren Gebiet längere Zeit still lag 
(unterdessen wurden die grossen Saudrflächen der Dammrower 
Forsten und des Staveuow-Dargardter Waldes gebildet und entstand 
die grosse Ausstrudelung des Rambower Sees), zog er sich in 
seinem weiter nordöstlichen Verlaufe ruckweise in kurzen Etappen 
ein Stück weit zurück, jedesmal eine mehr oder weniger wall- 
artige Aufpressung (theils auch Aufschüttung) und ein dieser 
entsprechendes System von Schmelzwasserrinnen hinterlassend. 
Die Hauptsammeirinne bildete dabei stets das kurz vor der 
äussersteu Etappc verlaufende Löcknitzthal. 

An dem die mecklenburgische Grenze bildenden Thal bricht 
die Endmoräne kurz und unvermittelt ab und findet in den flachen 
Landschaftsformeu jenseits derselben keine deutliche Fortsetzung. 
Ihre Verlängerung würde fast rechtwinklich auf die grosse 
mecklenburj^ische Endmoräne der Ruhner Berge stossen. Unsere 
Endmoräne scheint also einen vorgeschobenen Bogen zu diesem 
grossen Endmoränenzuge zu bilden. An Grossartigkeit sind diese 
verhältnissmässig niedrigen Höhenzüge allerdings nicht mit den 
zwei- bis dreimal höheren Rnhner Bergen vergleichbar. 

Der vorderste Zug unserer Endmoräne besteht aus ziemlich 
l)reiten Durchragungsbergeii, der »Markscheide« südlich Streesow, 
der Höhe 56 bei Bootz, dem »Bootzer Berge«. Die weniger 
deutliche Fortsetzung dieses Zuges dürfte der Höhenrücken des 



LVII 

Dorfes Dargardt und die Höhe 47 westlich derselben bilden, 
während einige kleinere Höhen im nördlichen Theile des Dar- 
gardter Waldes und die Diirchragungshöhe 53 südlich Seetz ant 
Blatt Rambow den Anscbluss an die grosse Durchragungsfläche 
bei Boberow und Meilen bilden dürfte, in der sich die ver- 
schiedenen von NW. kommenden Einzelzüjjc sammeln. 

Die zweite, zunächst zurückliegende Etappe, in der der End- 
nioränenchanikter am besten hervortritt, wird gebildet von dem 
über 3 Kilometer langen, schmalen Höhenzuge, der sich von 
GarlJD bis fast nach Reckenzien hinzieht, und dem schmalen Berg- 
Züge, der, zunächst grossentheils von Gescliiebemergel Oborkleidet, 
zuerst von Sargleben nach Garlin in west-östlicher Richtung ver- 
läuft, dann scharf nach N. umbiegt und als Schneckenberg einen 
echten sandigen Endmoränen wall mit aufgesetzton Grandkuppen 
und vielfach gegcngelagerten Lehmpartiron dnrstellt. Die Ver- 
Diittelung dieses Zuges zu der grossen Boborow-Mellener »Sammel- 
durchragung« könnte die runde Durchragungskuppe beim Dorfe 
Seetz bilden. 

Während der ersten Phase eilten die Schmolzwässer in 
uichreren kurzen, jetzt meist von Äbschlämmmassen erfüllten 
Schluchten dem nahen Löcknitzthale zu, den kurzen Hang bis zu 
demselben mit Sand überschüttend. Während der zweiten Etappe 
benutzten die Schmelzwässer theils noch einige dieser schlucht- 
artigen Rinnen, theils suchten sie sich in zwei Thälern hinter 
den Höhen der ersten Etappe, einerseits nach N. (bei 
Reckenzien), andererseits nach S. (bei Garlin) den Weg zum 
Löcknitzthale. — Hervorgehoben sei hier gleich, dass die Thäler 
zwischen den Endmoränen - Durchragungen nicht etwa junge 
Erosionsgebilde, sondern älter als das Obere Diluvium sind, wie 
später ausführlicher dargelegt werden soll. 

Der letzten und hauptsächlichsten Stillstandsphaso des Eis- 
randos entspricht eine ausgedehnte, aus zahlreichen Rücken und 
Kuppen gebildete Fläche Unteren Sandes, der am Pröttliner 
Walde aus dem Geschiebemergel hervortretend, in schmalem, 
orographisch nicht hervortretendem Zuge auf Blatt Grabow über- 
gebt und sich hier schnell zu einem breiten, ziemlich coupirten 



LVIII 

Gebiet ausdehnt, um bei Gut und Bahuhof Wendisch- Warnow 
wieder unter den Gesehiebemergel unterzutaucheu. Ein vor- 
geschobener Sporn dieser grossen Durchragung, vielleicht einer 
kurzen Zwischenphase entsprechend, ist der zunächst breite, dann 
sich verschniälernde Bergzug des »Koggerberges«. 

Den Anschluss dieser Phase an den Durchragungsknoten bei 
Meilen dürfte der Höhenrücken bei Düdow bilden. 

Die Abflussrinnen dieser letzten Stillstandslage sind : zunächst 
im SW. die Verlängerung der Rinne, die, im weiteren Verlaufe 
subglacial, vom Pröttliner Walde bei Düdow aus die Geschiebe- 
mergellandschaft von Blatt Rambow zum Eldethal hin durch- 
zieht (cf. Bericht zu diesem Blatt), ferner die Thäler, die zu 
beiden Seiten des Koggerberges nach Reckeuzien zu verlaufen, 
sowie die von Colonie Wendisch- Waruow gleichfalls nach N. zum 
Tamitzthal führende breite Senke, und endlich das grosse Sammel- 
becken zwischen Sargleben und dem Schneckenberge, aus dem 
sich die hier zunächst aufgestauten Schmelzwässer einen Ausweg 
beim Dorf Sargleben in einem schmalen Thale suchten, das beim 
Dorf Garlin mit einem ältorou zusammentraf. 

Was den petrographischen Charakter der Endmoräne betriflY, 
so wird dieselbe ganz vorwiegend aus Sand gebildet, und zwar 
grösstentheils aus durchrageutlem unteren Sand. Bei Bildung 
der lan«Ten Wälle des Sclmeckenberjres und des östlich benach- 
harten namenlosen Berffzuges und des Roire:erl)er<res dürfte aller- 
dings auch aufgeschüttetes Oberes Diluvium eine Rolle spielen. 
Doch ist es bei dem Fehlen guter Aufschlüsse in diesen Bergen 
nicht möglich, mit dem Bohrer zu entscheiden, was Aufpressung, 
was Aufschüttung, oder was Oberes, was Unteres Diluvium ist. 
Grandkuppen und -Lager nehmen in der Regel die höchsten 
Punkte ein. Der Obere Geschiebemergel findet sich in den 
Thälern nud an den Hängen der Berire gegrenffelafjert. Wenn er 
ausnahmsweise einmal auf die Höhen hinaufgebt, so bildet er fast 
stets nur eine dünne Decke. In den Thälern dagegen erreicht 
er seine bedeutendste Mächtigkeit. In der Grube der zu Streesow 
gehörigen Ziegelei am Wege (jarlin-Reckenzien soll er nach An- 
gal)e des Zieglers bei 56 Fuss (augeblich kalkfrei [?]) nicht 



LIX 

"'^rchsunken sein, und bei Dargardt soll eine Bohrung von 
^ö Fuss im Mergel geblieben sein. Bei dem tiefgelegenen Dorf 
^aJJmin soll ein Brunnen erst bei 20 Meter den Mergel durch- 
^^tiken haben. Es ergiebt sich daraus, dass die vorhandenen 
öerge und Thäler älter sind als das Obere Diluvium, und diese 
Auffassung findet eine weitere Stütze in dem Auftreten von 
Tertiär an zwei Stellen im Kern der Durch raguugsberge. Bei 
Wendisch- Warnow, wo in den 60er Jahren Braunkohlenbergbau 
betrieben wurde, liegt es, als Sand mit Braunkohlenflötzen ent- 
wickelt, unter wenigen Metern Unteren Sandes, auf dem der 
Obere Geschiebemergel auskeilt, so dass an einer Stelle der 
2- Meter- Bohrer Braunkohlen fasste. Ferner ist Tertiär erschlossen 
durch einen tiefen Bahneinschnitt am Streesower Walde, und zwar 
als Wechsel von schwarzen, theilweise kalkhaltigen Letten mit 
Sanden und Kohlenschmitzchen. Ueberlngort wird es hier von 
Unterem Geschiebemergel und Unterem Sand, auf dem dicht da- 
bei der Obere Mergel auskeilt. Wir sehen hier das ganze Dilu- 
vium auf eine Mächtigkeit von wenigen Metern zusammengedrängt, 
während bei Wendisch- Warnow beide Geschiebemergel ftber dem 
Tertiär fehlen. Es zeigt dies, im Vergleich mit der bedeutenden 
Mächtigkeit des Gescliiebemergels in den Thälern, dass die erste 
Anlage der jetzt von Endmoränen- Durchragungen gebildeten Höhen 
eine sehr alte ist, und dasselbe gilt für die Thäler, unter denen 
in unserem Gebiete ausnahmslos der Obere Mer-^el durchzieht. 
Krosionsprofile giebt es in unserem Gebiete nicht, sondern das 
Untere Diluvium tritt nur in Durchraorungen zu Ta^e. Auch 
imter den Thalsand des Löcknitzthalos taucht der Geschiebe- 
mergel von beiden Seiten aus unter. Während er auf dem 
Schnecken- und Koggerberg, wenn auch nur in seinen Ausläufern, 
bis zu 60 Meter Höhe hinaufsteigt, ist er im Löcknitzthale unter 
Thalsand noch in 28 Meter Seehöhe nachgewiesen. 

Das Hinterland der letzten Durchragungszone wird, ebenso 
wie es auf Blatt Rambow die Kegel ist, von Geschiebemergel 
eingenommen, der langsam zur Durchraguugshöhe des Hilgen- 
berges aufsteigt und hier auf den Sand hin auskeilt, um um 
jenseitigen Hange dieses Berges, sowie stellenweise in den Senken 



LX 

und an den ILängen des weiteren kuppigen Sandgebietes in ein- 
zelnen Partieen auf dem Sande wieder aufzutreten. Besonders 
schön ist die Auflagerung des Geschiebe mergeis auf den theil- 
weise stark zusammengeschobenen und aufgerichteten Unteren 
Sand in den Gruben bei Pinnow und Warnow zu beobachten. 

Zur Bildung einer grösseren Sandrfläche, wie auf Blatt 
Rambow, konnte es im diesjährigen Gebiet natürlich nicht kommen, 
da unmittelbar vor der äussersten Etappe der Endmoräne das 
Löcknitzthal verläuft, das Schmelzwässer und Sand dem Elb-Ur- 
strom zuführte. Der Zwischenraum zwischen den einzelnen Berjr- 
Zügen wird von Sand eingenommen, aus dem der Oliere Geschiebe - 
mergel nur in einzelnen Kuppen herausragt. 

Der Untere Geschiebemergel tritt, ebenso wie auf Blatt 
Rambow in sehr thoniger Entwickelung, ausser in dem geschil- 
derten Eisenbahneinschnitt bei Streesow, an einigen Stellen auf 
der vom Eisrande abgelegenen Seite der Durchragungen hervor 
(bei Neu-Pinnow und am O.-Hange des Schneckenberges, sowie 
am Bootzer Berg). Er tritt steil aufragend, kuppenförmig im 
Unteren Sande auf, wahrscheinlich unter dem Druck des auf der 
anderen Seite der Durchragung liegenden Eises emporgequollen. 




Ausserdem dürfte er noch einen gewissen Antheil an dem Aufbau 
des Endmoräuenzuges westlich Garlin, am Dorfe selbst und an 
der Höhe 49 nehmen, ohne dass er sich bei dem Fehlen von 
guten Aufschlüssen in diesem wahrscheinlich sehr complicirt ge- 
bauten Höhenzuore auf der Karte ausscheiden Hesse. — Er ist ein 
sehr gesuchtes Material, als Ziegelthon wenn entkalkt, andernfalls 
als Meliorationsmaterial. 

Das vom Tarnitzthal auf Blatt Balow durch Blatt Grabow 
und Rambow die inocklenburgische Grenze bildende Thal des 
Meyngrabcns bietet ein Beispiel einer Bifurcation, was bei der 
relativen Seltenheit dieser Erscheinung wohl Erwähnung verdient. 



LXXI 

SO liegt es uahe, in unseren Plateaugebieten den glacialen Unteren 

SsLni als Sediment dieser letzteren anzusprechen, und auch darauf 

deutet die sehr gewöhnliche Erscheinung, dass er gerade in den 

tieferen Niveaux der die Plateaux durchziehenden »subglacialen 

^I5limelzwas8er«-Rinnen zu Tage zu treten pflegt. 

In den stark coupirten Endmoränengebieten aber, wozu die 
I^I Otter Prangenau und Gr. Paglau zu rechnen sind, besteht das 
Obere Diluvium an manchen Stellen aus mehreren durch Sande 
getrennten Geschiebemergeln. Nach dem Vorhergehenden müsste 
DTiaD sich diese Thatsache durch die Annahme erklären, dass in 
I^olge des Eisstillstandes die subglaciale Entwässerung schwieriger 
Änd oft unterbrochen gewesen sei, und dass bei stockender Ent- 
^^Ässoning auch unter dem Eise Geschieberaergel abgelagert sei. 
t>ie gegenwärtig gangbarste Erklärung führt indess die Wechsel- 
lagerung von Sand-, Grand- und Geschiebemergelbänken lediglich 
a-uf Oscillationen des Eisrandes zurück. Ich möchte dem gegen- 
über hervorheben, dass für grössere Gebiete mindestens eine 
Combination beider Erklärungen nothwendig ist, da die Verbin- 
dung kleiner und kleinster Lehm- , und Sandbänke meist eine viel 
XU innige und ungestörte ist, um die Annahme von Oscillationen 
gerechtfertigt erscheinen zu lassen. 

Paul Gustaf Krause: Bericht über die Ergebnisse der 
Aufnahme auf Blatt Kutten (Ostpreusseu) im eTahre 1900. 

Das topographisch wie geologisch ausserordentlich vielgestal- 
tige Bild des im Angerburger Kreise, auf der Höhe der Masurischen 
^enplatte gelegenen Blattes Kutten ist durch verschiedene End- 
^oränenbogen, die es am S.-, O.- und N.- Rande umrahmen, be- 
^^Dgt. Der älteste dieser Züge bildet am S.-Rande des Blattes west- 
nchvom Goldapgar See die Fortsetzung der von Herrn C. Gagel ^) 
'^feits geschilderten Kruglanker Endmoräne. Sie zieht in ihrem 
heiteren Verlaufe nach Pieczarken zu als Sandmoräne mit den be- 
zeichnenden Wall- und Hügelformen nebst abflusslosen Kesseln 
^^« Senken in ansehnlicher Breite, aber auffalliger Steinarmuth 

') Bericht über die Aufnahmearbeiten auf den BUttorn Lötzen, Steinort 
^^ Kruglanken. Dieses Jahrbuch f. 1898, S. CCLXVI f. 



LXit 

kieiues Thal, iu dem das Vorwerk Tiefcuthal Hegt, führte die 
Schmelzwässer während derselben dem Löcknitzthale zu. 

Eine zweite kleinere Aufpressiing ist der üerstenberg nördlich 
Dallinin. Man würde in dem unbedeutenden runden Hügel nicht 
den complicirten Bau vermuthen, wie ihn der glücklicherweise 
sehr günstige üruhenaufschluss zeigt. Ueber stark gestörten, 
theilweise senkrecht stehenden Schichten Unteren Sandes liegt 
ein wildes Gemenge von Sand, Grand und Mergel, und auf der 
S.-Seite der Grube, also der Stossrichtung des Eises abgekehrt, 
ist eine losgerissene Scholle sehr thonigen Unteren Mergels im 
Sande eingerollt. Der einrenthümliche Hügel dürfte zunächst in 

DO O 

einer Höhlung unter dem Eise durch Aufpressung entstanden, 
und der complicirte Bau durch Fortschiebung der aufgequollenen 
Kuppe mit dem Eise erzeugt sein. 

So einheitlich das Gebiet östlich der Löcknitz in geologischer 
Beziehung ist, so wechselnd ist seine petrographische Beschaffen- 
heit. Die Grundmoräne besteht aus einem ziemlich regellosen 
Wechsel von Lehm, bezw. Mergel, der bald mehr sandig, bald 
als schwerer Lehm entwickelt ibt, und Sand. Beide Facies 
sind vollkommen stellvertretend; nur selten legt sich der Sand 
in normaler Weise an den Uändern auf den Lehm auf, meist 
gehen beide Bildungen durch plötzliches Zu- respective Abnehmen 
der thonigen Theilc in einander über, oder sie greifen wechsel- 
lagernd in einander ein. Auch enthält der Lehm vielfach Nester 
und Einlagerungen von Sand. Da ausserdem der Sand vielfach 
oberflächlich, oft bis zu 1 Meter Tiefe, lehmig ist, ist die Ab- 
grenzung beider Bildungen ziemlich mühsam, stellenweise will- 
kürlich. Es muss hier eine starke Wassercirculation unter dem 
Eise stattgefunden haben, die die Grundmoräne vielfach zu Sand 
auswusch; es spricht dafüv eine iu Aufschlüssen vielfach zu beob- 
achtende Schichtung des Sandes und der Umstand, dass der 
Sand besonders in den Senken vorkonunt, ohne jedoch an diese 
gebunden zu sein. Die Auswaschung kann eine sehr tiefgehende 
sein; so wurde in dem schmalen Saudstreifeu an der Postliner 
Windmühle in einer Grube unter 3,5 Meter Sand der Mergel er- 
bohrt; in einem Brunnen am Strehleaer Kirchhofe wurde nach 



LXIII 

Angabe des Herrn Brunneubauer ANDRES-Perleberg erst unter 
5 Metern Sandes Lehm gefunden, dem nach 3,3 Meter wieder 
Sand (ob Unterer oder nur eine Einlagerung?) folgte. 

Erwähnt sei noch filr das ganze bearbeitete Gebiet, dass, 
ebenso wie es fflr Blatt Kambow dargethan wurde, die Entkalkung 
des Mergels im Allgemeinen sehr tief auf den Bergen, sehr gering 
ia den Thälern ist. In niedrig gelegenen Gebieten, so am Rande 
des Meynthales und im (lebiot dos Gutes Dallmin, erreicht fast 
jedes Bohrloch den Mergel, während in höheren Gebieten Ent- 
talkunffcn von einigen Metern die Regel sind. Eine Ausnahme 
«lacht nur ein Gebiet an der Grenze der Feldmarken Kribbe, 
öallmin und Karwe, wo auch auf der Höhe der Mergel häufiger 
^«"bolirt wird. In den Thälern scheint stellenweise direct eine 
^Anreicherung mit Kalk stattgefunden zu haben, da hier häufig 
direct unter dem Alluvium (Torf, Moorerde, Alluvialsand) Mergel 
folgt. 

WiLH. WoLFF: Aufnahmeergebnisse in der nordöst- 
lichen Kassubei (Blatt Prangenau und Gr. Paglau). 

Das kassubische Hochland westlich und südwestlich von 
r^anzig, welches grossentheils etwa 200 Meter fiber dem Meere 
'iegt und mit seinen tiefen Thalzfigen, Seen und Waldhöhen eine 
^ivr kraftigst modellirten Landschaften Norddcutschlands ist, er- 
hebt sich erst etwa zwei Meilen hinter dem Rande der Weichsel- 
Gliederung mit einer theil weise sehr scharf ausgeprägten Stufe. 
Zwischen dieser Stufe und dem Niederungsrande liegt im Gebiet 
^er unteren Radaune (Blatt Praust) ein flachwclliges Vorland, 
'Welches wenig mehr als 100 Meter Höhe erreicht und durch den 
Niaugel von Seen und ausgeprägten Thalrinueu charakterisirt 
^ird. Die Blätter Prangenau und Gr. Paglau, von denen das 
oi-stere nunmehr vollständig, das zweite zur Hälfte untersucht ist, 
Umfassen gerade den schärfst ausgeprägten Theil der inneren 
Stufe und das unmittelbar westlich und südwestlich davon se- 
legene Hochland. Die Gliederung dieses Gebietes beruht haupt- 
sächlich auf dem Einsetzen tiefer Thaiungen, welche auf Blatt 
Praogenau vorwiegend gegen SW., auf Blatt Gr. Paglau theils 



LXIV 

JD der gleichen Richtung, theils gegen SSO. verlaufen. In dieser 
letzteren Richtung streicht auch die Stufe, mit welcher sich das 
gesammte westliche Gelände von seinem Vorlande erhebt. Dieselbe 
beginnt in der Stangenwalder Forst, Jagen 44, begleitet anfangs 
unmittelbar, weiterhin in einiger Entfernung den Weg Czapielken- 
Ober-Buschkau und erreicht bald eine Höhe von uncrefahr 40 Meter. 
Von dort läuft sie weiter an Domachau, Saskoschin und Czerniau 
vorbei nach Lamenstein, wo sie, bereits völlig verwischt, das 
Gebiet des Blattes Gr. Paglau verlässt. Ihre gröbste Höhe er- 
reicht sie bei Saskoschin, wo dem bis zu 217 Meter aufragenden 
Waldgebiete des W. ein welliges Ackerland gegenüber liegt, 
welches nur ca. 135 Meter Höhe hat. In ihrer tranzen Er- 
Streckung wird die Stufe von einer Thaluug begleitet, welche im 
N. mit isolirten Depressionen beginnt und von Domachau an als 
geschlossene, durch wog vertorfte, schmale Wiesensenke fortzieht, 
in der ein Graben nach SSO. zum Rothfliess geht. 

Dass diese Stufe aber nicht bloss orographische, sondern eine 
hohe geologische Bedeutung hat, beweist die weitere Erscheinung, 
dass in geringer Entfernung westlich von ihr meist über die 
nächsten dominirenden Punkte ein auffälliger Geschiebestreifen 
läuft, der etwa 50—200 Meter breit ist und stellenweise eine 
mächtige Packung grosser Blöcke darstellt. Die Richtung dieses 
Streifens ist von Ober-Buschkau an zunächst nordsQdlich, geht 
aber nach Durchquerung des Kladau-Thales östlich von Meisters- 
walde in eine södsüdöstliche über. Den Saskoschiner und Czer- 
niauer Wald durchzieht er als fast lückenlose Kette von Block- 
bestreuungen und Packungen, selten, wie im Steinberg, selbst- 
ständig Hügel bildend, oft kleine Brücher umsäumend. Bei und 
in Grenzdorf ist er grössteutheils abgetragen, erst südöstlich da- 
von in Jagen 109 der Kgl. Forj>t setzt er wieder in unversehrter 
Frische ein, gekennzeichnet durch steile, blockbesäte Kuppen mit 
tiefen Kessellöchern. Au Breite etwas zunehmend, an Steiu- 
reichthum aber abnehmend, streicht er dann auf Kl. Mirau zu bis 
an die Forstgrenze, jenseits deren ich ihn noch nicht verfolgt 
habe. Aus dem von A. Jentzsch in seinem Aufsatz über das 
Profil der Eisenbahn Hohensteiu-Berent (dieses Jahrbuch 1885, 



LXV 

S. 413) mitgetheilten Material glaube ich aber schliessen zu 
dQrfeo, dass der Geschiebestreifen noch diese ßahuliuie bei 
Station 362,2 — 65,6 zwischen Golmkau und Schöneck in unver- 
ändertem Streichen kreuzt. Es ist für mich kein Zweifel, dass 
derselbe eine Röckzugsmoräue darstellt, die somit in einer 
Länge von 15 Kilometer festgelegt wäre und von Danzig aus die 
erste Etappe im SW. ist. Es sei beiläufig bemerkt, dass der 
grosse, namentlich bei Buschkau, Meisters walde und Greuzdorf 
nutzbare Steinreichthum derselben bereits von einer prähistorischen 
Bevölkerung zur Anlage zahlreicher Hünengräber verwerthet wurde. 
Die Häufigkeit gerade der grossen Blöcke ist eins der Haupt- 
merkmale der Moräue auch dort, wo sie nur in Form weniger 
intensiver Bestreuung auftritt; Steine von 1 Meter Länge sind 
zahlreich, einzelne erreichen 2 Meter und darüber. Der grösste 
bisher aufgefundene ist im Jahre 1892 vom Steinmetz Fribmer 
in Grenzdorf verarbeitet und besass nach dessen Mittheilung eine 
Länge von 6 Meter, bei 2,5 Meter Höhe und ebensolcher Breite. 
Gegenwärtig dürfte der grösste erratische Block dieser Gegend 
ein Gneissblock im Jagen 142 der Kgl. Forst Sobbowitz (Belaut 
Prausterkrug) sein, welcher ca. 4 Meter lang, 2,50 Meter breit 
und 2,25 Meterhoch ist; einige andere hervorragend grosse Blöcke 
liegen im nordwestlichen Theil des Saskoschiner Waldes und auf 
Jer ancrrenzenden Meisters walder Feldmark. 

Höchst eigenthümlich ist der Verlauf der Moräne und die 
<]araus sich ergebende Lage des Eisrandes, vorausgesetzt, dass die 
Moräne eine Endmoräne ist. Es ist mir bisher nicht gelungen, 
*^it Sicherheit festzustellen, ob während des durch sie bezeichneten 
^^^diums das eisfreie Land westlich oder östlich von ihr lag, ob 
also ein Inlandeis-Lobus in der Weichselniederung oder auf dem 
^Ässubischen Hochlande lag; doch scheint mir Manches für die 
Abnahme zu sprechen, dass das Vorland im W. zu suchen ist. 
^enn einerseits ziehen sich die Oberen Sande und Grande, welche 
in der Nachbarschaft des Geschiebestreifens auftreten, hauptsächlich 
*ö der W.- Seite desselben entlang (z. B. bei Meisters walde, 
^renzdorf und Postelau), andererseits treten auf der O.-Seite 
tiesselben viele Durchragungskuppen auf, wie sie in anderen 

Jahrbacb 1900. 6 



LXVI 

Moränengebieten als Hinterlandcharaktere gelten. Dieselben ver- 
theilen sich hauptsächlich auf zwei (iebiete : ein der Moräne un- 
mittelbar benachbartes bei Grenzdorf, und ein entfernteres zwischen 
Johannisthai und Wartsch. Das letztere liegt der Moräne jenseits 
einer sanderfüllten Thalung als selbstständige Erhebung von etwas 
geringerer Höhe gegenüber. Die Überfläche desselben besteht aus 
oberem üeschiebemergel, aus welchem kleine Mergelsandflecken 
hervortreten. Dieser Mergelsand erweist sich an einer Stelle 
durch Führung einer temperirten, marineu Fauna als nichtglacial, 
wahrscheinlich iutergiacial. Es ist dies in dem 165 Meter hohen 
»Toten berg« am Wege zwischen Domachau und Mallentin, 
über den ich hier einiges einfügen will. 

Bereits A. Jeni^sch hat auf Section Dirschau der geologischen 
Karte der Provinz Preussen diesen Punkt augegeben und mit 
einer Signatur für »gemischte oder sichtlich verschleppte Diluvial- 
fauna« versehen. In seiner Arbeit: »Beiträore zum Ausbau der 
Glacialhypothese in ihrer Anwendung auf Norddeutschland« 
(Dieses Jahrbuch 1884, S. 505) hat er den damaligen Aufschluss 
auch kurz beschrieben uud aus Schlieren in eiuem von Spathsand 
uuterteufton üeschiebemergel folgende Coiichylien aufgezählt: 
i Cyin'ina^ Tapes, Cardiuin edule und echinatum^ Scrobicularia, 
(erithium^ Nassa^ ? Paludina» 

Inzwischen hat sich der Aufschluss erheblich vergrössert und 
bietet nun folgendes Bild: eine flache, der Gesammterhebung des 
Höhenrückens aufgesetzte Kuppe ist etwa zur Hälfte abgegraben. 
Ihre Rinde ist etwa 0,75 Meter mächtiger Geschiebemergel 
mit einigen grösseren Blöcken und vielen Conchylienfragmenten. 
Unter demselben liegt anscheinend horizontal geschichteter, ziem- 
lich feinkörniger, gelbgrauor Mergelsand, der eine feste und 
trockene Masse bildet und zahlreiche, meist kleine Conchylien 
führt. Etwa 3 Meter unter der Oberfläche folgt dann eine un- 
regelmässig gelagerte Schicht gröberen, lehmigen Sandes mit 
vielen Schalen von lapes virginea^ (ardiuni eJule und echinatuni 
und Nassa reticulata vermischt; dieselbe ist ca. 1 Meter mächtig 
und wird von feinerem, in der Bohrprobe schalenfreien Spath- 
sand unterteuft. Nach (). und W. verschwinden die Schalen- 




LXVII 

ftihrenden Schichten unter Geschiebemergel, und wo in der Nach- 
barschaft noch Sand durchragt, ist derselbe schalenfrei. Die 
Gesammtfauna der Ablagerung besteht, soweit bisher festgestellt, 
aus folgenden Arten: Cyprina islandica L., Tapea virginea L., 
Mytilus edulia L., Cardium edule L., C. echinatum L., TeUina 
baltica L., Corbtda gibba Ol., Lucina divaricata L., Litorina litorea 
L., Cerithium acabrum Ol., Nassa reiiculata L. Die von A. Jentzsch 
ausserdem angefahrten Genera Scrobicularia und Paludina habe ich 
nicht wieder auffinden können. 

Von diesen Conchylien fand ich TeUina baltica und Lucina 
(liearicatiLf erstere in mehreren Exemplaren, mit beiden unversehrt 
aufeinander schliessenden Klappen vor. Da gerade diese Arten 
sehr zart sind, so sehe ich in diesem Befund einen sicheren Be- 
weis dafi\r, dass sie in dem sie jetzt umschliessenden Mergelsand 
auf primärer Lagerstätte liegen. Die Lucina divai^icata, die 
meiues Wissens bisher noch nicht fossil gefunden wurde, giebt 
femer einen Hinweis darauf, dass der Mergclsand in mindestens 
10 Faden Tiefe abgelagert sein muss. Da sie in der gröberen 
Schicht an der Basis des Aufschlusses fehlt und letztere zahlreiche 
Lit4>rina-'^ Nassa- und derbe Pelecypoden-Schalen führt, so nehme 
ich an, dass diese gröbere Schicht ein Flachwasser- oder Strand- 
grus ist. Man hätte also an eine Transgression zu denken, über 
deren beide erste Phasen die Ablagerungen des Totenberges 
Aufschluss geben, deren weitere Entwickelung aber in Folge 
muthmaasslicher glacialer £rosion der Deckschichten nicht mehr 
ersichtlich ist. Wahrscheinlich war diese marine Transgression 
interglacial. Der Mergelsand führt nämlich einzelne Spath- 
körner, und in der groben Basalschicht fand ich ein buntes 
Gemisch nordischer Gerolle, z. B. Silurkalkstückchen mit Rliyn- 
choneüa nuctda und Favositen, Feuersteine, Granitbrocken u. s. w. 
Die grössten Gerolle hatten Wallnussgrösse. Ein so grobes 
Material setzt eine ursprüngliche Ablagerung aus stark iliessen- 
dem Wasser und zwar seinem bunten Gemenge nach aus 
Gletscherwasser voraus. Fände man nämlich nur eine beschränkte 
Anzahl nordischer Gesteine darin vertreten, so Hesse sich die 
Anwesenheit derselben immer noch durch die Annahme eines 



präglacialen von N. kommeDden Flussnetzes mit entsprechenden 
Ablagerungen erklären, die das Material filr eine nachfolgende 
marine Ablagerung geliefert hätten, und es könnte somit die 
Fauna von Domachau auch als präglacial angesehen werden. 
FOr eine solche Annahme wäre das Feld frei, da man 
bis jetzt nicht weiss, ob während oder vor der gemässigten 
Phase der präglacialen Quartärzeit eine ableitende oder aufneh- 
mende Depression (dr die von N. kommenden Gewässer nördlich 
unseres Gebietes bestanden habe. Ich halte indessen die Ab- 
lagerung eher fikr interglacial und möchte sie als den äusserslen 
nordwestlichen Punkt jener grossen, vornehmlich das untere 
Weichselgebiet umfassenden interglacialen Meerestransgression 
betrachten, zu welcher die von A. Jentzsch beschriebenen Vor- 
kommen von Dirschau, Marienburg, Mcwe, Neudeck u. s. w. 
zu rechnen sein durften, und welche andererseits auch im innem 
Ostpreussen bei Kiwitten u. s. w. nachgewiesen ist Allerdings 
liegt keines dieser Vorkommen in so grosser Meereshöhe wie 
Domachau, doch halte ich das för unmaassgehlich, da die Ab- 
lagerung am Totenberge wohl emporgeschoben, vielleicht gar 
eine ganz aus ihrem ursprtlnglichen Zusammenhang herausgerissene 
riesiore Scholle im Glacialdiluvium ist. 

Die Unteren Sande in den übrigen Durchragungen des 
Saskoschiner Endmoräuengebietes, wenigstens in den Grenzdorfer 
Durchragungen, sowie in den Abschnittsprofilen der ganzen 
Gegend zeigen keine Spur einer primären Fauna und dürften zu- 
meist «rlaciai sein. Zwar findet mau in ihnen hin und wieder 
auch ahgorollte, marine Conchylien, aber solche Funde beschränken 
sich nicht auf den Unteren Sand und weisen zunächst nur auf 
zerstörte primäre Lagerstätton hin. Bemerkenswerth ist, dass 
während im Interglacial bei Domachau boreale Formen fehlen, 
solche auf secuudärer Lagerstätte auch in dieser Gegend vor- 
koiunien. So fand ich bei Lamenstein (Blatt Gr. Paglau) in 
Unterem Sand Astarte borealus und in der ZiEHM'schen Kiesgrube 
bei Lappin in Unterem Grand Yoldia arctica 

Was die Durchrajiunjjen nahe der Endmoräne bei Grenzdorf 
angellt, so fällt es auf, dass im Gebiet derselben der Obere 




LXIX 



Geschiebemergel eine von der gewöhnlichen oft sehr abweichende 
Zusammensetzung zeigt. Er enthält weniger grandiges und 
sandiges, dagegen mehr feines, sowohl thoniges als feinsandiges 
Material; in dieser Zusammensetzung kommt ihm der Untere 
Sand ebenfalls durch Anreicherung mit thonigcm und feinsandigem 
Material entgegen, sodass zuweilen die Entscheidung schwer fällt, 
ob eio thoniger Mergelsand oder ein feinsandig-thoniger Geschiebe- 
mergel vorliegt. Wenn man in diesen Durchragungen nicht 
einfach A ufschüttungen von Mergelsand erkennen will, welche 
mit einem hauptsächlich an den Flanken haften gebliebenen 
hehmbrei übergössen sind, so muss man dies Gebiet als ein 
kuppig aufgetriebenes Sediment auffassen, das in sandiger Facies 
hegann und in lehmiger endigte, sicher aber ohne Unterbrechung 
abgelagert wurde. Es läge dann unter Berücksichtigung der an- 
genommenen Stauchung nahe, dies Sediment für subglacial zu 
halten, zumal wenn die O.-Seite der Grenzdorfer Endmoräne 
deren Rückseite gewesen wäre. Es liessen sich dann die ver- 
einzelten kleinen, discordanten Grandflecken auf den Durchragungen 
am besten als späteste Schmelzrückstände des Eises deuten, das 
sich seines feineren Detritus-Inhalts in dieser Gegend hauptsächlich 
subglacial, und nur des gröberen oberflächlich, nämlich zumeist 
in der nahen Endmoräne entledigt hätte. 

Aehnlich liegt die Sache bei den Sauden, welche in den 
Abschnittsprofilen des Endmoränengebietes, z. B. am O.-Rande 
des Saskoschiner Waldes unter dem Oberen Geschiebemergel her- 
vortreten. Die intime Entstehungsgeschichte der glacialen Ab- 
lagerungen ist ja leider noch sehr wenig aufgeklärt. Nach der 
gangbarsten Anschauung besteht das Obere Diluvium (als 
Sediment der letzten Vergletscherung begriflfen) in ausgedehnten 
Plateaugebieten Norddeutschlands im Wesentlichen aus einem 
Geschiebemergel und einem Sand darunter. Wenn nun auch, 
abgesehen natürlich von interglacialen Sauden, dieser Saud zum 
Theil als Vorsand des herannahenden Eises zu deuten ist, so 
weisen doch zahlreiche Beobachtungen darauf hin, ihn zum 
grössten Theil als unmittelbar glaciale Ablagerung zu betrachten 
und anzunehmen, dass bei normalem Abschmelzen eines ebenen 



LXX 

Inlandeises gewöhnlich zu unterst Sand und zu oberet Geschiebe- 
mcrgel gebildet werde. Da bei uns der Untere Geschiebemergel 
meist als Grundmoräne einer älteren Vereisung gedeutet wird, 
so lasse ich hier die Hypothese, dass zu jeder Eiszeit gesetzmässig 
zwei Geschiebemergel gehörten, ausser Acht, und wende mich 
zunächst nur den weiteren Folgerungen der oben erwähnten Beob- 

achtunff zu. Man könnte die Folge -,— auf zwei Ursachen zu- 

° ° ds 

rückfiihren: entweder verschiedenartige Ablagerung während des 
Vorrückens und während des Stillstandes der Eismasse (Hypothese 
von J. Martin), oder verschiedenartige Sedimentbildung auf und 
unter dem Eise. Die erste Ursache würde mir als die weniger 
wahrscheinliche dünken, da nach den neuesten Forschungen in 
jedem mächtigeren Eisfeld innere Strömungen fast bis zum letzten 
Augenblick seines Daseins herrschen und in diesem Sinne selbst 
todtliegende Eispartieen noch nicht vollkommen still liegen. 
Auch scheint mir der meist etwas grössere Gehalt der Unteren 
Sande an secundären Diluvialfossilien auf durchgehende Isolirunc' 
der Ablagerung der beiden Hauptglieder des oberen Diluviums 
zu deuten. Es wäre also zu bedenken, ob nicht an den meisten 
Stellen eine sehr wesentliche Verschiedenheit zwischen ober- 
flächlichor und basaler Abschmelzung des Eises auch hinsichtlich 
der ScdimentbilduHiX wahrscheinlich ist, und zwar umorekehrt wie 
sie gewöhnlich dargestellt wird. Denn meist gilt der Geschiebc- 
mergel als Grund-, nicht Inncnuioräue. Wo zwischen den End- 
moräuenetappen des norddeutschen Flachlandes mit ihren Vor- 
sanden das Eis ruhig abgeschmolzen ist, breiten sich meistens 
ebene (leschiebeniergelplateaux aus. Hier ist normaler Geschiebc- 
mergel ganz sicher das letzte und z. Th. oberflächliche, sicher 
nicht subglaciale Sediment des Eises. Auch wo v. Toll und 
RrssELL in den unserem hypothetischen Inlandeise ähnlichsten 
Eisgebieten der Gegenwart die Entstehung obersten Geschiebe- 
mergels beobachten konnten, war derselbe mehr Oberflächen- als 
Grundmoräne, wofern man den Unterschied zwischen beiden in 
super- oder subglacialer Entstehung begründet sieht. Da nun 
gewiss eine intensive subglaciale Schmelzung stattgefunden hat. 



LXXI 

80 liegt es nahe, in unseren Plateaugebieteu den glacialen Unteren 
Sand als Sediment dieser letzteren anzusprechen, und auch darauf 
deutet die sehr gewöhnliche Erscheinung, dass er gerade in den 
tieferen Niveaux der die Plateaux durchziehenden »subglacialen 
Schmelzwasser «-Rinnen zu Tage zu treten pflegt. 

In den stark coupirten Endmoränengebieten aber, wozu die 
Blätter Prangenau und Gr. Paglau zu rechnen sind, besteht das 
Obere Diluvium an manchen Stellen aus mehreren durch Sande 
getrennten Geschiebemergeln. Nach dem Vorhergehenden müsste 
man sich diese Thatsache durch die Annahme erklären, dass in 
Folge des Eisstillstandes die subglaciale Entwässerung schwieriger 
und oft unterbrochen gewesen sei, und dass bei stockender Eut- 
wägficning auch unter dem Eise Geschiebemergel abgelagert sei. 
Die gegenwärtig gangbarste Erklärung führt indess die Wechsel- 
lagerung von Sand-, Grand- und Geschiebemergelbänken lediglich 
auf Oscillationen des Eisrandes zurück. Ich möchte dem gegen- 
über hervorheben, dass für grössere Gebiete mindestens eine 
Combination beider Erklärungen nothwendig ist, da die Verbin- 
dung kleiner und kleinster Lehm- ,und Sandbänke ineist eine viel 
zu innige und ungestörte ist, um die Annahme von Oscillationen 
gerechtfertigt erscheinen zu lassen. 

Paul Gustaf Krause: Bericht über die Ergebnisse der 
Aufnahme auf Blatt Kutten (Ostpreussen) im Jahre 1900. 

Das topographisch wie geologisch ausserordentlich vielgestal- 
tige Bild des im Angerburger Kreise, auf der Höhe der Masurischen 
Seenplatte gelegenen Blattes Kutten ist durch verschiedene End- 
moränenbogen, die es am S.-, O.- und N.- Rande umrahmen, be- 
dingt. Der älteste dieser Züge bildet am S.- Rande des Blattes west- 
lich vom Goldapgar See die Fortsetzung der von Herrn C. Gagel ^) 
bereits geschilderten Kruglanker Endmoräne. Sie zieht in ihrem 
weiteren Verlaufe nach Pieczarken zu als Sandmoräne mit den be- 
zeichnenden Wall- und Hügelformen nebst abflusslosen Kesseln 
und Senken in ansehnlicher Breite, aber auffalliger Steinarmuth 

Bericht über die AufnahmearbeiteD auf den BUttern Lötzen, Steinort 
und Kmglanken. Dieses Jahrbuch f. 1898, S. CCLXVI f. 



in NNW. -Richtung auf Willudden zu bis in die Nähe dieses 
Dorfes. Da die Kartirung des Gebietes westlich davon noch 
nicht abgeschlossen ist, so gehe Ich auf diese westliche Fort- 
setzung hier nicht weiter ein. Aus dieser stldlichen Stillstands- 
lage zog sich nun der Eisrand in einem grossen Bogen welter 
zurück und zwar im westlichen Theil des Kartengebictcs in S.-N.-, 
im östlichen Theile dagegen in W.-O. - Richtung. Es entstanden 
dadurch zwei weitere Eudmoränenbögen , die aber eine kürzere 
Stillstandsphase bezeichnen als jener südliche Bogen. Das östliche 
Theilstück schliesst sich an den Theil der Kruglanker Endmoräne 
an, der zwischen Kruglanken und dem Büfke-See gelegen ist. 
Es beginnt am Kartenrande als ein schmaler, niedriger Rücken 
unfern des Seeufers und zieht sich, allmählich höher und breiter 
werdend, in NO. -Richtung über Jesiorowsken und Zabinken zum 
Zabinker See. Diese Endmoräne hebt sich als ein schmaler Wall 
aus dem Gelände heraus und grenzt sich auf ihrer fast geradlinig 
verlaufenden Innenseite scharf von der östlich sich anschliessenden, 
an Hohlformen reichen Grundmoränenlandschafb des Oberen Ge" 
Schiebemergels ab. Auf ihrer . Aussenseite wird sie von einem 
schmalen, nach N. allmählich sich verbreiternden, saumartigen 
Sandr begleitet, der allerdings erst am N.-Ende von Jesiorowsken 
beginnt, während er srullich davon wohl auch vorhanden gewesen, 
aber durch Erosion und Abrasion weggewaschen sein wird. Dieses 
eben geschilderte Endmoräneustück setzt sich im Wesentlichen 
aus Aufschüttungsformen des Oberen Sandes zusammen, dem sich 
einzelne Grandkuppen und noch spärlichere Partien von Block- 
packung zugesellen. 

Durch die Kinne des Zabinker Sees, die durch die Aus- 
mündunir eines Gletschorbachcs geschaffen ist und in ihrer rück- 
wärtigen Verlängerung weit in die Grundnioränenlandschaft des 
Nachbarhlattes Kerschkeu eingreift, erfährt die Endmoräne dann 
eine ziemlich breite Unterbrochung. Erst nördlich vom Purwin- 
See findet sich die Fortsetzung des Zuges, die nun von hier in 
fast nördlicher Richtung an und über Jakunowken weiterstreicht. 
Gleich nach Ueberschreitung jener Gletscherrinne wird der End- 
moränenzug höher und massiger, so dass er z. B. in der Umgebung 



Lxxin 

des Uöllenberges als ein imposanter Kiesenwall erscheint. Er 
erhält nämlich von SO., von dem bereits auf dem Nachbarblatt 
Kerschken gelegenen Jakiinowkenberg her eine wesentliche Ver- 
stärkung. Während der bisher geschilderte, auf Blatt Kutten 
belegene Bogen nur, wie gesagt, eine ältere, schwächere und nie- 
drigere* Staffel desselben Eisrandes darstellt, ist die Hauptphase 
des Stillstandes in dem weiter östlich gelegenen, von Herrn 
C. Gagel (a. a. O., S. CCLXI) in seiner Richtung verfolgten 
Bogen zu suchen, der etwa in SO.-Richtung von Jakunowkenbcrg 
über Teufelsberg zur Gonza Gora verläuft. Mit diesem verschweisst 
sich unser Jesiorowsker Bogen kurz vor dem Höllenberg bei 
Munowken. Auf der N.-Seite des Höllenberges findet sich 
wieder ein Durchbruchsthor durch den Endmoränenwall, das zwar 
im Verhältniss zu dem vorhin genannten nur schmal und klein, 
aber womöglich noch typischer ausgebildet ist. Unmittelbar vor der 
Durchbruchsstelle an der Aussenseite des Walles liegt ein kleines 
Wasserbecken, das die herausstärzenden Wasser ausstrudelten, 
ehe sie sich nach Jakunowken in nördlicher Richtung wandten, 
um weiterhin westlich abzubiegen und in die Krumme Kutte sich 
zu ergiessen. 

Zwischen Zabinkcn und Jakunowken betheiligen sich an dem 
Aufbau der Endmoräne neben Sauden auch Blockpackung und 
Kieskuppen in grösserem Maassstabe als im südlichen Theil des 
Bogens. Nördlich von Jakunowken löst sich die Endmoräne 
dann in mehrere, annähernd parallele, niedrige Eiscubahudamm- 
artige Wälle auf, die streckenweis abwechselnd aus Saud und 
Kies bestehen und unter S-förmiger Biegung eine nördliche 
Richtung einhalten. Etwa in der Höhe von Kutten stösst diese 
Endmoräne dann an die nördliche Pillacker. Die Geläudeformen 
werden in dieser Gegend höher und unregelmässiger luid es be- 
ginnt ein Umschwenken in die östliche Richtung. Kieskuppen 
und -Wälle nehmen hier in besonders starkem Maasse an dem 
.Aufbau Theil, und es findet ein allmähliches Aneinandersch weissen 
dieser beiden Bögen statt. 

Dieser östliche Bogen findet aber auch zugleich hier seinen 
Aoschluss an den westlichen Zwischenbogen, auf den schon oben 



LXXIV 

hingedeutet wurde. Beide stossen fast im rechtea Winkel auf 
einander. Das westliche Theilstöck ist allerdings, im Gegensatze 
zu dem östlichen, wenig in die Augen fallend. Es tritt nur 
morphologisch ein wenig hervor, dagegen nicht petrographisch. 
Von diesen beiden Zwischenbögen und dem südlichen Hauptbogen 
eingeschlossen liegt nämlich ein, noch weiterhin zu schilderndes 
Gelände, das als eine Platte mit hochflächenartigem, annähernd 
gleich bleibendem Oberflächenniveau sich etwa zwischen 375 und 
385 Fuss bewegt. Am nördlichen Rande dieses Gebietes erhebt sich 
nun in der Gegend, sQdlich von Kl. Strengein beginnend, ein 
schmaler, flacher, aus Sauden bestehender Röcken, der zunächst 
nach SO. streicht und bis zu dem, zum Dorfe Przytullen ge- 
hörigen Torfbruch reicht. Jenseits desselben setzt in der Fort- 
setzung ein zweiter Rücken ein, der nach NO. zum Gut Przy- 
tullen zieht, dann in dem ziemlich bewegten Gelände südlich der 
Tiefen und Schwarzen Kutte eine breitere Fortsetzung findet^ um 
südlich vom östlichen Kuttener Torfbruch nach O. weiterzuziehen 
und sich darauf mit dem östlichen Bogen, noch ehe dieser in 
eine östliche Richtung umzuschwenken beginnt, zu vereinigen. 
Dieser so beschriebene Zug zeichnet sich nur dadurch aus, dass 
er jeue ebene, südlich vorgelagerte Fläche als ein niedriger Rücken 
überragt, indem seine Höhen die 400 Fusscurve überschreiten. 
Sonst ist er nicht weiter bemerkenswerth, da er nur aus Sauden, 
die sich durch Steinarmuth auszeichnen, aufgebaut ist, so dass 
immerhin die Endnioränennatur dieses Bogens zweifelhaft er- 
scheinen könnte. Als seine (irundmoränenlandschaft würde das 
üeschiebemergelgebiet zwischen Kutten und Kl. Strengein anzu- 
sehen sein, das er beträchtlich überragt und mit steil abfallendem 
Innenrande begrenzt. 

Die zwischen den 3 Bögen wie ein Tuch im Rahmen aus- 
gebreitete Hochfläche verdient jedoch noch eine weitere Erwähnung. 
Sie wird nämlich cutlang einer Linie Kutten -Przerwanken in 
zwei verschiedene Theile, einen westlichen und einen östlichen, 
zerlegt. Der letztere ist ein typischer Sandr, der eine reine, fast 
ebene, nur in der unmittelbaren Nähe der Endmoräne etwas 
hügelige Saudfläche bildet. In diese ist das grosse Staubecken 



LXXV 

des Goldapgar Sees und seiner Anhängsel, die angrenzenden 
Brüchen und Seen einerseits, andererseits, in etwas höherer Lage, 
die zahlreichen hecken- und riunenartigcn Hohlforinen in der 
UingebuDg der Weissen und Krumuien Kutte eingesenkt. Dass 
der Sandr eine Grund moränenlandschafl des südlichen End- 
inoränenbogens überfluthet hat, geht aus dem Auftauchen des Oberen 
Geschiebemergels an verschiedenen Stellen am nördlichen Gold- 
apgar, wie am Ufer des Wilkus-Sees hervor, wo die spätere 
Erosion bezw. Abrasion ihn wieder in einzelnen Partien frei- 
gelegt hat. Der westliche Theil der Hochfläche, die hier geschlos- 
JJener auftritt, und in die als Fortsetzung des Goldapgar der 
Wilcus-, Brzuns-, Possessern- und Spitzing-See eingetieft sind, 
ist geologisch mannichfaltiger. Es handelt sich hier oflFenbar um eine 
Gnindmoränenlandschaft, die in der Hauptsache sandig aus- 
gebildet, aber durch einen mehrfachen Facieswechsel ausgezeichnet 
ist. Auch hier ergeben die Bohrungen stellenweis eine Auf- 
lagerung des Sandes auf Geschiebemergcl, aber auf dem Oberen 
Sande liegt dann noch wieder in einzelnen kleineren und grösse- 
ren Lappen eine als obere Bank des Oberen Gcschiebemergels 
anzusprechende Lehmdecke, deren Mächtigkeit meist nicht 1,2 Meter 
übersteigt, selten einmal 2 Meter Oberschreitet. Diese oberste Bank 
des Oberen Geschiebemergels muss schon im Wesentlichen die heu- 
tigen Oberflächenformen vorgefunden haben, da sie von der Hoch- 
fläche u. A. bis unter den Spiegel des Posscsscrn-Sees hinabzieht. 
Der nördliche Pillacker-Gembalkcr Endmoränenbogeu, der, 
wie schon von C. Gagel erwähnt wurde (a. a. O. S. CCLXI), 
aus der Richtung von Grodczisko herkommt, bildet in der NO.- 
Ecke unseres Blattes bei OW. -Streichen eine breite, massige Er- 
hebung und Anschwellung im Gelände, die weithin dominireud 
in der Landschaft hervorsticht. In der Hauptsache ist es auch 
hier der Obere Sand, der die hohen Rücken und Kuppen dieses 
stark bewegten Gebietes aufbaut. Einer dieser HauptrOcken, der 
uns Oberen Sauden aufgeschüttet ist und als ein mächtiger Wall 
mit steilem, inneren (Nord-)Abfall und flacherem, äusseren (Süd-) 
Hang die Pillacker Berge durchzieht, giebt die umstehend folgende 
Abbildung nach einer photographischen Aufnahme von mir wieder. 



Auf der InDenseite und besondere in den westlichen Ausläu- 
fern der Pillacker Berge nehmen Kies- und BlockanhäuFuDgen tn 
Gestalt vou RQcken und Kuppen an der Zusammensetscung des 
Zuges Theil. Etwa halbwegs Kutten-Gembalken ändert sich dieses 
Bild, indem die Kndmoräne bedeutend schmaler und niedriger 
wird und mit NW.-Ricbtung als ein mehr einheitlicher Rnuken 
ober Gembalken auf Krzywiensken (Krummendorf) zu verläuft. 
Hier sind nur gauz vereinicelte kleine Kieskuppeu, während Oberer 
Geschiebemergel, Oberer Sand und Durchragungen des Unteren 
Sandes an dem Aufbau betheihgt sind. 

Hinter diesem nördlichen Bogen findet sich ebenfalls eine 




Grundmoräuenlandschaft von Geschiebemergel, von der jedoch 
auf Bktt Kutten selbst nur noch ein schmaler Saum liegt. Diese 
Griiudmoräne yJeht sich in den »Pillacker Bergen«, dem massigen 
Centnim des nfirdlichen Bogens, an vier verschiedeneu Stellen in 
den Pässen zungeuartig bis fast auf die Wasserscheide. Eiuige kleine 
Gcschiebcmergel - Partien auf der S. -Seite dieser Berge zeigen, 
dass hier wolil noch längere Zeit vereinzelte Eispartten gelegen 
haben, uach dercu Abschmelzen jene isolirtcu Flecken und Lappen 
zurückbliebcn. Mit dem Rückzuge des Eises zum nördlichen 
Endnioränenbogeu wurde fftr die durch den südlichen und Öst- 
lichen Endmoränen wall iin S. unseres Gebietes aufgestauten 
Wassermasseu nach NW. ein Abzug frei. Es bildeteu sich nun 



Lxxvii 

zwei, einaDder fast parallele Hauptrinnen heraus. Die südliche 
entwässerte das grosse Becken des Goldapgar und seiner An- 
hängsel einerseits Qber den Possessern -See, andererseits über den 
Wilkus-, Brzuns und Spitziug-See durch das Sapinen -Thal, 
dessen Durcblegung wohl jetzt begann, zum Gr. Strengeln-See. 
Die nördliche Rinne nahm ihren Anfang in den langgestreckten, 
heute vertorflen Senken östlich und südlich von Kutten, setzte 
eich dann in der Schwarzen und Tiefen Kutte ^), in dem Przytuller 
Fliess, dem grossen Przytuller Torfbruch^) fort und trat an und 
Ober Kl. Strengein weg ebenfalls in das Sammelbecken des Gr. 
Strengeln-Sees, von dem der heutige Kl. Strengeln-See nur ein 
erst in später Zeit abgeschnürtes Glied darstellt. In diese 
nördliche Rinne zogen aber auch alle die aus dem nahen nörd- 
lichen Endmoränenbogen abfliessenden Schmelzwasser ab, drängten 
die übrigen Wasser der Rinne gegen deren S.-Rand und schufen 
dadurch den hohen, steilen Erosionsrand, der in so hervorstechender 
Weise von Przytullen bis über Kl. Strengein hinaus das S.-Ufer 
dieser alten Stromrinne bildet 

In ausgezeichnet klarer Weise werden diese Verhältnisse 
dnrdi die zum Theil modellartig schön ausgeprägten, diluvialen 
Terrassen, die dieses ganze Gebiet umziehen und begleiten, er- 
kennbar. Es lassen sich 2 solche Terrassen unterscheiden, eine 
höhere, die ungefähr von 9 Meter bis 15 Meter reicht, und 
eine tiefere, die im Allgemeinen zwischen 3 und G Meter 
über dem heutigen Seespiegel liegt, vereinzelt aber auch noch 
etwas höher hinaufsteigt. Namentlich die erstere ist ganz be- 
sonders schön auf weite Strecken hin und zum Theil in ansehn- 
licher Breite entwickelt. Auf der ganzen Linie vom S.-Rande des 
Kartenblattes an umsäumt sie das O.- und N.-Ufer des Goldapgar, 
dringt in die westliche Hälfte des Zabiuker Sees, begleitet den 
ganzen O.-Rand des Wilkus-Sees und das N.-Ufer des Brzuns, 
während sie auflälligerweise auf den W.-Ufern dieser Gewässer 

') Darch Lothangen wurde hier eine grössto Tiefe von über 20 Meter er- 
mittelt ond überhaupt ein schneller Abfall dieses sich auch hierdurch als Erosions- 
becken kennzeichnenden kleinen Sees festgestellt. 

^ Die Längsachsen aller dieser Becken liegen übrigens auch in der Strom- 
richtnog dieser Rinne. 



Lxxvin 

nur ganz vereinzelte Marken in Gestalt der sonst überall vor- 
handenen alten Steilufer und Strandlehnen hinterlassen hat. Eine 
Ausnahme hiervon macht allerdings der Possessern-See. An 
seinem W.-Ufer finden sich solche Marken wieder als Abrasions- 
kehle im Geschiebemergel bezw. auf der Sandterrasse. Auch auf 
der damaligen kleinen Insel, die südwestlich vom Gut Przerwanken 
aus dem einheitlichen Wasserbecken, das jetzt in die schon ge- 
nannten drei Seen zergliedert ist, herausragte, ist ein solch altes 
Steilufer erhalten. 

Aus dem Possessern-See zieht die höhere Terrasse dann in das 
Thal des Sapinen-Flusses sowohl in dessen westlichen Arm, der 
über den Jes-See wohl nur einmal vorübergehend eine Verbindung 
nach W. bei höchstem Wasserstande vermittelte, wie auch in den 
östlichen Hauptarm zum Gr. Strengeln-See. Sie begleitet auch den 
S.-Rand der schon geschilderten nördlichen Stromrinne. Hier ist 
sie besonders westlich von Kl. Strengelu wieder schön ausgeprägt. 

Zur Zeit des Wasserstandes der höheren Terrasse haben wieder- 
holt Versuche der Wasser stattgefunden, den trennenden Wall zwi- 
schen den beiden Kinnen zu durchbrechen. An zwei Stellen östlich 
von der NO. -Ecke des Wilkus-Sees haben die Wasser aus dem 
Sammelgebiet der nördlichen Rinne den schmalen Riegel, der sie 
von der südlichen trennte, durchschnitten. Sie haben sich wohl 
nur ganz kurze Zeit und in nicht nenneuswerthem Maasse in das 
südliche Recken ergossen, denn es sind sowohl diese Durchbrüche 
nur schwach wie auch die beiden in ihrer F'ortsetzunjT auf der höhe- 
ren Terrasse liegenden Rinnsale. Wahrscheinlich ist es hier bald zur 
Bildung einer auf der höheren Terrasse lieucenden Wasserscheide tre- 
kommen. An anderen Stellen sind es dagegen zweifellos die südlichen 
Wassermassen gewesen, die gegen N. vorstiessen und z. B. Ober 
das heutige PrzytuUer Torf bruch bis unmittelbar au das Rittergut 
PrzytuUeu vordrangen, ohne jedoch ganz durchzubrechen. Die 
zweite Stelle, an der ein solcher Durchbruch ebenfalls nahezu 
vollendet ist, liegt südlich von Kl. Strengein und reicht bis an 
den Friedhof dieses Dorfes. Einen von N. her erfolgten Durch- 
bruchsversuch l)o/eichnet die südliche Ausl)uchtun«2C des jjcrossen 
zum Dorfe Przytulloii gehörigen Torfbruclies. 



LXXIX 

In Verbindung mit dieser höheren Terrasse findet sich dann auch 
überall die niedere Terrasse. Sie zeigt allerdings bei weitem 
nicht eine so scharf ausgeprägte Entwickelungsform wie jeue. Drei 
Stellen sind es jedoch, wo sie auch ganz besonders typisch zur 
Ausbildung gelangt ist. Die eine liegt am O.-Ufer des Wilkus- 
Sees, etwas nördlich von der Wilkus-Mühle, die beiden anderen 
*öi N.- und S.-Ufer des westlichen Zabinker Sees. Aus dieser 
»^ertheilung und Verbreitung der oberen Terrasse, die bis in das Ge- 
hiet des Gr. Strengeln-Sees hineinreicht, der seinerseits in breiter, 
offener Verbindung mit dem Mauerseebecken stand, ergiebt sich 
Jliit zwingender Nothwendigkeit, dass auch im Bereiche jenes 
Reckens die Wassermassen jenen hohen Stand von 15 Meter über 
dem heutigen gehabt haben müssen. Es müssen demnach auch 
am Mauersee und den ihm angegliederten Seebecken von jener 
höheren Terrasse Spuren vorhanden sein. In der That gelang 
es auch, wie ich einer freundlichen Mittheilung von Herrn 
L. Schulte verdanke, solche Marken bei der Aufnahme auf Blatt 
Gr. Steiuort am Schwenzait - See aufzufinden. Sie schneiden 
nach oben mit der 350 Fuss-Curve ab. Es bliebe daher die 
weitere Aufgabe übrig, die Terrasse auch im Bereich des übrigen 
Mauersee-Gebietes nachzuweisen. Als eine derartige Terrassen- 
fläche glaube ich die ebene Sandbarre auffassen zu dürfen, die 
den Dsrall-See vom Mauersee trennt. Nach einer freundlichen 
Mittheilung von Herrn Fr. Kaünhowen hat er ebenfalls in der 
gleichen Höhe von ungeföhr 350 Fuss ein Paar, wenn auch örtlich 
wenig ausgedehnte Terrassenmarken auf der W.-Seite des Mauer- 
seegebietes festgestellt. Die eine liegt auf Blatt Rosengarten beim 
gleichnamigen Vorwerk. Die andere findet sich am westlichen 
Ufer des Deiguhn-Sees auf Blatt Gr. Stürlack^). Die weitere 
Verfolgung dieser Frage scheint mir nicht ohne Belang zu sein. 
Der Umstand, dass die vou Herru C. Gagel-) nachgewiesene 
330 Fuss-Terrasse im N. des Mauersees bei Angerbnrg keinen 



F. Kaünhowen: Wiss. Ergeb. der Aufnahme auf Blatt Gr. Stürlack. 
Dieses Jahrbuch f. 1898, S. CCLXXXIV. 

*) Bericht über die Aufoahmearbeiten auf den Blättern Angerburg und 
Krugiaoken 1899. Dieses Jahrbuch f. 1899, S. LXVI f. 



LXXX 

Abschluss findet, wird, wie mir scheint, von ihm mit vollem Rechte 
so gedeutet, dass die £ismassen hier damals noch den Abfluss 
der Wasser sperrten und dieser nach S. zum Weichselgebiet hin 
erfolgte. Diese Fragen Ober das Mauerseegebiet hinaus weiter 
nach S. zu verfolgen, wird erst möglich sein, wenn die Auf- 
nahmen in jenen Gebieten vorliegen werden. 

In Verbindung mit den beiden Terrassen findet sich auf ihrer 
Oberfläche an einer ganzen Reihe von Punkten sowohl auf der 
westlichen Goldapgar-Seite wie um den Brzuns- und Wilkus-See 
herum eine Ablagerung von Seekreide. Sie tritt in einzelnen 
Lappen und Flecken, meist in dünnen Lagen auf. Ihre Mächtig- 
keit scheint 30 Centimeter nicht zu überschreiten, bleibt jedoch 
meist darunter. Es ist ein stellenweise mehr oder weniger 
mergeliger, bisweilen auch etwas sandiger Kalk. Von Organismen- 
Resten fand ich nur an einer Stelle ein Bruchstück einer Schnecken- 
schaale (vielleicht Limnaeus), Ob etwa eine Mikrofauna in dem 
Sediment enthalten ist, niuss erst noch die Untersuchung lehren. 

Nicht ohne Belaug ist weiter der Umstand, dass es mir ge- 
lang, an zwei Stellen auf der höheren Terrasse die sog. »Furchen- 
steine« aufzufinden. Die eine liegt südöstlich von Przytulleu, die 
andere südöstlich von Karlsberg, in der Nähe des Trig. Punktes 
3H3. Diese Furcheusteine sind ein Beleg dafür, dass zur Zeit 
jenes hohen Wasserstandes bereits jene »steinfressenden« Algen 
hier lebten, als deren Werk man wohl die Sculptur dieser Steine 
anzusehen berechtigt ist. Solche Gebilde recenter Entstehimg 
sind ja bereits von Herrn (j. Müller^) aus ostpreussischen Seen 
beschrieben, dagegen sind sie meines Wissens aus diluvialer Zeit 
noch nicht bekannt. 

Auf eine wichtige Eigenschaft der Terrassen möge hier 
noch hingewiesen werden , nämlich auf ihre Beziehungen 
zu den prähistorischen Siedelungen. Durch eine ganze Reihe 
von Funden (Urnenscherben, Feuersteinmesser und -Scherben, 
sowie gebrannte Knochen) gelang es mir nachzuweisen, dass auf 
beiden Seiten des Goldapgar-, wie des Wilkus- und Brzuns-Sees 

Ueber Furchensteine au& Masuren. (Zeitsclir. d. Deutsch, geol. Ges., Bd. 49, 
1897, Verhandl. S. 27.) 



LXXXI 

und im Sapinen-Thal besonders die obere Terrasse von den da- 
maligea Menschen bevorzugte Stätten für ihre Siodelungen bezw. 
Friedhöfe waren. Ueber die gemachten Funde, die dem Ost- 
preusfiischen Provinzialmuseum überwiesen wurden, wird von dort 
eine Mittheilung erfolgen. 

Ausser den beiden Diluvial - Terrassen findet sich dann 
noch eine alluviale, bis 3 Meter über dem heutigen See- 
spiegel liegende, als Ufersaum der heutigen Wasserfluthen. 
Sie besteht, mit Ausnahme der Gr. Eschenortcr Halbinsel, immer 
aus Sand. Dort dagegen ist es ein Thon bezw. Thonmergel, 
der auch unterseeisch nach O. noch weiter fortzusetzen scheint 
und wohl als der Rest einer grösseren Beckenbildnng angesehen 
werden muss. 

Ä. Jentzsch: Beobachtungen über Kreide, Tertiär, 
Diluvium und Alluvium Westpreussens. 

lu den Jahren 1899 und 1900 wurden im Weichselgebiete 
die Blätter Seh wetz und Sartowitz (Gr. A. 33, No. 31, 32) kartirt, 
und Blatt Okonin (Gr. A. 33, No. 34) vollendet. Ausserdem wur- 
den Revisionen bei Danzig und eine geologische Erforschung von 
^rundwasserverhältnissen des Elbinger Landkreises, sowie eine 
geologisch-agronomische Kartirung der Domäne Rehden, Kreis 
^'^raudenz (Gr. A. 33, No. 40) im Maassstabe 1 : 10000 aus- 
gefthrt. 

V^ortertiäre Schichten wurden hierbei nirgends an der Ober- 
fläche beobachtet. Wohl aber wurde der in Seh wetz und Grau- 
^^Dz früher erbohrte kreideähnliche Mergel, der in Ermangelung 
^OQ Versteinerungen bisher nur nach seiner Ueberlagerung durch 
^^rtiär und seiner petrographischen Aehnlichkeit mit der Ver- 
^*^^nerungen ftihreuden Kreide formation von Thorn zu letzterer 
8*2ogea worden war, dem Kreidegebiete des nördlichen West- 
P^'^ussens durch einen in die bisherige Lücke fallenden Bohr- 
^^^fschluss angenähert. Zu Marienwerder traf eine in der Artillerie- 
•^aserne (nahe dem Bahnhofe) angesetzte Brunnenbohrung von 
^^^*a 150 — 247,35 Meter Tiefe Kreidemergel, welche einzelne 

•Ithrhnch 1900. f 



txxxit 

VersteineruDgeu lieferten. Unter letzteren ist ein Ananchytes 
ovatus aus 232,50 Meter Tiefe zu nennen. Obwohl diese Art 
eine erhebliche verticale Verbreitung besitzt, genügt sie doch, um 
den Charakter dieser Schichtengruppe als Obere Kreide zu be- 
stätigen. 

Im Tertiär wurden die schon früher beschriebenen Auf- 
schlüsse des Schwarzwasserthaies bei Seh wetz durch neue Beob- 
achtungen vermehrt und vom S.-Rande dieses Blattes bis über 
den N.-Rand desselben, sowie weiter nördlich auf Blatt Laskowitz 
in fast ununterbrochener Kette verfolgt. Es sind vorwiegend 
sandige Süsswasserbildungen, die nach Alter und Beschaffenheit 
als Braunkohlenbilduug zu bezeichnen sind, jedoch bisher 
nur geringfügige, unbauwürdige Kohlenflötze gezeigt haben. Ihrem 
Alter nach entsprechen sie der »Posener Braunkohlenbildung«, da 
sie — gleich dieser — weiter südlich von Posener Thon über- 
lagert und von »Thorner Thon« unterteuft werden. Letzterer ist 
ein durch Kohlenstaub braungefärbter, staubiger, glimmerhaltiger, 
fester Letten, der in erheblicher Mächtigkeit die Unterlage der 
sandij^en Braunkohlenbild unc: bei Seh wetz und Graudenz bildet 
und dort über dem erwähnten Kreidemergel liegt. Zwischen den 
gleichen Schichten wurde dieser »Thorner Thon« ostwärts bis 
Hermannshöhe hei Hi.schoföWenler, südwärts bis Thorn, und von 
dort südwestlich bis Sc-hönfelde bei (inesen und Obornik in der 
Provinz Posen durch Bohrprofile nachgewiesen. 

Von Interesse ist die Auffindung bernsteinführenden 
Tertiärs auf Blatt Oxhöft (Gr. A. 16, No. 26). Nahe der S.- 
Grenze dieses Blattes, bei Johanniskrug, westlich der Danziger 
Chaussee, beoba'htete Verfasser in der Grube einer kleinen Zie- 
gelei von oben nach unten folgende Schichten: 

0,8 Meter Geschiebelehm 
0,4 » Diluvialsand J 

3—4 » irelblichen Geschiebemergel ^ Diluvium 

0,6 » gelben, thonähnlichen Geschiebe- etwa 6 Meter. 

mergel \ 

0,8 » ziegelrothen Geschiebemergel 



LXXXIII 

KO Meter groben, aber durch Staubn^ehalt 

bindigen Quarzsaud, welcher 

in den obersten 0,2 Metern 

nussgrosse Gerolle von Quarz 

und Quarzit enthält 3,6—3,8 Meter 

0,8—1,0 » grünlichen, feinen Sand Tertiär. 

1,8 » bräunlichen, feinsandigen Letten 

mit einem Bernsteinstück, an 

der Grubenwand mit gelben 

Ausbiübungen 

Die Grenze zwischen Dihivium und Tertiär lag in der Grube 
auDäbernd horizontal. Der Fund eines Bernsteiubtückchens im 
Jortigen Tertiär würde wenig bemerkenswerth sein, wenn nicht 
etwa 7 Kilometer nordnordwestlich auf demselben Blatte im Dorfe 
Pogorsch an der Basis des Tertiärs bei 150 Meter Tiefe, nahe 
über der bei 159 Meter getroffenen Kreide, ein bernsteinführender 
Sand erbohrt worden wäre. 

Im Diluvium wurde der Untere Geschiebemergel, 
<les8en Zu-Tage-Treten für die Danziger Gegend bisher zweifel- 
haft war, auch dort in mehreren Aufschlüssen nachgewiesen. So 
zu Halbe Allee bei Danzig, nördlich der Zoppoter Brauerei und 
am Seestrande bei Hoch-Redlau (Adlershorst). Am letzteren Orte 
wird er von unterdiluvialem Yoldiathon überlagert und von einem 
!iuf Tertiär ruhenden, Blöcke führenden Diluvialgrande unterteuft 

Auch bei Schwetz konnten mehrere Geschiebemergelbänke 
^lüterschieden werden, deren unterste auf Tertiär liegt und von 
Thonmergel bedeckt wird. 

Die Thalstufen des Schwarzwasserthaies enthalten — insbe- 
sondere zwischen Bedienken - Mühle und Groddeck — gewaltige 
*^'ockanhäufungen, welche unter Benutzung einer Feldbahn 
•^"gebaut werden. Sie erscheinen zunächst als Auswaschungs- 
""^ckstand des in der dortigen Thalsohle grösstentheils zerstörten 
^duviums, dürften aber auch Beziehungen zu einer dort verlau- 
^**oden Endmoräne haben. 



LXXXIV 

Die Sandr der letzteren treteu stelleDweise, zumal bei Sarto- 
witz, biß hart au das Steilgehänge dos Weicliselthales heran. Ihre 
geschiebefflhrendeii Sande (Os) werden bei Sartowitz flächenhaft 
von geschiebefreieni Thoninergel uuterhigert, der zweifellos 
jungglacial ist, aber nach der bisherigen Bezeichnungsweise * als 
oberste Schicht des Unteren Diluviums darzustellen war. Ver- 
fasser möchte ihn als Absatz eines Stausees der Kückzugsperiode 
des letzten Inlandeises auffassen. Die Geschiebefiihrung der ihn 
bedeckenden Sande dürfte kein Hinderniss f))r diese Auffassung 
sein, sondern eher auf ein gesetzmässiges Verhältniss hindeuten, 
wie es entsteht, wenn Seenspiegel gesenkt und die bisher stein- 
armen Binnenseo-Böden von flacherem, zeitweise Eisschollen fah- 
rendem Wasser Oberflossen werden. 

Für die Verbreitung I nterglacialer Schichten ist er- 
wähnenswerth, dass das im vorigen Berichte ^) aus den Bohr- 
profilen des Graudenzer Wasserwerkes beschriebene Süsswasser- 
Interglacial im gleichen geologischen Horizonte neuerdings zu 
Stremotzin erbolirt wurde. Seine unterirdische Erstreckuu«: ist 
dadurch auf etwa 1300 Meter nachgewiesen. Näheres darüber 
berichten die Erläuterungen /u Blatt Graudenz und die denselben 
beigegebene Bohrprofil-Tafel. 

Im Alluvium wurden die aus den Nachbarblättern beschrie- 
beneu Verhältnisse wiedergefunden. Dünen treten hin imd 
wieder in Sandgebieteu der Platte, sowie (als »Obere Stufen- 
dünen«) an der Oberkante der Thalgehänge auf, wo sie z. B. im 
Jagen 17 der königlichen Oscher Forst an der Prallstelle des 
Schwarzwassers unterhalb der Laskowitz - Tucheier Eisenbahn, 
Scherben ans heidnischer Vorzeit überdecken. Etwas flächenhafter 
sind sie auf den Thalsanden entwickelt, und in Einzelhügeln, wie 
in langen, in der Längsrichtung des Weichseithaies angeordneten 
Kücken tauchen sie aus dem Schlick und Plusssand, dem Torf 
und Moormersrel der rechtsseitigen Weichselniedernnff auf. 

Neben Sand, Wieseulehm, Schlick, Moorerde und Torf ist 
im Alluvium auch Kalk recht verbreitet. Er findet sich als 

>; l)ioso> Jahrbuch f. 1898, S. CC. 



LXXXV 

Wipbcükalk im Untergrund zahlreicher Torflager der Höhe und 
Niederung, sowie als Moormergel unter weiten Wiesenflächen 
der Weichselniederung, wie an Gehängeböden der Höhe, wo er 
(z. B. bei Rehden) einen reichen Ackerboden liefert. 

J.KoRN: Ueber Aufnahmen auf den Blättern Massin, 
Hühenwalde und Költschen in den Jahren 1899 — 1900. 

Die Massiner Platte, von der ich in meinem früheren Be- 
richte*) schon gesprochen habe, zeigt dieselbe Ausbildung der 
Oberfläche wie die Liebenower und Zorndorfer Platte. Der 
Obere Geschiebemergel ist kuppenförmig entwickelt; die Senken 
zwischen den Kuppen, die oft einen thalähulichon Charakter an- 
»ehiucD, sind häufig vom Oberen Sande ausgofnllt. Abschnitts- 
profile zeigen sich nur am Sodrande der Platte. Die Dolgeubcrge 
fec ich jetzt als Aufschüttungen auf, da ich die beiden kleinen 
Jetzeii von Oberem Geschiebemergel , die zu der Auffassung als 
J^nrchragungen Veranlassung gegeben hatten, nicht mehr für 
«"chte Gnindmoräne halte. 

Was die Liebenower Platte anlangt, die noch einen Theil 
^^es Blattes Költschen und den grössten Theil des Blattes Hohen- 
^alde einnimmt — ein schmaler Streifen am N. -Rande dieses 
ö/attes wird vom Sandr eingenommen — , so beruht deren Höhen- 
f*nt Wickelung (bis 140,2 Meter, während der Sandr bei 50 bis 
60 Meter, das Warthethal bei 20 Meter Meereshöhe lie<]ren) anf 
dem Aufragen der märkischen Braunkohlenformation, die in ihrer 
hangenden und liegenden Abtheilung ausgebildet ist. Seit 1853 
i^eht hier ein (freilich unbedeutender) Braunkohlenbergbau um; 
Von den drei Flötzen der oberen Abtheilung und dem einen bisher 
bekannten der unteren wird nur das hängendste Flötz der oberen 
in einer Mächtigkeit von 1,5 — 2 Meter abgebaut. Die Flötze sind 
in Falten gelegt, die in der Richtung des Warthethalrandes auf 
dem Blatte, also etwa von WSW. — ONO. streichen; das nörd- 
liche Einfallen der Sättel, das sich bis zur Ueberkippung steigern 
kann, ist meist steiler als das südliche. Beruht das horstartige 

•) Dieses Jahrbuch f. 1898, S. CLXXXII. 



LXXXVI 

Aufragen des Tertiärs^ das eine absolute Höbe von über 130 Meter 
erreicht, wohl unzweifelhaft auf tektonischen Ursachen, so möchte 
ich doch fbr die Specialfaltung das Inlandeis als wirkenden 
Factor in Anspruch nehmen. Und zwar sehe ich als die wirk- 
same Kraft den Druck des Inlandeises au, das durch einseitige 
Belastung in die weichen Schichten einsinkend vor seinem Rande 
ein wallartiges Aufwölben mit steilerem, nördlichen Einfallen der 
Sättel bewirken muss. während Schubwirkuug gegen Hindemisse 
ein steileres, südliches {Einfallen der Sättel erzeugen müsste ^). 
Auf Blatt Hohenwalde findet sich ein schöner Aufschluss, der 
das Gesagte illustrirt, in der Thougrube am Fusse der Wurzel- 
berge nördlich vom Wege nach Christinenhof. Hier wird ein 
glacialer Bänderthou unmittelbar vom Oberen Geschiebemergel 
überlagert; der Bänderthou ist in nach N. überkippte, etwa O. — W. 
streichende Falten gelegt, die der Gesehiebemergel horizontal ab- 
schneidet. 

Das Diluvium ist auf der Höhe der Platte sehr wenig mächtig, 
oft ist das Tertiär nur von einem 5 — G Meter mächtigen Oberen 
Geschiebemergel überlagert und es fehlen alle anderen diluvialen 
Bildungen; an vereinzelten Stelleu tritt das Tertiär auch zu Tage. 
Sodlich von der höchsten Aufragung des Tertiärs wird das Dilu- 
vium immer mächtiger; in den eolossalen Abschnittsprofileu des 
zersägten Warthethalraudes ist oft der Untere Gesehiebemergel 
zu beobachten, der indess nicht als zusammenhängende Schicht, 
sondern nur in linsenförmigen Partien auftritt. 

Die Liebenower Platte zeigt eine vom Oberen Gesehiebe- 
mergel gebildete, kup})ig - wellige Oberfläche, in deren zuweilen 
thalartigen Senken, die ich als subglaciale Rinnen auflasse, häufig 
Oberer Sand abgelagert ist. Zwei von diesen Senken, von denen 
die eine durch Stennewitz und Liebenow hindurchzieht, die 
andere nordöstlich von Katzdorf durch die Ratzdorfer Haide 
nach Hohenwalde zu verläuft, durchziehen in der Richtung von 

*) Die schöne Beobachtung, die Wahnschaffe in der Zcitschr. d. Deatsch. 
geol. Ges. 1882, Bd. 34, S. 577, veröffentlicht hat, zeigt, in welcher Weise eine 
einseitig belastend«' Wirkung auf <Mn<Mi iiachp;iobi^»»n Untergrund in Krsohei- 
nun»< trilt. 



LXXXVII 

NW.- SO. die ganze Platte; der sie ausfiilleude Saud setzt sich 
aus den Rinneu der Hochfläche, in denen er noch vom Oberen 
Geschiebeniergel unterlagert wird, fort in die tief eingeschnittenen 
Seiteuthälchen des Warthethales, die vom Duhringshöfer Mühlen- 
fliess und dem Klingefliess durchflössen werden. Da die allu- 
vialen Kinnen dieser Thäler mit einem Absatz von mehreren 
Metern Höhe gegen die ebene Sandfläche des Thaies abschneiden, 
so möchte ich diesen Sand für diluvial halten. 

In dem Oberen Sande des Sandrs am nördlichen Rande von 
Blatt Ilohenwalde finden sich in der Gegend der Försterei Mar- 
witz häufig thonige und feinsandige Partien, die bei Zanzin 
j>ich zu grösseren Mergelsandflächen zusammenschliessen, die viel- 
fach noch auf Oberem (ieschiebemergel auflagern. Im NW. des 
Blattes Landsberg geht dieser Mergelsand in einen Bänderthon 
ober, der in dem die Liebenower Platte östlich begrenzenden 
Kladowthale zwischen Landsberg und Ilimmelstädt in mehreren 
Zieoreleien abgebaut wird. Es ist dieser Bänderthon das feinste 
"nd danim am weitesten verschwemmte Material der durch das 
Abschmelzen des Inlandeises, das an der Endmoräne nördlich 
davon noch festlag, erzeugten Aufbereitungsproducte. Mit dem 
Bänderthone des Kladowthales stelle ich völlig in Parallele den 
ßänderthon des Vietzethales, den ich ebenfalls für ein Erzeugniss 
der Al)schmelzung des letzten Inlandeises halte. 

Südlich von Zanzin liegt östlich vom Neuendorfer Wege an 
der Mündung einer südlich von Marwitz entspringenden, etwa 
4—5 Kilometer langen, heute trockenen Rinne, deren Boden 
keineswegs gleichsinniges Gefälle zeigt, ein Schuttkegel von typi- 
scher Form in einer Grösse von etwa 200 Morgen, der in die 
Eintiefung des Sandrs hineingeschüttet ist und auf die oben er- 
wähnten Mergelsande noch randlich übergreift. Ein alluviales 
Alter för dieses Gebilde anzunehmeü, erscheint nicht angängig. 
Erstens ist die Rinne vollständig trocken, dann spricht auch die 
Bescbaflfenheit des Sandes, aus dem der Schuttkegel aufgebaut ist, 
dagegen; es ist ein völlig reiner Sand ohne jede thonige oder 
lehmige Beimengung, die wohl sonst nicht fehlen würde, da die 
Wände der Rinne grösstenthoils aus Geschiebemergel bestehen. 



LXXXVIII 

Kiidlich zeigte der Bodeu der Rinuc ein wechselndes Gefälle, wie 
es subglacialen Rinnen häufig eigen zu sein pflegt. Ist aber der 
Schuttkegel diluvial, so war bei seiner Ausbildung, die nur in die 
Abschmelzperiode fallen könnte, das Inlandeis von den Theilen, 
die heute der Sandr dort erfüllt, schon zurtickge wichen. Ich bin 
darum der Ansicht, dass hier ein Argument vorliegt für das Fort- 
bestehen einer Eisbedeckung auf der Liebenower Platte, nachdem 
in dem tiefer liegenden Sandr das Eis bereits abgeschmolzen war. 

2 Kilometer südlich vom Dorfe Hohen walde liegt 400 Meter 
westlich vom Wege Hohenwalde-Liebenow dem Oberen Geschiebe- 
mergel aufgelagert eine völlig ebene Platte aus sehr feinkörnigem 
bis thonigem Sande, die 5 — (> Meter mächtig wird und nach allen 
Seiten (mit Ausnahme der NW.-Seite) ziemlich steil abfällt Ufer 
sind filr diese Ablagerung, die der petrographi sehen Beschaften- 
heit des Sandes nach zweifellos in einem Becken sich gebildet hat^ 
nicht vorhanden; man wird das Eis als ehemaliges Ufer voraus- 
setzen müssen, und ich stehe nicht an, das Gebilde mit dem aus 
Ostpreussen und sonst vielfach bekannten Deckthon in Parallele 
zu stellen. 

In Bezug auf krystalline Geschiebe sei erwähnt, dass ich diMu 
Oberen Gescliiebemergel bei Massin ein Basaltgeschiebe ent- 
nommen habe, das zweifellos aus Schonen stammt. Es ist das 
mit einem b(*i ürossen von mir aufgefundenen Basaltgeschiebe 
das östlichste bisher bekannte Vorkommen von vSchonenscheni 
Basalt. 

M. Schmidt: Unteroligocäu von Vardeilsen bei Ein- 
beck. 

Nordwestlich von dem Dorfe Vardeilsen (Blatt Dassel der 
Landesaufnahme) befindet sich an dem auf Avendshausen zu 
führenden Wege, 300 Meter vom Ausgange des Dorfes entfernt, 
seit lange ein Aufschluss in schiefrigem Thon des Unteren Lias, 
in dem SchJotheimia angulata ziemlich häufig vorgekommen ist. 
Es wurde hier früher für einen kleinen Ziegeleibetrieb Thon ge- 
wonnen. Jetzt findet auch noch ein Abbau in der Grube statt, 
aber auf tertiären F o r m s a n d , der der schiefen Abrasionsfläche 



LXXXIX 

des Thoues von N. her aufgelagert i«! und für die Alfelder Eisen- 
hfitteu gewonnen wird. 

Das Vorkommen liegt als flache Insel in dem Lösslehm des 
Thaies, ohne ihn wesentlich zu überragen. Die untere Hälfte der 
zur Zeit etwa 5 Meter mächtig aufgeschlossenen Schichten besteht 
aus losem, feinem Sand von gelblicher Farbe, der nach oben auf 
etwa Ya Meter in mürben Sandstein übergeht; die obere Hälfte 
des Aufschlusses zeigt mehr graugrünliche, verwittert bräunliche 
Farben. Dieser Farbenwechsel wird veranlasst durch Auftreten 
von Glaukonit und von dunkelgrauer thoniger Substanz, die den 
Schichten ein wenig mehr Festigkeit verleiht. Dieser beigemischte 
Thon ist nicht homogen vertheilt, sondern durchwirkt den Sand 
in feinen Flocken und Ballen, als ob ihn eine schwache Strömung 
bei der Ablagerung rollend bewegt hätte. Ausserdem sind der 
^^anzeo Ablagerung kleine gerollte Stückchen von wohl liassischeni 
Tbouschiefer eingestreut, der ja in der Eiubeck-Markoldeudorfer 
Mulde weit verbreitet ist. Das Tertiärvorkommen ist von dem 
schon erwähnten Lösslehm umhüllt, aber meistens von ihm durch 
eiue Geröllschicht geschieden, die in dieser ganzen Gegend sehr 
vielfach die Basis der Lössablagerungen bildet i). Das Material 
der Geröllmassen bildet hier Muschelkalk, der die nächstbeuach- 
barten Höhen fast ausschliesslich zusammensetzt. Die unmittelbar 
unter der Gerölldecke folgende Schicht des Formsandes ist, viel- 
leicht auf Kosten der kalkrcicheu Decke, in eine an Lösspuppen 
sehr reiche, hochprozentige Mergelschicht verwandelt. 

Der Formsand ist durchweg ziemlich fossilarm, und die 
Fossilien sind ausserordentlich mürbe, sodass es nicht wenig Mühe 
gekostet hat, die unten aufgeftUirte Fauna zum Theil durch vor- 
sichtiges Schlemmen, zum Theil durch Herausschneiden aus dem 
Anstehenden zu erhalten. Keine der beiden Methoden reichte 
aus, um sehr zarte Formen zu gewinnen, auf die ich also ver- 
zichten musste, und die iu dem Verzeichniss der Fauna fast gänz- 
lich fehlen. Aber auch von den übrigen Fossilien sind viele 
mangelhaft erhalten, viele liegen nur in Bruchstücken vor, sodass 

Emjcrsoit, Die Liasmuldo von Markoldendorf bui Einbeck, 1870 S. 7, Anm. 



xc 

die Bestimmuugen nicht säninitlich mit gleicher Sicherheit erfolgeu 
kounten. Indessen hat ein Theil derselben Herrn Geh. Kath 
V. KoENEN vorgelegen, der mir Gelegenheit gab, die Bestimmungen 
gelegentlich im Geologischen Institut der Universität Göttingen 
auszuflQhren. Es ist mir eine angenehme Pflicht, dem genannten 
Herrn fl\r diese Freundlichkeit meinen besten Dank auszusprechen. 

Fossilliste. 

Balanophyllia subcylindnca Phil. sp. 

Argiope multicostata BOSQÜ. 

Cistella, 

Terebratula gi^andia Blümenb. 

Terebratulina aspet'ula v. KOEN. 

» multistriata Dkr. var. 

Anomia asperella Phil. 
Pecten pictus Gdf. var. microta v. KOEN. 
Pecten bellicostatas S. WoOD. 
Spondylua, 
Perna^) sp. iud. 
Ijtma e.riniia GlEB. 

» fdrplanafa v. KoEK. 
Dimjia fragilü v. KoEN. 
NuculeUa lamellosa v. Koen. 
Liniopsis retifera v. Koen. 
Pectunculua lunulatus Nyst. 
Area decu'^safa Nyst. 

» incomposita v. Koen. 

» dactylns v. Koen. 

» lamellosa Desh. 
Nucula sulcifera v. Koen. 
Leda crispata v. KoEN. 
Chama monstrosa Phil. 
Cardium semilineatum v. KoEK. 
Crassatella seynirugosa v. KOEN. 

') Bisher Id norddeutsclioiu Unteroligocäu Doch nicht gefunden. 



XCI 

Astarte Boaqueti Nyst. 
Cardita tumida v. KoEN. 

» suborbicularis Sandb. 
Cytkerea porrecta v. KoEN. 
Syndoamya protensa v. KoEN. 
Corbula descendens v. Koen. 

» subaequioalvts v. Koen. 
Pholadomya alata V. KOEN. 
Murex fusiformü Nyst. 
Pleurotoma fusifoi'mis GlEB. 

» cf. Ewaldi V. Koen. 

Pseudotoma conifoi^mis v. KoEN. 
Raphitoma cf. ^r^c^a v. KoEN. 
Natica cf. hantoniensis Phil. 

» cf. achatensü Recluz. 
Cerithium cf. sajconicum v. Kokn. 

Xenophora petrophora v. Koen. 
Pleurotomaria Sismondai GoLDF. 
Margarita nitidüsima Phil. 
Turbo Cef. Bundemü v. Koen..^ 
Emarginvla cf. Nystiana BoSQU. 
Scutum (cf. turgidum v. KOEN. /) 
Calyptraea striatella Nyst. 
Tornatella aimulata Solander sp. 
Ringkula cf. aperta v. Koen. 
Dentalium acutum Hebert. 
Otolithua (Raniceps) latisulcalu^ Koken. 

» (Gadun) siniplex KoKEN. 

» » äff. elegana KoKEN. 

(Perddaruin) plebejus Koken. 
(Penstedion) sp. md^^. 



» 
» 



Vorstehende Liste würde sich beim Weiterführen des sehr 
mühsamen Sammeins zweifellos noch wesentlich vermeinen lassen, 
da jetzt schon von einer ganzen Reihe von ferneren Arten sich 



XCIl 

Spuren vorgefunden haben, die für eine auch nur annähernde Be- 
stimmung nicht ausreichten. Ferner habe ich auf die Einreihung 
einiger ganzen Thiergruppen, wie Echinodet^men^ Bryozoen^ Ostra- 
Coden und Foramimfereti ^ von denen immerhin einiges mit ge- 
funden wurde, vorläufig verzichtet. 

Der unteroligocäne Charakter der Fauna kann mit Rück- 
sicht auf mehrere leicht kenntliche und sehr bezeichnende Formen 
nicht zweifelhaft sein. Im Speciellen besteht eine augenscheinliche 
Verwandtschaft mit dem Vorkommen an der Brandhorst bei Bünde. 
Dieser Fundort zeichnet sich freilich vor dem von Vardeilsen 
durch viel grösseren Kcichthum an Organismenresten aus, deren 
vielfach zertrümmerte und auch wie abgeriebene Beschaffenheit 
den Gedanken an Strandbildung und Wellenthätigkeit nahegelegt 
hat. Doch ist, wie A. v. Koenen bemerkt^), das Vorkommen 
von recht frisch erhaltenen Exemplaren von Pleurotomaria 
fSiamondai GoLDF. dann darin immerhin auffallend. Man könnte 
daran denken, dass die zum Theil zertrümmerte und corrodirtc 
Beschaffenheit der Fossilien auf Rechnung der Gebisse und 
Verdauuugssäfte von Fischen zu setzen sei. Wenigstens ist 
nouerdinors durcli die Untorsuchunocen der biolon^ischen Station 
auf IleltToland die roecnte Hildun<r solcher trümnierreicher 
Ablagerungen, sogen. Muscholschilles, unter fischreichen Grün- 
den des Meeres festgestellt. Die von den Fischen herbei- 
gebrachten Bestandtheile können dann mit einer dem Meeres- 
l)oden eigenthümlichen Fauna in l)eliebiger Mischung abgelagert 
werden. 

Zu den auffallenderen Formen, die auch für die Hrandhorst 
l)ezeichnend sind, gehört grade die oben erwähnte Pleurotomaria 
Sismondai\ neben der vor allem noch die verirlcichsweise häufio^e 
Terebratuhi (/raftdis Blumenu. zu nennen ist. Sonst ist für Var- 
deilsen bezeichnend die Häufigkeit der zierlichen Diinya fragüu 
v. KoEN., die sich zu Hunderteu von Kxemplaren sammeln lässt. 
Üebertroffen wird sie an Häufigkeit nur durch die als var. 
mlcrota v. Koen, bekannte Form des IW-ten picfufi GoLDF. Die 

') Da^ Dorddeiitsche Untern ligocan und seine Mollusken fauna, S. 1430. 



XClIt 

in Vardeiisen vorkoinmendeu erwachsenen Exemplare der 
leicht kenntlichen Form zeigen regelmässig eine starke Ein- 
biegung des Randes der im Uelirigen flachen Muschel, durch 
die ohne wesentliche Vergrösseruug der Schalenfläche eine 
bedeutende Vergrösserung des Innenraumes der Schale erzielt 
wird. 

Wenn nun der neue Fundort Vardeiisen auch filr unsere 
Kenntniss der unteroligocänen Fauna in Norddeutschland neue 
Thatsachen kaum erbracht hat, so ist er för die Kunde von deren 
Verbreitung immerhin von einiger Bedeutung, da er ihre Grenze 
ober die bekannten Vorkommen von Helmstedt und der Brand- 
Qorst bei Bünde weit nach S. in das Leine - Wesergebiet 
''orschiebt, in eine Gegend, wo zunächst vorwiegend jQngere 
'ilieder der tertiären Schichten reihe, bis zum Oberoligocän 
'^inab bekannt geworden sind. Von Älteren Bildungen wäre 
^tii Solling nur das problematische Vorkommen von Rupel- 
^lon zu nennen, das Graul anführt i), ohne es durch ent- 
scheidende Fossilfunde belegen zu können. Die Richtigkeit der 
liestinimung wird aber durch den nunmehrigen Nachweis zweifel- 
losen, marinen Unteroligocäns in so naher Nachbarschaft wesent- 
lich wahrscheinlicher. 

Es ist nun in dieser Gegend noch an einer anderen Stelle, 
nur wenige Meilen von dem Fundpunkte Vardeiisen entfernt, 
^'benfalls marines Unteroligocän gefunden worden, das in dem be- 
treffenden Aufschlüsse sogar von fossilführendem Rupelthon über- 
lagert wird. Es wird über dasselbe etwa gleichzeitig mit dem 
Erscheinen vorliegender Notiz in dem Rahmen einer Arbeit be- 
richtet, die von einem grösseren Abschnitt dieser Gegend eine zu- 
sammenfassende Darstellung bietet. Drittens ist marines Unter- 
oligocän, wie ich von competenter Seite erfahren konnte, noch an 
einer Stelle festgestellt, die allerdings mehr als halbwegs nach 
Hannover zu gelegen ist. Eine nähere Mittheilung bleibt abzu- 
warten. 



J. Graul: Dio tertiären Ablagerungen des Sollings. Diss. Göttingen 
1885, S. 37. 



i} 



XCIV 



A. Denckm.vnn und H. Poix>N1E: Bericht ober eine in 
das Gomuierner (^uarzit-Gehiet ausgeführte gemeinsa^*^ 
Excursion. 

Die gemeinsame Begehung des Gommemer Quarzits bat^'^^ 
zunächst den Erfolg, dass der bei Pretzien an den Plötzkyer Bc? ^' 
gen gelegene Fundpunkt von Sphenopteridtum von Einem von u 
(Dexckmank) wiedergefunden wurde. Die an dieser Stelle v» 
uns niQhsani aufgesammelten, wenn auch nur spärlicheu Reste sin^ 
immerhin besser erhalten, als das seiner Zeit von Herrn Koc 
gefundene Restchou und irt'statten nunmehr die Feststellung, das^ ^ 
es sich nicht um das i^phefwpteridium düsectum des Culm haii^ 
delt. Die von Einem von uns (Potonie) schon früher an au-^ 
deren Stellen beobachteten »allochthonen S^i^wiflrna-Narbeu und ' 
Epidermal-(ie\vebe-Fetzen wurden in grösserer Häufigkeit get'im- 
den. Die ausserdem vorkommenden Stamm-Keste waren leider 
auch hier unbestimmbar. 

Eine weitere relativ günstige Fundstelle fiir die genaunteu 
Reste, namentlich iilr SphenopteHdium fanden wir in dem Stein- 
bruche auf. welcher südwi'stlicli des Dorfes Dauningkow liegt 

Das Muttoriresteiii iler Pflanzenreste ist ein den Quarzitbäuken 
einsrelatrerter, dnnkler. milder Granwacken - Schiefer bis Tlion- 
Schiefer, (hu^ auf den Schichten tlächen jrrosse, weisse? (Ilimnier- 
blättchen zeigt. 

Hei der ausserordentlichen Seltenheit bestimmbarer Pflan/.en- 
reste wird sich, wie sich nnnmehr immer mehr ergiebt, die Fest- 
stellung des Niveau's der Gonunerner (^uarzite mit Hülfe der 
Pflanzentbssilien kaum lösen lassen. Immerhin ist es bemerkens- 
werth, dass sich paläobotanisch die westlich von Magdeburg ge- 
legenen, als Culm erkannten Granwacken von dem Quarzit da- 
durch unterscheiden, dass im Westen das oben genannte Sphf- 
noptendiuni ganz fehlt, und dass andererseits in den (^uarzit-Stein- 
brttchen des Ostens die Cnlin-Pflanzeu der westlichen Vorkommen 
nicht beobachtet sind. 

In den am Gaigenfeldo hei Gommern gelegenen Steinbrüchen 
zeichnen sich manche conglomeratische Lagen des Quarzits in 



xcv 

besonders gut zu beobachtender Weise durch diejenige eigen- 
thömliche, löcherige Beschaffenheit des (losteins aus, welche zu 
den charakteristischst en Erscheinungen und zu den wich- 
tigsten Merkmalen des Wöstegarten-Quarzits im Kellerwalde und 
des Bnichberg-Quarzits im Oberharze gehört. Das aus der älteren 
Literatur bekannte Vorkommen der Hohldrücke von Crinoiden- 
stieleu im löcherigen Quarzite von Gommern wurde auch von uns 
an letztgenannter Stelle beobachtet. 

Berlin, den 26. April 1901. 



Gedächtnissrede 

Wilhelm Hancheoome 

lier Knthulluug seiner Büste 

iB d«r 

A«l« 4<« K«mi|rL l^f^^toirütkM Lu4Mustmlt ud Bergmkadeai« 

Fr. 



a;o K. ;•* X- . -^ \\ V :-.viX' H \l vHKA r.NE w.^rh/urufen, >o ver- 

x'.».:*.^ >•.... . . ..-: :;:.. Ii.-i.r rinrr l>*iikespflicht 7M 

.[.\\..^\'\\ ^'sii'. :. .\: . \l , .;• : .:.->ts Hj:.>- dir-sr* Aostalt R^' 
*;u^;..i;', ;iv,: :- ; - > i: JjihrY i.> :r^r.er fiir^orgender 

l o u <" * > i ; ;* ; ,• h ^-tr ^* s *. ^ * .- A " r: •. ,'1: * I*c r :> r ;; zrt .^t / 1 e n Atheni- 

^\aV*.1 :v:x V>.^' iA . M -. i- f> .:s>, sf:r^«i G^hilteo und Be- 
«;',U*i', •.,..' 10 -N>, . <> >* * . vf .:f: :^;Ofr. a;^: ie - wir bis dthio 
*v>^ , \N*. x/'X -''^ ^^' * " .'> ^> >^- ->»?- >ci::ü'?:a, das er ge- 
X*, ,' , : ,*5 *, ^ ;- o , \' '^ ^ " V • ■ \x ^' 1« . -i f -v r*i i r^"^. rev'ir: kia; uds mit 
.$<r \^5\\v> '/x \ ,' ^ ^, v: - ^.-s :«*.:r',-ifr » ije Grösse seiner 
V\iv<<v : -/ >>." :". X.; . vf- * : ^ r Ttj^...fi Bf w\:s<5-tse:D. 

\, ,' > / X,- ,/. ;■ * . » - : > *, J3«i i^hCfcs^Cf- — Die uu- 



xcvn 

haben die klaffende Lücke verscbliessen gemacht. Die lindernde 
Thätigkeit der Zeit hat den Schmerz um den Heimgang des ge- 
liebten Führers gestillt, aber um so reiner und klarer, um so 
freier von allem kleinen Beiwerk tritt uns der bleibende, un- 
sterbliche Theil seiner Persönlichkeit verklärt vor die Seele. 

Freunde und Schüler des Verewigten haben sich vereinigt, 
als dauerndes Zeichen ihrer Liebe und Verehrung das Abbild 
seiner äusseren Erscheinung an der Stätte seiner Lebensarbeit zu 
errichten. 

Das soll uns Anlass sein, uns seines Werdens und inneren 
Wesens zu erinnern, nicht nur, um auszusprechen, was Alles wir 
ihm verdanken, sondern auch um aus der Betrachtung seines vor- 
bildlichen Lebens und Wirkens eine Stärkung eigenen Strebens 
und Arbeiteus zu empfangen. 

Heinrich Lambert Wilhelm Haughecorne, geb. zu Aachen 
am 13. August 1824 als zweiter Sohn des Steuerraths Wilhelm 
Hauchboorne und seiner Ehefrau Amalie Angelica geb. 
Dautzbnberg entstammt einer französischen Refugies-Familie, die 
zu Anfang des 18. Jahrhunderts nach Berlin kam. Sein Gross- 
^ater Friedrigh Wilhelm HaüChegorne war erster Prediger an 
der Friedrichstädtischen Kirche in Berlin, zugleich Professor der 
Mathematik und Director eines Erziehungsinstitutes. 

Mit drei Schwestern — zwei Brüder starben im zarten Kindes- 
*lter — wuchs Wilhelm Haughecorne im Elternhause zu Aachen 
heran, absolvirte hier das Gymnasium und folgte der frühzeitig 
erwachten Neigung zur Beschäftigung mit der Natur und seinen 
auf praktische Bethätigung zielenden Anlagen, indem er im Spät- 
herbst 1847 als Bergwerks - Beflissener beim Oberbergamt Bonn 
eintrat. 

Nach zurückgelegtem praktischen Probejahr studirte er auf 
der Universität Berlin und der Bergakademie Freiberg. Am 
nachhaltigsten dürfte in Berlin Christian Samuel Weiss auf 
den in Sonderheit fbr die mineralogischen Wissenschaften empfäng- 
lichen Jüngling gewirkt haben. Auch Gustav Rose und sein 
späterer Amtsgenosse Ernst Beyrigh gehörten damals zu seinen 
Lfebrem und Freunden. — Nach 6^/3Jähriger Lehrzeit, ein halbes 

Jakrboeb 1900. g 



JLCVUl 

Jabr vor Ablauf der reglemeotsmiasigeo Ausbüdongsfirist, bitte 
er den Mini&ten ihn zum Referendariats-EIxamen zuzulassen an< 
das Oberbergamt befürwortet i»eioe Bitte mit den Worteo: »Nac 
den Personalakten und Zeugnissen des Hacchboorns, so wie Bse 
unserer eigenen Kenntniss können wir ihm nur ein durchau 
gutes Lob ertheilen. Er ist recht strebsam und ist ihm ein gute 
Talent sehr zuzutrauen«. Die zu dieser Prüfung eingereicht 
geognostiscfae Arbeit über die Grube St. Josephsberg in der Rheii 
provinz bezeichnet VON Dechbn als »sehr gelungen und würdig i 
der Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft abgedrucl 
zu werden«, während gleichzeitig die Veröffentlichung der »vc 
vorzüglichen Kenntnissen und praktischem Blick des Examinandc 
zeugenden technischen Arbeit« in der Zeitschrift des Berg 
Hütten- und Salinen -Wesens im Preussischen Staate befitrworf 
wird. 

Liest man das ausführliche Prüfungs-Protokoll, so erken 
man daraus sofort die besondere Befähigung Hauchbcornb's ; 
den mineralogischen und geologischen Disciplinen. — Das best 
Prädicat ertheilt ihm NögGERath in der Mineralogie, wo er siel 
über die Modiiicationen der Krystallform des Rothgiltigerz voi 
den verschiedenen Fuudorteu desselben verbreitet. 

In Folge seiner trefflichen Prüfuugsarbeiten, die sich sämmt- 
lich auf die St. Josephs-Kupfergrube am Firneberg bei Rhein- 
breitbach bezogen, erhält er sogleich nach bestandenem Examei 
den Antrag, die fernere Leitung dieses gewerkschaftlichen Be 
triebes zu übernehineu , was er um so freudiger ergreift, als ihn 
damit das Glück des eigenen häuslichen Herdes erblüht. Ar 
19. Juli 1855 vennälilte er sich mit Henriette Alwine Althanj 
der Tochter des Geh. Bergraths Carl Ludwig Althaks, d( 
Leiters der Sayuer Hütte. 

In jener Zeit des gewerkschaftlichen Dienstes hat Hauchi 
COKNE seine Zukunft wohl in der Praxis des Bergbaus gesehe 
denn am (>. Januar 1856 wurde er auf seinen eigenen Antn 
aus dem Staatsdienst entlassen. 

Al)er schon am 9. August 1858 nimmt ihn der Minister a 
seine vom Rheinischen Oberbergamt warm empfohlene Bitte l 



XCIX 

wieder in den StaatsdieDst auf und überträgt ihm am 1. November 
1858 die Stelle eines Berggeschworenen im Revier Mayen. Hier 
scbeidet er nach etwa zweijähriger Thätigkeit aus, wird ein Jahr 
laog behufs Vorbereitung zur zweiten Prüfung beim Collegium 
des Oberbergamts Bonn beschäftigt, wird 18S2 zum Bergassessor 
eroaont, am 1 1 . Februar des folgenden Jahres mit der Bearbeitung 
der Handelsabtheilung der Bergwerksdirectiou Saarbrücken be- 
auAragt und am 1. Januar 1865 zum Berginspector ernannt. 

In all' dieser Zeit bleibt er seinen naturwissenschaftlichen 
Interessen treu und in steter Fühlung mit einem unter von Db- 
CBSn's Leitung stehenden Kreise von Männern, die die Geognosie 
der Rheinprovinz pflegen. Andererseits erweitert sich seine ge- 
schäftliche Gewandtheit durch die mit zahlreichen Reisen ver- 
bundene Saarbrücker Thätigkeit. 

Da erfolgt der nachhaltigste und ftkr die weitere Lebens- 
gestaltung Hauchegornb's entscheidende Eingriff, indem Ober- 
berghauptmann Krug von Nidda den jungen Berginspector zur 
Ministerialabtheilung für das Berg-, Hütten- und Salinen -Wesen 
einberuft, um daselbst die Redaction der Zeitschrift für Berg-, 
Hütten- und Salinen- Wesen sowie die Stellvertretung des er- 
krankten Bergrath Lottnbr in dem Amte als Lehrer an der 
Bergakademie zu übernehmen. So tritt er, Anfangs zwar zaghaft, 
aber gestützt durch das Vertrauen seiner Vorgesetzten, ausge- 
rüstet mit reichen Kenntnissen, eiserner Arbeitskraft und starkem 
Pflichtgefühl mit Beginn des Jahres 1866 in den Kreis seiner 
amtlichen Thätigkeit, dem er bis zu seinem Tode, 34 Jahre 
lang, mit ebensoviel Hingebung, Treue wie Erfolg angehört hat. 
Nach dem im Frühjahr 1866 erfolgten Ableben Lottner's 
wird er am 22. September desselben Jahres zum Director der 
Bergakademie ernannt. — Die nächsten Jahre verfliesseu in an- 
gestrengter aber stiller Thätigkeit, aus der ihn die Unruhen des 
deutsch-ft'anzösischen Krieges plötzlich herausreissen , indem der 
Civil-Kommissar VON KOhlwetter im Elsass den Handelsminister 
Grafen Itzbnplitz telegraphisch ersucht, den Bergrath Hauche- 
OORNB sofort zu seiner Assistenz nach Hagenau zu schicken. Am 
nächsten Tage reist HauohboORNE ab, bleibt aber nur kurze Zeit 



in Hagenau, geht vielmehr zur Civil- Verwaltung nach Strassburg, 
wo er die Kaiserliche Tahaks-Manufactur in vortrefflicher Weise 
leitet und hier wie in so vielen anderen Fällen seine Fähigkeit 
bekundet, sich rasch in den verschiedenartigsten Aufgaben, die 
ihm das Leben stellt, zurechtzufinden. — Aber damit ist seine 
Thätigkeit bei der durch den Krieg geschaffenen Situation nicht 
erschöpft. Am 31. März 1871 wird er vom Bundeskanzler zum 
Mitgliede der im Präliminar-Friedens vertrage vorgesehenen inter- 
nationalen Commission zur Feststellung der neuen Deutschen 
Reichsgrenze und zur Theilung des Vermögens der von der 
Grenze durchschnittenen Gemeindeverbände ernannt. Maassge- 
bend für diese Wahl ist seine Vertrautheit mit der französischen 
Sprache, die er voa Jugend auf beherrscht, seine Kenntniss der 
französischen Verwaltung und sein vielfach erprobtes praktisches 
Geschick. Wenn er nun auch den Abschluss dieser Arbeiten 
nicht abwartet, vielmehr nach einiger Zeit auf die Nothwendigkeit 
seiner Anwesenheit in Berlin zur Leitung der noch jungen Berg- 
akademie und der eben in's Leben tretenden geologischen Landes- 
anstalt mit Erfolg hinweist, so nimmt er doch noch Theil an der 
Grenzregulirung, welche zwischen der Luxemburgischen Grenze 
und der Mosel nach dem Stande der damaligen Kenntnisse den 
Haupttheil der gewaltigen Eiseuerzlagerstätten jenes Gebietes für 
Deutschland sichern wollte. Die Verleihung des eisernen Kreuzes 
am weissen Baude bekundete auch äusserlich die Anerkennung, 
die seine Wirksamkeit während des Krieges gefunden hatte. 
Hauchecorne's Verdienste um diese auf die Stärkung der natio- 
nalen Industrie zielende Arbeit bleiben ungeschmälert auch gegen- 
über den neuerdings von einem französischen Chauvinisten unter- 
nommeneu Versuch, den durch und durch national - deutsch 
erzogenen und gesonnenen Mann um seines Namens willen als 
einen französischen Renegaten zu denunciren. 

In das Ende der 60er und den Beginn der 70er Jahre fallt 
die wichtigste und erfolgreichste Lebensthätigkeit HaüCHECORNE's, 
die Organisation der Geologischen Landesanstalt. Hatte Ernst 
Beyrich in jahrelanger mühevoller geologischer Aufnahme thätigkeit 
erst in Niederschlesien, dann am Sodharz und in Thüringen die 



Ol 

Ueberzeugung gewonnen, daes die Untersuchung und Kartirung 
^<^8 Landes erst in dem grossen Maassstabe 1 : 25 000 die Mög- 
lichkeit der Darstellung einer wissenschaftlich befriedigenden Glie- 
derung der Geologischen Formationen, ihrer Verbreitung und 
ihres Baues verbürge, so war es Haughrcorne's klarem Verstände 
einleuchtend, wieviel mit einer solchen detailirten Aufnahme auch 
ftr die Culturzwecke des Landes, för Bergbau, Forst- und Land- 
^rtbschaft und fbr alle auf Bodennutzung angewiesenen Gewerbe 
und öffentlichen Arbeiten gewonnen war. Mit der Bearbeitung 
«er Geschäfte der geologischen Landesaufnahme in der Ministerial- 
>ei]gwerksabtheilung betraut, gelingt es ihm in Gemeinschaft mit 
^ETRiGH den damaligen Oberberghauptmann Krug von Nidda 
OD dem ungleich höheren wissenschaftlichen Werthe und der Ver- 
reodbarkeit der von Bbtrich im Maassstabe 1 : 25000 auf- 
eoommenen Probeblätter der Umgegend von Ilfeld am Harz zu 
berzeugen, so dass der Handelsminister Graf Itzenplitz in dem 
«riass vom 12. Dezember 1866 sich damit einverstanden erklärt, 
ass ibr die herauszugehende Karte der Maassstab 1:25000 ge- 
wählt wird. — Damit ist die Grundlage ftlr die moderne geolo- 
ische Landesaufnahme geschaffen. — Meine Freunde, es ist heute 
chwer zu schildern, welch' freudige Genugthuung, welche 
i^rmuthigung die beiden ausgezeichneten, weit vorausschauenden 
Männer, die so lange in segensreicher Einmüthigkeit neben und 
Q^iteinander trotz ihrer grossen Charakter- Verschiedenheit ohne 
Ambition, jeder nach seinem Können und seinen Gaben, nur der 
gemeinsamen grossen Aufgabe dienend gearbeitet haben, in 
jenem Augenblick empfunden haben. — Freilich, sie wussten 
^^^ nicht, dass sie damit ein Werk begannen, das bald vor- 
Mldlich fQr fast alle deutschen Staaten und über die Grenzen 
Deutschlands hinaus für alle Culturvölker wurde, ein Werk, das 
^it einem Schlage die bisher mustergiltigen älteren geologischen 
Kartiruugsarbeiten Oesterreich-Ungarns, Englands, Frankreichs 
8'eghaft überholte. — Und wie trefflich hatte unser HaüChe- 
C<^E den Beginn der grossen Arbeit vorbereitet. Am 9. und 
10. Mitrz 1867 hatte er die namhaftesten an der Sache inter- 
pssirten norddeutsche^ Geologen — ich nenne nur Ferdinand 



CII 

Römer, Heinrich Credner, von Seebach, Dunker, Schmid, 
Julius Ewald, Eck, Laspetres u. A. versammelt, um mit ihnen 
den Plan der Arbeit, die Methode der Untersuchung und Dar- 
stellung zu besprechen, die GrundzQge der Farbengebung und der 
Form der künftigen Veröffentlichung festzulegen. — Weise ver- 
einigte er alle Kräfte, die bisher in einzelnen Landestheilen der 
geologischen Forschung und Kartirung obgelegen, ohne doch unter 
einander Fühlung und Zusammenhang gehabt zu haben, zu einer 
einheitlichen Organisation. VON Dechen's Erfahrung und 
Arbeitskraft wurde nutzbar gemacht, indem er die specielle Lei- 
tung der Arbeiten in Rheinland und Nassau übernahm, die viel- 
fältigen Arbeiten E. E. Schmidts, Liebe^s, Richtbr^s, Emme- 
rich's, von Fritsch's und von Seebach's kamen der grossen 
Arbeit zu Gute, nachdem es Haüchecorne gelungen war, die 
Thüringischen Staaten zum Abschluss eines Vertrages zu veran- 
lassen, der die Durchführung der geologischen Aufnahme dieser 
Bundesstaaten und die Veröffentlichung der Ergebnisse dieser 
Arbeiten in die Hände der Preussiscben Geologischen Landes- 
anstalt legte. — Um trotz der Geringfügigkeit des anfänglichen 
Personalbestandes der am 1. Januar 1873 in's Leben getretenen 
Anstalt möglichst viel zu leisten, verstand es HaüCHECORNE, die 
Mehrzahl der Professoren der Geologie an den Preussiscben 
Hochschulen als Mitarbeiter zu gewinnen. Damit schuf er dem 
jungen Unternehmen einen festen Rückhalt in den Kreisen der 
bewährten Facbgeuossen und lenkte deren Arbeiten vielfach in 
die zum Endziel führenden Bahnen. — Dieser Ausbau durch 
freie Angliederung zahlreicher Fachgenossen, die dem jungen 
Unternehmen als Helfer, Mitarbeiter und Freunde zur Seite 
traten, und mit denen HaüCHECORNE fruchttragende freundliche 
Beziehungen gerne pflegte, ist in gleichem Maasse seiner persön- 
lichen Liebenswürdigkeit wie seiner geschäftlichen Gewandtheit 
zu verdanken. 

Daneben wurde aber der Ausbau einer inneren, straffen Or- 
ganisation keineswegs vernachlässigt. Die Verfassung der Anstalt, 
welche auf Grund allerhöchster Ordre am 6. März 1875 durch den 
Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten Dr. Achen- 



cm 

Bach id dem Statut vom 8. April 1875 geregelt wurde, ist im 
besten Sinne Haugheoornr's eigenstes Werk. — Mag die fort- 
^hreitende Vergrösserung der Aufgaben und die erfreuliche Ver- 
mehrung des Personals auch das unabweisbare Bedürfniss gezeitigt 
iiaben, dieses Statut auszubauen und zu erweitem, so wird doch 
Jeder mit den Verhältnissen näher Vertraute dieses in nur 4 Para- 
Srapbeo gefhgte Statut als ein HAUGHECORNS^sches Meisterwerk, 
als ein dauerndes Zeugniss seines organisatorischen Talents, seines 
klaren Geistes bewundem müssen, als ein Werk, das voraussicht- 
lich noch auf viele Jahrzehnte hinaus das Fundament und die 
Pfeiler aller erweiterten Organisation bilden wird. 

Die organische, beiden Theilen zum Nutzen gereichende 
AT^erbindnng der Geologischen Landesanstalt mit der Bergakademie, 
<3ie Vereinigung bis dahin getrennter und die Neuschaffung grosser 
Seol<^scb- mineralogischer und technischer Sammlungen zu einem 
Sluseum, die Uebernahme und Erweiterung der Ministerial-Berg- 
'^rerksbibliotbek und endlich die Schöpfung eines durch Zweck- 
Kiiässigkeit und Schönheit gleich ausgezeichneten, für die damalige 
Zeit eine Fülle von Raum bietenden Dienstgebäudes fQr die ver- 
einigten Anstalten, zu denen später auch noch die chemisch-tech- 
nische Versuchsanstalt trat, sind Thaten Hauchbcorne's, die die 
Zeit nicht vergessen machen wird. — 

Schon bald nach ihrer definitiven Constituirung, im Sommer 
1873 nahm Haochecorne eine neue, grosse und umfangreiche 
Au%abe der Landesaufnahme in Angriff, die geologisch -agro- 
nomische Untersuchung und Kartirung des Norddeutschen Flach- 
landes. In 4 auf die Jahre 1873 bis 1878 sich vertheilenden 
Conferenzen wurden unter Zuziehung sachverständiger Vertreter 
der Land- und Forstwirthschaft die auf dem Gebiete der Boden- 
erforschung liegenden Bedürfnisse dieser Gewerbe festgestellt, die 
Methode der Kartirung erörtert und versuchsweise ausgeführte 
Karten der Kritik der Sachverständigen unterworfen. 

Wer meint, dass der unermüdliche Mann nach dieser organi- 
satorischen Thätigkeit weiterhin ruhige Jahre genossen habe, der 
irrt. — Zwar vollzieht sich sein äusserer Lebensgang weiterhin 
verbältnissmässig still, aber um so thätiger finden wir ihn beim 



civ 

ioDeren Ausbau, der B'^ortentwickelung und Festigung seiner 
Schöpfungen. 

Eine Reihe grosser, geognostischex Sammlungen, die er 
erwirbt, bilden den Grundstock zum heutigen Geologischen Landes- 
museum, für dessen Ausgestaltung er sich dauernd bemQht. Fast 
jedes neue Stuck geht durch seine Hand und mit rührender Freude 
und bewunderungswürdigem Verstandniss sehen wir ihn an stillen 
Sonntagen sich in diese stummen Schätze vertiefen. Ein ganz 
besonders freudiges Interesse und ein weitgehendes Verstandniss 
zeigt er stets für die Mineralien. Seine eigene bedeutende 
Sammlung hat er der im Anbeginn noch ziemlich bescheidenen 
Mineralien-Sammlung einverleibt, um so bald als möglich deren 
öffentliche Ausstellung zu ermöglichen. 

Besonderes Interesse und viele Mühe sehen wir Haüchecornb 
verwenden, um über die verschiedenen Verfahren graphischer 
Kunst sich bis in^s Einzelne zu unterrichten. Der ihm eigenen 
Gründlichkeit entspricht es, dass er in jenen Jahren häufig die 
mit der Herstellung der «geologischen Karten und sonstigen bild- 
lichen Darstellungen der wissenschaftlichen Veröffentlichungen 
betrauten lithographischen Anstalten besucht, dort eigenhändig die 
Farben mischt und sich über die Wirkung und Vorzüge der 
Farbencombiuationen und der verschiedenen graphischen Verfahren 
belehrt. So entwickelt sich auf diesem Gebiete bei ihm eine 
freilich seltene Urtheilsfahigkeit, die im Zusammenhange mit 
seinem echt künstlerischen feinen Geschmack und Empfinden in 
der internationalen geologischen Farbeuskala der Formationen, die 
Hauchecorne's Werk ist, ihre schönste Frucht gezeitigt hat. 

Obwohl Hauchecorne sich entsprechend der ihm eigenen 
weisen Beschränkung auf die eigentlichen Aufgaben seines Amtes 
niemals an geologischen Kartirungsarbeiten im Gelände betheiligt 
hat, erwarb er sich doch eine ungewöhnliche, man kann sagen, oft 
verblüffende Fähigkeit der Beurtheilung geologischer Karten und 
Profile. Er sah und bezeichnete in einer ihm vorgelegten geolo- 
gischen Karte schnell die Stelleu, wo zu viel Construction, wo 
etwa unzulängliche Darstellung und Beobachtung, wo Unklarheit 
über Lagerung und Tektonik bestand. 



cv 

Hatte Betrich seine Aufgabe in der thunlichst vollendeten 
Aufklämng der stratigraphischen und tektonischen Verhältnisse 
einer Landschaft erblickt, so suchte Hauchecornb die treue Sorg- 
falt und Mühe des Geologen zu entlohnen, indem er mit Hülfe 
seiner vortrefflichen Kenntnisse graphischer Darstellungskunst bei 
der Drucklegung jeder Beobachtung des Aufnehmenden in thun- 
lichst klarer, und schöner Weise zum Ausdruck zu verhelfen 
suchte. — Er hat lange Jahre hindurch jeden Probe- und Correctur- 
Andruck eines geologischen Blattes persönlich durchgeprüft und 
gemustert. Kein Wunder, dass unter solchen Verhältnissen manches 
Nachbarland sich bezüglich des Kartendruckes an Preusseu an- 
t^hloss, an den hier gemachten Erfahrungen lernte und sie ver- 
'^erthend die Methode weiter entwickelte. 

Kein Wunder aber auch, dass damit die Aufmerksamkeit der 
ausländischen Fachgenossen rege wurde und dass das Vertrauen 
^ur Tüchtigkeit deutscher Wissenschaft und Technik, deutschen 
^leisses und Geschickes in der UebertraguDg der Ausführung 
^iner geologischen Karte von Europa im Maassstabe 1 : 1500000 
^iirch den internationalen üeologen-Congress zu Bologna an 
ftAUGHECORNB und Beyrich seinen schönen Ausdruck fand. In 
*der Lösung dieser Aufgabe, der sich Hauchecorne Anfangs mit 
^em ihm eigenen Eifer und ganzer Hingebung widmete, hat er 
sich ein zwiefaches, bleibendes Verdienst erworben. Seiu Vorschlag 
i^r die anzuwendenden Formationsfarben ist ein ästethisches 
Kunstwerk, das sich im Laufe der Jahre nicht nur (dr die geo- 
logische Karte von Europa bewährt hat, das vielmehr insofern 
von bleibender, allgemeiner Bedeutung geworden ist, als viele 
Länder auch für ihre eigenen Karten nunmehr diese Farben 
anwenden, und damit das Lesen dieser Karten ausserordentlich 
erleichtern. — Liegt diese Leistung Hauchecorne 's mehr auf 
künstlerischem Gebiet, so ist die zweite eine Wirkung seines 
organisatorischen Talentes. Indem er die Aufbringung der 
auf schätzungsweise 100000 Mark sich belaufeuden Kosten der 
Herstellung dieser Karte nicht auf schwer zu erlangende, besondere 
Beitragsleistungen der einzelnen Staaten, sondern lediglich auf die 
Bedingung des Abonnements auf eine Anzahl der in Lieferungen 



CVI 

erscheiDenden und dementsprechend ratenweise zu bezahlenden 
Karten basirte, brachte er thatsächlich eine allgemeine und aus- 
nahmslose Betheiligung der Europäischen Staaten zu Stande und 
ermöglichte damit ein Werk, das, wie wir hoffen, der Wissen- 
schaft zum Nutzen, der ausführenden preussischen geologischen 
Landesanstalt zur Ehre, der deutschen graphischen Kunst zur 
Zierde und dem Namen Hauchegorne^s zum Ruhme gereichen 
wird. 

Das erste Blatt dieser Karte, das Ergebniss zahlreicher Ver- 
suche, konnte Hauchecx)RNE auf dem III. internationalen 6eo- 
logen-Congress zu Berlin, dessen Generalsecretär er war, im 
Jahre 1885 vorlagen. Man sagt nicht zu viel, wenn man be- 
hauptet, dass der schöne Erfolg dieser internationalen Vereinigung 
in erster Linie Hauchecorne^s Verdienst war. Seine unvergleich- 
liche Geschicklichkeit bekundete sich damals bei der Vorbereitung 
einer grossen Ausstellung geologischer Karten und Versteinerungen, 
bei der Vorbereitung der Sitzungen und Ausfldge, seine Gewandt- 
heit bei der Leitung der französisch geführten Verhandlungen über 
die Grundlagen der Formations-Eintheilung und ihre Benennung, 
seine persönliche Liebenswürdigkeit in der bezaubernden Form 
seiner geselligen Talente, sein unermüdlicher Fleiss in der Re- 
daction und Herausgabe eines umfangreichen Bandes der Congress- 
Berichte. 

Wenn unser verstorbener Freund gelegentlich launig äusserte: 
»Ein echter Bergmann muss Alles können, was ihm aufgetragen 
wird«, so hatte das Scherzwort seine Wahrheit in der Anwendung 
auf ihn selbst. 

Wahrlich, mannigfaltig waren die Aufgaben, die das Leben 
ihm stellte und die er löste! 

War auch seine Mitarbeit an der Redaction der Zeitschrift 
ftir das Berg-, Hütten- und Salinen-Wesen im Preussischen Staate, 
die er gleich bei seiner Uebersiedlung nach Berlin hatte über- 
nehmen müssen und als deren Frucht er eine Reihe von Jahren 
hindurch die Berichte über Versuche und Verbesserungen im 
fiscalischen^ Bergwerksbetriebe veröffentlichte , allmählich zurück- 
gedrängt vv|orden durch die zuuehmende Last der Vorlesungen 



cvu 

über Bergbau- und SaliDenkuude an der Bergakademie, durch die 
stetig zunehmende Verwaltungsarbeit bei der Leitung der ver- 
einigten Anstalten, durch den Vorsitz in der Commission für die 
Bergreferendariats-Prüfung, so blieb er doch von gelegentlichen 
groÄsen Nebenaufgaben nicht verschont. — In der Schlagwetter- 
Commission war er nicht nur Mitglied, sondern Verfasser eines 
Theiles der Referate. — Als im Jahre 1890 Seine Majestät der 
Kaiser eine internationale Conferenz zur Erörterung des Schutzes 
gewerblicher Arbeiter nach Berlin zusammenrief, wurde Haughe- 
^RNE zum Bevollmächtigten und Leiter der Verhandlungen 
Ernannt. 

Ganz besonders aber hat sein Interesse, aber auch seine Zeit 
^od Kraft die Theilnahme an den Verhandlungen der vom Minister 
4^ Handel und Gewerbe im Jahre 1894 zusammengerufenen so- 
^nannten »Silber - Commission« in Anspruch genommen. — In 
derselben legte er eine werthvolle und sorgsame kritische Arbeit 
Aber die damalige Lage der Edelmetallgewinnung der Erde vor, 
die in den Verhandlungen gedruckt ist und Zeugniss von der 
umfassenden Orientirung und dem gewissenhaften Fleisse des Ver- 
fasserb ablegt. 

Ferner war Haugheoorne Mitglied des Central-Directoriums 
der Vermessungen und des Ausschusses zur Abwehr der Ge- 
fahren in den besonders vom Hochwasser bedrohten Landes- 
theilen. 

Es entsprach ebenso Hauchbcorne^s hingebender Art wie 
seiner Begeisterung flQr die Wissenschaft, wenn er neben diesen 
zahlreichen amtlichen Aufgaben, sich auch noch der Erfüllung 
freiwillig übernommener Arbeiten widmete, die seiner Ueber- 
zeugung nach ein nobile officium seines Berufes und Amtes 
waren. 

So trat er am 6. Juni 1868 von Beyrich, Rose und 
Ewald vorgeschlagen der Deutschen Geologischen Gesellschaft 
bei, benutzte jede sich ihm bietende Gelegenheit, ihm zugehende 
interessante Mineralfunde und Nachrichten über neue geologische 
Aufschlüsse, in Sonderheit solche durch Tief bohrungen in Deutsch- 
land erzielte, mitzutheilen, und bekleidete lange Zeit hindurch eia 



cvm 

Vorstandsamt. Schon am 7. November 1866 wurde er an Stelle 
des verstorbenen Bergrath Lottner zum Cassirer, später zum 
Schriftführer, dann zum stellvertretenden Vorsitzenden und schliess- 
lich zum ersten Vorsitzenden erwählt. Als solcher hat er sich 
trotz der ihm obliegenden schweren Arbeitslast mit Hingebung 
und Aufopfierung den Aufgaben der Gesellschaft gewidmet. 

Auf seinem arbeitsreichen Lebensweg hat es dem tief be- 
scheidenen Manne an äusserer Anerkennung nicht gefehlt. Die 
begeisterte Verehrung und Liebe seiner Untergebenen hat ihn, 
wie er dankbar empfand, getragen. Ich wQsste keinen unter 
seinen Beamten, dem es nicht eine Freude gewesen wäre, dem 
verehrten Manne eine Arbeitslast erleichtern oder abnehmen 
zu können . . das war freilich nur zu selten der Fall! . . 

Nachdem er am 29. September 1876 zum Geh. Bergrath er- 
nannt, ihm auch am 16. März 1881 der Rang der Käthe dritter 
Classe verliehen worden, ehrte ihn die philosophische Facultät der 
Universität Heidelberg gelegentlich der Feier ihres 500jährigen 
Bestehens durch die Verleihung des Doctorgrades honoris causa. 
Am 1. Juni 1891 ernannte ihn Seine Majestät zum Geh. Ober- 
horgrath mit dem Range der Käthe zweiter Classe. 

Am 9. Juli 1896 verlor Hauchkcorne seineu getreuen Mit- 
arbeiter Ernst Beyrich, den Mitbegründer der Geologischen 
Laudesanstalt, nachdem dieser in den letzten Jahren bereits mehr 
und mehr durch die Last des Alters gebeugt von den Geschäften 
sich zurückgezogen hatte. — Man konnte es verstehen, wenn 
Hauchecorne sich nicht mehr entschliessen konnte, an die durch 
Beyrich's Tod verwaiste Stelle einen neuen Helfer zu berufen. 
So übernahm er die grosse Last der Leitung beider Anstalten 
allein und ist ihr trotz seiner bewunderungswürdigen körperlichen 
und geistigen Spannkraft leider nur zu früh erlegen. — So schloss 
der Lebensgang eines hochbegabten Mannes, dessen Wirken in 
der mannigfaltigsten Weise segensreich geworden ist nicht nur 
für eine ixrosse Zahl anhäufflioher Schüler und die stattliche Reihe 
der seiner Leitung unterstellten Beamten, sondern vor allem für 
die Weiterbildung und Entwickelung der Culturaufgaben, deren 
Lösung den von ihm geleiteten Schwesteraustalten anvertraut ist. 



Wollen wir aber, meine Freunde, Haüchecorne's Thätigkeit 
Dach ibrom wahren Werth würdigen und schätzen, so müssen wir 
vor allem seine Persönlichkeit in^s Auge fassen, denn die mensch- 
liche Seite seines edlen Charakters ist untrennbar verknüptt mit 
seinem Wirken im Amte. 

Schlichtheit, Einfachheit und ein hohes Maass von Be- 
scheideuheit gaben seinem Auftreten in der Oeffentlichkeit, wie 
im privaten Kreise etwHS aussergewölinlich Sympathisches. Dazu 
gesellte sich eine Vornehmheit der Gesinnung, die ihn von vorn- 
herein von jedem seiner Mitmenschen und namentlich seiner Be- 
amten und Mitarbeiter immer nur das Beste annehmen Hess. Wie 
oft hat er seiner Freude darüber Ausdruck gegeben, dass durch 
d^n grossen Kreis seiner Beamten ein gemeinsamer idealer Zug 
oindurchgehe und dass jeder an seinem Platze sein Bestes zu ge- 
l^n sich bestrebe! — Wenn er hohe Anforderungen an seine 
Untergebenen stellte, btets sind sie weit übertroffen worden von 
denen, die er an sich selbst, an seine Arbeit, seine Gründlichkeit, 
^eine Geduld machte. 

Betrachten wir Hauchecorne als akademischen Lehrer, so 
wird mir jeder, der wie ich zu seinen Füssen gesessen hat, be- 
stätigen, dass es nicht glänzende Beredsamkeit, nicht die Pro- 
duction speculativer Ideen war^ was uns sein Wesen und seinen 
Vortrag so anziehend machte, aber die Wärme und Ueberzeugungs- 
treue, der ausserordentliche Eifer und der tiefe Frnst, die ihn 
ständig beseelten. Und dazu kam eine eigene väterliche Art, 
sich den Studirenden gegenüber zu geben, sie bei Einrichtung 
ihres Studiums zu berathen und das zur grössten Nachsicht 
neigende Wohlwollen selb^it in den Prüfungen, sobald nur irgend 
erkennbar war, dass ßerufsfroudigkeit und Ernst in dem Schüler 
lebten. 

So manchen von Ihnen wird in der Erinnerung sein, wie er 
es bei festlichen Gelegenheiten studentischer Art meisterlich ver- 
stand durch die Wärme seiner Rede die jungen Berufsgenossen 
zu begeistern und wie sein Auge leuchtete, wenn er dann seiner 
eigenen Jugend gedachte. Zwei Dinge waren os dann meist, 
die er den jungen Freimden als das Fundament, als die Quelle 



künftigen erspriesslichen Wirkens und Erfolges hinstellte, die 
ganze freudige Hingabe an deu idealen Bergmannsberuf und 
treue aufopfernde Vaterlandsliebe. 

Als Zeuge und Helfer bei den grossen Thaten, die zur natio- 
nalen Wiedergeburt Deutschlands f&hrteQy war er ein begeisterter 
Verehrer unseres ersten grossen Kanzlers, ein schwärmeriscber 
Bewunderer des greisen Heldenkaisers. — Als das National' 
denkmal für diesen enthüllt wurde, verschm&hte er es, auf eioec^ 
Tribünenplatz der Feier beizuwohnen. Es trieb ihn unwidei 
Stehlich im Zuge der zahlreichen Vereine, die dem Gedächtni^^ 
des alten Kaisers huldigten, mitzugehen, leb meine ihn doc^^ 
leibhaftig vor mir zu sehen, wie er entblössten Hauptes a^^ 
Standbild vorüberzog, indess ihm Thränen über Bart und WaDg^ ^ 
rannen. 

Ja, dass Verstand und Herz, Geist und Gemüth in ihm ^^ 
einem harmonischen Ganzen gefügt war, das trat besonders K ^ 
demjenigen Theile seiner Persönlichkeit, die man seine Künstle ^ 
natur nennen kann , in die Erscheinung. Zwar hat er wobl S ^ 
seinen höheren Lebensjahren die Musik nicht mehr selbst au 
geübt, aber ein tiefes Verständniss und herzliche Freude an i 
sich bewahrt. In der Beurtheilung der Malerei und aller &^' 
Zeugnisse graphischer Künste war er geradezu ein Meister. Auc^'' 
die innige und wahre Freude, die ihm aus der Betrachtung d^^ 
Natur in ihren wechselvoUeu Erscheinungsformen erwuchs, eD^'' 
sprang diesem Zuge seines Wesens. 

Ob es die Farbenpracht der Mineralien und die Gesetz^ 
ihrer Formen, ob es die Mannigfaltigkeit der Tracht der aus aller 
Herren Länder gesammelten Farne, ob es das stiumuingsvoUe 
Bild einer märkischen Landschaft oder der Zauber deutscheu 
Hochwaldes war, der ihn ergriflP, — immer hatte er die Neigung 
und das Geschick, seine Mitmenschen an seiner Freude, seinem 
Genuss theiluehmeu zu lassen, ihrem Auge und Verständniss das 
nahe zu bringen, was ihn selbst erfreut hatte. So erklärt es sich, 
dass er einer der thätigsten Förderer der Gesellschaft für volks- 
thümliche Naturkunde wurde. 

Und doch, die schönste Seite seiner vielseitigen Natur haben 



sieber nur die voll erfassen und würdigeu könneD, die ihm im 
Lebeo die nächsten und theuersten waren, seine Gattin, seine 
Kinder und Enkel. Sein Haus war sein Stolz, seine Zuflucht aus 
Arbeit und Sorge, sein Heiligthum, in dem er höchstes Glück 
empfing und gab. 

Wenn der Verstorbene nun ausruht von seiner Arbeit, wenn 

er uns nicht mehr leitet mit treuer Fürsorge und erfahrenem 

Walten, so ist er doch unser geblieben. Sein Name wird 

fernerhin in dankbarer Liebe und Verehrung von allen, die ihm 

nahe treten durften, genannt werden. 

Aber sein Geist, der Geist der Menschenliebe, der Pflicht- 
erftllung und Treue, der lebe und walte fürderhin in diesem 
Hause, das er gebaut und bis zum letzten Atemzuge ge- 
leitet bat. 

Im Namen aber aller seiner Schüler, Freunde und Mit^ 
arbeiter, die geholfen haben, dies Bild zum bleibenden Gedäcbtniss 
an Wilhelm Hauchboornb zu errichten, weihe ich seinem An- 
denken den Lorbeer unvergänglichen Ruhmes! 

(Redner legt einen Kranz an der Büste nieder.) 

Und so übergebe ich dies Denkmal im Auftrag seiner Stifter 
der Geologischen Landesanstalt und Bergakademie in Besitz 
und Pflege. 

Ich weiss, sie wird es hüten und in £hren halten! 



oxn 



Verzeiclmiss der Schriften und Vorträge. 



1863. üeber die Ermittelang der yerhältnissinftssigeii Bergwerksabgabe in Bel- 
gien. Zeitschr. f. Bergrecht, Bd. 4, 1863, S. 390. 

1866. Als Mitglied der Deatschen geologischen Gesellschaft beigetreten, Yor- 
geschlagec darch die Herren Bbyiuch, 0. Rose und Ewald am 6. Jani 
186G. Zeitsohr. d. Deutsch, geol. Ges. 1866, S. 384. 

1867. An die Stelle des verstorbenen Archivars Lottnkk wurde Herr Hauche- 
coRNB am 7. November 1 866 zum Archivar gewählt Zeitschr. d. DeatAch. 
geol. Ges. 1867, S. 6. 

1867. üeber krystallisirte Hüttenproducte, Kupfererze and Robalterce vom 
Kaukasus. P.^) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1867, S. 11. 

1868. Pseudomorphosen von Weissbleierz nach Schwerspath. P. Zeitschr. d. 
Deutsch, geol. Ges. 1868, S. 461. 

1868. Ein Modell von Stassfurt P. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1868, S. 467. 
1868. Steinsalzkrjstalle von Stassfurt. P. Zeitschr. d. Deutsch, geol. G«s. 1868, 

S. 659. 
1868. Geognostische Karte von Deutschland. P. Zeitschr. d. Deutsch, geol. 

Ges. 1868, S. 747. 
1868. Versuche und Verbesserungen bei dem Berg wer ksbetriebe in Preussen 

während der Jahre 1863 - 1867, I. Theil. Zeitschr. f. d. Berg-, Hütten- 

u. Salinen -Wesen im preuss. Staate 1868, S 307. 

1868. Mittlieilungen aus dem Laboratorium der Königl. Bergakademie zu Berlin. 
I. Die Eisenerze von Elbingerode. Zeitschr. f. d. Berg-, Hütten- u. Sa- 
linen-Wesen im preuss. Staate 18()8, S. 198. 

1869. Die Königliche Bergakademie zu Berlin. Zeitschr. f. d. Berg-, Hütten- 
u. Salinen -Wesen im preuss. Staate 1869, S. 53 

1869. Versuche und Verbesst^rungen bei dem Bergwerksbetriebe während der 
Jahre 1803-1867. IL Theil. Zeitschr. f d. Berg, Hütten- u. Salinen- 
Wesen im preuss. Staate 18G9, S. 57. 

1870. üeber bituminösen Schiefer ans dem Roth liegenden bei Neurode. P. 
Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1870, S. 182. 

1870. Meyn, üeber das anstehende Gebirge bei Staade und Lieth in Holstein. P. 
Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1870, S. 459. 

1871. Kohlen von Moskau. P. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1871, S. 470. 

1872. üeber Phosphoritknollen vom Samländer Strande. P. Zeitschr. d. Deut>ch. 
geol. Ges. 1872, S. 175. 

1872. üeber die geologische Landesuntersuchung in Preussen. P. Zeitschr. d. 

Deutsch, geol. Ges. 1872, S. 795. 
1874. üeber diluviale Vorkommnisse bei Magdeburg. P. Zeitschr. d. Deutsch. 

geol. Ges. 1874, S. 612. 
1874. üeber einen Amethyst von Obf^rstein. Zeitschr. d. Deutsch, geol Ges. 

1874, S. 613. 

') P. = Protokoll. 



cxni 

1875. Vom Rath's ErinnerangSRchrift an HesseDberg. P. Zeitschr. d. Deatsch. 

jjeol. Ge^. 1875, S. 230. 
1375. Die kohlenführenden Bildungen in der Provinz Schonen und aaf der 

Insel Bornholm. Zeitschr f. d. Berg-, Hütten- u. Salinen -Wesen im 

preuss. Staate 1875, S. 72. 
1*^76. Ueber die Bohrlöcher bei Cammin und bei Lieth. P. Zeitschr. d. 

Deutsch, geol. Ges. 1876, S. 423. 
IS76. Ueber das Bohrloch bei Gammin. P. Zeitschr. d. Deutsch, geol. G^s. 

1876, S. 775. 
1877. Ueber Bohrlöcher bei Dobrilugk und bei Purmallen. P. Zeitschr. d. 

Deutsch, geol. Ges. 1877, S. 425. 
1877. Ueber die geognostische Karte der Umgegend von Berlin. P. Zeitschr. 

d. Deutsch, geol. Ges. 1877, S. 638. 

1877. Ueber gediegen Kupfer aus der Grube Calumet and Hecla-mine in 
Keweenaw-County im Staate Michigan. P. Zeitschr d. Deutsch, geol. 
Ges. 1877, S. 846. 

1^77. Neue Aufschlüsse bei dem Steinkohlenbecken an der Worm bei Aachen. P. 
Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1877, S. 846. 

1878. Ueber die Bohrungen am Priorflies und zu Gross-Ströbitz bei Gottbus. P. 
Zeitechr. d. Deatsch. geol. Ges. 1878, S. 682. 

1^79. Ueber Bleierze ans dem Bautsandsteia von St. Avold in Deutseh- Lothrin- 
gen. P. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1879, S. 20y. 

'•^^9. Ueber die zu Gross-Ströbitz erbohrten Kreidemergel. P. Zeitschr. d. 
Deutsch, geol. Ges. 1879, S. 215 u. 221. 

1879. Ueber ein neues Vorkommen von Steinsalz und Kainit zu Stassfurt. P. 
Zeitschr. d Deutsch geol. Ges. 1879, S. 635. 

1879. Ueber einen Bohrkem aus dem Bohrloch bei Cottbus. P. Zeitschr. d. 
Deutsch, geol. Ges. 1879, S. 79i). 

1879. Fiskkxbb's Analyse des Eisens von Bitburg bei Trier. P. Zeitschr. d. 
Deutsch, geol. Ges. 1879, S. 635. 

1880. Ueber einen kupfernen Trinkbecher. P. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 
1880, S. 216. 

'^ Gedenkrede am Tage der Feier des hundertjährigen Geburtstages von 

Chb. S Wbiss. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1880, S. XXII. 
^^1. Modell eines Bohrers. P. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1881, S. 174. 
1^81. Ueber die im Congress zu Bologna zur Sprache kommenden Fragen. P. 

Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1881, S 515. 
1^81. Ueber den internationalen Geologen-Congress in Bologna. P. Zeitschr.« 

d. Deutsch geol. Ges. 1881, S. 699 u. 712. 
l'^^l. Die Gründung und Organisation der Köuigl. Geologischen Landesanstalt 

für den preu>sischen Staat. Jahib. d. Königl. Geolog. Landesanst. u. 

Bergakademie zu Berlin f. d. Jahr 1880. Berlin 1881. 
1^1. Ueber schlagende Wetter in Stein kohlen^ruben und Beseitigung der 

schidlichen Wirkungen derselben unter Anwendung von Elektricitat. 

Vortrag, gehalten im Elektrotechn. Verein am 24. Mai 1881. Elektrotechn. 

Zeitschr. 1881, S. 270. 

JalU>baeh 1900, h 



CXIV 

1882. üeber Kohlen yod Rjäsan and Tnla. P. Zeitschr. d. Deatsch. geol. Ges 

1882, S. 201. 
1882. Belgische geologieehe Landesanstalt. P. Zeitschr. d. Deotsch. geol. Gee 

1882, S. 656. 
1882. Vorlage der topographischen Grundlage zur eorop&ischen geologischei 

Karte. P. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1882, S. 656. 

1882. üeber die Versammlang französischer Geologen in Foix. P. Zeitschr 
d. Deutsch. Reol. Ges. 1882, S. 814. 

1883. Ueber Anemometer. P. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1883, S. 632. 

1884. üeber Kupfererze von der Walfisch* Bay. P. Zeitschr. d. Deatsch. geol 
Ges. 1884, S. 668. 

1884. Lepidotus aus der Wealdenkohle von Obemkirohen. P. Zeitschr. d 
Deutsch, geol. Ges. 1S84, S. 887. 

1885. Vorlage des IV. Bandes des Jahrbuchs der Geolog. Landesanstalt. P 
Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1885, S. 217. 

1885. Demonstration von mittels Flusss&ure herauspriparirteo Versteinerungen. P 

Zeitschr. d. Deutsch, geol. Gres. 1885, S. 217. 
1885. Torf von Lauenburg. P. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Gee. 1885, S. 549 
1887. Ueber Schwerspath als Absatz in Brunnenröhren der Grabe »Güte dei 

Herrn«. P. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1887, S. 224. 
1887. Ueber einen scheinbar vegetabilischen Binschluss in Ghaloedon. P 

Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1887, S. 224. 

1887. Ueber einen yermeint liehen Petroleumfund bei Striegau. P. Zeitschr. d 
Deutsch, geol. Ges. 1887, S. 511. 

1888. Vorlage des ersten Aueschnittes aus der geologischen Karte von Europa 
P. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1888, S. 373. 

1888. Compte rendu de la 3^"" session da congres g^ologique internationale 
Berlin 1888. 

1893. Ueber angeblicho Steinkoblenfunde in der Eifel. P. Zeitschr. d. Deutsch 
geol. Ges. 1893, S. 327. 

1894. Carte geologique inti mationale de TEurope. Berlin, Reimer, 1894. 
1894. Die gegenwärtige Lage der Edelmetallgewinn ang der Erde. Bericht dei 

Silber-Commission. 1894. 

1896. Ueber die Entdeckung von Kohlenlagern am Nyassa. P. Zeitschr. d 
Deutsch, geol. Ges. 1896, S. 990. 

1897. Nekrolog auf Bkyrich. Jahrb. d. Königl. Geol. Landesanst. u. Berg 
akademie zu Berlin für 1896. Berlin 1897. 

1898. Begrüssungsrede an die allgemeine Versammlung der Deutschen geolo 
gischen Gesellschaft. F. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1898, S. 43. 

1899. Schwefel in Brauneisensteindrusen von Bobrownik bei Tarnowitz. F 
Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1899, S. 26. 



Personal -Verhältnisse 

bei der Königl. Prenss. geologischen Landesanstalt 
und Bergakademie am 1. December 1900. 



Curatorlum. 

y. Vblsbn, Ober-Berghauptmaiin. 
K. Sghiobissbr, Geheimer Bergrath. 

Direction. 

K. SCHMBISSBR, Geheimer Bergrath, Erster Director der Ge- 
sammtanstalt. 

A. Geologische Landesanstali 

Landesgeologen. 

!• G. Brrendt, Dr. phil. , Geheimer Bergrath, ausserordentl. 
Professor an der Universität, mit der Leitung der Flach- 
landsau&ahmen beauftragt. (Beurlaubt). 

2. H. LoRBTZ, Dr. phil. 

3- F. Wahnschaffe, Dr. phil., Professor, Privatdocent an der 
Universit&t, zugleich Lehrer der allgemeinen Geologie 
an der Bergakademie, in Vertretung des Geh. Bergraths 
Prof. Dr. Berbndt mit der Leitung der Flachlandsauf- 
nahme beauftragt. 

*• E. Dathb, Dr. phil. 

'*■ K. Keilhack, Dr. phil., zugleich beauftragt mit Vorträgen 
über Anleitung zu geologischen Beobachtungen und 
Quellen- und Grundwasserkuude an der Bergakademie. 

^' M. Koch, Dr. phil., Professor, zugleich beauftragt mit Vor- 
trägen über Petrographie und mikroskopische Physiogra- 
phie der Mineralien an der Bergakademie. 



CXVI 

7. H. ScHROBDVR, Dr. pbil., Redacteur des Jahrbuchs, mit 

Leitung der geologischen Landessammlung beauftragt 

8. A. Jbntssoh, Dr. phil., Professor. 

9. R. Klbbs, Dr. phil , Professor in Königsberg i. Pr. 

10. B. ZuniBRMANN, Dr. phil. 

11. A. Lbppla, Dr. phil. 

Bezirksgeologen. 

1. L. BbüSHAUSBN, Dr. phil., Professor, zugleich beauftrag) 

Vorträgen und Uebuugen über Palaeontologie an 
Bergakademie. 

2. 6. MOller, Dr. phil. 

3. H. POTONii, Dr. phil., Professor, zugleich beauftragt 

Vorträgen über Pflanzenversteinerungskunde an der I 
akademie. 

4. A. Dbngkmann, Dr. phil. 

5. C. Gaobl, Dr. phil. 

6. O. Zbisb, Dr. phil. 

Hülfsgeologen. 

1. B. Kühn, Dr. phil. 

2. P. Krusch, Dr. phil. 
.3. R. Michael, Dr. phil. 

4. L. Schulte, Dr. pliil. 

5. F. Kaünhowen, Dr. phil. 

6. E. Kaiser, Dr. phil., zugleich beauftragt mit Vorträgen 

petrographische Lehrgegeustäude au der Bergakadeiiii 

7. M. Schmidt, Dr. phil. 

8. G. Maas, Dr. phil. 

9. J. Korn, Dr. phil. 

10. P. G. Krause, Dr. phil. 

11. W. WOLFF, Dr. phil. 

12. A. Klaützsch, Dr. phil. 

13. H. MoNKE, Dr. phil. 

14. W. Weissermel, Dr. phil. 

15. O. VON Linstow, Dr. phil. 



CXVII 

16, W. KoERT, Dr. phil. 

17, 0. TiRTZE, Dr. phil 
IS. H. LoTZ, Dr. phil. 

19. VV. WüNSTORF, Dr. phil. 

20. H. Stille, Dr. phU. . 

21. L. Siegert, Dr. phil. 

Nicht angestellte Mitarbeiter. 
1 . K. VON Fritsch, Dr phil.. Geheimer Regieruugsrath, ordentl. 

Professor ao der Universität in Halle a. S. 
2- A. VON Koenen, Dr. phil., (leheimer Bergrath, ordentl. Pro- 
fessor au der Universität in Göttingen. 
3. E. Katser, Dr. phil., ordentl. Professor an der Universität 

in Marburg. 
4^- H. Grüner, Dr. phil., Professor an der Land wirthschafUichen 

Hochschule in Berlin. 
^- H. BGCKING, Dr. phil., ordentl. Professor an der Universität 

in Strassburg i. E. 
^>- E. Holzapfel, Dr. phil., Professor an der technischen Hoch- 
schule in Aachen. 
^- W. Frantzen, Bergrath in Meiningen. 
^- E VON Seyfried, Dr. phil.. Major a. D. in Strassburg i. E. 

Laboratorium für Gesteins- und Mineralanalyse. 
'• V'oreteher: 11. Finkener, Dr. phil., Geheimer Bergrath, Pro- 
fessor, Lehrer der Chemie an der Bergakademie. 
Chemiker: K. KlüsS, Dr. phil. 



2. 



^' A. Lindner, Dr. phil. 



i 



1 



H. WöLBLiNG, Dr. phil. 



H. Winter, Dr. phil. 



Laboratorium für Bodeuanalyse. 

Vorsteher: R. Gans, Dr. phil. 
• Chemiker: C. Radau, Dr. phil. 



^ SCHÜCHT. 

*• Böhm, Dr. phil. 



GXYin 

Zeichnerbfireaa fflr die FlachlaDdsaofnahme. 

1. Bureau Vorsteher: Th. Wölfer, Dr. phil., Kultartechniker. 

2. Zieichner: J. Nowak, Hülfszeichner. 

3. P. Geyer, » 

4. F. Sänge, » 

5. A. Tessmar, » , Hauptmann a. D. 

6. A. Lehmann, » 

Zeichnerbüreau fOr die Gebirgslandsaufnahme. 

1 . BOreau Vorsteher : C. Boenecke, Secret&r, Verwalter des Karten- 

archivs. 

2. Zeichner: J. Vetter, Hfll&zeichner. 

3. G. Hoffmann, » 

4. G. Linke, » 

5. C. Koch, » 

Zeichn.erbüreau für wissenschaftliche 
Veröffentlichung CD. 

1. E. Ohmann, etatsmässiger Zeichner. 

2. W. PöTZ I, » 

3. M. PöTZ II, » » 



B. Bergakademie. 

Ordentliche Lehrer. 

1 . R. FiNKENER, Dr. phil.. Geheimer Bergrath, Professor, s. o. 

2. H. Wedding, Dr. phil., Professor, Geheimer Bergrath, Lehrer 

der Eisenhüttenkunde, Eisenprohirkunst und Entwerfen 
von Eisenhüttenanlagen. 

3. A. Hörmann, Professor, Lehrer der Mechanik, der Maschinen- 

lehre und der metallurgischen Technologie. 

4. A. Schneider, Professor, Lehrer der Markscheide- und Mess- 

kunst. 



5. F. Bbtschlag, Dr. phil., Professor, Lehrer der Geognosie 
uud Lagerstättenlehre, mit der Leitung der Gebirgs- 
landsaufiiahme bei der geologischen Landesanstalt beauf- 
tragt. 
6. G. Franks, Professor, Lehrer der Bergbau-, Salinen- und 
Aufbereitungskunde. 

7- R. ScHBiBK, Dr. phiL, Professor, Lehrer der Mineralogie, 

zugleich betheiligt bei den geologischen Aufnahmearbeiten 
in Thüringen. 

8- O. PüFAHL, Dr. phil., Professor, Lehrer der Allgemeinen und 

Metall-Hüttenkunde, Allgemeinen und Löthrohr-Probir- 
kunst, chemischen Technologie und technischen Gasanalyse. 
^' A. Knbsbr, Dr. phil., Professor, Lehrer der höheren Mathe- 
matik. 



10. 
II. 



Ausserordentliche Lehrer. 

A. EsKENB, Geheimer Oberbergrath , Lehrer des Bergrechts. 
Post, Dr. phil.. Geheimer Oberregierungsrath, Professor, be- 
auftragt mit Vorträgen über Wohlfahrtspflege. 

'^- Haselow, Oberberg- und Baurath, Lehrer der Bauconstruc- 
tionslehre. 

^3- F. Wahnscbaffb, Dr. phil, Professor, s. o. 

^^- Ü. Keilhack, Dr. phil., s. o. 

'^- L. Beushauben, Dr. phil., Professor, s. o. 

'"• M. Koch, Dr. phil., Professor, s. o. 

^^- H. P0TON16, Dr. phil., Professor, s. o. 

^^- E. Kaiser, Dr. phil., s. o. 

^^' G. Brelow, Regierungsrath , Lehrer der darstellenden Geo- 
metrie, des Zeichnens und Coustruirens. 

20- ZiCKERMANN, Dr. phil., Lehrer der Electrotechnik. 

2^- BisCHOFF, Dr. med., Stabsarzt, beauftragt mit Vorträgen 
über Gesundheitsgefahren im Bergbau und Hüttenwesen 
und die erste Hülfe bei Unfällen. 

Ausserdem hielt Vorträge: 
Th. Fischer, Dr. phil., Chemiker über Experimentalchemie. 



Mineralogisches Institut. 

1. Vorsteher: R. Scheibe, Dr. phil., Professor. 

2. O. Schneider, Bergreferendar. 

Uebungslaboratorium der Studierenden. 

1. Vorsteher: R. Finkener, Dr. phil., Professor, s. o. 

2. Assistenten: Th. Fischer, Dr. phil., s. o. 

3. H. Wölbung, Dr. phil. 

4. H. Winter, Dr. phil. 

Allgemeines Probirlaboratorium. 

1. Vorsteher: Pufahl, Dr. phil., Professor, s. o. 

2. Chemiker: Krdg, Assistent 

Eisen probirlaboratorium. 

1. Vorsteher: H. Wedding, Dr. phil.. Geh. Bergrath, s. c 
'i. Chemiker: Krdo, s. o. 

C. Chemisch -technische Versuchsanstalt. 

1. Direktor: R. FiNKENER, Dr. phil., Professor, s. o. 

2. Chemiker: Rothe, Professor, Stellvertreter des Directt 

3. Th. Fischer, Dr. phil., s. o. 

4. C. ViRCHOW, Dr. phil. 

5. R. Wache, Dr. phil. 
(). A. Franz. 

7. F. Soenderop, Dr. phil. 

8. L. Gerngross, Dr. pliil. 

Der Gesammtanstalt f2:e ineinsam: 

Bibliothek. 

Bibliothekar: O. Eberdt, Dr. phil. 

Casse. 

R. Wernicke, Rechnuugsrath, Secretär und Rendant. 



OXXI 



Verwaltung. 

I. W. BoTTMER, Secretär und Registrator. 

'l Ä. KiBGKBDSCH, Secretär und Calculator. 

3. Ä. Dbbes, Bergdiätar, beschäftigt in der Registratur. 

Kanzlei. 

1. W. Bbrglbik, Kaüzlist. 

2. P. Bandte, Kanzleigehülfe. 

3. Hetdbn, Kanzleigehülfe. 

Unterbeamte. 

^' Beyer, Castellan. 

'^' £hrinG8HAU8EN, Hauswart. 

3- Hesse, Heizer. 

^* BoFFMANN, Kassendiener. 

^* Schreiber, BQreaudiener. 

^- Wehling, Laboratoriumsdiener. 

^* Schneider, Laboratoriumsdiener. 

8- Siebert, Bibliotheksdiener. 

8- Rademacher, Wächter. 

^0. RöTHE, HOl&diener. 

^^- Wünsche, Hülfsdiener. 

^2. Wolter, Hülfsdiener. 

^^' Krbtschmann, Hülfsdiener. 

^*- Ebsling, Hülfsdiener. 

^^* Menzel., Modellmeister. 



n. 



Abhandlungeo 



VOD 



Mitarbeitern 
der Königlichen geologischen Landesanstalt 



Zup Altersfrage der N. — S.- Störungen in der 

Kjpeide von Lüneburg. 

Von Herrn Gottfried MOIIer in Berlin. 



Der lebhafte Aufschwung, den die auf die Kreidekalke bei 
^^^Deburg begründete Industrie in den letzten Jahren genommen, 
^t naturgemäss auch ein rascheres Vorschreiten der dortigen Auf- 
^olftsse als bisher erzielt. In Folge dessen konnten die Schichten- 
^■ge und die Lagerungsverhältnisse in letzter Zeit besser unter- 
geht werden, als dies früher der Fall war. Ich habe drei Jahre 
^^tidurch die Aufschlüsse bei Lüneburg besuchen und in jedem 
^^^^as Neues beobachten können. So günstig dies rasche Fort- 
schreiten für das Verständniss der geologischen Verhältnisse von 
*^tineburg ist, so ist jedoch damit auch ein Uebelstand verknüpft, 
^^ss nämlich nach verhältnissmässig kurzer Zeit bemerkenswerthe 
Profile nicht mehr zu beobachten sind. So sind z. B. die Zech- 
steinrauchwacken und Aschen fast ganz weggeräumt, und der im 
V oijahr in diesem Jahrbuch beschriebene Aufschluss im Oberen 
Muschelkalk nur noch mangelhaft vorhanden. Aus diesem Grunde 
"*^lt ich es für augebracht, ein fllr die Altersfrage der N. — S.-Stö- 
^*'^gen wichtiges Profil an dieser Stelle mitzutheilen, damit der 
^^^^ oder andere Fachgenosse vielleicht Veranlassung nimmt, das- 
selbe sich anzusehen, ehe es verschwunden. 

Wie ich in dem Bericht über die wissenschaftlichen Ergebnisse 
^^Qer Aufnahmen auf Blatt I-iOneburg im Sommer 1898 ^) hervor- 



'^ Dieses Jahrbuch für 1S98, S. CKXXIX. 

''^rboeh 1900. 



2 GoTTPRiKD MOllbr, 2ur Altersfrags der N.— S.-Störangeii 

gehoben habe, zeigt sich jeder grössere Aufschluss von Störungen 
durchsetzt. Wohl am gestörtesteu ist der PiEPER'sche Kalkbruch, 
welcher westlich der Stadt und unmittelbar südlich von der neuen 
Irrenheilanstalt liegt. Dass die Lagerungsverhältnisse im Pibpbr'- 
schen Kalkbruch nicht normal entwickelt sind, geht schon aus 
dem Umstand hervor, dass während am Zeltberg das Cenoman ca. 
HO Meter mächtig, im PiEPER'schen Bruch nur 30 Meter Thon- 
mergel und mergelige Kalke vom steil aufgerichteten Gypskeuper 
bis zum rothen Labiatus - Pläner vorbanden sind. Es fehlen hier 
auch die Steinmergelbänke des Gypskeupers, an denen nach Dames^) 
die Transgression des Kreidemecres haltgemacht hat, die sonst bei 
Lüneburg sowohl an der Basis wie auch an der oberen Grenze 
des mittleren Keupers entwickelt sind, in dem PlEPBR^schen Auf- 
schluss jedoch bis auf einige dünne Bänkchen fehlen. 

Die bis jetzt erschlossenen Schichten gehören ausser dem Ce- 
noman dem Labiatus- bis Scaphiten- Pläner an. Versteinerungen 
sind verhältnissmässig selten. Ausser dem häufigen Inoceramus 
labiatus sind noch /. orbiculaiis und /. Brogniarti gefunden. Diese 
Seltenheit an Fossilien ist mit darauf zurückzuführen, dass die 
Kreideschichten ausserordentlich stark zerrüttet sind. Streichende 
Verwerfungen (SW. — NO.) allein haben jedoch nicht diese starke 
Zerrüttung hervorgerufen, die für den Abbau zwar ausserordentlich 
günstig, für die Beobachtung der Schichtenfolge und der Lagerungs- 
verhältnisse jedoch sehr hinderlich ist, so dass man die Verwer- 
fungen selbst nicht in ihrer ganzen Erscheinung studiren kanu. 
Dieses trifft im gewissen Sinne auch auf die Störungen zu, die seit 
Herbst 1899 beim Vorrücken des PiEPER'schen Kalkbruches nach 
\V. sichtbar geworden sind. Auch diese Dislocationen würden 
kaum in's Auge gefallen sein, wenn nicht ein neues Moment hinzu- 
gekommen wäre. 

Herr Pip:per hatte mir gelegentlich erzählt, dass ihm Grand- 
und Sandnester, die im Kalke steckten, sehr unbequem beim Ab- 
bau würden. Da mir bekannt war, dass in der Nordostecke des 
Bruches mit Grand ausgefüllte Strudellöcher vielfach vorhanden 

Zoitschr. d. Deutsch. Gcol. Ges. 1895, S. 560. 



in der Kreide tod Lünebnrg. 3 

lind, lutte ich leider versäumt, diesem Wink oachzugeheD, bis mir 
in diegem FrUbÜDg mein Freund Gagel mittheilte, daes er im 
PiEFBB'scbeti Bruch nordischen Sand uad Grand unter bezw. im 
Kreidekalk liegend geeebeu habe. Ein gemeinschaftlicher Besuch 
luaUtlgte, dass diese Grand- und Sandnester nur durch Disloca- 
tiaiKD in den Kreidekalk gelangt sein konnten. 




4 Gottfried Müllkr, Zar Altersfrage der N.- S.-StöniDgen 

Herr Pieper hatte die grosse Freundlichkeit, die westlic 
Wand des Bruches so herrichten zu lassen, dass das obenstehen 
Bild aufgenommen werden konnte. 

Die Höhe des Aufschlusses betrug zur Zeit 9^2 Met 
Was die Grösse der Sand- und Grandnester anbetrifft, so gab 
solche von wenigen Decimetern im Durchmesser, während c 
bedeutendste 2 Meter hoch und 5 Meter lang war, so dass man fud« 
weise den störenden Sand hat fortschaffen müssen. Es zeigte 8U 
dass die saiger fallenden Verwerfungen nahezu S. — N. streich 
mit einer Abweichung von ca. 5—6^ nach W., also dasse 
Streichen haben wie die Plattendolomite des Scbildsteins. E 
PiEPKu'sche Kalkbruch Hegt genau im Streichen des Schildite 
dolomits. Durch die abgequetschten Sandnester konnte man ^ 
nau den Verlauf der Störungen festlegen, die sonst leicht d 
Auge entgangen wären, trotzdem die nördlichere ausserdem dui 
eine 2 — 8 Decinieter starke Reibungsbreccie gekennzeichnet wi 
Dadurch, dass thonige und reine Kalkstflcke durcheinander g 
knotet und dann wieder verkittet, und letztere theilweise ansi»' 
lau^t sind, hat die Breccie eine Rauchwacke- ähnliches Aussehe 
rrlaiiixt. Ausser den auf den durch Ketouche hervorgehobene 
Verwertungen lie^xendeii Cirandnestern mit über kopfgrossen üc 
sehieben sind noch mehrere Sanduester vorhanden, bei denen ma 
kein Zn/ainn^ontallen mit Di^locationen, auf die man die Hau 
leiten konnte, feststellen konnte. Dass jedoch auch diese m 
dnreh Storniiiien an ihr iotzi^x^s La«jer ijelaufft sind, ist selbs 
verstamllieli. In der Nordwand des Kalkbruchs ist neuerdiui 
eine linseatorniii;e Kinsehaltunü: von Geschiebelehm zu sehen, d 
dnrehaus der von Stkinmann ^] vom Bieler See beschrieben« 
^^ ra>v'hen- ijleieht, so da>s eine Skiz/e nur die Wiederholunir d 
Sn INM vNN ^ohen soin wurde. 

Ui Im Stauvie des Aufschlusses war die genaue Untersuchui 
der r;:>ehe- hv\ meinen» lot/ton Besuch unmöglich; doch schi« 
>ii a\:t eine l ebersehiobuu:; und Aufreissnufi: der Kreidekali 



' lobor i^hulÄ*. >:.iUvhuni:*t'T^oi.oiuuiij:i'n ^m Bieler See. N. J. f. ISS 




in der Kreide yon Lüneburg. 5 

zurQckzufbhren zu sein, die man auch an der westlichen «Wand 
beobachten kann und auf vorstehender Figur angedeutet sind. 

Id den Au&chlüssen am Zeltberg habe ich bis jetzt nirgends 
Beweise quartärer Verwerfungen beobachten können. Die Auf- 
l^niug von miocänem Thon auf nordischem Grand kann vom 
ßsdruck herrühren, obwohl man mit ebensoviel Recht diese auf 
eine postglaciale (d. h. postglacial für jene Gebiete) Ueberschie- 
f>ung znrückföhren kann. In der Sammlung des Herrn M. Stömcke, 
die jetzt in den Besitz des naturhistorischen Vereins in Lünei)urg 
Übergegangen ist, liegt ein nordisches Geschiebe (meiner Erinnerung 
oach Gneiss), welches tief in der Kreide eingebettet gefunden 
forden ist. Ich war früher geneigt, dieses Vorkommnis» auf 
Wrift zurückzuf))hren. Jetzt halte ich es jedoch nicht für ausge- 
schlossen, dass auch dieses Geschiebe durch eine junge Störung 
an seine Lagerstätte gekommen ist. Ausserordentlich schöne 
Harnische mit Frictionsstreifung sind mehrfach blosgolegt und von 
Herrn Stümcke photographisch aufgenommen worden. Dass 
Stolley in der Kreide des Zeltberges grosse Störungen nach- 
ge^viesen, habe ich schon früher hervorgehoben. 

VON KoENEN hat bekanntlich seit langer Zeit die Ansicht 

^'^rtreten und dafür Belege angeführt, dass Krustenbeweguugen 

'>is in die Jetztzeit andauern. Credner, Cohen und Deecke 

liuboD quartäre Störungen auf der Insel Rügen untersucht und 

bc^ schrieben, die von Wahnscfiaffe der luterglacialzeit zugewiesen 

^'e?rdon. Ebenso hat T. Mellard Keade ^) Verwerfungen im 

^ÄÄiid und Kies an der Küste von Cumberland beschrieben. Beüs- 

^ -^üSEN 2) konnte seiner Zeit eine Schwierigkeit in der Eut- 

^^ 1 <;klungsgeschichte der Terrassen und Thäler der unteren Oder 

"^•-Är durch postglaciale Krustenbewegung befriedigend erklären. 

^ «1 selbst habe postglaciale Verwerfungen im Bereich der Blätter 

^rswalde und Templin in der Uckermark '^) nachgewiesen, deren 

prunghöhe bis 3 Meter betrug. 



») Faulting in Drift, Geol. Magaz 1892. 

*) Mitth. über die Aufnahme d. Bl. Polsson, Passow und Cunow. Dieses 
'^^brboch für 1894. 

^ Dieses Jahrbuch für 1888, S. CXXXl u. CXXXII. 



6 Gottfried Müller, Zar Altersfrage der N. — S.-Störungen etc. 

lo dem Führer ftir die Ausflüge der Deutschen Geologische^ ^ 
Gesellschaft^) (1898) hatte ich die bedeutende Schichtenstöru 
am Kuhgrunde bei Lauenburg wieder gegeben, und im folgende 
Jahre konnte ich den Theilnehmern des Ausfluges nach Laue 
bürg bei Gelegenheit des VII. Internationalen Geographen -Co 
gresses zeigen, dass die Mehrzahl der dortigen Trockenthfiler un 
Schluchten auf Faltung und junge Störungen zurückzuführen sin 

Zu diesen Beweisen von quartären Stöningen ^) , die nie 
dem Druck des lulandeises ihre Entstehung verdanken, kern 
das oben beschriebene Profil. Ich muss es jedoch unentschiede 
lassen, ob die Störung postglacial im strengen Sinne ist, oder 
sie einem älteren Zeitabschnitt des Quartärs angehört, da ich b 
Lüneburg nur eine Grundmoräne vorgefunden habe, die jedoc 
gleichfalls vielfach Störungen unterworfen ist. 




<) Dieses Jahrbuch für 1898, S. 32. 

^ Da ich diese Zeilen während der Aufoahmezeit niederschrieb, sind 
zweifelsohne eine Reihe Ton Litteraturnachweisen über quartSre Störungen no 
entgangen. 



lieber grosse flache Ueberschiebungen im 

Dillgebiet. 

Von Herrn E. Kayser in Marburg in Hessen. 
(Hierzu das Kärtchen Tafel I.) 



Je weiter die geologische Erforschung der alten Faltengebirge 
M^est- Europas fortschreitet, um so wichtiger erweisen sich für 
^^ren Bau Ueberschiebungen. In einem unserer Mittelgebirgs- 
*^erue nach dem anderen werden sie nachgewiesen, zum Theil 
^t^ solcher Zahl und Grösse, dass man sagen könnte, dass nächst 
^ein faltigen Bau der Schichten Ueberschiebungen und die dadurch 
bedingte Schuppenstructur das bedeutsamste Element in der Tek- 
*^onik dieser Gebirge darstellen. 

Auch im Dillgebiete, mit dessen Aufnahme Verfasser bereits 
^^it einer längeren Reihe von Jahren beschäftigt ist, hat sich 
^ ieser Satz je länger desto mehr bestätigt. Auf Schritt und Tritt 
"tx-ifft man hier Andeutungen von Ueberschiebungen. Sie äussern 
^ich sowohl im Kleinen als auch im Grossen und spielen mit- 
vinter ftir den Gebirgsbau die Hauptrolle. 

Als ein sehr lehrreiches Beispiel für Ueberschiebungen 
^m Kleinen sei hier das Bild eines Steinbruchs unweit Ober- 
^cheld wiedergegeben, das auf kleinem Räume ein mindestens vier- 
mal von Ueberschiebungen durchsetztes oberdevonisches Kalklager 



8 E. Kaibek, U«ber grosse fiftcha üeberecbiebnngen im Dillgebiet. 

darstellt. Alle Uet^erschiebuagsklQne fallen mehr oder niiud< 
Bteil gegen SO. ein, und auf jeder ist die hangende Scholle vt 
S. her Hilf die liegende aiifgeGchobeu worden. 

FiK. 1. 

Aiiucbt des Kalkatciabrache - bd der Beuerbach« oDweit der ehemalig 

Grabe Beiletein nördlich Oberscbeld ■). 




Cl = oberdevonischer Cephalopodenkalk. t ^ baDgeDde'Schieferzoiie, 
D — jaogoberdovonischer Deckdiabas. 

Unter den Beispielen tilr grosse, weit fortsetzen) 
UehprschielHinj?en in der Dilljre-end ist uu erster Stelle dl 
jpniije XU nennen, die den LiiiLTCn Zns siliirisclier Gesteiui?, d 
vom Kellerw;dd liis zum WestPrwald reicht hihI eine Art P:itt. 
SL'lieide zwischen der sfidlich liegenden Lahiimiilde und der nör 
lieh austossendcn Oillnudde bildet. v,-.n den im N. angrenzend 
devonischen luid curbonisclien AhLijiernnscii trennt, .\uf uieüe 
weite Erstreckun.i: *iiid hier .lie silnrisehen Schichten in ilii 
(Tesaninitheit. ehenf:ilU von S. her. auf die genannten jflnf^er 
liildnniren aiifixescholii>n. Hie KInft. anf der stell diese IJewegn 
vollzogen hat. konnte — weni^-stens im Oillgehieto — an kein 
Stelle beobachtet werden. Man darf iudess annehmen, dass : 



'; Ein [TrCs*.- 
1.T im Frübiahr 


I8!>; 


liwhon gei.|og. ' 


t\T.>i 


■-ffoDtlicht W.tJ.'1 


'■"' ' 



id \i>l!.'trni.iiporfg Pholi.grtimm dieses schÖneii Äufschliisä 
l'oi lion 1 bi'ün.-liiiieni an dor Vi>rssmm!ung des oberrh 
I* ri M.iil>i:rj -ros,.,- Inter^se erfgle. s..!l in den ] 
1 .inii;-:- Z-i! .r^diein, iid,n Messtiäcbblalte Oberscheid v 



S. Katsbs, Ueber grosse flache üebcrschiebungeo im Dillgebiet. 9 

fine ähnlich steil nach S. bezw. SO. einfallende Lage besitzen 
wird, wie bei den vier oder flQnf Ueberschiebungen , die auf den 
Messtischblättem Ballersbach und Oberscheid die in Rede stehende 
flauptüberschiebung in geringem Abstände und mit nahezu pa- 
rallelem Verlauf im N. begleiten. Bei diosen ebenfalls viele Kilo- 
meter weit zu verfolgenden Ueberschiebungen, die das Mitteldevon 
und stellenweise sogar das Unterdevon in's Hangende des Ober- 
devoD und Culm gebracht haben, hat sich die Störungskluft an 
zwei Punkten in aller Deutlichkeit beobachten lassen und als eine 
ois 0,2 Meter weite, hauptsächlich mit schülferartigen Schiefer- 
^^röckchen erfüllte Spalte erwiesen. 

Zur Erläuterung dieser Verhältnisse diene das nachstehende 
Profil Fig. 2, das dem Gebiete des Messtischblattes Ballersbach 
o^er dem nordwestlichen Theile des begleitenden Kärtchens 
(Taf. I) entnommen, als typisch für den Gebirgsbau im südlichen 
Theile der Dillmulde gelten kann. 



Während aber die besprochenen Ueberschiebungen, wie alle 
^Di Bereiche der Dillmulde beobachteten, sich auf mehr oder 
Binder steil geneigten Kluften vollzogen haben, so zeichnen 
sich die Ueberschiebungen, die ich in den letzten Jahren^im S. 
^^8 grossen Silurzuges oder mit anderen Worten im nördlichen 
theile der Lahnmulde, zwischen der Dill und der (unterhalb 
^'^ssen in die Lahn einmündenden) Bieher aufgefunden habe, 
^^rch mehr oder weniger flach einfallende Klüfte aus. 
^ sind flache Ueberschiebungen ähnlicher Art, wie sie 
^chon seit einiger Zeit aus dem belgischen und west- 
fälischen Kohlengebiete und einigen anderen Gegenden 
(Schottland, Alleghanys u. s. w.), aber noch nicht aus 
aen inneren und südlichen Theilen des rheinischen 
Schiefergebirges bekannt waren. 

Es ist sehr bemerkenswerth und wohl kein Zufall, dass dieser 
iresentliche Unterschied Hand in Hand geht mit der verschie- 
denen Neigung der Schichten in beiden Gebieten. Denn während 
in der Dillmulde die Gesteine fiberall steil aufgerichtet sind, so 



E. Katikh, üeber groM« Sache üebenchiebmig« 

/y i. 




S. Kaysbs, üeber grosse flache Uebenchiebniigen im Dillgebiet 1 1 

herrscht in dem in Rede stehenden Theile der Lahnmulde auf 
weite ErstreckuDg eine flache bis fast schwebende Lagerung der 
Schichten. 

Die erste derartige flache Ueberschiebung, auf die 
man tri£%, wenn man im Gebiete des Blattes Ballersbach vom 
grossen Silurzuge, der hier den waldigen Bergrücken der Hörre 
zusammensetzt, nach S. wandert, wird von der ausgedehnten 
I^ecke von jung-oberdevonischem (sog. Deck-) Diabas 
gebildet, die sich im O. der Dill und im S. des Lemp- 
^hales von Ehringshausen bis Ober Hohensolms und 
*^öiiigsberg hinaus erstreckt. Wie das begleitende tektonische 
*^ärtchen (Taf. I) zeigt, hat man, bevor man die grosse Diabasmasse 
^'reicht, eine breite Zone von Culm- Schiefern und -Grauwacken 
^Xi durchschreiten, die abgesehen von kleinen örtlichen Stauungen 
^nd Wellenbiegungen in ihrer ganzen Erstreckung von Kölsch- 
Hausen bis über Erda hinaus eine nahezu wagerechte Lagerung 
t)aben. Die im S. dieser grossen Culmausbreitung folgende, sich 
^nit hohem steilen Anstieg aus der breiten Senke der Lempthäler 
Erhebende Diabasmasse stellt eine mächtige, je nach dem 20 bis 
über 50 Meter dicke, zwar durch zahlreiche NW.-streichende Quer- 
brüche zerschnittene, aber doch überall zusammenhängende Platte 
dar, die in ihrer ganzen Ausdehnung sanft nach SO. abfällt. So- 
wohl die an mehreren Punkten — so besonders am S.- Abhänge 
des Adlerhorstes bei Bechlingen — dem Diabase eingeschalteten, 
gleich Niveaucurven um die Berge herumlaufenden Lager von 
Cypridinenschiefer als auch die zahlreichen dem Grünstein auf- 
gesetzten flachen Kappen von Culm-Kieselschiefer lassen an dieser 
flachen Lagerung der Diabastafel keinen Zweifel. 

Dass diese Tafel in der That eine Ueberschiebungsdecke dar- 
stelle, ist mir erst im Laufe der beiden letzten Jahre allmählich 
klar geworden. 

Der Hauptbeweis liegt darin, dass die flach liegenden Culm- 
schichten, die von N. her überall bis hart an den Diabas heran- 
reichen, nach S. zu mit gleicher Lagerung auch unter der Diabas- 
decke fortsetzen. In den tiefen Schluchten, die vom N.- Rande 
der Diabas- Decke weit in deren Inneres einschneiden, kann 



1*2 B. KAYaBR, Ueber grosse flache üeberschiebnngen im Dillgebiei. 

man sich überzeugen, dass der obere Theil der Gehänge ebenso 
wie das umgebende Plateau aus Diabas bestehen, während in 
den Bachbetten überall Culmschiefer zu Tage gehen. So in dem 
steilwandigen Thälchen gleich südlich von Breitenbach; so in der 
km -langen Schlucht, in welcher der Weg vom ebengenannten 
Dörfchen nach Werdorf emporsteigt 

Sehr deutlich ist ferner die Unterlagerung der Diabasdecke 
durch Culm bei Hohensolms, wo ein weit nach N. vorspringendes 
Stück der Diabastafel, das nur im S. durch eine schmale Brücke 
mit der Hauptmasse zusammenhängt, fast auf allen Seiten, d. h. 
im W., N., O. und SO., von Culmschichten unterlagert wird, die 
an den steilen Plateau abhäna:en überall in ansehnlicher Mächtisr- 
keit und mit unzweifelhaft flacher Lagerung aufgeschlossen sind. 

Am überzeugendsten aber durften die Verhältnisse am Mühl- 
berg unweit Bechlingen sein, einem etwa einen Kilometer 
vom N.- Rande der grossen Diabasplatte entfernten, sich 50 bis 
{\0 Meter über die Breitenbacher Thalsenke erhebenden Berffkesrel. 
Dieser bestehoht nämlich in seinen unteren zwei Drittheilen aus 
Posidoniensohiefern und Cuhnixrauwaoken, die hier wie in der 
ijan/en l'niirt'buniX l-ei nahezu horizontaler Lagerung zu kleiueu 
tlaohwolliiTon FalttMi »;e>taut siiul: clas ol»ore Drittel daLreijeu i>e- 
stoht aUv< oiiuMii um don ^ranzen Ki-rir herum verfolnharen . auf 
dosstMi S.-Soito in oinom Stoinbnuh autiieschlossenen, etwa 15 Meter 
uiäoliti:Xon niaba>la:::or, über Ooin oiue flaohe Kappe von Culm- 
kiosol>oluoter l:o::i. Ks ruht hier al^^o bei alUeitiijeu deut- 
liohou A utVi'hlüs>en eine kleine flache Scholle von 
oberJe von is oben) DeekJiabas und Cu 1 m k i es el schiefer 
unmittelbar ant' einer Unterlatie von mäohtiiren, eben- 
f a 11s t"l a eh 1 i e ;; e u J e n C ;i 1 m s o h i o h t e n. 



loh habe niieh laiiire ^reiTon die Annahme einer Ueberschie- 
bun^ lies Diabases aiit' den C*i!:n gesträubt und habe, um ihr 
aus vier.* We^e /n i^ehe:. , ^o^ar eir.e Zeit lauj versucht, die 
>vb.:iTVr ur.d lirai.u.ivken vies Lt ::.: i'r.a'.es beim Mitteldevon unter- 

« 

-Til riiUtVi, E:s: al> Mv-h an :;.ii.rt"rt:: ruiikten iu jenen Gesteinen 



ä. Kaysbr, Uel>er grosse flache Ueberschiebnngen iin Dillgebiet 13 

beweisende Culm Versteinerungen gefunden hatten und mir die 
Jede Möglichkeit einer Täuschung ausschliessenden Verhältnisse 
am Mühlberge bekannt geworden waren, habe ich meinen Wider- 
stand au%egeben. 

Nur ein Umstand hat mich lange Zeit immer wieder an der 
Annahme einer Ueberschiebung irre gemacht. Trotz aller Mühe 
war es mir nämlich nicht möglich gewesen, an der Berührungs- 
linie der Diabasdeeke mit dem Culm irgend welche Zertrümme- 
rungsgebilde oder sonstige Spuren einer mechanischen Einwirkung 
zu beobachten, wie eine so gewaltige, nach N. fortgleitende Ge- 
steinstafel selbst bei äusserster Langsamkeit der Bewegung sie 
doch nothwendigerweise auf ihre Unterlage ausgeübt haben musste. 
£r8t im letzten Sommer ist es mir endlich gelungen eine solche 
Beobachtung zu macheu und damit auch den letzten Einwurf 
gegen jene Vorstellung zu beseitigen. 

Auf einem neu angelegten Horizontalwege nämlich, der am 
S.-Abhauge des Mühlberges in geringer Höhe unter dem oben 
erwähnten Diabasbruch verläuft, fand ich die in einer Höhe von 
IV2 — 2 Meter aufgeschlosseneu Culmschiefer in auffälligster Weise 
gefältelt und gestaucht, stellenweise förmlich zerknittert, und von 
inneren Gleitflächen durchzogen, so dass ich sogleich auf's Leb- 
hafteste au das Füllmaterial der bekannten Ruschein von Audreas- 
berg im Harz erinnert wurde. Hier hatte ich in der That 
die lauge gesuchten Quetsch- und Umformungserschei- 
nungen im Untergrunde der Ueberschiebungsdecke vor 
mir; und das war um so wichtiger, als es mir nur an dieser einen 
Stelle gelungen ist etwas derartiges zu beobachten, während im 
Uebrigen die Contactfläche zwischen Diabas und Culm an den 
waldigen seh utt bedeckten Abhängen sich überall als vollständig 
verhüllt erwies. 

Ein durch den Mühlberg in der Richtung von N. nach S. 
gelegtes Profil würde nach diesen Ausführungen etwa folgendes 
Bild liefern: 



14 B- Katsu, Deber gnMM flmclie tlabenchiebitiig«n im KUgatnet. 



Dorchicbnitt dareh den HQhlbarg b«i Bechlingeu. 







^ Schiefer und Gnuwackeo dee Culm. R = Zone mediuiiBclier ümformuDg 

in diesen Schichten. D = oberdevoDiicher Deckdiabae. KS ^ Ca 1 tu - Kiesel - 

schiefer. 

Die steil stehenden Lini^ im Calmschiefer tollen die secnndire Sclüefernng 

andeuten. 

Nach allem im Vorsteheuden Mitgetlieilten trage ich jetzt 
kein Bedenken mehr, die gesammte Hobensolms-Ehriags- 
häuser Oiabastafel als eine grosse Ueberscbiebungs- 
deckc aufzufassen, den Mflhlberg aber als ein Denu- 
dationsrelict jener Decke, die ehemals inindesteDa bis 
in diese tiegeiid gereicht haben niuss. 



Was de» feineren Bau der grossen Ueberschiebungsdecke 
betrifl't, so gestaltet dieser sich dadurch meist ziemlich verwickelt, 
dass die Oiabastafel keine einheitliche Masse ist, sondern aus 
einer Mehrzahl übereinander geschobener Schuppen 
bestellt. Dass dem wirklich so sei, beweist nicht nur die be- 
deutende, örtlitli bis gegen 60 Meter anwachsende Mächtigkeit 
der Dtt'ibnftjilatte, soudcrn vor allem das häufige Vorkommen mehr 
oder minder mächtiger Zouen von Cnlm-Kieselschiefer inmitten 
des Diabas. Steigt man z, B, von der alten Dach seh iefcrgrube 
im Lemptbaie ciberlialb Eliringäliauseu zuiU Lempberg auf, 80 
trifft man, nachdem man das die Cidmschiefer von der Diabas- 
decke trennende Kieselschieferbaud Qbersehritlen hat, im Forst- 
orte 31 noch zweimal auf grössere dem Diabas eingelagerte 
Kieselschiefermasseu. ehe man an die grosse den Gipfel desi Berges 



fi. Katsbr, tJeber grosse flache Ueberschiebnngen im Dillgebiet 15 

^^^mmensetzende Kieselschieferkappe gelangt. Diese und andere, 
unliebe Kieselschiefereinlagerungen können aber nach ihrer petro- 
^aphiscben Beschaffenheit nur als Culmkieselschiefer, d. h. 
^8 das normale Hangende des Deckdiabases aufgefasst werden, 
Während das abermalige Erscheinefb des Diabas in ihrem Han- 
genden sich nur aus der Annahme weiterer kleiner Ueberschie- 
^umgen erklären lässt. 

Eine im Diabasbruch am S.-Äbhang des Mühlberges gemachte 

eobachtung hat auch auf diese Verhältnisse Licht geworfen. Wie 

^inlich die folgende, von meinem ehemaligen Assistenten, Herrn 

r. H. LoTZ, au Ort und Stelle angefertigte Skizze erkennen lässt, 

^«tzt mitten durch den Diabas eine im Allgemeinen horizontale, 

^ber überall stark gestauchte und im Einzelnen sehr unregelmässig 

gestaltete Kieselschieferzone von etwa 1 Meter Mächtigkeit hin- 

<lurcb, während über ihr eine ungefähr halb so starke, verruschelte, 

^U8 Brocken von Diabas und Kieselschiefer bestehende Zone, eine 

förmliche Reibungsbreccie folgt. Diese Breccie kann meines Er- 

^.chtens, ähnlich wie die oben beschriebene, etwas tiefer am Berg- 

^.bhange aufgeschlossene Zone mechanisch veränderter Culmschiefer, 

nur durch Zermalmung der über den Kieselschiefer fortgleitenden 

Diabasdecke entstanden sein. Sie muss also eine hier hindurch- 

^ebeude Ueberschiebungsfläche andeuten, und man würde demnach 

anzunehmen haben, dass die Diabasscholle des Mühlberges aus 

acwei Theilschollen besteht: einer tieferen, die Culmschiefer des 

i^interen Theils des Berges bedeckenden, und einer oberen, auf die 

besprochene Kieselschieferzone aufgepressten. Diese, das normale 

Hangende der unteren Diabasscholle, würde durch die Bewegung 

c3er oberen Scholle in ihrem hangenden Theile zermalmt und in 

clie erwähnte Breccie umgewandelt sein. 

Mit wenigen Worten muss ich noch auf die auffällige That- 
Bache eingehen, dass im Contact der Diabastafel mit dem unter- 
liegenden Culm fast immer Kieselschiefer auftritt. So verhält es 
sich am ganzen N. -Rande der Diabasplatte, mit Ausnahme der 
nächsten Umgebung von Breitenbach und einiger Punkte bei 
Oberlemp und Hohensolms, wo unter dem Diabas allem Anschein 
nach Posidonienschiefer und Grauwacken anstehen. Dies Auftreten 



^K»i"W. 




£. Katsbb, Üeber grosse flache TJeberschiebangen im Dillgebiet 17 



des Kieselschiefers ist nicht ganz leicht zu erklären. Ich möchte 
indess glauben, dass auch diese Erscheinung mit dem Vorhanden- 
sein weiterer Ueberschiebungen zusammenhängt, durch welche der 
Kieselschiefer ins Hangende der stratigraphisch jüngeren Posidonieu- 
schiefer gelangt ist. Diese Anschauung würde durch nach- 
stehendes Profil erläutert werden: 

Fig. 5. 

Idealprofil vom N.-Raode der grossen Diabastafel zwischen Bech- 
lingen und Breitenbach nach dem Muhlberge. 



^ 9lUUU&«|g 







<^-^^^^ 






»{ 



^ Posidonienschiefer und Grauvracken. KS = Culm-Kieselschiefer. D = Deck- 

■ • 

diabas. U =■ üebcrschiebuDg. 

^^ steil nach rechts einfallendeo, die Schichtung unter grossem Winkel schneidenden 
Linien im Gulmschiefer deuten die transversale Schieferung an. 



An die besprochene grosse Ueberschiebungsdecke 
schliessen sich im S. noch zwei weitere von geringerem 
Umfange. 

Die erste umfasst die Cypridinenschiefer der Gegend 
von Ehriugshausen und Werdorf, die zweite die mittel- 
devonischen Schalsteine, die sich von Ehringshausen über 
Berghausen und Asslar sowie über Blasbach hinaus erstrecken. 
Beide Gesteine setzen, wie man an vielen Punkten mit aller Be- 
stimmtheit beobachten kann, mächtige Schichtenfolgen von flacher 
bis horizontaler Lage zusammen, die in sehr bemerkenswerther 
Weise nicht mit einer dem gewöhnlichen Streichen (ungefähr 
SW. — NO.) folgenden Linie, sondern mit einer W. — O.-Linie an 
die nördlich anstossende Decke angrenzen bezw. auf diese aufge- 
schoben sind. 

jAhrbaOb 1900. 2 



18 



B. Kat^bb, üeber grone flache Üebendiiebiiikgoa im Dülgebiet 



Bei der südlicheren Ueberschiebungslinie, die den Schalstein 
vom Cypridinonschiefer bezw. vom Deckdiabas trennt, tritt dieser 
west- östliche Verlauf trotz einiger grosser Verwerfungen auf der 
Karte in aller Deutlichkeit hervor. Die nördliche Linie, die den 
Cypridinenschiefer vom Diabas scheidet, ist in dem Maasse zer- 
schnitten und verworfen, dass bei ihr der angegebene Verlauf nur 
im N. von Ehringshausen und Asslar klar erkennbar ist. Nach 
O. zu reicht diese Linie nicht Ober das Bechlinger Thal hinaus. 

Dass die südliche Linie wirklich eine Ueberschiebung dar- 
stellt, ergiebt sich aus den Aufschlüssen in der Eisensteingrube 
Heinrichsseegen bei Ehringshausen mit aller Bestimmtheit. 

Die Begehung der Tagebaue am »Eisenberg« , ebenso wie 
die Grubenbilder zeigen, dass das Liegende des unteren oder 
Haupt-Eisensteinlagers aus flach lagerndem Cypridinenschiefer, 
das Hangende aus ebenfalls flach liegendem älteren (mitteldevo- 
nischen) Schalstein besteht, der in höherem Niveau noch ein 
zweites Eisensteinlager einschliesst. An der Unterlage des Haupt- 
lagers aber tritt — wie ich mich unter Führung des langjährigen 
Obersteigers der Grube überzeugt habe — eine eisenschüssige 
Reibungsbreccie auf. 

Diese Verhältuisse werden durch Eig. 6 verauschaulicht, die 

Fig. 6. 
Qaerprofil darch die Eisensteingrabe Heinrichsseegen 

bei Ehringshausen. 



9r^. 



se. 




tms «^ älterer Schalstein, toc = Cypridinenschiefer. Jf* = liegendes, 
Jc^ = hangendes (Fluss-) Eisensteinlager. R = Reibungsbreccie. 



fi. Eatub, TJeber grosse flache UebenchiebangeD im Dillgebiet. 19 

eine verkleinerte Wiedergabe ^ines auf der Grube aufbewahrten 
Profils bildet und eine so beredte Sprache führt, dass sie keiner 
weiteren Erläuterung bedarf^). 



Es ist endlich noch eine letzte kleine Ueberschiebungs- 

scholle zu erwähnen, nämlich der zwischen zwei sich nach S. 

zu vereinigenden Querverwerfungen gelegene Kalkklotz des 

Schwanzberges nördlich Asslar. Die Hauptmasse dieses 

^rges besteht aus hellfarbigem, schichtungslosem Stringocephalen- 

^^Ik, seine Unterlage aus flach liegendem, hier und da kalkige 

Einlagerungen einschliessendem Cypridinenschiefer. Schon daraus 

^Igt, dass der Kalk eine überschobene Scholle bilden muss. Aus 

^cm Umstände aber, dass der umgebende Schalstein älter ist als der 

^^alk, ergiebt sich zugleich, dass der Berg eine gesunkene Scholle 

darstellt. Es liegt hier also ein infolge seiner Einsenkung erhalten 

gebliebener Rest einer Ueberschiebungsdecke vor. 

Wahrscheinlich besass diese Decke ehemals eine grössere 
Ausdehnung. Denn auch der gleich über der Stadt in einem 
grossem Steinbruch aufgeschlossene Kalk von Ehringshausen 
l:iat trotz dunklerer Färbung und deutlicher Schichtung das näm- 
liche Alter wie der Kalk des Schwanzberges und grenzt im N. 
ebenfalls mit einer Ueberschiebungslinie an Cypridinenschiefer. 
£s liegt daher nahe, beide Kalkvorkommen als Ueberbleibsel einer 
\iud derselben Ueberschiebungsdecke aufzufassen, die demnach 
«ine vierte flache Schuppe zwischen der überliegenden 
Schalstein- und der unterliegenden Cypridinenschiefer- 
Tafel darstellen würde. 

Diese Auffassung würde ihren Ausdruck im nachstehenden, 
wie ich glaube, in seinen Hauptzügen zutre£Penden Profil finden: 



*) Während das liegende Lager als Contactlager gelten muss, so ist das 
Kaogende Flasslager offenbar aas der Umwandlang kalkiger Bänke hervorge- 
gangen, wie sie im Schalatein dieser Gegend sehr verbreitet sind. 



20 B* Katsbb, TTeber grosse flache Üebenchiebiiiigen im Dillgebiet 

Fig. 7. 
Schematische Darstellang der hauptsächlichsten Schuppen (I, IE etc.) 

der Gegend östlich Yon Bhringshaosen. 

JA 




^^5^ 



• = mitteldeYonischer Schalstein, k = Stringocephalenkal k. ti = Cjpridinen- 

schiefer. D = Deckdiabas, ks = Kieselschiefer. e = Poaidonienschiefer nnd 

Granwacken des Colm. U = Ueberschiebongsebene. 



In der geologischen Litteratur ist schon wiederholt aosgefbhrt 
worden, dass Ueberschiebungen und Faltungen nahe verwandte 
Erscheinungen sind. Beide verdanken ihre Entstehung dem Be- 
streben eines RindenstQckes, sieh in einer bestimmten Richtung 
zu verkürzen. Dies kann entweder durch faltige Zusammen- 
schiebung der Scholle oder durch dachziegelartige Uebereinander- 
Schiebung ihrer Bruebstöcke geschehen. 

Oft, wie in der Dillmulde, sind beide Arten von Störunffen 
nebeneinander vorhanden, und dann erseheinen die Ueberschie- 
bungen meist nur als eine Steigerung der Faltung — eine Wahr- 
nehmung, die schon ötter gemacht worden ist und zum Ersatz 
des Ausdrucks Ueberschiebuug durch die Bezeichnung »Falten- 
Verwertung:- ^etuhri hat. lu anderen Fällen aber treten die Ueber- 
schiebunircn iiauz unabhäUiriiT von der Faltuufir auf. So verhält 
es sich in dem besproobeueu. dem nördlichen Theile der Lahnmulde 
anj^ehöriireu Gebiete, wo die Schichten — wie schon die wohl 
ent wickelte transversale Schieteruui:: und ircle^rcntliche kleine Stau- 
chungen beweisen — zwar ebeuf:üls stark gepresst, indess nirgends 
zu steilen Falten /usaniineugesohobeü sind. Gerade desshalb aber 
treten warscheiulioh die Ueberschiebungen hier in grösserem Maass- 
stabe auf als in der Dillmulde. 

Stellt der Mühlberg in der Thai nur ein Denudationsrelict 
der grossen Ehringshäuser Diabassohuppe dar, so muss diese 
mindestens um ebenso viel nach N. lortbewetrt worden sein, als 




B. Eaysbr, üeber grosse flache üeberBchiebangen im Dillgebiet. 21 

der genannte Berg von ihrem N.-Rande entfernt ist, d. h. etwa 
«in Kilometer. Da aber die Culmschichten unter der Diabas- 
clecke mindestens noch ein weiteres Kilometer nach S. 
fortsetzen, so muss der Betrag des Schubes, in der 
Jlorizontale gemessen, bei der in Rede stehenden 
Schuppe allerwenigstens 2 Kilometer betragen haben. 



Auf den mechanischen Vorgang der Schuppenbildung selbst 
will ich nicht näher eingehen. Ich besitze in dieser Sache zu 
lYenig eigene Erfahrung, und die Deutung der in Frage kommenden 
Jlrscheinungen bei anderen Fachgenossen ist eine sehr verschiedene. 

Einer der auf diesem Gebiete am meisten bewanderten For- 
scher, Marcel Bertrand, fasst in einem jüngst erschienenen Auf- 
satze über das südfranzösische Kohlenbecken von Gard^) die 
kleineren Ueberschiebungen dieser Gegend nur als Begleit- und 
Folgeerscheinungen der grösseren auf. Infolge der Fortbewe- 
gung der Hauptüberschiebungsdecke sollen in den unterliegenden 
Schichten Loslösungen und Gleitungen in gleichem Sinne einge- 
treten sein. Diese Anschauung scheint mir viel für sich zu haben 
und liesse sich auf Schuppen, wie die im Profil Fig. 7 mit I 
bezeichnete, sehr wohl übertragen. 



In Belgien, im Ruhrkohlengebiete, in den Alpen und ander- 
wärts hat man beobachtet, dass die Ebenen der Ueberschiebungen 
oftmals in Wellenlinien auf- und absteigen. Man muss in solchen 
Fällen annehmen, dass die faltende Krafl auch nach Entstehung 
der Ueberschiebungen noch fortgewirkt hat. 

Im Dillgebiete habe ich ähnliche Wahrnehmungen nur in 
sehr beschränktem Umfange machen können. Am auffälligsten 
sind die Spuren einer nachträglichen Faltung der Ueberschiebungs- 
flächen an den bekannten Rotheisensteinlagern der Eisernen 
Hand bei Oberscheid. 



1} C. K CXXX, 29. Jan. 1900, 



22 B. Ratsbk, üeW grone flkcke Üeberachiebaiigen im DillgobioL 

Diese Lager siod gebunden an eine inmitten weit ausge- 
dehnter Deckdiabas Dl assen auftretende, im O. und W. durch 
grosse Querver werfungen begrenzte Partie von oberdeToniecbem 
Scbalstein. In ihrer Ge&ammtbeit eine auf den genannten Diabas 
aufgeschobene Scholle älteren Gesteine darstellend, besteht diese 
Schalst ei npartie, wie schou das örtliche Erscheinen von mittel- 
devonischem Schiefer und Kalk innerhalb der herrscbenden ober- 
derouischen Gesteine zeigt, ihrerseits aus mindestens zwei Schuppen. 
Wfthrend nun in der Tiefe ObentU ein steiles Einfallen der Schichten 
und der sie durchsetzendeu Ueberscbiebungen herrscht, so ver- 
flacht sich die Neigung der beiden hangenden Eisensteinlager mit 
Annäherung au die Oberfläche in aufßüliger Weise, und das 
mittlere Lager, ebenso wie die benachbarte, die Mittel de vonscbiefer 
zu Tage bringende Ueberscbiebung, beschreiben schliesslich eine 
flache Doppelfalte, die in den alten Tagebauen am Gipfel des 
Berges gut zu beobachten ist. 

Diese interessanten Verhältnisse lassen sieb durch nachstehende 
Proflisitizze erläutern, der neben eigenen ober- und unterirdischen 
Beobachtungen besonders eiue neuere Prüfungsarbeit des Herrn 
Bergassessor Hippi zu Grunde liegt. 



Fig. ?. 



Prc-ril durch die iE 




t — miitpl devonischer ScLief. r. S — ol>erdpvoni8cher ScbalsWin. !■ = obiT- 

devonisch.-r ScbiffiT. ^ DiiibaseiDlac.Tunij im S.'haljleio. = Deckdiahis. 

fr = EiseDsteiolager. Ü = Uobenicbiebiing. V = Verwerfung. 



E. Katsbb, üeber grosse flaehe TTebenchiebüngen im Dillgebiet. 23 

Was endlicb die Frage Dach den Beziehungen der besprochenen 
üeberschiebungen zu den zahlreichen Verwerfungen der Dill-Gegend 
betrifft, so ist hierüber nur wenig zu bemerken. Wie das be- 
gleitende Kärtchen lehrt, werden die Ueberschiebungslinien von 
zahllosen, hauptsächlich in nordwestlicher Richtung verlaufenden 
QuerbrQchen an vielen Stellen in auffälliger Weise zerschnitten 
und verworfen. In einigen Fällen scheinen sie auch an diesen 
QuerbrQchen endgültig abzuschneiden. Es ergiebt sich daraus, 
dass die Üeberschiebungen des Dillgebietes älter sein 
mQssen als die Quer- und Diagonalverwerfungen. 



2 4 £• Katsbb, üebw grosse flacbe üebenchieboiigeii im Dülgelnet. 



Bemerkungen zum Kärtchen Taf. I. 



Das begleitende tektonische Kärtchen beruht fast in seinem 
ganzen Umfange auf sehr genauen, in erheblich grösserem Maass- 
stabe (l : 25,000) durchgefahrten Aufnahmen des Verfassers auf 
den Messtischblättern Ballersbach, Oberscheid und Rodheim. Nur 
fiir einen schmalen Streifen am S.- Rande, der den Messtischblättem 
Braunfels und Wetzlar angehört, lagen keine zusammenhängenden 
Aufnahmen, sondern nur Beobachtungen längs einzelner Wege 
vor, so dass hier die späteren Specialaufnahmen wahrscheinlich 
kleine Aenderungen des Kartenbildes zur Folge haben werden. 

Zusammenhängend mit dem kleinen Maassstabe der Karte 
mussten viele Einzelheiten der Origiualaufnahme weggelassen 
werden. Aus demselben Grunde sind auch in zwei Fällen strati- 
graphisch sieh nahestehende Stuten zu einer einzigen zusamniengefasst 
worden; und zwar sind 1) in dem Schichtonbande, das den grossen 
Silurzug am S. -Rande begleitet, die jüngsten Obercoblenz-Sehiefer 
mit den petrographisch sehr ähnlichen mitteldevonischen Tenta- 
culitenschiefern vereinigt worden und ebenso 2) die wenigstens 
theilweise schon dem Ibergor Kalk zufallenden Kalkvorkommen 
der Gegend von Königsberg mit den dem Striugocephalen-Niveau 
angehörigen Kalken von Asslar TSchwanzberg), Werdorf und 
Ehrinjjshausen. 

Die Fortlassung des Alluviums und Diluviums hatte den Zweck, 
den Verlauf der Uebcjrschiebunjjslinien möirlichst klar und ununter- 
brochen hervortreten zu lassen. Allerdings ist durch die Ausfüllung 
der von jenen Bildungen eingenommenen Flächen einiges Hypo- 
thetische in die Karte hineingekommen ; dies gilt indess nur fär 
das Dill- und Ahrthal und deren nächste Umgebung, da die ge- 



S. Katskr, üeber groese flacbe Uebenchiebongen im Billgebiet 25 

nannten Ablagerungen allein hier eine nennenswerthe Verbreitung 

besitzen. 

Wie ein Blick auf die Karte lehrt, setzt die südlichste, den 
niitteldevonischen Schalstein von den oberdevonischen Gesteinen 
trennende Ueberschiebung auch auf die rechte Dillseite hinüber; die 
weiter nördlich liegenden Ueberschiebungslinien dagegen konnten 
nach W. nur bis ans Lempthal verfolgt werden. Es ist zwar 
möglich, dass auch die bei Dillheim und Katzenfurt auftretenden 
Diabasberge nur Theile der grossen Ehriugshäuser Ueberschiebungs- 
tafel darstellen; die Aufschlüsse sind indess infolge der stärkeren 
Diluvialbedeckung in dieser Gegend meist unzureichend und der 
Gebirgsbau so gestört, dass von einer Verfolgung der Ueber- 
schiebungslinien über das Lempthal hinaus Abstand genommen 
Verden musste. 

Marburg, Ende März 1900. 



Die geologischen Verhältnisse des Kiemen 
Deisters, Nesselberges nnd Osterwaldes. 

Von Herrn Wilhel« Wunstorf in Berlin. 
(Hiena Tafel XYII.) 



Einleitung. 

Die geologischen Verhältnisse des Kleinen Deisters, Nesselberg^ 
und Osterwaldes wurden schon früher in einer Reihe von Arbeit«^ 
erwähnt, besonders von Dunker, »Monographie der norddeutsch^^ 
Wealdenbildung, 1846«, H. Roemer, »Geognostische Karte i^ 
südlichen Theils vom Königreich Hannover, Section Hildeshdf^ 
mit Erläuterungen, 1851«, Heinrich Credner, »Die GliederniB^ 
der oberen Juraformation und der Wealdenbildung im nordwes^ 
liehen Deutschland, 1863« und »Geognostische Karte der Umgegea^ 
von Hannover, 1865«, ton Seebach, »Der hannoversche Jor^ 
1864«, Struckmann, »Die Wealdenbildungen der Umgegend v9^ 
Hannover, 1880« und »Neue Beiträge zur Kenntniss des oberei' 
Jura und der Wealdenbildungen der Umgegend von Hannovefir 
1882«. Einzelne Arten aus diesem Gebiet fbhrte auch Braun8 ao 
in seinem Werk »Der obere Jura im nordwestlichen Deutschland, 
1874«. Alle diese Arbeiten gehen aber auf den geologischen Bau 
nicht spei'ieller ein und behandeln auch die Schichtenfolge nur 
thoilweiso. Es erschien daher als eine lohnende An%abe, Rieses 
Gobiet einer iirenÄueren Untersuchung zu unterziehen. 



WiLHBLM WuvsTORp, Die geologischen Verhältnisse etc. 27 

Orographiscbe Uebersicht. 

Der Osterwald, Kleine Deisler und Nesselberg bilden einen in 
^^r Richtung von SO. nach NW. in einer Länge von 15 Kilo- 
'öetern sich erstreckenden Gebirgsrücken, welcher durch mehrere 
^lefe Thäler und Schluchten zerschnitten ist und ringsum von 
flachem Gelände begrenzt wird, in welchem die fruchtbaren Fluren 
▼on Wülfinghausen, Eldagsen, Älvesrode, Springe, Altenhagen, 
BrüDDighausen, Koppenbrügge, Voldagsen, Benstorf und Mehle 
gelegen sind. SW. von Koppenbrügge erhebt sich dann das Nord- 
ende des Ith, während nördlich der Bahnlinie von Hannover 
Dach Hameln der Deister selbst aufsteigt, welcher orographisch 
Qnd geologisch mit einzelnen Theilen des Kleinen Deisters und auch 
des Osterwaldes erhebliche Aehnlichkeit zeigt. 

Koppenbrügge und das Nordwest-Ende des Kleinen Deisters 
bilden die Wasserscheide zwischen Leine und Weser, sodass die 
breiten Niederungen von Altenhagen, Brünnighausen und Brullsen 
Dach W. hin zur Weser entwässert werden, während Voldagsen und 
das ganze nördlich vom Kleinen Deister und den Bergen der Wül- 
fioghäuser Klosterforst liegende Gebiet dem Flussgebiet der Leine 
angehören. 

Durch ein Querthal, welchem im Wesentlichen die Landstrasse 
von Koppenbrügge nach Eldagsen folgt, werden der Osterwald und 
die nordwestlich anstossenden Berge der Wülfinghäuser Klosterforst 
▼om Kleinen Deister und Nesselberg getrennt. 

Während Koppenbrügge in 130 Metern, Eldagsen in rund 
100 Metern Meereshöhe liegen, erhebt sich der Kleine Deister in 
den Wolfsköpfen bis zu 345 Metern, der Nesselberg im Grasberg 
bis zu 378 Metern und der Osterwald in seinem mittleren Theil 
bis zu 41 9 Metern, und von den unregelmässigen Köpfen der Wülfing- 
hinser Klosterforst erreicht der Holenberg 358 Meter. 

Der Kleine Deister und der Nesselberg bilden zwei parallele, 
lang gezogene Rücken, welche durch ein ziemlich breites Thal ge- 
trennt werden. Der Kleine Deister enthält neben dem Hauptrücken 
noch wesentlich niedrigere Parallelrücken, von denen der Wettberg 
nnd der Webeisberg mit besonderen Namen belegt worden sind« 



28 Wilhelm Wumstorp, Die geologischen Verhftltniese 

Alle diese Bergrücken haben im Allgemeinen einen Steilabfall nach 
NO. und flacheres, gleichmässigeres Gehänge nach SW. 

Der Osterwald dagegen bildet nicht eigentlich einen Bergkamm, 
sondern senkt sich gleichmässiger, obwohl er im Grossen und 
Ganzen sich auch von SO. nach NW., und nur in seinem öst- 
lichen Theil mehr nach O. hinzieht. Eine auffällige Steilkantc 
zieht sich auf seiner südwestlichen Seite im Waldrande nördlicl 
Dörpe oberhalb der oberen Salzburg entlang bis in die I*ähe voi: 
Osterwald. Im O. wird er durch einen ziemlich hohen Steilhang 
im N. und NO. dagegen durch unregelmässige Einsenkungen unc 
Kanten gegen die Berge der Wülfinghäuser Klosterforst abgegrenzt 
Von diesen, welche sämmtlich sehr unregelmässige Formen haben 
stehen der Rücken des Weissen Steins und die Nordkante dei 
Blecken noch einigermaassen im Zusammenhang mit dem östlichec 
Theil des Osterwaldes. Ihnen vorgelagert finden sich in bedeutenc 
tieferem Niveau der Hainholzkopf, die Barenburg und der nui 
wenig aus der Thalniederung hervortretende Kattberg. 

Der Holenberg besteht aus einem hufeisenförmig gekrOmmtei 
Rücken, dessen offene Schenkel sich, ebenso wie die zwischenlie 
gende Einsenkung, nach W. hin beträchtlich senken. Nördlicl 
vom Holenberg liegt der nordwestlich verlaufende Rücken det 
Rotheu Hengst und der Mühlenbrink, welche noch als Fortsetzung 
des Kleineu Deislers gelten können. Alle diese einzelnen Berg- 
rücken und Kuppen werden durch tief eingeschnittene Schluchtei 
von einander getrennt. Das Gehlebach-Thal trennt die Berge de 
Wülfinghäuser Klosterforst in ihrem westlichen Theil vom Oster 
wald und dem Kleinen Deisler. 

Geologischer Theil. 

Im Bereiche unseres Gebietes finden wir als älteste Schichtei 
den Keuper, ferner die ganze Juraformation, den Wealden und 
das marine Neocom, endlich nordisches und einheimisches Diluvium. 

Der Keuper. 

Vom Keuper ist nur der mittlere Theil, der Gypskeuper, sicht- 
bar, und zwar am Ruhbrink zwischen Benstorf und Dörpe, andrer- 



E 



dee Kiemen Bebten, Nesselberges und Osterwaldes. 29 

seits zwischen der Holzmüble und Eldagsen, hier schon eigentlich 
aiusserhalb unseres Gebietes. Der Gypskeuper besteht aus mäch- 
tigen rothen, blauen und grauen, mehr oder weniger thonigen 
Mergelo, welche in frischem Zustande ziemlich dickbankig sein 
tenneD, durch Verwitterung aber zu Brocken und Grus zerfallen 
und endlich einen etwas thonigen, lehmartig aussehenden Boden 
liefern. Der Gypskeuper enthält zum Theil auch festere Bänke, 
^or Allem den sogenannten Schilfsandstein, welcher am Uuhbrink 
'Q einer Länge von 1200 Metern den höchsten Rücken einnimmt 
^od aus massig feinkörnigen, bräunlichen, glimmerbaltigen Sand- 
steinen besteht. Dieselben sind nirgends aufgeschlossen, und die 
'o^e auf den Feldern umher liegenden Blöcke und Brocken sind 
^^rchweg einigermaassen verwittert und lassen die für den Schilf- 
^^ndstein sonst bezeichnenden, weinrothen Flecke und Streifen 
*^i<;ht mehr erkennen. In etwas tieferem Niveau treten östlich 
^ i^d westlich von dem Schilfsandstein auf dem Kamm des Ruhbrinks 
^ch sogenannte Steinmergelbänke auf, harte, helle Gesteine, 
eiche schwer verwittern, in eckige Brocken zerfallen und einen 
emlich dürren, unfruchtbaren Boden liefern. Aehnliche Gesteine 
nd auch an der Strasse von der Holzmühle nach Eldagsen zu 
«obachten. 

Die Jaraformation. 

Die Juraformation ist vermuthlich in allen ihren einzelnen 
^^liedern vertreten, obwohl diese nur theilweise mit Sicherheit nach- 
^^ewiesen werden konnten. Es gilt dieses namentlich von den ein- 
zelnen Zonen des Lias, des braunen Jura und von den Ornaten- 
^chichten, welche alle fast durchweg durch Thone vertreten sind 
Und sich somit nicht durch Gesteinsmerkmale von einander 
vinterscheiden lassen, zumal da Aufschlüsse in diesen Schichten 
fast ganz fehlen. Es musste daher darauf verzichtet werden, 
auf der Karte in den Gebieten am südlichen, östlichen und 
nördlichen Rand des Osterwaldes und Kleinen Deisters irgend 
welche Gliederung dieser Schichten vorzunehmen, deren Unter- 
suchung im Uebrigen nicht eigentlich in den Rahmen dieser 
Arbeit gehörte. 



30 Wilhelm Wusotobp, Die geologisckeo Veriiiltaisse 

Nachgewiesen konnten werden: Die Schichten mit Am- 
monites angulatus v. SCHLOTH. in dem am Bahnhof Osterwald 
mündenden Stollen des Kohlenbergwerks. Dieser Stollen steht 
auf mindestens 950 Meter Länge in flach nach N. einfallenden, 
dunklen, schiefrigen Thonen, welche dann durch eine Verwerfung 
gegen den Wealdensandstein abgeschnitten werden. Bei 800 Meter 
vom Mundloch kann man auch jetzt noch zahlreiche verkalkte 
Exemplare von Schlotheimia angtUata und verwandten Formen 
aus dem Schieferthon herausnehmen. Auf der Stollenhalde fand sich 
auch ein Exemplar von Gryphaea arcuata Lam. 

In dem Wasserriss zwischen den Gehöften und der Försterei 
der oberen Salzburg fanden sich femer in Schieferthonen Bruch- 
stücke von vollständig verdrückten Ammoniten, ähnlich dem Arietites 
geometricus Phill., sowie Lima pectinoides Sow. (?). Indessen 
kommen immerbin Amaltheen vor mit glattem Kiel und ziemlich 
geraden Rippen, sodass schliesslich die Schichten hier auch Amal- 
theen-Thone sein könnten. 

In einem Wasserriss nördlich Marienau, im Felde östlich von 
Dörpe und südlich von Osterwald und im Walde zwischen Mehle 
und Kloster Wülfinghausen stehen schiefrig-mergelige Thone mit 
zahlreichen Thoneisensteinknollen an. Fossilien konnte ich in die- 
sen Schichten nicht linden, doch ist anzunehmen, dass sie mindestens 
theilweise dem mittleren Lias, und zwar dem oberen Theil der 
Amaltheen-Thone angehören, in welchem ja Thoneisensteine häutig 
aufzutreten pflegen. 

Zum mittleren Lias gehören vermuthlich auch die Schichten 
der alten'Ziegelei-Tbongrube am Waldrande nordöstlich Voldagsen, 
in welcher sich neben Bruchstücken von Belemniten auch ein 
Stielstück von Pentacnnus basaltiformis MiLX.. fand. 

Dem Gestein nach sicher zu erkennen waren Posidonien- 
schiefer des Lias an der Strasse IIolzmühle-Farrensen, 500 Meter 
östlich der Holzmühle, und an der Wegeböschung unterhalb des 
Ducksteinplatzos am Kattberg. Aus diesem Horizont stammt wohl 
auch eine Schwefelwasserstoff^ haltige Quelle im Felde zwischen 
Farrensen und dem Kloster Wülfinghausen. 



des Kleinen Deisters, Nesaelberges and Osterwaldes. 31 

Am Nordost-Hange des Kleinen Deislers sind alle diese Thone 
von Abhangsschutt verhüllt, doch führt Roembr Posidonienschiefer 
m einem Brunnen der Domäne Springe an (Zeitschr. d. Deutsch. 
geol. Ges- 1851, S. 478). 

Der braune Jura fehlt anscheinend am S.-Uande unseres 
Gebietes gänzlich, da der Lias, beziehentlich Gypskeuper, durch 
eine Verwerfung gegen Neocom, Wealden, oder Münder Mergel 
und Serpulit abgeschnitten werden. 

Von alten Stollen- und Schachthalden auf dem Mehler Dreisch 

Qoterhalb des Waldes sind Fossilien des braunen Jura seit langer 

Zeit bekannt, und zwar erstens solche aus der Zone des Ammonites 

f^arkinsoni Sow., zweitens aus der Zoue der Ostrea Knorri Voltz, 

^wie drittens aus den Ornatenthonen. Von den Fossilien dieser 

Horizonte konnte ich noch eine ganze Reihe von Exemplaren, 

^lerdings meistens nur als Bruchstücke und sehr kleine Formen, 

^mmeln. Die ParKiMom-Schichten stehen auch an in der Ziegelei- 

I'hbngrube 1 Kilometer westlich vom Jagdschloss Saupark. 

An einem neuen Forstwege am Nordost-Hang des Kleinen 
'-^«isters im Jagen 53 fanden sich femer bräunliche, stark eisen- 
^c^liüssige Kalke mit Oolithkörnchen und Avicula echinata Sow. 

Die Omatenthone sind am Nordost-Hange des Kleinen Deisters, 

"^ den Bergen der Wülfinghäuser Klosterforst und am Oster wald 

^^^^ durchweg als graue, mergelige Thone entwickelt, in denen die 

^ C388ilien meistens sehr schlecht erhalten sind. Aufgeschlossen 

^^>X)d ich sie in dem Thal zwischen dem Weissen Stein und dem 

"^^ lirensberg, an der Barenburg und am Kleinen Deisler im Jagen 

^^. Etwas fester sind sie in der Dracbenscblucht in einem tief 

^angeschnittenen Wasserriss. Sie enthalten hier ausser verdrückten 

^^Tochstücken von Cosmoceras Jason Rein., besonders zahlreiche 

'^ixemplare von Nueula Caecüia d'Orb. 

Alle höheren Schichten des weissen Jura lassen sich im 
vVesentlichen schon nach ihrer Gesteinsbeschaffenheit erkennen und 
bilden namentlich mit die Bergrücken und Steilhänge des Kleinen 
t)ei8terB, der Wülfinghäuser Klosterforst und zum Theil auch des 
Nesselberges und Osterwaldes. Aus diesen Gründen wurden sie 



32 Wilhelm WuHaroar, Die geologischen YerEftltnisae 

auf der Karte meist speciell unterschieden. Es sind dieses die 
Heersumer Schichten, der Korallen-Oolith, der Kimmeridge, die so- 
genannten Gigas- Schichten, die Eimbeckhäuser Plattenkalke, die 
Münder Mergel, der Serpulit und der Purbeck. 

Die HeersumerSchichten bestehen aus dunklen, unreinen, 
sandigen Kalken, welche in ihrem unteren Theile mürbe sind, 
nach oben hin fester werden und reich an Fossilien sind. Leider 
sind sie fast überall durch Abhangsschutt von Korallen-Oolith ver- 
hüllt; am besten waren sie zu beobachten an einem Forst weg am 
NO.-Hang des Drakenberges. Hier und an einigen anderen Stellen 
fanden sich folgende Arten: 

Aspidoceraa perarmaium Sow. 
Perisphinctea plicaiilis Sow. 
Belenmitea haatatus Montf. 
Fleurotomana Münsteri Roemer 
Gryphaea dilatata Sow. 
Pecten subßbrosus d'Orb. 
Pecten vitreus A. Koem. 
Pholadomya sp. 
Goniomya litterata Sow. 
Pleuromya sinuosa RoEMER 
Trigonia clavellata Park. 
Cucidlaea sp. 

Die Mächtigkeit der HeersumerSchichten mag gegen 15 Mete 
betragen. Sie bedingen im Allgemeinen einen etwas steileren An 
stieg, als die unter ihnen liegenden, thonigen Gesteine, und bilde 
den untersten Theil des Steilhangs, welchen vor Allem die darüber* 
folgenden Schichten des Korallen-Ooliths einnehmen. Vielfact» 
treten an der Grenze zwischen den Heersumer Schichten und dea 
darunter liegenden Thonen Quellen zu Tage, durch welche gan^ 
häufig auch Rutschungen herbeigeführt sind. 

Der Korallen-Oolith bildet den Hauptsteilhang des Kleinen 
Deisters, der Berge der Wülfinghäuser Klosterforst und des Oster- 
waldes vom Hallerbrunnen bis Mehle, namentlich auch an den vor- 
springenden Köpfen der Bareuburg, des Weissen Steins und des 



des Kiemen, Deisten, Kesselberges und Qsterwaldes. 33 

£aiiiholzkopfe8. Besonders bei diesen bildet er auch vielfach den 
Untergrund der Hochfläche. 

Er besteht im Wesentlichen aus vorwiegend ziemlich fein- 
oolithischen, grauen bis bräunlichen Kalken, welche meist in 3 bis 
S Meter mächtige Bänke abgesondert sind und besonders am 
Kleinen Deister mehrere dolomitische Lagen einschliessen. Solche 
Dolomitbänke finden sich am West-Ende des Kleinen Deisters und 
mn der Nähe der Holzmühle an der oberen Grenze des Korallen- 
Ooliths, in einem Wegdurchbruch bei Homeisters Loch und in 
«nem Steinbruch am Mühlenbrink östlich der Holzmühle in der 
^itte der Schichtenfolge. 

Am Kleinen Deister wird der Korallen -Oolith in mehreren 
Steinbrüchen als Baumaterial gewonnen. 

Besonders die dolomitischen Gesteine widerstehen der Ver- 
^^itterung sehr lange und finden sich deshalb vielfach in grossen 
^Blöcken auf der Oberfläche, so besonders am SW.-Hang des 
Drakenberges und am W.-Ende des Kleinen Deisters oberhalb des 
iXlallerbrunnens. Am Ahrensberg, an der Barenburg, am Weissen 
Stein und Hainholzkopf scheinen Dolomitbänke zu fehlen. 

An Fossilien fand ich am Kleinen Deister in einem Steinbruch 
^Dberhalb der Holzmühle, besonders in den obersten Schichten: 

Chemnitzia Bronni Roemer 
PhasianeUa striata Sow. 
Lima sp. 

RhynchoneUa pinguia Roemer 
Cidaria ßarigemma Phill. 

Am Ahrensberg tritt an der unteren Grenze eine gelbliche 
Kalkbank auf mit zahlreichen Korallen, Cidari8'SisLche\u und Rhyn- 
ehanella pinffuis. 

In einem kleinen Steinbruch auf dem Ahrensberg fand ich ein 
Stück eines Crinoiden-Stiels, welches zu Millericnnus conicus d'Orb. 
gehören könnte. 

Ein loser, aus Korallen bestehender Block am N.-Abhange 
des» Ahrensberges enthielt eine Anzahl zum Theil gut erhaltene 
Exemplare von Lühophagua gradattia Buv.^ von welchen das beste 

Jahrboch 1900. 3 



34 WnjBLM WmmoBr, Dia gaologiBclifln Veriiiltiiine 

noch einmal 8o gross ist, wie das von Struckhann aus dem nn 
teren Korallen-Oolith von Völksen abgebildete (Neue Beiträge etc 
Taf. 17, Fig. 24, 25, S. 15). 

In einem Steinbruch am Hainholzkopf fand sich auch Turb 
princepa RoBMBR und eine grosse Terebrhtula von 5 Centimeter 
Länge, welche mit der von Qubnstedt (Der Jura, Ta£ 91, Fi( 
15, S. 748) und Thdrmann und £tali/>n (Lethaea Bruntrutani 
Taf. 41, Fig. 9, S. 287) gegebenen Beschreibung und Abbildun 
von Terebratula insignü SchObler Qbereinzustimmen scheint, nicfa 
aber mit der von Brauns (Der obere Jura etc., Taf. III, Fig. 11 
bis 21, S. 370) unter demselben Namen beschriebenen und abge 
bildeten Form. 

Der Kimmeridge ist, wenigstens am Kleinen Deister, ii 
allen seinen drei Theilen vertreten. Die Grenze zwischen deo 
Korallen-Oolith und dem unteren Kimmeridge ist in zwei Stein 
brüchen am W.-Ende des Kleinen Deisters südlich Springe un( 
am kleinen Drakenberg oberhalb der HolzmQhle aufgeschlossen 
£s liegen hier über dem Korallen-Oolith zunächst dunkle, dolo 
mitische Mergel, im ersten Steinbruch 3 Meter, im zweiten 1 Metei 
mächtig. Sehr häufig ist darin Terebratula humeralis Roemer, so- 
wie Steinkerne von Katica turbinifonniß Roemer, Trigonia sp. unc 
Pronoe nuculaefonnis RoEMER. Ueber diesen Mergeln folgen au 
einem Forst weg am SW.-Hang des Raherbergs 3 Meter mächtige 
fossilarme, mergelige, graue Kalke und 4 Meter hellgraue Thone 
welche auch an vielen anderen Stellen sichtbar werden. Di( 
Gesammtmächtigkeit des unteren Kimmeridge in diesem Profil be- 
trägt demnach 10 Meter. Theil weise sind die Schichten diesem 
Horizontes noch zu beobachten an dem Weg, der bei Homeister'j 
Loch den Koralleu-Oolith-Kamm überschreitet, und am SW.-Han^ 
des Kleinen Deisters unterhalb des als Wilhelmsblick bezeichneter 
Aussichtspunkts. Oestlich von der Holzmühle ist der unten 
Kimmeridge nur noch am Mühlenbrink sichtbar. 

Der mittlere Kimmeridge enthält an seiner unteren Grenze 
3 Meter graue Kalke, in etwa ^ .> — 1 Meter mächtige Bänke ab- 
gesondert, welche meist fein oolithisch, seltener etwas conglomera- 
tisch und dann ein wahresÄgglomeratvonMuschelbnichstücken sind. 




des Kleinen Beisters, Neeselberges and Osterwaldes. 35 

lo eiDem kleinen Steinbruch an der Strasse vom Jagdschloss zum 
Kamm enthält der Kalk häufig Pycnodonten-Zähne. Am mittleren 
und östlichen Theil des Kleinen Deisters liegen über diesen grauen 
Kalken bis 1/2 Meter mächtige, gelbe Kalke und dann 8 Meter 
mächtige, graue Thone, welche in ihrem oberen Theil festere, 
fossilreiche Lagen enthalten. Diese werden nach W. hin mäch* 
tiger, und die mürben, mergeligen Thone nehmen an Mächtigkeit 
ab; 80 stehen am SW.-Hang des Raherberges über den festen 
Binken an der Basis des mittleren Kimmeridge an: 

graue Thone 2, — Meter, 

dichte, feste Kalkbank 0,80 y> 

oolithische Mergel, in der Mitte mit 
einer 0,20 Meter mächtigen Kalk- 
bank 1,50 » 

graue, mergelige Thone 0,40 » 

dunkelgraue, feste, oolithische Kalke 3, — » 

Diese festeren Schiebten lieferten: 

Cidaris pyrifera Ag. 
Pygurus jurensis Marcoü 
EchinobrUstis sp. 
Terebratula subseUa Leym. 
Ceromya eacentrica Roemer 
Fronoe nuctUae/o/^mis Kobmer 
Pholadomya multicoatata Ag. 
Nucula Menkei Roemer 
Modiola aequiplicata v. Stromb. 
Corbicella Barrensis Büv. 
Carbicella Bayani de Loriol 
Pinna lineata Roemer 
Thracia incerta Roemer 
Nerita hemisphaenca Roemer 
Natica sp. 
Nautilus dorsatua Roemer. 

An manchen Stellen ist besonders häufig in diesen Schichten 
Ceromya orbicvlatis Roembr; Pterocevaa Oceani Brgt. habe ich 

3* 



36 WiLBBLH WiMRour, IHo geologifoli« Ymibaattame 

mit obigen Arten zusammen nur ausserhalb unseres Gebietes im 
Thalgrund in der MQnder Forst westlich Springe gefunden. 

Ueber den festen, oolithischen Bänken folgen Thone, erfüllt 
von besonders grossen Exemplaren von Terebratula mibsdla Lbtm. 
Oestlich der Holzmühle ist der mittlere Kimmeridge nur noch 
am Mohlenbrink zu beobachten; er scheint am mittleren Theil 
des Kleinen Deisters gegen 12 Meter, am westlichen dagegen min- 
destens 15 — 18 Meter mächtig zu sein. 

Die festeren Gesteine dieser Gruppe bedingen natürlich Kanten 
des Geländes und bilden an den Wolfsköpfen über der Steilkante 
des Korallen-Ooliths eine zweite, niedrigere Kante. Wo zwei 
Zonen fester Bänke vorhanden sind , wie im westlichen Tbeil 
des Kleinen Deisters, sind dann zwei solcher Terrainkanten vor- 
handen, von denen die obere nach dem mittleren Theil des Kleinen 
Deisters zu verschwindet. 

Der obere Kimmeridge beginnt mit mergeligen Kalken, 
reich an Exogyra virgtUa Defr. und Terebratula mibseüa Lbym. 
Darüber folgen am mittleren und östlichen Theil des kleinen 
Deisters festere Kalke, welche wiederum eine Terrainkante bedin- 
gen. Ein Steinbruch am SW.-Hang des Burgberges oberhalb de 
Körnungsplatzes zeigte folgende Schichten: 

blaue, mergelige, wulstige Kalke . . 1,50 Meter, 

feste Kalkbank 0,80 

graue Mergel, voll von Exogyra vir- 

gula Defr 1,15 

graue, weiss verwitternde, uneben- 
plattige Kalke bis 2, — » 

Dieselben Schichten sind auch an einem Forstweg am Webeis- 
berg, nahe der westlichen Parkmauer, und an einem zweiten, west- 
lich der Wolfijköpfe im Jagen 42, und in ihrem unteren Theil 
noch im Jagen 33, 300 Meter westlich vom östlichen Körnungs- 
platz, aufgeschlossen. In den dichten, grauen Kalken, welche die 
höchste Kante des Steilhanges bilden, fanden sich: 
Hemicidaris Hoffmanni Roemer 
Terebratula subsella Leym. 
Ostrea mulüformü Dkr. u. K. 



)» 



» 



des Kleinen Deisten, Nesselberges and Osterwaldes. 37 

Exogyra virffula Defr. 

Modiola aequiplicata Y. Stroikb. 

GermUia tetragona Ä. RoEM. 

Perna mbplana Etallon 

Pinna grantdata Sow. 

Pecten concentricus Der. u. K. 

Mactr&mya rugoaa Roem. 

Pholadomya multicoatata Ag. 

Thracia ineerta Roem. 

Trigonia papiüata ÄG. 

Trigonia Alina CoNT. besonders häufig, 

Lucina sp. 

Pronoe nuctdae/ormia RoEM. 

Chemnüzia Bronni RoEM. 

Natiea dubia RoEM. 

Natica sp. ind. 

Rirpurina subnodoaa RoEM. 

Neritopsis undata Cont. 

Bulla suprajurensis RoEM. 
Eine ganz ähnliche Fauna fährt Strugemakn zusammen mit 
^^roceraa Oceani Brgt. aus der Umgegend von Hannover an; 
^^i uns liegt sie jedenfalls über Schichten, die besonders reich an 
^^ogyra virgula Defr. sind. Pteroceraa Oceani Brgt. habe ich 
*^^er nicht gefunden. 

Ueber diesen fossilreichen Kalken folgen im mittleren und öst- 
lichen Theil des Kleinen Deisters ziemlich fossilarme, fein oolithische, 
in frischem Zustand blaue, grau verwitternde Kalke, welche im 
ganzen Bereiche des Kimmeridge und des Portland das beste 
Wegebaumaterial liefern und in mehreren Steinbrüchen gewonnen 
werden. Ich fand darin nur Terehratula subseUa Letm. und Stein- 
keme von Trigonien. Die untersten Lagen sind dunkler gefärbt 
und dolomitisch und werden vielfach an der unteren Grenze unserer 
Schichtenfolge sichtbar. Die Mächtigkeit der oolithischen Schichten 
°^% g^g^i^ 8 Meter betragen ; westlich von den Wolfsköpfen 
habe ich sie nicht mehr beobachtet. Nach O. fand ich sie noch 
»D eioeiq Foratwe^ am SW.-Hang des »Rothen Hen^stf, 



38 Wilhelm Wuhstorf, Die geologischen VerhiHiiisse 

Die obersten Schichten des oberen Kimuieridge bestehen a 
15 Meter mächtigen Mergeln und Thonen. Sie sind im A 
gemeinen arm an Fossilieq und enthalten nur in einer festere 
kalkigen Einlagerung in ihrer oberen Hälfte ssahirciche Exempli 
von Oatrea multiformis Dkr. und KoCH imd Steinkerne von Pror^. * 
Brongniarti Rokmer, P, nuculaeformis RoEMBR und Pecten concer^ 
tricus Dkr. und K. 

Die Portlandbildungen umfassen die ^mm.^o^-Schicht^i 
die Einbeckhäuser Plattenkalke, die Münder Mergel und de 
Serpulit. 

Die Schichten mit Ammonttes gigaa K. von Serbach^ 
bestehen aus 3 Zonen fester Kalkbänkr, welche durch mergelig 
Schichten von einander getrennt werden. Die festen Bänke siek 
je 1—3 Meter mächtig; die untere und die obere bestehen ai.ij 
mehr oder minder dickplattigen, ziemlich grob-oolithischen Kalkei xi 
und enthalten zuweilen zahllose Schalentrümmer; die mittlere ea't' 
hält mehr wulstige Kalke. Da diese Bänke auf grösseren Fläche ^ 
parallel der Tagesoberfläche liegen, so wird stets nur eine de«** 
selben gewonnen, und die Steinbrüche nehmen bald sehr grosse Au^' 
dehnuug ein. Am SW.-Hang des »Rothen Hengst« fand ich ei ^ 
verdrücktes Exemplar von Ammonifes gigas aut. ; häufiger sind ai^^* 
manchen Schichtflächen kleine, mangelhaft erhaltene Arten, namrn'^' 
lieh Gastropoden, die zum Theil wohl zu Turriteüa minuta Dk^^* 
u. K. gehören. 

Zu den A. ^2Y^a«-Sch ichton gehört wohl auch die grösstenthei 1 * 
durch Steinbruchsbetrieb schon abgetragene Kalkscholle im obere^ ^ 
Theil von Osterwald, in welcher ich nur Steinkerne eiues PecieT^' 
anscheinend Pecten concentricus Dkr. u. K. fand. 

Die A, ^i^os-Schichten mögen am Kleinen Deister und in df*^ 
Bergen der Wülfinghäuser Klosterforst eine Mächtigkeit von 4^^ 
bis 45 Metern haben. 

Die Eimheckhäuser Plattenkalke, welche an einem Forst- 
weg am SW.-Hang des Rothen Hengst zu beobachten waren, be- 
stehen hier aus 2 je 3 Meter mächtigen, dünnschichtigen, dunklen 
Kalken, welche durch mehr thonige Lagen von einander und auch 
von den ^.^zjro^-Schichten getrennt sind. Die dünnachichtigen Kalke 



d6B Kleioen Deisten, Ndsselberges and Osterwaldes. 39 

«othalten auf ihren Schichtflächen bisweilen Steinkerne und Ab- 
drücke von Corbula infiexa ROEM., Gerviüia arenaria RoBM. und 
.Modiola lithodamus Der.; sie verwittern schwer und liegen in oft 
sehr dQnnen Schalen an der Tagesoberfläche. Faat durchweg 
zeigt sich bei ihnen eine Zerklüftung senkrecht zur Schichtfläche, 
sodass sie in Griffelschiefer -artige Stücke zerfallen. Die Grenze 
gegen die folgende Gruppe wird von dickplattigen, grauen, ver- 
steinerungsarmen, ^/^ Meter mächtigen Kalken gebildet, welche 
nicht unähnlich manchen Gesteinen der A. ^o^Schichten sind. Die 
Mächtigkeit der Eimbeckhäuser Plattenkalke am Kleinen Deister 
und in den Bergen der Wülfinghäuser Klosterforst beträgt gegen 
25 Meter. Oestlich von der Drachenschlucht scheinen sie nicht 
mehr vorhanden zu sein. 

Die Münder Mergel bestehen im Wesentlichen aus rothen, 
blauen und grauen Mergeln und enthalten etwa in ihrer Mitte 
festere, braune, dolomitische Mergel, welche vielleicht den von 
KoERT aus der Gegend von Ammensen- Streit beschriebenen Cor^ 
itiZa-Bänken entsprechen, Fossilien aber nicht enthalten. In der 
oberen Hälfte der Münder Mergel treten Gypslager auf, welche, 
ebenso wie die von Koert von Ammenscn beschriebenen, sehr 
dünnscbichtig und in einem Erdfall in der Mitte des Hanges, süd- 
lich der Wolfsbuche in einer Mächtigkeit von 6 Metern auf- 
geschlossen sind; nach Aussage der Waldarbeiter wurden sie 
früher auch zum Brennen benutzt. Vielleicht sind nicht auf 
Auslaugung von Gyps sondern auf eine Verwerfung die Erdßllle 
zurückzuführen, welche die Grenze der Münder Mergel gegen die 
Eimbeckhäuser Plattenkalke begleiten. 

Die Grenzschichten gegen den Serpulit stehen an dem von 
der Barenburg zum Osterwald hinaufführenden Forstweg nahe am 
Nordrand der Blecken an und bestehen hier aus festen, rothen 
Mergeln, welche von dem Serpulit überlagert werden. 

Nach Koebt »Geologische und paläontologische Untersuchung 
der Grenzschichten zwischen Jura und Kreide etc.« und von 
Koenbn »Ueber das Alter des norddeutschen Wälderthons« ist 
der Serpulit noch zum Portland zu stellen. Koert beschreibt 
die 9e)ir wechselnde Gestejnsausbildung des Serpulit im QebM 



40 WiLHBLM WüHSTORp, Die goologischeD Yerliiltiiisae 

des Seiter. Am Nesselberg, in den Bergen der Wfllfinghäuser 
Klosterforst und am Osterwald besteht er aus Conglomeraten, 
dichten, oolithischen und schiefrigen Kalken, aus Kalksandsteinen, 
Thonen und Mergeln. 

Da bezeichnende Fossilien sehr häufig nicht vorhanden sind, 
so wurden die über den eigentlichen MQnder Mergeln folgenden 
festen Gesteine als Serpulit gedeutet. Typischer Serpulit, 2 bis 
3 Meter mächtige Kalke, erfüllt von KöhrenbruchstQcken von 
Serpula coacervatu Blum., sind nur am Ahrensberg, südlich vom 
Weissen Stein, am südlichsten Theil der Barenburg und am Holen- 
berg vorhanden. Am Weg von der Barenburg zum Osterwald 
stehen die tiefsten Schichten des Serpulit nahe am Rande der 
Bleeken an; sie bestehen hier aus grauen, splittrig zerspringenden 
plattigen Kalken. An der Fortsetzung des Weges stehen dort,.^ 
wo er den Rand überschreitet, graue Mergel mit Kalkknauem an,^ 
und 500 Meter westlich von diesem Aufschluss in einem kleinen^ 
Steinbruch folgende Schichten von unten nach oben: 

graue Kalke, nach oben hin mürbe . 1,50 Meter, 
rothe und blaue Mergel .... 1, — » 
gelblich-graue Kalke mit Glimmer- 
blättchen und sehr dünnen, schwar- 
zen Zwischor.^chichten .... 1, — » 
Mergel mit Kalkknauern .... 0,80 » 
grauer, krystallinischer Kalk . . bis 1, — » 
Die von dein ersten Aufschluss erwähnten, plattigen Kalk^? 
bilden den ganzen Nordrand der Bleeken bis zum Holenberg ^ 
auf den Bleeken, auf deren Oberfläche überall Serpulit in geringer 
Tiefe ansteht, fehlen Aufschlüsse fast ganz; nur an einzelnen 
Stellen werden rothe Mergel sichtbar, vermuthlich dieselben wie 
in dem zuletzt angeführten Steinbruch. An den Gehlebach- 
quellen und an der von hier zum Osterwald hinauf führenden 
Strasse stehen im Wegegraben dünne, schiefrige Kalke an, nicht 
unähnlich den Eimbeckhäuser Plattenkalken. Es ist dieses jeden- 
falls ein ähnliches Vorkommen, wie es KoERT (I. c.) vom Seiter 
aus der Nähe von Varrigsen beschrieb. Im Gehlebachthal liegen 
dort, wo sich die südliche Steilkante des Holenberges in den 



d«f Riemen DeiBtera, Ne^selbergea und Oeterwaldes. 41 

Thalgrand hinabsenkt, sandige Platten, auf deren Scbichtflächen 
neben Serptda coaeervata Blum, zahlreiche Fischschuppen und 
kleine Knochenreste sichtbar sind. Am ganzen Nesselberg wird 
der grösste Theil der Gruppe von ebenplattigen, sandigen Kalken 
gebildet, stellenweise mit Steinkernen von Cyrenen; es stehen 
diese Schichten in alten Steinbrüchen an, welche bei der Erbauung 
der Mauer des Sauparks angelegt worden sind. 

Nur in einem Steinbruch oberhalb der Rothen Kule nördlich 
Marienau und in einem zweiten, am SW.-Hang des Nesselbergs, 
im Jagen 160, sind die obersten Schichten des Serpulit sichtbar. 
In ersterem war folgendes Profil zu beobachten: 

Kalksandstein, auf dessen Bruchflächen 
undeutliche Steinkerne von Fossilien 
zu erkennen sind, bis .... 0,30 Meter, 

blauer Schluffsand 0,80 » 

sandige Kalkschiefer, in einzelnen 
Schichten völlig in Sandstein über- 
gehend 1,20 » 

feste, etwas sandige, blaue, gelb ver- 
witternde Kalke 1,20 » 

Conglomerate mit vereinzelten Röhren- 

stflcken von Serpula coaeervata Blüm. 0,70 ». 

lieber dem Conglomerat, in dem Kalkgerölle durch ein 
^^kles, kalkig-sandiges Bindemittel verkittet sind, folgen graue 
^^J^gel, welche ich zum Purbeck stellen muss. 

In dem alten Steinbruch am Nesselberg steht eine 0,50 Meter 
"^^chtige, conglomeratische Kalkbank an, deren Oberfläche mit 
^^^a 1,5 Centimeter dickem Kalksinter incrustirt ist. In letzterem 
^^den sich zum Theil wohl erhaltene Exemplare von 

Melania harpae/ormis Dkr. u. Koch 
Littorinella Schustert Roemer 
Lütortnella elongata Sow. 
Cyrena parmrostria Roembr 
Cyrena aubtransoerearia Roembe 
Serpula coaeervata Blum, 



42 Wn^HBLM WoHvroRT, Die geologiachen Verliiltiiisae 

In dem conglömeratiscben Kalk selbst sind Tielfach Durch- 
schnitte von Schalen von Gastropoden und Bivalven sichtbar; die 
letzteren dürften mindestens theilweise der Gattung Cyrena an- 
gehören. 

An einem Forstwege, der am N.-Hang des eigentlichen Oster- 
waldes entlang f&hrt, stehen 800 Meter westlich der Meerpfbhle, 
im Jagen 124, 8 Meter mächtige, zu braunem Sandstein ver- 
witternde Kalksandsteine an mit einer dQnnen Mergel-Lage in 
ihrem oberen Theil. Sie fallen mit 40® nach Westen ein und 
liegen dicht an einer den Kamm des Osterwaldes durchsetzenden 
Bruchlinie. Der oberste Theil dieser Schichten ist wohl schon 
als Stinkkalk des Purbeck anzusehen, während der untere Theil 
noch zum Serpulit gehören könnte. 

500 Meter westlich vom Ort Osterwald stossen Serpulit und 
Purbeck-Schichten an die grosse, den Osterwald im S. ab- 
schneidende Verwerfung und sind dort stark zerrüttet und zum 
Theil dolomitisirt, so dass Mergel und Kalkbftnke nicht mehr 
unterscheiden sind. 

Erwähnt sei hier beiläufig, dass ich in dem KNlGGB^schenv 
Steinbruch am Speckenbrink, dem N.-Hang des Bielsteins, alscv 
schon ausserhalb des von mir näher untersuchten Gebietes, au^ 
der Oberfläche des von iS^rpu/a- Röhren erfällten Serpulits sehe" 
ausgeprägte N.-S. streichende Wellenfurchen beobachten konnte* 
Es ergiebt sich hieraus, dass auch hier der Serpulit in gan^ 
flachem Wasser abgelagert worden ist, ebenso wie die vom Oster- 
wald erwähnten Conglomerate, und wie dieses von Koenen 
»Ueber das Alter des norddeutschen Wälderthons, S. 313« er- 
wähnt hat. 

Kimmeridge und Portland von der Barenburg bis zum 

Ostrand des Osterwaldes. 

Oestlich vom Holenberg weichen die oberen Jurabildungen 
vom Kimmeridge bis zum Serpulit wesentlich von der bisher 
beschriebenen Entwiukelung darin ab, dass sie mehr oder minder 
an Mächtigkeit abnehmen und sich auskeilen. 



des Kleineil Deisten, Nessel berges und Osterwaldes. 43 

Ueber dem Korallen-Oolith auf dem Rücken der Barenburg, am 
Weissen Stein und am Hainholzkopf folgen mergelige Kalke mit 
Terebratula subsella Lbtm. und dann an den beiden ersteren 
Paukten in der zweiten Terrainkante dichte, graue Kalke, welche 
dieselbe Fauna enthalten wie der untere Theil des oberen 
Eimmeridge am Kleinen Deister. An der Barenburg und am 
Weissen Stein sind in einer dritten Terrainkante dickbankige, zu 
Blöcken zerfallende, theilweise fast nur aus SchaltrQmmern be- 
stehende Kalke vorhanden, welche ihrem Gesteinscharakter nach 
wohl zu den Schichten mit Ammonites gigas aut. zu rechnen sind. 

Auf dem Ahrensberg und weiter östlich fehlen letztere 
Schichten vollständig. In dem Thal zwischen dem Ahrensberg 
und dem Weissen Stein folgen über dem Korallen-Oolith die 
dichten, grauen Kalke des oberen Kimmeridge, dann graue, 
mergelige Thone und darüber Serpulit. Die Mächtigkeit der 
Schichten zwischen dem Korallen-Oolith und dem Serpulit beträgt 
hier gegen 20 Meter. 

In der Elzer und Mehler Stadtforst, am Ostrande des Oster- 
waldes, wird der Korallen-Oolith von blaugrauen Mergeln mit 
Kalkknauern überlagert, über denen graue, feinoolithische Kalke 
mit sehr schlecht erhaltenen Steinkernen einer Tereh^atula^ an- 
scheinend Terebf'atula subsella Letm., liegen. Hierüber folgt sofort 
in einer zweiten Terrainkante der Serpulit, so dass die Münder 
Mergel, die Eimbeckhäuser Plattenkalke, die A, ^igra^-Schichten und 
ein grosser Theil des Kimmeridge fehlen. Die blaugrauen Mergel 
and die oolithischcn Kalke im Hangenden des Korallen-Ooliths 
sind noch einmal im Walde unweit des Mehler Dreisches in zwei 
Steinbrüchen aufjnreschlossen. Die Mächtigkeit der den Korallen- 
Oolith vom Serpulit trennenden Schichten beträgt hier nur gegen 
15 Meter. 

Dieses eigentbümliche Verhalten der oberen Jurabildungen 
lässt sich nun entweder durch allmähliches Auskeilen der ver- 
schiedenen Schichten, oder durch Meeresabrasion vor oder auch 
während der Ablagerung des Serpulits, oder endlich durch Ueber- 
schiebnng des Wealden und Serpulit über ejuen Theil der oberen 
Jurabildungen erklftreOf 



44 WiLBBLM WuHSTOBT, Die geologischeii YerikiltiuBte 

Am Ostrande des Deislers, bei Völksen, im zweiten Ste 
bruch vor dem NO.-Ende des Dorfes, liegen nun Ober c 
obersten Schiebten des Korallen-Oolith, welche hier aus grQnli^ 
grauen Mergeln mit zahlreichen, theil weise abgerollten Cida- 
Stacheln bestehen: 

blaue Mergel mit Kalkknauern . . 2, — Meter, 

dichte, graue, gelb verwitternde Kalk- 
bank 1, — » 

blaue, sehr thonige Mergel . . . 0,10 » 

fester, grauer Kalk 0,30 » 

plattiger, gelb verwitternder Kalk- 
sandstein 0,20 » 

fester, grauer Kalk 0,10 « 

blaue und gelbe Thone mit einer Ein- 
lagerung von krystallinischem Kalk 

nahe der oberen Grenze . . . 3, — » 

und an der höchsten Kante des Steinbruchs gelbe Kalkplatten i 
Serpula-Röhren^ vermuthlich Serpulit. 

Wir haben also hier zwischen dem Serpulit und dem Koralh 
Oolith im Ganzen nur gegen 8 Meter kalkige und thonige Schicht« 
welche jedenfalls nur einem kleinen Theil des Kimmeridge u 
Portland entsprechen können, so dass der Haupttheil diej 
Schichten hier fehlt. Etwas mächtiger sind die oberen Jui 
bildungen entwickelt in einem Steinbruch westlich von Volks 
an der alten hannoverschen Strasse. Ueber dem dort oolithis 
entwickelten oberen Korallen-Oolith folgen: 

dünne Kalkbänke mit Thonschichten 

wechsellagernd 0,40 Meter, 

blaue, schiefrige Mergel .... 0,75 » 
blaue und grünliche, knollige Kalke 

mit Steinkernen von ProfiÖe Bron- 

gniarti RoEMER, P, nuculaeformü 

ROEMER, Tngonia sp 3, — » 



dM Kloiiiaa Beiitten, NesMlbergds und Osterwaldes. 45 

dunkelgraue, mürbe Mergel mit 

Kohleresten und Kalkgeröllen . 0,40 Meter, 

graue, splittrige Kalke 0,30 » 

Qod an der oberen Kante gelbe, schiefrige Kalke. 

Der Serpulit folgt bald über dem Steinbruch im Felde. Die 

-^^htigkeit dieser Schichten beträgt hier nahezu 20 Meter. 

-^^ eine üeberschiebung ist hier nicht wohl zu denken, so dass 

^iQe solche auch am Ostrande des Osterwaldes nicht wohl an- 

^^Hehmen ist, und es scheinen namentlich die A. G^o^-Schichten, 

^^Icbe ja an anderen Stellen öfter als eine Art Muschelsand, also 

^^ Strandbildung entwickelt sind, hier zu fehlen, so dass wir an^ 

^^hmen mQssen, dass diese Schichten sich hier ausgekeilt haben, 

^<id es kann f&glich hiermit auch eine Abrasion bereits abgelagerter 

Schichten verbunden gewesen zu sein. 

Der Purbeck. In dem Steinbruch oberhalb der Rothen 
'^^ihle, nördlich Marienau, folgen über der Conglomeratbank, 
^^Iche ich als obersten Serpulit ansehe. 

blaugraue Mergel, nach oben sandig 1, — Meter, 

graue, plattige Kalksandsteine . . 0,60 » 

blaugraue, thonige Mergel .... 1,70 » 
graue, bituminöse Kalke, an der 

Basis schiefrig 1,20 » 

Die letzteren sind in der Regel allein im Walde an der 
^-•t^erfläche sichtbar. 

In dem Steinbruch am Süd-Hang des Nessel bergs wird die an 

^rer oberen Schichtfläche Kalksinter - ähnliche Bank des Serpulit 

^ Verlagert von 1 Meter graublauen Mergeln, 0,30 Meter gelben, 

^ Endigen Mergeln und gelben Kalksandsteinen an^der höchsten 

^ante des Steinbruchs. 

Nur hier fand ich in den blaugrauen Mergeln über dem 
Serpulit stark verdrückte Steinkerne von kleinen Gastropoden, 
Cyrenen, Cffpris und Cypridea. Mit einiger Sicherheit bestimmen 
konnte ich wenigstens Bythinia Sautieri de Loriol. Es wird hier- 
durch sowohl als durch die Lage über dem Serpulit hinreichend 
wahrscheinlich, dass hier Vertreter der Purbeckschichten vorliegen 



46 WiLRBLM WuNSTOBF» Die goologisckeii Veriiiitiiiase 

wie sie von Kobrt (1. c.) von der SW.-Seite des Seiter beschrieben 
worden sind. 

Die G^sammtmächtigkeit dieser Schichten am Nesselberg und 
am Osterwald beträgt wohl nur gegen 6 Meter. 

Die Kreideformatioii. 

Der Wealden nimmt den grössten Theil der Oberfläche des 
Osterwaldes, des Holenbergs und des Nesselbergs ein. Er wurde 
näher beschrieben von Dukker (Monographie der norddeutschen 
Wealdenbildung, 1846), Heinrich Crednbr (Gliederung der oberen 
Juraformation u. s. w., 1863) und Strugkmann (Die Wealden- 
bildungen der Umgegend von Hannover, 1880). Ein genaueres 
Profil fast der ganzen Schichtengruppe gab Dükkeb (1. c.) auf 
Grund von Belegstücken der einzelnen Schichten, ohne jedoch zu 
erwähnen, woher die Belegstücke stammen, so dass sich nicht 
übersehen lässt, in wie weit sein Profil auf Combination beruht, 
und eine neue Prüfung und Würdigung desselben nicht möglich 
ist. Dem DuNKER'sehen Profil entspricht das von Crednbr ge- 
gebene^ während Struckmann in seiner vorwiegend paläontolo- 
gischen Arbeit auf dasselbe nicht naher eingeht. 

Von der Kgl. Berg-Inspection in Osterwald erhielt ich nun 
folgende Protile des vor 20 Jahren abgeteuften Tief bauschachtes und 
zweier Bohrlöcher vom Anhalt und vom Steinbach, welche ich 
jetzt mittheilen möchte, da inzwischen das Steinkohlenbergwerb 
in Privatbesitz übergegangen ist. Gesteinsproben der Profil« 
standen mir nicht zu Gebote, so dass ich über die Bezeichnung 
der Gesteine kein eigenes Urtheil habe. 

Tiefbau Schacht. 

Lehm mit Sandstein^ierolleu . . 3, — Meter, 

Blaue Thoue mit Sandsteiuorerolleu . 5, — » 

Eiseuschüssiirer Schiefer .... 1,50 » 

Weisser, klotziger Schiefer . . . '2,50 » 
Hilsthou mit C'onirlomeniteu und 

Verstoiueruugen 4, — » 

1d,00 Meter, 



des Kleinen Deisten, l^eeselbergea nnd Osterwalclee. 47 

Uebertrag . . 16,00 Meter, 

Weisser, klotziger Schiefer . . . 4, — » 

Schwärzlicher Thonschiefer . . . 2,40 » 

Fester Kalkstein 0,60 » 

Cyrenenschiefer 0,40 » 

Graaer, schwärzlicher Thonschiefer . 2,60 » 

Cyrenenschiefer 1,20 » 

Grauer, schwärzlicher Thonschiefer . 8,20 » 

Kalkstein 0,60 » 

Sandiger, grauer Thonschiefer . . 1,10 » 

Sandstein 1,10 » 

Berg-taubes Kohlenflötz 0,30 » 

Sandiger Thonschiefer 1,20 » 

Sandstein 1, — » 

Sandiger Thonschiefer 2, — » 

Taubes Flötz 0,60 » 

Grober, grauer Sandstein .... 1,20 » 

Weisser Thonschiefer 0,50 » 

Grauer Sandstein 5,60 » 

Grauer Sandstein mit Kohlenadern . 0,50 » 

Weisslicher, thoniger Sandstein . . 0,75 » 

Grauer Sandstein 0,50 y> 

Weisslicher, thoniger Sandstein . . 0,85 » 

Grauer, thoniger Schiefer .... 1,90 » 

Schwärzlicher Schiefer 0,40 » 

Grauer Sandstein 1,30 » 

Grrauer, sandiger Schiefer .... 0,45 » 
Schwärzlicher Schiefer mit kleinen 

Kohlenadem 0,20 » 

Kurzer, klotziger Schiefer .... 0,75 » 

Schwärzlicher Schiefer 0,30 » 

Hangendes Flötz 0,44 » 

Quarziger Sandstein ...... 0,30 » 

Liegendes Flötz (obere Bank) . . 0,18 » 

Weisslicher^ seifenartiger Schiefer . 0,37 » 

54,79 Meter, 



48 



WiMBui WmnTOBP, Di« gcoIogiMlMB VtriiitteiiM 



54,79 Meter, 
0,33 
2,73 
1,40 
0,45 
0,90 
5,25 
0,75 
0,90 
4,60 

11,- 
0,40 



1,50 
0,05 

4,- 



» 
» 
» 

» 

» 
» 

» 
» 



Uebertrag . 
Liegeudes Flötz (untere Bank) * 
Weisslich-grauer SchieferthoD 
Grauer Sandstein .... 
Seh w&rzlich- grauer Sandstein 
Weisslicher Sandstein 
Grauer, thoniger Schiefer 
Weiss-grauer Sandstein . 
Grauer, thoniger Schiefer 
Grauer Sandstein . . . 
Weisslicb-grauer Scbieferthon 
Grauer, thoniger Sandstein 
Schwärzlicher, thoniger Schiefer (sehr 

knotig) 

Weisslich-grauer Thonbesteg (Letten) 
Grauer Thonschiefer (etwas sandig) 
Grau-schwärzlicher Thonschiefer mit 

Kohlenadem 2,50 

Grauer, sandiger Thonschiefer . . 0,80 
Duukelgrauer, saudiger Schiefer . . 0,40 
Weisslich-grauer, thoniger Sandstein 0,15 

Kalkstein 0,60 

Schwarzer Schiefer mit Kohlenadem 0,30 
Grauer, thoniger Schiefer .... 1,80 

Grauer Kieselschiefer 0,75 

Weisslich-graner Thonschiefer . . 0,08 

Grauer Sandstein 0,67 

Weiss-ffrauer Thonschieter . . . 3,10 

Schwärzlich-brauner Thonschiefer 0,35 

Grauer Thonschiefer 1,10 > 

Taubes Kohleufli^t2 0,15 » 

Schwarzer Thonschiefer 0,85 

Duukelgrauer Saudsteiu 0,35 > 

Grauer Thonschiefer 0,75 » 

103,75 Meter, 



;> 



» 



» 



» 



>> 



.> 




6m Kleinen Deisters, NesselbergeB and Osterwaldes. 49 

Uebertrag . . 103,75 Meter, 
Grauer Sandstein mit Schwefelkies 

und Kalkspathdrusen .... 0,80 » 
Weicher, grauer Schieferthon . . . 1, — » 

Hellgrauer Thonschiefer 1,40 » 

Grauer, kalkiger Sandstein .... 1,35 » 

Schwarzer, bituminöser Schiefer mit 

Schwefelkies und Kohlenadern . 0,20 » 

Grauer, milder Schieferthon . . . 1,80 » 

110,30 Meter. 

Bohrloch am Anhalt. 

Lehm mit Sandsteingeröllcn . . . 2,35 Meter, 
Eisenschüssiger Schieferthon . . . 2,80 » 

Grauer Schieferthon 3,90 » 

Gelber, couglomeratischer Sandstein 2,10 » 

Blauer Schieferthon 2,9ß 

Sandsteinconglomerat 0,74 

Uöthlicher Sandstein 1,(]0 

(Jraues Sandsteinconglomerat . . . 3,30 

Graublauer Schiefer 0,90 

Grauer, couglomeratischer Sandstein 4,CG » 
Weisslich-graucr Schieferthon . . 
Grauer, conglonieratischer Sandstein 
Grauer und blauer Schieferthon . . 
Weisser und schwärzlicher Sandstein 

Bläulicher Schieferthon 10,25 

Grauer, conglonieratischer Sandstein 
Weisslich-grauer Sandstein 

Bergflötz 

Weisslich-grauer Sandstein 
Grau-schwärzlicher Sandstein 
Schwärzlicher Schieferthon 
Grauer und weisslicher Sandstein 



» 
» 
» 
» 
» 



Jabrbueh 1900. 



G,60 


» 


3,86 


» 


2,80 


» 


2,fi5 


» 


10,25 


» 


1- 


» 


10,28 


» 


0,81) 


» 


8,86 


» 


6,78 


» 


1,G2 


» 


3,33 


» 


84,23 


Meter, 




4 



io 




Uebflrtng . . 84,33 ] 

Hangendei FlOtz 0^ 

Weisaer und schwlnlichn; Sutdatmo 1,30 
Id^cDdes FlStz . 0,50 



86,43 H«l«r. 



Bohrloch am Steinbach (200 Meter sQdlicb der Oiaanee) 

Lehm mit SandsteiDgeiflUen . . . 1,00 Ifoter, 

Eiseaschiefer mit Coaglomeraten . . 3,50 

Bluier SchiflferthoQ 2,— 

Botfaer, Buidiger Sdiiefer .... 2,92 

Blaner, sandiger Schieferthon . . . U,78 

Weisslioh-graaer Sdüeferthon : . . 7,04 
Schw&rzlich-graaes Sandsteinconglo- 

merat . .« 9,lS 

Graner Schiefer 2,78 

Crrobkfirniger, grauer und gelber 

Sandstein 11,65 

Weisslicb-grauer Schieferthon. . . 2,53 

GrobkSmiger, grauer Sandstein . . 2,30 

Schwärz lieh- grauer Schieferthon . . 2,59 

Bergflötz 0,50 

Grauer Sandstein 0,78 

Schwarzer Schieferthon 1,18 

Weisslicher, eeifeoartiger Schieferthon 3,22 

Grauer Saudstein 3,07 

Schwarzgrauer, sandiger Schieferthon 6,43 
Schwärzlich - grauer, grobkörniger 

Sandstein 7,28 

Weisslich-graiier Schieferthou . . 24,68 

Grauer Sandstein 2,85 

WeissHch-grauer Schieferthon . . . 2,75 

Grauer, grobkörniger Sandstein . . 4,03 

Haugendee Flötz 0,50 

Schwarzer Sandstein 1,20 

Liegendes Flötz 0,50 



116,19 Meter. 



des Kloinen Deislers, Nesselberges und Osterwaldcs. 51 

In dem Tiefbauschacht sind unter dem Lehm mit Saudstein- 
S^röllen (Wealdensandsteinschutt) zunächst 17 Meter Schichten 
^«8 marinen Neocom durchteuft, dann 91 Meter oberer Wealden. 
Ueber dem hier unbauwürdigen obersten Kohlenflötz, dem Berg- 
flötz, liegen wesentlich Schiefer nur mit 1,10 Meter Sandstein 
an der unteren Grenze. Unter dem Bergflötz folgen dann 
38,6 Meter wesentlich Sandsteine, in welchen die beiden wenig 
mächtigen, aber doch bauwürdigen Flötze, das hangende und 
das liegende Flötz, liegen; die untersten 38 Meter enthalten 
(ti&t nur Schiefer ohne nennenswerthe Kohlenflötze. 

Es fehlen an diesem Profil noch rund 90 Meter des Dunker- 
schen Profils. 

In dem Bohrloch am Anhalt finden sich in den 60 Meter mäch- 
tigen Schichten Ober dem Bergflötz auffallend viele und mächtige 
Sandsteine und couglome ratische Sandsteine. Welche von diesen 
Schichten noch dem Neocom zuzurechnen sind, entzieht sich voll- 
ständig meiner Beurtheiluug. 

In dem Bohrloch am Steinbach treten dagegen in den 
Schichten über dem Bergflötz die Sandsteine mehr zurück, und 
das Bergmittel zwischen dem Bergflötz und dem sogenannten 
bangenden Flötz schwillt hier bis auf 56 Meter an, während es 
au den beiden anderen Stellen, zwischen w^elchen der Steinbach 
Hegt, höchstens 20 Meter beträgt. Eine ähnliche Mächtigkeit gab 
auch Dünker an. Diese auffällige Verschiedenheit ist vielleicht 
dadurch zu erklären, dass das Bohrloch am Steinbach eine Ver- 
werfung oder sonstige Störung durchteuft hat. 

Nach Dünker und Credner ist die Mächtigkeit des ganzen 
Wealden am Osterwalde rund 180 Meter. Nach den von ihnen 
Hngefiihrten Profilen sind ausser dem Berg-, dem hangenden 
i4ud dem liegenden Flötz, welche dem oberen Wealden an- 
gehören, noch drei bauwürdige, das Ober-, Mittel- und Unter- 
flötz , in den untersten Schichten der Gruppe vorhanden. Seit 
längerer Zeit wurden am Osterwald nur die Flötze des oberen 
Wealden angebaut; an vielen Stellen, wie an dem Wege von 
Osterwald zum Steinbruch im Jagen 83, im Thale nördlich Dörpe 
und am Ilolenberg sind in früheren Zeiten auch Versuchsbaue in 



52 WiLHxui WussTOBF, Die geologiKhen Yerhftltnbse 

tieferen Flötzen angelegt worden. Ein sehr unreines Kohlenflötz 
ist an vielen Stellen im Ausgehenden dicht Ober den Purbeck- 
kalken sichtbar. 

In dem ehemaligen Bergwerk am Nesselberg sind anscheinend 
nur die unteren Flötze abgebaut worden. 

Während Struckmakk am Deister bei Barsinghausen eine 
besondere, nur aus Schieferthonen, Cyrenen- und Melanienschichten 
bestehende obere Abtheilung von einer fast nur aus mächtigen 
Sandsteinbänken gebildeten unteren abtrennte, lässt sich am Oster- 
wald eine solche Trennung nicht durchfuhren, wie sich aus obigen 
Profilen ergiebt, und wie dieses schon Credner (I. c. pag. 64) 
hervorhob, und es schwankt die petrographische Entwickehmg am 
Osterwald, selbst auf die geringe Entfernung von 1200 Meter 
vom Anhalt bis zum Tiefbauschacht, sehr erheblich. Schichten 
mit Melania strombi/ornm ScHL., AI. tricarinata Dkr. und ver- 
drückten Cyroueuschalen treten am Osterwald ebenso wie am 
Deister in den oberen Wealdenschichteu auf. 

In Betreff der Kohlenflötze unterscheidet sich die Ent- 
wicklung des Wealden am Deister von der am Osterwald dadurch, 
dass die an diesem vorliandeiien Kohlenflötze der oberen Wealdeu- 
sc'hicliteii an jenem fehlen. 

Die Sandsteine sind zum Thcil ziemlich feiukörni«j, bestehtMi 
fast ausschlie:^>lieh aus (^uarzkörnern und hal)eu meist ein wichr 
rider minder kioselisjes Bindemittel. In der Kegel sind sie hell- 
iXrau, irelb oder auch braun ^efiul)t. In den Saudsteinen finden 
sich <re] eigentlich manirelhaft erhaltene Pflanzenreste und auf ein- 
zelnen Schichtflächon auch wohl Steinkernc und Abdrücke von 
Cyrenon und (leri^leichen mehr. Im obersten Theil des Wealden 
treten aber auch förmliche Quarzconglomerate auf, in denen 
(ierölle von Milchquarz oder irrauom (^uarz und auch von Kiesel- 
schiofcr in einer Orundmasse von ziemlich <irobkörni«2:em Sand- 
stein lieüjen. 

Aehnlich wie am Deister werden die homogeneren Sandsteine 
am Osterwald und am Nesscll)eror an zahlreichen Stellen als 
worthvolles Baumaterial ufc^wonnon und weithin verschickt. 



''i'^ 



rhoniajj^en zwischen den Sandsteinbänken am Nesselberjr 



des Kleinen Deislers, Nesselbcrges und Osterwaldes. 53 

wordeil vou den Töpfern in Brünnighausen zur Herstellung von 
Steingut verwendet, ähnlich wie dies in früherer Zeit besonders 
in Duingen mit den Wealden-Thonen in grossem Maassstabe ge- 
schehen ist. 

Das marine Neocom liegt am S.-Hang des Osterwaldes in 
massiger Ausdehnung auf dem oberen Wealden und wurde durch 
verschiedene Schächte in älterer und neuerer Zeit aufgeschlossen. 
In dem Wasserriss des Steinbachs sind 300 Meter südlich der 
Strasse zwischen Thonen graue bis braune, eisenschüssige Sandsteine, 
zum Theil mit einzelnen Quarzgeröllen, sichtbar und enthalten 
neben seltenen, verdrückten Ammoniten (Olcostepha?ius cf. Keysev- 
^^^gi Neüm.) besondere Steinkerne von Bivalveu, 

wie Acicula maa^optera Roemer 
Aucella Kejjserlingi Lahusen 
Pecten crassitesta Roemer 
Thracia Phillipsi Roemer 
Thracia elongata Roemer 
Pholadomya altemans Roemer 
Heuromya Rameri Gent, 
Pinna Robinaldiana d'Orb. 

Welche zum Theil schon von Roemer (Versteinerungen des nord- 
deutschen Kreidegebirges, 1840) angeführt und nach seiner An- 
gabe auch im Lichtschacht I angetroffen worden sind. 

Eine etwas reichere Fauna von Ammoneen aus einem älteren 
Schacht wurde von Neumayr und UuLiG in ihrer Arbeit über 
die Ammonitiden aus den norddeutschen Ililsbildungen beschrieben 
(Palaeontographica XXVII.). 

Aehnliche Formen aus dem neuen Tiefbauschacht sind in 
den Besitz des Göttinger Museums gelangt. Diese Schichten ge- 
hören (von Koenen, lieber die Ergebnisse der Aufnahmen im 
Jahre 1899, Jahrbuch der geolog. Landesanstalt) dem Valanginien 
und dem Hauterivien der schweizerischen und französischen 
Autoren an, dem letzteren auch die Thone der Ziegelei -Thon- 
grube am W.-Rande des Mehler Dreischcs, schon jenseits des öst- 
lichen Randes des Messtischblattes Eldagsen. Das Göttinger 



54 \ViMiKi>M Wlüstorf, Die geologischeo Verhältnisse 

Miiscuui besitzt von hier Meieria oitiata Phill., Iloplites radiatu 
Bkug.^ Hoplite« umblygonius Neum. und Uhlig, Thracia PhüUp^^ 
KOEMBRU . A. m. 

Dilnvinm and AllQyinni. 

Das Diluvium besteht sowohl aus nordischem als auch aus. 
einheimischem Diluvium und erreicht in den EinsenkungeiM 
rings um alle höheren Erhebungen eine grössere Verbreitung. 

In der WEDEMEYER'schen Forst im Jagen 6, 300 Meter 
westlich der Chaussee, findet sich nordischer Schotter und Sand 
in geringer Ausdehnung und Mächtigkeit. Ein Block von nordi- 
schem Granit Hegt auch am Holenberg noch in 300 Meter Meeres- 
höhe ; zahlreiche erratische Blöcke liegen zerstreut auf den 
Feldern nördlich und nordöstlich der Holzmühle. Ausschliesslich 
nordisches Diluvium ist sonst wohl weniger verbreitet als ein- 
heimisches, in welchem freilich umgelagertes nordisches Material 
in grösserer Menge vcrtheilt ist. Durch deutlichere Schichtung 
scheint sich dieses Diluvium von dem eiorentlicheu nordischen zu 
unterscheiden. 

Zum Diluvium sind aber auch wohl mindestens theilweise zu 
rcchuen die Schuttmassen von Gesteinen desWealden und von solchen 
des oberen Jura, welche die Abhänge zum Theil weithin bedecken 
und sich wohl auch heute noch thalwärts bewegen. Sie verhüllen 
namentlich an flacheren Gehängen die dort anstehenden milderen 
Gesteine oft auf grössere Erstreckung vollständig, wie schou oben 
erwähnt wurde. 

Lösslehni bedeckt wohl stellenweise solche Bildungen: in 
ix'dciitcnderer Mächtigkeit nud Ausdehnung tritt er nur auf der 
8üd-Seite, Südwest-Seite und Nord-Seite des Nesselbergcs und 
Kleinen Dt^isters in den Geniarkungen von Altenhagen, Brullsen 
und Hrünniirhausen auf. 

A 1 1 u V i a 1 (^ K a 1 k t u ff 1 a g e r ( S ü s s w a s s e r k a 1 k e) in (i estalt 
von krümeligen oder auch lestereu Kalken, mitunter durch Eisen- 
ocker braun gefärbt, finden sich hauptsächlich in der Wedemeier- 
schen Forst im Jagen (> und 17, im Gehlebachthal und in der 
Mitte des Nord- Hanges des llolenberges; zum Theil mögen sie 



des KleiDGD Deistors, Nosäolberges und Ost«rwaldo8. 55 

^^•hoii der Diluvialzeit angehören. Sie entstanden durch Absatz 
Vou Kalk aus kalkhaltigen Quellen und werden noch bis zur Jetzt- 
zeit gebildet. Unbedeutende Kalktufflagor finden sich noch an 
*-*iuer ganzen Reihe von anderen Stellen, wo kleine Quellen aus 
Uüserem Jurakalk entspringen. 

Gewöhnlich finden sich in Verbindung mit solchen Kalktuff- 
lagern auch sumpfige und moorige Böden, wie sie freilich auch 
auf thonigen Schichten bei ungenügendem Wasserabfluss häufig 
auflreten, so namentlich auf dem Metienfeld. Hier sind förmliche 
Anschwellungen von Moor und Torf vorhanden. 



Tektonischer Theil. 

Geologisch betrachtet ist der Osterwald, Nessel berg und der 
Kleine Deister eine Synklinale, welche in der Mitte zwischen 
Dörpe und Eldagsen so zerschnitten ist, dass ihr nordwestlicher 
Theil um etwa 1 Kilometer gegen den südöstlichen Theil nach 
Südwesten hin verschoben ist. 

In diesem nordwestlichen Theil sind freilich alle Schichten 
nach SW. geneigt^ und es ist hier der Gegenflügel der Synklinale 
tliatsächlich nicht vorhanden, sei es, dass er durch eine Ver- 
werfung abgeschnitten, sei es, dass er wenigstens theilweise durch 
die mächtigen Lehmmassen der Gemarkung Brünuighausen verhüllt 
wird. 

Ausserdem tritt eine ganze Reihe von Querbrüchen auf, 
welche indessen nur im Gebiet der festeren Gesteine durch Ver- 
schiebung der Terrainkanten mit Sicherheit nachgewiesen werden 
können. In grösserer Zahl und complicirter sind solche Brüche 
namentlich an dem südöstlichen Ende des Kleinen Deisters in der 
Gegend der Holzmühle vorhanden und bedingen hier so wie auf 
der O.-Seite des Gehlebaches unregelmässigere Bergformen. 

Am NW. -Ende des Kleinen Deisters findet sich ein stufenför- 
miges Absinken des ganzen Bergzuges nach NW. hin, wie auch der 
ganze Nesselberg nach NW. absinkt. Einzelne Brüche scheinen 
auch die Veranlassung zur Bildung der Thäler gegeben zu haben^ 



56 WiLHEhM WuNSTOitK, Die geologischeD Vorhftltnisse 

welche aDuäherud im Streichen der Schichten im Kleinen Deister 
verlaufen. 

Am Osterwald ist dagegen die Synklinale deutlich aus- 
gebildet , da die Wealdenschichteu thatsächlich muldenförmig 
liegen und sowohl im SW., als auch vielfach im NO. von den 
nächst älteren Bildungen, den Purbeck-Schichten, dem Serpulit 
und den Münder Mergeln uuterteuft werden. Freilich werden 
diese im SW. durch eine Hauptverwerfung neben Lias gelegt, 
welche weiterhin nach O. umbiegt und den Osterwald selbst nach 
S. abschneidet. Nach S., nach dieser Verwerfung hin, senken 
sich auch alle Schichten des Osterwaldes ziemlich steil hinab. 
Auch hier sind nordwestlich streichende und vermuthlich auch 
ost-westlich verlaufende Verwerfungen vorhanden. Solche Bruch- 
linien bedingen auch eine ganze Reihe von Unregelmässigkeiten 
auf der NO.-Seitc des Osterwaldes. So tritt in den Jagen 123, 
124 und 129 Münder Mergel hervor, westlich begrenzt vom 
Serpulit und Purbeek, und durch Verwerfungen werden grössten- 
theils die isolirten Kücken und Kuppen der Blecken und des 
Ahreusberges, sowie auch der Ilolenberg vom Osterwald selbst 
getrennt, sind aber selbst wieder durch zahlreiche Brüche zer- 
schnitten, wenn schon der llolonherg im wesentlichen eine nach 
W. vsicli senkende Synklinale darbietet. Weiter nach N. folgen 
dann, tiefer abgesunken, die »hirabildungen des Kattbergs, der 
Barenbiirg, des Weissen Steins und des Ilainholzkopfes, welche als 
mehrfach verschobene und zerrissene Fortsetzungen des Kleinen 
Deisters anzusehen sind, während im O. die Jurabildungen am 
Ahreusberg hinaufspringen, sich dann aber nach 8. umbiegen und 
erheblich herabsinken, dabei aber von mehreren Querbrüchen durch- 
schnitten werden. 

Namentlich am Osterwald und in der Wülfinghäuser Kloster- 
forst treten auf den Bruchlinien vielfach Erdfälle auf, so nament- 
lich im Jagen 123 und von hier bis zum Ahreusberg. 

Im Allgemeinen haben also unsere Bruchlinien wie die ganzen 
Bergrücken eine südost-nordwestliche Richtung, ähnlich wie fast 
alle Gebirgsrücken des nordwestlichen Deutschlands, und die Ent- 
stehung des Kleinen Deisters, Osterwaldes und Nesselberges dürde 



des KleincD Dei&ters, Nessdberges und Osterwaldcs. 57 

daher in dieselbe Zeit fallen wie bei jenen, nämlich in die jüngste 
Miocän-Zcit. 

Die Verwerfung, welche den Osterwald im S. begrenzt, 
läuft annähernd parallel derjenigen, welche ihn vom Nesselberg 
trennt, und gehört wohl in die Bruchzone, welche vom N.-Rand 
des Harzes nach dem Wesergebirge verläuft, wie dieses von 
KoENRN in seiner Abhandlung »Ueber das Verhalten von Dislo- 
tionen im nordwestlichen Deutschland, 1885, S. 53« beschrieben hat. 
An seinem Ost-Rand wird der Osterwald dagegen durch süd- 
uördliche Störungen abgeschnitten, welche auf der Karte nicht 
mehr asur Darstellung gelangen konnten, aber vermuthlich zu dem 
grossen System von SN.- Brüchen gehören, welche ein wenig 
jünger sind als die SO. — NW. -Brüche. Augenscheinlich schneiden 
dieselben Bruchlinien weiter nach N. auch den Deister ab. Viel- 
leicht sind als Parallelbrüche hierzu die Verwerfungen anzusehen, 
Welche über den Rücken des Oster waldes hinweg verlaufen, 
einerseits vom Grenzschacht nach dem Ahrensberg, andererseits von 
der Hohen Warte bei Osterwald nach dem unteren Theil des 
Oehlebachs und der Holzmünle. 

Berlin, den 1. Mai 1000. 




üeber SfetakoUen im IfittlereB Ke«|»er i 
Teiitobiirg«r W«l4e bei Meaeaheene. 



Am Orthai^ des Bgg^dnrgM, et«m l%KSkm&bar ttiOOMA 
des Dorfes NeoMiheene, bat nch im Mittleren Keiiper Steia- 
koble gefimden, ww nm so grOneres Intercne T erdi sa t , aus es öeb 
hier nm das bisher einzig bekannte ^dilmvoilHHBBiniBS im Oyps- 
kenper des nordwestlidien DfiilschkDdi- litindela dnrflc. Schon 
im An&nge der 70er Jahre wareo hier Schilrfungeu untornommen, - 
aber bald wieder eingestellt worden; 189!) wiirdo dann durch den 
Scfaar&toUen St Maris die Steinkohl« in 40 Centimeter Mnuhtig- 
k^ etwas südlich des grost^en Npiienlieerser Snodsteinbriiches 
nachgewiesen. 

Der Gypskeupcr nimmt hier, wie flbeibaupt am ganiCD Qebtrg« 
von Neiicnheerse bis nber Willcbadesseii hinaus, den grSssten Theil 
des östlichen Steilhanges der Egge ein; (tber ihm folgen noch 
etwa 13 Meter Rhätkeupor, auf den sich transgredirend als oberer 
AbscbluBs des Stci'hanges der Neocomsandstein auflegt. Sowohl der 
Keuper, als auch die ihn fiberlai^erodeD Kreideschichten streichen 
in h. II, also fast nord-südlich, uod fallen mit geringer Neigung 
nach W. ein. 

Unter den bunten Keuperinergeln, in denen der Stollen 
St. Maria angesetzt ist, liegen zunächst 18 Centimeter schwarze 
Schieferthonc ; diese enthalten iu grosser Menge Pflanzen- 
reste, besouders gut erbaltcuc Equisctou, die den Formen des 



Hans Stille, Uobcr Steinkohlen im Mittleren Keapor etc. 59 

LtiDzer Sandsteines sehr niilic stehen. Im Liegenden dieser 
Soliieferthone findet sich die Steinkohle in 40 Centimeter Mächtig- 
keit. Sie ist ausserordentlich aschehaltig und dürfte schon des- 
wegen nicht für den Abbau in Betracht kommen; sie streicht aus 
an dem zum Neuenheerser Sandsteinbruche hinaufföhrenden Wege 
wenig östlich des Stollenmundloches und ist hier nur noch 32 Centi- 
meter mächtig. Das Liegende der Kohle bilden wieder schwarze 
Schiefert hone, die petrograj3hisch mit den Schieferthonen im 
Hangenden übereinstimmen, auch wie jene zahlreiche Equisetenreste 
enthalten. 

Durch (Kombination mehrerer kleinerer Aufschlüsse hat sich 
^iür den Keuper bei St. Maria folgendes Profil ergeben (Profil I): 

1. Hangendes: Neocomsandstein, 

2. i in Folge dichter üeberrollung mit Neocom- 
ca. 30 Meter \ sandsteinschutt nicht erschlossen, 

3. ^ rother Mergel, 

4. 0,25 Meter blaugrüner Mergel, 

rother Mergel, 
blaugrüner Mergel, 

mürber, graugrüner, glimmeriger Sand- 
stein, 

blaugrauer Mergel, 
rother Mergel, 
hellgrauer Mergel, 

blaugrauer Mergel; nach dem Lie- 
genden zu schlecht erhaltene Pflanzen- 
reste und zwei etwa zöllige Kohlen- 
streifen, 
(Do)^) 12. 0,18 » schwarze Schieferthone mit zahlreichen 

Pflanzenresten, 
(K) 13. 0,40 » Steinkohle, 
(Dl) 14. noch 0,60 Meter aufgeschlossen, wie 12. 



5. 


0,90 


y> 


6. 


0,27 


» 


7. 


0,51 


y> 


8. 


1,00 


» 


i). 


1,35 


» 


10. 


0,23 


» 


11. 


3,00 


» 



Die den Zahlen voranges^tzten Buchstabon beziehen sich auf die in den 
beifolgeDden Profilskizzen angewandten Bezeichnungen. 




(tO Barn Sntut, Ünb^r Sicinkolilon 



Etwa 85 Schritt BQdlicb des StoUenB 8t. Mari« ist beim Bio 
der Warburg-Altenbekener Bahn am Ostliange der Kgge folgendes 
Schichtenprofil freigelegt wordeo (Pro6l IV): 

1. Hangendea: Neocomsandatein. 
Rftth: 

2. 0,20 Meter ziegelrotber Tbon, 

3. 0,40 » grauer Thon, 

4. 0,04 > idegelrother Thoo, 

5. 2,00 » graae, zum Theii etwas r&thliohe, stark 

thonige Mergel, 

6. 2^ » schwarze Sobiefertfaone mit uhlreicheia 

verdrOckten PelecfpodeDateinkerucn 
(Cardium dooemmn QnBHsr. und 
andere). 






7. 


0,80 . 


sandiger, dunkler Tbon, 


8. 


0,30 . 


stein. 


9. 


1,00 » 


schwarzer Schieferthon, 


10. 


0,12 • 


mßrl,er, bituminöser Thonachiefcr, 


11. 


5,85 » 


scliwarzcr Schieferthon, 


12. 


0,47 » 


dünnplattiger, gelblichgrauer, quarzi- 
tiücher Sandstein, 


Oyp.l 


tcuper: 




13. 


3,00 Meter 


blänlichgrauer Mergel, 


14. 


23,50 • 


vorwiegend rothe, daneben auch bläu- 
liche oder gelbliche Mergel, zum Ihcil 
zellig in Folge von Gjpsauslaugung, 


15. 


1,10 . 


mürber, gelblicher oder röthlicher Sand- 
stein, 


16. 


3,10 » 


bunte, vorwiegend rothe, sandige, etwas 
glimmerige Mergel, 


17. 


0,50 • 


Sandstein wie 15, 


18. 


8,00 . 


rothe Mergel, 



am Teatoburger Walde bei Neaenheerse. 61 

19. 3,15 Meter milrber, glimmeriger Sandstein^ in Farbe 

schwankend zwischen roth, grau, violett, 
vielfach gestreift und gefleckt, 

20. 8,00 » grauer Steinmergel, 

21. 4,35 » Gyps, 

22. 5,06 y> grauer Stein mergel, 

23. 0,25 » (^yps? ^^il^ sicl^ bald seitwärts aus, 

24. 0,75 » grauer Steinmergel, 

25. noch 1 Meter aufgeschlossen. Gyps. 

In Profil IV fehlt also die Kohle gänzlich; nach ihrer 
*^agerung bei St. Maria war sie etwa zwischen 14 und 18 zu 
^•"warten. 

25 Schritt weiter nördlich, 60 Schritt südlich St. Maria, 
^fgab am Eggehang ein kleiner Schürfgraben folgendes Profil 
Cl^rofil III): 

1. Hangendes: rothe Mergel, 

Co) 2. 0,60 Meter dunkler, mergeliger Schieferthon, 

CC*) 3. 0,62 » graugrüner, mürber Sandstein, 

(Ä) 4. Liegendes: graue bis graugrüne, sandige Mergel. 

Der Sandstein in diesem Profile ist, wie sich am Eggehang 
Ununterbrochen verfolgen lässt, der Vertreter des Sandsteins unter 
No. 15 in Profil IV; seine Mächtigkeit hat allerdings fast um die 
Hälfte abgenommen. 15 Schritt weiter nördlich von Profil IH — 
45 Schritt südlich St. Maria — ist dieselbe Sandsteinbank nur noch 
0,20 Meter mächtig. Wir finden dort (Profil II): 

1. Bangendes: rothe und graue Mergel, 
(D) 2. 0,86 Meter schwarzer, bituminöser Thonschiefer mit 

Pflanzenresten, nach oben zu mit 
kleinen Kohlenschmitzen, 
(C) 3. 0,20 » grauer, mürber Sandstein, 

(ß) 4. Liegendes: graue, sandige Mergel. 

Profil II und III liegen genau im Fortstreichen der Kohle 
von St. Maria, und es kann keinem Zweifel unterliegen, dass 
die Pflanzenreste und Kohlenschmitzen führenden Thonschiefer 
45 Schritt südlich St. Maria die seitlichen Vertreter der im Schürf- 



HAin SriLuc, Ü«W 8l«mkiili1«D tm llitU«f«B KMfW 



Stollen angetToS'eneu Steinkohlen sind. Da in Profil IV jrgüct 
Andeutung der Kohle feblt, so keilt sich diese iiltto sehe: 



fVofill 

SchÜpTstidlin St U» 




fVofilW 

SiSchrrHtudheh St Mana 



.^•^^e . 



Prtiftia 

50!>chrlHtÜdlidiSt.U J 



^-^y- 



=^^i-^ 



^m ^S E3E3 ^E ^m ^3 ^ 

Ntocomiindllnn. RhilluuiMr PUtrul dii Sindil«« 0<inkeltScliri6r- 3»iiikii*ili Gipi 4a 

c<ii ko Milllir» Unipfri thont ttc d» Mittl.Kwpn. MM Kn» 

auf 85 Schritt Eutfernung sQdlich St. Maria TOUig aas. Wie 
weit sie nach N. fortsetzt, war nicht genau zu ermitteln. 
Jedenfalls ist sie in den Keuperprofilen entlang der Bahn, etwa 



I 

am Teutobnrger Walde bei Noaenheorse. 63 

U)0 Meter nördlich 8t. Maria, nicht mehr vorhanden, sodass 
'S sich also bei der Neuenheerser Steinkohle um ein 
L*ager von nur geringer nord-südlichor Erstreckung 
wandelt. Ein Vergleich der Profile zeigt ferner, dass die Kohle 
'iura 27 Meter unter dem Khät und 40 Meter unter dem 
Meocomsandstein h'egt, in einer durch mürbe, buntgeförbte Sand- 
»teinbäuke charakterisirten Zone. Diese Zone hat sich an der 
Sgge in der Gegend von Neuenheerse als constanter Horizont 
nachweisen lassen, wenn auch, wie schon die angegebenen Profile 
^oigeu, die Mächtigkeit der einzelnen Sandsteiiibank sehr schwan- 
kend ist. In petrographischer Beziehung ist der Sandstein dem 
^c^'hilfsandsteine der weiter westlich gelegenen Gebiete sehr ähnlich. 

Berlin, den 12. December 1900. 



Pentamems-^Qoarzit« und GreifensteinerKalk. 

Von Herrn H. Lotz in Berlin. 



Im Sommer 1900 wurden auf Antrag des Herrn Professor 
£. Katsbr in Marburg seitens der Direction der kgl. geologischen 
Landesanstalt Schürfarbeiten im Bereiche des bekannten »Penta- 
merus-Quarzites« und des Greifensteiner Kalkes zur Aufklärung 
ihrer Stratigraphie angeordnet und dem Verfitöser die Beaufsichtigung 
derselben und die Gewinnung der Versteinerungen aufgetragen. 
Im Folgenden wird ein Bericht Ober den Erfolg der Arbeiten 
gegeben, so weit dies ohne eingehende Beschäftigung mit dem 
gewonnenen, ausserordentlich umfangreichen Versteinerungsmaterial 
möglich ist. £8 lag nahe, dabei auf einige in der letzten Zei 
aufgedeckte Vorkommen derselben Art an anderen Orten (Keller 
wald, Harz) einzugehen. 



I. Pentamerus-Qluarait 

Nachdem Denckmann und Beushausen^) darauf hingewiese 
hatten, dass das in Frage kommende Gestein kein echte x 
Quarzit, sondern ein verkieselter Kalk ist, und BeushaüSBB^ 
femer gezeigt hatte, dass der Pentametus rhenanus F. RoBMBir 
nur von Greifenstein bekannt ist und die anderweitigen Vor- 
kommen auf falsche Bestimmungen zurOckzufÜhren sind, war 



«. i 



*) Vgl. Beushauskn, Zar Frage nach dem geologischen Alter des Plentamerw 

rhenanus F. Rokmu:. Dieses Jahrbuch für 1898, S. G. 




H. LoTz, PeDtamerns-Quarzit und Greifensteiner Kalk. 65 

«amit auch die BeDeiinuDg eines stratigraphisclien Horizontes 
wach ihmi) hiurälHg. 

Zum Leitfossil war uämlich der Pentameinis rhenanus durch 
^li. Frech geworden, nachdem von Maühkr, C. Koch und von 
Kühnen sein Vorkommen in den Grenzschichten von Unterdevon 
und Wissenbacher Schiefern und in letzteren selbst von mehreren 
Puukten angegeben war, — irrthömlicher Weise, wie BeüSHAüsen 
a. a. O. nachgewiesen hat. Da der »Quarzit« mit Pentumerus 
f'henaftm nach E. Kayser^) ebenfalls dem Grenzhorizont von Unter- 
devon und Mitteldevon angehören sollte, so glaubte Fr. Frech be- 
rechtigt zu sein, das oberste Unterdevon (oberste Coblenzschichten) 
als Zone des Spin/er specio8us und Pentamerus rhenanus zu be- 
zeichnen. 

Beushausen hatte ausserdem darauf aufmerksam gemacht, 
dass das ganz isolirt vorkommende Pentamerus-Gestein mit den in 
der dortigen Gegend weit verbreiteten silurischen echten Quarziten 
i^ichts zu thun hat. Da die Kartirung des Blattes Herborn vor 
ihrem Äbschluss stand, so war die Feststellung des wahren Alters 
unbedingt nothwendig. 

Von dem seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannten und 
^^ rühmten Vorkommen waren nur noch spärliche Reste übrig, 
^■e besseren Stücke sind schon lange den Sammlern und Händlern 
^^\m Opfer gefallen. Vereinzelte, nicht allzugrosse Blöcke fanden 
^ich noch an dem Waldweg, der steil vom Plateau hinunter, dicht 
^^i den Resten des sogenannten »Grün wieser Schlosses« (Lichten- 
^tein) vorüber, in das Thal des Ulmbaches führt, wo dieses aus 
^er WO.-Richtung nach S. umbiegt. Der Weg läuft an einem 
Wasserriss entlang, der zugleich eine auffällige Störungszone be- 
zeichnet. Er entblösst Kalke, Kiesel- und Alaun-Schiefer, sowie 
Quarzite des Silur in höchst verworrener Lagerung mit zum Theil 
Ungewöhnlichem Streichen und Einfallen; dazu treten noch phylli- 
tisch aussehende Schiefer. Den Bergleuten der Gegend ist 

Frech, Lethaea palaeozoica, Bd. II, S. 154. 

*) Kayser und Holzapfel, Uebcr die stratigraphiscben Bezicbungeii der 
böhmischen Stufen F, G, H Barbande^s zum rbelDischen Devon. Dieses Jahrbuch 
für 1893, S. 255. 

Jahrbaeh 1900. 5 



«Um dM nic^t «ntgaagsn; mit mcbrereu Stollcu haben sii ver- 
sncht, den aUtuwcbiefisnu-tig^n Gestehen uueh^ugeben. Audi 
rOM lymoBrnK^ luanta die aiiaHlUge Sebbicht, rr hielt jedoch die 
sii%eftfarlen OMteine ebeo^o wie deu Peutumenis-Quarüiit lilr. 
ettlmiioh, den GreifenMeiner Kalk für oberdcvoni^cb. g 

Leider nuwiht die hier ganz beeonden iiMi^ettwfta TopogrefMe 
des MentiBohbUttee eine genaae KutiMing und Eiutragung numSg- 
lich, KDch wiito die itarke Uebenvlluug mit IMöcken echtr>u, 
■ilariechen Qowzitee eradiwerend. Bei^nglioii der Darstellung 
dieser Gegend auf der geolt^iscben Kerle inusg an T das demnäohM 
ersdieineode BUtt Herbom der geolngisijheii Hpet-iallcartc von 
Prenuen in 1 : 25 000 (ao^nommeo tob B. Katsbb^ iwimu» 
werden. 

Die von dem ■ilurisdien Qnanöt leioht nntnMhiidlMMli Alete 
des Pentunems-GesteiDS, deren ongeflUire Lege «nf dem beüi^gMidM 
Plan 1 : 5000 (aiehe 8. 69) daroh StemdMo ngedeatet «t, wwda 
•imintlich anf ihre Jjagerang hin ontersadit und i<ii ai ihlagiai, m> «eil 
aie brauchbare yerateinerongen enthielten. Kmbmt töm ibnaa war 
anstehend. Ferner wurde eine Beihe von 8 di flr% H bea ildfieh 
des Weges quer zu dessen Bicbtnng angelegt, 'Mder Tergabeoai 
es gelang niubt, das Pentamems-Geatein 
sondern wo das Ansteheode erreicht wurde, 
Grauwacke (»Urfer Schichten« A. Demokmanm's)*). 

Die Lösuug der Frage nach dem Alter aoseres GesteioB 
schelut eich aber trotz dicEes Misserfolges an einer anderen Stelle 
befriedigend finden 7.a lassen. 

Bereits vor einigen Jahren hatte Herr E. Katser bei aeioen 
Aufuahuiearbeiten ein kleines Kalk vorkommen im Forstort Stecben- 
liell zwischen Grcifentlial und Elgersh&user Hof entdeckt, das er 
zunächst als Greifensteiner Kalk ansprach^). Auf einer Ezcursion 
im Herbst 1S99, auf der Herr E. Kayseei von Herrn Drevehhann 

') V-0.1 DrCHHs iD ZdUchr. d. DeaUch. gool. Ow. 1975, S. 730 (Frotocoll) 
und S. 7G5. 

^ Vergl. A. Dexckm^xn-, Bericht a. s. w., dieses JAhrbnch fBr 1895, 
S. XXXV, ferner Bericht der Honen L. Bedshaujibx, A. De^ckhakr, E. HoLurm. 
nod E. Katbbs n. s. w., dieses Jahrbuch für 1896, S. 379. 

>} B. K«tsBi< uDd E. Holzapfel, a. a. 0., S. 35G. 



H. LoTz, Pentameras-Qaanit und GreifensteiDer Kalk. (>7 

und dem Verfasser begleitet wurde, fanden sich Bruchstücke eines 
dichtrippigen Pentameriden, die Herr E. Katser in seinem Bericht 
Über die Aufoahoien^) als zur Peiitamems rhenanus gehörig erklärte. 
Bei den diesjährigen Schürfarbeiten fand ich ausser zahlreichen 
stark yerqaetschten Bruchstücken derselben Pentamenis- Art Korallen- 
rote (Heliolites porosua^ Favosites^ Cyatliophyllum) und zwar lose 
iin Schutt. Der nur wenig mächtige, aber anscheinend ziemlich 
reine Kalk war offenbar schon früher Gegenstand der Gewinnung 
gewesen oder man hatte nach Eisenstein gesucht; ich stiess beim 
Schürfen sehr bald auf das Liegende, einen wohl erhaltenen 
Diabas. 

Gesteinscharakter, Lagerungsverhältnisse und Versteinerungen 
sprechen dafür, dass das kleine Vorkommen vou Kalk kein Greifen- 
steiner Kalk ist, wie E. Kayser zuerst annahm, sondern einem 
andeni ähnlichen zwischen Greifeustein und Edingen (3 Kilometer 
entfernt) entspricht, das den früheren Autoren: Dechen, Koch 
u. 8. w. wohl bekannt war und u. A. Stringocephalus Burtini führt. 
Es wird ebenfalls dem Stringocephalenkalk zugerechnet werden 
BaOssen, und damit gewinnt eine ältere Vermuthung des Verfassers 
*D Wahrscheinlichkeit, die er gelegentlich der Bearbeitung der 
l^'auna des Giessener Massenkalkes mehreren Fachgenossen mit- 
theilte, dass nämlich das in jener Gegend fast gesteinsbildeud 
«'auftretende (onclMium haaaiacum Fkank^) und der Peiitamerua 



') Dieses Jahrbach ffir 1899, S. XI. 

*) Frank, Beiträge znr (jeologie des südöstlichen Taunusi. In.-Diss. Mar- 
^yg 1898, S. 32, Taf. I, Fig. 1-4, und Lotz, die Faana des Massenkalkes der 
^^ener Mark bei Giessen. Sehr. d. Ges. z. Beförd. d. ges. Naturwiss. zu Mar- 
H Bd. Xin, B. 4, S. 231, Taf. IV, Fig. 1-3. 

Ich beontze die Gelegenheit, hier einige Borichtiguogeo zu dieser meiner 
^^^ tVL bringen, zc( denen ich durch eine gemeinsam mit Herrn Bkushauren 
^<^eoommene Revision der Originale veranlasst werde. 

Die a. a. 0. S. 216 nnd Taf. I, Fig. 8, beschriebene Modiomorpha crassa 

^•ip. moss wegen ihrer Gestalt und des Vorhandenseins einer kleinen Ligamcnt- 

^ ZQ Cardiomorpha gestellt werden. Das ebendort von mir angeführte Fossil 

^^nodus sp. ind, Bkushausen, Lamellibranchiaten des rhein. Devons, S. 27, Taf. II, 

%• 16, das ich zu Modiomorpha epigona Beushauskn zog, i&t, wie ich mich jetzt 

Qberzeogt habe, doch von dieser Art verschieden und bleibt somit an der Stelle 

Im Sjstem, die ihm Bbushauskm als Erster zugewiesen hat. 



H.Lon,t 

■ ItOEMElE iMenliscli seien. Awf diese Vertnuthung brachte 
wäA der Umstand. da«s beide Formpo zitfalreictie dicbotODiireDill 
KpptB aud keinen Sinus aad Sattel haben, und das» sie beidJ 
t auftretend nur mit 9pii^lich<^n KoralleoreMen lusaniiueL 
1 werden. Auch hatte mich Herr A. Dkkckuank damaB 
nf die iti^prCnghche Kalknatur de« Oretfeafiteiner PeDtaja 
frin |i^i»liili|,iitihn Itiiir- 
b aitn n g der gemactte» FbnJe, JBe rieh HanrB..KATan'«HheMlBH 
tat, wild hoAntfieh «im «Jb HrtiiAriilii^ » diwarfti^ ki= 
bdfltbKn, die ao nUreiohe Oeologea im hd t rttnfimdm 'WiSmm 
hmchlftigt luit 

WcBB t» Math niete gduigea iak, da* fVwhwui Oiii<ii 1 
aMtebeitd ed andtHeasai, eo ei B cheiat nr dodi Sm voa BuiH 
»^ in I 



dicgfsiige cn sdn, die das VorinMuaea am bortaa ciUbt. : 
Qrafenatdner Kalk, anf deaaui atonlig ni p I ri Bdha' SlalaiK «i 
miten in aOer KOne eingcf;ai^eB w e cd — aoB, Kägt fai 
800 Meter n» den losen NOclm dea PertaMiwa OwtoMM i 
imit, and jetit, wo beide ToAonunoi daai HIlMldawon nagaMtl 
werden dOrften, darf man wcAl w3a das WaIrtAcnliehato hmbI 
daaa rie einer einzigen, vei^lkniaanisi^ Ma iM i a , ia das i 
gebende Silnr eingebrodienen SdH^ jtngenr Gesteiae m 
hörten >J. 



') Bei's>iAi.fics, t. c S. 6. 

*> W&hrend des Druckes leigt mir Herr BratBADtKi nn St&ck des 
mera* rhaianu» aus der Lchräammlmig der BergikadomiB, desaen uucban. 
Bchr altas Etikett aasser dem SpodcsDamen noch «!• HerkuaftsfoniiftlioD >SL' 
gocephklenkalk* uiführi. Vielleicht hat hier Jeinud sckon früher die wm 
Kalknatur des Gesteiiu erkannt. 



/ 



U. LoTx, PoDtamcrus-Quarzit uud Greifcnstciner Kalk. 



69 



Fig. 1. 

Lagepian 

des Vorkommens des Greifensteiner Ka/fcs und des 

Fentamerusquartites im Wald N.W. des E/^ershäuser Hofs 
(B/.Heröorn) iSOOO. 






L.^^*^' 

H??' 




Schürf graben im Gre/fenste/ner Ka/k. 







^4tnk/e, gt9n£€inf9 ScAiefer H^ilfarb. x. T. grün f icher Schichlm. zaMr fuemp/. 
^.Unsen r. quanif. ßr^uwacäe. Kalk^ /v/'/s dicht.feih k Pinacit^^ Jugltr» u. 
(Sifur?) körniff. Ap hfllites sp. *p. 



■^ä^*» 



€Jnr /CoJkmTXmp/eMus Rofer Crinoidenka/k. Dunk/eebenffäch/gerfio/t- 

hmrcynieu*. schierer (Mitfe/dewon ?J. 

*■ * ß/öcke r. fientamerusquart.it. 



70 H. LoHBi P6ntam«n»-Qaunit und OraifenftciDar Kalk. 



2. GreHtattiiiiar Kalk. 

In der AuifassuDg des Greifensteiner Kalkes hat sich sei- 
Erscheinen der angefahrten Arbeit E. Katsbr^s und Holzapfel'« 
in der ausser einer gedrängten Litteraturübersicht eine genau« 
Versteincrnngsliste gegeben wird, nichts geändert N.och letsthia 
hat Fkboh^) die Stellung desselben im obersten Unterdevon ein 
gehend zu begrdnden versucht, während jene Forscher ihn an dL 
Basis des Mitteldevon stellen und ihn filr etwas älter wie de 
»Ballersbacher Kalk«^) oder ftlr gleichaltrig halten. 

Um die Lagerungsverhältnisse des Vorkommens aufieukläreH 
wurde ein grosser Querschurf getrieben, der etwa 28 Meter lais 
und ziemlich tief (bis zu 2,5 Meter) angelegt werden mussb 
Die Kalkbänke streichen im Allgemeinen in h. 5 und sind siei= 
lieh unregelmässig, mit wechselndem Einlallen nach SO. gelage^ 
auch fanden sich grössere Hohlräume, um nicht zu sagen Höhloa 
darin. Ohne mich zunächst darüber zu äussern, wo sich ^= 
eigentliche Hangende und Li^ende des Kalkes befindet, sei jess 
das angetroffene Profil von NW. nach SO. kurz augegeben: 

NW. 

1 . Milde, dunkle, ebenflächige Thonschiefer, im Schürf 4 M^ie 
entblösst. 

2. Grobe, duukelrothe Criuoideukalkbänke mit 
spärlichen Versteiiierungeu {Atri/pa granulifera). Dar- 
über in weniger grobkörnigem Gestein sehr zahlreiche 
Capuliden, gerippte Spirifercn, Pentamevus und zahl- f rother 
reiche andere Versteinerungen. Die bisher am meisten Crinoiden- 
bekannten und gesammelten Trilobiten (Proetua^ Pha- ! kalk, 
copify Harpeft u. s. w.) finden sich neben glatten [ 15 Mete 
Brachiopoden u. a. am meisten in den bangenden 
Hanken. Die Kalkbänkc werden nach oben mehr 
dicht und plattig. 

Fkech, Lethaea palaeozoioa, Bd. II, S. 166 ff., Tab. X. 
^ a. a. 0. S. 259. 



H. LoTz, Pentameras-Quarzit und GreifcDtiteiner Kalk. 71 

3. Heller, grünlicher, zuweilen auch etwas röth- \ . . 

'^her, dichter Kalk mit zahlreichen Exemplaren von f 

''thoceras %^.^ Pinacitea Jugleri^ Aphyllites sp., Spiri/er i , QRTi>r' 
/*a-j'»- 1 l*^öiVleter. 

^ciijferens u. s. w. ) 

4. Hellfarbiger, mehr unreiner Kalk mit ver- \ hellfarbig., 
^'Uzelten Lagen von weissem, grobkrystallinem r unreiner 
C^rinoidenkalk mit sehr spärlicher P^auna {Pro- i Kalk, 
^us sp.). ) 2,50 Meter. 

5. Unreiner, weisslicher Kalk, ganz erfüllt mit 1 Amplea;u^' 
^mplexu» hercyniais, ) Kalk 1 Met. 

Kluft, ausgeftkllt mit Kalkspath und Letten 0,25 Meter. 

Dunkle, kurzschiefrige , glänzende Schiefer mit j im Schürf 
f^inscii von feinkörniger, quarzitischer Grauwacke ? bis 3 Meter 
CSilur?) ) entblösst. 

SO. 

Bei weiteren Schürfversuchen, die Herr E. Kayser im Sep- 
tember desselben Jahres im Fortstreichen der Schichten nach O. 
5t\isfiihrcn liess, wurde der Goniatitenkalk nicht wieder ange- 
trofteo, sondern der rothe Crinoidenkalk war beiderseits von 
Schiefern begrenzt. 

Wenngleich durch diese Schürfarbeiten die Lagerungsverhält- 
i^isse und der Schichtenverband des Vorkommens immer noch 
i:iicht völlig aufgeklärt sind, da ja Ober die Natur der angrenzenden 
Schiefer nichts Sicheres ausgesagt werden kann, so sind doch 
immerhin einige interessante Ergebnisse zu verzeichnen. 

Zunächst ist die geringe Mächtigkeit des Kalkes bcmerkens- 
xverth; Maurer^) schätzte ihn seiner Zeit nicht mächtiger wie 100 
Bieter. 

Dann ist vor Allem der petrographische und faunistische Un- 
tierschied zwischen dem goniatitenreichen hellen Kalke und dem 
x-othen Crinoidenkalke , in dem sich Goniatitcu anscheinend nur 
spärlich (Aphyllites fidelis Barr., Anarcestes u. a.) finden, auf- 

') Maubkr, Der Kalk bei Greifenstein N. Jahrb. f. Min., Beilage-Bd.I, H.1, S.91. 




r ist bereite von ItilHntO t—uifct «wdeBj i 

rair ErUirnng dendbrn die iiiiihiiiiliiw i ITI mAbIiii ivTlii 
benuttiefat'). 

NdMD Oooiatitea (tot aUeai PSmmekr' Jn^lrri) f%aA eich 
dem bdlen Kalk Spv^r mtä^mm Babe. (= Hjupü/tr Sxdb.^ u 
L^ptaena U m m iatm a BlSK. in g rC— I B I Menge, M^rüta Hau 
Babr^ ferner Pondmüm itpemäant Bowilb und sehr ii{>2rli 
Trih^tea (firmteiia jpMnmi* Oqbda, Ariifatpi* p^ra DaH 
AvefM ip.). 

Der rotbe CriiuHdeiikalk, der hiehw fint wamiiämaJSA- v 
den Tenchiedensten Sammlern «oigebeatet werden iet, hat ban 
eine «ehr reiche F«ni« );e£elert: Katrb and HoUAmb*) dfti 
von dort nahe an 60 Arten ao^ von denen Ober 40 asA am di 
Kalk TOD Uneiüan in Btdunen (Fi BAMunnfi i. IV.) bekn 
sind. Oleidiwohl gelang es dem Verfamar bä ier groeaelt Maa 
des TOD ihm and Lehrer ScHWALai-Obagmuebadi veraHniM 
Materials neoe wichtige , Dir die BendHin|;en von Greift 
stein ZD Mnenian interessante and «ach Dir die BeartteOifng i 
Horizontes eveDtaell in Betracht kommende Formen au&nfindi 
Bisher waren z. B., obwohl der Greifensteiner Kalk ein Grinoid« 
kalk ist, noch keine Crinoidenkclche daraus bekannt; Maübbi 
beide Arteo toq dort sind mir auf Stielglieder gegrOndet. 
fand sieb jetzt die auch für dcu Mueniaaer Kalk charakteristisc 
Cystidee: Eucystites (Proteocystitex) ßacua Barr,*) in einer Rei 
von Exemplaren. Sehr häufig sind in deu liegenden (?) Schicht 
Capuliden, und zwar eine gekrümmte, grössere — etwa dem P< 
tifcera« düjunctnm GiEBEL entsprechende — nnd etwas seltener el 
gestreckte kleinere Form. Damit wird eine Bemerkung Fbbgh'c 

I) Uadrer, a a.O. S. 91. 

*) AntlerD Forschem scheint nar du rothc Geetan bekumt geweeea 
Ecio, z. B. schreibt Frech in seioer Arbeit lüber die pklioEoiaehen Bildmii 
von CsbriercBt (Zeitscbr. d. DeulEch. geol. Gee. 1867, S. 407}: >Bs ist «■! 
schcinlich nur ein ZaUl, dftss in Böhmen, bei Greirenitun nad Citbiwres < 
OoDi»tit«n fast durchweg in röthlichcni Gcgteio Torkomnien.« 

>) a. a. 0. S. 256 f. f. 

*] Nach der frenndl. Bestinunnng des Herrn Fror. Jabkkl. 

^ FucH, Lethaea pelMozoica U, S. 203. 



H. LoTz, Pentameras-Quarzit und Greifensteiner Kalk. 78 

^Hbb sdie Capuliden bei Cabritlires uud Greifensteiu iu den Hinter- 
grund treten«, hinfällig, soweit Greifenstein dabei in Betracht 
kommt. In den hangenden (?) Schichten stellten sich dann vor Allem 
gerippte Spiriferen — bisher dort unbekannt — ein, darunter 
JD grösserer Zahl Spiriftr T/ietiJü Barr.^), der dem Spin/er ele- 
gam Stein, sehr nahe steht uud Spirifer aculeatus Schnür in 
einem Exemplar, das allerdings bei seinem mangelhaften Erhal- 
tungszustand keine Papillcnskulptur zeigte. Damit zusammen 
Wurde in zahlreichen Exemplaren eine Pentamei^tM-Ari aus der 
Gruppe des mtUtiplicatua F. Koemer gefiindeu. Frech hebt bei 
Schilderung der »Greifensteiner Facies« das »vollkommene Fehlen« 
dieser beiden Typen ausdrücklich hervor^). 

Diese wenigen Hinweise mögen genügen; die Bearbeitung des 
gesammten Materials wird wohl noch mehr Neues bringen. 
^ur auf eines möchte ich noch hinweisen. Obwohl ich 
Mehrere Wochen auf das Sammeln von Versteinerungen im 
^reifensteiner Kalk verwandt habe, gelang es mir nicht, irgend 
^inen Rest der Gattung Dalmanites zu finden, von der nach Fr. 
■Fhech's Angabe^) ein Kopfschild im Hallenser Museum vor- 
'^^ndeu sein sollte. Abgesehen vom Dalmanitensandstein von 
Kloinlinden bei Giessen, den E. Katser wegen einiger der 
^2*^rin enthaltenen Versteinerungen an die untere Grenze des 
^^itteldcvons stellen zu müssen glaubt, dessen Lagerungsverhält- 
^^>Bsc aber noch gänzlich unaufgeklärt sind, kommen Dalmaniten 
**^> deutschen Palaeozoicum sonst nur im tieferen Unterdevon vor, 
^^Ud ein Dalmanitenrest müsste also dem Greifensteiner Kalk 
^'^€n etwas alterthümlichen Anstrich verleihen. Herr Geh. Keg.- 
"^^^th Professor Dr. von Fritsch war so liebenswürdig, mir das 
^-^Ock auf meine Bitte zu übersenden. Ich lasse hier zwei ver- 
schiedene Ansichten desselben folgen. 



*) Aus dem Greifenstoinor Kalk des Sonnberges bei Günterod bekannt. 
^^Tgl. aach Scupix, Spiriferen Deulschlands (Palaeont. Abb. y. Dames u. Kayskr 
^- P.IV, 3) S. 98. 

«) a. a. 0., S. 132. 

^ Fkbch, üeber d. rbeinische Unterdcvoo und die StcUang des »HercjD«. 
^tschr. d. DeatscL geol. Ges. 1889, S. 266. 




74 

D» bagUtenda BOaUe bmf ■Hiiiliiiiiii im A>(alle 
Fnoa'a die Anftdirift: *Daimamlm (Oilnmintet) m. tp-lMiSrnmi 
BUR. I, L 37, C 18<. 

Tergkicbt nnn du TOrliigaide SMek >it dir tiw i^>- 
nigeiwii Kgor Babbakdi*«, ao OUt M aoftlt aa^' dan as «adar 



fv-t- 



ISfrl 



BE^ i^p 



die dort BogedeDteteii gitMwn Wai^enstadidii, aoA du« 
noch diB herrorquelleDden Augen dendbeD hat, äam et mtimm Et^ 
aohioifl aberhsu|)t kein Dalmanit sein kuuL Die gewfillite, fareito 
GbbellA, die «bgerandeten Wangen, Iran die guse O e eUl t weiwB 
den Kopfrest vielmehr zur Gattung Phaeop«, etwa in die Grappe des 
I%./ecutuiu» Barr. Etwas ungewSlialich ist allerdings die starke 
Ausbildung des vordersten Seiteufurcbenpaares, obne dass jedoch 
eigentliche Seiteulappeu vorbanden sind. Ich halte dies aber fttr 
eine mehr oder weniger uebeDESc bliche Erscheinung, die vom 
Alter des Tbieres und vom Erhaltungszustand des betreffenden 
Stückes abhängig sein dflrfte. Jedenfalls dQrfle das Vorkommen 
von Dalmanitenrcsten im Greifensteiner Kalk zunächst noch nicht 
bewiesen sein. 

Es liegt nicht im Kabinen dieses Berichts, auf die speciellen 
Beziehungen des aufgefundenen goniatitenreichen Kalkes zu andern 
ähnlichen eiiiziigeheo. Vorher muss eine genaue pal&ontologiache 
Bearbeitung der von mir getrennt gesammelten Faunen, nament- 
lich aber der zahlreichen Goniatiteu, die bisher von dort sehr 
spärlich in den Sammlungen vertreten sind, zugleich unter Herau- 
ziehuug anderer etratigraphisch sicher festgelegter Goniatitenfaunen 
stattfinden. Sie wird zeigen mflssen, ob beide Faunen, die des 
hellen und des rotben Kalkes, ein zusanmiengeböriges tiao^ 



H. LoTZ, Pentamenis-Qaarzit und GreifensteiDer Kalk. 75 

fc/ideo oder nicht. Die Aufschlüsse im Schürf scheinen fllr ein 
Joeinanderübergehen ohne eine trennende Störungszone zu sprechen. 

Bei der Behandlung dieser Frage wird man vor Allem die 
Lagerungsverhältnisse andrer Vorkommen von Greifensteiner 
Kalk berücksichtigen müssen. 

Am Krummberg und Sonnberg bei Günterod sind bis jetzt 
überhaupt noch keine Goniatiten in dem dort blaugeförbten 
Greifensteiner Kalk gefunden worden^). Am erstgenannten 
Berg bildet er eine Linse in demselben schmalen Band von 
»Teotaculitenschiefer« , dem auch der klassische Fundpunkt 
Rlr »Günteroder Kalk« — in 800 Meter Entfernung im 
Streichen der Schichten gelegen — angehört; am Sounberg 
liegt er im Tentaculitenschiefer dicht an dessen Grenze gegen 
älteren Schalstein ^). 

Weiter fand M. Koch ^) am Schwengskopf im Harz, zwischen 
Ilsenburg und Wernigerode^ dass Goniatitenkalke mit PiiwcUes 
Jugleri^ Anarcesies lateaeptaius u. s. w. von körnigen grauen, stellen- 
weise rothen Crinoidenkalkeu mit der Greifensteiner Fauua (da- 
runter Aphyllites ßdelis^ Mimocerm gracile) begleitet wurden. Die 
stratigraphischen Verhältnisse sind hier noch nicht völlig sicher 
klargelegt und aufgeschlossen, doch glaubt M. KoCH sie wie folgt 
auffassen zu können. Vom Liegenden zum Hangenden folgen 
sich: Wissenbacher Schiefer, Goniatitenkalk mit Pinaciten Jitgleri^ 
Anarcestes lateseptatus und darüber schliesslich Greifensteiner Kalk 
mit der a. a. O. aufgeführten Fauna. 

Von grösster Bedeutung für die Beurtheilung der stratigra- 
phischen Stellung des Greifensteiuer Kalkes scheint mir eine Be- 
obachtung A. Denckmanns zu sein, die bisher unbeachtet ge- 
blieben ist. In seiner Arbeit »Zur Stratigraphie des Oberdevon im 
Kellerwald und in einigen benachbarten Gebieten«*) beschreibt er 
»das linsenförmige Auftreten von lichtgrauen bis gelblich- oder 

') Vgl. die Liste bei Kaysrr und Holzapfel, a. a. 0. S. 256. 
*) Beides nach den Aufnahmen E. Kayser's (B1. Oberschcld der geolo- 
gischen Specialkarte 1:25000, das sich im Druck befindet). 
3} Zeitschr. d. DeuUcli. geol. Ges. 1898, S. 25. 
*) Dieses Jahrbach für 1894, S. U. 




76 B. Um, Pwti 

rStUidt-gnuitin Criiioideiikalken, du aa atoorStdle 
Mkobtigkeit «iBchwilh, in den Eudälkea«. & 
peth^raphiscbe IdentiUt dieser dinmdeokaBis Mit dam Grdfim- 
•täner Kalk hin, dessen ptlftcmtologisdier Ae^BtT^eoz die voc^ 
baodene Fanoa nicht widerspridie. 

Im Sommer 1900 iiat mm Herr Lehret' Schwalm, deaMaKJw 
^ Sammlnäg der geolc^fischen LaadiwanstsH tiAea m> maoob» 
wertliToUe Bereioh«niDg Terdmkt, auf Vetmnl— wag des Hena 
DmrCKiuini abermals in diesen Kalken geaofaOrft and ^iniiiBiiiiilt 
Das gnt erhaltene Material stammt ans einem irtlthlirtinn Kalk 
nud stellt zwar keine so rnche Fanna dar, wie öe das aägfoiV 
liebe Greifensteiaer Voricommen endiiH, aetgt ^ber dook die 
diarakteristisdien Arten in solcher Ifenge, daas maa an der 
paliontologiscben Uebereinstimmung mit dem Orafeutniier CM* 
noidenkalk nicht mehr zweifeln kann. Bei «ner vorltafigcn 
Dui-duidit dieses Materials, sowie de« ilteren, ftm A. DmcKUm 
herrflhrenden fimden sich folgende Arten: 

Proettt» crbitaiua Babr. sehr Kahlreioh. 
> eremüa » häufig. 
B äff. crasnmarffo A. Uobher. 
planicauda Barr, 
l^acops breciceps BaRR. 

» fecundtts var. major Barr. 
Bronteua (Thysanopeltü) «peciosua Corda. 
Dronteus ap. 
Gonialites sp. &p. (3 y^tmächst nicht weiter bestimmhai 

Bruchstücke). 
Ort/iocera« sp. 
Capulu« sp. 
SpiHfer indifferens BakR. ^ Hnguifer SST>B. häafig. 

» B war. obesa BaRR. 

Meriata /iaucta Barr. • 

» secuns » J häufig. 

» paaspf /» * 

» ncalpi-uin F. RoEMER 
und andre glatte Bracbiopoden in grosser ^ahl. 



H. Lorz, Pentamerus-Quarait and Grcifensteiiier KaIü. 7? 

Leptagoniu rhomboidalis Wahl. 

Leptaena tenuUsima BaRR. 

Tiaracrinue (Staurosoma) tetral'ih-a ii. sp. JakKel^). 

Cladockotius sp. 

Amplexus sp. 
»teres Nachforschen wird aicherlicli uoch mehr gemeinsame 
m Tilge fördern. Alle bereits geuaimten sind aber iu 
(tein sowohl wie in Mnenian charakteristisch und häufig; 
neu beschriebene Cystoidee hat eine entsprechende Ver- 
in Maeuiau durch Tiaracrinus (Utauiosoma) rarus'RkjeR.^). 

■rt Prof. Jaekel hntte die Liebenswürdigkeit, das Stück zu bestimmen nnd 
ade kurze Artbeschreibung znr Verfügung zu stellen: 

dar Theca ist nur die untere Hälfte mit der Basis und den für die 
ebr charakteriitischeii 4 Porenrauten — übrigens grösstentheils als Stein- 
trhkiten. Hiemach l.lsat sich zur Definiüoo der Art zunächst nor Fol- 
igeben: Die Theca besteht aas einem vierseitigen Kegci, dessen untere 
rek die Basis ängeuommcD winl. Die letztere ist klein nnd l&sst die 
jsetznng ans vier Stücken kaum noch nahniehmen. Der kegelfCrmige 

Thoca ist scharf vierseitig, seine Seiten nahezu oben. Die die letz- 
(•tEenden Baul«n eothalton nur (i Faltenporen, deren Mundungen nach 
ch abgebrochene Höcker auf dem Steinkern deutlich hcirortretcn. Aaf 
slen Mittcllinia der Rauten tritt die Plattongrcnze als erhabene Linie 
ems zwischen den beiderseili|{en Kauten hü Iften, auf jeder Platte an den 
es Kegels eine flache Leiste hervar. Die Oberseite der Theca über den 
aien Seitenflächen war eingesenkt, ist aber zu näheren Feststellungen 
genug erhalten. Die Grüsse der TOrlie^cnden Theca betr.lgt m der Dicke 
) Höhe dürfte etwa 10 mm betragen liaben. Von den bisher bekannton 
L Jakkül, Stammesgeichichte der Pclmatozoon, Bd. 1, S. 345) nnter- 
tich die vorliegende darch die geringe Zahl der Porenfaltcn in den 
otz stattlicherer Grüase, und die fast ebene Form der Rauten n Sehen.' 




Tiarnntnui tvdraeilra n. sp. Jabkei.. 
:1. die durch Kavsrk a. Holzapj'ei, a. a. 0. S. äCS> gegebene Fossilliste 
ifiii, sowie Jakkbi., Stamme^eschichte der Pelmatozoen, Bd. I, S. 34&, 



78 H. LoTz, PenUmerus-Q'iarxit and Groifenstoiner Kalk. 

Aus dem Mitteldevon ist sonst noch Tiaracrinus quadrifroM 
ScHULTZE aus der Eifel bekannt geworden. 

Der Crinoidenkalk mit der oben genannten Fauna tritt nun, 
wie bereits erwähnt, als Linse in den »Ensekalken« A. Dekck- 
mann's auf und zwar nahe ihrer oberen Grenze. Diese selbst 
lagern über den Orthoceras- (Wissenbacher) Schiefern. . Im grossen 
Ganzen dürften die Ensekalke dem Günteroder Kalk E. Katser^s 
entsprechen, jedoch wird man einstweilen an dem Namen »Ense- 
kalk« festhalten müssen, so lange das Alters verhältniss des »Ballers- 
bacher Kalkes«, der dem Greifensteiner ungefilhr gleichaltrig sein 
soll, zum Günteroder Kalk noch nicht sicher festgelegt worden 
ist. Das Crinoidenkalkvorkommen der Ense liegt jedenfalls nicht 
an der unteren Grenze des Mitteldevon, da ja die Wissenbacher 
Schiefer unter dem Ensekalk ebenfalls noch zum Mitteldevon ge- 
hören , sondern es grenzt bereits an den »Odershäuser Kalk<:, 
den Denckmann sowohl, wie Holzapfel und Katsbr schon in 
das obere Mitteldevon, an die Unterkantc des Stringocephalen- 
kalkes setzen. 

Burhenne ^) erwähnt noch das Vorkommen von Crinoiden- 
kalken, >anscheinend Greifensteiner«, in den Tentaculitenschiefern ^ 

von Tiefenb.ich bei Leun a. d. Lahn, ohne jedoch Näheres darüber 'i* 

mitzutheilen. 

Auf den üreifensteiner Kalk von Mnenian und Cabrieres-), -r« 
aus dem Altai •^) und von anderen Orten hier näher einzugehen, ^ * 
erübrigt sich für mich aus leicht hegreiflichen Gründen. 

Nach dieser, wenn auch nur kurzen Uebersicht scheint mir ^m v 
die Behauptung Frech's*), dass die Zweifel über die Stellung der ^m: v 
Greifensteiuer Kalke beseitigt seien«, entschieden verfrüht. Im -mt ji 

Gegentheil, die Lösung der Frage steht noch dahin; sie wird er 

Schwert durch den Umstand, dass die älteren Goniatiten einer-^*rr 
gründlichen, zusammenfassenden Durcharbeitung, die in gleicher ^w 

^) Blhhesne, Fauna di*r Tontaculitenscliiefer im Lahngebiet. Abhdlg. d — 
geol. J.andesaTist., N. Folge, H. 21), S. 7. 

'-*) Frech, Letliaoa palaeozoica II, S. 197. 
^) ebendort S. 1S7. 
*) ob<»ndort S. 202. 



U. LoTz, Pentameras-Quarzit und Greifensteiner Kalk. 79 

Weise stratigraphischen und paläontologischen Gesiclitspuukten 
EiechnuDg trägt, noch ermangelD, was zum grössteu Theil daran 
liegt, dass gutes Material aus sicher festgelegten Horizonten selten 
ist. Auch muss man berücksichtigen, dass das, was man als 
»»Greifensteiner Kalk« schlechthin bezeichnet, nicht unbedingt 
gleichaltrig zu sein braucht, sondern vielleicht nur derselben Fa- 
zies angehört. Ich wies bereits auf die Verchiedenartigkeit in 
jer Goniatiteuführung der einzelnen Greifensteiner Kalkvor- 
kommeu und besonders auf die des namengebenden Vorkommens 
äelbst hin. Ehe nicht die Goniatiten desselben einer erneuten 
Revision unterzogen worden sind, kann man kein endgiltiges Ur- 
theil fällen, wohl aber darf man sagen, dass nachdem Crinoideu- 
kalke vom Typus des echten Greifensteiner hoch oben im unteren 
Mitteldevon nachgewiesen worden sind, das mitteldevonische Alter 
des rothen Crinoidenkalkes von Greifenstein fester als zuvor be- 
gründet erscheint. Sollte es sich nach der Verarbeitung des neuen 
Materials herausstellen, dass er (und ebenso der rothe Kalk von 
Mnenian) von Kayser und Holzapfel mit Recht an die Basis 
des Mitteldevon gestellt worden ist, so wird man in Zukunft mit 
der Verwendung des Namens »Greifensteiner Kalk« als Ilorizont- 
bezeichnung vorsichtiger sein mQssen; derartige Bildungen hätten 
sich dann zur Zeit des unteren Mitteldevon mehrfach wiederholt. 
Hierauf könnten auch die Beobachtungen Katzer's^), E. Kayser's 
und Holzapfbl's ^) hindeuten, wonach Mnenianer Kalk und 
Knollenkalke des 6^ nirgends in deutlicher Ueberlagerung zu 
beobachten sein sollen, sich vielmehr zu vertreten scheinen, auch 
»nicht selten in Mitten typischer G^-Kalke röthliche, dem Mne- 
nianer Gestein sehr ähnliche Kalke auftreten« ^). 

Andrerseits könnte uns der Erfahrungssatz, dass gewisse Ge- 
steinsausbildungen in unserem Paläozoicum auf weite Er- 
streckunsren hin aushalten und sich als äusserst werthvoll 
für die Stratigraphie erweisen, veranlassen, allen den er- 

') Katzer, Geologie von Böhmen S. 1026. 
^ Kayser und Holzapfel, a. a. 0. S. 27G. 
'0 Kaysbb und Holzapfel, a. a. 0. S. 270. 



so H. LoTz, PeDtamcros-Qoanit and GreifcnsteiDer Kalk, 

wihnteu Vorkommen Greifensteiner Kalkes dieselbe St( 
zuzuweisen, wie sie das des Ensebergs nach den An) 
A. Dekckmanv^s einnimmt Dann wikrde so manches in 
Kalken des oberen Mitteldevon auftretende Faunenelement, 
bisher als ^Superstit« etwas auffallig war und seine nac 
Verwandten im Greifensteiner Kalk hatte, eine ganz natö 
Erklärung finden. Ich bin jedoch weit davon entfernt. < 
Crinoidenkalk ohne Weiteres denselben stratigraphischen A 
beizulegen, wie einem echten Goniatitenkalk. 

Berlin, den 31. März 1901. 



lieber Wallberge auf Blatt Nangard. 

Von Herrn M. Schmidt in Berlin. 



Die von Herrn Dr. WünSTORF und mir im vergangenen 
Sommer auf Blatt Naugard ausgeführten Aufnahmen gaben Ge- 
legenheit zum näheren Studium einer Anzahl von wallartigen 
Hügeln, die mir durch ihr unvermitteltes Auftreten in der 
Landschaft schon bei der Betrachtung des topographischen Bildes 
^<*s Messtischblattes aufgefallen waren. 

Diese Wallberge^) steigen mit steilen Böschungen bis etwa 
^O Meter Höhe auf, sind oben oft nur weuige Meter breit und 
^ ^reichen nur selten die Länge von 1 Kilometer; doch treten sie 
*^^hrfach zu längeren Zögen von mehreren Kilometern Länge zu- 
^5^mmen. Die im einzelnen in ihrer Richtung sehr wechselnden 
^\'^älle folgen in den Zögen stark geschlängelten, auch sich gabeln- 
^*^n Linien, die mit ähnlichen Vorkommnissen auf einigen Nachbar- 
*^lätteru ein grösseres System von etwa nordsödlicher Haupt- 
Dichtung zu bilden seheinen. (Siehe das Uebersichtskärtchen auf 
5^. 83). 

Fast ausnahmslos sind die Wallberge flachen, zum Theil 
^ogar vertieften Abschnitten des Geländes aufgesetzt. Besondere, 
"^on Alluvium erfüllte, schmale Depressionen begleiten sie oft auf 
^iuer oder auch auf beiden Seiten. 



') Die BezeichDQDg ist rein morphologisch yerstanden, ohne Beziehung znm 
Begriff der Asar. 

Jahrbach 1900 Q 



lieber ihr Verhalten gegenöber den eoastigea charakteristischen 
Oltederu dieser Diluviallaudgchaft sei bemerkt, dass s!e Kur Ijfiug^- 
ricfatuDg der hier so verbreiteten DnimlinbildungeD '), sowie dor 
mehrfach vorhandenen Schuielzwasserriünen im Grossen undGan/eii 
parallel verlaufen, dagegen auf die fast ostwestliche Ri(.-htuiig der 
grossen Eisraodth&ler, vor allem des auf Blatt Zickerke sehr 
scharf begrenzten hinterpommerschen Urstromthales^}, und den 
ihnen entsprechenden Verlauf der spärlicbeu Eudmoränenbildungen 
der Gegend von Gülzow und Pribbernow^ etwa rechtwinklich 
aufstosaen. Die Wallberge liegen also in der Richtung deg 
Eisfitromes und könnten biemacb zunächst wohl den Glauben 
erwecken, dase wir Asar in ihnen zu sehen b&tten. 

Die u&here Untersuchung der Wfille hat indessen fär eine 
solche Deutung derselben keine Anhaltspunkte ergeben. In keinem 
der zahlreichen und zum Theü sehr instructiven AufschlfUse auf 
Blatt Naugard hat sich der Bau typischer Asar, so vfie deren 
zeitweilig etwas scbwankpnder Begriff jetjit in der deutschen 
Glaciallitteratur gemeinhin verstanden wird, feststellen lassen, d. )i. 
eine in der Hauptsache horizontale Auischichtung ÜuvioglacialeqB 
Materials auf der Grundmoräne, oder allenfalls in einer Rinne ihreH 
OberBäche. ^ 

Dagegen zeigten verschiedene gute Aufschlüsse, vor Allem 
die grosse Sand- und Grandgrube dicht bei NMigard, auf der 
flachen Plateaninsel des »Werder«, eine in ihrer Symmetrie wohl- 
erhaltene Aufpressung unteren Diluviums, die so tief greift, 
dass auch die Untere Grundtnoräne^) mit erfasst wurde and wie 



') K. Ekilhaoe. Die DmmliiilaQcUchsrt io Norddentadiluid, DieMi Jüv- 
bnch für 1897, S. 163—188. 

*) K, Ebiuiack. Die Stülstandslageii des letzten Inluid^BW und di« hjdro- 
graphische Entwickelnng des pommerscheii Eüstengebietaa. Dieses Jaluboek 
för 1898, S. 114, Tt Vm. 

») K. EULHAOK 1. c. S. 117. 

*) Die Znwsisiug dieses tteferen, immer durch mindesteiis änige Hettr 
mftchtige, geschichtet« Flaviogluiialbildiuigea von dar Oberen Gmndmorine gs- 
trennten Geschiebemergels xnm Unteren Dilaviiun erfolgte zonSchst sos practisehm 
Gründen, nie es in allen fthnlichen, infolge mangelnder Ansbildong denüicher 
IntergUcialbildiingea nicht n&her xn beweisenden Pillen in der norddentscheo 
tlschisodskartirung zu geschehen pflegt. Für die in vorliegendem Anfsati b«- 



IL Schmidt, Heber Wallberge anf Blatt Naogard. 



88 




W§Hbirj§ 



tndmorsnen 

1*200000, 



Drumlins. 



■iOKm. 



6* 



u 



M. SoBMv IMmt WiMIml 



ein Biff oder eiii Gang wdMnii den Kmoi des gumm'WiSkm 
bildet (mhe Profil I> Die Ä» der AttArtMorngMi i|td|A« 
in der Btditong der WiUe. Die nnteneldhettden fräKUkitamm 
laeaeo eine eingehende Beeohreibnng der einsdnen AnfipriUBMe 
fiberflOseig ereoheinen* Sie seigen andi, wie dnige Aiifbddtteee 
dnrch das Versteoktbleiben des Randes der (Mmubd OmndmiiriUie 
unter dem der Flanke des Walles angelagerteB Oberoi Sande 



ProfiUkissen der WsUbergc 




I. 




li. 




III. 

weniger deutlich sind (Profil II, linke Seite), bei anderen die 
Aufpressuug nur den Unteren Sand ergriffen hat. Die Obere 
Grundmoräne, die auch stärker aufgepresste Wälle hie und da 
ein Stück überkleidet, bildet bei den schwächeren unter Umständen 
eine ziemlich mächtige Decke (Profil 111). Auf Wallbildungen 
dieser letzteren Art und ihre tektonische Natur habe ich vor 
Jahren^) bei der Besprechung der geologischen Verhältnisse auf 
dem nördlich anstossenden Blatt Zickerke hingewiesen. Von 
ihnen ist nur ein Schritt zu den von K. Keilhack von dem 



handelten mehr tektonischen Fragen ist die Zuweisung der die Obere Grand- 
moränen schiebt unterlagernden Diluvialschichten zum Unteren Diluvium an sieb 
fast ohne Bedeutung. 

») Dieses Jahrbuch für 1898, S. CGI. 



M. Schmidt, üeber Wallbergo auf Blatt Naagard. 85 

Nordwestlich von Blatt Naugard gelegenen Blatt Moratz be- 
^hriebenen^) Wallbildungen au8 Oberer Grundmoräne, die ich 
in dem Uebersichtskärtchen mit verzeichnet habe. Auch in ihnen 
ist übrigens in einem Falle ein Kern von Unterem Sande be- 
obachtet. 

Es ist nun nicht unwahrscheinlich, dass die vor dem end- 
göltigen Abschmelzen im Eise noch vorhandene »Innen moräne«, 
die in seinen untersten Regionen streifig vertheilten Schuttmassen ^), 
die bis zum Abschmelzen noch suspendirt geblieben waren, in 
dieser Gegend, wo die Obere Gnindmoräne im Durchschnitt 
überhaupt nur wenige Meter mächtig ist^ einem nicht unwesent- 
lichen Bruchtheil derselben entspricht. Danach könnte man zu 
der Annahme kommen, die fraglichen Gebilde seien Asar, die 
durch Aufpressung erhöht und zuletzt durch Sedimentation der 
Innenmoräne mit einem Mantel aus typischer Grundmoräne an 
vielen Stellen bekleidet wurden. Aus welchen Gründen stellten 
dann aber die subglacialen Bodenströme, in deren Wegen die 
Aufschüttung und Aufpressung dieser Asar stattfand, gerade in 
der letzten Periode der Abschmelzung ihre Thätigkeit ein? Denn, 
wenn sie bis zuletzt lebendig waren, hätten sie successive das in 
ihren Bereich gelangende Material der Innenmoräne mit verarbeitet 
und die Ablagerung typischer Grundmoräne nicht geduldet. 
Femer musste aber auch eine, an sich wohl denkbare, Asbildung 
in älteren Stadien der letzten Vereisung mit den tieferen Schichten 
der Oberen Grundmoräne in gewisser Lagerungsbeziehung stehen, 
sodass Spuren einer Auflagerung auf eventuelle ältere, oder 
wenigstens einer Verzahnung oder sonstigen Verknüpfung mit 
den ihr gleichaltrigen Lagen derselben nachzuweisen sein müssten. 
Doch ist von alledem nichts angetroffen. Vielmehr grenzt der 
Sandkem scharf und ohne Uebergangsbildungen an die ange- 
lagerte oder den Wall überkleidende Decke von Grundmoräne, 
wie bei normaler Ueberlagerung, nur mit dem Unterschiede, dass 
die Begrenznngsfläche durch die Aufpressung aufgebogen erscheint; 



1) Dieses Jahrbnch f&r 1898, S. CXCY. 

^ Siehe E. v. Drtqalski. Grönland-ExpeditioD der Gesellschaft für Erd- 
kunde, 1897, I, S. 105, Tf. 27 and 28 and S. 530-31. 




M. SoHHort, UeUer WiillbarKe auf Blatt Nungurd. 



uud die G rund moräneu decke selbst, die an tiianchen Stclleu i-ei-hl 
mftcbtig wird, macht ganz den Eindruck einer continuirlichei 
Fortsetzung der ganzen Grundmoräue, die rechts und lioka ii 
ungestörter Lagerung vorhanden ist. Was schliesslich die Tie'i 
der Ausbildung der Wallberge betriÖl, so werden wir weitei 
unten uoeh einmal auf die Gründe zurflokkouimen, die (tborhaup 
dagegen sprechen, dass sie eher als in der letzteu Abschmelzperii>dt 
des Inlandeises entstanden sind. 

Wir haben es also in den Wallbergeu von Blatt Naugan 
mit reinen Aufpressungen zu tbuu, die ohne nachweisbare vor 
berige Asanlage sich empurwölhten. Sie entfallen also nach Allem 
was über sie bis jetzt bekannt ist, unter den Begriff der Durch 
ragungen, und zwar zeigen sie mehrfach einen in seiner sym 
metrischen Antiklinale wohlerhalteneu und durch die sonst oicbi 
hänSge Betheiligung Unterer Grundmoräne besonders reicbci 
Typus derselben. 

Solche Durchragungen mit riffartigem Kern von Geschiebe' 
mergel beschrieb z. Ii, G. Berendt') von der Mühle bei Dauer 
balbwegs zwischen Pasewalk uud Prenzlari, und zwar als Asar 
Auch in den von E. GBinitz^ beschriebenen »Wallbergen« 
Mecklenburgs, die er ebenfalls sämmtlicb als Asar der letzten 
Eiszeit erklärt, finden sich mehrfach analoge Erschein ungen. 
Ferner sind sie von H. Sohrödbr^) zwischen Prenzlau und 
BrOseow und von L. Bbdshausbh Östlich der Randow beobachtet 
In diesem klassischen Gebiete der Durchragnngeu ist auch die 
hier so verbreitete Begleitung der Wälle durch von Alluvium er 
fUllte Senken keine Seltenheit. Auch fQr den geschlängelten 
Verlauf der Wallbergreihen, sowie die auffallenden Gabelbildungen 
bietet jene Gegend, wie aus den genannten Arbeiten ku ersehen 
ist, Analoga. Eine andere, dort zuerst durch L. BbdshadSen*) 
betonte Eigenschaft der Durchragungen, dass sie gern von Oberem 

■} Zeitschr. d. Deatsch. geol. GenelUch. Bd. 40, 1883 S. 485. 
*) XTV. Beitrag zur Geologie Mecklenburgs. ArahW des VermoB der Freunde 
der Naturgeschichte in Mecklenburg, 47. Jahr, 1895, S. 1—34. 

>) Zeitschr. d. Dentech. geol. GeseUach. Bd. 46, 1894, 8. 295. 
*) Diese« Jahrbuch für 1890, S. LXXXVIL 



IL Schmidt, üeber Wallberge aaf Blatt Naagard. 87 

Sande an ihrem Fusse umlagert sind, lässt sich wiederum auf 
filatt Naugard ebenfalls an mehreren Stellen beobachten. 

Und doch möchte ich die Wallgebilde nicht den Durch- 
rsgungen im Sinne Wahnsohaffe's ^), den marginalen Stau- 
morinenbildungen zurechnen^). Bei diesen ist ein Anschmiegen 
so die Richtung des Eisstromes, die sich bei BrQssow und Prenzlau 
ganz gut aus dem Verlauf der zahlreichen Schmelzwasserrinnen 
erkeDDcn lässt^, der Art ihrer Entstehung nach die Ausnahme, 
weil dieser Fall nicht in den Bögen der Moräne, sondern nur in 
den Gabelstücken derselben, zwischen den einzelnen Eiszungen, 
in einiger Ausdehnung vorkommen kann. Hier dagegen fbgt 
sich das ganze System, soweit es sich bisher einigermaassen Ober- 
^hen l&sst, mit einigen launenhaften Abschweifungen äsartig der 
durch Schmelzwasserrinnen und vor Allem durch die Drumlins 
wohl bezeichneten Eisstromrichtung ein, während es zu dem Zuge 
der Moränen und grossen Eisrandthäler, wie oben erwähnt, etwa 
rechtwinklich verläuft. 

Dass die auf dem Uebersichtskärtchen (S. 83) dargestellten 
Wallstücke sich durch Funde in weiterer Nachbarschaft zu einem 
wichen System von Staumoränenbögen, wie es etwa die Brüssower 
hegend zeigt, einmal werden ergänzen lassen, ist mit Rücksicht 
^uf Folgendes nicht eben wahrscheinlich. Ein solches System 
^rde jedenfalls ausserordentlich stark und tief geschwungene 
B^n besitzen, also an einem ausserordentlich zerschnittenen 
^isrande entstanden sein müssen, während wir fQr diesen Eis- 
^d, wenigstens in der Zeit des Abschmelzens, nach der Richtung 
^«f von K. Kbilhack*) beschriebenen Eisrandthäler und dem 
^ndmoränenstück von Gülzow-Pribbernow^) ganz andere, viel 



^) Zeitschr. d. Deatsch. geol. Gesellsch. Bd. 34, 1882, S. 598. 

^ Die von B. Gehotz neuerdings (Grundzüge der Oberfl&chengestaltang 
Hecklenbargs; Archiv des Vereios der Freunde der Naturgeschichte in Mecklon- 
borg, 53. Jahr, 1899, S. 126) gegebene Erklärung des Begriffes »Durchragungen« 
entspricht nicht Wahnschakfe's allgemein angenommener Deutung derselben 

^ H. ScHBÖDBB. Endmoränen in der nördlichen Uckermark und Vor- 
pommern. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Gesellsch. Bd. 46, 1894, S. 294. 

*) Dieses Jahrbuch für 1898, S. 13'? ff. 

5) 1, c. S.117, 



IL ScawiDT, UAet VfaliUrgt »a( B1>U Nao^ud. 

rahigere Liuieu Torau^setzeu utiUtieu. Und ia der Ab&irfaiuelz'ei'^' 
den lulandeUes könoen ilie Wallberge erst eutstaodeu ti«iii, Hi ^i 
wie oben betont, »ncli Di2cbti»e Obere Gruaduiütäue bi« utii) da^K- 
mit aufgow&lbt erschoiut, die docb beim Voirfli-keu des EU«-^ 
uoch gar Dicht uud erst gegea deo Sdiluss der Verei^uugtperiodc^ 
in dieser MSchtif^keit da sein konnte. Femer ksnii ich aus dpr~ 
Scliarfkantigkeil vieler WalUtfiL'ke uod der Unverd rückt heit ihrr^ 
iooereu Baues wohl, wie e« ebeus4> II. Scuri'iukr') fbr die Uurv-b— h 
rKgoD^en der Uckermark getbau bat, darauf »chliessen, da^^ äi^^| 
nicht wesentlich unter dae KU gekommen sind, also uur bfimä^B 
Koduuge desselben in der Raudregioo dea Kises e»l«tAudeii. 

Weuu mau nun da« gegenseitige Verbiltuisä von WnllbrrgeL» 
und Druiulius betrachtet, muse es auffalleu, dasa div erstvreuM 
aueh da, wo sie mit den Urumlios nicht g»ax parallel verlaufen.^ 
doch mit ihnen sich nirgends etörend durehkreuxeo. Vielmeh '^e~ 
tbeilen »ich beide Typen der Diluviutl.tndschaft friedlich in der««^::» 
Besitz, indem die Drumlius mehr die W'ölbiingen des i*Uteau^K~^ 
die Wallberge dagegen die flachen Stellen, mit Vorliebe ani_'b dm. ^f~ 
Tbalsenkungen oder deren Runder einuehmeu, zum Thetl ()ire*_s4 
in den späteren Sehmelzw.itjserrinnen entlang ziehen. Au i m i i 
Stellen des bisher aufgenommeneu Gebietes verwaeb&eu WhK 1— 
und Dmmlinbildung mit ganz allmählicbeni Uebergaug zu eige^EM — 
artigen Zwittergebilden. Aus diesem ganzen VerhSltoiss (L^E~e 
Zusammen auftrete na der Wälle und Dnimlins dOrtle hervorgehe»», 
dass sie gleiehzeitii^e Bildimgeu sind, beide uUo in der Raik «i:!- 
zone des schmelzenden lalaodeises nebeneinander entstuiden. 

Ehe ich auf die mögliche Art dieser Entstehung niher ein- 
gehe, fähre ich, ohne die Litteratur erschöpfend ziiBamroenstellei 
zu wollen, einige Aeusserungen über das Zustandekommen älin- 
liclier VerhftltniBse an, die iOr den vorliegenden Fall Interesse 
haben könnten. Nicht in Betracht zu kommen scheint mir Ar 
denselben die ältere HoLfT'sche Ansicht, die z. B. G-. BsitB)n>T 
bezfiglich der oben (S. 86) angefahrten Widlberge von Dauer ver- 
trat'), von durcbragenden Äs-Bilduugen der vorletzten Vereisung, 

<) Zeitsohr. d. Deutach. geol. Gea. Bd. 46, 18»4, ä 297. 
«) L c S. 486. 



M. ScHMim*, Ueber Wallborgc auf Blatt Naagard. 89 

die von den Producten der letzten nur unvollkommen überkleidet 
wurden. Sie erscheint mir deshalb hier nicht empfehlenswerth, 
weil der wohlerhaltene, tiefgreifende Anticlinalbau der Naugarder 
Wälle, auch der ganz schief verlaufenden Stücke, ferner die 
deutlich mit aufgesattelte Obere Grund moräne sich nicht gut mit 
ihr in Einklang bringen lassen. 

Dagegen giebt E. Geinitz in seiner oben (S. 86) citirten 
Arbeit über die mecklenburgischen Wallberge ausdrücklich die 
Möglichkeit durchragungsartiger Aufpressungen des Untergrundes 
unter Spalten und Bodenströmen durch den Eisdruck zu (S. 82) ^). 

Ferner möchte ich hinweisen auf eine Aeusserung v. Dry- 
Galski's^ der in einer Sitzung der Deutschen geologischen Gesell- 
schaft vor einigen Jahren die Entstehung der Asar durch Faltung 
des Grundes unter der Randzone des Eises erklärte. Dann wies 
an derselben Stelle bei der Discussion über Russel's Beobachtungen 
am Malaspina-Gletscher ^) P. KrüsCH*) darauf hin, dass in den 
Kanälen der subglacialen Eisbäche, um die es sich dort handelte, 
eine weit geringere Belastung des Untergrundes vorhanden sei, 
als in der vom Eise gedrückten beiderseitigen Nachbarschaft, also 
leicht an solchen Stellen einmal eine Aufpressung des Unter- 
grundes eintreten könne. 

Endlich ist von Bedeutung für die Beurtheilung der vor- 
legenden Verhältnisse eine Arbeit von R. Klebs über dilu- 
viale Wälle in der Umgegend von Nechlin bei Prenzlau vom 
Mre 1896^). Klebs erklärt darin diese Wälle filr äsähnlich 
radial gerichtete Aufpressungserscheinungen des Untergrundes, 
^le in mächtigen Randspalten der Eismasse entstanden seien. (Ich 
"arf nicht verschweigen, dass die fraglichen Bildungen von anderen 

gewöhnliche Durchragungen erklärt werden.) 

Ich selbst habe mich in einem Bericht über Aufnahmen auf 



S. aach 6. Beberdt in Zeitschr. d. Deatsch. geol. Ges. Bd. 46, 1894, 
8.307. 

*) Zeitschr. d. Deatsch. geol. Ges. Bd. 50, 1898, S. 9. 
3) Xm. Ann. Report of the United States Geological Survey, 1891—02, 
S. 81 nnd 82. 

*) Zeitschr. d. Deutech. geol. Ges. Bd. 51, 1899, S. 24. 
*) Dieses Jahrbach für 1896, S. 231-249. 



90 M.**ScHMiDT, Ueber Wallberge auf Blatt Naugard. 

Blatt Zickerke^) Ober die kurzen, mir damals aliein bekannte 
Wallstücke auf diesem Blatte (siehe Uebersichtskarte S. 83) dabi 
geäussert, dass sie mir in radialen, gegen den Eisrand gerichteten: 
»Spalten« durch Aufpressung in Folge localcr Druckentlastun 
entstanden zu sein schienen. 

Diese Anschauung scheint mir, mit einer gewissen Modification^ 
auch auf das ganze seither bekannt gewordene System der Wall — 
berge zu passen. Man wird nämlich, wenn die Annahme radiale 
Stellung der Wälle zum Eisrande, die ich nach dem oben er 
örterten empfehlen muss, sich durch die weiteren Aufnahme 
bestätigt, zu ihrer Erklärung jedenfalls zu den Tunnels der sub 
glacialen Bodenströme im Sinne Strandmark's 2), den vielleich 
auch mit Spaltenbildungen des Eisrandes ursprünglich zusammen 
hängenden Schmelzwasserkanälen seine Zuflucht nehmen müssen^ 
Vorhanden sind sie vermuthlich vielfach am Eisrande gewesen^ 
Dass sie aus besonderen Gründen, die aber vielleicht niemals auf- 
geklärt werden^ in Norddeutschland sehr selten der BildungsheerA 
echter Asar geworden sind, ist bekannt, und wir haben oben (S. 85^ 
erörtert, dass sie auch in unserem Falle nicht der Sehauplati^ 
einer die Entstehung der Wälle vorbereitenden Asbildung gewesen- 
sind. Sie können aber, den oben mitgetheilten Aeusserungen in*. 
Allgemeinen entsprechend, bei besonders vermehrtem Eisdruclc- 
sehr wohl als loca minoris rosistentiae Gelegenheit zur AnfpressuniC" 
des nassen, plastischen Untergrundes gegeben haben. 

Besonders vermehrt war der Eisdruck aber jedenfalls aiB. 
Stellen, wo sich der Eisstrom, wie hier, gegen eine an steigend €3? 
Fläche stauen nuisste-^). Wir werden vor Allem an solcheii. 
Stellen auch in späten Stadien der Abschmelzung noch mit ver- 
gleichsweise grosser Mächtigkeit des Eises zu rechnen haben ^). 

') Dieses Jahrhiicli für 1899, S. CGI. 

'^) Siehe die Zusammenstellung bei F. Wahsschaffk, Die Ursachen der 
Obtjrflficheugestaltung des Norddeutsclu-n Flachlandes 2. Autl. 1901, S. IT'J. 

''^) Vergl. hierzu: d. Futii. Die Drumlins-Landschaft mit specieller Berück- 
sichtigung de> al])inen Vorlandes. Ber. iihvr d. Thatigk. d. St. Gallischen Natarf. 
Gt.'St'Usch. 1894 95, S. 394. — K. Kkilhack, Die Drumlinlandßchaft in Nord- 
d«Hitschland. Die^ses Jahrbuch für 1896, S. 109. 

*) Siehe K Klkbs, 1. c. S. 245. 




IL Schmidt, üeber Wallbergo aaf Blatt Naagard. 91 

de Einwirkung dieser Eisstauung auf den Ünterj]^rund muss, 
tiacb dem heute vorliegenden Product derselben zu urtheilen, eine 
verschiedenartige gewesen sein. An ninnclien Stellen des Plateaus 
fiiQssen besonders günstige Bedingungen zur Entstehung der 
Druinliu-Facies der Grundmoräne vorhanden gewesen seini). An 
anderen Stellen, den flachen und eingesenkten Abschnitten der 
Bodenfläche, liefen die Schmelzwasser als subglaciale Bodenströme 
entlang. Hier quoll in günstigen Momenten gesteigerten Druckes, 
also vor Allem wohl gelegentlich positiver Oscillations- 
beweguugen des Eisrandes, der bis zu grosser Tiefe nasse Unter- 
grund zu den Wällen auf, die dann bald vom Eise freigelassen 
wurden und so zum Theil in schönster Erhaltung auf uns kommen 
konnten. 

Die vielfach die W alle begleitenden Alluvialriunen möchte 
ich nach H. Schröder's Vorgang 2) damit erklären, dass eine 
positive Faltung so plastischen Materiales leicht von zwei schwachen 
negativen begleitet wird. Doch ist natürlich der Fall nicht aus- 
geschlossen, dass der Bodenstrom auch erodirend an ihrer Ent- 
stehung mitthätig war, oder wenigstens, wie ich oben in anderem 
Zusammenhange berührte, eine normale Sedimentation der noch 
vorhandenen Innenmoräne durch seine strömende Kraft auch in 
seiner nächsten Nachbarschaft verhinderte. 

Diejenigen Wallstücke, deren Grundmoränendecke sehr spärlich 

') Auch za unserer KenntDiss vom inneren Bau der Dramlins dieser 
Gegend, über den bbher nur spärliche Beobachtungen vorliegen, haben die 
Aafoahmearbeiten des vergangenen Sommers einige Beiträge ergeben. 

Es ist nach den Bohmngen sowie den Abschnittsprofilen an den Erosions- 
rändem der OW.-Tbäler wahrscheinlich, dass der Gleichmässigkeit der äusseren 
Modellirang der Dramlins deren innerer Aufbau nicht ganz entspricht. An 
einigen Stellen zeigt nämlich die ihre Mächtigkeit nicht nennenswerth ändernde 
Grundmoränendecke eine gewisse, etwa der Tagesoberfläche folgende Aufwölbunpf. 
Hänfigcr wurde dagegen eine Verjüngung dieser Decke an den Gehängen der 
Drnmiins beobachtet; an einer Stelle wurde sogar dnrch Bohrungen festgestellt, 
dass die Grundmoräne, allerdings unter verhüllender Thalsanddeckc, über dem 
sie unterlagemden Unteren Diluvium sich gänzlich auskeilt. Diese Beobachtungen 
scheinen mir indessen noch weiterer Ergänzungen zu bedürfen, ehe sie zu einer 
genügend begründeten Siellongnahme in der Gontroverse über die Entstehung 
der Dmmlins berechtigen können. 

^ Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. 46, 1894, S. 300. 




-, tTi<bur Wullliarga iwf Blult Nhij),iu'<1. 



entwickelt ist, sodius oiaucht' AtitscblAsHc our deu geetört 
ttuturdilitvialBD Kern erkcntieu lassen, sind oft auch reioh 
arobeia Matcm) uuti Blöcken. Es ISöst eich daher denk« 
dags die erodireuüe StrÖuiuug de» ScbninlxwasBerbackee das il 
sein Bett verciigende Iliaderuisä noch eine Zeit lang zu beitrbeil 
Gelegenheit hatte. Er zerstörte dabei die ohereu Schichten ( 
Walles und nabm ihr Material bis aiiT die gröbsten Bestandth« 
in seiner StrOmiiug mit hinweg. Mit Rfluksielit darniif iniiss n 
erwarten, dass Prodiicte dieser ZerstÖninirsarbeit sich auch b 
und da in den Kanälen selbst einmal wieder ablagerten. M 
könnte also im Verlauf der Wälle auch einmal echter As-Bildai 
begegnen, nicht einer dem Aufquellen der Wälle mehr Oi 
minder lange vorausgehenden (s. oben S. 85j, sondern einer yi 
wiegend iiacli ihnen und anf ihre Kosteu entstandenen, i 
freilich nicht immer leicht von den tektonisch entstandenen Tbeil 
der Wälle zu scheiden sein wird. 

Wenn nun die weiteren Untersuchungen solcher viellei« 
auch au anderen Stellen dieser Drumlin-Laudschaft vorhandeB 
Wallherge meine Annahme ihrer radialen, siibglacialen Entstcbu 
bestätigen, so mQssen sie den marginalen Durcbragungaformi 
den Staumoränen, als eine zweite Gruppe tod Durchraguof 
ersuheinuugen gegenübergestellt werden, die in den Besonderheil 
ihrer Entstehung und ihrem äusseren Habitus viel Beziehung 
zu den Äsar erkennen lassen und Wohl passend mit dem Nun 
Stauäear belegt werden können. 



lieber Endmoränen in Westprenssen nnd 

angrenzenden Gebieten. 

Von Herrn 6. Maas in Berlin. 
(Hierzu Taf. XVni— XXI.) 

In meinem ersten Berichte über die Aufnalime-Ergehnisso in 
<ier Gogond von Tuchel^) hatte ich das Vorkommen bisher nicht 
^^nauer bekannter Endmoränen %üge in Westprenssen angedeutet 
^*nd dort bereits^ wie auch in einem späteren Berichte 2), den Ver- 
■<*uf einiger Theilstöcke tlieses Systems kurz skizzirt. Die woitere 
Vorfolgung dieser Züge Ober die Grenzen meines engeren Arbeits- 
f?ebiete8 in der Tncheler Haide hinaus bei gelegentlichen dienst- 
lichen und ausserdienstlichen Reisen flihrte zu ganz neuen und 
^h eil weise Oberraschenden Ergebnissen. In Folge dessen will ich 
■laeine ursprQngliche Absicht einer genaueren Darstellung der 
*^^iclmoränen im südlichen Westprenssen erst nach Unter- 
^•^•ohnng des ganzen Gebietes aufgeben, obgleich für grosse 
'^^biete eine Specialkartirung der Endmoränenzüge noch fehlt, 
^*ncj bereits jetzt eine Uebersicht über den Zug der westpreussischen 
*^^dmoränen geben, dem die der südlichen Tucheier Haide zuzu- 
^'^^hnen sind. 

Endmoränenartige Gebilde ausser der sog. grossen haltischen 
^*^dmoräne im äussersten N. der Provinz, die aus genetischen 
^^•ündon im Allgemeinen parallel der südlichen Umrandung des 

1) Dieses Jahrbuch 1898, S. CGXIII. 

^ Dieses Jahrbach 1899, S. LXI— LXIII. 




6. M*AS. Vvhia Bndmor&on io Wettpreaueo 



08t8petM?cki?ae verlauff^n soll, äad scboa früber beirusst ddü unbe- 
wuMit HOB Wfret[ireu88en b«!6cbri<'beu worden. So »agt Keiljiacr in 
seiner Arh<;it Qber <Iie grosse balÜEche EudoiorSDe^: *AU zweifel- 
haft mus» ich es vor der Hand hiDslelle», ob die weiter im S. 
im Unfrlaufe des SohwarjEwasserQueses nuAreteodeo Geachiebe- 
anhäufuDgcn zu diesem Zuge (d. i. der grossen baltisohen End- 
moräne) oder bereits zu einem weiter sBdlit^'h g;e]egeiieii gehören.* 
Auf diesen Gedanken weiter südlich gelegener EDduiorineniflge 
in der sleidlioh gut bekannten« westlichen Hälfte Westpreussens 
ist Keilhacs später nicht mehr zurQckgekommeu. Er glaubte 
vielmehr in meinen letzten Arbeiten^, die Geschiebe mausen am 
Quteren Schwarzwaaser mit einiger Wahracheinliclikeit als Theile 
der grossen baltischen Endmor&ne im Gebiete seines Weichsel- 
gletachers ansprechen xu sollen. Sonst findet sich in der geologischen 
Litteratur nichts auf andere Endmoränen Bez&gltcheä, und nur 
anderen Untersuchungen dienende Schriften cnthaJten korze Hin- 
weise auf diesen Gegenstand. So schreibt SCHOTTE in si-iner 
l'iirstlichen Schilderung der Tucheier Haide'). dass auf ihn die 
Ui^gestreokten, gnutdigen BodeawelleD dei BMefMetm item 
Bindnu^ von Endmoränen Dordisjiher Gletaoher der Smeit msoheo. 
Feraer berichtet Wabnstorf*) in einer Arbeit Ober die Moor^ 
und Moosvegetation der Tucbeler Haide: >An eiozdnen Punkten 
der Haide treten fast unvermittelt in der Richtung von O. tucb 
W. höhere Hägelzflge auf, welche zahlreiche erratJacbe Blöcke in 
jeder Form und Grösse als Endmoränen nordischer Gletscher aus 
der Eiszeit tragen; die meisten derselben sah ich in den böden 
grossen Flussthilem und im nördlichen Theile der Haide anf den 
Feldmarken von Kl. und Gr. Schliewitz, woselbst diese Wander- 
blocke auf Feldrainen zu Mauern »usammengehfiuft sind.« 

Alle diese Angaben etotzen eich indessen lediglich auf die 

■) Dieses Jahrbuch 1889, S. 177—178. 

■) Varh. Gee. f. Erdkunde s. Berlin 1899, Taf. 8, und dies« Jahibnch ISilS, 
Taf. 7. 

*) B. ScuDm, Die Tncheler Hude, Tomehmlich in foretUclisr Beiieliaiig. 
Abb. z. Landeskunde d. Prov. Westpreossen, Heft V. Daniif; 1893, S. 5. 

<) Sehr. Nstnrf. Gea. Danzig. N. F. IX, Heft S, S. 115. 



nnd angrenzenden Gebieten. 95 

eine besondere Eigenthümlichkeit der Endmoräne, das Vorkommen 
zug- und wallartig auftretender Blockanhäufnngen oder zahlreicher 
grösserer Geschiebe. Keine legt Werth auf die fflr die End- 
moriinengebiete charakteristischen Landschaftsformen, wie sie von 
Wahnschaffe, Keilhack, Schröder, Gagel und Anderen oft- 
mals eingehend geschildert wurden, auf die Bodenformen, die 
eigentlich erst den sichersten Beweis ftir eine Stillstandslage des 
Eisrandes liefern, mag man sie nun als Folgen ungleichförmiger 
AafschQttungen oder Aufpressung ansprechen. 

Wir verfolgen den zunächst in Frage kommenden Haupt- 
cndmoränenzug der südlichen Tucheier Haide von dem Punkte an, 
^0 er sich im W. der grossen baltischen Endmoräne am meisten 
nähert, von Dramburg in Pommern. 

»Die Stadt Dramburg liegt,« schreibt Keilhack ^),» in einer 
flachen, von der Drage durchflossenen Sandebene. Nördlich, nord- 
'^esdich und westlich von der Stadt grenzt dieser als Sandr auf- 
zufassende Sandcomplex an typische Moränenlandschaft;, aber der 
äussere Rand derselben ist hier nicht als Endmoräne entwickelt, 
"on der S--Seite des Sarranzig-Sees bis nach Janikow werden 
^rotz der allgemeinen Lehmbedeckung nirgends nennenswerthe 
(^eschiebeanbäufungen beobachtet.« Dieselben bilden erst weiter 
festlich im Verein mit Grandkuppen einen nach N. offenen End- 
''aoränen bogen. Der Dramburger Sandr liegt aber, wie die Karte 
^«8 baltischen Höhenrückens^) zeigt, innerhalb der Moränenland- 
Schaft, und der eigentlich zur grossen baltischen Endmoräne ge- 
hörige Sandr liegt hier, in der Gegend von Falkenburg, erst etwa 
10 Kilometer südlicher ^). Geht man nun von irgend einem Punkte 
am S.-Rande des Dramburg-Falkenburger Sandr, etwa von Züls- 
klagen oder Birkholz, nach S. zum Gr. Lübbe-See, so tritt 
8€hr bald an die Stelle der Ebene mit zahlreichen, oft weit aus- 
gedehnten Moorflächen eine typische Grundmoränenlandschaft. 
Aus dieser hebt sich auffallend ein verhältnissmässig schmaler Zug 
von Blockbestreuungen und Grandkuppen hervor, der, bei dem 

<) Dieses Jahrbach 1893, S. 181. 
^ Dieses Jahrbach 1889, Taf. 26. 
^ Dieses Jahrbach 1898, S. 106. 



G«böft HüDenbcrg zwisoben ZolshageD und Dnunburg beginnead, 
sich in eiopin nach N. offenen Bog«n Ober Woltct^nrf nach d^ai 
Silbfrbprg bei StÖwen erstreckt. Besonder« «wiscihcn Woltersdori 
und dem Silberberg reiht sich in diesem Xagt Grmodknppe wa 
{.irandkuppe, sodass hier der EodoioräDeiiobanücler deMelbeo nieJil 
xweifelhaft »ein kann. Im VorUade des Zuj{«&. aiu Gr. Löblie^^ei', 
kann man vielerorts die Verbreitung und Lagerung der Butm>- 
glacialen Sande und Schotter beobachte^ die sich hier etwa 30 
Meter über den bei 95,5 Meter liegenden Seespiegel erheben. 

Naeh einer UnlerbretJinng durch die tiefe, aber rerhiltniss- 
roäsdg schmale Rinne von Stöwen-GOntbershagen. eine Anstrilt»- 
eu4le der Sc-hmeUwaeaer, Tolgt dio FortsetKung der EndmoriDe. 
die in einem früheren Stadium mit dem Woltersdorfer Zage Ober 
tiaiilheföbagen in unmittelbarer VerbiodDog stand, im Gasorienberg 
sitddsllicb Ton Stowen, und Ii66i sich Ober den lAä.^ M«ter hoben 
Königsberg und die Fucbsberge fast bis tucb KL Sabin *erfutg«B. 
In diesem nach NNO. geöBbeten Bogen, der «iu LabjrriDtb run 
Kuppen und EteilwanditreD nbfluesloeen Keeaeln dar^IrlU, girbt tt 
Oherbaopt nur invVi Gmnd iinii Sletae, oi\ xu mäc(itii;i n hWk- 
Packungen xnsammrag^Qrmt. Am acbfinaten w^ aieh dinef 
Churakter in den Fuchsbei^n (Taf. XXI, Fig. 1), wo der Menscli 
TOrlSufig den Kampf mit und uo) den sinnig«) Boden grössten- 
theils aufgegeben hat, so dass sich über diese Steinmeere wüste 
Hatdelandschaft ausbreitet. 

Nach Norden m schwindet dieser EndoKMinendiaraktei 
sehr bald. In der Umgebung des Gutes Vier haben wir noch 
eine geschiebe reiche Gnindmormnenlandschaf^ die aber acboB mm 
grö66ten Theil aus Sand und Geschiebemeigel besteht, und bei 
Friedricbsbof verliert sich der Geächiebereichthum und die Knppen- 
Undecfaafl in der GeschiebemergelBiche noch mehr. AUerdingt 
treten weiter nördlich in den Vossbergen bei Booin and xwisdien 
Wutzig und Falkenburg abermals einige grandige Kuf^ieo auf. 
Aber diesen kann mau gegeoäber den Fm^tsbeigen wohl kaum 
eine grössere Bedeutung beimesseD, mögen sie ancfa einer spiterec 
kurzen Stillstandslage des Eisrandes entsprechen. 

Vor den B<^o der Fochsberge legt sich am SO.-Ende de= 



and angrenzenden Gebieten. 97 

Gr. LObbesees und bei Jakobsdorf ein grosser Sandr, der nach 
Mark. Friedland hin entwässert wird. Nicht ausgeschlossen 
ist 68, dass durch sein westliches Randgebiet, durch die Gegend 
▼onStödnitz und Gr. Spiegel mit ihren bis 190 Meter aufragenden 
Höhen, abermals ein südlicherer Endmoränenzug verläuft, der sich 
vielleicht mit dem der Fuchsberge vereinigt. Auch hier fehlt~es 
nicht an Blockbestreuungen und Grandkuppen; dieselben treten 
aber nicht sosehr hervor, und ebensowenig zeigen die Bodenformen 
den auffallenden Charakter der Endmoränengebiete. Sicher aber 
ist das Vorhandensein eines grossen Sandr, der an den Gr. Lübbe- 
see anschliessend sich durch die Gegend von Köutopf, Neu Lobitz 
tind Mittelfelde erstreckt und durch das Dragetbal entwässert 
wird. Es ist dies derselbe Sandr, den Keilhack i) vor der Reetz- 
Norenberger Endmoräne fand. 

Bei KI. und Gr. Sabin wird die Endmoräne durch eine hier 
etwa 3 Kilometer breite Senke unterbrochen, durch welche jetzt 
^ie Bisenbahn von Callies nach Falkenburg führt. Es ist eine 
breite, hoch mit fluvioglacialen Sedimenten aufgefüllte Schmelz- 
wasserrinne, welche ehemals das weite Staugebict hinter der End- 
inoräne mit dem Sandr des unteren Dragethales verband. 

Jenseits dieser Senke, in der ihre Fortsetzung durch eine 

abmale Bestreuungszone angedeutet wird, setzt die Endmoräne 

hinter einer kleineren Vorstufe zwischen Neu-Laatzig und Her- 

oiannsfelde in den 185,2 Meter hohen Theerbreuuer Borgen südlich 

^onVirchow wieder ein, und lässt sich in fast ununterbrochenem 

Zuge über den Wartsberg (184 Meter), Hohen Berg (198,7 Meter), 

Hochratzenberg (211,2 Meter), Gentenberg, Streitberg und 

Spitzenberg bis zum Achtmorgen- und Windinühlenberge bei 

w. Linieben verfolgen. Besonders im westlichen Theile dieses 

Zuges zeigen sich zahlreiche Kuppen und Rücken aus Grand und 

filockpackungen. Sehr schön entwickelt sind dieselben im Hoheu 

Berg, Hochratzenberg und Gentenberg. Aufschlüsse sind sehr 

selten; aber die mächtigen Steinmauern und Steinpyramiden 

zwischen und auf den Bergfeldern, in denen die der Boden wirth- 



>) Dieses Jahrbuch 1893, S. 197-202 und 1898, S. 106. 

Jmhrbach IMO. 7 




0. Haa^ Veht 



scbftft ISatigeD SteiuinaäHen zusammengehäiift sini], um im Laufs 
der Zeit ab B«n- und Pflastproiateriiil Verwpudiing zu finden 
beweisen neben dein Grand der beackerten Berge, dass man es 
hier mit bereits mehr oder weniger zerstörten Geschiebe wä]leii 7.l. 
thon hat. Im Waltie, der aus Eichen, Buchen. Fichten, Kiefer« 
in theils geschlossenen, tbeils gemischten Beständen xusammeik 
gesetzt ist, findet sich ein schneller Wechsel von Grand, steiniget« 
Lehm and eben solchem Sande. Dazu kommen die charakterisli»clK-ii 
Bodenfonnen, steilwamlige Kessel und zahlreiche tief, nf> schliidii- 
artig eingeschnittea« Troukenlbäler, aus denen ein vielfach ge- 
wundener Pfad auf die jäh abgchassigeu Bergkuppen hinautTiliirl. 
Meist «eigen sieb im Walde oder an seinem Kande einzelne ge- 
trennte Bergkegel mit starker Geschiebebesuhnttung (Taf X^I. 
Flg. 2) und die tiefen Wegiinsiihuitte lassen die ßlockpaukung deul- 
lieh erkennen. An audereu Erbebungen, wie am Streitberg un<i 
Spitxen Berg fehlen Aufsclilßsse an den blockbedeckten Holm; 
sonst wire auch hier wohl die Geschiebepaokung nachwrishar. 
So zieht sich die Eodmorrme bis zu dem grandigen, Hteiubeslrrut^n 
Achtmorgenbei^ nud dem steinigen Windmflbtenberg bei Ot- 
Linieben, um liier vor einer breiten, sandigen Senke bei f^- 
Dennewitz abermals eine mehrere Kilometer breite Unterbrechung 
zu erfahren. 

Fast mauerartig tritt dieser Endmoränenbogen aus dem flachen 
Gelände in seinem Vor- und Hinterlande hervor. An seine «dd- 
liehe Aussenseite legt sich ein grosser Sandr, der sich nach W- 
zu mit dem Jakobsdorfer Saudr und über MSrk. Friedland mit 
dem Sandr des unteren Dragethales vereinigt, sodass hier dw 
»stellenweise, allerdings sehr schmale Plateau«, welches dw 
Falkenburger Sandr, »mtch SW. hin in seiner ganzen Länge')' 
begrenzen soll, eine mthrere Kilometer breite Lücke aufweist- 

Im Hinterlande des H oc h ratzen- Böge us zeigt sich bei Heri' 
berg und Ncubof ein schmaler Streifen typisch entwickelter Grond- 
moränenlandschaft, au welche sich nach N. zu die weit« 
Ebene des Schloss Falkenburger Forstes und der nördlichen TlieÜ' 



■) Dieses Jahrbuch 1S9S, S. 106. 



und angrenzenden Gebieten. 99 

Neuhofer und Gr.-Linichener Forstes auschliesst. Diese scrosse 
idebeue mit ihren fast überall fein- bis mittelkörnigeu Sauden 
Ite ursprünglich wohl ein weites Staubecken hinter der End- 
äne dar, das allmählich in der breiten Senke von Dennewitz 
ch die Endmoräne hindurch mit dem Pilow-Sandr in Ver- 
loDg trat. Ein Theil des Beckens wurde bei einem späteren 
Istande des Eisrandes wieder zum Saudr, und diese rückwärtige 
Istandslage wird durch einen Zug von Grandkuppen bezeichnet, 
, südlich vom Bahnhof Tempelburg beginnend, sich über 
Blocksberg an der Tempelburg-Brotzener Chaussee und die 
zahlreichen Durchragungen durchbrochene, stellenweise mit 
schieben besäete Grundmoränenlandschaft von Kl. -Schwarzsee, 
L>lin und Lubow bis zu den Blocksbergen am Ausflusse des 
>wflu88e8 aus dem Gr. Pielburger See verfolgen lässt. Nicht un- 
brscheinlich ist es, dass mit dieser Eisrandslage die auffallenden 
ikeligen Gestalten der Seen dieser Gegend in ursächlichem 
sammenhange stehen. An den S.-Kand der erwähnten Grund- 
ränenlandschaft schliesst sich die Fortsetzung des Hochratzen- 
gens der Endmoräne an, deren Lage nördlich der Senke von 
nnewitz durch den Steinberg bei dem gleichnamigen Gute und 
1 grandigen Fichtberg südwestlich von Milkow bezeichnet wird. 
Wieder schiebt sich zwischen die Bogen der Endmoräne eine 
*ite, heute von der Döberitz und Pilow durchflossene Sand- 
che ein, die man in ihrem oberen, an den Gr. Pielburger See an- 
iliessenden Theile als Austrittsstelle der Schmelzwasser, von 
charin etwa ab als Sandr aufzufassen hat, der vortheilhaft viel- 
cht als Pilow-Sandr bezeichnet wird. 

Zwischen diesem und der nächsten östlichen Unterbrechung^ 
cn breiten Küddowthale bei Jastrow und Landeck, zeigt sich die 
dpommersch- westpreussische Endmoräne, wie ich den in Rede 
übenden Zug in seiner Gesammtheit nennen möchte, in zwei 
irallelzüge aufgelöst, die durch die breite Niederung der Teufels- 
kide geschieden sind. 

Der südliche Zug, die Zippnow-Jastrower Endmoräne, beginnt 
it den bis 175 Meter aufragenden Grandkuppen der Hunde- 
^rge Südöstlich von Doderlage^ an die sich durch den 

7* 



100 (y- Maas, Ueber Endmoränen in Westpreossen 

Buschsee zwischeu Neu - Zippnow uod Rederitz bezeichDete 
scharfe Grenze zwischen der Grandmoränenlandscbaft von 
Zippnow und dem Pilow-Sandr anschliesst. Auf diese etwa 
5 Kilometer lange Strecke, die lediglich durch den Anssenrand 
der Grundmoränenlandschaft bezeichnet wird, folgt abermals eio 
geschlossener Endmoränenzug. Derselbe beginnt dicht beim Fh. 
Rederitz und bildet, zuerst aus einzelnen aneinander gereihten 
Grandkuppen, dann im östlichen Theile aus einem mauerartig 
aufragenden, von zahlreichen Grandkuppen begleiteten Walle be- 
stehend, den Bogen der Zippnower Berge, der sich sowohl durch 
sein Bodenmaterial — fast ausschliesslich Grand und Gerolle — 
als auch durch die Bodeuformen als typische Endmoräne erweist. 
Bei den södöstlicheu Abbauten von Zippnow schaart sich mit 
diesem Bogen ein zweiter, der hier zwischen zahlreichen kleinen 
Wasserbecken noch sehr schön entwickelt ist. Nach O. aber ver- 
schvTinden in diesem Bogen der Buschehenberge die auffallenden 
Formen der Endmoräne. Die Höhen werden breiter und flacher 
lind die dazwischeu liegenden Senken weiter. Gleichzeitig ver- 
ändert sich auch der Bodencharakter bis zu sandigem Grand und 
steinigem Sand. In Folge dessen kann man diesen Bogen nicht 
mehr für eine selbstständige Endmoräne, sondern nur noch (dr den 
grandigen Aussenrand der Grund moränenlandschaft ansprechen. 
Wesentlich anders werden die Verhältnisse wieder am Wege 
Ilasentier-Brieseuitz, wo aus der Grundmoränenlandschaft ein 
fichnialer Sandstrom hervortritt. An ihn schliesst sich nach 0. 
hin ein wallartiger Grandrücken an, der oberhalb Briesenitz von 
der cnizrn, aber tieten Kinne des Zamborster Fliesses durchbrochen 
wii'd und weiter nach O. sich zu einer prächtigen Kuppenland- 
schatt verbreitert. Dieser Zug der Jastrower Berge kann 
gleichsam als Typus <incr Endmoräne aufgefasst werden. Kuppe 
leiht sich an Kii|)pe, Wall an Wall, und zwischen diesen oft nur 
siliwcr zu ersteigenden Höhen ein Gewirr von steilwandigen 
Kesseln und l\innen (Tat*. XI X}. Dazu das Bodenmaterial. An der 
()l)ernäihe der Höhen sitht man nur Grand und Gerolle. Grössere 
Strinhlockr fehlen scheinbar, da dieselben von Alters her ab- 
• rel.'>cn und ils Hau- und Pflastersteine zum Theil weithin verschickt 



nod angrenzenden Gebieten. 101 

iferden. Wo aber ein Aiifschluss den inneren Bau dieser Höhen 
zeigt, wie an der Chaussee von Jastrow nach Briesenitz oder an 
der Eisenbabn^DÖrdlich von Jastrow, erblickt man typische Block- 
packung. Von W. nach O. nimmt die Breite dieses Endmoränen- 
Zuges durch Einschieben immer neuer Rucken beträchtlich zu, 
um dann an dem tief eingeschnittenen, breiten Küddowthale 
ziemlich unvermittelt abzubrechen. Weithin verfolgbare Abschnitts- 
profile oberhalb der Thalterrassen lassen hier den Aufbau des 
Geländes deutlich erkennen, besonders das Fortstreichen des Ge- 
schiebemergels unter den Blockpackungen und Granden der End- 
moräne, das sich auch in dem Schaarungsgebictc des Zippnower 
und Buschehen - Bogens nachweisen lässt. Die auffallende Ver- 
breiterung der Endmoräne bei Jastrow, deren Kuppen und Rucken 
hier eine Fläche von mehreren Quadratkilometern bedecken, ist 
ersichtlich darauf zurückzuführen, dass hier bei der Umbiegung aus 
der NW.- in die NO.-Richtung am Rande der breiten Kttddow- 
senke der Eisrand längere Zeit schwankte und dabei durch Auf- 
pressung und Aufschüttung dieses Kuppen- und Kessellabyrinth 
schuf. 

Vor diesen Zippnow-Jastrower Endmoränenzug legt sich ein 
gewaltiger Sandr, den man passend als Plietnitz-Sandr bezeichnen 
kann. Dieser Sandr, dessen SW.-Grenze etwa durch die lange 
Seen kette im oberen Rohrathaie vor der diluvialen Hochfläche von 
Freudenfier und Klawittersdorf bezeichnet wird, steht nach W. 
mit dem Pilow-Sandr in Verbindung und vereinigt sich im O. 
mit dem Sandrgebiet, in welches die Kuddow ihr breites Diluvial- 
thal gegraben hat. 

Im Hinterlande des Eadmoränenzuges liegt im Gebiete von 
Zippnow und Pinnow eine schwach wellige Grundmoränenland- 
schaft, deren Aussenrand, wie erwähnt, für kurze Strecken den 
sonst geschlossenen Endmoränenzug vertritt. 

Durch die als Sandr aufzufassende, nach W. mit dem Pilow- 
Sandr in unmittelbarer Verbindung stehende Sandebene der 
Teufelshaide von dieser Grundmoränenlandschaft getrennt, zieht 
sich durch die S.-Hälfte der Messtischblätter Gr. Born und Barken- 
brOgge der nördliche Zug dieses Theiles der südpommersch- 



102 G. ÜAM, Duher ErnlronrkDon in W.istpr^nssen 

westpreuseiscbcn Kntlujoriltie. Dieser Zug bostcht im Wesent 
Hohen aus üwti durch di« breite SubmeliiwuHet'rrione der Plictnib 
getrennten Bog^n, deren westlicher baupleächlicli als dt-r mit ^tc{ 
anfragenden Grandkuppen besetzte und jäh zum Sandr abfutk-nd 
S.-ltand der Grundmonlucnlaudechuft von Gr. Born utifxufaseen iv 
Derselbe steht durch (.Hoe Ki'ihe vereioEelter Grandkuppen »a 
Geschiebebestreuungen durch das breite obere Pilowtbal ßbl 
Pilowmtlhl mit der Grund moräoeulandachafl von KI. SuhwarzH 
uud Lubow in allerdings nur loser Verbindung. Jenseits di 
Plictnit^ - Thaies nimmt dieser nördliche Zug deutlicher de 
Charakter der Endmoräne an und zeigt einen den Jaetrower Berge 
last völlig analogen Hau. Auch hier tindet eich ein dichte 
Gewirr grandiger und steiniger Kuppen neben zahlreichen stai 
wandigen Kesseln und in den Saudr mimdenden Trocken thälen 
als deren bedeutendstes das Thal der oberen Zarne bei Barkea 
brflgge aufzufaaspii ist. Die Endmoräne bildet hier mehrei 
Züge ohne jede Regelmässigkeit; bald ist dieser, bald je« 
deutlicher und typischer entwickelt. Im Allgemeinen gilt a^ 
dass sich das gröbste Material in der südlichsten, dem Sanc 
benachbarten Kuppenreihe findet, die indessen nicht immer dl 
höchste ist. Es gilt flberbaupt fQr den ganzen Zug der sQt 
pommersch- baltischen Endmoräne, dass dieselbe nicht immer d: 
höchsten Erhebungen ihres Verbreitungsgebietes einnimmt, dass & 
vielmehr oAmals unabhängig von den HöhenverhAltnissen dahinzieh 
Zwischen Nen-Hertzberg und dem Vw. Wilbelmsruh biegt die En< 
moräne nach SO. um und wird hiervon dem verhältnissmässigjnnger« 
Thale der unteren Zarne durchbrochen, so dass nunmehr an dies« 
Stelle der ursprCinglich westwärts entwässerte Sandr der Tenfelshait 
durch das ehemalige Hinterland der Endmoräne entwässert win 
Jenseits dieses Durchbrnches set^.t sich die Endmoräne in dt 
Scbweineseebergen sfldlich von Ratze buhr und einem breit* 
Zuge von Grandkuppen bis Wallachsee um Westrande des Koddov 
thales fort. Auch in diesem östlichsten Theile des Nordzuge 
der grösstentheils das charakteristische Gewirr von Grandkupp« 
und -Rücken, von steilwandigen Kesseln und Trocken tbälern au 
weist, zeigt sich die nordöstliche Umbiegung am Rande d 



und angrenzenden Gebieten. 103 

K<iddowthaIes und eine damit in Verbindung stehende, auffallende 

Verbreiterung des Kuppengebietes. Es besteht also ;uich hierin 

<?ine völlige Uebereinstimmung mit dem südlichen Zuge, den 

Jastrower Bergen, wenn auch bei diesen die Erscheinung der 

ümbiegung in viel höherem Grade zur Geltung kommt. 

Im Hinterlande des Barkenbrügger Endmoränenzuges findet 

sich ebenfalls ein Gebiet welliger Grundmoränenlandschafl, dem 

AUch der Tetzlafisberg bei Ratzebuhr und die meist sandigen 

Höhen von Bahrenbusch und Marienwalde angehören. Daran 

schliesst sich nach N. abermals eine weite Sandebene, die Bux- 

liaide. üeber die Natur dieses durch die Seenkette des oberen 

l^lietnitzthales durchschnittenen Sandgebietes lässt sich vorläufig 

ein Urtheil noch nicht abgeben. Möglicherweise stellt dasselbe 

^ioen Sandr von einer noch nicht festgestellten Stillstandslage des 

H^israndes in dem Höhengebiete von Orangen und Hütten dar, 

ftir welche auch der Seenreichthum dieser Gegend zu sprechen 

scheint, vielleicht auch den südlichsten Theil eines Sandr der 

grossen baltischen Endmoräne Keilhacr's. Ohne den Nachweis 

^iner Beziehung zu einer Eisrandlage möchte ich aber die Sandr- 

Natur der Buxhaide nicht vertreten^). 

Jenseits der in dieser Gegend etwa 7 Kilometer breiten, 
^ohl eines Theils als Sandr, anderen Theils als Schmelzwasser- 
rinne aufzufassenden Küddowebene ändern sieh die Verhältnisse 
^v-esentlich. Die bis zum W. -Rande dieser Senke deutlich nach- 
w^eisbaren beiden Parallelzüge der Endmoräne sind verschwunden, 
u.ckd nur ein schmaler, aber nicht minder deutlicher Zug ist an 
ibire Stelle getreten, der Zug des Bauchberges bei Krummen- 
fli^tss. 

Bei Jastrow zeigte sich eine deutliche ümbiegung der 
^ n^dmoräne ; eine Reihe vereinzelter Grandkuppen, sowie ein 



Ans dieeem Grande kann ich aach Keiliiack's Angabo (d. Jahrb. 1808, 

^^ 152) nicht zastimmen, dass in der Gegend von Posen eine Stillstands! ago 

**-^Ä Eisrandes durch »die Anfänge mehrerer grosser Sandr bewiesen« wird. 

^'^ fehlt jeder Beweis dafür, dass die Sand gebiete der Gegend von Posen Sandr 

^^'^^d, 80 lange nicht eine Stillstandslage des Eisrandes in dioseni Gebiete auf 

'vierer Grundlage nachgewiesen ist. 




Strafen srfar t>1>-ini)^n (ie»rhipbem^rgela suf der Grenze zwüclirn 
der welHgFD Grand morflapalui(l6cbaft und dem tjefliegendeo 
Kftddow-Suidr und Knddoirtba] scheint ihre nordöstliche Fort- 
■e tg Png Qb^r TirfenrMl und Flederbom cn bilden, wo sie sicli 
dann mit dem nSrdlicfaen P«r*iMzuge rereinigen würde. War 
Uer eine geschlossene Endmorilne rorhiuideii, so wurde dieselbe 
bSdiet wabncheinlich bei der Bildung des Küddowtbales, an de&sen 
Baad aiL-h schöne Ab^ohnittsprofile dorch den Grand, Uberen 
Ocaditebemergel und Unteren S«nd zeigen, mm grossen Theil 
wiedf^r zer«tön, ond hierfiir M-heint der Steinretcbthum der Tbal- 
Mnde in diewm Gebiete lu sprechen. Möglicher Weise eotfiprioht 
aber auch dem Zage der Jastrower Berge eine noch nicht nacb- 
gewieeene SttlUtandslage des Eisrandes in der Gegend von Platnw 
and Zakrzewo, deren Vorbaaden^in und Lage indessen erst durch 
eitle SpeciaUufnahme die&es Gebietes erwiesen werden konnte. 

Sicher nachweisbar ist ösdich der Koddow nur der Zug des 
Baochberges. der bei Knimmenflie^ mit mehreren Reihen Ton 
Grandkappen unmittelbar am Rande der Küddowsetike beginnt 
und seine typischste Entwickelang in dem 208 Meter Itoben 
Massiv des Bauchberges erreicht- Hier ist besonders der west- 
liche Theil in Grandkuppen entivickelt, während der Östliche 
zwischen seinen charakteristischen Kesseln nnd Rinnen nur Höben 
von steinigem Sand und die Sanddecke durchstossende Lehm- 
kuppen aufweist. Södlicb stÖsst an den Bauchberg eine weite, 
vielfach sandige Verebnung, die fäglich als Sandr aufzufassen ist, 
während sich an seine N.-Seite die aus äusserst steinreichem 
Geschiebemergel bestehende, stark wellige Grund morinenlandscbaß 
von Ber^elau anschliesst. 

An der Chaussee von Radawnitz nach Kölpin, die seinen 
0.-Fus9 berührt, verflacht sich der Zug des Baucbberges ganz 
bedeutend und von hier ab fehlt auf eiue weite Strecke hin jede 
Spur einer in den Bodenformen deutlicher ausgesprochenen Still- 
standslage des Eisrandeg. Auch die ausgeprägte Grund m oränen - 
landschafl von Bergelau verschwindet nach O. zn, nnd för lange 
Zeit treten an dte Stelle der Endmoräne sowohl als der Grund- 
I norän en 1a nd schaff leichte ostwestlich streichende Bodenwellen, hin 



und aDgrcDzenden Gebieten. 105 

und wieder mit deutlicher Geschiebebestreuiing, oder aneinander 
gereihte Bestreuongsgebiete, die oft an den grossen über die Felder 
verbreiteten Haufen zusammengelesener Steine sich weithin bemerk- 
bar machen. Ein solcher Bestreuungszug lässt sich vom Bauch- 
berge aus über Poln. Wisniewke, Glumen und Kl. Butzig auf 
Wedelsbof und Grünau zu verfolgen, während sich ein zweiter, 
gleichsam als Fortsetzung der Grundmoränenlandschaft aufzufassen- 
der Bestreuungsstreifen über Kölpin und Lanken bis in die Ge- 
gend von Dobrin und Posenberg südlich bezw. östlich von Preuss. 
Friedland nachweisen lässt. 

Auch auf dem nördlichen Ufer des Dobrinkathales finden sich 
in der fast völlig ebenen Geschiebemergelfläche nördlich von 
Pr. Friedland zahlreiche, wenn auch nicht bedeutende Bestreuungen. 
Trotzdem kann man hier von einer Stillstandslage des Bisrandes 
kaum sprechen, obgleich das sehr tief und steil eingeschnittene 
Oobrinkathal auf die Erosion ziemlich beträchtlicher Wassermassen 
zurückzuftkhren ist. Jedenfalls erfolgte hier der Rückzug des 
Inlandeises so schnell, dass es nicht zur Bildung einer Art von 
Endmoräne und zur Ablagerung bedeutenderer fluvioglacialer 
Sedimente kam, mit Ausnahme des Schuttkegels an der Einmün- 
dung des Dobrinkathales in die Küddowniederung bei Landeck. 

Schnell mag auch der Rückzug des Inlandeises im Gebiete 
der als Fortsetzung der südpommersch-westpreussischen Endmoräne 
aufzufassenden Bestreuungsgebiete erfolgt sein, aber immerhin doch 
nieder langsam genug, um auch die Bildung einiger kleiner Sandr, 
Wie den des Forstes Gresonse bei Poln. Wisniewke, des oberen 
Glumiathales bei Königsdorf und Glumen und am oberen Stallunen- 
'liess unterhalb der Butziger Mühle, zu veranlassen. 

Das umgekehrte Bild, wie am Bauchberge, findet sich in der 
Gegend von Grünau, etwa 25 Kilometer in ostnordöstlicher Richtung 
^on diesem letzten typischen Punkt der Endmoräne entfernt. Aus 
den Geschiebebestreuungen und flachen Bodenwellen entwickeln 
Bwh Grandkuppen, die an Deutlichkeit immer mehr zunehmen, 
und zwischen Grünau und Grunauermühl setzt ziemlich unver- 
mittelt die Endmoräne in schönster Entvvickelung wieder ein. Nach- 
dem man soeben noch eine ziemlich ebene, mit Steinen besäete 



106 C- Maas, üebcr EndmoriUien in WestpreoiseD 

Fliehe durchwandert, sieht man bich (»lötzlich in dem charakte- 
ristischen Gewirr von grandigen und steinigen Ku|>|»en und Kücken, 
die durch jäh eingesenkte Kessel nnd Rinnen von einander getrennt 
werden, und an die Stelle der bebauten Felder ist Haidelandschafl 
getreten, hier und da von Stein- nnd Kiesgruben unterbrochen. 

Der Endmoränenzug theilt sich hier. Ein Zug von Grand- 
kuppen am äusseren Rande einer welligen Grundmoränenland- 
schaft verläuft in mehreren aneinander gereihten Bogen über 
Wittkau, Antoniewo, Philippshöhe und die südlichen Abbauten zu 
Ploetzig nach Petznick nördlich von Zempelburg. Vor diesen 
Zug legt sich der gewaltige, jedenfalls zu diesem ganzen Theil 
der Endmoräne südlich von Linde <;ehöri(i:e Sandr des Lutauer 
Forstes und der Kujaner Haide, der durch das Thal der Lobsonka 
nach S. hin entwässert wird. 

Der Ilauptzug der Endmoräne überschreitet zwischen der 
Grünauer und Wittkauer Mühle das tiefe schluchtartige Thal der 
Kainionka, die hier ihren Namen »<lie Steinige« mit vollstem 
Recht führt, und folgt, immer in den charakteristischen Formen 
der Grandkuppen, fast unmittelbar dem N.-Üfer des bei der 
Wittkauer Mühle plöt/iich aus der NS.- Richtung nach O, umbie- 
i^onden P^lussthales bis zu der wieder jah eingesenkten breiten 
Kinne des Mochelsees bei Camiu. Zahlreiche, heut meist trockene 
Thalrinnen münden in diesem Theile aus der Endmoräne hervor- 
tretend in das als Länjrsthal vor dem Eisrande aufzufassende breite 
Kauiionkathal, als deren bedeutendste das enge Durehbruchsthal 
der <>l)eren Kaniionka und der Mochelsee mit seinen nördlichen 
von Alluvionen erfüllten Ansätzen anzusprechen sind. 

Unbeeinflusst von der tiefen Senke des Mochelsees setzt sieh 
die Hauptendnioriine, in deren Hinterland aus der Grundmoränen- 
landschaft noch ein unbedeutender Zug von Grandkuppen etwa 
auf der Grenze der Kreise Konitz und Flatow hervortritt, in den 
Übkaser Bergen fort. Fast mauerartig erhebt sich hier die Kette 
der Grandkuppeu zwischen dem zum Kamionkathal geneigten 
Sandr und der schwach welligen, von Durchragungen mehrfach 
durchsetzten Grund moränenlandschaft hei Obkas und Melanenhof, 
deren Formen nach N. zu bei gleichzeitigem allgemeinem Ansteigen 



and angrenzenden Gebieten. 107 

^ Geländes immer sanfter werden. Sein nordöstliches Ende 
'^'^eicht der Endmoränenzug der Obkaser Berge in den 192 Meter 
^ben Damerauer Bergen. 

In dem ersten Berichte über das hier beginnende Endmoränen- 
biet der Gegend von TucheH) hatte ich die Ansicht ausge- 
rochen, dass der Endmoränenzug der Obkaser Berge nach N. 
(biege, und sich in der Gegend von Neukirck — etwa 15 Kilo- 
ter nördlicher — mit dem Zuge der Tucheier Endmoräne 
aare. Diese Annahme ist in dieser Form nicht aufrecht zu 
alten. Es findet sich zwar in der genannten Richtung eine 
; Scheide zwischen den sanfter geneigten Abhängen zum 
rauer Stausee im O. und einer welligen Grundmoränenlandschaft 

zahlreichen kleinen Wasserflächen im W. Trotzdem aber 
in man von Spuren einer dieser Scheide entsprechenden Still- 
idslage des Eisrandes nicht sprechen. Vielmehr deuten andere 
irichtige Gründe, wie die Lage der Jakobsdorfer Seenkette, 
en südlichen Abfluss das obere Kamionkathal darstellt, darauf 
, dass auch durch die grosse, fruchtbare Geschiebemergelfläche 
i Görsdorf, Lichnau, Osterwik und Schiagentin, die Koschneiderei, 

Stillstandslagen des Eisrandes einen westöstlichen Verlauf 
ten, wenngleich sich dieselben durch Grand und Geschiebe- 
läufungen sowie durch deutliche Sandr nicht kennzeichnen. 

In den Damerauer Bergen schaart sich der Endmoränenzug 
• Obkaser Berge mit dem bereits früher 2) eingehender be- 
iriebenen Bogen der Drausnitz-Mangehnühler Endmoräne. Der- 
be folgt in seinem westlichen Theile, bis Przyrowo, völlig dem 
Längsthal aufzufassenden Kamionkathale und besteht hier aus 
ilreichen aneinander gereihten Grandkuppen, die besonders 
ischen Ludwigsberg undAdamkowo die charakteristische Kuppen- 
d Kessellandschail der Endmoräne deutlich erkennen lassen. 
wa da, wo der Weg von Eichfelde nach Adamkowo die Tucheier 
laussee kreuzt, zeigt ein Aufschi uss in der Endmoräne Geschiebe- 
ckung unter mächtigen Granden. 



«) Diese« Jahrbuch f. 1898, S. CCXIII. 
») Dieses Jahrbuch f. 1898, S. CCXIV. 



lOS G. Maaj>, D«ber Endmcihuiun in W>!sl|>rcuäsrii 

Bei dem böchsteu Punkte dieses ganzen Theiles, der 171 
Meter hoben Wilbelmsböbe, verschwinden die Grandkuppen, und 
die Endmoräne löst sieb nauh O. xu in mehrere Züge auf. Die 
genaue Verfolgung derselben wird dadurcb ausserordentlich er- 
schwert, dasB hier offenbar der Eisrand verbal tniss massig lange 
IUI regelmässig oscillirte und dass siish die dabei gebildeten End- 
niorüneiistQüke vielfach durtibkreuzeu, sodass es ofl der grössten 
Mühe bedarf, den Zusammenhang der einzelnen StQcke xa er- 
kennen und daraus die verschiedenen Eisrandlagen xa reoon&truiren. 
Es treten hier also ähnliche Vurbältnisse auf, wie sie MCllkb und 
Gagel aus den Kreisen Orteisburg und Neidenburg beacbrieben 
haben •}. 

Der sfldlichste Zug folgt als der vielfach block best reute 
Aussenrand einer stark welligen Grundmoränenlandachaft mit 
xalilreicben sogenannten Dnrehragungen, deren grössere Zahl ich 
indessen nU mit Grundmoräne uberkleidete Obere S&nde auffasse, 
Ober Przyrowo und Liebenau (Gostoczyn) dem Längstbai der 
Kamionka, um dann am Steilrande der Tiicbeler Ilaide nach einer 
kur;ien, dem Rsiderande folgenden nördlichen Umbiegung, in 
dieser Gestalt plötzlich zu verschwinden. 

Ein r.weiter Zug, im westlichen Theile aus aneinander ge- 
reihten Kuppen steinigen Sandes bestehend, verläuft von der 
Wilhelmshöhe in nordöstlicher Richtung nach Gr. MangelmCibl, 
umgeht in einem Bogen d:is Staubecken des Gr. Mangidmühler 
Sees lind folgt von Liükau ab in Gestalt einer Staumoräne dem 
steilen W.-Kande der Tucbeler Haide nach N. Bei Hochdorf 
vereinigt sich dieser mit einem dritten von der Wilhelmshöhe 
über Brnchau und Kl. Mangelmßhl verlaufenden Zuge, der theils 
als Staumoräne, theils in Grandkuppen und steinigen Sanden ent- 
wickelt ist und bei Kl. Mangelmtthl mit einem von NW. kommen- 
den, zu einem anderen System gehörenden Endmoränenbogen 
zusammentrifft. Sein nördliches Ende erreicht dieser immer dem 
W,-Rande der Tucheier Haide folgende Zug der sQdpoinmerscb- 
wcstpreussischen Endmoräne, der hier bauptsäclilicli als Stau~ 

>} DiMw Jahibnoh f. 1896, S. 251. 



and angrenzenden Gebieten. 109 

moräue entwickelt ist, östlich von Tuchel, wo er zwischen Ueai 
MeloDeksee und der Tucheier Haide einen scharfen südnördlioh 
streichenden Rücken bildet. 

Fast überall schliesst sich an diesen Endmoränenssug im N. 
hezw. NW. ein Gebiet stark welliger Grundmoränenlandschatt, in 
welche in der Gegend von Zwangsbruch, Kensau, Tucholka und 
Abraa ein weites , heute grösstentheils mit Alluvionen erfülltes 
Becken eingesenkt ist. Im N., NW. und NO. münden mehrere 
zum Tbeil recht breite Rinnen in dasselbe und beweisen durch 
eingelagerte Terrassen, dass das Abrauer Becken ein Stausee 
hinter der südpomraersch-westpreussisehen Endmoräne war, in 
dem sich die Schmelzwasser bei einer noch genauer zu charakte- 
risirenden Eisrandslage sammelten. Dieser Natur eines Stau- 
beckens entspricht auch die zwischen 130 und 135 Meter gelegene 
Terrasse, welche das Abrauer Becken fast überall umgiebt. Kinen 
Abflugs fand dieser Stausee, wie bereits früher genauer erörtert 
^urde, einmal durch die vorgelagerte Endmoräne hindurch über 
I^rausnitz zum Kamionkathale, daneben aber in Folge rück- 
schreitender Erosion durch die Rinne des Kitchthales und die 
Seenkette von Frankenhagen-Reetz. 

Der Endmoränenzug, dem die Zuflüsse des Abrauer Stausees 
entströmten, lässt sich gleichfalls bis weit nach W. hin verfolgen 
und zeigt grösstentheils ebenso charakteristische Formen wie die 
südpommersch-westpreussische Endmoräne. 

Die westlichsten sicher und im Zusammenhange beobachteten 
Gebilde dieses Endmoränenzuge« sind steinige und grandige 
Kuppen der charakteristischen Form zwischen Förstenau und 
Rittersberg östlich von Hammerstein, die allem Anschein nach 
Einern von NW. kommenden Bogen angehören und ihre Fort- 
setzung in Blockbestreuungen und Grandkuppen bei Gertzberg, 
auf der Halbinsel im Kramsker See und bei Stolzenfelde zu finden 
scheinen. Bei Rittersberg und Hütten schliesst sich an diesen ein 
«ireiter, nach O. offener Bogen an, der eines der typischsten und 
charakteristischsten Glieder des ganzen Endmoränenzuges darstellt. 
Fast jede Höhe besteht aus Blockpackung (Taf. XX, Fig. 1); 
zwischen diesem Labyrinth steil aufragender Kuppen und Kücken 



HO 



G. Mai 



Uehi-r EndmorincD 



a Weatprcnasüii 



lipgt <:iu Gi*wirr tisf eingesciifelcr Kessel und Rinnen. So virläuf^r" 1 
dieser Zug nls Scheide zirtscheii der CiriindmoräDeDlandücIiat^ Toi^^i=n 
Elaeiiau, in deren lliDtergriiDd der Gr. Zietener und Kramsker-r^ 
See sowie der Gr. Zioii-See liegen, und der weiten Ebene de^^s 

Hämmerst einer Sfttidr') von Uittersberg Über Ixiosea nacb Glas 

Latte Bäreowatde. 

Hier sobliesst sieb ein neuer Bogen an, der «wischen Neu- 

bergen und Zebnruthen von der /iemlicb breiten Scbmel^wasser — 

Rinne des Zierflusees durcbbrocben wird und liöcbst waUrsebeinlicfa 
aus einem gegen das Zierthal sich scbaurenden Doppelbogen be- 
steht. Der östliche Theühogen würde dann aoi Ziertlial nestlich 

von Bärenwalde beginnen und zieht sich, durch steinige nnd 

grandige Kup|»en deutlich gekennzeichnet und von mehreren_^_ 

meist engen Schmelzwasserrinnen durchbrochen, über Heinrichs 

walde und Burkenfelde zum Jammersberge bei Cbristf'elde. Iw^m 

dieser 176 Meter hohen, ausschliesslich aus steinigem Grand he 

stehenden Bergkuppo vereinigt sich dieser Zug mit einer aus zwe^^E 

Bogen bestehenden Guirlande, die, gleichfalls am Zierthal be 

ginnend, das nördliche Ende des Grossen Sees südlich Bär e n w al d cr"^ 
umhiebt. In diesem nördlichen Zuge zeigt ein Aufschluss dich* — ' 
an der Chaussee bei Bärenwalde deutliche Blockpackung, währen( — *1 
sonst die Bergkuppen, sofern sie nicht aus Grand bestehen, nucr .r 



') lonerbalb dieses Saudr warde in der Oberfüreterei Hammeistön < 
Bohrloch gestossen, das folgende SchicLUn darchaank: 



Heier Skodlger Grand b«ziT. gran- 
diger Sand ( 

3,5— 1& * grsoer Geschiebemergel \ 

13 — 15,3 • grauer, sehr sandiger Mergel / 
15,3—62 > grauer sandiger Mergel ) 

63—78 > graner Geschiebe mergel \ 

78—80 > grauer, sehr saadiger Mergel ) 
»0-82 > weisser mittetkönliKcr Späth- ' 

8'2— 85 » ftrandiger Sand bezw. sandiger ( 

Grand ' 

Das in deo tiefsten Schichten erschrotete Waas« 



' Tbalsaod bei«. 01= 
Sand. 



= Unt Sand n. Graa. -^ 



•lieg bis 2 Meter aat'C?'' 
Tage, halte also einen sehr beträchtllcheD relativen Auftrieb. Be spricht die» 
dafür, daijS auch innerlialb dieses Sandr bedeutende Stauchungen des Unlur- 
grundea atatlgefuudeu Laben. 



QDcl angreozenden Gebieteo. 111 

eine starke Bestreuung aufweisen. Vom Jamraersberg aus setzi 
sich der vereinigte Zug, hinter dem bei Bischofswalde eine noch 
mit mehreren Grandkuppen und Bestreuungen durchsetzte wellige 
Grundmoränenlandschaft liegt, in Grandkuppen nach NO. fort bis 
zum Rande des Schlochauer Stadtwaldes, den man als Beginn des 
durch den Hakenbach zur KQddow entwässerten Sandrs aufzu- 
fassen hat 

Im O. dieser Sandfläche beginnt der Bndmoränenzug, dem 

südlich eine nur schwach angedeutete, durch den Sandr des 

Damnitzer Waldes und die Rinne des Mankauer Sees bezeichnete 

Sisrandslage voraufgeht, mit der Durchragung des Kaffkenberges 

am S.-Ende des Arotssees bei Schlochau und lässt sich in Block- 

bestreunngen und niederen Grandkuppen durch die Feldmark von 

Kaldau weiter nach NO. verfolgen. Seit alten Zeiten sind hier 

die Steinroassen des Endmoränenzuges ausgebeutet worden, worauf 

seine geringe Deutlichkeit in diesem Theile seines Verlaufes 

zurfickzufbhren ist. Ein Bild von dieser Ausbeute geben noch 

die lediglich aus Geschieben erbauten ruinenhaften Mauern und 

Thflrme des alten Schlosses Schlochau, in denen noch heute 

Tausende von Kubikmetern oft recht gewaltiger Blöcke liegen. 

Die Grösse vieler solcher BaustQcke aber ist der beste Beweis 

fiir die auch durch die Chronik verbürgte nahe Herkundb der 

Geschiebemassen, da die Erbauer des alten Schlosses, bei der 

Nähe guten Ziegel materiales, gewiss keine Steine aus grösserer 

Entfernung geholt hätten. 

In seiner nordöstlichen Fortset/unor wird der Endmoränenzu<r^ 
dessen Schmelzwasser durch die breite Rinne der Schlochauer 
Seen abgeleitet werden, zwischen Richnau und Woltcrsdorf wieder 
deutlicher und lässt sich in seinen charakteristischen Laudschafts- 
formen, Grandkuppen, Kesseln und Rinnen, über Ottoshof bis 
Bergelau verfolgen. In seinem Hinterlande liegt bei Woltersdorf 
typische Grundmoränenlundschaft, die über Hasseln nach NW. 
zu in die Sandebene des Forstes Lindenberg übergeht. Ein auf 
dem Gute Hasseln angelegter Brunnen ergab folgendes Profil : 
— 11 Meter Sand, an dessen Grunde wenig Wasser floss 

=: Oberer Sand. 



» 



11 — b2 Meter GescliKbeiDPrgel. in «erK-biedeaenSchiclitcn Imiin 
Dnd gram geftrbt uod ziriadten 28 und 31 lllein 

wasserfähfvnd, jcduch ohne Aoftrieii ^ Oberf 
Ciesch i ebem erge I . 

52 — 55 > Sand niit Ltgnitstückch^n ^ Unterer Suid. 

55 — 61 • grober, wasscrfDlirender Graad = Unterer Grand. 
Bei Bergelau scharrt sicii der Scblocbaner mit eiDem neuen, 
detn Konitxer Endinoräarn bogen, der dae S.-EUide di^ ^ro6S<-ii 
Mü^endorfer Sees uinscbliesst. Dieser Bugen beginnt in dein 
typiscben Kuppen- und Kesselgewirr des Konitser Stadtwaldes. in 
welchr-m xwar Graud und Ge^cbiebemassen fast gaU'- liwräck- 
treten, das aber durch seine üufTallendeu Formen und sein niauei- 
artigfs Auftreten zwUclicn der liefen Senke de« UöskendorlVf 
Sees und der Verel>nuni; ron Ki<-Iiunu und Scitünfeld genugsam 
gekenoxeichnel ist. Am S.-ßande des Waldgebieles treten Iwi 
Ueinridisthal uueli die Graudkuppen wieder auf und in i^raudigeu 
und sleioigen Höben Is^t sieb die Endmoräne über Niesewam 
bis an die Zandersdorf-Konitxer- Senke rerfolgen, die sie in der 
((e.gend des Konitxer ScbntzeubauGes erreichU 

Am O.-Rtinde dieser Senke liegt in Vorlande des Endinoränen- 
zuges das von Jbntzscii angeführte Bobrlodi der Konit«T 
Corrigeudenan&tült mit zwei Unteren Geschiebemergeln '), atis deii> 
für die dortige Gegend tin Normalprofil mit 3 Grundmoräu'^ii 
.•ibgeleitet wurde. Obwohl nun das Auftreten mehrerer GruuJ- 
wirSneii im Kndmoränrn^ebiete nicht auSkllend wäre, weist dir 
Lage des Bohrloches doch noch auf eine andere näberli^endi' 
Erklärung bin. Fasst mau uämiich den an der Olterfläche er- 
bohrten, gelliliclieti. feingrandigen Sand, der sich nach Jentzsch's 
Angaben lam Tlialgehänge deckenformig weit herabzieht« und 
rotz seines oberdiliivialen Habitus nur »we^en seiner liagerung« 
im Tlial »und seiner nach O. licdeutcnd grösseren M&chtigkeit . 
als untcrdiluvtal aufzufassen ist«, als eine fluvioglaciale Bildung: 
vor der Endmoräne bezw. in der Scbmele wasserrinne auf, so er- - 
hält man unter Berrick&ichtigung der übrigen JBNTZSCH^schen l>eu- — 

') Dieses Jahrbuch f. ISS3, S. öM-äää; 1896, S. 84. 



I 



/ 



und angrenzenden Gebieten. 1 1 3 

* 

^Ungen für das Bohrloch das folgende ganz normale Diluvial- 
P^'cfil: 

0—2 Meter Oberer Sand bezw. Thalsand. 
2 — 33 » Oberer Geschiebemergel, identisch mit dem Ge- 
schiebemergel der Konit/er Hochfläche und dem 
gelben und grauen Diluvialmergel der Konitzcr 
Stadtbrunnen. Dann zwischen 
33 — 34 » Unterer Sand von sehr geringer Mächtigkeit, doch 

mit Wasseraufltrieb. 
34 — 35 » Unterer Geschiebemergel. 

Miocäner Quarzsand. 

Berücksichtigt man indessen, dass die Sandschicht von 33 bis 
34 Meter Tiefe nur in dem Bohrregister erwähnt war, während 
die eingesandten Proben heller bis weisslichgrauer Geschiebemergel 
Waren, und dass Jentzsch selbst die tiefste Schicht erst in einer 
späteren Arbeit fftr Tertiär anspricht, sie aber in seinem ersten 
Hericbt folgendermaassen charakterisirt: »die vorliegende Probe ist 
ein reiner mittelkörniger Sand, welcher zwar Braunkohlenkörnchen, 
die für Tertiär charakteristischen Quarze und relativ reichliche 
Blättchen von weissem Glimmer enthält, aber durch seinen Kalk- 
gehalt und durch das Vorkommen von rothen Feldspathkörnern 
sich als diluvial ausweist«, so liegt die Vermuthung nahe, das Profil 

Os 
sUs <)m zu deuten. Diese Auffassung scheint durch zwei Boh- 

"dT 

dingen in Krojanten, einige Kilometer nordöstlich von Konitz, be- 
stätigt zu werden, wo sich folgende Profile zeigten: 

Krojanten I. 
— 1,5 Meter humoser Sand = Thalsand. 



Ob. Geschiebemergel 
mit Sandeinlagerun- 
gen. 



1,5 — 7 » 


gelber sandiger Lehm 


7 20 » 


grauer sandiger Ge- 




schiebemergel 


20 —21,25 » 


grandiger kalkiger Sand 


21,25—60 » 


grauer sandiger Ge- 




schiebemergel 


jahrlm«b 1900. 





8 




60 —63,25 Meter kalkiger Sand 
63,S5— 6G,^ 



70 



«""!' "»'"r "" / Ob. G».bk 

66,8 -70 . kükigr S.»d ' "'' ^""''"° 

» grauer saodigor Ge- i 

Bchifrhemergcl | 

* weis»«r Quaivsand mit cinxplnrn n 
Rf'RHiifben uaä wr'Dig Fi>Ms|'wth, s)e 
kalkig ^ ? Unterer nilnTt.ilsaod. 

Krojanteo II. i 

MHrr schwiK-li liiimospr grunJigtr Sund ^3 

* Bcliwuch lehmiger san- i 
diger Grand 

" graugrfiner eaadiger 
Lehm J 

> graugrDner sandiger I 
Gescliiebemergel l 

* gmuer sandiger G<v Ob. GeEf.hiel 
schtebemergGl mit Sundeiiil 

" feiner knlkiger Sand gen. 

steiniger Mergels^nd 1 
» feinG»Hdiger Geschiebe- \ 

» steiniger Morgplsand | 

» feinsandiger Geschiebe- , 

mergel / 

> kalkiger feiner Spatb- 
sand 1 

1 kobliger feiner Sand, / 
kalkhaltig (viel Ter- [ 
tiär) / Unterer Sa 

» kalkiger feiner Sand, 1 
bei 50—53 Meter und I 
55 — 57 Meter Lignit- 
gerölle, bei 54 bis / 



und aogrenzeDdeij Oebieten. 



115 



60 



71,8— 72 
72 - 73,5 



Unterer Sand mit 

einer Tertiärscholle 

nahe der Basis. 



» 



73,5- 75,5 » 

75,5— 86,3 » 

86,3- 93,8 » 

93,8—100 » 

100 —107 » 



Unterer Geschiebe- 
merj^el mit Einlage- 



ningen. 



107 
110 



-HO 
— 121 



» 



55 Meter Geröüe von \ 
graugrünem Geschie- 
mergel. 
— 7 1 ,8 Meter kalkiger feiner Spath- 

sand 

sehr kohliger Sand 

grober Quarzsand, 
schwach kalkig 

kalkiger feiner Späth- 
sand 

grauer sandiger Ge- 
schiebemergel 

feiner kalkiger Sand 

Mergelsand 

feiner Sand, von 104 
Meter an kalkfrei 

kalkfreier grauer Thon 

grauer sandiger Ge- 
schiebemergel ' 

feiner und mittelkörniger Sand, dessen Kalk- 
gehalt nach der Tiefe zu abnimmt, mit viel 
Tertiär = Umgelagertes Tertiär. 

schwach kalkiger feiner Sand, mit einigen 
Lt'ttougeröUen, fast nur Tertiär = ? Mioeän. 

Der Endmoränenzug, in dessen Vor- und Hinterland diese Bohr- 
löcher liegen, tritt bei Gruusberg wieder in seinen charakteristischen 
fiodenformen, wenn auch nur als steiniger Saud entwickelt auf, und 
sticht sich so in einem nach N. offenen Bogen zwischen Lipiuice 
^nd dem Sandkrug durch nach JSeukirch. Aus einer Lücke am 
tödlichsten Punkte dieses Bogens tritt einer der Zuflüsse des 
Abrauer Stausees, eine Schmelzwasserrinne, die bei Krojanten 
beginnt und sich in südöstlicher Richtung über Gr. Paglau und 
Granau bis Deutsch Cekzin am Rande des Staubeckens verfolgen 
lässt. 

Bei Neukirch setzt ein neuer Bogen ein, der, zunächst nur 
als Scheide zwischen einem ebeneren Vorlande und einem stark 

8» 



121 —143,5 » 



143,5 




i 



«-elli^n UintfrUiiJf. (llipr den S<^Iui^nbpTg und Wmnibcig 
dtJB VefUufr <lrf Granaucr Hinnr fblgmi) hh xur FnnkmlMgMa 
S«eokette &tcb hinupkt, die rr sAdlii;ti njo Ooetcendocf prnn<:ht 
Aach jcnwits die&f« Zaflassvs snm Abrauer Staoberkeo tritt drr 
Endncifterticliarvktcr euo&cIisI Doob weat^ berrnr, bU bei <ldi 
Dfirdlicb'lt'n P»tciiu«r A^'baiitea wn Gl«mb»c<ek>r«, dem B^ino 
dtt S«elvavf S''btiirUua»«rniDtK-. dir Ornttdktii'pr-a dr» Eodmorinn)- 
ngr« wieder iu dir- Ersrbrtoutig trrtea. Im O dieter Binnc 
sngt Mcb wieder «-ine Auflömng des Eudmnrmnratuge». Der 
dtdliübstf 2m-^ schiebt sieb iwiscben djte Tbal Ton Sevlm ouil 
iIms dr« KiUc-bS<[»»e9 ein. AberKhreitet das letztere etwa bei 
Shifpi ond Tvrrini;^ sieb mit den DArd[ii:t»ten Zo;^ der DnuisniU- 
Hsn^mablrr KndmoHlne. Im Hinterlande die»«» Zuge* lii^ i'f 

Rg.1- 




UB;«mB!U^ai>;>b 1 : iäOOlX 



GriiDdotoriafDland^-baft iwi^t-hen Seelen und BUdAii mit dem 
SlaubtH-ken de# Bladauer See>, das gleiobzeitig einen kleinen Sandr 
de» meiton Tbeilzugeii^ bildet. Dieser beginnt bei Seeleu ani 
Teiliuft bei den üsUicben Seeleuer Abbauton and am N.-Rau<i^ 
de? Bladauer Sees Torbei , um sieb nördliob von Btadaii vif<ler 
mit dem Haiiptxuge lu vereioigea. Der letztere beginnt mit gr»»" 
digen Kuppen am N. - Ende des Glemboczek-Sees ond U^ sich 
als der die Höhen beherr^-hende Zug einer s«hr aasgepr^tD 
Kup|>en- uuti KesseiLiiidsi.-faaA zwischen Bladao und Bialowien 
biDdar\.-h bis Kt>siiuk:t liei Tu<.-bel rert'olgen. In dieä«m inittteTen 
und östlichen Theile. der lU^Ieivb ihre bdoksten EHiehni^en in 
dieser Gegeud aiit'wei?l. ist die Endaioräoe Tv>rwi«^nd als Stau- 
mi>rine eDlwi<.'keli und die tn^>s;sen Aufschlüsse beim Bau di*r 
Chaussee Tucbel-BI^Uowierz zeigten an eingetieften Mergelsanden 
deutlich die Auf(>iesäung des mit kleineren ScboO^ Oberen üe- 



und aDgrcnzendcn Gobieton. 117 

Schiebeinergeis oder Grand bedeckten Unteren Diluviums durch 
lordsüdlich wirkenden Druck. (Fig. 1.) 

Während im Vorlande dieses Endmoränensystems vornehmlich 
lie Tucheier Seenrinne und die Senke des Kitschflusses den Schmelz- 
Fassern als Abfluss zum Abrauer See dienten, ohne dass es zur 
Lu^bildung eines grösseren Sandr kam, findet sich im Hinterlande 
Q der Gegend von Kelpin, Dombrowken und Komorze eine stark 
rellige Grundmoränenlandschafl, deren N.-Rand in der Umgebung 
ou Dombrowken und Komorze in Grandkuppen, Blockbestreuungen 
ind Sandströmen abermals Spuren einer weniger bedeutenden 
Itillstandslage des Eisrandes aufweist. 

Ebenso wie die Dransnitz-Mangelmühler, biegt auch die 
ieukirch-Tucheler Endmoräne am steilen W.-Rande der Tucheier 
leide scharf nach N. um und fallt auf mehrere Kilometer Länge 
[lit diesem Rande zusammen, worauf bereits schon früher hin- 
;ewiesen wurde ^). 

Jäh und unvermittelt fallt auf der nordsüdlich verlaufenden 
jinie Kelpin -Liskau die diluviale Hochfläche zur Tucheier Haide 
,b und ebenso unvermittelt ist der Unterschied der Bodenverhält- 
lisse und damit der Bodennutzung. Auf der Hochfläche findet 
ich hauptsächlich Ackerbau auf meist fruchtbarem Geschiebe- 
nergel und dicht daneben im Haidegebiet fast ausschliesslich 
Waldungen auf vorwiegend sandigen Flächen. Ebenso schroff 
st der Wechsel im Aussehen der Endmoränenzüge, die dem 
laidegebiete durchaus nicht fehlen. Bis zum Haiderande auf über 
00 Kilometer Länge fast immer im Zusammenhange verfolgbar, 
9t der Hauptzug der südpommersdi-westpreussischen Endmoräne 
owohl als die anderen Züge plötzlich scheinbar verschwunden, 
nd ohne genauere Untersuchung kimn man das grosse scheinbar 
leichartige Sandgebiet für einen zusammenhängenden gewaltigen 
landr halten^. Mit Mühe nur lassen sich hier im W. innerhalb 
es Waldgebietes die Flächen gröberen Materiales als zusammen- 
ftngende Züge und Theile der gesuchten Endmoräne erkennen, 

«) Sehr, naturf. Ges., Danzig. N. F. X, Heft 1, S. 2. 

•) Sehr, natarf. Ges., DaDzig. N. F. X, Heft 1, S. 4 — 5 und dieses Jahr- 
ach f. 1898, S. 105-106. 




G. Uui. Dob^ Eadi 



docii immer darui kraotlirk. das» sieb unter sokJien Gescbi«! 
gtrcifcii — TWD (t«^s anderem kann man bier im W. des Hm^ 

grbiete» nicht ij>i<'cb>'n — piu grösserer SieinrdchtLiim Jcs Snni 
oacfaweisen lisit au! da»s dieselben weiter nach O. in dcntlicl 
rnlwiekelte Emlmorioen Übergehen. 

Eine Brklämng dieser und anderer damit tu Verbindu 
atebc-nder Er»cbeioai)gen war Ecbon früher^) rersucbt worden u 
halte zu dem Ergf'boi&s gefllhrL, dass die abweichende Auäbildii 
der EodmoräneD im Berfißbe des Brahelhales mit der Hölien-ti 
am W.-Kande dn Haidi^gebietes in ur^&rh liebem Zusammeitbuti 
elrltt. Spätere Lntersucbungen dieses Höhenrindes gewübri 
danD neue uml iinerwarleie Einblicke in das Alter und dit- E 
etrhiiDi^ der aufTallenden II oben Verhältnisse and bestätigten < 
Bichtigkeil des erwibnten Erklärungsversuch e6. 

Ea war darauf hingewiesen worden*"^ dass die tieferen Bohrung 
auf der die Haide begrenzenden HoebQäcbe überall zwei Ge&chiel 
mergel aufweisen, während innerhalb des we&lücben Haidegebie 
nur der Obere Geßchieiiemergel grössere Verbreitung besitzt u 
der Dntere bis auf vereinieltc Schollen zerstört wurde. Dji 
intensive Aufarbeitung des Unteren Geschiebemergels wui 
darauf zurückgeführt, dass bereits zur Interglaciaizeit das Gel 
der Tncheler Haide Höhenunterschiede gegen ihr westliches Kai 
gebiet aufwies, dass man es hier also mit einer wenigstens iut 
glacialen Senke zu thun hat. Es hat sich ferner mehrfach gezei 
dass in diesem Gebiete bereits der Posener Flammentbon die vi 
fach gefuheteii und gestaucbteu braunkohtefnhrenden Tertiärl 
düngen discord^tnt ilberlagert^), ilass man hier also Spuren verhi 
nissmässig jugendlicher Bdenbcweguugen findet, die nicht ; 
Eiedruck zurückzuführen simJ. Verschiedene Aufschlüsse zei^ 
nun, dass solche Bodenhowegnngen in noch spaterer Zeit, 
Diluvium, stattfanden und dass mit ihnen die Tiefeulage i 
Ilaidegebietes und alle sich tlaraus ergebenden Verhältnisse in i 
mittelbarem Zusammenhange stehen. 



') Dies« Jahrbuch f. I8<J8, S. CCXIU ond CCXV. 
») Diese« Jahrbach f. ISUS, S. CCVIII-CCXIU. 
3) Dieses Jahrbuch f. 1898, S. CCVI. 



nnd angreozonden Gebieten. 



119 



So zeigten zwei in neuerer Zeit in Neu- 
Bohruugen, die in südwestlicher Richtung 
gende Profile: 

I. 

0-3 Meter Sand 

3 — JO » gelbbrauner Lehm und = 

Mergel 

10—13 » grandiger Sand mit we- 
nig Wasser = 

13 —19,5 » grauer Mergel = 

19,5-^21 » bunter Thon 



Tuchel niedergebrachte 
zu einander lagen, fol- 



21 -21,5 » 
2l,5--22,5 » 

22,5^29 > 



Braunkohle 

grober weisser Quarz- 
sand 
grauer Mergel 



29 



30 » Grand mit Wasser, das 



Thalsand da^-. 
Oberer Geschiebe- 
mergel dm. 

Unterer Sand ds. 

Unterer Geschiebe- 
mergel dm. 

Posener Flammen- 
thon bmi>. 

Braunkohlenbildung 
bmk. 

Unterer Geschiebe- 
mergel dm. 



/ 



bis 8,7 Meter unter ; =: Unterer Grand dg2. 
Tage stieg 





i 

9 

23,r 
24 



•25 



II. 

- 4 Meter brauner Lehm und 

Mergel 
• 9 » gelbgrauer Mergel 
•14,5 » Sand mit wenig Wasser 
^3)7 ' grauer Mergel 



24 
25 



— 2G » 
—27,5 » 
^1,5-35 » 



Grand 
bunter Thon 

Braunkohle 
Quarzsand 
grauer Mergel 



( = Oberer Geschiebe- 
{ mergel Bm. 

= Unterer Sand ds. 
= Unterer Geschiebe- 
mergel dm. 
= Unterer Grand dg2. 
= Posener Flammen- 
thon bmiV^. 
I = Braunkohlenbildung 
^ bmk. 

= Unterer Geschiebe- 
mergel dm. 




Kn Vergkiirli der durchsuokeoro S«Airhbfti niad die I^ 
der BohHöcber lu r-iiiu)d*'r wigty dasa niaa es bi«r mit «a 
Au&rbiebung dr» TfrtiArs «uf da» DiluTium I&n^ einer in StreJdl 
de« Tertiirs lirgeadeo südweetüch eiafkilendeii Ueb«r>ciiit:but^ 
Bicbe zu tbun bsL 

Aehnlicbe DigloMtioaeo im Stmcben der TeTtuu»«.-hi<^bt 
Ussen aicfa bedoodcn in d«r Gejiend cwiscbeD Stoplu uod Cn^ 
b. Br. beobacbiMi. «o rit-v^rbaupt n^ben natürlicbm, «ahlrefa; 
kBn^licfaf AnfscblOsse etneo Einblick tD den AuHmu dia 
G^irtes gKvibrra. 

Etwa 851) Meier aat^rtulb der grossen Scblacht, welche d 
Darf OkoUn im S. begmct, «ad tu deo bi>^ das Sicilgeltii 
der lulereii DUnvialtemnM des rcditen Bt^bmfen bildend 
PoKci«r Ftanui»eBtlioD, der ia der genuinien Schlucbt ein Bnt 
kohhmflöb uiD$«faItR$^ woU gcscUcblele DiluviaUuide der 
finü' bc-T^. 'i»>^ 'J'?^ FliiDiüT-Dtfaon öt.cr d^n DüuvtLU.aDd girsobol 
eriu Dinss. Nordirestlicb ron dieecn Aa&cUaas, also im Streicb 
der Tertiärsohl«: hten, wurden an der Kleinbahn eädlicfa der Hai 
^elle Okollo wihlreicbe liefere Bohrlöcher gestoesen, deren mehte 
wie naehftehende Profile zeigen, gleichfalls die Au&cbiebung i 
Teniirs auf DilDTinm erweisen. 

BohrltKh 1. Höhe aber N. N. ^9.9 Meter. 

— lä Meter Sand = Tbalsud. 

1.5 — 6 > Lehm und Mergel ^ Geschiebemerge 

ö — 6.i > gelber Suid mit Wasser ^ Unterer Sand. 

6.i— iti > Tboo = Pos.FUmmentb 

16 — ÜU » Sand = Unterer Sand. 

fd.5— 4d.S5 > Grand mit Wasser = Unterer Grand 

Bohrloch II. H-M.^ über N. N. 8Ä.3 Meter. 
— 1,5 M«4er lehmigor SaaJ and Lehm ^ Gescfaiebemerg^ 
1.5 — 1 > g*iSer Sand = Unterer Sand. 



ond aDgrcnzenden Gebieten. 121 

4—14 » bunter Thon = Pos. Flammenthon. 

14-15 » Sand mit Wasser = Unterer Sand. 
15—20,1 » grauer, schwach sandiger 

Thon = Pos. Flammenthon. 
30—50 » Grand mit Wasser und 

bei 39 Meter Lignit = Unterer Grand. 

Bohrloch III. Höhe über N. N. 83,4 Meter. 

—1 Meter Torf \ 

1 _i^2 » Thon 1 = Alluvium. 
1,2-1,4 » Sand ^ 

1,4 — 2,7 » unreine Kohle. 

2,7 — 6 » Thon = Pos. Flammenthon. 

Sand = Unterer Sand. 

Bohrloch IV. Höhe über N. N. 85,2 Meter. 

—1 Meter Moorerde) ... . 

1 . ^ ^ , 1 = Alluvium. 
1 -1,8 » Sand ^ 

1)8-8,8 » Thon mit 3 Kohlenflötzen = Pos. Flammenthon. 

Sand = Unterer Sand. 

Bohrloch V. Höhe über N. N. 8:J,5 Meter. 
^ —1 Meter Moorerde 



1 -1,2 


» 


Thon 


— Alluvium. 


1,2-1,4 


» 


Sand ' 




1,4-2,1 


» 


unreine Kohle. 




2,1-3,8 


» 


Brannkohle. 




3,8-6,5 


» 


Thon 


Pos. Flammenthon. 






Sand 


Unterer Sand. 



Eine ähnliche Beobachtung machte man auch bei dem Betriebe 
^^^ Moitke-Grube bei Stopka. Hier bilden die Tertiärschichten 
^"^en nordwestlich streichenden Sattel, der sich nach W. zu aus 
^^^ ihn überlagernden Diluvium heraushebt, sodass seine höchste 
otelle nur wenige Meter unter Tage liegt. Während nun der 
N.-FlQgel des Sattels eine ganz regelmässige Lagerung aufweist, 
zeigte sich beim Abbau des Hauptflötxes — die oberen dem 




Flainmentboii eingelagerten Flötze werden uiclit aligfbuut, somli- 
niir das an der Basis des Flamm Rtitbones auftretende von Quac 
6an<Iei] unterlagerte Plötz — im S.-Flbgcl eine bedeutende Uebe 
BchiebuDg auf einer im Streicben liegenden Ueberscbiebungsfiäcb 
Mit dieser Oisloeiilioii bäugt die auffallend grosse Mäcbtigkeit dt 
HauptSötzes in einigen iu> Scbicbtsl reichen angesetzten Bobrlöuber 
zusammen, die anfangs die Meinung veranlasste'), man linbr « 
hier mit einem neuen, sebr mäcbtigen Flötüe r.ii thun, ilxs W 
dem bisher abgebauten Sattel quer vorlegt und naub der dem 
Sattel abgeweudeteu Seite flach eintallt. Doeh iils man danu »u 
weiteren Verfolgung dii'ses neuen Flötzes andere Bobrlöclier qu« 
zum Streicben stiess, fand man in grösserer Tiefe nur das tüte, 
lAngst bekannte Hauptflötz. 

Aber nicht nur solche streichenden Dislocationeu, mit denen 
jedenfalls auob die Umbieguug des Plateuurandes und des Brahc- 
thales bei Komorze nördlich von Tucbel zusammenhängt, las«ai 
eich an dem steilen W.-Kande der Tucbeler Daide nachweisen' 
Weit wiL-btiger för die ErkUriing der hier auftretenden Höhra- 
untergßhiede sind die Spuren von Dislocationen, die unter wi^ 
schieden steilen Winkeln gegen die Streich rieh tuDij der Tertii^ 
schichten verlaufen. Solche QuerbrOche, die wahrscheinlich Jw 
aus anderen Theilen Nord- und Mitteldeutschlands bekaooten 
Systeme der N.-S.-Brücke zuzurechnen sind, sind wieder am deut- 
lichsten in der Uegend zwischen Stopka und Crooe a. Br. '" 
beobachten. 

Der nordwestlieh streichende Tertiärsattel der Moltkegrub« 
hebt sich, wie erwähnt, nach W. zu, mit der Entfernung «w 
Brahethale, beträchtlich heraus und ist zuletzt plötzlich quer »^' 
gerissen. Dass die Senkung der Ablagerung nach dem Brahethale 
zu auf ein Staffel förmiges Absitzen an QuerbrQchen zurück:suillbrei' 
ist, bewiesen die Erscheinungen in einem im Streicben geln^ 
benen Entwässerungsstolln, wo vielfach an solchen Quersptlt^" 
Wasser- und Sanddnrchbriiche erfolgten und wo man das stufeD- 
artige Aufsteigen der Ablagerung deutlich beobachten konnte. 

') Z«itechr. f. prakt. Gool. 18!>7, S. 247—348. Vei^l. anoh W*«!racH»fn 
UfMChen der OberflichoagestaUung dee noiddeutseheuFlaiihluidM, 3. AnS., S. ti 



nnd angreozendcn Gebieten. 123 

Eine weitere entsprechende Lagerangsstör im g zeigt die vom 
•I.-Ende des Dorfes Okollo zum gleichnamigen Vorwerke fhhreode 
icblucht, in der ein in Flammenthon eingebettetes, stark ver- 
oetfichtes Kohlenfiötz den Fundpunkt einer alten Muthung bildet. 
)a8 ganze Terrassengehftnge beim Dorfe Okollo besteht aus 
laromenthon, nahe dessen oberen Rande sich mehrere sQd westlich 
iofallende Bniunkohlenschmitze zeigen. Die südliche Ecke zwischen 
em Brahetbale und der erwähnten Schlucht besteht aber aus 
reschiebemergol, welcher wohlgeschichtete Diluvialsande überlagert, 
nd auf der Thalterrasse iHsst sich sehr deutlich die nordwestlich 
(reichende Grenzlinie zwischen Flammenthon und Geschiebcmergel 
erfolgen. Diose Geschiebemergelscholle ist aber auf die S.-Seite 
er Schlucht beschränkt, deren Mündung gegen den übrigen 
^erlauf scharf nach NO. abgebogen ist, und nördlich der Schlucht 
litt bis zum Brahespiegel hinunter wieder nur Flammenthon auf. 
4 ist hier also eine Diiuvialscholle zwischen zwei sich fast 
ecbtwinkelig schneidenden Brüchen eingesunken. Dass es sich 
ierbei aber nicht um eine einfache Abrutschung handelt, geht 
araus hervor, dass hier Geschiebemergel sonst erst mehrere hun- 
Iprt Meter vom Uande des Brahethales entfernt, im Abfall der 
liluvialen Hochfläche und der oberen Diluvialterrasse, auftritt, 
»"ährend die eingesunkene Scholle den Abhang der unteren Ter- 
•"^sse bildet, deren Oberfläche neben Flammenthon ausschliesslich 
^U8 diluvialen Sauden und Granden besteht. Die Geschiebe- 
i^ergelscholle muss demnach in ihre jetzige Lage gekommen sein, 
ievor in diesem Theile des Brahegebietes die Diluvialschichten zu 
Terrassen eingeebnet wurden. 

Ein ganz entsprechendes Bild bietet der Hohlweg am N.-Ende 
*^ Grabinawäldchens, der Weg von Crone a. Br. nach Althof 
^^i die nördlich von diesem gelegene tiefe Schlucht. Im Hohl- 
'''egc beobachtet man wieder Flammenthon, der von Diluvialsanden 
^^d Geschiebcmergel überlagert wird und an dessen Basis weiter 
tödlich ein von Quarzsanden unterlagertes Kohlenflötz auftritt. 
'm Streichen dieses Aufschlusses zeigt sich aber im Innern der 
Schlucht unter der Diluvialdecke ein von Flammenthon überlagertes, 
on Quar/sandtn unterlagertes Braunkohlonflötz, dessen Höhenlage 



nivbt mit dem TertiimurKclilusse im Hohlwege filiereinstioitiit; p« 
tat hier an einer nordDord&stlich 6treicb«tiden DisIocatJon der Ü.' 
Flüge) um etwa 20 Meter abgesunken. Für eine derartige Senkuag 
8]im^bt auch die Schichten fol;re nahe dem Ausgange der Schlui-bU 
Am Gebinge iinterbalb der Si-bweden schanze, aoi S.-Ahbange dflC 
Schlucht, tritt im Saude dicht Aber der OUerkanle des GcsubifW 
Piergele eine nach SW. einfallende sehr fi«te ConglonirnitbaolE — 
durch Ciäenoxydbydrat Terkittete Sande und Grande — »n( u«J 
dieselbe Bank Keigl sieb ani S.-Abhange der Schlucht in di'r»f!lKai 
Stellung im Profil und dem gleichen Einfalleu etwa 2Ü M«ter 
liAber. Man bat es hier aberm^ils mit eitler zwi&dien x«d 
BOrdaordöetlicfa becM^. nordwestlich Terlaurendea DisIftcatioMB i 
ctngesunkenen Scholle aa tbun. 

Anf ein Absinken an einem N.~S.-Bnicbe ist wobi aocb Ju 
aufTalli-nd »teile westlich« Einfallen der Tertiirschicblen lurQckz»- 
nihriM). welches in zwei Bohrlöchern auf dem östlichen Brahcurtr 
fretgrstrllt wurde, und el-eoso dürfte di«- »ersc-hredene Ausbildung 
der beiden Brxheufer weiter unlrrfaalb. bei der Ebenbuhubrllck* 
und bei Sanddurf mit der ^laffelformiseu tlin^nikuDg deg Bnili'^ 
tbales in Verbindong m bring«i sein. 

Das gleiche staSelförmige Absinken ge^n das Gebiet der 
Tueheler Halde zeigen auch die Terliirschichlen in der Gegi^ud 
von Tuchel. Es liegt nimlicb die Oberkante der braunkoblea- 
fithr«uden TertiSrbddungen bexw. die Unterkante des Poseüer 
Fhuumenthones auf einer, dem Sohichtst reichen entaprecbendeo 
Linie bei Gr. Mangelmithi bei rtwa 120- 130 Meter Ober N. N-* 
bei Liskau bei 106 Meter, am W.-Cfer des Spitalsees bei 89 Meter 
und am Brabeufer bei PillamObl bei S3 Meter über N. N. Fü«- 
eine Quervlöniug spricht auch das Auftreten tod 2 BraunknhleD' 
flötaeu in einem Bob rloc he am NO.-Ende des Spitals«e$ in TiefesT 
32-33 Meter und 37—10 Meier unter Tage, d- 1. 70—71 Mete«" 
bezw. 63 — 1>6 Meter über N. N.. die sich einwaadslos mit keinei^^ 
der im Streichen der Schichten anftretendon Flötze ron Pülamül^J 
Tereinigen Ussea'). 

*i Sckr. Kuarl G«. Daaiig. X. F. X, B«A 1, ä IS. 



und angrenzenden Gebieten. 125 

Wie die Bohrungen in Fh. Döbelshaide und Poln. Cekzin 
^.eigen, hebt sich das Tertiär im O. des Brahethales wieder heraus. 
[)a9 deutet also darauf hin, dass das im Wesentlichen nord-südlich 
rerlaofende Brahethal unterhalb Komorze in seiner Anlage durch 
jinen dem Systeme der N.-S.-Brttche zugehörigen Graben ver- 
inlasst wurde. 

Ungleich schwieriger als die Feststellung des Vorliandenseins 
solcher Dislocationen im westlichen Randgebiete der Tucholor 
Ilaide ist eine AltersbeMimmuni' derselben. Die discordante Uebcr- 
agerung der Braunkohlenbildungen durch den Posener Flammen- 
hon beweist allerdings, dass der Anfang dieser Bewegungen bereits 
lerZeit vor der Ablagerung des Flammenthones, also dem Miocftn 
mgehört; doch erreichten die Dislocationen ihre Hauptbedeutung 
rst im Diluvium. Mit Ausnahme des zum grossen Theil bereits 
ler westlichen Hochfläche angehörenden Gebietes der Moltkegrube 
ritt auch in den Gebirgsstörungen von Okollo und Crone a. Br. 
lur ein Geschiebemergel in die Erscheinung, ebenso wie in der 
legeud von Tuchcl. Während aber hier genügend Beweise für 
as oberdiluviale Alter des Geschiebemergels vorhanden sind, 
?hlen solche für das südlichere Gebiet völlig, ja es ist hier sogar 
lel wahrscheinlicher, dass die zum Theil von mächtigen Sauden über- 
i^erten Geschiebemergelschichten dem Unteren Diluvium ange- 
>ren. Mit einem solchen wahrscheinlich interglacisilen, z. Th. viel- 
'cht noch unterdiluvialen Alter der Dislocationen lässt sich auch 
^ besten die bereits erwähnte intensive Aufarbeitung des Unteren 
^schiebemergels im westlichen Haidegebiet erklären, der nur 
* ollenartig noch oder in Gestalt von Gerollen im Unteren Sande 
fVrilt, während sich das Obere Dihivium deckenformig über die 
»locirten Ablagerungen hinzieht, wie auch die oben angeführten 
Ijfungen in Neutuchel sowie die früher erwähnte Bohrung in 
if^bel, Konitzer Str. ^), zeigen. 

Indessen scheinen mit dieser unterdiluvialeii bezw. inter(;lacialen 
'►iiptperiode die Bodenbewegungen in unserem Gebiete noch nicht 
»n Abschluss gelangt zu sein. Jentzsch erwähnt aus der Bau- 



>) Dieses Jahrbach f. 1898, S. CCIX. 



U'6 



G. Ifjus, Deber Eodroriiidii in W»^p«!Ui>H 



grulic der BrOcke zu Plaskati VerverfaDgen, die ilcii I 
dnrckziph^D und bts 1 Meter Sprungbölie icei-^en'). 
aber aii<:b diese VerwertuDgen auf A bf utscbungen am Thalraucle 
^iirfiirkttlbren, £0 zeigen dnrb zwei AufscfalÜESe in gröeserer Ent- 
tarnung vom Brabelbale ähnliche aber dcutltuhere Erscbeianugen. 
So «eigte sich in der Grube der alten Neutudieler Ziegelei 
unweit Boc-hdorf dos in Fig. 2 dargesteltte Bild. Im laueren 
der Grube lagert eine etwa 1,5 Meter et-irke Bank Oberen dc- 
schiebeniergels auf deutlich geschicbteteu, 3 — 4 Meter niäcbtij^«ii 



Fig. 2. 




^^^i^ 1?:?^^ r:är?\ 

Ob. Sand. Ob. r.e8chiebemergel. Uot Sand. 
Hähe : LiDge ^1:1. 

Unleren Sauden, die wieder von Thonmerget unterlagert weri^^ 
Nach dem östliclien Grubenausgang zu tritt Aber dem Geschi^^ 
mergel Deoksand auf, dessen Mächtigkeit plfitzlich an einer 
gan^.eGrulienwand durcb^.iebenden und mit Kalk infiltrirten Sp^* 
bedeutend zunimmt. 0,8 Meter unter seiner frflberen Unterki^ 
tritt der von Sanden unterlagertc Gescbiebemergel in einer MSch'' 
keit von etwa 3 Meter wieder a'if, sodass nunmehr »eine ün"* 
kante britiabe mit der Oberkiuite des Tbnnniergels im W.-Tb*' 
der Grube /usammenfUllt. Die Sprunghöhe der nordnordöst 1 " 
verlaufenden Verwerfung, die sich- im Oberen Sande nicht sits'"' 
testetellen lässt, beträgt etwa 8,6 Meter. Ein ähnliches, wenn ai«'^ 
weniger aullalleudes Bild zeigte sich auch in einer Grube ^m 
Steilhange der Hochfläche östlich von Kelpin. 

>) DieM Jalirbuoh f. 1896, S. 78. 



and angrcozcoden Gebieten. 12? 

Zwei Hauptsysteme von Dislocationen lassen sich also im 
östlichen Randgebiete der Tucheier Haide feststellen, deren Streich- 
^htungen im grossen Ganzen NW. bezw. NNO. ist. Denselben 
chtungen folgt im Wesentlichen die Anordnung der Thalrinnen 
diesem Gebiete und vielfach kann man beobachten, wie sich 
r Obere Geschiebemergel den Formen dieser oft auffallend grad- 
ig verlaufenden Rinnen anschmiegt. Es dürfte daher in manchen 
Jlen wohl die auch in Anlehnung an y. Koenen von Jentzsch *) 
ederholt vertretene Ansicht von der tektonischen Vorbildung 
r Thalzüge nicht von der Hand zu weisen sein. In wie weit 
iD es dabei aber mit postglacialen Bodenbewegungen zu thun 
t, wie sie die zuletzt genannten Aufschlüsse anzuzeigen scheinen 
d wie sie unter Anderen von Müller 2), BeüSHAüSEN®) und 
eiLHACK'^) angenommen werden, entzieht sich vorläufig der Beur- 
?ilung. Doch dürfte die grösste Bedeutung für die Ausbildung 
r tektonischen Verhältnisse den älteren, interglacialen Störungen 
izumessen sein. 

Durch die geschilderten, tektonischen Verhältnisse wurden er- 
;htlich (He eigenartigen Erscheinungen veranlasst, welche sich in 
T Ausbildung der Endmoränen sowohl als der Grundmoräne in 
m Senkungsgebiete der Tucheier Haide zeigen. In dem im Ver- 
Itniss zum Inlandeise äusserst engen Senkungsfelde, dessen 
berfläche in sich noch zahlreiche Höhenunterschiede aufwies, 
isste eine Gletscherzunge eine sowohl gegenüber den Hand- 
bieten als auch in ihren einzelnen Theilen sehr verschiedene 
^weglichkeit besitzen, wodurch die Auflösung der Endmoräne in 
hlreiche, oftmals sich durchkreuzende Stafieln hinreichend er- 
Irt wird. Daneben aber mussten hier die unter dem Eise 
'culirenden Schmelzwasser eine viel grössere Wirkung ausüben 
) in den höher gelegenen Randgebieten. Hierauf ist einmal der 
osse Reichthum des Haidegebietes an meist engen, oft gerad- 
(igen Thalfurchen zurückzuführen, die ich in erster Linie mit 

») z. B. Sehr. Natarf. Ges. Danzig. N.F. VII, Heft 1, S. 177-178. 
«) Dieses Jahrbuch f. 1808, S. CXXXI— CXXXIL 
^ Dieses Jahrbach f. 1894, S. LVIII. 
*) Dieses Jahrbach 1898, S. 146. 



I^g G. Mui, Ceber EadmoriDCD in WstpreaK^ 

JbmTiESCB*) durcli &ubjjUcisle Erouon leklouUcfaer Lioieu es — 
klAren mAolite. Weiter mtiES man den Budeboden e«lbst »h d^i-^ 
Ergebnis« solcher AuswaschuDg durch siibgUciale SchmeUwass^ r 
«oniisiea. Meist in Gestallt langgMtrccltter, flach gewölbter Boden — 
wellen, oft ein unrerniinelt auftreteoder Höbenxug in iiDniittfS. - 
harer Nachbarschaft ein«« Sees oder eintr Bnichfl^be, die nirgetiA t 
einen Zu- oder AbQu^ erkennen lisst, bieten die BodeDforme- rni 
des TTaidegebietes ein ganz andrrrs Bild, ala mati es von ciiwt^^jit 
Saudr, dem Circiilationsgebiete Tfeier SctuiieUwMsset vor deut EImmb- 
ratide erwarten sollte. Mei$l bestehen diese H&faen au6 Sasd^^^n 
nnd Grandeu, Tast stets mit /ahlreiiben kopfgrossen und vi .^ael 
grösseren scliarfkantigen iiitd et-kigeu Blöcken, die ohne jec^s^^e 
Gesetz mässigkeit in dem feinoieu M:iterial nerstreut liefen. Z •■ii- 
weili-ii lässt sich auch bcobachtou, wie solche sandige Bitdung^^^o. 
die oll grössere oder kti-inere Linsen und Schollen von Gescliielnzizie- 
mergel umschlJessen, nach den Seiten nnd uHch unten durch n ^Ic 
Zwiscbenstudien in der Striictiir nach völlig gleiclicn Ge&cUift=:^}e- 
mergel Übergehen, dem sie anch oft in afironomisclier Bc/.iehii ng 
sehr imhe stehen. Ich bin daher der Ue herze iigung, daKS i'" 

Gebiete der Tiulieler Haide der Geschiebesaiid vielfach ledi^l^i'j 
eine sandige Faties der Griindmoräne*), ein völliges Aeqnival^^iil 
des Gi-ticbiebemergels darstellt. Dies gilt besonders für dii'jeni^^<'0 
Ttieile der Haide, die, im Hinterlande der noch /u erwähnend «n 
EndmoränenzOge gelegen, völlig die Landschaftsforuien der sl*»ri J 
welligen GrilodmoränenUndscIiaft zeigen. Daneben finden ^idi 
natOrlicli anch in grosser Verbreitung flach und eben gelagert 
sandige Absätze aus freien Seil meU wassern, Sandr mit mehr o<Jer 
weniger tief und breit eingegrabenen Scbmclzwaseerrinnen vor 
den Endmoränenzfigen und Staubecken hinter denselben. Bei der 
noch XU erwähnenden schnellen Aufeinanderlulge und Durci)- 
krcuzuug der einzelnen EniinioräneuzQge kann es dann kommeOi 
dasa das ursprüngliche Hinterland eines Zuges mit Saudrsaudeti 

'} ffiese« Jahrbuch f. 1898, S. 561—564 und Sehr. Satnrf. Ges. Diiüi«- 

N.F.vn, Heft 1, s. na 

*) Vergl. WAHssoHArri:, Ursaohan derOberflachengeetsItung u.s.w. (2. iffl-' 
9. 1*6-127. 



/ 



and angrenzenden Gebieten. 129 

folgenden hoch aufgefüllt wurde, sodass sich dann scheinbar 
^io oft nur wenig deutlicher Eudmoräncnzug aus einer Sandebene 
erbebt, und nur zuweilen gelingt es, durch Feststellung der stark 
welligen Unterkante des aufgeschütteten Sandes das ursprüngliche 
I^ild wieder herzustellen^). 

In unmittelbarem Zusammenhange mit der Grundmoriinen- 
Dutur des Geschiebesandes in vielen Fällen steht das Auftreten 
mehr oder weniger weit verbreiteter jungdiluvialer Tufifkalke, die 
sich lediglich als Ausscheidungen aus d(;m Sande in gewissen 
Stadien des Wasserstandes in den Schnielzwasserrinnen erweisen. 
Solche in ihrer Verbreitung sich stets den diluvialen Thalterrassen 
anscliliessende Tuffkalkmassen, die man geradezu als Vertreter der 
Terrassen an Steilgehängen aufzufassen hat, finden sich* im west- 
lichen Theile der Tucheier Haide am Spitalsee, bei Plaskau und 
oberhalb Schüttenwalde an der Bralie, am Okiersker See und in 
der Umgebung des Mukrz-Sees bei IJndenbusch. Aus dem öst- 
lichen Haideucebiete sind dieselben bisher nur vom Gr. Miedzno- 
See bei Adlershorst und dem nördlich daran stossenden Theile 
des Sobbinthales bekannt geworden. 

Der Verlauf und die Ausbildung der Endmoränen im west- 
lichen Theile der Tucheier Haide ist zum grösst<m Thoil bereits 
in meinen früheren Berichten genauer angegc'bcn worden, so dass 
J^ih mich hier auf einige kurze Ergänzungen leschränkfii kann. 
Genauer zu erwähnen ist dagegen ein Endmoränenzug, der den 
S'idlichsten Rand des Haidegebietes berührt und einem noch 
^«iter südlich gelegenen Endmoränensysteme angehört. 

Dieser Endmoränenzug, durch welchen der Brahroder See, der 
Anfang des breiten diluvialen Brahethales^), aufgestaut wurde und 
dem weiter westlich die Stau!)ecken des Glucza-Sees bei Wiskitno 
nnd des Dzidno-Sees westlich von Monkowarsk ihre Entstehuni: 
verdanken, erreicht den W.-Rand des Flaidegebietes bei Monkowarsk 
nnd findet eine Fortsetzung in den ül)crweht<*n Grandkuppen bei 
Ph. Kuhbrück. Hier vereinigt er sich mit dem östlichsten Aus- 
'aufer des Grunau-Zempelburger Endmoränenbogens, der andrerseits 

') Vorgl. dieses Jahrbuch f. 1899, S. LXI— LXn. 
^ Dicdes Jahrbach für 1S98, S. CCXVII. 

jAhrbach 1900. 9 




180 G. Maa«, ü^b'T BDclaiuräuea in Weatpi 



ftucb wieder am Huidernnd nach N. einen Zweig Ober Pmst t 
8fldticlii>t«u Bogen der Drauaniu-MaugfliuHhlor Endiiinräne | 
sendet. Jenseits des Bmhetliales bi'ginnt der sitdlichitt« fii 
morinenzug unseres Gebietes dünn wieder im Wuldc hei i 
Scbünliolz und tagst sieb im grossen ßogi>u nber Suübnuer Mal 
und Suchau nucb Cul. Koslinka im kÖDi^rlicbcn Forst Grfinfelde u 
weiter nach SHlesuho vertolgeii, wo er seine typtüubsto Gestalt 
Grand- und Stiiiikiii)|ieu umnimmt. Bei Sucbiiu wird der Ziiif i 
der veriiältnisB massig engen Uiune der Sut:Ii;iiier Seen durclibrotshl 
dein AbfliisäP de« grosüten Staiibeokens von Urftckonuii und Trtilnn* 
und hier li<-f'(?rte ein bei der Föräterei Suchiui gestosscne« Biihrk 
ein sehr beacbtenswerlhes Profil. Es fanden si<:b: 

0— 3 Meter Sand = Tbalsand. 1 

S~ 5 » sehr sandiger Mergel ^ Oberer Gescbiebi'mrrgi 

t' t " '"''"' , ,■ , , I = Obe^^^ S„.J. 

6 — 8 » schwach grandiger aanci i i 

8— ]0 » eisenscbilasiger grandiger Sand, vielTach dtin 

Eisenoxydhyilriit vorkittel und mit zjihlficti 

Si-halbruchstfluken von Bivalven und Gastropode 

dabei eine Vahata antiqua SoW-, zwei K » 

crostoma SteenbüCH, ein Planorbü albus MOL 

lind zwei I'isidium pusillum Gmblin. = Jnle 

glacial. 

10—16 » Sand = Unterer Sand. 

16 — 16,5 » grauer Mergel =5 Unterer Geschiebeinergel. 

Am interessantesten ist hierbei jedenfalls die Schiebt i 
8~ 10 Meter Tiefe, die einmal durch ihre Sdss nasse rfau na, dai 
aber durch die als Oberßächenbildung und Verwitterung auft 
fassende Oxydation und Verkittnng als Interglacial cbaraktcris 
wirdi). 

Bei Salesche schaart sich der Snchauer EndmorSnenbog 
mit einem zweiten, der, von seinem stark welligen aber fib' 
sandeten Hinterlamle durch die Hinne des Salescher und Schewie 



') Vergl. aacb dieaes Jahrbuch t. . 



und angrenzenden Gebieten 131 

koer Sees — mit einem inselartig hervorragenden Riesen block 2) — 
und des Branitzer Sees getrennt, sich fiber Steinberg, Wyremki 
und Bromke weiter nach O. verfolgen lässt. In seinem Vorlande 
entwickelten sich die Sandr des Grünfelder und Buko witzer Forstes 
und die Sclunclzwasserrinnen des Schwekatowoer Sees und des 
Heiiirichsdorfer Mühlenfliesses. In dem durch seine Formen als 
Tlicil der Endmoräne genugsam charakterisirten und durch seine 
Höhe sich scharf aus der Landschaft abhebenden Erhebungs- 
gebiete von Pniewno biegt die Kndmoräne wieder scharf nach N. 
um und findet über Eschendorf und das besonders auffallende 
Bestreiumgsgebiet von Eichenhorst, wo oft auf einer Fläche von 
wenigen Hektar Grösse mehrere Hundert Cubikmeter Bau- und 
Pflastersteine gewonnen werden, eine Fortsetzung bis an den 
westlichen Steilrand des Schwarzwas^orlhales, den sie zwischen 
r)ritschmin und Lubochin erreicht. 

Der südlichste Zug der Drausnitz-Mangelmühler Endmoräne, 
Jer bei Liebenau den W.-Rand der Tucheier Ilaide erreicht, 
setzt i^ich jenseits des Brahethales in zwei recht gut als Block- 
bestreuungen und Grandkuppen in stark welligem Gelände ent- 
wickelten Bögen fort, die die Feldmark von Khftiowo im S. und 
N. umschliessen und sich in der Gegend von Lubievvo am Rande 
des Trutnowoer Seebeckens vereinigten. Schön ausgebildet ist 
auch der zu diesem Endmoränenstück gehörende Sandr, der die 
Forstschutzbezirke Kohli, Schönholz und Seebruch umfasst. In 
t>estalt von Grandkuppen und Block|)ackungen im Schutzbezirk 
Brunstplatz des Kgl. Forstes Lindenbusch findet der Endmoränen- 
^^*g dann seine östliche Fortsetzung, die das Staubecken des 
""Uvialen Mukrz-Sees veranlasste und sich jenseits des Abflusses 
'^fies Sees in vereinzelten Grandkuppen und Hestreuungen über 
^^Qtfin und Lubsee nach Dritschmin verfolgen lässt, hier im O. 
''^'lich sehr an Deutlichkeit verlierend. 

Die gleiche Erscheinung des Undeutlichwerdens nach O zu 
'st auch der südliche Zweig der Schwiedt-Bislawer Endmoräne, 



. ^ Aach auf dem Messtisohblatt Labiewo (Gradabtheil ung 32, No. 35) als 
**^l verzeichnet. 

9* 




in Wcstpra 



der in gruudi^OD und steinigen Knppfn bis zum Rande <]pb dj 
vialen Mnkrz-Seps bei Blondzmin deutlich eutwickpll, im O, 3U 
Beckens uiir noch mit Mnh<? i1ber Androaethnl und [Janno a 
Fulketiharst und Scliiroslaw zu vcrrolgen ist. 

Di(!se au(Tallende Erscheinung hangt abermals damit 
summen, dass hior im westlichen Uandgehict des hreiten Schwi 
wasserlhiilea, an einer besonders weiter nördlitih sehr deutlich her* 
tretenden Ilßhtn^tnfe, ;in der sich das Golfintle de§ preii»£,tfiij 
Höheiirftckens nach 80. absenkt, alle EiidniorauRnzOgc eine t 
füllende Umbicgunj^ iiaeh N. erleiden, wie «ie aunli aus dem V 
laufe der EDdiTiiiriimn drs Itlatteg Lindenbusch') hervorgeht. 
Rejgie sich da, dass der zunächst im Gebiete von Theo) 
Wclpin, Ivfity. und Johannisth.tl im Wesentlichen wcstösilich i 
richtete nördliche Zwei;; der Scbwiedt-Bislawer Endmorüne 4 
Wissnka ab niudi N. iiiit'Zielonka '/u umbiegt, und diese lÜegt 
findet sich auch bei den nördlicher gelegenen Staffeln, die &icb 
der Gegend von Zielonka vereinigen. Im O. der Linie Wisscf 
Zielonka finden sioh allerdings vieUaiih Spuren wcstöstlich « 
}au/ead«r Eisrandlttgen, besondci's ausgeprägt Ju dem Verlaufe 
Schmelzwasserrinnen; aber diese Spuren treten gegenOber ■ 
typisch entwickelten Endmoräne bei weitem zurück. 

Diese setzt sich von Zielonka in typisch entwickelten Grai 
kuppen und Blockpackungon (Taf. XX, Fig. 2) nach N. fort, i 
in dem vollendeten Kuppen- und Kesselgewirr von Ludwigstli 
mit 1^4 Meter ihre höchsten Punkte zu erreichen, immer i 
Scheide zwischen Grundmoränenlandschaft und Staubecken i 
W. und Sandr mit oft tief eingeschnittenen Schmelz wassrrrinoi 
im O. In dem Ilöhengebiete von Ludwigsthal mit seinen Blöd 
Packungen vereinigte sich mit dem Ilauptziige der südpomniersfi 
westpreussischen Eudmoräne die östlichsten Ausläufer des Hamme 
steiu-Neukirch-Tucheler Zuges. Dieselben bilden zwei fast paralte 
Bogen, deren südlicher zunächst durch die mehr vereinzelt a" 
tretenden Grandkuppen, Durchragungen und BlockliestrenuHi? 
von Zamartc, Summin und Poln. Cekzin^) gebildet, sich in Griim 



i) DicBos Jshrbnch f. 1899, S. LXI-LXIir. 
») Diwea Jahrbneh t. 1899, S. LXUL 



und angreozenden Gebieton. 133 

kupf)enreilien zwischen den grossen Staubecken von Louij>enthal 
und Budziska hindurch über Louisenthal nach Ludwigsthal hin- 
zieht, während sich der nördlichere über Zalesie und am N.- 
Rande des Budziska- Sees hin verfolgen lässt. 

In immer gleicher Ausbildung und vielfach von ostwärts ge- 
richteten Scbmelzwasserrinnen durchbrochen setzt sich die End- 
moräne nach N. über Kamionka fort bis zu den in ihrer End- 
moränennatur schon früh erkannten Steingebieten von Gr. und 
Kl. Schliewitz. 

Die Schmelzwasser dieses Endmoränenstückes sammelten sich 
in einem breiten südöstlich verlaufenden Thale, in dem sich die 
verschiedenen Ilückzugsstadien in deutlichen Terrassen mit süd- 
Hcbem Gefalle kennzeichnen. Diese meist mehrere Kilometer 
hreite Senke wird heute von der Prussina und dem unteren 
Schwarz wasserthale benutzt, während das Schwarzwasserthal ober- 
halb der Prussinamünduug eine tiefe, aber äusserst enge Rinne 
darstellt, der keinesfalls die Bedeutung eines irgendwie nennens- 
werthen Schmelzwasserzuflusses zum Thorn-Eberswalder Haupt- 
thaP) beigemessen werden kann, ebenso wenig wie dem Brahe- 
thale oberhalb des Brahroder Stausees. 

Dieses breite Diluvialthal bildet, wie erwähnt, wiederum die 

Grenze zwischen zwei nach O. sich senkenden Staffeln des preussi- 

schen Höhenrückens. Es besteht also hierin zwischen ihm und 

dem Brahethale eine gewisse Uebereinstimmuiig, die auch in der 

'iördlichen Umbiegung der Endmoränen an seinem W.-Rande 

^**m Ausdruck kommt. Unentschieden aber muss es bis jetzt 

Weihen, ob auch seine Entstehung in ähnlicher Weise wie die 

det$ Brahethales auf tektonische Vorgänge zurückzuführen ist, wenn 

^^lih eine derartige Entstehung sehr wahrscheinlich ist. 

Das Gegenstück zum Wissoka-Schliewitzer Endmoränenzuge 

^^^t dem als Längsthal zu ihm aufzufassenden Prussina-Schwarz- 

^^^^serthale als ein bald mehr bald weniger deutli(-h entwickelter 

^tjtg von grandigen und steinigen Kuppen und Rücken, an deren 

^^^Ic in der Gegend von Osche die Grenze von Thal und Grund- 



') Vergl. dieses Jahrbuch f. 1898, Taf. 7, und Verh. Ges. f. Erdkunde, 
^«"lin md, Taf. 3. 




Uam. Vrhnr Hu 'Im Orfin <ii 

cnorfincnlHiiilM^linfV tritt. Mior mttBa man ^Ptnifzii anui-liniPD, dsn 
bei der StillstamULt^K >1&r Bisrandes daa Rlr di« En(lmornn«> W 
atiminte MHteri.il in die linroits vorhandene Hinno ^enoiintlet I 
wurde, sodaas liier an dip Stelle der Tbulsande Grande, (irrOllt < 
lind KIScke treten, die heute vielfatrh aiisgciteiitet werden. Aiidt '[ 
sonst ist wegen der engen Nnchbnrschaft von Thal und EnJ* '' 
mnrfliic eine scharfe Trennung der beiderseitigen ßildun;;pn knum i 
durch führ bar. Es kann dann vorkommen, dass die scheinbar dni 
Thnllerraasen iuifgeseluten Kuppen und Rücken den Eindruck eillifr 
Dilnciilandiicliafl birvorrufcu, und dieser Eindruck verschwindet 
erst bei der Untersiichtiiig des Bodcnmatcriitles. beim Anblick dn 
Grande und Itiflt-ke. Solche Verbftltnisiie bestehen hei»[)iclMtreiM 
im Gebiete der Wnifsschbicht und der Zatokken im Kgl. Forrt 
Üsche. Diesem Zuge der SchwBr*wasser-Endmor8ne gehören Jie 
von Kbilhack erwnlinten »im Unterlaufe de» Seh warst wasserfliiM« 
nuflretenden Geschiebeauhäufungen« an und der in der Litterilur 
»chon mehrfach i) genannte -vTeufelstoin" im Schutzhezirk Grodtink 
des Kgl. Forstes Oschc ein Itiesenblock von 23 Meter Umfang 
und -2,5 Mfl'-r Höli.. fiber der Erde, dessen ihm ati Grö*^. nur 
wenig nachstehender Nachbar schon frflhxeitig der SteittgewinituDg 
/um Opfer gefallen ist. 

In mehr vereinzelten Blockbestreu» ngen ISsst sich der Zug 
der Sehwarüwasser-Endmorüne, die auch als Fortset/.ung des ^uubaii- 
Pniewnoer Moranenzuges anzusehen ist, bis /.am Steilrande des 
Weicliseltbales hei Schweiz verfolgen, wo als seine letzten Spuren 
wohl der steinige Geschiebcmergel von Sulnowo anzusehen ist- 

Auch östlicli des breiten WeicUselthales, das jedenfalls während 
eines grossen Thoiles der Diliivialzeit als sAdwSrts gcriuhlete 
Scbmelzwasserrinne bestand, lasst sich die Endmorftne mit liiein' 
lieber Sicherheit weiter vcrfnlgen, wenn auch im Wesentlichen i" 
anderer Gestalt als westlich des Weichselthaies. 

Es liegt hier in der Gegend von Kulm und Kulmsee eine 

I z. B. Schütte, Tucheler Halde S. AO. Die an dem Block sichtbifM 
• küD^tlichen Vcrticrungeni, in dunon die Sago Eindrücke einer Ketl« Bieht, >° 
der einst der Teufel den DIook in das Scliwarzwaaser schleppsD wollt«, sind 
diu bekannten scbüsselarligen Aubwiltcrungsformeii. 



and angrenzenden Gebieten. 135 

flächcnh.ift mit Schwarzerde bedeckte Geschiebemergelebene, 
vekhe sieb, voo unbedeutenden Erhebungen und einzelnen tiefer 
p/ngeschnittenen Erosionsriuuen abgesehen, allmählich von N. nach 
i senkt. Die Ränder des Weichselthaies sowohl als auch die 
efen Erosionsschluchten lassen vielfach den regelmässigen Aufbau 
*$ Geländes aus Oberem Geschiebemergel, Unteren Sauden mit 
igelagerten Thonmergeln und bei Althausen bei Kulm einer 
ink von Diluvialsandstein, sowie Unterem Geschiebemergel er- 
nnen, ohne jede andere Andeutung einer Eisrandlage als etwa 
Q südöstlichen oder sudwestlichen Verlauf der Thalzüge. Eine 
Qz entsprechend aufgebaute Geschiebemergelebene liegt östlich 
3 tief eingesenkten Beckens von Graudenz in der Gegend von 
[onin und Liuowo, tief durchschnitten von den Thälern der 
sa und Lutrine^). 

Zwischen diese beiden Geschiebemergelebenen schiebt sich 
il aufragend ein Streifen stark welliger Grund moränenlandschaft 
t zahlreichen Kuppen und Kücken aufgeschütteter Sande und 
ande und sog. Durchragungen meist gröberer und feinerer 
ande, dessen Lage ungefähr mit der von KeilhaCK vermutheten 
srandlage östlich der Weitjhsel übereinstimmt. Innerhalb dieses 
rwiegend aus stellenweise recht steinigem Geschiebemergel und 
and bestehenden Höhengebietes, dessen Formen in gewissen 
teilen auffallend das Gepräge der Endmoränen mit Sandrflächen 
Vorlande und Staubecken im Hinterlande tragen, kann man 
t ziemlicher Sicherheit drei durch tiefere Senken getrennte 
ippenzüge unterscheiden. Der südlichste derselben beginnt in 
r Gegend zwischen Kornatowo und Malankowo und lässt sich 
nn in vorwiegend südöstlicher Richtung über Linowo, Szeroko- 
38, Rynsk und Siegfriedsdorf zur Babie Gora nördlich von 
ibönsee und weiter über Piontkovvo nach der Sokblli Gora und 
m Drewenzthale dicht oberhalb Gollub verfolgen, während sich 
ch weiter südlich Spuren einer Vorstufe finden. In seinem 
nterlande liegen die grossen Becken des Wieczno-Sees und des 
nilka-Bruches, während in seinem Vorlande die Schmelzwasser 



') Dieses Jahrbuch f. 1898, S. CCXXIX-CCXXXI. 



l -.ia G. Maa*. Ücber EatImoriDeD in Wettpi^UMcn 

durcli zalilreicbr, oft tkf eingcsohaitteno Rinneu, wie diu Schön - 
Me-Oetrowitter frnkc, zur Weichsel und DreweiiK, bezw. zuin 
Thorn-Ebi-rswiildiT Ilauirtlb«! gefohrt wunioii. Der f:vnM<^ Zu^ 
ttctY.l iu der (Jpgcnii /.wisi-ln-n Mulankowo und BlnDdaii i-in und 
xü'bt sieb KUDAcbttt nach 0- über Kotttmwo. Kl. Czwpprln iidcI 
Kgl. Neudorf nach Arooldsdorf, wo i-r nai-b SO. umbipgi, uhvm 
ftlwr Sittnn Ucxvt. Uriesen und Juworxe in ürand- uud SteiDwälleoA 
eine ForlsrtÄiing x\\ fiudea. In ecinem Hinterlüiide liegt dpr ' 
Mgowo-Sc« und fiiiigf gleiuhfiilia als Staubecken nulxtifa^cudo 
Bnti^liäächeD, wfihreiid mcbn-n* /.iim Dreweii/tbale PDlwÄM-tTiid« 
Riniipu, von di>ueD diis oborbiilb (.iolbib mflndende Slnigaiti&l 
l^ciiunnt sei, die Schmelz wasspr der Sandr im Vorlandc «uf'iiitbmeu- 
1>.T tirirdbebslc Zug diese» Syeteinea besteht aus /,woi steh bc-i 
Uhcdcn isuhaurcDdcn Bo;;eri, deren westlieber durch dir üric? 
Ulandau, Goriiinen, Mgowo bt^/eicbnet wird, während der fiütlit^cs 
ober den Sclianzenberg bei LopMtken im SO. Uohenkirch er^ei(.■b•^H» 
wo er sCldlich des Ortes, in den Kadick-Bergcn hesiinder» typisi-b«^ 
Kimneii «eigt, um dann ans«;heincnd bei Gr. Druditaw zu cndigi-»» - 
Au» detii Gebiete dieses EudmorSnenitiigee, als dcsEeo Stai » — 
berki'M mfin den grnsseo Tbalkessel von GraudenK aufzufiissc«» 
but, der sieb wahrscheinlich an der Stelle einer scbou vordiluvralcr »~» 
Senke bildete'), ist hier noch eine Tiefbohrung au erwähne- «*- 
Dieselbe befindet sieb auf dem llabnbofo Drusvbin und erg*»l* 
folgendes Profil : 
— 5,5 Meter brauner Gescbiebemergel ) = Ob. Gescbiet»^»— 

grauer » ) niergel. 

lehmiger Grand = Oberer Grand (Og^)- 

grauer Thonniergel ^ ? Interglaciul. 

kalkiger, sandiger Humus ^^ Interglacial. 

graugrüner Mergel mit 1 ., C^ e- 

hcD Wurzelfasern I 



5,5- 


' ',5 


7,5- 


- 9,0 


9 - 


-1-2 


1-2 - 


-14,5 


14,5- 


-15,5 


15,5- 


2(i,5 


üti,5- 


-27 



. «..hiebumergel ■»•»* 

eraner Gfschtebemergel ) - . ..- _ 

I eingelagertenU. er- 
grauer Merijeisand I , , 

" ,1 gelsanden. 
grauer Gesell lebemergel i 



■) Sohr. naturf. Ges. Daozig. N. F. IX, Heft 3 and 4, S. 1S3 and dies 
Jahrbuch f. ISüS, S. CUXIX-CCXX. 



und aDgrenzoDcIeD Gebieten. 137 

34-^37 Meter Sand = Unterer Sand (djjg). 

o7— 40 » grauer Thonmergel = Unterer Thonmergel. 

Wichtig ist hierbei die als Interglacial angesprochene Moor- 
'"^•rgelschicht aus 12 — 14,5 Meter Tiefe, deren Bildung auf im 
L'Qteren Geschiebeniergel wurzelnde, nicht mehr bestimmbare 
Pflanzen zurückzuführen ist. 

Der von Hünenberg bei Dramburg bis Hohenkirch auf etwa 

'00 Kilometer nachi^ewiesene Zug der südpommersch-westprcussi- 

sclien Endmoräne ist aber nicht das einzi«?e derartige Gebilde 

zwischen der groi^sen baltischen Endmoräne und dem Thorn- 

Elierswalder Hauptthal. Allerdings sind die übrigen Endmoränen- 

zfige Westpreussens bisher noch nicht in ihrem gan/en Verlaufe 

festgelegt. Doch soll schon hier dasjenige bekannt gegeben 

Werden, was sich bislang hat feststellen lassen. 

In der Gegend von Rose, nördlich von Schönlankc am O.- 

liande des grossen Waldgebietes um Schloppe, tritt zwischen 

einer weiten Sandebene im S. und einer flacheren Geschiebe- 

iiH'rgelfläche im N. ein Streifen typischer Grundmoränenlandschaft 

auf, der in Kuppen und Kesseln alle Anzeichen einer Eisrandlage 

aufweist. Nach O. zu tritt aus dieser verhältnissmässig geschiebe- 

armen Bildun^iC ^in Zug durch zunehmenden Reichthum an iTjrösseren 

iiiul kleineren Geschieben immer deutlicher hervor, bis sich tchliess- 

lieh diese Kuppenlandschafl, die immer die Grenze bildet zwischen 

sandigen Flächen im S. und Geschiebemergel im N., am Dom- 

l>rowjiberge und den Springbergen nordwestlich von Schneidemühl 

m ein Gewirr grandiger und steiniger Kuppen nnt dazwischen 

^i<>gendeu steilwandigen Kesseln und Trockenthälern auflöst. Im 

^- dieser typisch entwickelten Endmoräne breitet sieh ein weiter 

oandr aus, der sich zum Netzethal hinabzieht, während sich im 

»''«terlande ein Streifen welliger Geschiebemergellandschaft ein- 

^*<*Iit. Am Rande des Küddowthales zeigt die Endmoräne eine 

***^tliche kurze Umbiegung nach N., woraus hervorgeht, dass es 

^^^ hier um einen Einschnitt im Eisrande, ein Gletscherthor, 

Oestlich des Küddowthales ist dieser südlichste Endmoränen- 
' ö im N. des Thorn-Eberswalder Uauptthales noch nicht im 



0. Maa 



Ui'bT Bortmi 



1 Westpreiufe 



Audi im N. der sflcipoi 
ilir VI' reinigten Hammerstein- 
von den von KbilhaCk^J e 
logischen Karte der Priivii 



Ziisamiiienlmnge verfolgt. E» zeigten sicti inilessin 8pnren Jensellii— n 
mit StHubeükpn, Sniidr und Schmelxwasserrinneii tn verscliiedeiK — ^ u 
Gegenden bei Wissek, Lohsens, Vandshiirg') und MrotscIiei^Hii. 
Der östlichste Anslänfer dieses Ziigps tritt dünn als Pin-hm -i- 
Pniewnoer Endmorflne in das Gebiet der Tnidielcr Huide ein tin^^nil 
wurde sia solcher ebenso wie seine östliche Fortset;(iing herciw ts 
bwoh rieben. 

merseh-weetpreu heischen »n<J der m^H-irl 
i-Tiicheler Endinoritne liegt, iibgeseh^^^BD 

, Preussen IHOOOnO (Itlnit I>irsel.=i^O 
angedeutete» eiidmorätieniirtigen Bildungen in der Gegend vi an 
PreuBsiinch Stargard, ein einer späteren Phase des Iniandeis-RficÄ*- 
xuges entsprechender EndmoränenKiig, der sich gleichfalle a « tf 
weite Strecken hin verfolgen läset. 

Genaner festgestellt wnrde dieser Zug. der sich wiihrschei »» — 
lieh Aber Kamionna nordöstlich von Czersk weiter nach W. bi«» — 
xielit, znnäch&t im Gebiete der grossen Seen am 0-Uand>- d«*»" 
Tiicheler Ilaide. 

Derselbe beginnt mit Blockbestretiung der stark wellig«* ki 
Landschaft bei Ossiek am Gr. Kalemba See und zieht sich ■ *^ 
Gestalt von Grandklippen nn'l Rlickon steinigen Sandes ostwil«"*=^ 
über Jaszirek und durch den Lesiiianer Wald, um von der Cn^^" 
wiusk-Rnlowshaider Chaussee an den steinbestreiiten Aussenrai»" 
einer gestauchten GrundmorSnenlandschaft um Oissewo und R««^~ 
kowken zu bilden, an den sich nach S. ein Sandr bis zum U<^~ 
sohlt/- und Radsoe anschlieset. Von W. nach O. nimmt dies^*" 
Zug sowohl im ßodenmaterial als in den Formen immer me^'**' 
den Charakter der echten Endmoräne an, um in dem bis 1^-' 
Meter anfragenden Höhengebiete von Adl. Kamionken sich »■■* 
typisclie Endmoräne r.u entwickeln. 

Hier biegt die Endmoräne ziemlich scharf nach N. um isr»*' 



bildet in der Gegend von Lalkai 



rwinsk, Königswalde i**^ 



') Diese« Jahrbuch f. 1SD8, S. CCXIII. 

*) DifiBes Jahrbuch f. 1889, S. 117. Vergl. auch LEPaiDs, Geolog. K»*"** 
1 DeaUcJiland, Blatt Bromberg. 



nnd angrenzenH« n Go^aoteo. 189 

ierondziio im Gebiete einer im Verhältniss z!ir Höhe sehr 
malen Staumoräne den O.-Rand der Grundinoranonlandschaft 
;en die Senke des Weichseithaies, geilen welches sie vereinzelte, 
rstufen entsprechende W(»Ilen aussendet. Echte Blockpackungen 
len hier allerdings vollkommen und auch die ßlockbestreuungen 
en mehr oder weniger zurück. Trotzdem aber kann die End- 
räncnnatur dieses zuweilen äsartigen Rückens keinen Augen- 
L-k z'weifelhaft sein. Seine für die Endmoräne charakteristischen 
rinen wurden bereits von Jentzsch eingehend beschrieben, der 
ihm, sowie in parallel verlaufenden Vorstufen eine erst nach 
lajieruns: des Oberen Diluviums entstandene tektonische^) Fal- 
g erblickte, während Wahnschaffe*-^) in diesen Rücken drum- 
irtige Bildungen vermuthet. Diese Vermuthimg dürfte für eine 
s^ahl kleiner, nordsüdlich gestreckter Rücken wohl zutreffen, 
dann in der Bewegungsrichtung des Eises hinter den Zwischen- 
reii der Endmoräne entstandene Drumlins darstellen würden, 
r die aus dem Gelände scharf hervortretenden HauptrOcken 
st sich aber eine solche Erklärung ebenso wenig aufrecht er- 
Iten, wie etwa die Annahme, dass es sich um Geschiebemergel- 
.r handelt, wie deren eines Keilhack aus dem westlichen 
nterpommern beschreibt^). 

Jentzsch sagt*): »Der höchste Punkt (d. i. des Blattes Mewe) 
50 Fnss) bezeichnet den Gipfel eines höchst auffälligen Rückens, 
r sich 150— 500 Meter breit, mehr als 5 Kilometer lang von N. 
ch S. vom Jonkathale bis zum Smarszewoer See (Section 
(Insterwalde) hinzieht. Die eigenartige Gestalt dieses Rückens 
nnert an die eines schwedischen As ... . So erweist sich 
»ger Rücken, dessen Gestaltung^ Beziehunujen zum Verlauf zahl- 
icher benachbarter Wellen zeigt, als eine Bodenfalte, deren 
ter jünger als das des Oberen Diluvialmergels sein muss. Die 



») Vergl. Sehr, naturh. Ges. Danzig. N. F. VII, Heft 1, S. 178. 
*) Ursachen der OberfiftcheogestaltuDg des Dorddeatfchen FlachlaDÜes. 
. Aufl.), S. 77. 

») Dieses Jahrbach f. 18vm, S. CXCV. 

^) Erläuteruugcn za Blatt Muwe d. geol. Spec- Karte Ton Preusscu u. s. w., 
8—9. 



1 40 G. M*A4, Dobor Bndmotilaeii i 

N.— S. bis NW.— SO. streicben.lon Wellen bei Köuigswiildt- tiij<] 
DKierond/uo erscbeinen als Vorwellen desselben ROckens", (lessea 
GcsUlt HU nii(U-rer Htille') lotgctKiermaHsecti b^scliricbcQ wird: 
»Dieser Haiiil verhält sich seiner Nachbarschaft gegeuüber als 
aufgepressle Welle, liinter welcher unregeliij&smig i^ealaltete Ein- 
seiilcimgeu liegf'ii. In di^r NO.-Sirecke (des lil. Mnnstcrwaldes) tritt 
eine solche so nahe heran, dass die Aiif|ires3iui^ uls rriii, den schwe* 
discbeu Xsar ähnlicher, nur 150 — 200 Meter breiter Ufickeu siiA 
& Kilometer lang nordwärts -zieht.« Zu dieser Staiiinoräne, mit dtMTD 
Eiitfitehiiiig die von Jentzhcu aus der Gegend von DxierondKno 
heechriehenen Liigernngs Störungen^ iiimiittolbnr /.ithaitimenhftngfn, 
gehören al-j Sandr bcKw. Schiiielzwasserrinneo dos unt<T(; F<ts4>- 
thal und Jbntzscu'ö MOnsterwalder Thal mit seiner nordwestlichen 
Fortsetzung. Dase diescrs Sandgebict iu der Thiit als Suiidr auf- 
Kufassen iät, geht auch aus folgender Angabe Jentzsch'b*) Uervor- 
»Der erwähnte .Asar-ähnlii.he Kücken von Köuigswttlde sftat durch 
diL'Sen Sandstreifeu quer hindurch und kann daher erst nach Ab- 
lagerung des Oberen Diluviulsaudea entataudeu »eiu«. E» xeigt 
dies ulso, dastf hier an der Äustrittsstelle der SehmeUwasäer die 
Endmoräne nicht als Slautiioräne entwickelt ist, uud hier tritt 
auch die GeiichiebebesuhüttuDg deutlicher hervor. 

Durch die Oscillationen des Eiarandes be/w. durch ungleich- 
förmige Ablagerungen im Endinürauengebipie lassen -ich auch die 
ans diesem Xheile des Weichseithaies mehrfach erwähnten zahl- 
reichen Geschiebemergelbäiike mit ?. wischen gelagerten Sanden und 
Thonen sehr gut erklären. 

An dem breiten Weichselthaie, der iu einer Lücke des Eis- 
randes südwärts entströmenden Schmel/wasserrinne, schaaren sich 
die Bogen der nördlichen Endmoräne und nur untergeordnete 
Moränen wälle, die bereits von JENTZ8CH erwähnten sQdöstlicl) 
beüw. uiu'döstlich verlaufenden Geländewellen der Blätter Mewe_ 
MOnstcrwalde, Pcstlin, Gr. Khodau, Gr. Krebs, Nieder/.ehreQ udcH^ 

') Erlluterangen au Bl. Münatyrwalde, S. 8. 

*! Erläuterungen zu Blati Mewe, S. 2j— 29 und dieses Jahrbuch f. 18S-— 4 
S. 447-450. 

^) ErlftuteruDgeu zu Bl. MüDstornalde, S. 11. 



und angrenzenden Gebieten. 141 

Riesenburg ^) schieben sich innerhalb dieser LOcke zwischen die 

Haiiptzüge ein. Der Verlauf dieser Zwischenbogen fallt im O. 

^er Weichsel, wie Jentzsch angiebt, mit der Streichrichtung 

^es Sonon im Kreise Pr. Holland zusammen, weshalb Jentzsch 

*^'nen tektonischen Zusammenhang beider vermuthet. Es ist aller- 

^'ngs durchaus nicht ausgeschlossen, dass diese Uebereinstimmnng 

*^^ine zufällige ist, wenngleich man von jugendlichen tektonischen 

Störungen 2) in diesem Falle jedenfalls abzusehen hat. Aber 

^*Hleicht hat man es hier, wenn auch nur in geringerem Grade, 

'*^it ähnlichen Beziehungen zwischen der Lage der Endmoränen 

'■od den Höhenverhältnissen dos vordiluvialen Untergrundes zu 

^•^im, wie sie E. Geinitz aus Mecklenburg schildert 3) und wie 

^■t^ am W -Rande der Tucheler Haide zwischen Endmoränen und 

^^n Tertiärsätteln angedeutet scheinen, dass nämlich die Lage von 

^ nfragungen des vordiluvialen Untergrundes die Lage der End- 

'Ooräne, hier nur der kleineren Vorstufen, bedingte. 

Der Verlauf der Hauptendmoräne im O. der Weichsel lässt 
^^)er solche Beziehungen nicht entfernt erkennen. Als fast ge- 
^tuies Spiegelbild des westlichen Hauptbogens zieht sie, meist in 
Viestalt eines oder mehrerer paralleler Züge von Staumoränen und 
Ourchragungen, nur hier und dort durch stärkere Bestreuungen 
^«Icr ßlockanhäufungen be/ei(thnet, erst in nordsüdlicher, dann in 
^ridöstlicher Richtung durch die Gegend von Kiesenburg, Frey- 
5^tadt und Lessen. Ihr Verlauf zeijjt im Einzelnen innerhalb 
Oieses, als Ganzes betrachtet, eine /nsanunenhängende Grund- 
'iioraneDlandschaft darstellenden Gebietes, das in seinem Aeussercn 
f^rosrsc Aehnlichkeit mit dem weiter südlich gelegenen End- 
Hic)rrmengel)iet von Rheden und Schöusee besitzt, mannichfache 
-Abweichungen. I^og(»n reiht sich an Bogen und oft verfliessen 
<:^der durchkreuzen sich die dicht gedrängten Etappen mit ihrem 



*j Vcrgl. die Erläuterungen zu diesen Blättern. 

^ Erläuterungen zu Blatt Postlin, S. 3. 

^} Die wechselseitigen Beziehungen der mecklenburgischen Seenplatte, der 
^iesohiebestndfen, Endmoränen und des Hötzgo' iri^suntergnindes. XYIIF. Be.trag 
%.. Geol. Mecklenburgs. (Arcli. Ver. Freund, d. Naturgcsch. in Mecklcnb., Jahrg. 
^3 [1899], Heft 1.). 



t43 G. iUuL, Ueb^ Bodmailsea in We^lpreoaKu 

Gewirr von Kiippeu iiod KOcken, in ilciieD Jbktxscm ') u-klouiulic 
BildiiD^ii, lloretr, rrbliL-kt, *tpni^t«?D$ li» drn t>un.-hr«gungn), 
Jmvq [uikiii.-be wohl ul& Obere S«ude mit ^iti gelagert i-iu Grauhiebr- 
tnergel, iJä saudigc AusbiU ausformen der Eodmorflup, BüfzU' 
fiiKKO t»iui]. Grössere Saodr fehli-D dir^u Tbcile der Budmoräue, 
binter dt^ren Zagen sicli in beiitigeu S«eti oder AUuvi«lfl&i-beii 
»rOäSerp oder kleinere SiKubecken in grosser Zahl Gnd<»i, uuJ 
nur hier imd dort legen eicit vor ihrr Wellen S»ndfli4:iieti, uua 
deiH-u ütb nach SW. «ntftti Oineude ScUmeUwKgserrinticD eui- 
w!<-k(-In. Ein sicher siliön aiiA^bildeter Sandr legt «idi beUfkls- 
mriiti an die Eadmorioe U-i Rieseobnig nn, dureli da« Tbal 
der Liebe entwässert; «Iialie&e Bildungen iindeu eicli vielfu-h 
inoerbjüb der Messtisfhhlitt.'r P.-etiin. Gr. R.ibd*n. Gr. Krebc. 
ßi«»enbuq;. Nieder:reliri-n. Frej>tadt, Sti^iwrnleu und Gr. Pliiwenic 
Oft l<^l sii^ BU(^ vor die Endmoräne nur ein liugrres oder 
kQnerea LCi^stlud. inweilrn durch Kro>ion mrjir oder wei)i<;rr 
vertieft oder durt-fa fia<riojrlaci«le Sedimente^} aufgelilllt, ron denru 
sich duin die SckmeltwaaeerTinwn «bzwei^ren. Ah »c>K-be dem 
CndiiioräiieOi^eliieie tut ström ende Si-hin''liwjisaerrinneu einJ zu 
nennen; das untere Liehethnl. das Przenxaw«tlial und untere 
Gardeukatlial bei Rf^^ieiibau^'u und d:is Ossathal uuterbalb des 
Plowenxer Sees. Das letztere besteht im Weacntlichen aus durvli 
Qnertbiler mit einander rerbuudeneu L<äDgsthalsißcken und etelll 
so den Ueber^ng d«r la den erwihotm Längstkälero vor der 
Endmoriue. von denen hier das Frevstwlter Thal, die durch den 
Nogatsee und den ebeniali^en Krobeuestsee bezeichnete Rinne 
sowie die von Gr. Thiemau zur Ossa sich erstreckende bn'ite 
AUurialniederuug mit ihrer südöstlii-hea Farts^zung genaunt seien. 
Ein noch weiter luriivkl legender Zu^ dieses Endrooräuen- 



** Aaf den ^vok>$iK'bca Kuwa «t^aw «ie die äaaiin«Bde aad viele Sita- 
httktmsKtiit ab üntM« Satie 4iixw««jh. oltank voU »ar mft» ihrer 
Ibcfctigfccit; hiMMC. «>«>- aaf Üt mi^tiadk «rwikM«« AUagKaaitsverUmbs« 



und aogrenzeDden Gebieten. 143 

Gebietes, welches die Geschiebeiuergelebeiie von Linowo und 
Okonin gegen NO. begrenzt und zu ihr in dem gleichen Ver- 
hältniss steht, wie die Rheden-Schönseeer Endmoränen zu der 
Cbeoe von Kulm und Kulmsee, führt nach SO. zu dem gewaltigen 
Ciidinoränenbezirke der Kernsdorf er Höhen^^. Diesem Zuge 
8itid ^^rahrscheinlich auch die Blockbestreuungen und Blockpackungen 
im Kreise Mehrungen zuzurechnen, die sich besonders im Besten- 
dorfer Forst, im Reichertswalder Fofst und am Mariensee be- 
merkbar machen^;. Da sich an die Kernsdorfer Höhen die Eud- 
iiioränenzöge Ostpreussens anschliessen, so wird durch die nörd- 
liolisten Endmoränen des östlich der Weichsel gelegenen Theiles 
von MTestprcussen eine Verbindung hergestellt zwischen den ost- 
preussiscben und den westpreussisch-pommerschen Eudiuoränen- 
9!:ug«tu; aber diese Verbindung vollzieht sich anders, als es 
K.E:irjaACK auf seinen mehrfach erwähnten Karten andeutete. 

In seiner Abhandlung: »Die Stillstandslagen des letzten In- 
l«t.ndeises u. s. w.«^), hat Keilhack die von ihm bereits früher 
ssiusgosprochene Ansicht^) näher ausgeführt und zu begründen 
Versucht, dass sich jedes der norddeutschen Urstromthäler als 
ILiängstbal auf eine bestimmte Phase im Inlandeisrückzuge, auf 
^iiie längere Stillstandslage des Eisrandes beziehen lasse. Hin- 
sichtlich des Thorn-EberswalJer Hauptthaies war er dabei zu dem 
l£rgebuiss gelangt, dass die diesem Läugsthale entsprechende Eis- 
t'iindsiage durch die in ihren verschiedenen Theilen gleichzeitig 
gebildete sog. grosse baltische Endmoräne bezeichnet werde. Auflallend 
i^t dabei nur, dass sich diese in dem Gebiete zwischen Drage 
i^mil Weichsel so weit von ihrem Längsthaie entfernt, während 
^oDst im Allgemeinen Thal und Eisrand nahe benachbart sind. 
^A.ber diese Entfernung wurde auf eine hier bereits eingetretene 



Vergl. A. Jentzsch, Nachweis der beachtenswertben und zu scbützenden 
X3äame, Sträacber und erratiscben Blöcke in der Provinz Ostpreussen. 8. Bei- 
t.rag z. Naturkund«" Preossens, S. 116 — 117. 

3) Dieses Jabrbacb f. 18^8, S. BO ff. 

^ z. B. dieses Jabrbacb f. 1897, S. 95 und 113 ff. Weitere Literatur s. 
^^ARKSOHAFPE, Obeifläcbengestaltuug (2. Aufl.), S. 17G. 

*) Vergl. JkuiTzsoH, Nachweis n. s. w., S. 111. 




Ditl'erenzirung Urs Eisranilc^s üurflckg<?ßl)irt, iudetn bivr eioa gK 
wültigr Hiniji-biinriing den Eiarand ia zwei Lapiien, deo Odw 
lind Wcirhsclhogi^n verlegen Hallte. Die Aunahmc d«r Zusttmmeii- 
gebdrigkoit von Tbal und Cmliiiorüne sttitztc sich niiub diirniif 
daas Hn Zusatnmciiliang üwiKcbcn den unmitMbKr vor der gtossn 
tiftttiach^n Endmoräne nachgcwipspncn Sandrflä.hpn und d«'n Sand 
gebieti-u im Mflndiingsgebieto der nördliubon ZiiflOsso dca Netzc^ 
tbnirs voriiii»g08(^ti-.t «riirdo, diiss ulso dioBP ZiiflnAS« gewalti^o vi» 
der Endmoräue bitt zum Nel/.''tbul<< reiuli'^iidt', diiivb nacli N. ^o) 
vcrjflngondp r>ibivinl|iliitpini8 gplrennte vind zuweilen dtirob mei» 
klcinero dibivialc Inseln iiiiterbrni^benp Siuidr entwAssera sollten 

Uotpr den bii^raus sieb •'rgrbmdcii ViirHiieBi't';inigeD mnssl' 
man, da ja die grosse balti^obi^ Eudiriorftnc in ibren vcrscbiedfooi 
Theilen in der Nciimark, in Ilintorponim^rn und West|>reuMei 
eine gb'iuh/.eitige Bildung bciii aoll, in den bescbri ebenen, wett^ 
sQdliub geleg<>nen Endmoränen xfigen iiicbr tintergeorduet« llildniigen 
gleicbsiiiu Vorstufen der grossen baltischen EndmorSue ei bücken 
Wer aber jemals die Formen dieser Züge, besonder» der au 
fibcr 211(1 Kilometer Lange nindigewiesenm sildp<iinmi'isfli- wt■^l 
prcussiüubeu Endmoräne, gesehen, viv.r je die Gescbiebemengei 
crbliekt, von denen in diesen Zßgen oft viele Hundert Cubikmetei 
auf wi'uigen Hektar Kläcbe angebänft sind, wird iiicbt zweifeln 
dass er es bier niebt mit 'Vorstnieu, sondern mit vollweiibigei 
llau[>tendinorSnen /.u tbun bat. 

Es war aucb gezeigt worden, dass man keineswegs das gan/i 
Gebiet der Tuubeler Haide als einen zusaminenbüngendei), ge 
waltigen Sandr aufzufassen bat, der sieb von O. uacli W. übei 
(i Messtiscbblutter erstreckt und naeb S. bin alluiäblich sicli wiedei 
zu zwei Triübtern vereu<rt, die durch die Brabc und das Seliwarz- 
wasser entwässert werden. Es war vielmebr darauf hingewieser 
worden, dass in diesem Gebiete neben /.abireichen Sandrfläcbei 
aucb Saudmasst'U autireten, die man als Facies der GrundmorSni 
zu erklären bat. Aebnlicbe Verhältnisse dürften sich vielleicbi 
bei genauerer Untersuibung aucli in anderen bisher als Saudi 
angcsproclieiien Gebieten nachweisen lassen. Neu nachgewiesen 
wurde dagegen ein grosser Sandr innerlialb der grossen vou 



und angrcnzendon Gebieten. 145 

Bromberg and Schneidemühl aus nach N. bis über Konitz hinaus 
sich erstreckenden Hochfläche, in deren Mittelpunkte Zeinpelburg 
UD(] Vandsburg liegen, ein Sandr, der nach S. durch das aller- 
dings nicht sehr breite Thal der Lobsonka mit dem Thorn- 
Eberswalder Hauptthal in Verbindung steht. 

An verschiedenen Stellen war ferner bereits auf die engen 
Beziehungen zwischen den westpreussischen Endmoränen und den 
nach S. entströmenden Schmelzwasscrrinnen hingewiesen worden. 
Aber diese Beziehungen bestehen nicht allein darin, dass sich 
diese Rinnen als Abflüsse der die Endmoränen begleitenden Sandr 
erweisen oder dass ihre Lage durch Lücken des Eisrandes, 
Gletsoherthoro, bedingt wurde. Vielmehr besteht auch ein so 
inniger Zusammenhang zwischen den Endmoränen und den Thal- 
stufen innerhalb der Schmelzwasscrrinnen, dass man auch hier, 
^e bereits in anderen Gebieten, die einzelnen Terrassen unmittel- 
l>är auf die verschiedenen Eisrandlagen beziehen kann. 

Eine genauere Darstellung der hieraus sich ergebenden Ent- 
'^ickelangsgeschichte der Hydrographie im südlichen Westpreussen 
^örde indessen trotz ihres Interesses hier zu weit fnhren, weshalb 
ich mir eine solche für später vorbehalte. Es soll daher nur kurz 
^nf die entsprechenden Verhältnisse im Gebiete des Weichsel- 
^hales hingewiesen werden. Hier sind zwar bei dem nördlichen 
^nrchbruche der Weichsel und der damit verbundenen tiefen 
iJ-rosion die alten südwärts geneigten Terrassen fast völlig zerstört 
'Orden, doch gestatten die Reste im Verein mit den in den 
^itenthälern erhaltenen Thalstufen die früheren Verhältnisse noch 
""echt gut wieder herzustellen. Aus einer solchen Wiederherstellung 
^^giebt sich nun, dass sich innerhalb des in seiner Anlage einen nord- 
^Mlich verlaufenden Bruch darstellenden heutigen Weichseithaies 
^^^ dem Rückzuge des Inlandeises über Fordon hinaus beständig 
^*^e südwärts strömende Schmelzwasserrinne in einer Lücke des 
'^'Brandes befand. Hieraus folgt, dass man, da der Eisrand mit 
Aufnahme dieses Einschnittes in dieser Gegend im Wesentlichen 
ß'nen ost-westlichen Verlauf hatte, füglich nicht mehr von einem 
"cich&elbogen des Eisrandes im Sinne Keilhack's wird sprechen 
»önncD. Es ergiebt sich hieraus ferner, dass sich durch das immer 

•fabrbiub 1900 {Q 



146 ti. UxAM, Deb«r Uadmortaeu in WeetpraBoMi 

tiefere EinecbDeiden der ttndwärt» strAm^ndeo SdmielitwsEscr he 
dem Rftckr.iige dt^ Inlaudcisps dvr sp&tpre oörillichp rigrcbbrud 
d« Wcicbselthales inaerLalb einer alten Schmelz wassern nne gm 
allniäblicb vorbereitete. \ 

Aus diesen bydrograpbiachen VerhSltDissen folgt man ni 
Sicherheit, dass, falls wirldicb zu jedeat der norddentscben Ur 
stromthMer eine bestimmte Eisrandlage gehört, dies f)ir das Thoro 
Eberswalder Hauptlhnl unrnSglieh die grosse balliscbe Endmoräii 
Keilhacks facin kann. Die im O. dt;r Drage an das Hauptiha 
nördlich anätosgendeu Sandr lassen sich zunüchst mit dem sQd 
liebsten Endmoränenzuge ini nördlichen Posen und gQdlicbei 
WestpreuBsea in unmittelbaren Zusammenhang briagen. Dabe 
wird man zunächst die durch diesen Zug bezeiubnele Eisrand 
läge zum Netzetbale in Beziehung zu bringen haben. Wem 
übrigens Keiluace angiebt'), dass der SQdrand dieses Tbalet 
allenthalben von Hochflächen gebildet wird, die nirgends sandr 
artigen Charakter besitzen, so trißt dies mehrfach /. li. Rir da; 
Gebiet zwischen Cnarnikan und Kolmar nirht zu Hier ;£ei^i siel 
nimlicb im Forste Podanin ein deutlicher sDdwftrts geneigter Sandr 
der durch das Thal der Flinta Aber Ritechenwalde zum Welna- 
thale entwässert wird. Zu diesem Sandr gehört eine Eisrandlage 
die in der Gegend von Schwerin a. Warthe beginnt und sicli 
zunächst ober Birnbaum nach O. und dann zwischen Wronkt 
und Samter hindurch nach N. zieht, deren Spuren sich ir 
den Höben von C/aruikau, Uscb, Friedheim a. Netze nnc 
Wirsitz zeigen und zu welcher auch der von Wahnschaffs 
beschriebene Lubasch-As^) in Beziehung zu bringen ist. Fasi 
überall zeigen die Gehänge des Netzethaies oberhalb der Drage- 
mllndtmg deutliche, durch Erosion entstandene Absehnittsproüle. 
und der dadurch bewiesenen Vertieriing des Hauptthaies in 
ihren einzelnen Pbusen entsprechen die bis an die verschiedenen 
Endmoränenstaffeln zurCickreichenden Thalstufcn in den nördlichen 
Nebenthäieru. Hieraus ergiebt sich, dass wir in dem bmgrn 

') Dieses Jahrbucli f. 1898, S. 107. 

') Diesos Jalirbiicii f. 1891). S. -'77-28S und Ursaclie der Oberflichen- 
Beataitung (-2. Aufl.}, S. 170-171. 



Qod aDgrenzenden Gebieten. 147 

Stillstande des Eises auf der Höhe der baltischen Seenplatte nicht 
die erste Ursache für die Herausbildung des Längsthaies ^) zu 
suchen haben, sondern dass vielmehr im O. der Dragemündung 
die durch die grosse baltische Endmoräne Keilhack's bezeichnete 
Eisrandlage, abgesehen von dem Durchbruche der Weichsel, die 
äusserste Grenze einer Beeinflussung dieses Thaies von N. her 
bildete. 

Berlin, den 21. Januar 1901. 



^) Dieses Jahrbach f. 1898, S. 110. 



10' 



k 



r 



Faniia aus einer Tiefbolirniig in jnngen 
Küsteubildangen zu Dar-es-Salüm. 

Vou ITciTD W. Wolf in ßorlta. 

Ilinter der Borna vou Dar-cs-Salum wurde im .lalire ViOd 
ciiic Tk'fboliniug auf Triukwusser uie dargebracht, welclie eiu^ 
Tivfi) von 162 Meter unter Terruin erreicbte, ohiiu iltreu Zw«k '" 
erfttllen. 

Die Stadt Dttr-es-Salain seihst Hegt auf dorn Voniemai 
piuor 10 — IJO Meter hoben niariuen Terraasei), die Boina jwliwk ' 
beäeiitcud niedriger, und ito dQrfte der Ansatxpunicl der Tltl' ' 
bobrutig auf kaum A Meter Meeresbühe zu scbstzeii sciu; J'' 
BohriiDg würc äIso bis <ra. 137 Mett>r unter den Meeregspi'^gti 
vorgedniugeii. Bis xvt dtosur Tiefe Btriieu in dem Uobrloeb ni" 
jugeudlicho 8chicbteu von ubwcciiecbid lockerer »ud fcsttf B^ 
scbaffenbeit :ia, dte sieb folgeudcrinaiiFseu gliedern lassen: 

1. — 4 Meter gelblicher Qiiarzsaud, mitlelkCriiig. j 

2. ;i— 1) ' si:hwatli biadiger, weisser QuarzsanJ "''' 

ein>;ehieu Feldüpäthcn, ziemlich grob. 

3. 9 — 17 ' thonigo, zum Tbeil etwas verfestigte So.m 

uud Siiudiger Thon (Lehm), grau uud gel^i' 

4. 18 — ^S ' «echsehide Büuke vou Kalksandstein, Kiff- 

kalk uud kalkhaltigem Sand. 

5. '21) — o4 ' bellf^rauer, auscheiueud kalkfreicr, zieniiicb 

feiuer Saud. 
') Navli W. lIiii;!iuAiiur, Zur OberOäclieitgesIulIUDg und Geologie Deutsch 
Osurrik»». (l>t!ulM-h'0»ufrikH, liü. Vll, S. l'Jä. Ikrlin 190a Diktricu Kkihkr 



7. 


36 40 


» 


8. 


41—54 


» 


9. 


55 57 


» 


10. 


58-59 


» 


11. 


60—70 


» 


12. 


71 76 


» 


13. 


77 162 


» 



W. WoLFF, Fauna aus einer Tiefbohraog otc. 149 

6. 35 — 36 Meter feinkörniger Kalksandstein, zum Theil fast 

reiner Kalkstein. 

gelber Thonmergel. 

dunkelgrauer Thonmergel, von 51 Meter ab 
mit Holzresten. 

kalkfreier, dunkler Tbon mit Holzresten. 

kalkfreier, mittelkörniger, thoniger Sand, er- 
härtet, grau. 

Kalksandstein, kalkige Sande und feste Kalk- 
steine. 

braune und graue Thonmergel. 

wechselnde Schichten von Kalksandstein, 
Kalkmergel und Thonmergel mit marinen 
Fossilien. 

In den Tiefen von 28 Meter, 57,5-58,5 Meter und 124 Meter 
^urde Wasser angetroffen; nach Untersuchung des Gouvernements- 
Apothekers SCHLÖRNIG war dasselbe aus 28 Meter schwefelwasser- 
^(offhaltig, aus 124 Meter (einem concretionären Kalksandstein 
^ütßtammend) stark salzig. 

Die Schichten 1 — 3 sind kalkfrei und fossilleer, auffallender 
''eise auch der Sand 5, was vielleicht eine Folge von Wasser- 
fthrung ist. Die Schichtengruppe 8 enthält eine wahrscheinlich 
oraekische Fauna, die kalkfreie Schicht 9 scheint sogar eine 
Süsjjwasser- Ablagerung zu sein. Dagegen dürfte Schicht 10 wohl 
^'^ sccundär entkalktes Hangendes der nun folgenden mächtigen 
Karinen Gruppe 11 — 13 zu betrachten sein, deren Liegendes die 
l^hrung nicht mehr erreichte. Es ergiebt sich also folgendes 
geologisches Profil: 

1. Horizont des gelben \ = »junge Deckschichten« 

Sandes J Borniiardts. 

2. Horizont des weissen \ fossil- ^ 

Sandes [ leer f = PMikindanischichten 

3. Horizont des san- \ ( Bornhardt's. 

digen Thons ' ' 

4- Obere marine Schichtengruppe. 



1 



5. lirackische Gruppe (Cerithieiimergel). 

(). Ilolzführoude Thonschiclit. 

7. Untere marine Schiditongruppe. 

Was ilen paläolitolaKisulieu Charakter dieser verscbiedenou 
Oriipppii aiibelriÖ'l, so liegen sicher bestimmbare Fossiliea am 
der oberen rnariuen Gruppe nicht vor. Doch zeigen eiaKeioe 
Partien des lÜffkalkcs aus 20 Meter Tiefe uudeutüclie Korallen- 
stniotur. Reichliche fossile Reste finden sich dagegen in den 
Cerithieamergcln, doch gehören dieselben nur wenigen Arten 
au; au<;b sind nur kleine Exemplare leidHcb erhalten, alle grösseren 
beim Herausholen des plastischen Thons in diesem /erdrückt. 
Vorherrschend ist ein win/Jges Cerithium, ähnlich C. (^Ih'ftium) pu- 
sillutn, aber stärker gewölbt, mit scharfer Spiral- und Quersculptur. 
die auf der Schlusswiudiiug abnimmt. Diese Art ist besomicr» 
bei 44 Meter reichlich vertreten. Mit ihr zueammeu ündet sich 
bereits von 40 Meter an Area granuhga L. in kleineu Exem- 
plaren. Diese Art ist im Kflstengebiet des indischen Oceaos 
weit verbreitet, lieber ihre Staudorte fand ich nur bei ANDERSf)S ') 4 

eine Angabe, wonach sie auf Schlummbänken im Fluthnivt-na j 
lebt. In Siam kommt sie, wie Herr Geheimrath v. MarTBN'S mir — 
gütigst mittheilte, zusammen mit anderen essbaren Muscheln von .^ 
der Meuam -Mündung auf den Markt, und scbeiat also in's -^ 
Brackwasser hinauf/. u geben. Ausser diesen Arten fand sich im Mn 
Mergel ans 44 Meter noch eine nicht specifisch bestimmbare ^^ 
Landscbnccke, zu Coulboitiia oder Rumella BoiiRG. gehörig. Nach mt-M 

diesem Befund nehme ich an, dass die Cerithieumergel in Land M 

nähe wahrscheinlich in brackischem Wasser abgesetzt wurden — ^m 
Die unter ihnen folgenden Schiebten enthalten sehr viel organischem «i' 
Substanz und Holxreste und sind von Ö5 — 57 Meter kalkfrei nn£»^' 
frei von Mollnskeuschalen. Es scheint, dass sie einer Süss— .^■ 
Wasserbildung angehören. 

Die untere marine Gruppe beginnt in 58 Meter Tief»^fc" fe 
mit thouigem Sandstein von nicht sehr feinem Koni, den icf-^^^'i 



pag. 207). 



'} Liet of tlie Shells of Hergui (LinoeaD SociAtf'g Joamftl, Zoology, toI. X^ 
2071. 



I 



in jungen Küsienbildungon zu Dar-es-Saläni. 151 

^U sccuudär entkalkte Oberschicht des darunter folgeudeu Kalk- 
sandßteius betrachte. Die Entkalkiiu«; ist wahrscheiulich auf die 
Einwirkung der humoseu Stoffe aus den Susswasserschichten 
zurückzuführen. In den marinen Sauden, Kalksaudsteinen, 
Brcccien, Thonmergeln und Riffkalken bis 7ai 160 Meter hinab 
(von den letzten 2 Metern der Bohrung fehlen Proben) finden 
«ich zahlreiche Fossilien, die aber meist zur Bestimmung sehr 
schlecht geeignet waren. Meist sind es Fragmente oder nur 
winzige Ganzsachen; die Bestimmung der letzteren wird besonders 
dadurch erschwert, dass unsere Kenntniss der recenten Mikrofauna 
aus jenem Gebiet noch sehr grosse Lücken hat. Bei den Korallen- 
Resten kommt dazu ihre starke Abrollung und secundäre Structur- 
vcränderungen. Die meisten der im Nachfolgenden aufgefilhrten 
^Mollußkenschalen stammen aus einem mittelgroben Sand, der in 
143 — 145 Meter Tiefe ansteht; sie gehören winzigen Arten an 
oder sind junge Exemplare grösserer. Die Bestimmung derselben 
wurde von mir mit Hülfe des recenten Vergleichsmaterials in der 
Oonchyliensammlung des Berliner Museums für Naturkunde unter 
der Leitung des Herrn Geheimrath v. Marxens ausgeführt. Die 
Korallen untersuchte Herr Dr. W. Weissermel, der mir seine 
Aufzeichnungen darüber gütigst zur Verfügung stellte. 

1. Foraminiferen. 

Operculina complanata Defr., häufigste Art, aus verschiedenen 
Tiefen. 

Amphistegina Leasonii d'Orb., 131 Meter, 145 Meter. 

Alveolina Boscii Defr., 145 Meter. 

Orbitolitea complanata Lam., Bruchstück eines massig grossen 
Exemplares aus 145 Meter. 

Ausserdem eine Anzahl vorläufig nicht näher untersuchter 
-tVrteu (zu Müiola^ Rotalia u. A. gehörig). Einzelne Schichten, 
besonders Thonmergelbänke sind wie die Foraminiferenmergel von 
T)unga auf Sansibar ganz erfüllt von Operculinen etc. (so iu 139 
\ind 154 Meter Tiefe). 



\SS W. W...r. FmM IM • 

i. Korkllen. 
Kliflopkpra, Thcil eines dit^km, Ästigen Sci>ck«i mm 90 Mrter; 

i'vTQtT eiu gut erluilieuM Bradittfick mit eehr kleiura 

KeU-h«'» aiu 145 Meter. 
I^ptiutra-a, zu dieser GallitO|j; wahntciirinlieb e'ut kleines StBck 

mit «ehr kleincD filier dos CiMtAtcAiieochj-ui bervorratf enden 

Kelches, Hb Meter. 
Gomiaitratn (nder Itritmattrata), kleiites BmchkUiek einer kloilt- 

xelligeo Art, 145 Meter. 
farto, eia kleines BravIistOck aus 101 Meter. 
SiriatojMftvf, x.a dieser Oattuag gehöreu Tielletclit 2 wjneige, 

gegnbelte AeAtcheo aus 1-lä Meter. 
GatoMo cf. EUui E. a. H., xu dieser «od Ortmakh lebend auf 

deu dortigen Riffen gcfandeoen kleiaxelli|{eii Art dOrftm 

4 von der Cäneochym- Masse abgebnicbene Röbrcben gr.- 

hörtrn, 143-144 Meter. 
Ffttgia, Bnichstilck eines 2 Zoll ffnmeo ESuHBplars, 104 Meter. 
Tn-ii»<'ri-}, HruihMrick r-iüPj fla,ben Stockes, älinücb 7". mi- 

crottoma EäRBKBG.. 8» Meter. 
l'orite» cf. luteum £. u. II., -^ Bruchstücke aiiä 89 Meter und ein 

abgerolltes Bruchstück aus 104 Meter Tiefe scheineu zv 

dieser Art zu gehören. 
Zur (lallung l'orites sind ferner wahrscheinlich 2 kleine; 
liriiclistiicke aus 1*2 Meter, sowie ein paar dick lamellenforniig« 
Brnolütncke aus lOti und 144 Meter zu rechnen. 

Mon'ipoia cf. ritlom KuNZ , 5 Bruchstücke dilDD-lumelleDfÖr- 

niiirer Stöcke ülmclu sehr der von Klunzisger gegebenen 

Abbildung der genanuten Art. 89 «nd 93 Meter. 
Zu Montipora gehören terrifr 3 sehr schlecht erhaltene Bruch— 
btfickc flacher :Stöckp aus Il2 Meter und einige Bmch&tQcke au= 
144 Meter. 

Astiaeoi'ora m^i-iop/tthalina Lam., 4 Verhältnis» massig ansehn- 
liche Bnichstücke dieser leicht kenntlichen, auch jetzt be- 

Dar-es-Sal:\ui lebenden Art sind ziemlich sicher bestioim 

bar. 147 Meter. 



in jangen KnsteDbildungen zu Dar-es-Saläm. 153 

Madrepora^ 6 Bruchstücke dicker Aestc aus 89, 90 und 92 Meter; 
1 Stück eines flach verbreiterten .Astes aus 92 Meter, 
I kleiner, flacher Ast aus 144 Meter. 1 kleiner, knolliger 
Stock mit ästigen Erhebungen aus 95 Meter, ein flach 
knolliger Stock (Kelche vorwiegend auf knolligen Erhe- 
bungen der Oberfläche) aus 103 Meter. Ausserdem 
4 Astbruchstücke und 1 dünnes Aestchen aus 93 bezw. 
145 Meter. 

3. Echinoiden. 
Unbestimmbare Stachelfragmente (144 — 145 Meter). 

4. Bryozoen. 
' Cupiilana sp. (145 Meter). 

5. Pelecypoden. 

Aoicula sp., ein Bruchstück, 145 Meter. 

Pecten cf madreporarum Petit, ein Bruchstück, 144 Meter. 

Ofivea sp., zahlreiche, ganz junge Schalen, besonders aus 144 

bis 145 Meter. 
Ana tortuosa Lam., 144 Meter. 
^ ventncosa Lam., kleines Exemplar, 144 Meter. 
» cf. uropygimelana BoRY, ein kleines Exemplar aus 

145 Meter Tiefe gehört vielleicht hierher, hat aber auf- 
fällig weite Zwischenräume zwischen den Rippen. 

cf. scap/ia Chemn., 144 Meter. 

sp., 144 Meter. 
Pt'ctunrulus j)e€tiniformi8 Lam., 145 Meter, kleines Exemplar. 

» cf. pallium Reeve, 14 j Meter (1 kleines Exemplar). 

w//ia sp., einige winzige, stark gewölbte Schalen aus 143 bis 

145 Meter. 
^-ardita difßciliö Desii , kleines Exemplar, 144 Meter. 
^ irce pectinata Lam., 2 Bruchstücke einer Varietät mit dünnem 

vorderen Schlossrand und sehr langer vorderer Zahngrube, 

145 Meter. 
Donax sp., kleine, ungleichseitige Form mit innen gezähneltem 

Rand und gewölbter Ilinterseite, 145 Meter, 



1S4 W. W<.Lrr. l'Vuna au* oinei- Tiafboliniop 

Tellina cf. obUquaiia Desh., 1 ExempUr vou gleitrher Cieab 
wie die lebeiide Art, bei welcher »Iter die Streifuug et« 
zurkrr ist «nd die UiubieRiiuysatelle der Streifen dem liaa 
näber liegt- T. obliquülnata Sow, stiuuut in der Sculpt 
bcöupr, hat «bcr höhere, mehr dreieckige Form, 144 Meii 

TilUna sp, glatte Art, 144 Meter. 

Cylherea (Cargatii) sp., 1 Bruchstück eines klciueu Exemplil 
145 Meter. 

Di>sinia gp., PmgiueDt, 145 Meter. 

Lutrariaf, Fragment, H5 Meter. 

6. Suaphopoden. 

Mehrere Bruihstücke eines kleiiien, ^latteu Deiitni'mm. 

7. Oaetropoden. 

TfochuD sp., 1 Bnichstfluk mit querge falteten obersti^ü MitU 

wiudiiagcu uud nachfolgender Spiralsculptnr, 145 Met( 
Natka sp., iiuvoUkoniRienes, sehr kleines Exemplar einer ni 

drigen Art, 145 Meter. 
Neritina afi'. iialanen/ii Less., ein wegen seiner Kleinheit nie 

sicher bestimmbares Exemplar mit erkennbarer Farbe 

Zeichnung, 144 Meter. 
Ackatina sp,, unvollständiger Steinkern mit Resten der dünnt 

Schale, 103 Meter. 
I*)/ramideUa sp., winziges Exemplar mit Querfalten, 144 Met( 
Ceritliiwm roatratum Sow., kleines Exemplar, 145 Meter. 
» ec/iinatum Lah., kleines Exemplar, 145 Meter. 

Columbella (Mitfella) cf. li^ula Dl'CLOS, 145 Meter. 
Marginella cf. acellana Lam. , 1 Esemplar, ohne Wulst (a 

gescheuert?) uud mit etwas stärkeren Zähnen an d 

Aussenlippe, sonst mit der lebenden Art Überein stimmen 

145 Meter. 
Marginella cf. milUiri» Lam., mehrere winzige Exemplare, 1 

bis 145 Meter. 
Cypraea moneta L,, 1 kleines Exemplar einer extremen Variet 

mit abwechselnd stärkeren und schwächeren Zähnen a 

der Aussenlippe, 89 Meter. 



in jangen Küstenbildangen zq Dar-es-Salam. 155 

• 

Cypraea {Trima) oiyza Lam., 1 kleines Exemplar, 144 Meter. 

Krato sp., 1 kleines Exemplar einer anscheinend neuen Art mit 

feinen Spiralrippen, die sich auf die obere Ecke der 

Aussenlippe hinaufwenden ; hierin sich der Gattung 

Trioia nähernd, im Uebrigen typische Erato^ 145 Meter. 

Murex sp., Fragment einer stachligen Art, 145 Meter. 

Mitra äff. simplici Dkr., glatte Art; einziges Exemplar, sehr 
klein, anscheinend jung und nicht sicher bestimmbar, 
145 Meter. 

Aiitra sp., Fragment einer gerippten Art, 145 Meter. 

Olica sp, kleine, unbestimmbare Exemplare aus 133 und 145 Meter. 

Ancillaria fulva Swainss , sehr kleine Exemplare, 145 Meter. 
» (Bari/spira) sp., unvollständiges Exemplar, 144 Meter. 

Conus sp., Gewindekegel einer ziemlich hohen Art, 144 Meter. 

Cylichna sp., kleines Exemplar, 145 Meter. 

8. Crustaceen. 

Aus 81 Meter und 154 — 155 Meter liegen unbestimmbare 
Krebsreste vor. 

Soweit diese reichhaltige Fauna sicher bestimmt ist, entspricht 
^*e der heutigen des indischen Oceans. Die unbestimmbaren 
^^-^ste mögen zu einem kleinen Theil noch unbekannten Arten 
^iigehören; ob unter diesen Arten sich auch ausgestorbene befinden, 
darüber wage ich keine Vermuthung auszusprechen. Von dieser 
^^ite lässt sich also auch kein Ruckschhiss auf das Alter der 
^^nteren marinen Gruppe ziehen. Auffallig ist es aber, dass 
^Je mit lebenden identificirten Molluskenarten meist durch gewisse 
*^<?ine Abweichungen ausgezeichnet sind, die zwar auch heute an 
^^nzelnen Individuen vorkommen, aber selten so scharf ausgeprägt 
8>nd. Dies gilt z. B. von der Cypraea moneta aus 89 Meter Tiefe, zu 
"ßrich kaum aus 50 recenten Exemplaren ein Seitenstftck heraus- 
fand, und von Tellina obliquaria aus 144 Meter. Es scheint daher, 
öäss diese Fauna ein ziemlich hohes, etwa pliocänes Alter hat. 
Darauf deutet auch die Thatsache, dass seit ihrer Einbettung 
mehrere beträchtliche negative und positive Strandverschiebuugen 
istattgefunden haben. Die erste derselben, eine negative, wird 




durch die Coritliiemnergel imd den hnaioscu Tlion im Hxngri 
der Gruppe aogeacigt. ILr folgte eine positive Straiidrorei 
hung und die Altlagerung der oberen marinen Grup]ie. Li 
dieser folgen im Ilohrprofil die fogeillceren saudigen Thoae, we 
und gelben Sando, deren Entstehung nicht klar ist. Man k^ 
ziiuüclist verniHtlieu, daus sie gleichfalls innrin und erat uach 
lieh durch Sickerwässer ihres Kalkgchalts beraubt wären. 
Dr. E. Wkrth, der Dar-ea-Saläni uud die Geologie der Umgel 
kennt, erklärte den gelben Sand des Bohrprofils fbr ideo 
mit Bornhardt's »jungen Deckschichten« '), in wel 
BoRNHARDT noch 2 — 3 Kilometer östlich der Stadt recento M« 
coDchylieu fiind. Die Ablagerung der jungen Deckschichten 
die Ausbildung der Terrasse von Dar-es-Saläm gehört der le 
grossen Mecrestriinsgression au, uach deren Ahlauf gegeow 
nach BoRNiiARirr das Meer von Neuem vordringt, wih 
Ortmann^) einen Stillstand oder Rfickzug auzunehmeu geneig 
BORNtlARDT berichtet ferner, dass die 8 — Ti Meter tiefen Bni 
in Dar-es-Saläm unter den ^jungen Deck(;cliiohten'i ztnn ' 
»Mikiud»nischichteu« augetroäen zu haben schienen. I 
Schichten sind in der Umgegend weit verbreitet uud treten 
an den Uferabhäugen des Dar-es-Saläiner Krinks mehrfach he 
Sie bestehen aus meist röthlieh gefärbten sandigen Lehmen und 
migeu Sauden. Dauacb durfte es augemessen sein anzunehmen, 
die im Bohrprofil von t) — 17 Meter reichenden gelben sandigen T 
zu den Mikindanischichten gehören; Herr Dr. E. Werth rei 
auch den weisseu Sand dazu. Das bisher im Kftstengebiet u 
kannte Liegende der Mikiudauischichten wäre dann die »< 
marine Gruppe«. Doch hrdt Bornhardt auch die Mikini 
schiebten ftir eine marine Bildung, erzeugt durch eine gewa 
Meerestransgression, so dass, zumal zwischen ihnen und 
»obcrcu marinen Gruppe« keine extramariucn Bildungen li< 
beide sehr wohl zusammengehören könnten und erst die Ceritl 
mergel uud der huniosc Thon als Liegendes der Mik!ndaniscbi< 

') W. BoRNHARDT, a. tt. 0., S. 198 lind 470, 

*) A, Obtsuns, Die Korillenriffo von Dar-es-Saläm und Umgegend. 
Jahrbücbar 1892, Bd. VI, S. 631. 



io jangen KüstODbUduDgen zu Dar-cs-Saläm. 157 

zu gelten hätten. Diese hätten dann in unserem Profil eine Mäch- 
tigkeit von 31 Meter. 

Andererseits hat aber Bornhardt einen stricten Beweis für 
die marine Entstehung der Mikiudanischichten nicht geliefert; 
besonders fällt in dieser Hinsicht ihr gänzlicher Mangel an Fossi- 
lien und namentlich auch an Kalksteinbäuken in^s Gewicht, und 
noch manches andere deutet eher darauf hin, dass die Mikiudani- 
schichten fluviatile Bildungen sein könnten. Dann wäre unsere 
obere marine Gruppe von ihnen zu trennen und wohl besser mit 
dem von Ortmann beschriebenen subrecenten Korallenkalk vom 
Ras Chokir, R. Upanga und K. Rongoni bei Dar-es-Salam zu ver- 
binden. Dieser »ältere Korallenkalk« steigt dort bis zum Ni- 
veau der Nippfluth, also noch ca. 13 Meter höher als die oberste 
•n der Bohrung angetroÖeue Kalksandsteiubank (18 Meter unter 
Terrain). Leider ist über die Fauna dieses Kalkes nichts bekannt 
und geben auch die Bohrproben aus der oberen marinen Gruppe 
l^eiueu Äufschluss über ihren Charakter. Ob sie also, wie ich 
betreflfs der unteren marineu Gruppe vermutlie, bereits tertiär ist, 
^er wie ich zunächst annehmen möchte noch quartär, müssen zu- 
künftige Untersuchungen klarstellen. 

Die Horizontirung der unteren marinen Gruppe ist nach 
obeubio ebenso unsicher wie diejenige der von mir als Jungtertiär 
^^gesprochenen Ostreenschichten auf Sansibar ^). Andererseits ist 
diese Gruppe jedenfalls jünger als das Miocän von Liudi; denn ob- 
'^ohl petrographisch gauz gleiche Kalksandsteine hier wie dort 
Vorkommen, fehlen doch im Bohrprofil von Dar-es-Saläm die bei 
*^indi in diesen Kalksandsteinen aufgefundenen Lepidocyclinen, 
die nach Verbekk^) auf das Miocän beschränkt sind. Ob also 
^nter den jungen Küstenbildungcn von Dar-es-Saläm das im 
S. des Schutzgebietes auftretende Miocän oder gar das Eocäu 
^flstehen, bleibt vorläufig noch dunkel. 

Berlin, im März 1901. 

*) »Versteinerungen des Tertiärs«, in W. Borshakdt's angeführtem Werk, 
S.574. 

"O Vkhbkkk et Fksnema, Descr. gcol. de Java et Madoura. 




lieber das angebliche Tertiär 
von Angerbnrg nnd Lötzen in Ostprenssen. 



i 



Auf der Carte geologique intern atiouale de l'Europe, sowie; 
iiuf einer Karte, die der Arbeit von Herrn Prof, Dr. A. JentzscH;: 
»Der vordiluviale Uatei^riinJ des Nordoetdeutacheu Flaehlaudes«: 
(dieses Jahrbuch 1899, S. 266 fi.) beigegeben ist, fiudet sich beii 
den Slädteu Augerliurg und Lfttzen io Ostpreiissen Tertiär uudi 
zwar Miocän als anstehend verzeichnet und ebenso wird dieses 
Tertiär kurz erwähnt in einigen andern Arbeiten von Herrn ProfJ" 
Dr. Jentzsch '). 

Das thatsüchliche Material, worauf sich alle diese Angabeiz: 
GtQtzen, besteht in einigen Bobrprobcn, die bei 8 tiefen Brunnen— 
bohrungeu in der Feste Boyen bei Lötzen und auf dem Mark^ 
zu Angerburg in 104— 127 Meter Tiefe erbohrt sind und theil« 
im Ostpreussiscben Proviuzialmuseuni zu Königsberg i. Pr-, theil= 
in der kgl. geol. Laudesanstalt zu Berliu aufbewahrt werden. Ik 
deu uuten citirteu Schrillen werden diese Bobrproben theils kur=: 
als Schiebten der Brauukohlenformation, thetls als feine kalk 
freie Quarzsande der Braun kobleuforination erwähnt^ die Anger' 
burger ßohrprobeu ^us dem Ostpreussiscben Provinzialmuseuc: 
tragen ebenfalls die Aufschrift »teiuer Quarzsand«. Da ic 
seitens der Directiou der kgl. geol. Laiidesanstalt mit der Ka^ 

') KcBCs Jahrbuch f. 1884, S. CII und 1890, S. 73. - Schrifteo der Physi"« 
Ökonom. Gesdlschan zu Königsberg i. Pr., 1887, S. 15: 1883, S. 4. — Zeitecl» 
für pract. Geologie 1894, Heft 7, ü. 278—281. 



C. Gaoei., lieber das angebliche Tertifir von Angerbarg etc. 159 

tirung der Blätter Lötzen und Angerburg beauftragt war, so hatte 
ich Veranlassung, diese Angaben einer nochmaligen Prüfung zu 
unterziehen und habe dazu nicht nur das in der Sammlung der 
Landesanstalt, sondern auch das bei der Fortification der Feste 
Boyen befindliche und das im Ostpreussischen Provinzialmuseum 
aufbewahrte Material — also alles vorhandene — untersucht. 

Das Resultat meiner ersten Untersuchungen der in der kgl. 
Landesanstalt aufbewahrten Bohrproben habe ich in meinem »Auf- 
uahmebericht über die Blätter Lötzen, Steinort, Kruglanken«^) in 
folgenden Worten niedergelegt: »Ausserdem sind in 2 Tief- 
bohrungen in der Feste Boyen in 110— 120 Meter Tiefe deutlich, 
2. T. sogar ziemlich stark mit nordischem Material vermischte 
Quarzsande angetroffen . « 

»Ob hier nun anstehendes Tertiär vorhanden ist, dessen Pro- 
ben nur durch Nachfall beim Bohrverfahren verunreinigt sind, 
oder ob es sich um diluvial umgelagertes Tertiärmaterial handelt, 
läset sich aus den Bohrproben nicht mit Sicherheit entscheiden; 
fiir die letztere Annahme spricht der Umstand, dass die Bei- 
mensfunoren nordischen Materials in den tiefsten Proben am 
stärksten sind«. 

Nach den von mir jetzt erneut vorgenommenen Unter- 
suchungen des gesammten vorhandenen Materials, besonders auch 
der Proben aus dem Ostpreussischen Provinzialmuseum, auf denen 
die Angaben von Herrn Prof Dr. Jentzsch beruhen, bin ich zu 
der sicheren Ueberzeuguug gekommen, dass das Tertiär an diesen 
beiden Punkten nicht existirt und daher von den Karten zu 
^reichen ist. 

Der thatsächliche Befund ist folgender: 

I. Brunnenbohrung auf dem Markt zu Angerburg, 
ausgefiUirt von Bieske- Königsberg, 1886 — 1887. 

Die Proben liegen im Ostpreussischen Provinzialmuseum zu 
Königsberg i. Pr. 

Ausatzpunkt der Bohrung etwa -f- 318 Fuss = 120 Meter 
ber N. N. 

«) Dieses Jahrbuch f. 1890, S. CCLXXI. 



ig^ C. 0*"Bi-, UcbiT <Us nngi'blicho T^nlrir 

Di« BohniDg erga)): 
1 — 104 Meter sweifelloee DilumlscliichteQ; Oberer Geaoliieb*: 
morgcl, Uuterer (jraiid, Unterfr üesctiel>«i 
iiiürgel (89 Meter), mit Eiiilugcrtingeu vc»i 
Snnden, Gruudcu iinil Tbounicrgeln und tlio 
aigo Spatlisaudo (durch das Bohrverfaliret 
verhinderte (iescbiebemei^et??). 

104—106 " aebr beller, Wasserfall reu der Spat.hsand; dieser 
viitbilt M*)ir viel tertian'n Qimrxüaiid, aber 
auch uif^bt gerade lijtürlii-b Bnicbslßckrbec 
VOM rolliciu Orthoklas mit blauken SpaU- 
flScIieti, stPckDadelbopfgroste Groekeii grniiur 
uud rother uordUchcr Gesteine, Bnidt- 
etnckclieu von harter Kreide, ein |)f*i;fri>rkoru- 
grut^ses Strickcbeu (Sihir?) Kalk und «uthi'l 
eiiieu sebwat-heu, al)er gl cichii lässig vertlieiiKu 
Kulkgrludt. 

lOG — 107 > wM6erfttbrcudr, reine, sehr belle Spatbunili 
mit Brocken eiuca brfluulicb - ^^raueii. gwt)- 
»andigeu, kalkballigen ThomnergeU. Di' 
8pathsaude sind erheblich feiner, uU die i" 
vnrhergeheudeti Pn^he, und fast wcIm, »'" 
halteu aber rbeii»A unzweifelbaft iiordi»^!»^ 
Malerial and sind ebettblk ecliwacb y^' 
bahig. Pie Brocken dea bräunlich - ^<i^ 
TbfnniergeU entbaltcn Körut-r von grub«" 
8aiid, aber keine erkennbarea Geschi(l>'' 
)i« bnusen sehr lebhaft tuit Salzsäure -' 
ob es Tbountei^l oder steinfreier Gescliii''^ 
ner^t i^ Usst sieh bei der geringen GrösK 
der Brocken nicht eutscheiden: jedenfalls siui^ 
ue «ÜK diluTiale Bildung, uud ebenso uu- 
«wviMbafi staiunien sie ans dem LiegeuilcD 
der «t^eWi'-beii TerliürsauJe, da böber lie- 
jreude, petrvigraphiscb identische Schichten, 
.tits ilcneu $ie durch Kachfall bernuteT- 



yon Angerbarg und Lötzen in Ostpreusseo. 161 

gekommeD sein könnteu, in den Proben 
nicht erkennbar sind^). 

Da»8 die Sandproben so schwach kalkhaltig sind, erklärt sich 
ungezwungen aus ihrer starken Wasserführung. Die Bohrung 
wurde bei 107 Meter eingestellt. 

Eine später ausgeführte, etwa 400 Meter südöstlich in der- 
belbeo Meereshöhe gelegene Brunnen bohrung auf dem Hofe des 
Seminars zu Angerburg ergab 150 Meter zweifellose Diluvial- 
^bichten, und als tiefste Schichten 10 Meter kalkhaltige Spath- 
saode und Grande. 



Dies ist der Befand, wie er sich aus der Bestimmung der Bobrproben 
^ebt Aof der Probe von 101 — 104 Meter stebt die Aufschrift: »Feiner Sand 
out Tbonmergelb&nkcben«, während die Probe thatsächlich ein bellgraner, sehr 
kalkhaltiger, feiner Sand, mit sehr schwachem, gleichmässig vertheiltem Thon- 
gehalt and wenig nordischem Material ist; die »Thonmergelbänkchen« sind in 
der Probe nicht vorhanden. Im Gegensatz dazu enthält die als »tiefste Probe« 
bezoehnete Glasfällong von 106—107 Meter die Aufschrift: »Feiner Quarzsand, 
vi88«rfährend« ; in der Probe befinden sich aber, wie oben erw&hnt, ausser dem 
>^wach kalkigen, feinen, thonfreien Spathsand auch noch Brocken eines sandigen 
Thonmergels, von dem auf der Aufschrift nichts erwähnt ist. Es wäre ja nun 
nicht anmöglich, dass bei dem Einfüllen der Proben diese beiden Gläser ver- 
wechselt sind; dies ist aber nicht wahrscheinlich, weil die Probe ans »101 bis 
104 Meter« Tiefe offenbar viel kalkiger ist, als die »tiefste Probe« aus 106 bis 
10? Meter, und eben so wenig, oder noch weniger »Quarzäand« ist, als diese 
letztere, da sie ausser dem höheren Gebalt an Kalk nnd nordischen Material auch 
lioch onen schwachen, gleichmässig vertheilten Thongehalt besitzt — eben so 
^e die vorhergehenden Proben von 96—101 Meter, die auch grauer, schwach 
thoniger, stark kalkiger Spathsand ist, und bis auf das etwas gröbere Korn und 
^ damit zusammenhängenden, grösseren Gehalt an nordischem Material genau 
loit der Probe aus 101— 104 Meter übereinstimmt, während die beiden letzten 
»rohen aus 104—107 Meter ganz anders aussehen und vollkommen rein aus- 
gevischener, thonfreier, kalkarmer Spathsand sind. Es ist nach dem ganzen 
fiefonde ganz offenbar, dass die Tiefenangaben der Proben thatsächlich richtig 
ibid, disi die Proben dieselbe Reihenfolge haben, wie die Aufschriften der Gläser 
ttieigen, und dass nur die Aufschrift »mit Thonmergelbänkchen« auf das 
ftliche Glas geschrieben ist, denn dass die Probe, die diese Aufschrift zeigt, 
touer dem gleichmässig vertheilten Thongehalt, auch noch »Thonmergelbänkchen« 
enthalten habe, ist wegen ihrer petrographischen Uebereinstimmung mit den 
htngenden Schichten nicht wahrscheinlich. 



Jahrbuch 1900. 1 1 




C Gm», CaliCT Au a^MidM Tortur 



IL BraDncnbnbruugen in der Feste Dojea bei Lötzeu 

!• Brnoaeo Tor der Ksseme ^Wenh. Ansatxpunlc 
+■ IS2,4 Meter Ober N. N., gebohrt von Rieskb - Königsberf;. 

Von deo ProbeD liegt eiue A»rw jin <!>5tprriiseiscbeu Pn»- 
viuxiiilitiuM>um, ejur Serie iu der kgl. grol. Ltiadesftustalt nuc 
eine Serie auf der kgl, PortiBnüion der Feste Boyeu — süiumb 
liehe Proben «od roo mir untersucht- ■ 

Die Bohmng ergab: 4 

I — 116^ Meter /.weifelloiic Diiurialschichleii (Obere und Unter« 
Siude 41 Meier; Unterer GescbieJjeinergel mit Einlogir 
runge» von Tbouniergeln und Simtbeanden 47 Melrr 
tliouige SpAthtjaade 30 Meter^. 

bei llCfS Meter ganz reiuer, heller, sandiger Gmud. 

bei 117 Meter grauer, echwacb aber deutlich kalkluiltiger Spatb 
Saud; verbaltnissniääsig viel tertiären Quanuaud, ahe 
au<^li nicht wenig Feldspath, nordische Geateiue vm 
Erbsengrösse etc. enthaltend. 

hei 118 Meter J unkelgrauer, saudiger, kalkfreier Thon (Tertiär 
thou?J. Die Thouproben hilJeu nicht grosse couipact> 
Klumpeu, wie die Proben der da rQber liegenden siehe 
dihivialeu Thounierget, souderu kleine Brocken, dahe 
ist ea nicht sicher, oh der Tbou als Schicht oder al 
Gcrülle im Saud vorliauden ist. 

von 119 — 127 Meter 8 Proben hellen, fast weissen Spatfasaude»- 
bäiiiiiitlichc Proheu sind schwach, aber deutlich kullc 
haltig; die obersten sind sehr feiukfiruig; je tiefer desL 
grobküruiger werden die Sande und desto mehr nor 
disches Material, rothe Fcldspätbe etc., enthalten sie 
welcher Unistaud hauptsächlich dafür spricht, daes c 
Diluvialsaude und nicht durch die Bohrungen veruure t 
uigte Tertiärsande sind; es wäre doch sehr wuuderha J 
dass sich der vonuehrte Nachfall gerade da eiugcstel 
hätte, wo die Sande gnibkörniger werden, also iiutr* 
Uiuntäudou, >vu iu gcwöhulichcu Diliivialsandeu so wr- 



von Angerburg und Lötzen in Ostpreusscn. 163 

SO der Gehalt au nordischem Material zunimmt. Die 
verhältuissmässig starke Beimengung tertiärer Sande ist 
aber unverkennbar. 

Die oberste Probe enthält vereinzelte Glimmerblättehen — in 
itr ist ein Theil des Sandes zu lockeren Klumpen zusammenge- 
backen. 

Der Procentgehalt an Kalk beträgt nach einigen im Labora- 

torium der kgl. geol. Landesanstalt ausgeführten Bestimmungen 

0,13— 0,77 pCt. Ca CO3; der Kalkgehalt nimmt ebenfalls nach der 

Tiefe zu: 0,13 pCt. in 122 Meter, 0,77 pCt. in 124 — 125 Meter 

Tiefe. 

2. Brunnen vor den Baracken (auf der »place d'armcs«J, ge- 
bohrt von BiESKE 1884. V^on den Proben liegt eine Serie im 
Ostpreussischen Provinzialmuseum in Königsberg, die andere in 
der kgl. geol. Landesanstalt zu Berlin. Ansatzpunkt der Bohrung 
-4- 119,5 Meter über N. N. 

Die Bohrung ergab: 

Von 4— 107 Meter zweifellose Diluvialschichten: Oberen Ge- 
schiebemergel, Unteren Thonmergel 27 Meter, Unteren 
Geschiebemergel mit eingelagerten Thonmergelbänken 
50 Meter, thonige grobe Spathsande 2'6 Meter. 

Von 107 — 110 Meter sehr helle, ziemlich feine, wasserreiche 
Spathsande; sie sind sämmtlich schwach aber deutlich 
kalkhaltig und enthalten alle zweifellos nordisches Material 
(rothe Feldspathe etc.). Die oberste Probe ist am fein- 
kömigsten und enthält vereinzelte Glimmerblättchen; 
die unteren Proben sind grobkörniger und enthalten 
etwas mehr nordisches Material; die starke Beimengung 
tertiären Materials ist unverkennbar, das Wasser steigt 
bis 75 Meter unter Tage. 

Dass diese Schichten nicht durch die Bohrung verunreinigte 
* ^irtiärschichten sind, geht ausser anderem auch daraus hervor, 

^s sie sehr reichliches Wasser liefern, welches so eisenhaltig ist, 
^^5 es zuerst zum Gebrauch fiir untauglich befunden wurde, eine 

*^*genschaft, die sehr viele im Diluvium circulirende Wasser aus- 



scichtittL Das Wasser konute erst durch pio atnsUDdlicbes Eti^WK- 
etgeuiiDgsTprfnbren brauchbar geuiacbt werden. 

Zwei andere in der Feste Boyen, in unmitlelbar«r Nacbbar- ""■ 
Schaft dieser beiden Bronuen nteder^ebracble Bobruogea (die Ent 
(eruiiug twiscbea den vier ßruDDeo beträgt nur 300 — 500 Meter -~) 
trafen wassertülireude Schichten, die ganz uazweifelliaft zui^^b 
Diluvium gehören (nordische Grande) in 95 und 12ä Metern Tiefe? — =■ 
Das Wasser war ebenfalls sehr eisenhaltig. 

Eine Briinnenbohrung tot dem Artilleriedepot in der Stad -^t 
Lötzeu (etwa 1 Kilometer östlich Ton diesen Bohrungen eotiemt). Au — -s- 
satzpunkt -1-120 Meter, ergab bis 115 Meter ebenfalls zwetfellos^"— * 
Diluvialschicbten (zu nntersl stark kalkhaltigen Thonmergei) upl. ^ d 
dann bis Til Meter was£«rfilbreDde Sande und Grande (ii^ faab^^-^ 
die letzten Proben vor Jahren nur gane ßQchtig und unter sehn -^■l' 
UOgflnstigen Cmetiiiden gesehen, habe aber nicht den Eindnii'IK^'^ 
von leitilrrn Samlen gehabt ; seitdem sind die Proben TertchoHenJCZ )■ 
Das Wasser stief; auf 0.5 Meter Ober Ta^. 

Eine Brunuenbobmug auf dem Bahnhof Lfitzeo. etwa nre^^vei 
Kilomeier i>*tlii-h von der Feste Boren, Ansatzpunkt -j- li2,5 Mete -^^r 
(annXhemd), ergab bis 178 Meter nnzwcilenufte Dthmakcbicbten ^ki: 
Unterer Grand. Thonniergel. von 2i — 112 Meter Unterer Ge-^-i-^ 
schiebeniergel nnt tahlreichen Einlageniagen von Sandeo, GrandeK 'D 
und Tboumer^lu: von 11 '2 — It>4 Meter Tbonmer^l. Merge^K'- 
saude. Sjutbsaode. alle mehr oder minder kalkhaltig; die Proben vor o 
164 — 166 Meter eulhalten wieder viel tertüivn Qnarzsand nn ^ 
etwas Glimmer, sind aber auch kalkhahig und feMspathfilbrend. DiS^< 
dankuf fol^nden Proben enthalten missig grosse, Dordiscbe Gt-J— ^ 
rolle und Brocken ron Geschiebe mergel. 

Die letzten Pruben von 174 — 178 Meter sind dankelgrau^^^ 
iboDt^. gn>be Spathsande mit Kalkgehah. 

Der I ha tsJicfa liebe Befand ist abo der, dass ao keiner dies^?^*~ 
Stelleu ■weifello^'ei^ reines Tertiir. sonderB aar nehr oder roiD d*""^ * 
mit Di>rdis«-hen) Material Termen^e. rid tettÜres Material en- '^- ' 
hahende Saude rorliejien, d&^s an einer Stelle (A^crlnug Mark::r *- ' 
unter diesem an^bli^-ben Tentir aller Wahrsc^einlichkr^t nac — ^^ 
diluvialer Tbott-;Ge**-lwebe?*oiersrel lioIgU db» die ia den ftaglich«=^" '" 



TOD Angerburg und Lötzen in Ostpreossen. 165 

Schichten circulirenden Wasser sehr stark eisenhaltig sind, dass 

die in unmittelbarer Nachbarschaft heruntergebrachten Bohrungen 

in derselben bezw. in 30—50 Meter grösserer Tiefe nur zweifel- 

Diluvialschichten erbohrt haben, dass also das Tertiär an 

beiden Stellen zu streichen ist. 

Dass tertiäre Schichten irgendwo im Untergrund der Gegend 
mhanden oder vorhanden gewesen sind, ist nach den Befunden 
zweifellos. 

Die auffallend hohe Beimengung tertiärer Quarzsaude findet 
sich aber nicht nur in diesen tiefen Schichten, sondern auch in 
ganz hohen, unmittelbar durch den Oberen Geschiebemergel 
durchstossenden »Unteren« Sauden bei Löt.zen^), wo der Gehalt 
an Tertiärmaterial — etwas glimmerhaltige Quarzsande — noch 
»uffallender als in den Tiefbohrproben ist, die aber von diesen 
tiefen Schichten noch durch etwa 100 Meter mächtige Diluvial- 
schichten getrennt sind. Mit dem Auftreten derartiger Schichten 
an der Oberfläche entfällt die letzte Möglichkeit, die Bohrproben 
äIs Tertiär zu deuten. 

Dass diese angeblichen Tertiärschichten so schwach kalkhaltig 
sind, ist in Anbetracht ihrer starken Wasserführung auch nicht 
verwunderlich und spricht nicht gegen ihren diluvialen Ursprung. 
Woher sollten denn die in ihnen circulirenden Gewässer ihren 
Kalkgehalt genommen haben, wenn nicht aus den Schichten, in 
denen sie sich bewegen, und wenn die Entkalkung der Diluvial- 
schichten an der Oberfläche, durch die alles Regenwasser durch- 
sickert, eine vollständige ist, weshalb sollen denn nicht auch 
^icferliegende Schichten, in denen ein starker Grundwasserstrom 
'^nft, nicht wenigstens theil weise entkalkt werden? 

Die gegentheilige Annahme, dass der fein und gleichniässig 
^crtheilte Kalkgehalt durch das Bohrverfahren in die Proben ge- 
kommen ist, ist noch unwahrscheinlicher, als die entsprechende 
Annahme bei den nordischen Orthoklasen. 

Im Uebrigen ist es nicht nur meine Ansicht, sondern auch die 
neioer sämmtlichen zahlreichen CoUegen, denen ich die Proben 



V0. dieses Jahrbaoh 1898, S. GCLXXII. 




DilflyUb c hieh tr n nd. 

Die S to wi diiu i g diocr beMn Tf^tÜrpankl* bat «ber 
■or den WtrA jeder iKrttTtKrhra Berid«v>"c Mtodcni 
«icb die CoDfeqoeoz tuc^ ud^ dns die ■ai ^art licbe Gm 

Rraiinkohl^nforntali'io lUiutt wieder um 8£ — 1)0 KilntBctcr w 
»irfldirtckt, d«na cowcit wareo diese bndea ieulirlea T 
pnokte TOD dftn Dorünvtlicholeii Punkte der Brantikohleofon 
bei Hnl*bcrg; entfmit. 

Femer !it es uich der Zweck die«f% AuEuUe», eütt 
vmrta ixlaUab-ii Beicpie) nMbxuwnHm, wms man bei der 
ÜieiluDg vnn It^ihrgiroliea neiaer Ansiciit lucb nicht auf 
niiD); dp» Nadtfaila M-txen d«rf. 

Wrnn pin «Jitrcli *.' Meter mftchtige Sdiiobten gleiciu 
vertbeilliT Knlkgehalt Mif Itechnune dra Nacbralls gwetxt 
wenn die immer grßwent ZunAlime de« nordtücben Material 
ilßa Knlkgcbültea mit »teigeoder Tiefe. nltK) niK immer un>;flnst 
VorbediDi;uDgeu fßr den Nartifall. ehrafnlls auf ItrchDiiDC 
Naihri.!!» 1-0-..-M ^^\ni. ^o <.lieu<>iu 'irr NacLrcJI zum Tlieil 
eininal aus deu unmittelbar im Baogenden der FraglicbcD F 
auftretenden SchicIiteD tstammeu kuDD, weil diese gamic 
jrrosse Feld^patlie fütircii und petrograpbiscb ganz andere 
üeheii, souderu aus bchr viel liöhercn Schiebten stammen m 
während aus den sehr charakteriütisclien Scbicbteu im itnc 
harrn Hangeuden der fraglicbeu Proben nichts in diese 
gefullcii igt, wenn man wie gesagt all' dies für möglieb ode 
wahrscbeiuiich hält, danu suU mau überhaupt auf die Be^ 
tiing von Bohrprofilen verzichten, weil dauu jedes objective i 
rium fßr die Unterscheidung von Diluvial- und Tertiärschi 
aufhört. 



Uebep drei Anfschlttsse im vortertiäpen 
Untergrund von Berlin. 

Von Herrn C. Gagel in Berlin. 

Während das den tieferen Untergrund Berlins bildende Ter- 
tiär durch die ausserordentlich zahlreichen Bohrungen, die zum 
Theil bis 300 Meter Tiefe erreichen, sehr gut aufgeschlossen und 
'n seinen beiden Stufen — der miocäuen märkischen Braun- 
kohlenbilduug und den oligocänen marinen Bildungen — genau 
Wannt ist, wusste man bisher von den vortertiären Schichten im 
l^^ntergrunde von Berlin noch gar nichts, wenn man von der Boh- 
'"UDg Hermsdorf etwas nördlich von Berlin absieht, wo unter 
^eptarienthon und unteroligocänen Glimmersanden die Amalthoen- 
thone des mittleren Lias gefunden waren ^). Dass überhaupt vor- 
^ertiäre Schichten an mehreren Stellen im Untergrund von Berlin 
schon erbohrt waren, war bereits aus der Arbeit von G. Berendt: 
Der tiefere Untergrund von Berlin (Abhandlungen der kgl. gcol. 
Landesanstalt, Heft 28, 1897) bekannt, doch war eine Bestimmung 
^^s Alters dieser Schichten nicht erfolgt. 

Bei der Durchsicht der in der Sammlung der kgl. geol. 
Landesaustalt aufbewahrten Tiefbohrproben fielen mir bei drei 
Tiefbohrungen vortertiäre Schichten auf, die genügende Anhalts- 
punkte zur genaueren Altersbestimmung boten, und die deshalb 
ifl Folgendem genauer beschrieben werden sollen; bei zwei audereu 

') G. Bekendt: Erbohning jurassischer Schichten unter dem Tertiär in 
Hermsdorf. Dieses Jahrbach 1890, S. 83 ff. 




tler schon von G. Berendt erwähnten vortertiären Biidungen • * 
die Altersbestimmung docIi nicht gelungea. 



I. Bohrung. 
Charlottenbnrg, Leibuinstr. 



87. 



Die Bohrnng iat 1889 misgfl^hrt und ^uin grüssten The-ä 
schon von O. Berendt in der vorerwähnten Abhandlung fiberde s 
tiefcrfu Uutrrgrtmd von Berlin (Tal". I.) publicirt; ee bedarf »Is« 
nur der Beschreibung der tiefereu SchiL^hlen. Die tiefste tertiäi — ■ 
Schicht ist der Septarieuthon, der bis zu einer Tiefe vou 212 Mpt^ 
reicht; er ist zu unterst grau und sehr saudig; bei etwa 'iJOOMete^ 
wurden '^ Schaleubruchstflcke gefunden, dercu eines zu einem ut:a 
bestimiuliareu Gastropod^ gehört, das andere die unverkennhas- 
üharakteristisehe Sculptur der Numla Vhantelti Nyst. aufweist 
6o dass trotz des etwas abweichenden petrograp bischen Verhalte«3i 
die Uorizontbcstimuinug sicher ist. 

Ä12-a4fi Meter folgen nun die vortertiären Schiclilen; 
nie sind durch das Bohrverfahren (Sto&sbohrung) sehr 
verändert und in gini/ kleim? Brucbstncke zertri"iniiiiprf. 
trotzdem aber so cbarakterietisch , dass ihre atrati- 
graphische Stellung sich zweifellos feststellen läsat 
Von 21^— 216 Meter sind es bräunliche, gelblich -weisse und 
dunkelblaugraue Saudsteine, sowie kalkhaltige Thone 
und SchwefelkiesbrÖckchen ; die bräunlichen SandsteiD^ 
enthalten ein kalkhaltiges Bindemittel und zerfallen bei>o 
Behandeln mit Salzsäure in lockeren Sand; der TboD 
muss ganz dOnne B&nkchen oder Zwischenlageo zwiscb'" 
den tieferen Schichten der Sandsteine gebildet haben* 
denn die tiefereu Proben sind sehr unreiD und geben 
beim Waschen einen gelbbraunen kalkhaltigen Tbou- 
scblamm und Saud steinbrocken, während die oberen 
Proben ganz saubere, reine Sandsteine sind. Die ver- 
schieden gefärbten Saudsteine sind in allen Proben 
gleichmässig vertreten und müssen sehr diluDschtclitige 
Wechsel lagcrungeu gebildet haben; sie sind s&mmtlicb 



Untergrund von Beriio. 169 

in kantige Bruchstücke von höchstens ö — 8 Millimeter 
Durchmesser zertrümmert. 

Von 216—228 Meter folgen harte, weinröthliche, hellbläulich- 
grüne und gelbliche, dolomitische Mergelthone; sie sind 
ebenfalls in kleine Brocken zertrümmert, deren grösste 
5 — 7 Millimeter Durchmesser haben und die durch das 
Bohrverfahren abgerundet sind; sie brausen ziemlich 
lebhaft mit Salzsäure; die einzelnen Brocken haben 
jeder seine verschiedene, in sich aber einheitliche Farbe; 
die Proben sehen also sehr bunt aus. 

Von 228—246 Meter endlich folgen harte, röthliche bis gelb- 
liehe, dolomitische Mergelthone, die aber in viel kleinere 
gerundete Bruchstückchen zertrümmert sind, deren 
grösste höchstens 1 — 2 Millimeter Durchmesser haben; 
sie brausen sehr lebhaft mit Salzsäure und weichen im 
Wasser etwas auf, ohne aber wirklich plastisch zu wer- 
den ; die grünlichen Farben der darüberliegenden Schich- 
tenfolge fehlen hier vollständig, die Proben machen bei 
flüchtiger Betrachtung wegen der Kleinheit der einzelnen 
Brocken und dem nicht sehr grossen Farbenunterschied 
derselben einen gleichmässig gelblich-rothen Eindruck. 

Aus der Tiefe von 230 Meter sind angeblich einige etwa 
erbsengrosse, gerundete Gypsstückchen herausgekommen. 

Dass diese bunten dolomitischen Thone zum Keuper gehören, 
'8t schon auf den ersten Blick einleuchtend; durch Vergleich mit 
"CD Proben der Rüdersdorfer Tiefbohrungen III und V, die eben- 
'^lls in der königL geol. Landesanstalt aufbewahrt werden, ist es 
^ber gelungen, ihre stratigraphische Stellung aul's Genaueste zu 
^stimmen; sie entsprechen nämlich bis in die geringsten £inzel- 
fleiten den Schichten, die dort unmittelbar Ober der Lettenkohle 
liegen. (Vergl. Erläuterungen zur geol. Specialkarte von Preussen 
Qüd den Thüringischen Staaten, Lieferung 26, Blatt Küdersdorf, 
D. Auflage, Seite 41 und 44.) Die fraglichen Schichten sind dort 
oaeb dem Bohrregister beschrieben als: 



170 C OAaci,, Uel'cr tlrei AufecbIGsae im TorUrtiareo 

llohriiug V, Seite 44: Von 282,05-300 Met«r bunte miltJ' 
Sihieferletfen mit clwii» Gips, von 300—305 Meter grau-grüuer 
(iHDuscbichtigcr, sclir mililrr Snudötoin; von 306 — 346,48 Metc^i 
rotbe, btuiigrtlDc udiI gulbfjcköpcrtc ScbicfeHctteD, wechselnd it»ii 
grüngraiicn, glimmerreicbcn Sandsteinen; von 346,48 — 347,2$Metei 
Letteukohle. 

Die ernte und dritte dicöcr Scbicbtenprobeu sind zum Tbcil 
aocb voHinuden; die * Sdiieferletten» sind doKiinitiKcb und ent- 
epreuheii auf's Geuiiticstc drn Cbarlotteubiirgcr Probflo: unter den 
Sandsteinen sind iiiebt nur grQngritue, sondern auch brSitnlicbe 
Proben vorhanden, kuiii Theil ebenfalls mit kiilkigom Bindemittel, 
die gjimmtliub cbenfülls den Charlottenburger Proben durchaus 
cntspreuben. 

Bohrung III, Seite 41: Von 210— 25'J Meter rother und blauer 
Schieferletten eU:. Von 259 —277,5 Meter dtiukle und blaur, r-im 
Theil Gandige Lettcu und Sniidsteine; in '^62 Meter Atyopfioria pä 
anserüi, in 264 Meter Lette nkoblenflötz. 

Die Proben von 210—259 Meter sind ehenfxlls dolomitlMb 
und eutsjtrecbcn ebenfalls, »toweit sie vorhanden tiind, geuau dm 
bütreffendeu Proben von Cburlottenbiirg. 

Eine aitsserordcotlich grosse Aehuticbkeit mit diesen Sebichwn 
Migon nicht nur, wie m erwarten, die Prolieu ans der alten Kuh- 
Hing 17, von Tasdorf bei Hödersdorf, die seiner Zeit von Eck he- 
echriebcn sind und ebenfallä im Museum derkgl. geol. Lande«iniit*l> j 
aufbewahrt werden'), sondern auch die tieferen Proben d« 1 
Bohrimg ic der Citadelle Spaudau, die seiner Zeit v.m G. ÜBREXDT 1 
beschrieben wurden'), wobei es dieser uneutschiedcu Hess, ob sie 
üiim mittleren Keuper oder zum mittleren Muschelkalk gehörlen 
(Seite Ifi und 17). 

Dass diese letzte Deutung vollständig ausgeschlossen ist, ist 

') Eck: Rüdcrsdorr und UiDgcf^end: AbhandlungCD tat fteol. Specialkirte 
VCQ Preu.sHcn uod don Thürint;. Slauten, Band I, Heft. I, Seit« 132. Es hftnddt 
sich hier um die lelztL'o drei der boEcbriebenen Schichten TOn 13,95— 160,6 Fn» 
lind von 173,4—210,4 Fiie», von denen besonder« die Proben der letiten 30 Fus 
eine sehr ^rosEC UeberoinsiimmuDg mIL den Charlotlen burger Proben leigen. 

') G. Bkhkniit: Das Turliär im Bereiche der Mark Brandenbai^. SiUunp- 
berichte der kgl. preues. Akademie der Wissenaehaften 1885, Bind XXXVIll. 



Untergrand von Berlin. 171 

Jafii überciustiininende Uftheil aller Collogen, die die Proben ge- 
iehen Labeu; eine auch nur ähnliche Entwicklung des mittleren 
kfiischelkalks ist nirgends bekannt geworden. 

Dagegen ähnelt die von ü. Berendt erwähnte »Folge von 
alkarmeu Thonen und Letten mit grauen, grün-grauen und rothen 
^ärbuDgeu«, besonders in den tieferen Schichten, sehr den Char- 
jttenburger und Rüdersdorfer Schichten. Von 422,0G — 440,14 
ieter finden sich dort in intacten Kernen rothe und grüne, dolo- 
litiscbe Thone (mit Einlagerungen von Gips), von 462,13 — 477,04 
Ieter graugrüne und !)räunlich - rothe dolomitische Thone (mit 
Lnhydrit), die in der Farbe und petrographischen Beschaffenheit 
ist genau mit einem Theil der Charlottenburger und Küders- 
orfer Proben übereiustimmon; es fehlen hier allerdings die gelb- 
ehcu Farbentöue und die einzelnen Farben vertheilen sich augen- 
cheinlich meistens schichtweise auf dünne, gleichmässig gefärbte 
(äoko, doch kommen in 462 — 467 Meter Tiefe auch roth und 
rünlieh-grau geflammte und gesprenkelte Schichten vor, ferner 
ritt hier noch Gips auf, der in Rüdersdorf in diesen Schichten 
;ar nicht mehr, in Charlottenburg nur in ein paar kleinen Brocken 
eobachtet ist, woraus der Schluss abzuleiten ist, dass die tiefsten 
?paudauer Schichten wohl noch einige Meter höher im Profil 
iogeii (das Lettenkohlenflötz ist ja dort auch nicht erreicht, wenn 
uch die liegendste Schicht aus 4? 4,2 - 486,2 Meter Tiefe aus bräun- 
ich-violettem und grün-grauem, glimmerfuhrendem, stark thonigem 
Randstein mit Pflanzenresten besteht). Die von G. Berendt als 
:alkarm beschriebenen Schichten sind gar nicht so kalkarm, sondern 
lur doloinitisch, brausen dem zu Folge erst lebhaft mit Salzsäure, 
venu sie pulverisirt sind. 

Die Analysen der Bohrproben von Charlotten bürg, Rüders- 
lorf und Spandau ergaben die auf S. 172 abgedruckten Resultate. 

Es ergiebt sich also aus allen diesen Vergleichen, dass die 
!^roben der Charlottenburger Bohrung aus 212 — 246 Meter Tiefe zu 
Jen obersten Schichten des Kohlenkeupers an der Grenze zum 
jipskeuper gehören und dass die in Spandau erbohrten Keuper- 
chichteu zum untersten Gipskeuper und in ihren tiefsten Schichten 
loch zum obersten Kohleukeuper gehören. 



C. Gaciki., Uobor dioi AafBchliü 



oOooopPP 



8! ff 'g s fe a S *S fe 



V 



Chkrlottanboig 
S20— 324 IIa!«' 



CbwloUenbiirg 
323 Meter 



RBdoredorf V 

282—300 Meter 

greulich o.rötUicl» 

Kaderedorf V 
282-300 Uel« 
gräolich-gelbaacS 
rätblicli geflamaifc 

Büdwadorf V 

805 -34G Meter 

gelb und rötblicta. 

gäflunml 

SpniidkD 

418-422 lldar 

p-äne Probe 



Ja -429 Meter 

rolhe Probe 



^ 53—463 Meter 
rotbe Probe 



Spuidiu 

453-4i;2 Meter 

graue Probe 

Böderedorf V 

282 - 300 Mfter 

du nket weinrolh 

Probe 



üntergmnd tod BerÜD. 173 

IL Bohrung. 

lin, Wedding (Reinickendorfer Str. 2a, 
Soolbohrung Maria). 

hruug ist bereits von G. Berendt : Der tiefere Unter- 
Berlin, Seite 50, vollständig publicirt; sie bat, abge- 
den hier nicht iuteressireuden jüngeren Schichten, 
u getroffen, der bis 285 Meter reicht; er ist in den 
lichten hellgrünlich-grau, schwach kalkig und sehr 
ssUien sind nicht darin gefunden, die Bestimmung 
nithin im Wesentlichen auf die Analogie mit dem Profil 
sehr zahlreichen Berliner Bohrungen, die bis zu ähn- 
D Septarienthon ergeben haben. 

-289 Meter folgen harte, hell- bis dunkelgraue, 

grünlich -graue und röthliche Thone 
und Schwefelkies. Die Thone sind 
völlig kalkfrei, stark verhärtet und beim 
Bohrverfahren in abgerundete Brocken 
von 5 bis höchstens 10 Millimeter 
Durchmesser zertrümmert. 
-293 » folgt hellgrauer, kalkfreier Thon, plastisch, 

fossilfrei (auch ohne Mikrofauna). 
-297 » harte, grünlich - graue, graue und röth- 
liche Thone und Schwefelkies. Die 
Thone sind wieder stark verhärtet, 
kalkfrei und liegen in Form von ab- 
gerundeten, 3 — 10 Millimeter grossen 
Brocken vor. 
-300 » bräunlich - grauer bis gelblich - grauer, 

sandiger, ^schwach kalkhaltiger Thon 
mit kleinen Brocken von rothbraunem 
und dunkelbraunem Thone isenstein und 
Schwefelkiesknöllchen. Hinterlässt beim 
Ausschlämmen nur Sandkörner und 
Thoneisensteinbröckchen, aber nicht die 
geringste Fauna. 




VuD 3(^0—304 Meter helignnrr, pbsttscbcr Xboa, 

(ihii€ jirdco Fossiliolult. I 

• du[ikolgran«r liu brSunlicb-graner, kill 

freier. pUstisrIier Tliftii mit gelMidu 

aml dunkelbraun -rot beiiThoDeUenstefi 

brodien von 3 — 5 Millimeter Durs 

tiie«8er iinil einvni Bnicb&tQck ein 

dDuk(>lgraiieD PlioEpboritknollp, die 4 

deuUicbe Lobenliuie eines Amuiottilt 

zeigt ; sonst völlig fusttilfrei (nncb ubf 

Mikrofaima). | 

Wohin die Schicfaten »ii» :>8.5-297 MoIt Tiefe gcbAron^ Wj 

eicl) l>i« jetzt nicht ermitteln, dw jeder Fuc«iliob«]l feblt und n 

fallende petrographiacfae Aebniicbkriten atcbt aosBadig tu nuu^ 

waren. 

Die Schiebten aws 297 — 306 Meter Tiefe mit ihren hrauoTOtht 
Thanei Senate in brock eben und grauen Phosphoriten r.eigen hesoad« 
in den brnun-grauen Proben eine »usserardentltcb grosse Aebniie 
keit mit den AiiiallbeMitbuncn von II«-rii)si]r>rr iiud zwar besoiide 
mit den Schichten, die dort in 307— 308 Meter Tiefe erbohrt sind 
und ebenfalls dieselben brauu-rotbeu Tboueiseusteine und di 
selben Phosphorite führen. 

Das Bruchstück der Phosphorit knoile ist leider nur erbse 
gross und lässt eben nur erkennen, dass es von einer ausgetüllt' 
AminoDiteiikainmer stammt; das Bruchstück ist aber zu klein, u 
auch nur eiue gencrische Begtimmuug des Ammoniten zu erm» 
liehen. 

Bei der geringen Entfernung — etwa 12 Kilometer südlich 
von Hermsdorf und der petrographischeu Uebereinstimmimg ir 
den dort in gleicher Tiefe erbohrten Schichten ist die A. 
nähme des gleichen Alterg beider Schichten höchst wahrscbein]i< 
doch finden sich nach einer freundlichen Mittbeilung mein 
tJollegeu Denckmann im uördlichen Vorlande des Harzes g 
wisse Schichten des unteren Lias ebenfalls in einer ausserordeutli< 

') G. BKitKüur; Erbohrong jurassischer SuhiuLteu unter dem Tcniär ' 
llermsdorr 1>n Berlin. Die.-<ce Jabrbucli ISIK), S. 8;i. 



Untergrund von Berlin. ]75 

ähnlichen petrographischeu Ausbildung mit deuselbeu Thoueisen- 
steinknollen und Phosphoriten, so dass eventuell auch an unter- 
liassisches Alter dieser Schichten zu denken wäre; dass die 
Schichten aber überhaupt zum Lias gehören, dürfte nicht dem 
geriogsteu Zweifel unterliegen. 

III. Bohrung. 

Pankow bei Berlin, (Kaiser Friedrichstr. 21 — 29). 

In diesem nördlichen Vorort von Berlin ist im Laufe der 
Jahre 1899—1901 für eine Brauerei eine Bohrung auf brauch- 
bares Wasser ausgeführt worden, die bis zur Tiefe von 297 Metern 
'herunter gebracht werden musste, ehe sie diesen Zweck erreichte. 
♦ on dieser, wie sich allmählich erwies für die Kenntniss des vor- 
^^rtiären Untergrundes von Berlin ausserordentlich wichtigen, 
Bohrung sind leider nur sehr unvollständige und lückenhafte 
Proben, zum Theil mit sehr weit aus einander stehenden Tiefen- 
Wahlen in den Besitz der geol. Landesanstalt gelangt, so dass das 
Profil leider sehr unvollständig: und zum Theil noch zweifelhaft 
Weiht. Wichtig ist die Bohrung vor allen Dingen deshalb, weil 
Sie zweifellose Kreideschichten mit mindestens 80 Metern Mächtior- 
keit im Untergründe von Berlin nachgewiesen hat und zweitens, 
"^eil es die erste und einzige sehr tiefe Bohrung ist, die das 
Oligocän in Berlin durchsunken, und keine Soole, sondern süsses 
Wasser ergeben hat. 

Die vorhandenen Proben ergeben folnrendes Profil: 
0—60 Meter fehlen. 

^ oti (;0 — 124 » Miocän: Braunkohlen, Kohlensande, Glimmer- 
sande, Kohlenkies, Kohlenletteu. 

^ <=^ii 124 — 135 » helle Glimmersande (Oberoligocän?). 

^n 1.35—140 » kalkfreier, grauer, sandiger Thon mit 

Schlieren von Glaukonitsand. 

^ ^n 140 — 146 » kalkfreier, grauer, saudiger Thon mit Pyrit. 

Bei 205 » hellgrauer, schwach kalkhaltiger, plastischer 

Thon. 




Von 21)0 
Diese ergaben 



Meter üuukelgrauer, kalkfreier Thon, mtt vieleiB| 
zum Theil zersetztem Schwefelkies. Dm 
Schichten von 135 — 20li Metern eiit- 
halten keine makroskopische Fauna; auf 
Mikroi'auna sind die kleinen Proben uocfa 
nicht untersucht — ob sie- ziiiu Septarien- 
thoo geh&reu oder älter sind, niuss dem- 
nach vorläufig unentschieden blcihen. 
" fehtea wieder die Proben. 
■ und von 245— 'iGO Meteru lifgeu zwei Probeo 
vor. Es eiud weiseliche (mit 
Stich iu's Hellgraue), zu kleinen ßroL-kro 
xertrOmmertc Kalke, die durch Kalk- 
schlamcii lose verkittet sind. Die ProlwO 
machen durchaus den Eindruck, al« wfna 
eine Schichleufolge von hellrii P\itn-T- 
kalken und weichen Mergeln durdi ilw 
Bohrverfahren zerlrfimmert, die wi-idii'n 
Mergel in Schlamm verwandelt, il'"" 
härteren Bänke in kleine Bruehsini'k'' 
zerstoseen sind; makroskopische Fsuos 
ist nicht erkennbar. 

und 288—290 Meter liegen drei kleine Proben 
von hellgrauem, kalkhaltigem Thon vor, 
ohne makroskopisch erkennbare Faun»; 
ausserdem zwei Proben mit der Tief*"' 
angäbe 260-290 Meter und 279-290 
Meter, beides dunkelgrflnhche, sauJig^ 
Thone. Die letzte Probe ergab beim 
Schlemmen sehr zahlreiche grosse Glauco- 
nitkörner, viel Quarzsand, Brocken ^oo 
hellem Glaukonitsandstein, kleine diintfl' 
graue Phosphoritknollen und klein? 
Fragmente eines sehr kleinen BelemniteU' 

-292 Meter folgen ebenfalls grtine, saudige Thooe- 
heim Schlemmen ausser den Glaukouitkörnern, den 



Üotergrand von Berlin. 177 

bellen GlaakonitsandsteiDeu und kleineu duokelgrauen Phosphorit- 
knoUen noch flünf minimale Schalen einer ganz jungen TerebratuUna 
(chrjfsaliafy^ 2 kleine Haifischzähne, 1 Fischwirbel, etwa 1 Dutzend 
Foraminiferen, zwei in Phosphorit verwandelte, sehr beschädigte 
Bivalven, von denen eine aber mit Sicherheit als Aucella gry- 
pkaeoides Sow. zu bestimmen war, ferner sehr zahlreiche, ganz zer- 
stossene Bivalvenschalen, die sich nicht sicher bestimmen lassen 
und etwa ein Dutzend Belemnitenfragmente. Diese gehören offen- 
bar zu zwei verschiedenen Formen, die sich durch ihren Erhaltungs- 
zustand und die structurelle Beschaffenheit des Rostrums deut- 
lich unterscheiden. Die eine Form, zu der das grösste Bruch- 
stück (Spitze) von 12 Millimeter Länge und 5 Millimeter grösstem 
Durchmesser gehört, hat eine schlanke spindelförmige Spitze und 
einen kreisrunden Querschnitt, ist dunkelgraubraun, hat eine rauhe, 
matte Oberfläche und ist durchweg trübe und nicht durchscheinend; 
sie ähnelt durchaus den jungen Exemplaren von Belemnites ultimus 
d'Orb., die von den verschiedenen Fundpunkten aus der nördlichen 
Umgegend des Harzes vorliegen. 

Die anderen BelemnitenbruchstQcke sind noch kleiner, sie 
sind hell und durchscheinend, von dunkler Bemsteinfarbe, haben 
eine glatte, glänzende Oberfläche, ihre Spitze ist ebenfalls schlank 
spindelförmig, ihr Durchschnitt ist aber nicht genau kreisrund, 
sondern etwas gerundet viereckig und sie gehören offenbar zu ganz 
jungen Thieren. 

Nach den Darlegungen von Strombeck i) über die Unter- 
schiede von Belemnites ultimus d'Orb. und minimus List., wonach 
letzterer auch in jungen Exemplaren immer die charakteristische 
keulenförmige, ganz ausgewachsen oft die attenuate Spitze, jener 
immer die spindelförmige Spitze haben soll, müssten diese Exem- 
plare ebenfalls zu Belemnites ultimus gehören. In der That habe 
ich in der Sammlung der Landesanstalt ganz junge Exemplare 
des Belemnites minimus List, von verschiedenen Fund punkten des 
Harzrandes gefunden, die nicht grösser waren, als die Belemniten 



Üeber den angoblichen Gault von Lüoeborg, Zeitschr. cL Deatsoh. geol. 
6». 1893, Bd. XLY, S. 489. 

JahrbaUi 1900. 12 




dieser Bohrung und gauz iinvcrlieiiubar die keulcnfönitigc Spitze 
zeigtep. 

SchlCtkr dagegen •), der die einzigen guten Abbüduiigea 
von lieUm. tätimu» d'Orb. gegeben bat, legt den Haitptwi.'iib filr 
die Uutersclieiduug des Belem. tUtimus d'Orb. vom Belem. mitiivuit 
List, auf den kreisrundea Quersdinitt des ersteren und dea qua- 
dratischeu Qnerecbnitt des letzteren. 

Nun verdanke ich der Freiindlicbkeit meines C'oilegeu 
MCller eiuige junge Exemplare von Belemuitee minimtu niis 
zweifellosen] Ganit von Wallmoden, die nicht die keulenförmige, 
sondern eine schlank spindelf5rniigp Spitze aufweisen, aber eben&o 
wie die anderen Exemplare des Bdem. mmimua auch nicht genau 
kreisrund, sondern gcnindet viereckig sind und ebfuso wie die 
undern mir zugänglichen Exemplare des Belevmitfa mintmuti die- 
eelhe charakteristische, btructurelle IJescbafl'eubeil des Hostnims 
zeigten, wie die kleinen Brucbi^tQcke unserer Bohrung, die 
MüLLEK Dach seinen Erfahrungen fltr durchaus charakte- 
ristisch für Behmniten minimu/i hält, weshalb er die Pankower 
Form auch /.u dieser Art zu zäbleu geneigt ist. Bei der Klein- 
heit der Fragmente und der Jugend der Exemplare wird sich 
eine ganz sichere Bestimmung nicht treffen lassen — jedenfalls 
kauu die Bestimmung nur zwischen diesen beiden Arten schwanken. 
Ich halte es auch nicht ftlr ausgeschlossen , sondern , bei der 
Mangelhaftigkeit aller Proben sogar für sehr wahrscheinlich, dass 
die beiden verschiedenartigen Belemuiten nicht aus derselben 
Schicht stammen, sondern dass die drei rauhen, trOben, im Quer- 
schnitt kreisrunden Rostra aus höheren Schichten nacbgefalten 
sind, besonders weil gerade in diesen Schichten die Bohrung lange 
Zeit stockte, so dass damit die Möglichkeit, dass die glatten, 
glänzenden, im Querschnitt gerundet viereckigen Kostra zu BeUm- 
nites miitiniwi List, gehörten, erheblich wahrscheinlicher würde. 

In dem Bohrloch Greifswald, das seiner Zeit von DaukS 
beschriebeu ist*), sind, wie nachher näher bewiesen werden wird, 
fast genau diesctbeu Schichten wie hier in Paukow erbohrt; dort 

') PalaeoDtographica, Band ^4, S. IM ff., Tftf. ä2, Fig. 1—5. 

') Zduchr. d. Deubiuli. gaol. Gesetlsch. 1»U4, Bd. ZXIV, S. i)74 ff. 



f Üntergrrund von Berlin. 179 

sind auch dieselben BelemniteD mit denselben cbarakteristischen 
stracturellen Unterschieden gefunden , allerdings in verschie- 
denen Schichten ; die von Dames als Belemnites ultimus bestimmten 
ranhen, matten Fragmente stimmen mit den gleichartigen Pan- 
kower Formen überein; die Greifswalder Exemplare der Belem- 
fdU9 minimua zeigen dieselbe Beschaffenheit der nicht genau kreis- 
ronden, glänzenden, glatten, durchschimmernden Rostra, wie die 
anderen Pankower Formen; sie sind aber auch zum Theil ganz 
tnsgewachsene Exemplare mit der charakteristischen attenuaten 
Spitze des Alters, die zweifellos bestimmbar sind. 

Sollten die Fragmente der glatten, glänzenden, durchscheinen- 
den Belemniten wirklich zu Belemnites minituus gehören, so würde 

scheinbare Zusammenvorkommen dieser Gaultform mit dem 

inües vltimus sich ungezwungen durch einen ganz gering- 
%igen Nachfall erklären lassen, da in Greifswald die glauko- 
oitischen Thone, die Belemnitea tdiimus führen, nur 2 Fuss mächtig 
sind and dicht über den Thonen mit Belemnites mtntmus liegen. 

Femer erhielt ich noch nachträglich auf dem Bohrplatz 
«ine kleine grüne Thonprobe »aus etwa 290 Meter Tiefe«, die 
l>€im Schlemmen ausser den kleinen grauen Phosphoritknollen und 
den ßlaukonitsandsteinbrocken ein grosses vollständiges Exemplar 
der Aucella gryphaeoidea Sow. lieferte, welches zwar grössten- 
teils nur als Steinkern erhalten war, an beiden Wirbeln aber 
Qoeh auf 5 — 10 Millimeter Erstreckung die Schale aufwies und 
P^i zweifellos zu bestimmen war. 

In 292 Meter Tiefe folgte dann eine Schicht sehr harter, 
dnnkelgraugrüner, durch Phosphorit verkittete Glaukonitsandstein- 
biollen von sehr charakteristischer Beschaffenheit. 

Der Phosphorit bildet nicht nur das zähe Bindemittel der 
^nzelnen Quarzkörner, sondern durchzieht auch in 1 — 3 Milli- 
metern dicken, grossen reinen Schlieren und annähernd concen- 
trischeu Lagen die ganzen Knollen. Genau dieselben Phosphorit- 
inollen sind auch in dem Greifswalder Bohrloch in 470 520 
Fu88 Tiefe gefunden. 

Aus 296,5 Meter Tiefe Hegt dann noch eine Probe eines 
Juakelgrünen sandigen Thones vor. 




Von 297 — 307 Meter endlich folgt eiu lockerer lieller 
GlaukonitsaDt], iu dessen Pioheu ebenfallä keine Fauna erkennbar 
ist, der aber reichlich süsses Wasser ftlhrt, das bis 7 Meter unter 
Tage luifsteigt 

Endlich erhielt ich noch auf dem ßohrplats eine Probe eine« 
giiiiz weicheu, weieaea KreideEchlamnies ohne Tiefcnaogabe und 
ohne makroskopisch erkennbare Fanna, sowie endlich Proheu eines 
eigeuthflmlich Qeischrotbeu, etwas tbonigea Kalke«, ebenfallä ohne 
Tiefenangabe nur mit dem IJeinerken, daas sie schon einige Monate 
vor Scbluss der Bohruug, also wenigstens 50 — GO Meter Ober der 
tiefsti-a Schicht hern losgekommen wäre. 

Dieser rothe thonige Kalk erinnert seiner petrograpbischen 
Besähaffeuheit nach sofort au den Mytiloides - Planer, stimmt 
iu der Farbe genau mit den "rothen Kreidethoucuo (Schicht c) 
der Bohrung Greifswald (362- 3C6 Fuss) überein, und weicht nur 
insofern von letzterer Schicht etwas ah, als diese mehr tbonig 
eutwickelt ist. 

Betrachtet man nun die fiQr eine Altersbestimmung beautz- 
bareu Daten der Bohrung, so beweist diis eine grSeste Rostrtun, 
das wohl ganz sicher zu BeUmnitea viümue d'Orb. gebSrt, dass big 
etwa 290 Meter Tiefe noch Cenoman vorhanden ist 

Aucella grijphaeoide» kommt am Harzraude besonders häufig 
im Gault vor, geht aber auch stellenweise ziemlich hoch iu'a Ceno- 
mau (LOneburg cf StrOmbecK 1. c.)- 

Die Terebratulinabrut ist so jung, dass sie uicht sicher be- 
stimmbar ist, man kann nur sagen, dass es eine Verhältnisse 
massig grobrippige Form ist. Die Foraminifefen sind noch nicht 
untersucht, beweisen ja aber auch uicht viel. 

Petrograp bisch stimmen die Greifswalder zweifellosen Gault- 
schichten — glaukonitische Thone und Sande mit den charakte- 
ristischen Pbosphoritknollen — eo genau wie nur mSglich mit den 
Pankower Schiebten unter 290 Meter überein, so dass bei dem 
relativ häufigen Vorkommen der Aucella gryphaeoides (3 Exemplare 
iu 2 kleinen Proben) und der Aebniichkeit der glatten, gl&nzeudeu, 
iu Querschnitt gerundet viereckigen Belemniten wohl sicher diese 
Schiebten als üault auzusprecheu sind. 



ÜDtergrand von Berlin. 181 

30 Meter über dieser imgeföhren Grenze zwischen Gault und 

Cenoman liegen nun die weisslichen, plänerähnlichen Kalke und 

Mergel mit einer Mächtigkeit von angeblich 36 Metern und aus 

dieser Gegend müssen auch die Proben der fleischrothen, thonigen 

Kalke stammen, die petrographisch mit dem Mytüoides-Pläner 

übereinstimmen. 

Id Greifswald sind über dem Cenoman mit Belemnites 

ultimus 24^2 Fuss fleischrothe Kreidethone des Unterturon und 

darüber 188 Fuss = etwa 60 Meter weissliche Kreide-Thone 

des Oberturon gefunden; ob die entsprechende Deutung der 

Pankower Schichten möglich ist, ist mindestens sehr zweifelhaft, 

denn in Greifswald ist das Ccnomau anscheinend nur noch 2 Fuss 

Qiächtig, was auf ganz absonderlichen Verhältnissen beruhen 

tnuss; in Pankow ist es aber durchaus zweifelhaft, ob die rothe, 

dem Mytäoidea - Pläner ähnliche Schicht über oder unter den 

'W-eissen Kalken und Mergeln liegt, man möchte aus Warschein- 

lichkeitsrücksichten fast das erstere annehmen, da sonst für das 

C3enoman hier ebenfalls nur eine minimale Mächtigkeit übrig bliebe, 

cioch ist, wie gesagt, darüber absolut nichts Zuverlässiges mehr zu 

Ermitteln. Die Schichten aus 279—290 Metern müssen sehr ver- 

^t^einerungsreich sein, denn die ganz kleine erhaltene Probe lieferte 

^ine unverhältnissmässig grosse Menge von Muschelbruchstücken, 

^S^oraminiferen und sonstigen Resten; ein grosses Glas mit Fossilien, 

cJas von den Bohrarbeitern aus dieser Schicht gesammelt war, ist 

leider in Verlust gerathen. 

Was an dem Bohrloch aber besonders interessant ist, ist nicht 
Our der Beweis, dass derartige Ausbildungen der Kreide im öst- 
lichen Norddeutschland bis in die Gegend von Berlin herunter- 
Trieben, sondern auch der Umstand, dass unmittelbar westlich von 
diesem Kreidevorkommen eine grössere Verwerfung durchgehen 
mu88. 

1 1 Kilometer nordwestlich von Pankow hat das Bohrloch 
Rermsdorf in 236 — 323 Meter Tiefe Amaltheenthoue gefunden, 
4 Kilometer westsüdwestlich von Pankow ist, wie oben bewiesen, 
in 297 bis 306 Meter Tiefe ebenfalls Lias erbohrt; bei beiden Boh- 
rungen ist^ wie bei allen andern Berliner Bohrungen, die deu 



■ 



Se{ilurieDthon dui'ctieuukeii babeu, Soole erschrotet; hier liegt wecig 
östlich vou den beiden Lias vorkommen \a derselben Tiefe Kreide, 
die süsses Wasser fahrt. 

Da hei Aufang der Bobriing nicht zu Termiitheu war, diiss 
eie bis xu so grosser Tiefe heruutergebracht werden miieste, so 
wurden die Robre, die voq Anfang an etwas enge gewählt waren, 
allmählig so eng im Durchmesser, daes sie jetzt nur verhält- 
nismftssig wenig Wasser liefern können: es ist daher nicht 
ausgeschlossen, dass in einiger Zeit daneben noch eine zweite 
Bohrung mit weiteren Röhren heruntergebracht wird, bei der 
dann hotl'entlich das ganze Profil genau festgestellt wird. 



lieber einen nenen 
Anfschlnss im poinmerschen Tertiär. 

Von Herrn C. Gagel lo Berlin. 



In der Stadt Rügenwalde bei der Stuhlfabrik, etwa 4 Meter 
^ber N. N. ist im Sommer 1900 ein 94 Meter tiefer Brunnen ge- 
bohrt worden, der zuerst 40,3 Meter Diluvialschichten und darauf 
'^ Meter Tertiärschichten und zwar solche des Miocäns durch- 
^nk. Da nun in unmittelbarer Nachbarschaft von Kügenwalde 
überhaupt kein Miocän, sondern nur glaukonitischer Thon des 
*^nteroligocän vorhanden ist, die Aufschlüsse im Miocän auf den 
^dlich und östlich daranstossenden Blättern nur sehr klein sind 
*^d kein Profil von irgendwie erheblicher Mächtigkeit zeigen, 
^^sserdem den Verdacht erwecken, dass es sich bei allen oder 
^^1 der Mehrzahl nur um losgerissene, im Diluvium eingebettete 
^choUen handelt^), so möge das Profil der Bohrung hier mit- 
i^theilt werden. 

0—40 Meter Geschiebemergel ^) mit 2 Grandbänken bei 5 bis 

6,30 Meter und bei 9,50—10 Meter. 
40—40,3 » Gerolle und Geschiebe (nordische und creta- 

ceische). 

Siehe Erl&ateraogen zur geol. Specialkarte von Preassen, Lieferang 83, 
Blatt Laozig- Witte, Saleske, Gropenbageo. 

^ Die beiden ersten Proben sind nur feiner, lehmiger bezw. kalkig -tho- 
niger Sand ohne Grandkömer und Geschiebe; die geol. Karte giebt aber in der 
guaea Gegend nur Oberen Geachiebemergel an, 




Mnter ilunkelhrauuer, fetter, kalkfreier Thon, etwas 
gliminerhaltig; die untersten 2 Meter fein ge- 
sctiichlct, mit piipierdflnneD, hellgrauen, san- 
digen Z wische nlagen. 

dunkelbrauner, saudiger Letten, wenig plastiech, 
ftlhlt sich rauh an, bis 46 Meter mit wenigen 
vereinz-eiten, tou 46 Meter ab mit zahlreichen 
bis pfefierkorng rossen QuarzkSrneru ; zwischen 
46 — 48 Meter ein etwa erbsengrosses und 
2 — 3 etecknadelkopfgrosse Kalkgerölle, sonst 
ganz kalk frei. 

grauer, niittelköruiger Quarzsand. 

dunkelbraun er, sandiger Letten mit vielen Qu^ 
körnern und zahlreichen, weissen Gliniraer- 
blättcben, bei 51 Meter eine ThoneieeDsteiu- 
concretion in Form eines abgeflachten Ro- 
tationsellipsoides mit etwa 5 Ceotimeter 
grösütem Durchmesser'). 
i dunkelbrauner, sehr sandiger Letten, glimmer- 

hallig, mit feinen, grfluen Sandstreilcheu. 
> hellgrauer, sehr feinsandiger Letten bis thouiger 
Staubsand mit Schlieren und Streifen von 
weissem Staubsand; fbblt sich eatnmetweich 



58— (!0 » graubrauner, sandiger Letten, glimmerhaltig, 
mit dünnen, feinsandigen Zwiscbenlagen. 

60 — 64 » hellgrauer, thoniger Staubsand. 

64 — 71 » grauer, feiner, glimmerhaltiger Quarzsand; zwi- 

schen ßS — 70 Meter mehr bräunlicli geßlrht. 

71—77 » hellgrauer, saudiger, glimmerhaltiger Letten, an 
einer Stelle eine ganz undeutliche, verkohlte 
Pflanzenspur, die letzten 2 Meter sehr sandig. 

77 — 79 » feiner, grauer, glimmerhaltiger Quarzsand. 

') Eine im Lshor&lorinni der kgl. geol. LandeiutBtklt avegaführta Äita\jm 
ergab für die lussere Schicht einen PhotphorsluregehBlt toa 0,448 pCt. P,0|' 
für den Kern einen solchen von 0,425 pCU PiO». 



G. Gaobl, üeber einon ocaen Aufsolilass im pommerBcLen Tertiär. 185 

I — 83 Meter thoniger, grauer, feiner Quarzsand mit GHinmer- 

blättchen; zu lockeren Klumpen zusammen- 
geballt. 
3—85 » sehr saudiger, grauer Letten, flQhlt sich rauh an. 
5<-88 » dunkelgrauer, thoniger Quarzsand, mit einzelnen 

Glimmerblättchen, zu lockeren Klumpen zu- 
sammengeballt; in einem ist eine kleine, 
flache Kalkausscheidung von etwa 5 Milli- 
meter Längen- und 1 Millimeter Dicken- 
durchmesser, enthalten. 
'8-91 » weisser, etwas glimmerhaltiger Quarzsand. 

1—92 » dunkelbrauner, ziemlich fetter, fein geschichteter 

Thou, mit ganz feinen Sandstreifchen und 
vereinzelten pfefierkorngrossen Quarzkörnern, 
5 — 6 bis erbsengrosse Markasitknollen und 
] Stecknadelknopfgrosses KalkgeröUe enthal- 
tend. 
i—dA » dunkelbrauner Letten, mit zahlreichen pfefier- 
korngrossen Quarzkörnern. 
Schluss der Bohrung. 
Das ganze Tertiär - Profil ist mit Ausnahme der 4—5 er- 
nten Kalkköruchen vollständig kalkfrei, die Proben (eingesandt 
der Westpreussischen Bohrgesellschafl in Danzig) sind sehr 
er und frei von jedem sonstigen Nachfall; nur in der ersten 
iärprobe, unmittelbar unter dem Diluvium (aus 40,3—42 Meter), 
in sich einige Körner von Kalk und nordischem Material 
en an die Thonproben angedrückt. 

Die nächsten Aufschlüsse von Miocän liegen auf den südlich 
östlich anstossenden Messtischblättern imd zwar finden sich 
ebenfalls dunkelbraune, fette, kalkfreie, glimmerhaltige bis 
merreiche Thone, die zum Theil durch sehr sandige Thone in 
igen Glimmersand übergehen und Quarz- und Glimmersand. 
Auf Blatt Rügenwalde ist das Tertiär nur durch glaukonitische 
Qe mit Phosphoritknollen und Glaukonitsand vertreten und zwar 
n diese Uuteroligocänbildungen 3,5 Kilometer nordöstlich von 
mwalde bei Zizow. Die tiefe Bohrung in Kügenwaldermüude, 



18« C. G« 



, OvW ei 



Q Anriiuhtuu tu ponnDtnchen Terlitr. 



3 Kilometer uördlicli «od Kng^uwalde, bat, wie bekaaat, 134 Meb 
Diluvinm (tiauptBächlivb Geecbiebt'mer^l), vou 134 — 134,7 Meb 
;terstörtes Tertiär, mit PboüphoritkaolIeD und daruDfer Senotl 
Kreide durchs u nke □ ; toq deuk in dieser neuen Bobruog aogc 
trofieiieD Miocän i^t dort aber nichts geftmdeD; umgekehrt zeig 
dieüe neue Rogenwalder Bohrung keine Spur tob den gUukoni 
tischen Schichten und Pbotiphoritkuollen, steht also noch vdU 
ständig im Miocän. I 



^wei nene AnfschlüHse von marinem Ober 
Oligocäti im nördlichen Hannover. 

Von Herrn W. Koert in Berlin. 



Von der Kalibohrung bei Rosentbal unweit Bleckede a. d. 
''Ibe hat bereits Ochsenius (Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 
^d. 51, S. 183) ein Soolevorkommen im Unter-Oligoc&n bekannt 
^macbt; sodann ist von G. MOllbr (dieses Jahrbuch fikr 1899, 
*• LIII) ein Profil der durchbohrten Diluvialschichten geliefert. 

Auf Grund des nicht sehr reichlichen Probenmaterials, welches 
urch Herrn Dr. Ochsenius in die Sammlung der geologischen 
^andesanstalt gelangt ist, Hess sich feststellen, dass bei 106 Meter 
Qter Flur ein mürber, thonstreifiger, glimmerreicher Kalksandstein 
Qgetroffen wurde mit Braunkohlestflckchen und einer Fauna, die 
ich durch Arten wie Ficula simplea Beyr. und Pleurotoma ra- 
'so^a Bast, als miocän zu erkennen giebt. Von etwa 115 Meter 
ib bis mindestens zu 141 Meter durchbohrte man dann eine Folge 
^on thonigen, kalkhaltigen Glimmersanden mit einer Einlagerung 
'on mürbem Kalksandstein (bei 11 9,5 Meter) und von kalkig- 
sandigem, dunklem Glimmerthon (121 — 122 Meter), einen Complex, 
den man auf Grund der eingeschlossenen Fauna als marines Ober- 
Oligocän deuten muss. Von den über 40 Arten, die sich isoliren 
Viessen, seien hier folgende genannt: 

Äporrhaü speciosa Sohl. sp. var. Margerini Betr. 
Murex Deahayen Nyst. 
M, Lamarekii Grat. 
Tiphys Schlotheimi Betr. 



Trilo»iitm ßaadritum de Kon. 
Fusu» thiufahu Ntst. 
Natta SeUotArimi BsTR. 
Voluta Sinmeni BoLU 
AnaÜaria obtoUia BbOOC. 
Ctutit mfffapolitana Betr. 
PtfvnXoina rttftäaria db Koh. 
n. Komnckii Ntst. 
Fi. latidana BetR. 
PI. DwJuutfiü Ntst. 
/Y. obeiitcv* Desm. 
VanttUaria eeuha Sou sp. 
C Mitraej'ormi* Bbocc 
CtnAium triliiuatitm PHO. 
C. hüort/untum PuiI.. 
\atifa ackaUttfif DB KOK. 
TurriUtUt Ga'ititM Spbtbr. 
XfmopAorü acrmfaria PHIL. 
Calgptnxea depretta IaUL 
Btäla cylmdracfa Pbkk. 

Prttn btiiAu MCnst. 
P. tfmidnffHlahu MCkst. 
P. Uo/wuatm CiOLDF. 
P. »tritttoOHtatH» MCirST. 
tWtttnadiu Phäippü Desh. 
lÄmpptü rrti/'frtt SsMP. 

L. pyymaea MCtsst. 

C nmurit/Mat Broks. 
/.«ctM SrA/«*»bafki T. KOBX. 
L. ^tmcmIm* r. Kokk. 
rjrprnu *ahtmd»t^ A. Bb. 
ftaemrJi» m t t rw mM t rm d'Owl 



Ober-Oligocän im ndrellichen Hannover. 189 

Astarte laeoigata Mönst. 
A, pygmaea GOLDF. 
A, Kidcxi Ny8T. 
Ooodallia Koeneni Spetbr. 
Syndoamya Bosqueti Nyst. 
Saxicata aretica L. 
Caryophyllia (?) granulata MÜNST. 
CaryophyUia cf. crassicoata Kefst. 

Im AllgemeineD gleicht diese Fauna der des bei Malliss au- 
telienden Ober-Oligocäns, wie sie durch Geinitz (Mecklenb. 
rchiv Bd. 46, S. 69) bekanut geworden ist. Beinerkenswerth ist 
as Vorkommen von CanceUaria mitraeformis Brocc, einer Art, 
ie uach der bisherigen Kenntniss erst in dem untermiocänen 
olsteiner Gestein von Stolpe und Steinbeck auftrat, hier in 
>senthal, sowie in der weiter unten zu besprecheuden Bohrung 
Q Schmardau indessen bereits im Ober-Oligocän sich zeigt. 
ISS hier nicht etwa eine Vermengung mit Fossilien höherer, 
ocSner Schichten stattgefunden hat, geht daraus hervor, dass 
h diese CanceUaria zusammen mit dem oligocänen Fusus elon- 
^ Nyst. aus Proben des Bohrkerns von 128 und 129,5 Meter 
schlemmen liess. Es handelt sich hierbei um diejenige Form 
p CanceUaria mitraeformis^ welche Beyrich als C, parvula be- 
irieb, von der jedoch v. Koenen^) nachwies, dass sie mit der 
t BROCCHf 8 zu vereinigen sei. 

Herr Dr. W. Weissermel^ der die Bestimmung der beiden 
der vorbtehenden Liste aufgeführten Korallenarten gütigst über- 
Damen hatte, bemerkt dazu Folgendes: 

Caryophyllia (?) grannlata Münst. 

^onymik bei Rkus«: Zar Faana des deutschen Ober-Oligocäns. IL Antbozoen. 

(Sitzongsber. d. k. Acad. d. Wissensoh. io Wien, Bd. 50, 
1864, S. 615.) 

Diese im deutschen Ober-Oligocän weit verbreitete Art dürfte 

i dem Fehlen von Pali nicht zu CaryophyUia^ sondern eher zu 

trasmilia gehören. 



*) Das Miocan Norddeatschlands und seine Mollusken fauna, I, S. 29. 




Daa vorliegende, recht gut erlialteue Exeinphir stiuiiiit mit de 
Abbilduug und BeEchreibuug voxi Keüss (der über besseres Ma 
terial als Keferstew verfügte) im Weseotlicheu überein, zeigt abe 
einige Abweichnugen, die eine unbedingte Identification nicb 
zulassen. Uebereinetimuiuug besteht in der horaförmigen Gestull 
der kletneu Anwachsstelle, den ailgeiiieineD Dimensinnsverhältni 
(unser Exemplar ist etwas kleiner und schlanker als das voi 
RSDSS abgebildete), deu periodiscliuü Einschui'iruugen derfeingekör 
selten Aussenseite, dem ovalen Keleh, der allgemeiuen Aiisbildunj 
des Septal Apparates , den bogig granulirten Seitenflächen df 
Sepien und vor Allem in deu aufTaliend breiten und scbmalei 
Pali. Unterschiede bestehen darin, dass hei dem vorliegende: 
Exemplar die Sept«n erster und zweiter Ordnung auf dem Kelch 
rande wie auf der Aussenseite stärker hervortreten als in Rgpsj 
Figur, wodurch der Kelch einen mehr kautig-ovalen Querschnit 
erhält, ferner in der etwas grösseren Zahl der Pali (14, nacl 
Rguss 1 2) und der geringeren Länge der Septen der ersten beidei 
Ordnungen; nach Rbuss reichen dieselben bis zum S&ulchen, he 
dem vorliegenden Exemplar nur bis zur Mitte der Pali. Das 
unser Exemplar etwas zahlreichere Septen hat (52 gegen 4S) — 
dem entsprechen die zahlreicheren Pali — dflrfte nicht weiter iu' 
Gewicht fallen. Das Sänichen des vorliegenden Exemplars zeig 
einen sehr charakteristischen Bau. Es besteht aus mehreren (8 
stark hin- und hergewuudeuen Blättern. Bei den von Rgdss unter 
suchten Exemplaren scheint ea schlecht erhalten gewesen zu sein 
es wird nur angegeben: »die Axe besteht aus wenigen in eine 
Reihe stehenden Stäbchen, ist aber nicht ganz deutlich zu erkennen« 
In diesem Punkte mnss also die Vergleichnng unvollständig bleiben 
— Ob die Unterschiede, von deueu die wichtigsten die äusserücl 
stärker hervorragenden, daför aber kürzeren Septen erster um 
zweiler Orduung sind, den Werth der Übereinstimmenden Merk 
male, deren aufTallendsles die breiteu und schmalen Pah sind 



Öber-Oligocin im nördlichen äannoyer. 191 

i^rwiegen, Iftsst sich nur an grosserem Material feststellen. Die 
Zugehörigkeit zur Art uiuss daher vorläufig zweifelhaft bleiben. 

Eine der vorliegenden sehr nahe verwandte Form dürfte 
^' {Acanihocyatliui) vindobonensia ReüSS sein (Korallen des öster- 
'eichiseheu Miocäns, Denkschr. d. k. Akad. d. Wissensch., Wien, 
M. 31, 1872, S. 21, Taf. 2, Fig. 10, 11). Durch liebenswürdiges 
entgegenkommen des Wiener Hofmuseums konnte ich authentische 
Exemplare dieser Art untersuchen. Es ergab sich dabei an klei- 
leren Exemplaren (die Art wird erheblich grösser, als die vor- 
legende) eine frappante Aehnlichkeit mit unserer Art. Unter- 
chiede bestehen in erster Linie in den dickeren und kürzeren 
Mi, femer in den stärker hervortretenden Sepien erster Ordnung, 
ler stärkeren Körnung der Seitenflächen der Septen und dem 
twas dickeren Säulchen, das sonst denselben Bau aus unregel- 
nUsig hin- und hergewundenen, gekräuselten Blättern zeigt, 
abgebrochene Exemplare, die einen Querschnitt durch tiefere 
Cbeile des Polypen geben, zeigen, dass die Septen des ersten 
^yclns mit diesen gekräuselten Blättern verschmelzen. Endlich 
bestehen Unterschiede noch in dem Fehlen der Anheftungsstelle 
ind in den Stacheln auf der Aussenseite, die sonst dieselben gekör- 
leltea Rippen zeigt. Genügen diese Unterschiede auch sicher, um 
lie miocäne Form . specifisch selbstständig zu machen, so glaube 
>ch doch nicht, dass man sie einer anderen Gattung zuweisen 
larf. Die Gattung AcarUhocyathua unterscheidet sich von Caryo- 
pkjfUia nur durch das Auftreten von Stacheln auf der Aussenseite, 
em zwar leicht in die Augen fallendes , aber morphologisch 
i^ht nebensächliches Merkmal, und die vorliegenden kleinen 
Exemplare von A. vindobonensis zeigen die Stacheln auch nur 
^hwach ausgebildet. Die gestachelteu Formen dürften also kaum 
Diebr als den Rang einer Untergattung von Caryophyllia zu bean- 
Bpmchen haben. 

Einen Fall von ziemlich weitgehender Couvergeuz-Aehnlich- 
^^it zu den beiden hier besprochenen Formen dürfte Ceratotrochus 
^crepans ReU8S (1. c. Kor. d. österr.-ungar. Miocäus, S. 224, Taf. 20, 
ig. 14, 15) bilden. Im äusseren Habitus, dem oval -kantigen 
mriss, den stark hervorragenden Septen des ersten Cyclus und 




^ni Bmi des Stulcbeati etiaimt er mit beidea Arten auffu 
Qberein, mit C erasticotta aii§»er<l<?m io deai VorliaDdens^in 
Auheflungsstelle (Qbngens eiueiii s«>br uutergc^nltieUüi Merk 
Er unterscheidet sich von IrUttcn-r Art nur durch d:i» Fehlen 
Pali. Ee erscheint mir zweiMhufl, üb ilem Vorkommeti so 
Pali, wie Bie hier vorhandeu sind, die iiur durcb eiue tiefe 
kerbuDg des oberen Randes der Septen, wozu eventuell uocb 
Verdickung des abgeecbnarteu Tbeils kommt, so grosse moi 
logiscbe Bedeutung zukommt, dass bie die ZuwqisuDg von 
(besonders auch in dem charakteristischen Bau des Säuld 
einander sehr nahe stehenden Formeu ku verschiedenen Fan 
begrOudeu kann. 

Der zweite Aufschluss von marinem Ober-OligncJo fud 
in der Kalibohruug beim Dorfe Sclimunlnn sfidwcstticli voa 1 
acker a. d. Elbe, nier traf man nacli Angabe des Bohmae! 
in 192 Meter Tiefe unter Flur bis zu 200 Meter einen feil 
nigen QnarzglimmerBand mit prachtvoll erhaltenen Foss 
Leider war im October 1900 bereits der ßrflsste Theil de» 
förderten Materials dieser Scliieht auf die Halde cestflrzt, d 
Hessen sich nur etwa 24 Arten feststellen, nAotlich: 

f Stenomphalus WiecfiTnanni v. Koenkn. 

Terebra ßei/ncki Seuper. 

Conus Sempeii Speter. 

Na»ta Meyni Betr. 

N. Schlotheimi Bbyr. 

i Valuta ficulina Lam. 

Andüaria obuoUta Brocc. 

OUva fiammuiata Lau. 

Cassia Rondeletii Bast. 

Natica achuteiwü de Kon. 

N. dUalata Phil. 

TuiTttella GeiniL:i SPEYER. 

Ringicula striata Phil. 

Buüa cylindraeea Penn. 

Rüsoa rimata PHIL. 



Ober-Oligoc&o im nördlichen Hannover. 193 

Cahjptraea depressa Lam. 
Pectunctdu8 PInlippn Desh. 
Nucula peregHna Desh. 
Lucina praecedena v. Koen. 
Cypnna rotundata A. Br. 
Aatarte laecigata MOnst. 
Cytherea splendida Mer. 
C. Beyriehi Semper. 
Mactra trinacria Semper. 

? Stenomphalns Wiechmaiini v. Koenen. 

Von den vorliegenden Exemplaren stimmen die jüngeren sehr 
gut mit der Figur 10 auf Tafel I bei v. Koenen (Miocän Nord- 
d^utschlands I) überein, dagegen weicht ein älteres, sehr gut er- 
«alteues Stück von 25 Millimeter Höhe und 16 Millimeter Breite 
6f lieblich von der Figur 2 daselbst ab, vor Allem durch das stär- 
kere Hervortreten des zweiten Spiralkiels gegenüber den übrigen, 
Wodurch die Schlusswindung z. B. erheblich stärker gewölbt er- 
scheint, wie ich mich überdies beim Vergleich mit einem Exem- 
plar von Stenomphalus Wieehmanni aus dem hiesigen naturhisto- 
^> sehen Museum überzeugen konnte. Nun stellt v. Koenen das 
^^iner Figur 10 zu Grunde liegende Stück aus dem Holsteiner 
öestein von Stolpe nur als fraglich zu Stenomphalus Wieehmanni^ 
demnach wäre es möglich, dass eine Untersuchung, die sich auf 
grösseres Material stützen könnte, ergäbe, dass die Schmardauer 
Exemplare zusammen mit denen von Stolpe einer anderen Art 
^Ugehören. 

Erwähnt sei übrigens, dass Stenomphalus Wieehmanni Y, Koenen 
Sowohl von KoCH^) aus dem Sternberger Gestein, als auch von 
f^iENENKLAüS^) aus dem Ober-Oligocän des Doberges angeführt 
Wird. 

PYoluta flcnlina Lam. 

Es liegt ein gut erhaltenes, jüngeres Exemplar von G Win- 
dungen (incl. Embryonalende), sowie ein beschädigtes, etwa gleich 

1) Mecklenb. Archiv Bd. 30, S. 141. 

*) 8. Jahresber. d. naturw. Vereins zu Osoabrfick 1891, S. 71. 

Jahrboch 1900. 13 




grosses StOck vor. iteide stimmen Gehr gut mit Exemplareu übe 
Pill, die im liiesigeu natLirbistoriscIicii Museum aus dem uute 
iniocftiieu Gestein von Segeberg liegen uud die xii i'oluta ßcuHi 
Lam. geböreü könnten, einer Art, wpicbe v. Kobnen (Miod 
Norddcutschlnnds I, S. 12IJ aus dem eboufoUs untormiocSm 
Holsleiiier Gestein vom Brotliener Ufer imfObrt. W. Wolff 
erwäbnt Valuta jicuHna aus der vou ihm zum Ober-Oligocän gi 
recbneleu »unteren Meerosmolasse« Oberbayerus. 

Obige FuuQä von Scbmardau mSilite icli schon nis obe 
oligocäu deuten, liHupIsilcblicb auf das Vorkommen des nur iititU 
und oberoltgocän ^) bekannten Conu« Semperi Sprteb bin, uud k 
glaube, an dieser Altersbeütinimung trotz des Auflreteiis der tnii 
ciiueu Naana Meyni Beyr. festhalten zu müssen, denn, wie gleit 
gezeigt werden soll, ist diese Art in derselben Bobruug >iA\<i\\ i 
ganz unz weife) halbem Ober-Oligocan Läufig. 

Wenige Meter tiefer nämlicb, um 203 Meter unter Flur, tn 
man in der Scbnmrdauer Bohrung eine etwa 2 Meter niScbtig 
Schaltrilnunersc-bicht, die bei nur spArlicbem Gehalt au Quan 
glimniersanil zum grössteii Tbeüe aus scharfkantigen Bruchstücke 
von Tw'nteüa Getnitzi Speyer besteht, andererseits aber auch gi 
erhaltene Schalen anderer Mollusken in nicht geringer ZaI 
eiuscbliesst. Da von dieser Schicht, welche auch dem Bohi 
meister sehr anfHillig war, das ganze zu Tage geförderte Ha 
terial aufgehoben war und mir zur Verfügung stand, so erga 
die Untersucbuug das Vorliandenseiu von über CO bestimiiihare 
Arten, nämlich: 

Murex Kocht Bbyr. 

M. Deskayesi Nyst. jut. 

Tiphys Scklolheimi Beyr. 

Tntonium ßandricutn DE KoN, juv. 

f Stenomphalus Wiechmanni v. Koen. 

'} Die Fauna der aüdbajcrischen Oligocünmolasse. Palneonlogr, Bd. 4- 
S. 4(W. 

') V. Küenkn: Das maTina Uittel - Oligoc&n Norddeutsch lands und M>iD 
MoUuakeufaUDä. Palaeontogr. Bd. Ui, S. 66. 



Ober-OligocAn im Dördlichen HanDover. 195 

Ficula reticulata Lam. 

F, eoncinna Betr. 

husua elongatu8 Nyst. 

Voluta decora Betr. juv. 

Cassis megapolitana Beyr. 

Oliva ßammulata Lam. 

Ancülaria obsoleta Brocc. 

Cancellaria mitraeformis Brocc. 

Terebra cincta Schloth. 

T. Beyrichi Semp. 

Columbella attenuata Beyr. 

Naaaa Schlotheimi Beyr. 

N. Meyni Beyr* 

Pleurotoma regvlaiHs de Kon. 

Fl, laticlavia Beyr. 

PL Dnchaatelü Nyst. 

PI. turbida SoL. juv. 

Mangelia obtuaangula Brogg. 

Homotoma Rappardi v. Koenen. 

Conus Semperi Speyer. 

Natica achatensü DE KON. 

N. däatata Phil. 

Sigaretus Philippii Speyer. 

Turritella Geinitzi Speyer. 

Turbonüla aubulata MiR. sp. 

Xenophara acrtUaina Phil. 

Adeorbia carinata Phil. sp. 

Calyptraea depreasa Lam. 

TornateUa punctato-aulcata Phil. sp. 

Ringicula striata Phil. 

Bulla cylindracea Penn. 

B, utricuhia Brogg. 

Anomia Goldfussi Desh. 

A, aspereUa Phil. 

Pecten bißdus Mönst. juv. 

Dacrydium pygmaeum Phil. sp. 

13* 




Homatoma Rappardi v. Kognbn. 

Synonymik bei v. Kokskn; DasNonldeutacbe Uoter-OligocäD und seino Hollmli^i- 
fsuD8, S. 506. 
Das einzige vorliegeude, sehr gut erhaltene Exemplar is' 
4 Millimeter lang und 1,7 Millimeter dick, es stimmt im Embrjnual' 
euile und in der eliarakteristi scheu ZwischeDsculptur gauz fiberei" 
mit deu Beschreiliungeii dieser oligocäuen Art bei Koch un» 
WiECHMANN (Meckleub. Archiv Bd. 25, S. 78, Abb. Taf. H, 
Fig. 3 b), sowie bei v. Koenen (Nordd. Uater-OIigocän, S. 506)- 
Auch die Stärke imd die Anordnung der Spiralen auf den f"'' 
gendcu Windungen ist ganz dieselbe, allein es unterscheidet siih 
unser Exemplar von dem Typus durch das gäu/.liche Fehlen tou 
Längsrippen, sowie durch die schlankere Gestalt. Homoto«'^ 
RajipaiiU gehört somit auch zu den Formen, welche, wie F«"" 



Ober-OligocäD im nördlichen Hannover. 197 

i'otatus Beyr. und Cancellaria mitrae/ormü Brocc, ihre Längs- 
rippuog gänzlich verlieren können, so dass nur eine Spiralsculptur 
zurfickbleibt. 

An der soeben aufgeführten Fauna der Schmardauer Bohrung 
lallt auf, dass in jener 2 Meter starken Schicht die kleinen Mol- 
lusken, zum Tbeil Jugendformen, so zahlreich sind, während 
grössere fast ganz fehlen oder doch nur in Bruchstücken vor- 
handen sind. PectunculuB Phüippi Desh. z. B. erreicht in dieser 
Schiebt nur einen Durchmesser von 1 Centimeter, während wenige 
Meter höher, von 192 — 200 Meter, die Exemplare fast durchweg 
einen solchen von 3 Centimeter aufweisen. Daraus darf doch 
wohl gefolgert werden, dass viele der erwähnten Mollusken keines 
natürlichen Todes gestorben sind. Hält man diesen Umstand zu- 
sammen mit der oben geschilderten Beschaffenheit des ganzen 
Sedimentes, so erscheint nur eine Erklärung möglich, auf die ich 
hei meinen Stu'dien Ober Nordseemollusken durch Herrn Prof. 
Hrincke auf Helgoland geführt bin. Hbinckb hat nämlich darauf 
hingewiesen, dass der an vielen Stellen der Nordsee sich findende 
Bruchschill herrühren dürfte von den Schollen, dem Seewolf und 
den Rochen, welche ihre Molluskennahrung zermalmen, dass da- 
gegen andere schalthierfressonde Fische, wie der Schellfisch und 
die Seezunge, die kein hinreichend starkes Gebiss haben, die 
Schalen unversehrt wieder abscheiden^). Ungefthr in derselben 
Weise erklärt Vekrill die sich im Bereiche des Golfstroms an 
den Küsten von Neu-England findenden Anhäufungen todter, so- 
wohl zerbrochener, als auch unverletzter Schalen, nur dass sich 
öaeh seiner Ansicht ausser Fischen noch Seesterne und Krebse an 
der Sedimentbildung betheiligt haben 2). Wir werden also das Se- 
diment aus 203 Meter der Schmardauer Bohrung mit vollem 
fechte in der Hauptsache uns auf ähnliche Weise entstanden 
denken dürfen, denn dann erklärt sich einmal die massenhafte 
Aühäufung von Schaltrümmern, andererseits aber auch das Vor- 
kommen von ganz unversehrten, zarten Schalen, wie die der Ano- 

') Hkixcke: Die Mollasken Helgolands. Wisscnschaftl. Me^resuntorsuchungeD. 
Wl, Heft 1, S. Ul. 

*) American Joam. of Science, BJ. XX lY, S. 450. 



198 W. KuKnT, Zwei Dcae Au^cblüMo s 

mieo oder dor Calyptraea, in dieecm Briicliscliill. Ger&de diesei^K: r 

letzte Umstand sclilieset die ErklfiruDg aus, dass unser Schal^ 

trüminersediinent etwa als kOsteniiahe Bildung durch die Ein 

Wirkung des Wellenschlages entstanden sei, ganz abgesehen vou-^^ 
den anderen hiergegen noch sprechenden Gründen. 

An dem oberoligocänen Älter der in Rede stehenden Schmar 

dauer Fauna ist wohl nicht zu zweifeln. Wir gelangen dann /□ 

dem Schlüsse, dass im Ober-Oligocftn der Schmardaner und nuch 

der Rosenthaler Bohrung bereits miocäne Formen auftreten, so z. B 

Na^sa Mm/ni, CanceUai-ia mitrae/oi-mie und ('olumhella otUnuata. 

Zu dem gleichen Ergebnis ist W. Wulff för Südbayeru gelangt^gg^ 
denn er führt (1. c, S. 2^9) aus der oberoligocflneu »nntereiHHa 
Meeres mo lasse« mu, dass sich von ihren 58 sicher bestimmt*^i^^ 
Art«a 12 (d.i. '21 pCt.) sonst nur miocäu tinden. 

Wird die obere Kaute des Über-Oligocäns der beiden he 

sprocbenen Bohrungen auf N. N. bezogen, so ergiebt sich für sic^E^ 
in Rasenthal eine Lage in etwa — 105 Meter, in Scbmardau einc- "* 

solche in etwa — 115 Meter, Da nun im benachbarten Meckleu 

bürg sich das Ober-Oligocäu bei Malliss in etwa -f-40 Mete^^« 
heraushebt, bei Meierstorf südlich Parcliim nach üeinitz') soga^^^ 
in -J- 85 Meter ansteht, so scheineu die tiefen Lagen des Ober — ■ 
Oligocäns in unseren beiden Bohniugen ftlr das Vorhand engeii^^*' 
eines Grabeneinhruches im Bereiche des Elbthales von Ilitzaeke ' 
bis Laueubnrg /,» sprechen. Vielleicht steht die nordöstlich^- '^ 
Bruchlinie dieses Grabens in Verbindung mit der von Gottbche'^^) 
im Geestrande bei Hamburg vermutheten Spalte, die südwestlich ^ 
ist zur Zeit noch nicht genauer bekannt, hängt möglicher Wei&— ^ 
aber zusammen mit dem Hervorragen älteren Gebirges bei Lün(=^ — - 
bürg. 

Durch den Nachweis von marinem Ober - Oligoc&n in de- x 
Bohrungen von Rosenthal und von Scbmardau ist die Gren^^ 
bis zu welcher jene Stufe im Gebiete der unteren Elbe bekaauf 
war, erheblich nach W. hinausgeschoben. Das neue nachgewieseue 
Ober-Oligocän ist dadurch bemerkenswerth, dass es bereits eiue 



i) Mecklenb. Archiv Bd. 41, S. 149. 

') Die Eodmoräaei] und das mariDe DiluTium SchleBwig-Holsteiii'. Th.H, S.6I 



Ober-Oligoe&n im nördlichen Hannover. 199 

Reihe von miocänen Formen aufweist, so dass aller Voraussicht 
nach für jene Gegend die Grenze zwischen dem marinen Ober- 
Oligocän und dem ebenfalls marinen Unter-Miocän keine sehr scharfe 
sein wird. Leider gestattete gerade der Mangel an vollständigen 
Probenserien nicht, auf diese Frage der Grenzlegung zwischen 
marinem Ober-Oligocän und marinem Unter-Miocän näher ein- 
zugehen. Ferner gaben die beiden neuen Aufschlüsse weitere 
Stützpunkte ab ftir die schon seit Langem geäusserte Ansicht, dass 
die erste Anlage zum dortigen Elbthal auf tektonische Ursachen 
zurückzuführen sei. Endlich lernten wir in der Schmardauer Boh- 
rung ein Sediment kennen, für welches wir nach Beobachtungen 
in heutigen Meeren eine eigenthümliche Entstehungsweise in An- 
spruch nehmen mussten^). 

*) An dieser Stelle scheint es mir ganz angebracht, darauf hinzuweisen, 
^^as die von BeBEifDT in seinen Arbeiten über das Alter der märkischen Braun- 
kohlenformation (so z. B. in: »Die bisherigen Aufschlüsse des mftrkisch-pom- 
^erschen Tertiärs und ihre üebereinstimmung mit den Tiefbohrergebnisscn 
dieser Gegend«) für gewisse Glimmersande oberoligocänen Alters eingeführte 
Benennung als »Meeressande« wohl für die Lausitz berechtigt ist, da hier ma- 
i^Qe Fossilien sich in jenen Sauden gefunden haben. Keineswegs ist aber eine 
solche Bezeichnnngsweise für die oberoligocänen Glimmersande des grössten 
Theils der Mark anznnehmen, so lange nicht durch Funde mariner Fossilien 
ihre marine Entstehung unzweifelhaft bekundet wird. 




Unicr dc-n Eililn'Icbni GcKlüebeD, welche wir in der uunl 
dentedim Ti«lrl"-Dc lorttirut TorfiitdeD, brmaspnidiCD die ä» 
Trias eatsUnmendeti ria bcsoadcres Intereaee. Einiual gfbSrco 
aie nt den «nergrOastca Srlt^Dheiten — es sind, ■bgee«ben von rbl- 
tifcbrn SADd^leinen, aoter d^o T>aäeDde& von Geschicbm kaiini 
awuizig echte Tri^^^^^^eb« Wkauni — . «loduiD aber kpoDfii ^"^ 
weaigstvnfi wu den UnschelkaU betrifft, kfin Vorfconiin«a i**" 
«jlbi-n Dfirllicb der Lini^- HeI*oUod— Lflneburg — Rftdirsdiirf 
OrrsJr dic%«r Iplzie UuiMaou bai da«n geiäbrt, dass zurril <J"' 
Beobachtung von Mii$cbelkalk-Gc«chirbeD Widerspruch eriiilir, 
lag dot.-b eine Verwechslung mil rerscUepptem Roderedorfer Kalk 
in niauoheu Fällen recht nahe, zamal da^ Absatzgebiet desselbeu 
ein recht ausgedehulc:^ i^. lodesä^n, die Funde mehrtro stcb, 
und honte ist die Exi^leBI von echten Tri«sgeschiebeD Ober jedfH 
Zweifel erhaben, l^ass tlutsächlich Trias, im Specielleo Musclid- 
kalt, nördlich der angeluhrteo Linie Helgoland- Lüneburg- RüiieR- 
d»rl' v<>rbaudea sein niitss. lehrt die Betrachtung, dk&s wir au diese» 
drei Punkten not.-h Bilduu^n des tieferen Meeres vor uns babeo, 
während jedi^s Auieiohen einer nahen Strandbildung fehlt. Frei- 
lich 1i>i-i sir'h hierau> nur der ^^hlu^S rieben, dsss weiter DÖrdlii'b 
von dicx'u Orten Tri»s vt-rhacden sein nioss: die Frage nach der 
iri'Uaih'reu Heintat unserer t.ie#*-hielie lisst sich daraus nicht be- 
antwortiu, 

.\»> Jeui lieV.vti .11-* iK^r.ideuiÄ'ben Flachlandes sind Trias- 



V. LiNSTow, üeber Triasgeschiebe. 201 

feschiebe wiederholt id der Literatur erwähnt, doch haben sich 
>ei genauerer Prüfung nur wenige Vorkommnisse als echte Trias- 
;e6chiebe erwiesen, da in manchen Fällen eine Verwechslung mit 
iluriscben Kalk-Geschieben oder verschlepptem Küdersdorfer Ge- 
teine vorlag. Sieht man von localen Anhäufungen (Rüdersdorf, 
lelgoland) und rhätischen Sandsteinen (von Schonen) ab, so be- 
cliräukt sich das Vorkommen auf folgende sichere Beobachtungen. 

Meyn^) erwähnt drei Bruchstücke von Ceratites nodo9U8 aus 
er Gegend von Stade. Sie stammen aus einer Kiesgrube im 
lugeren Diluvium, sind deutlich abgerollt und zum Theil mit 
isenscbüssigen Sauden des jüngeren Diluviums erfüllt, Kriterien, 
lurcb die ihre Geschiebenatur wohl genügend bewiesen ist. 

Von GoTTSCHE^) wurde ein Stück Muschelkalk bei Rixdorf 
iifgefunden, welches nicht mit Rüdersdorfer Gestein übereinstimmt. 
Cs enthält Gercillia, Myophona u. s. w., doch fehlt leider eine 
Angabe über den näheren Horizont des Muschelkalkes. Stolley^), 
ler diesen Fund erwähnt und die Richtigkeit seiner Bestimmung 
bestätigt, führt eine Reihe von Muschelkai kgeschiebcn an, die 
heils der Ostküste Holsteins entstammen, theils an der Nordküste 
Viccklenburgs gefunden wurden. Von den sieben besprochenen 
jreschieben wird eines (7), ein gelber Sandstein, als fraglich aus 
lein Buntsandstein angeführt, die übrigen vertheilen sich auf die 
bigenden Horizonte: Glaukonitischer Kalk, wohl als Aequivalent 
Jes Trochitcnkalkcs zu deuten (1), höhere Schichten des oberen 
Muschelkalkes (2 und 4), TrigonodusSQhxchieu (6). Ein anderes 
Stück (6) wird wegen seiner petrographischcn Beschaffenheit und 
wegen seiner Fossilführung mit dem Lüueburger »Lettenkohlen- 
mergel« verglichen. Da letzterer nach den neusten Untersuchun- 
▼en des Herrn G. Müller^) don TngonoduiSch\c\iieu trotz dos 
Fehlens von Triff onodus Sandbergen entspricht, so ist auch dieses 



«) Zeitschr. d. deutsch, geol. Gescllöcli., Bd. XXIV, 187->, S. 16. 

') Goognostische Beschreibung der UmgegeDd von Berlin. Von Bü^kendt und 
Danks. Abh. z. gcol. Spccialkarto v. Preussen u. s. w., VllI, 1, 1885, S. 10-. 

5) Schriften d. naturw. Vereins für Schleswig-Holstein, XI, 1898, S. 77. 

^) G. Müller. Oberer Muschelkalk auf der Schafweide Lüneburg. Dieses 
Jahrbuch f. 1899. 



I 



202 *■ Limn-ow, TTeb«' Triksgesehiebe. 

Stück tlemsi-llicn Horizont zu siu rech neu. Das letzte Geschiebe (3J, 
ein hellgrfluer Kalk mit Notliosauridea-Resten und einer T/ieeotfitra 
verweist uacli Stolley auf die Contorta-Zone und nicht, wie er 
zu gleicher Zeit annimmt, auf Oberen Muschelkalk oder Lett^u- 
kolile. Weiterhin wird vim demselben Antor noch ein Geschiebe 
erwähnt'), welches wohl dem Unlereu Muschelkalk angehört. Ks 
ualstammt der Gegend vou Wellingdorf hei Kiel und stimmt 
nicht mit Rüderedorfer Gestein dbereio. 

Sodann M'urden vou Deeckb^) nun unterdiluvialem Grand der 
Gegend von Neubrandeuburg zwei Triasgeschiebe eingehend er- 
örtert, über dereu Geschiebenatur kein Zweifel bestehen kaniki 
Beide gehörcü nach ihrer Fauna zum Tj'i^onorf«*- Horizont, Ebenso * 
haben wir es bei einem dritteu Geschiebeblock derselbeu Gegend, 
welches Deegke^} ausflthrlich beschreibt, unzweifelhaft mit einem 
echten Geschiebe zu thun. Der ITorixont scheint nach den Aus- 
ffthrungen vou Dbbcke ein etwas tieferer als der Tfiffonndut-Hon- 
zont zu sein, aber noch zur Lettenkohle zu gehören. 

Zu diesen wohl sümintlich echten Trias-Geschieben komm&V 
als neu hinzu ein von Herrn G. MüLLBR im Jahre I89il ge- 1 
summeltes Stflck, Dasselbe, welches anstehendem Unteren Ui— 
Schiebemergel vou Basedow, nördlich Lauenburg, entnomoien wurde, 
zeigt die Form eines stark abgeplatteten Ellipsoides vou 12 bezw, 
15 Centimeter Durchmesser. Die Farbe des sehr santligeu nnd 
glimmerreichen Kalksteins ist an der äusseren Partie eine brSun- 
lichc, im Innern dagegen besitzt das uuzersetzte Gesteia eine 
graublaue Farbe, die auf deu KluMäcben in eine rothbrauae über- 
geht, hervorgerufen durch reichliche Ausscheidung von Eisenver- 
bindungen. Auch bemerkt man im unzersetzteu Gestein kleine, oft 
nur 1 Millimeter grosse rostbraune Flecken von Eisenhydroxyden. 
Die stellenweise zahlreichen, aber stets schlecht erhaltenen Petre- 
tactcn bediugeu infolge grösserer Widerstaudst^higkeit ihrer Schalen 

') Schriften d. natunv. Vereins für Scbleswig-HolBtoin, XI, 1898, S. 139. 

') Dmcke, MoBcheikalLgeschiebfi von Neu -Brandenburg i. 11. Mitthwl. a. d. 
DBtarw. Vereio f. Nen -Vorpommern und Rägeu, Bd. XXIX, S. 12. 

") Deeckk. Ein drittea Neubrandenbnrger Triasgeschiebe. UttheiL ». d. 
Datnrw. Verein f. Neu- Vorpommern und Rügen, Bd. XXX, S. 120. 



V. LiNSTüw, Ueber Triasgeschiebe. 203 

^im Verwittern eine zernagte und zerfressene Oberfläche. Die 
08siHen selbst sind meist mit der Schale erhalten; letztere besteht 
IS kleinen bis wenige Millimeter grossen Körnern von Kalkspath, 
elcher Erhaltungszustand bewirkt, dass die Schalen beim Heraus- 
seo aus dem Gestein sehr häufig zerbrechen. Die Steinkerue 
stehen aus dichtem Kalk und beherbergen oft einen TrQmmer- 
ufen zerbrochener Schalen. 

Durch die Freundlichkeit des Herrn Prof. Dr. Dsbgke, dem 
r auch an dieser Stelle f^r Uebersendung von Proben seiner 
sn erwähnten Geschiebe unsern verbindlichsten Dank aus- 
rechen, waren wir in der Lage, unser Geschiebe mit den bei 
tubrandenburg gefundenen zu vergleichen. Die Vermuthung, 
» das vorliegende Geschiebe mit jenen demselben Horizont an- 
höre, bestätigte sich infolge gänzlich verschiedener petrographischer 
«chaffenheit nicht. Während das zu Block I und II gehörende 
^schiebe ein dichter^ grauer Kalkstein ist, Block III dagegen 
8 hellem, gelblich-braunen, splittrigen Kalkstein besteht mit 
hlreichen Quarzkörnern von ^2 — * Millimeter Durchmesser, 
US8 unser Geschiebe als ein glimmerhaltiger Kalksand- 
teiu angesprochen werden. Die Analyse eines Stückes, welches 
sr äusseren Partie des Gesteines entnommen war, ergab an 
Rückstand (unlöslich in heisser HCl) 43,74 pCt; derselbe be- 
taud grösstentheils aus Muscovit und Quarz. Eine mehr dem 
nnem entnommene Probe ergab an Rückstand (wesentlich Thon 
üd kleine Quarzkörner) 19,52 pCt. Bedenkt man, dass sich bei 
ler ersten Analyse noch gegen 2 pCt. Eisen fanden, dass ferner 
urchdas anhaltende Glühen des Kaliglimmers noch etwa 1 — 2 pCt. 
Nasser verloren gegangen sind, so bleibt ftlr den reinen kohlen- 
»uren Kalk nur ungefähr 50 pCt. übrig. 

An Petrefacten lieferte vorliegendes Stück eine GerviUia 
öcwi/i, die aber leider beim Herauspräpariren zersprang, ferner 
^yophoria vulgaris, Natica Gaillardoti^ eine Schuppe von Gyrolepis 
^Iherti und noch manche Reste unbestimmbarer Gastropoden und 
fyophorien. 

Obwohl sich aus dieser geringen Anzahl von Fossilien kein 
stiminter Schluss auf einen genauen Horizont ableiten lässt, so 




wird iiiuu dücli, /iimiil Diit Küokäicht auf die potrogni|ibis(;lie Ue- 
BcliiiSi-uh^'it des Uost«ius, nicht rehtgelien, w<.<u» luau dieses St&ck 
jdDg^reo Schiebten des Oberen Miiscbelkalkee zuweist. 

Bei der Dtircbarbeitung der sedimentären Geschirbc der Kgl 
geologischen Laudesanstalt fnndon sieb nocb zwei weitere StOeko 
von TriasgeBchioben. die im Folgenden eingehend besgirocheu 
werden sollen. 

Das eine Sttlck, welches von Herrn H. Sciirokdkk im Jahro 
1898 in der Ciegend von Stargard (Pommern) nufget'uudeu wurde, 
stellt einen diüliten, etwas s]ilittrigen grauen oder rostiurbenen 
Kalkstein dar, der nach dem Hunde hin ia Folge Zersetzung etwas 
liiuniger wird und eine gel blich- weisse Farbe zeigt. l)»is ganze 
Uesteiu besitzt einen schanmkalkähDliebeu Cliarakter und ist dem 
Schaumkalk zuzurechnen, ohne duss es die typisch oolitbiscbc oder 
poröse Strnctnr erkennen liesse. Es ist fast ganz erfflllt von zahl- — 
reichen Petiefacten, die indcss sitaimtlieb nur aU Steinkerne vor- — 
liegen, die Schalen seihet sind entweder gfiuzlich zerstört oiler — a 
PS ist iin ihre Stolle in wenigen Füllen Kalkspatb gelrelcn, in der — :a 

Regel sind die Abdrfleke dnrch eine Anreicfaeruog ron Eisen 

hydroxyd ausgezeichnet. Ad bestimmbaren Petrefaclen fanden sich:^ 

Peiten <li/scit''e, 

Gertilhu GoUIßusi, 

Mi/oj ifion'a oi bicultn ■in, 

Acro<h/i latertili« (1 Zahn) 

Gyi-oleftia AWi-rti (1 Schuppe) 
und vereinzelte Stielglieder eines Crinoiden. 

Von Ptrten (liscites liegt nur ein etwas abgeriebener SteinWern^*^ 
vor von 50 Millimeter Länge und 45 Millimeter Breite. Nach dem^^ 
Rande zu bemerkt man schmale, leistenförmige Vertiefuugen von^^ 
gleich massiger Stärke, die ziemlich eng gedrängt stehen und nach^* 
dem Rande /n schwach divergiren. GlEBBL giebt zwar*) fili 
seineu P. tliscifes eine glatte Oberfläche au, aber schon ». See it ACH ',^ 
vereinigt den gestreiften /'. Scfitot/ieiwt mit dem glatten P. dincitf^^ 

*) GiBuKL, Ver^teiueraugen im Maschelkalk tod I.ieskan bei Halle, S ID. 
^ T. Serbach, CuDchjlieDrauna der Weimarer Trias, S. 28. 



I 



V. LiüsTow, Ueber Triasgeschiebe. 205 

lind fltthrt die feine Radialstreifung auf die Structur der Pecten- 
Schale zurück. Die öfters zu beobachtende zickzackartige Streifung 
— einige in der Hauptsammlung der geologischen Laudesanstalt 
Yorhandeue Exemplare zeigen diese Erscheinung in ganz ausge- 
zeichneter Weise — ist nach den Untersuchungen von v. Strombeck 
und Carpenter nur auf den innern Theil der Schale beschränkt. 
Da das vorliegende Exemplar die oben erwähnten leistenförmigen 
Vertiefungen zeigt, die nach jenen Untersuchungen nur der 
oberen Hälfte der Schale zukommen, so muss die innere Partie 
schon vor der Versteinerung zerstört worden sein, wie auch 
V. Seebach i) solche Exemplare erwähnt. Die Oberfläche 
lies Steinkerns ist flach gewölbt, föUt aber zu beiden Seiten 
ziemlich unvermittelt ab, wodurch bei Steinkernen zwei gerad- 
linig verlaufende Rinnen hervorgerufen werden, die sich unter 
60 — G50 am Wirbel trefifen. Leider war der Erhaltungszustand 
des vorliegenden Exemplares zu schlecht, um auch die zu 
beiden Seiten der Ligamentgrube vorhandenen Leisten erkennen 
zu lassen, welche Philippi^) von unserer Art beschreibt. An 
die Seitentheile schliessen sich die nicht sonderlich scharf ab- 
gesetzten Ohren an, die wenig deutlich erhalten sind. 

GervilUa Gold/ussi findet sich in sehr zahlreichen Exemplaren 
in dem vorliegenden Stücke. Es sind ziemlich stark bauchig auf- 
getriebene Formen mit kleinem vorderen Flügel, die auch an den 
Abdrücken keinerlei Anwachsstreifen erkennen lassen. An einem 
gut erhaltenen Steinkern einer linken Schale lassen sich deutlich 
zwei durch eine Grube getrennte Schlosszähne beobachten, die 
ihrer Lage nach den beiden von Frantzen*^) beschriebenen und 
abgebildeten Gruben einer rechten Klap|.e entsprechen. Hand- 
fläche und Ligamentgruben waren nicht wahrnehmbar. Wie 
Frantzen*) hervorhebt, fanden sich als Begleiter der Gercillia 
Goldfussi fast nur Myophoria orbicularü in einer solchen Menge, 

*) V. Skkbach, a. a. 0. S. 28 und 29. 

*) E. Philippi, Beitr. z. Morphologie u. Phylogenie d. Lamellüiranchior. 
Zeitschr. d. deutsch, geol. Gesellsch. 52, 1900, S. 79 u. 80. 

*) W. Frantzkn, üeber QerviUia Qo/dfttssi v. Stromb. Dieses Jahrbuch f. 
15^86, S. 307. 

*) W. Fkantzüji, a. a. 0. S. 307. 




V. LwsTOw, Uobor Triasgiwibielie 

dass einzelne Bänke des (iesteiues nur »ne diflsen Heiden Fossilien 
hestaod. lotereseanter Weiee ist SlinHcher auch het unserem G«- 
Bchietie der Fall; das einzige Petrefakt, welclies sich in mehreren 
Kxemplaren vorfindet, ist ebenfalls Mi/ophofia orbicularU. Wie 
obeu augeflllirt, ist uneer Geschiebe dem Schaninkalk-IIortr.oDt xn- 
Kurechnen; in Letzterem fanden sich auch die zahlreichen tou 
Fkantzbn a. ft. O. erwähnten Exemplare, ohne dasa jedoch die^ 
Formen auf diesen Horizont beschränkt wftren. Wie mir nänilicb 
[lerr Dr. E. J^immrrmann gßtigat mittheilte, fand er dasselbe 
l'ctrefact, und zwar ebenfalls in Begleitung von Afgojthoria oriii- 
ctilarin in den Tercbratelbänken der Gegend von Querfiirt. E( 
ist dieser Fund einmal deswegen bemerkenswerth, weil er wie^ier 
auf das constante Zusammen vorkommen von G/vn'Uta Gold/nmi I 
lind der Myop/ioiia orbiculai-ü hinweiat, alti auch, weil Mtfophoria 
orbiculai-ü in einem solchen tiefen Niveau ziemlich selten uuftritt- 
ZiMMERMANN wies dabei darauf hin, dass diese Terebratdhimlt 
von Quorfnrt eine schaiimkalkähnliche Ausbildung hesitzCi 
jedoch mit Bestimmtheit der Terebratelbank zuzurechnen sei. & 
k;iMu demnach scheinen, als ob jene petrographische AusbiMimi,' 
eine Bedingung sei (Üt das Zusammen vorkommen der Ga'väHa 
Goldfusii und Afyophot'ta orbicularia. PeiLiPPi^) kennt Gemlii" 
GoU/ussi auch aus dem Trigonodus - Dolomit von Schwiebor- 
dingeu. 

Myophoria orbicularis liegt in einigen wenigen, zum Theil 
gut erhaltenen Steinkerneu vor, die die typiscben Merkmale dieser 
Art besitzen. 

Von Acrodus lateralis fand sich ein ziemlich abgekauter 
einzelner Zahn vor, der nicht der typischen Form'^ dieser Art 
angehört, sondern eher den Vorderzähnen zuzurechnen ist, J'f 
nuter dem Namen Acrodus acutus beschrieben worden sind. Diestr 
Fund ist bei der Seltenheit des Vorkommens im Schaumkalk' 

') E. Philiffi, Die Fauna des unteren TrigoDodus- Dolomite u. e. w. Jahm- 
hefle d. Vereins f. vator). Nstorkuode in Württemb. 1898, S. 146. 

^ 0. Jaeckel, Die Sflachier aus dem Oberen Muschelkalk Lothiing''!«- 
Abliandl. z. geol. Speeialkurte von Eleass-Lotbrineen. Bd. HI, Heft IV. 1S8S. 
S. 314. 



▼. LiNSTow, Ueber Triasgeschiebe. 207 

Torizont immorhin beachtenswerth, so häufig sich auch sonst in der 
rias, vor allem im Obersten Muschelkalk , Acrodus-ähnliche 
ormen vorfinden. Weder Schmid^) noch v. Seebach 2) beob- 
^hteten Zähne dieser Gattung im Schaumkalk der Gegend von 
?na und Weimar, dagegen fahrt sie Eck an aus dem Schau m- 
ilk und dessen Aequivalenten von Küdersdorf'^) und Ober- 
ihlesien*). 

Ein drittes fossilfreies Geschiebe wurde von Herrn II. 
CHROEDRR im Jahre 1888 bei Battin in der Uckermark (Blatt Wall- 
ow) in einem als Endmoräne gedeuteten Geröllzuge aufgefunden. 

Dasselbe zeigt einen petrographisch gänzlich abweichenden 
harakter im Vergleich mit den beiden oben beschriebenen 
unden. Die Hauptmasse des Gesteins besteht aus einem blass- 
*önlichen, schwach glimmertührenden Steinmergel, der in Folge 
ihlreicher Einschlüsse von theilweise lebhaft rothen Letten eine 
rt von TrQmmerstructur besitzt. Diese Einschlüsse sind von 
iregel massiger, meist rundlicher oder länglicher Form, deren 
urchmesser auf 6 — 8 Millimeter hinaufgehen kann. Ihre Ver- 
teilung im Gestein ist zwar eine unregelmässige, doch scheinen 
Dschlussärmere Lagen mit solchen zu wechsellagern, bei denen 
ese Einschlüsse vorherrschen. In Folge Verwitterung oder 
oslösung der letzteren nimmt das Gestein stellenweise einen 
)rösen Charakter an. Untersucht man diese kleinen KnöUchen 
iher, so findet man zum Theil, besonders bei grösseren Individuen, 
iss sie im Innern die gleiche Farbe und Zusammensetzung he- 
tzen, wie der kalkig-dolomitische Steinmergel, in dem sie einge- 
jttet sind. Nur oberflächlich sind sie mit einer rothen Ver- 
ttterungsrinde umgeben, wodurch ein rostfleckiges Aussehen 
jrvorgerufen wird, . welches auf eine äusserliche Anreicherung 
m Eisenoxydverbindungen zurückzuführen sein wird. Bei anderen 

*) ScHMiD, Die Fischzähne der Trias bei Jena. Verhandl. d. Kais. Leopold. 

irolinischen Deutschen Akademie d. Natarforscher 1861. 

*) ▼. SEBBAcif, Conchjrlienfauna der Weimarer Trias. 1862. 

^ Eck, Rudersdorf und Umgegend, 1872. 

*) EcKy Ueber die Formation des bunten Sandsteins u. Muschelkalkes von 

lerschlesien. 1865. 




LtaaTou-, Uebor Tria^ciMH'biebe. 



KiDSchlfl-rseii beetelit die ganze Masse aus rotlipo Letten, ilocli 
lassen sich im Kerne oft noch lichtere, also wohl eiaeoärinm 
Partien »interBcbeiiien. Hieraus dürfte hervorgehen, dase wir m 
nicht mit einem Trümiiiergesteio zu thun haben, sondern mit 
einem solchen, deäsen oolithische Struktur auf secundSre Ein- 
wirkung zurflclczufnhren ist. 

Geschiebe von dem angefnhrtcn Typus sind bisher in Deutsch- 
liuid noch nicht beobachtet worden, dagegen kennen wir sn- 
steheudes Gestein, welches mit dem unsern die allergrösste Aebor 
liciikeit besitzt. Es sind dieses gewisse etwa 1 Deciiueter m&chtige 
Lagen an der Basis der rothen Zauclodou-Letten (kmg), welolw 
uns durch LoRETZ ') bektiout geworden siud. Derselbe ervffihnt 
diese Schichten aus der Gegend von Coburg und audereu Orien 
des thOringisch - bayrischen Grenzgebietes. Dieses Gestein, tod 
dem ein Huudstück in der Sammlung der Kgl. geolog. Ltiaies- 
anstatt zn Berlin aufbewahrt ist, zeigt die gleichen, oben aiigc- 
frihrteu Merkmale, und die Uebereinstimiiuiug beider Gesteine ist 
eine so grosse, dass man das anstehend gefundene Stftik von d«n 
Geschiebe kaum zu unterscheiden vormag, nur ist ersteres flvus 
frischer. Diese Uebereinstimmnng erstreckt sich nicht nnr lu* 
die petrographische Beschaffen hei t, die sich unter anderen in dem 
Auftreten der lichter gefärbten Einschlösse zu erkennen giebt, 
sondern auch auf die chemische Zusanimensetzung. Eiue Analyse 
des Steiumergels, welche Herr Schdcht die Freundlichkeit batif 
aiiszuftihreu, ergab bei dem anstehenden Stück von Blatt Coburg- 
41,68 pCt. CaCOs und 16,41 pCt. MgCO,,. bei dem als Geschiebe 
gefundenen: 35,76 pCt. CaCOg und 15,72 pCt. MgCOg. 

Ein besonderes Interesse gewinnt iiuser Geschiebe dadurth, 
dass gleiche Gesteine auch in Schweden beobachtet wurden. W« 
uns nämlich Herr Prof. Mobeug aus Lund schreibt, dem wir unser 
Stflck zum Vergleich geschickt hatten und dem wir fllr die bereit- 
willigst ertheilte Auskunft zu ganz besonderem Danke verpflicMe' 
siud, sind Geschiebe, welche in jeder Hinsicht dem unsern gleiche». 
bei Knallarehyttan am Skäralid und bei Ralhite (Sectinn Trolle- 

') Erläuteruugen z. gool. Specialkurtc v. Preussen u. d thürinR. Stiit^i 
LiuferuDg li. 



▼. LiirflTow, üeber Triaageechiebe. 209 

bolm), f) Meilen nördlich Malmö, aufgefunden worden und zwar 
im Geschiebelehm des ältesten baltischen Eisstromes. Das An- 
rtehende ist unbekannt, ebensowenig finden sich ähnliche Gesteine 
n den Kageröd-Bildungen Schwedens und Bornholms, welche 
:. Th. unserer Keuperformation entsprechen. 

So wenig man im Allgemeinen berechtigt ist, bei dem Mangel 
eder Versteinerung Geschiebe nur nach ihrer petrographischen 
Gleichartigkeit mit anstehendem Gestein zu identificiren, so ist 
loch in diesem Falle die Uebereinstimmung eine zu grosse, um 
licht wenigstens die Möglichkeit einer Identität zuzugeben. Ob- 
wohl gegen diese Auffassung die Thatsache zu sprechen scheint, 
lass petrographisch gleiche oder ähnliche Gesteine weder in 
Schweden noch in Bornholm anstehend bekannt sind, so muss dem 
loch entgegengehalten werden, dass unser Geschiebe dieses Ver- 
lalten mit sämmtlichen oben angeführten theilt Wir kennen wohl 
kDstehendes Rhät ^) im Nordwesten von Schonen und auf Bomholm, 
kber kein einziger von den verschiedenen Horizonten, auf die sich 
insere triadischen Geschiebe vertheilen, ist anstehend bekannt. 
Schliesslich mag nicht unerwähnt bleiben, dass diese Geschiebe in 
nancher Hinsicht Aehnlichkeit besitzt mit gewissen rostfleckigen 
Dolomiten des Devons, obwohl die Uebereinstimmung mit letzterem 
nne bei weitem geringere ist, als mit dem bei Coburg anstehend 
gefundenen Stücke. 

Ein recht gut erhaltenes Exemplar von Ceratites nodosus ent- 
leckte ich Ostern lUOl in Arkona auf Rügen unter den zahl- 
*eichen Schätzen, die der dortige Gasthausbesitzer Schilling auf- 
>ewahrt hat. Dasselbe ist nach der wiederholt mit aller Bestimmtheit 
abgegebenen Versicherung des Herrn Schilling etwa in den Jahren 
1870 — 75 von seinem jetzt in Wiek auf Wittow lebenden Vater am 
t4.-0.-Strande von Arkona aufgefunden worden. War einmal der 
Pund eines ganzen Ceratiten in dieser Gegend auffallend, so wurde 
der Zweifel an der Echtheit dieses Stückes als Geschiebe noch ver- 
mehrt durch die relativ gute Erhaltung dieses Exemplares. Auf der 
einen Seite, auf welcher die älteren Windungen durch anhaftendes 

') GoTTscHB, SedimentftrgdBchiebe y. Schleswig-Holstein. Yokohama 1883. 
3.31. 

JaihTboeh 1900 14 




Gestein Terbflllt sinil, zeigt sich eine nur echwacbe A6i 
währeud die nndere Seite völlig frei von Nebeugestdl 
wohlaDsgebitdete Lobeu sowie gut erbalteoe Kippen niiürrär 
muBS iiidessen berücksicbtigen, dasa sieb eriahruagsgem 
Ceratites leicbt von anhafteadeiii Gestein trennen lässt; es-M 
wohl denkbar, dass dieses Stllck als Geschiebe anf beiden 
mit Nebengestein behaftet war und dass letzteres mechaaiHl 
die Gewalt der Mcerpsbniiidung oder durch Menschenband ([i 
tlieils entfernt worden ist. Bedenkt man ferner, das» anf^ 
Geechiebemergcl selbst in grosser Mächtigkeit und Voril 
ansteht, so ist es sehr wohl möglich, dass das StQck diev 
schiebemergel entstammt und anf die oben angedeutete Wi 
beutiges Aussehen erbaiten hat. j| 

Das vorliegende Exemplar, welches durch das bcaj 
Entgegcnkonimen des Herrn Schilling in den Besitz dM 
gischen Landesanstalt und liergakadeniie flbergangeu iBt^jf 
Merkmale des Ceratites eoolutu« PiiILIPPl'). Die Wohi^ 
zieren 4 starke, sich plötzlich vom Nabel erhebende IU|^ 
fast geradlinig und in gleichmässiger Stärke verlaufen. ,) 
Externkante hören die Rippen sowohl der Wohukamui^ 
gekammerten Thoiles plötzlich und unvermittelt auf, ohq^^, 
zu einer eigentlichen Dornbildnng kommt, wie sie der tf 
wandte Cer. spinosui Phil. /.etgt. Die angeführten lf^ 
sowie die ziemlich geringe luvolubilität unterscheiden a|| 
von dem typischen Cer. nodoaiLs. II 

Verfolgt [nan die geographische Verbreitung der Triaam 
auf der beiliegenden Karte^), so fällt dereu räumliche Be^ 
einigermaaasen in die Augen, im Vergleich hiermit sei nni 
äusserst extensive Verbreitung z, B. der obersilurischet 
von Gotland erinnert, die sich (Gottschk, a. a. O. Tai 
Hondsrug bei Groningen in Holland bis Lyck in Os^ 
finden. Trotzdem einzelne Gebiete des norddentschen FI«(| 

■) E. pHiLipri, Die Ceratiten des Oberen DeutEchen UDBchclk»l]c«8. 3 
logiEche AbhajKiluQgen. Nene Fdige IV, 4. Jena 1901. , 

') Die Anzahl der UnterstreicImogeD Jer Fundorte antsprichl d«i 
dort gefundeiien TriMgeecLiebe. 



( 



V. LiBfSTOw, üeber Triasgeschiebe. 211 

einer sehr eingeheuden geologischen Durchforschung unterzogen 
worden sind, haben die Provinzen Ost- und Westpreussen über- 
haupt kein Triasgeschiebe, die gerade auf Geschiebe hin ziemlich 
intensiv untersuchte Mark nur deren zwei geliefert, die meisten 
Qbrigen vertheilen sich auf das mecklenburg-pommersche Küsten- 
gebiet. Nun ist es einleuchtend, dass ein Gestein eine um so 
extensivere Verbreitung im norddeutschen Flachland besitzt, in je 
höheren Breitegraden sein Anstehendes vorhanden ist und umge- 
kehrt weist ein geographisch beschränktes Auftreten nothwendiger 
Weise auf ein nicht allzufernes Anstehendes hin. Dabei ist natür- 
lich vorausgesetzt, dass das ganze Gebiet, in dem Geschiebe ge- 
troffen werden, — oder wenigstens einige Theile desselben, — 
auf solche Funde hin gut durchforscht sind. Aus diesem Grunde 
im Verein mit der Thatsache, dass schon auf Bornholm keine 
Trias mehr vorhanden ist — abgesehen von dem oben erwähnten 
Rhät, — wird man das Anstehende unserer Triasgeschiebe wohl 
in der Gegend zwischen der mecklenburg-pommerschen Küste und 
der Insel Bomholm zu suchen haben. Stollet (a. a. O. S. 80) 
gelangt zu einem ähnlichen Resultat und f&hrt noch an, dass 
wegen der petrographischen Uebereinstimmung der Triasgeschiebe 
mit norddeutschem Triasgestein das Anstehende in entlegeneren 
Gebieten nicht zu suchen sei. Ganz abgesehen davon, dass sich 
diese Identität auf einzelne Stücke beschränkt, ist dem entgegen- 
zuhalten, dass gewisse Gesteine, z. B. die Nummulitenkalke, eine 
fast an »Ubiquität« grenzende Verbreitung bei durchgehends 
gleicher petrographischer Beschaffenheit besitzen. Bei der Orts- 
bestimmung des Anstehenden müssen wir selbstverständlich ab- 
sehen von dem zuletzt beschriebenen Keupergestein, welches ja 
aoch wegen des viel jüngeren Horizontes eine isolirte Stellung vor 
den übrigen Triasgeschieben einnimmt. Aus der Richtung des 
Eisstromes einen Rückschluss auf den Ort des Anstehenden zu 
ziehen, ist aus mehreren Gründen unmöglich. Einmal hat, wie 
unter andern Gottsche (a. a. O. Taf. I u. II) gezeigt hat, die 
Richtung der Eisströme sehr gewechselt, sodann wissen wir nicht 
immer, in welcher Grandmoräne die einzelnen Geschiebe zu uns 
gelangt sind. Das fragliche Keupergeschiebe ist in Schweden in 

14* 




V. LinTOw, Deber Triugtt^chiebe. 

der GruDdmoriiie der ersten Vereisung, iioeer norddeutschps 8lfidi 
in der EndmorSDe der jüngsten, hier aläo dritten Eiszeit &uf^ 
funden worden, ein Umstand, der den Ursprungsort nur nn<i f 
mehr verschleiert. Indessen wird man wohl uicfat fehlgehen, wem j 
wir das Anstehende dieser Gesti^iuc bedeutend weiter nördlich n 
suchen haben, etwa westlich oder sQdlich der Insel Gotland. 

Die Iblgeade Tabelle giebt eine ZiisamnieRstelluDg der bisher 
gemachten Funde von sicher erkannten Triasireschieben, nach ihren 
Horizonten geordnet. Die Bedeutung der geologischen Zeiih«ii 
ist die nilliche, su und sin bezeichnet Unteren bezw. Mittleren 
Buntsaud stein, mii| deu iiuteren Tbeil des Wellenkalkes bis zu 
den Schau inkalkbänken, miij umfasst den Schaunikalkhorizont udiI 
seine Aequivalente, mus wdrde den OrbicuUris -PI alten entsprechen. 
moi ^Trochileukalk uud seine glaukouitischeu Aetiuivaleutei 
inoj ^Thonplatten oder Nodosiis-Schichten. Unter ku] ist hiW 
ausschliestülicb der Trigonodus-Horizont zu verstehen, der ja *"* 
manchen Autoren noch dem Muschelkalk zugerechnet wird; ItOH 
endlich entspricht den Zanclodon-Letten. 



FanJori 



Winterbek b. Ki«I 

Wellingdorf b. Kiel 
Sttt^rd i. Pommera 
Bolteabagen i. MecklsDbiirg I 

Rijtdorf b. Berlin 
Stade 

Arcona a. Rügen 
Gründe b, Kid 

Wicbmunnsdorf i. Mecklenburg 
BaEedow b. Laaenburg 
Friedrichsort b. Kiel 
Weiaaenbaiis i. HoUteia 
Ncubrandenbur^ i. Mecklenburg 



Bolt«nhag«i i. Mecklenburg II 
? Bkttin i. d. Dokennark 



? ? an od- am. iGelbea SMidst«**^*' 

schiebe* 
mni oder mnj 

DIU), Aequivalente drs Schaum ka llc *'' 
wie Glaokonitkalli von RfidereJ*"''' 

Muschelkalk, nach Stoli-kt wohl tpOt 
Nodofui Schichten, moi 

wohl ThonpUlten, iaa% 

moi tdie jüngsten Schiebten] 
mot oder kui 
Trigonodtis-\ki\iim\l (kii|) 



lie Lüaebnri^er 'LattenkohleDoierg?!'. 

also ku] 



▼. LmsTOw, üeber Triasgescbiebe. 218 

Wie aus dieser Tabelle hervorgeht, haben eine ganze Reihe 
von Triashorizonten Geschiebe-Material geliefert. Dieser Umstand 
lässt in Verbindung mit ihrer geographischen Verbreitung ver- 
muthen, dass das anstehende, heute von der Ostsee bedeckte Trias- 
Tebiet wohl kein einheitliches ist, sondern sich auf mehrere isolirte 
V^orkommnisse vertheilen wird, die vielleicht gleich Helgoland 
Sorste im tektonischen Sinne bilden mögen. 



Nachtrag. 

Während des Druckes theilt mir Herr Schroeder mit, dass 
!r soeben im Unteren Grande der Kiesgrube bei Göritz (Oder) 
nn Geschiebe angefunden hat, welches dem fraglichen Keuper- 
jeschiebe (S. 207) petrographisch sehr ähnlich ist. Da dasselbe 
levoniscke Brachiopoden und Crinoiden enthält, so gewinnt die 
ITermuthung, dass jenes oben beschriebene Gestein dem Devon 
mgehört, sehr an Wahrscheinlichkeit Andererseits ist die petro- 
^raphische und vor allem die chemische Uebereinstimmung jenes 
jreschiebes mit dem im Keuper Thüringens gefundenen eine 
lochst auffallende. 




Die Lagern ngSTerhältoisse des 

Oberdevon nnd Cnlm am Kalkberge bei 

Eberadorf in Soblesien. 

Vou Herrn E. Dath« m Berlin. 

Der Kalkberg bei Ebersdorf zählt zu den ciassisclieu Puuklen 
in der eclilesiachen Geologie; er ist uameutlicli durch eelneu tly- 
munieukttlk von Alters her berühmt, wie er auch seit LeokiLü 
V. Bücn uicht nur von vielen Geologen besucht, sondern »«ob ' 
iu der Literatur vielfach erwähnt iiud namentlich nach seinfO 
VersteinerungeD öfters behandelt worden ist. Wenn man sudi 
den Lagern ugsverhältDissen der am Kalkbei^e vorhandeoen G«- 
birgssch lebten, nftmlich dem OberdevoD, dem Culm nnd dem 
an seiner W. - Seite auftretendeD Rothliegenden in den äo- 
schlägigen Schrillen mehr oder minder BerQcksicbtigung g^ 
schenkt bat, so waren dieselben doch beim Beginne atemur 
geologischen Aufnahmen noch nicht vollst&ndig gekltrt. In if^ 
kurz zuvor erschienenen geoguoetischen Darstellung des Nieder- 
soblesi&cb- Böhmischen Steinkohlenbeckens von A. SchCtzb tm 
wichtige Fortschritte über die Lagerung des Oberdevon und Culm 
bei Ebersdorf enthalten. Sie finden aber in den in den letzten beiden 
Jahren den gleichen Gegenstand betreffenden Puhlicatiouen von 
F. Frech und G. GGrich weder BerQcksicbtigung noch Erwidi- 
uung. In den noch anzufOhrenden VeröffentlichuDgen der beiden 
letzteren Autoren begegnet man somit entweder noch den mit den 
Darstellungen Slterer Autoreu Ober einstimmenden Ansichten, oder 



E. Datbs, Die LagenmgSTerh&ltnisse des Oberdeyon nnd^Giilin etc. 215 

> scheinbar neue Resultate zur Mittheilung gelangen, waren 
sselben bereits publicirt^ oder endlich haben sich in denselben 
bebliche Irrthümer eingeschlichen, die man selbst bei den älteren 
itoren nicht antrifit. Aus diesen Gründen erschien es mir an- 
zeigt, die Lagerung des Oberdevon und Culm am Kalkbergo 
e ich dieselben seit langer Zeit kenne, in der diesjährigen Juni- 
tzung der Deutschen geologischen Gesellschaft zu besprechen 
id hier nun zu veröffentlichen. 

In den folgenden Zeilen werde ich demnach die Tektonik 
8 Kalkberges nach den älteren Autoren bis zur SOHOTZE^schen 
iblication behandeln, sodann dieselbe nach meinen eigenen Beob- 
htungen zur Darstellung bringen und schliesslich die jüngsten 
iblicationen über diesen Gegenstand einer kritischen Beleuch- 
Qg unterziehen. — 

Die Kalkbrüche von Ebersdorf werden bereits 1797 von 
SOPOLD VON Buch in seinem »Versuch einer mineralogischen 
(Schreibung von Landeck« kurz erwähnt, indem er darin schreibt, 
88 Versteinerungen daselbst selten vorkommen. Nachdem Carl 
Raumer 1819 in seiner »Geognostischen Darstellung Nieder- 
hlesiens, der Grafschaft Glatz und eines Theiles von Böhmen« 
sselbe Oertlichkeit als Fundstelle »eines Ammonititen und Fun- 
ben« hervorgehoben hat, beschäftigen sich Zobel und v.Carnall^) 
131 in ihrer ausgezeichneten »Geognostischen Beschreibung von 
lem Theile des Niederschlesischeu, Glätzischen und Böhmischen 
sbirges« mit den Lagerungsverhältnissen dieser Localität; denn 
i weisen nach, dass der Silberberg -Waldgrunder Kalkzug und 
r Ebersdorfer Kalkstein zu einer Mulde gehören, wiewohl sie 
letzterem Falle augenscheinlich nur den devonischen Kalk 
3inen und nicht den au der O.-Seite des Kalkberges gleichfalls 
stehenden, mit jenem gleichaltrigen Kohlenkalk. Sie schreiben : 
)a8 entgegengesetzte Einschiessen der beiden Kalksteinmassen, 
>ran die zunächst im Hangenden liegenden Gesteine gleichfär- 
gen Antheil nehmen, führt zu dem Begriff einer Mulde, die 



>) Kar8t«ii'8 Archiv Bd. lü, S. 77—78. 



2Ifi 



B. Djtiib, Die LtgerapgBTerh&ltniBw de» Oberd«Ton 



sich gegen SO. ku öffnen scheint. Nordwestlich aber, wo sie sic:::^" 
im Bogen scblirssen sollte, wurde sie entweder später hinwe^^^* 
gerissen, oder «ic konnte sich hier gar nicht ausbilden, weil g=^ 
ihr an der xum Absatz ci-rorde Hieben Grundlage fehlte, und d^^as 
letztere möchte wohl das Wahrscheinlichere sein>r. Wir wissen jetz 1. 
daas nicht die letxtere, sondern die crsterevon ihnen ausgesprochei^^e 
Ansicht diu richtige ist; denn vor Ablagerung der dort in d^Ke 
Culm-Mulde ungleichförmig übei^reifenden Waldenburger Scbicht^&^ n 
fand Erosion und Denudation in der jetzigen Muldenspitze zum ThE^II 
statt. — lieber die Lngemug tinden wir noch folgende AugabeKzs: 
«Der Bbersdorfer Kalkslein hat sein Streichen tn Stunde 10 bis 7M.\ 
und stßrzt mit steiler Neigung nach NO. ein. Im Hangend ^d 
eieht msu »m uord westlichen Einhange des Berges Lagen v «dq 
feinkörniger Grnuwncke und grauem Conglomerat. Sein I^äe- 
gendes wird aber durch rotbeu Sandstein und Porphyr verdect«.« 

Nachdem von Leopold v. Bi'Ch alsdann die wichtige Arbc^ii: 
»Ueber Clymenieu und Goniatiten iu Schlesien (Berlin 1839J' 
erechienen war, in der die Gleichstelluug des Ebersdorfer Kallcee 
mit dem Clymenienkalke des Ficlitetgebirges erfolgte, ergäazie 
E. BktriciiI) die Kenutniss der Ktiersdorfer Cepliulopodeii nicfii 
nur, sondern suchte auch die LageningsTerh&ltnisse daselbst weiter 
m klären. W&hrend er das Silberberg- Waldgniader Kohlenkalt- 
lager mit den unterlagernden Conglomeraten zur unteren Abtbei- 
Inng der Stein kohl enformation stellte, glaubte er, »dass die Haupt- 
masse jener Sandsteiue und schiefrig tbonigea Gesteine mit dem 
Clymeuienkalk verbunden ein devonisches Uebei^angsgebirge mid 
mQsse.« 

Die späteren Beobachtungen E. Betbich*«^) baben jedoch 
letztere Auffassung dahin berichtigt, »dass die Gesammtmasse du 
Warthaer Grauwackengebirges gebildet wird theils durch ein sehr 
mftchtiges Schichtensyetem vom Alter des Kohlensandsteins, theils 
durch eiu älteres Scbicfatensystem, dessen Alter als siluriscb dis 
jtlagst durch Krug ton Nidda bekannt gewordene VorkooiineD 



') TTeber die Entwickeloog da FIötxgB^ii'geB i° Schlauen. Kutn'* 
ArchiT Bd. XVllI, 1844, S. 4. 

*) J. RoTH:ErliuteruiigeQiur|;eogDoetiBclieti KuteTOnNi«denclileiieii,S.31& 



and Cnlm am Kalkberge bei Bbersdorf in Schlesien. 217 

Ton Graptolithen festgestellt hat.« — Ueber die Lagerungs- 
Verhältnisse am Kalkberge finden wir nachstehende, von £. Beyrigh ^) 
gemachte Angaben: »Die Schichten, welche am Ebersdorfer Kalk- 
berge die Clymenien einschliessen, sind die obersten Bänke eines 
Kalklagers von ansehnlicher Mächtigkeit, welches h. 1 1 streicht 
und 50 — 60® ß<*gen O. einfällt Die Unterlage dieses Kalklagers 
kommt nicht zu Tage, indem sich unmittelbar an den Kalk die 
Formation des Rothliegenden anlegt. . . Die Clymenienschichten 
werden bedeckt von glimmerreichen Grauwacken und Conglome- 
rateu, die an der O.-Seite des Kalkberges ein anderes 
Kalksteinlager einschliessen, welches ebenso im Ge- 
stein wie in seinen Einschlüssen ident ist dem am Rande 
des Eulengebirges hinziehenden Kohlenkalke. Dieselben 
grossen Producten und Spiriferen, welche das Älter des Kalksteines 
bei Neudorf und Silberberg bestimmen^ sind auch hier gefunden. 

Die Zwischenlager, welche den Clymenienkalk vom Kohlenkalke 

■» 

trennen, dürften die Mächtigkeit von 80 Fuss nicht übersteigen.« 
Diese ausgezeichneten Beobachtungen und die daraus gezo- 
genen Schlussfolgerungen sind von E. Beyrich auf dem Blatte 
Streblen der geologischen Karte vom Niederschlesischen Gebirge 
zur kartographischen Darstellung (1867) in durchaus zutreffender 
Weise gelangt 

Auf den durch E. Bbtrich so geförderten Kenntnissen fusst 
E. Tebtze, welcher im folgenden Jahre (1868) den devonischen 
Kalk von Ebersdorf und seine Fauna studirte. — Die Ergebnisse 
seiner Studien legte er in einer geognostisch - paläontologischen 
Monographie: »Ueber die devonischen Schichten von Ebersdorf« ^) 
nieder, in welcher er hinsichtlich der Lagerungsverhältnisse im 
Allgemeinen sich seinem letzten Vorgänger vollkommen anschliesst, 
jedoch den devonischen Kalk selbst eingehender gliedert. 

E. TiBTZE unterscheidet zwei petrographisch und auch 
paläontologisch streng geschiedene Horizonte oder Abtheilungen 
in dem oberdevonischen Kalke. 



<) 1. c., S. 316. 

^ Palaeontographica 1870, Bd. XIX, S. 103-158. 




Site» 
""1 



1. Der untere, oder Hauptkalk ist ein dunkler, lueiti 
jd's Bltiugraiie, mitunter in'e Grünliche spielender Kalkstein; 
ist dick geschichtet und von zahlreichen TrOmeru eines weissen 
Kalktipathes durchzogen ; i>s ist mit kehligen Bnichflächen bedeckt; i 
er ist versteiueruugsarm und er wird gegen 40 Meter mächtig. 

2. Der Clyinenienkalk i»t nber 3 Meter mächtig. 
TiETZE unterscheidet duHn 7 Schichten; nämlich: 

a) eine dünne Lage von dunklen Schiefern, auf 
deren Schichtflächen Po»idonia eenvsta vorkommt; 

b) eine rÖthlichgr;iue Kalkbank; 

c) eine dünne Schieferlage; 

d) den ersteu rothen Cly menien kalk; nitch oben mer* 
gelig und in Folge quer durchsetzender SchieferlameII& > 
in Nierenkalk übergehend; 

e) einen schwarzen, ächten, stellenweis flaeer 
Kalkstein (Gouiatiteukalk); 

f)den zweiten rothen Clymenienkalk, der nac 
oben in Nierenkfllk (Knotenkalk) Dhergeht; lebs^ 
tere nehmen eine hellblangraue Farbe au; 

g) den kieseligen Kalk, der jedoch nicht durchs 
gehend anzuhalten scheint. 

Da» Streichen der Kalke giebt Tietze in h. lO'/s bei 50 — 6C^ 
Fallen nach NO. 

Der Culm lagert nach ihm dem oberdevonischen Kalkstei 
concordant auf, er betont aber die (iberaus scharfe Grenze zwische 
beiden Formationen. — Die Graiiwacke wird 25 Meter mächti j 
geschätzt. Der Porphyr nnd Felsitporphyr soll den deTonische * 
Kalk, an den er am Kalkberge an einigen Stellen grenzt, iiu*£ 
der Tiefe gehoben haben; auch deutet er') kurz die Sattelbildun^ 
an, wie wir ep;iter noch erörtern werden. 

In der Auffassung der Lageningsverhiltnisse des Oberdevon 
von Kbersdorf ist 12 Jahre nach der TiETZE'schen Publicatioa 
ein wesentlicher Fortschritt in der ScHÜTZB'schen Abhandlung^: 

'j I. c, S. 1 13. 
') Abhandlungen : 
S. 52—53. 



' geol. Spei:ial karte ' 



1 PreuBMQ etc., Bd. Ol, 



nod Golin am Balkberge bei Ebendorf in Sohleeien. 219 

>6e<^ostiBcbe Darstellung des Diederschlesiech-bahmiscben Steio- 
kohlenbeokenB« zu TerzeichueD. Er erwftbat zuD&chst den 
Gftbbro, ao der SW.-Waud des Kalkbruchee, zweitens 
die Sattelbildnng des Oberdevon, namentlich an dem 
nordwestlichen Ende des Bruches, und drittens das 
Torkommen <ron rotbem Clymenienkalk Ober Gabbro. 

Bald oaoh der ScHOTZE'Gchen Veröffentlichung habe ich die 
LageruDgsTerbiltnisse gleichfalls eingehend untersucht und seine 
Angaben im Allgemeinen bestätigt gefunden; in mancher Hinsicht 
konnte ich jedoch dieselben ergänzen und erweitern. 

1. Vor allen Dingen ist die Tbatsache hervor xu heben, dass 
die Sattelbildung nicht nur auf den ftussersten nordwestlicben 
Theil des Oberdevonkalkes beschränkt ist, sondern auch der ober- 
devonische Kalk im ganzen Aufschlüsse von ihr ergriffen wurde. 

2. Au der Sattelbildnng betheiligten sich auch die über dem 
Clymenienkalk folgenden Gneisssandsteine des Culm. 

lieber diese Verhältnisse giebt zunächst das von mir 1883 aufge- 
nommene Profil im nordwestlichen Ende des Kalkbmches Aufschluss. 




tUäu dee Cnlm; b) Ci^enieukalk; c) Hanptkalk des Oberdevon. 




Cabcr dnaariboi erscbräit gfekUtll» auf beidcD Skttetfi&f;dft 
der F«>MwehB Gmmmaaiaum, der aaf d« eadwcMficbeB Flisgd 
itt 2—3 Heter Ulchl%keit oWten gcUiebes ■(, alier mT di«: 
NO^nOg«! in Mincr gwcs Uidfatl^et von 35-30 Siel 
F(«hL 

Zwei S«ttcl»palten nnd tm Profile sichtbar; sie Terwfrfen 
dra CljTDmirakalk nod d«a cnltnisi^D Gneisssandstetn um bö' 
nabe 3 Uef«r ge^vaeinaiider. sodaas d«r Goeiea&aodsteia im NO.' 
FlB^l an ClymeuienluLlk und dieser au den tiaupücalk drs SW.- 
KlBgi-U atwtAsat; er i«t ä»oiii der gtsunkeue Tbeil deg Sattelt' 

Die FortselzuDg des Goeist^sandstein» im SW.-FlOgel war iu 
«Adöstliclier HiofatuDg ehemals noch aof 160 Meter zu verfolgsn; 
jrtxt i(t dieser Tbeil des Bruubes mit Abraum bedeckt. 

Die SatteldilduDg der beiden oberdeTonischea Kalke uud des 
culmiBchea Gneiessandsteias ist auch au dem SO.-Eude des 
Bruches allerdings in ziemlich gestörter Lagerung und jetst nicht 
mehr so deutlich wie früher zu beobachten. 



Prafil I 




*.) Goeuuandateio ; -b) CI;metii«nkftIki^o) Haaptkatk. 



and Cnliii am Kalkberge bei Ebersdorf in Schlesien . 221 

An der nordöstlichen Bruchwand beobachtet man zu oberst 
neisBsandstein (a) in ziemlich flacher Lagerung mit 20 — 300 betra- 
*ndem Fallen gegen NO. — In derselben Stellung befindet sich 
ir durch seine rothe Farbe in einzelnen Bänken leicht kenntliche 
lymenienkalk (b), welcher unter ihm lagert. In der Mitte des 
rofils und Sattels fehlt der Gneisssandstein und dort sind nur 
irk verschobene und gefaltete Bänke des Clymenienkalkes in 
^mlich horizontaler Lagerung sichtbar. 

Unter dem Clymenienkalke au der unteren Bruchwand sieht 
in den stark gefalteten und durch Verwerfungen stark zerrissenen 
bwarzen Hauptkalk. 

Derselbe erhebt sich nach SW. in das Niveau des Clymenien- 
Ikes, sodass letzterer im Profile an dieser Stelle fehlt. Der 
auptkalk (c) bildet hier den Sattelkern eines Luft- 
ttels; denn nach SW. erscheint zunächst wieder Clymenienkalk 
id Gneisssandstein, also im Liegenden des ersteren. Beide fallen 
5ht nach SW., wie es die normale Sattelstellung verlangt, son- 
rn gleichfalls nach NO. mit 50—60® ein. Wir haben es also 
der SO. - Seite des Kalkbruches mit einem in beiden Flügeln 
nchsinnig nach NO. geneigten Sattel zu thun. 

Diese Stellung kommt der ganzen devonischen Kalkablagerung 
i auf ungefähr das letzte NW.-Ende des Kalkbruches zu, wo 
Bkfeter südöstlich von der nordwestlichen Bruchwand eine NO.- 
^.-Verwerfting den normalen von dem liegenden Sattel trennt. 
ie Sattelbildung erstreckt sich auf den in der Mitte des Kalk- 
uches anstossenden Hauptkalk in seiner ganzen Längserstreckung, 
e in unserem Profil (IV, 2) S. 231 zur Darstellung gebracht 
>rden ist. Der Gneisssandstein ist im liegenden Flügel des 
ttels bis 60 Meter nach NW. von dein gegenwärtigen SO.-Ende 
8 Bmches noch zu beobachten. 

In demselben Flügel ist der Clymenienkalk, namentlich der 
:he, nach NW. noch oben im Bruche bei 75 Meter anstehend^ 
khrend er bei 115 Meter in der gegenwärtigen Bruchsohle, als 
Mier nud rother Clymenienkalk mit 4 — 5 Meter Mächtigkeit den 
mptkalk unterteuft; er ist stark gefaltet, was man an den 



222 S- Dathr, Die LHgerangBTprhittDiBS« des OberdevoD 

dArmeu, 1 — 2 ßecimeter starken ibni eingeJagerIeD Mergel scbiefera 
deutlich wahmehnien kann. 

Bei 105 Meter vom SO.-Eode des Bruches Bteht an seiner 
SW.-Waüd in einzeluen, schollenartigea Felsen stark verwitterter, 
mittelkörniger Gabbro auf eine Lauge tou 80 Meter, aber theil- 
weise verdeckt von Abraum an. Das Ausgeheode des Gabbro ist 
ungefähr 4 — 5 Meter breit, der Gabbro wird durchzogen von bis 
l Docimeter starken TrÖmern eines rothen, dichten Kalkes, der 
dem rotheu Clymenienkalke voltkonimeu gleicht; andere Trflmer 
stellen einen fein gebänderten, grauweiBslicheu Faserkalk, dessen 
Fasern senkrecht zur Kluft stehen, dar. 

Mit dem Gabbro ist in einer Stärke von 0,5 — 2 Meter rother 
Clymenienkalk fest verwachsen; er zeigt aber Qberall starke Quet- 
schung und ist in Folge dessen von zahlreichen klelukrystallinen 
Caldtäderchen durchzogen. In der Grenzschicht zum Gabbro 
enthält der Clymenienkalk an manchen Stellen kleine, haselnuss-, 
wallnuss- bis eigrosse rundliche Gabbrofragmente, die man wohl 
als GeröUe ansprechen muss. Den Eindruck einer aus rothem 
Kalkstein und Gabbro eutstaudeueu Reibungsbreccie erhält man 
von der betreffenden, oft 1 — 2 Decrmcttr starken Kalkschicht 
nicht; es können demnach diese geröllartigen Gebilde nicht in 
Folge von Gebirgsbewegung losgesprengte und in den Kalkstein 
eingeknetete Gabbrofragmente sein. Fflr ihre Geröllaatur spricht 
auch der Umstand, dass an einigen Stellen in den Gabbroklippen 
neben resp. zwischen dem mittelkSrnigen Gabbro auch grobkiystal- 
linische Gabbromassen mit gangartigen, fast Pyroxen-freien Aus- 
scheidungen sich einstellen, sodass man den Eindruck erhftlt, dass 
die ganze Gabbropartie grösstentheils aus einzelnen rieaengrosseu 
GabbrobiQcken bestehe. Indese der allzustark verwittert«, meist 
sogar grusartige Zustand derselben Iflsst eine ganz sichere Deu- 
tung nicht zu. 

Der Umstand, dase der dichte rothe Kalk von der Beschaffen- 
heit des rothen Clynienienkalkes zwischen den Gabbroschollen 
gangförmig eingedrungen Ist und der Gabbro unter dem rothen 
Clymenienkalk an der SW.-Seite des Kalkbrucbea lagert, erweist, 
dass die Gabbro-Äblagerung jOnger als der letztere ist. 



und Cnlm am Ealkberge bei Bbersdorf in Schlesien. 223 

Diese Thatsache ist feststeheud; ob aber ein riesenhaftes 
Gabbroconglomerat oder nur ein Gabbrolager, das in Folge der 
ci^enthQmlichen Sattelbildung jetzt unter dem Clyuienienkalk la- 
gert, hier vorliegt, muss unentschieden bleiben. Wenn die Geröll- 
natur des »Gabbro« sicher erwiesen werden könnte, so wäre selbst- 
verständlich der Gabbro, dem die Gerolle entstammen, höheren 
Alters als der Clymenienkalk. In beiden Fällen ist aber die 
Gabhroablflgerung im Kalkbruche — gleichviel, ob Gabbrocon- 
glomerat oder Gabbrolager — junger als der Clymenienkalk und 
eben diese oben erwähnten dichten, rothen Kalkgänge, die zuweilen 
sine schichtige oder strei6ge Anordnung zeigen, also parallel zur 
Begrenzungsfläche gestreift sind, geben der Vermuthung Raum, dass 
der Gabbro auf dem Clymenienkalk abgelagert wurde, als letzterer 
noch nicht verfestigt war, also noch eine schlammartige Beschaffen- 
beit besass. Der »Gabbro« ist somit auch relativ älter, als die 
Gneisssandsteine des Culm, die im Aufschluss des Kalkberges den 
Clymenienkalk überlagern. Die ersteren müssen sogar auf dem- 
selben noch zum Absatz gelangt sein, sodass sie jetzt, freilich 
aicht mehr sichtbar, unter ihm lagern müssten, wie unser Profil 
§. 231 zur Darstellung bringt. P^emer muss der Gabbro auch an 
ier Auffaltung des Oberdevon theilgenommen haben, da er jetzt 
loter dem Clymenienkalk am SW.-Flügel des Sattels auftritt. — 
Die Adern von Faserkalk im Gabbro sind selbstverständlich erst 
iHch vollendeter Sattelbilduug entstanden; ihr Material ist aus 
iem durch diesen Vorgang danach über dem Gabbro gelagerten 
Devonkalken zugeführt worden. 

Im Folgenden ist das Lagerungsverhältniss zwischen Culm 
and Clymenienkalk noch zu erörtern. Es ist die Frage zu 
beantworten, ob der über dem Clymenienkalk folgende Gneisssaud- 
stein des Culm den ersteren gleichförmig oder ungleichförmig 
überlagere. Ist die erstere Art der Lagerung richtig, wie man 
jis jetzt angenommen und F. Frech ^) noch neuerdings betont 
Hat, so würde der anderwärts über dem Clymenienkalk folgende 
Cypridinenschiefer hier nicht zur Ausbildung gelangt sein und 



>) Lethaea palaeozoica Bd. II, 1, S. 177—179. 



224 6. Dathk. Die LageroDgaTpriiällniBse des Oberdevon 

il^r ClymeDieokalk wflrdc hier in der Tliat <jas obi^rst« Glied d« 
Ebersdorfer Uberdevou darstellen. Umgekehrt muss man aber 
gerade aus dem FeUleu der OypridinenBchiefer ober dem Clymenieo- 
kalk in Ebersdorf schlieeseo, da^s erstlich eine Unterbrechung in 
den Abf^atzverhältoissen vor Ablagerung d^r Oneisssandsteine des — M 
Cnim stattgefunden habe, und dass zweitens die Cypndiuenschiefer, .^ 
wenn sie zur Ausbildung gelangt waren, was nach der Eotwioke- — 
luu^ des Oberdevon anderer Gegend höchst wahrscheinlich ist, .^^ 
vor dem Absätze der tiefsten Cutmschichten wieder abgetr^en .^ 
vTurdeu; daraus würde sich aber folgerichtig ergeben, dass die ä^ 

scheinbar concordante Auflagerung der letzteren über dem Cl)" 

menienkalke nicht besteht, sondern dass eine Unterbrechung in .^ki 
den Absatzverhältuissen stattgefunden hat und somit eine uo gleich- — 

förmige Ueberlagerung vorhanden sei. Wenn für letztere Anf- ^ 

tassung von vornherein vorstehende KrwSgungen sprechen, die -"^^ 
auch L. Bbushausen^) letzthin berflhrte, so fragt es sich, ob die^^w 
geologischen Verhältnisse bei Ebersdorf diese Ansicht unterelAtzen-^ -*■ 
Dies ist in der That der Fall. 

Vor allen Dingen wird eine discordante Auflagerung de^^^is 
Culm Aber den Climen ienkalk durch die scharfe, fast haarschai-f^^ ^^^ 
Grenze, die überall sich geltend macht, soweit die G renz verhält— -^* 
nisse der dtrecten Beobachtung an den wenigen Funkten über — ~'^' 
haupt noch zugängig sind, wahrscheinlich gemacht. Dies Ver— ''^*' 
hfiltniss ist bereits der scharfen Beobachtung E. Tibtze's*^^^) 
nicht entgangen ; denn er schildert dasselbe in den folgendec^ -u 
Worten: »Vorher kaum einige Spuren von Glimmer nnc^ -*'' 
höchst spärliche Reste von Pflanzen in den ^lymfnirnlfnlkrn ■""**- 
und nun anf einmal diese Masse nur grob verarbeiteten Mkterial^^ -^ 
der GlimmerreicUthum und die Menge der, wenn auch nur undeat.::^'-'^ 
lieh erhaltenen Pflanzen reste.« Die eingetretene Aendemog ir .^eid 
den Absatzbedingungen sucht er in folgender Weise i 
»Der Einfluss sehr bewegter Wasser, vielleicht verbnndeD m' 



') Dm DevoD dea DÖrdJichen Oberharzes. AbhaudL d. königi. ] 
Landesuut. ete. Neue Folge, H. 30, S. 178. 
>; PalMODtognipkica, Bd. XIX, S 122. 



y 



and Cnlm am Kalkbergc bei Ehersdorf in Schlesien. 225 

einer neuen Strömlingsrichtung derselben, erscheint in solchem 
Falle als eine unwillkürlich sich aufdrängende Annahme.« 

Für eine Unterbrechung im Absätze der Sedimente mit vor- 
beigehender theilweiser Abtragung der obersten Oberdevon- 
sehichten, namentlich der Cypridinenschiefer und des Kalkes bis 
auf die oberste Schicht des rothen Clymenienkalkes herab, scheinen 
folgende Beobachtungen hinzudeuten. 

E. TiETZE^) dessen specielle Gliederung des Clymenienkalkes 
im ersten Abschnitt angeführt wurde, erwähnt, dass der von ihm 
als oberste Schicht aufgefasste kieselige Kalk »nicht durch- 
scehends anzuhalten scheint«. • 

Wenn nun auch die betreffenden Stellen von ihm nicht be- 
sonders namhaft gemacht worden sind, so lässt sich vermuthen, 
dass diese Beobachtungen an der südlichen Hälfte der N.-Wand 
des jetzigen Bruches angestellt worden sind, wie ja auch die Angaben 
Tietze's über das Vorhandensein von zwei rothen, durch den schwar- 
zen Goniatitenkalk getrennte Clymenienkalke, wie überhaupt seine 
Gliederung der Clymenienkalke auf diesen jetzt durchaus unzu- 
gänglichen Bnichtheil verweisen. Hält aber der oben erwähnte kiese- 
lige Kalk nicht überall aus, so darf man wohl weniger an ein Aus- 
keilen desselben — da ja der Gneisssandstein des Culm darüber 
folgt — denken, sondern muss annehmen, dass er an diesen 
Stellen weggeführt wurde und nun der rothe Clymenienkalk dort 
direct, aber ungleichförmig vom culmischen Gneisssandstein über- 
lagert wird. 

Ein gleiches Abschneiden von dem grauen, über dem rothen 
Clymenienkalke auftretenden Kalkstein am Gueisssandstein des 
Culm beobachtete ich an der NO.- Wand des Bruches 40 Meter 
nach SO. von dem NW.-Ende des letzteren entfernt. An der 
betreffenden, ungefähr 2 Meter langen Aufschlussstelle — links und 
rechts waren Schutthalden — grenzte auf 0,75 Meter Länge 
eine bis 0,1 Meter starke graugrünliche Mergelschieferlage an 
Gneisssandstein an, sie verschmälerte sich nach SO. zu und keilte 
sich aus, sodass die djirunter liegende graue Kalksteiuschicht 

») I. c. S. 122. 

Jahrbmh 1900. 15 



326 



E. DjiTin, [He LtgemugsTcttill nint» iW Ob«nleniti 



U 



niinmelir an die t'tilmgrenze berantnit, währeDd von NW. iier^ 't 
ober deu Mergelscbiofcru sich eio* 0,1 — 0,i! Met^r starke Ijiige von^:^ * 
grftiii'ai Kalkstein kgto. dl« eich bald Ober dem «retercn aaskei]te— ^^^ 

Wif «n difiwr Stelle eine Mergel&cbieferlage und xwfi ver — —mx- 
Bchiedenc l<iigeti di-> (iS«reii gniiirCthlicIien Kalkei* an deo <.iil — £' mV 
mischen Gocisssaadstein grenzten, »o l>eob«(rhlrlen A. DBNCKHAXiJS'f^^A'^ 
und ich bei einem die»j&bHgeD Betiiidie ( I »01 ) des Kber«<lorfer Kalk— 3< k 
braches, das^ dem N.-Knde des Gabbro Kiemticb direct ge{ceuQbera.-S ^^ 
nur noch 35 Mi-lcr weiler uacb NW., an der NO.-Wand de&*-^^Jf 
Uniches eiu Ahuliclie« .Vbm^neiden des grauen (Wockluner) Kalke» -^.» 
ani GueieÄs^ndslein stattfindet D«&n die »oost bis 1 Metermich— «^=li 
tige Schicht verschwäclit sich nach SO. bald so weit, das* nu« ä» 'U 
Doch eiur L.inse von 5 Ccntitiieter gtAuteni Dnrcliniesser flhrtj^ i ", 
bleibt. Das hier tu be<>bacbtende Pmtil im C);mBnieBkalk wir.^B'^' 
Folgendes. 

Die theils liu^nfönuig, tbeiU iilatlig «l^^e^ouderlea, dieblend^^™ 
grauen Kalke t^iod durchschnittlich t;ege» I Meter tu&'Jitig; dur-'^^i*'' 
unter folgen 1- 2 l>e<'imeter starke, gnuigrflnlii'lir, oft ^rOurAthlicW^^^ 
Mer^lschiefer, die von 0,75 — 1,0 Meter mScbtigcu Schichten toi» *'^'*' 
rotbeiii Clvmenienkalk mit etwas km^lliger Stniciur, der sich iia « " 
den obersten Lagen zu eigentlichem Knollenkalk herausbildet:*'^*^' 
unterteuft werden. lu letzteren Lagen ftihren sie Clymenien ausK-"" 
der Verwandtschaft der ' li/menia »peeio^a Mt'NST. — Unter den** '^'^ 
rotben ClyuieuieukalLe folgt wieder grauer bis schwärzlichgraner^^*'* 
C'Iymenieukalk von uugeßhr 1 Meter Mächtigkeit. Von hier nacH';^*''^' 
abwärts rerdeckten Schutthalden die Fortsetzung des Profils^s ■ '■' 
Nach A. Dknckmaw wilnle der in der Mitte des Profils gelegen»'* "' 
rothe Clvmenienkalk dem Dasbprger Kalke de« Kellerwalde= ^^ ■^■' 
und Sanerlandes entsprechen. 

Das von F. Frkch') gegebene Profil des Ojineuienkalkes:^'^"'" 
stimmt so ziemlich mit dem Tor^^leheuden itberein and dürfte uogeAh ^—^f 
an derselben Stelle beobachtet sein. Zugleich mag hier die Beob«^^^^^^" 
achtung eingeschaltet werden, dass in den schiefrigen Gneiassanf-— '' 
steinen, welche an der vorgedachteu Beobachtungsatelle den Clvm^^^ 



. p.1^.. 



nnd Calm am Kalkberge bei Ebersdorf in Sohlesien. 227 

c überlagern, ein fast eigrosses KalkgeröUe 1 Decimeter 
r Formationsgrenze von A. Denckmann au%efunden wurde; 
I anderen Stellen habe ich früher kleine KalkgeröUe im 
andstein an seiner unteren Grenze mehrfach beobachtet, 
ese Beobachtungen über die Greuzverhältnisse zwischen 
ienkalk und Culm an dem O.-Flügel des Ebersdorfer Sattels 
ergänzt durch einige Beobachtungen an dessen W.-Flügel. 
rwähnt, ist rother Clymenieukalk mit dem Gabbro ver- 
i; der graue, im O.-Flügel über jenem folgende Kalk fehlt 
iweis; auch daraus und mit Berücksichtigung der bereits ge- 
ten Verhältnisse wird man folgern können, dass auch hier 
lagerung der obersten Oberdevouschichten, nämlich des Cy- 
ischiefers und des grauen (Wocklumer) Kalkes, die später 
ise wieder weggeführt wurden, stattgefunden habe. Be- 
btigt man ferner das Auftreten von Gabbro — gleichviel, 
denselben als Gabbrolager oder als ein Lager von Gabbrocon- 
iten aufzufassen hat — zwischen dem Clymenienkalk und den 
hichten, so scheint auch dies für eine ungleichförmige Auf- 
g der letzteren Schichten über den ersteren zu sprechen, 
e vorstehend zusammengestellten Beobachtungen erklären 
icht nur die scharfe Grenze zwischen Oberdevon und Culm, 
I sie dürften mit Recht auch die Ansicht stützen, dass 
ts eine Unterbrechung in den Absatzverhältnissen nach der 
r des Oberdevon und andererseits dabei eine theilweise 
ung desselben stattgefunden habe, und dass ferner eine 
hförmige Auflagerung des Culm auf jenen oberdevonischeu 
,en vorhanden sei. 

ie Bildung des Sattels am Kalkberge und die der nach O. 
i anschliessenden Culmmulde fallt, wie überhaupt die Fal- 
)6 altpaläozoischen Schiefergebirges mit Einschluss des Culm, 
Zeit vor Absatz der obercarbonischen Waldenburger 
,en. Eine spätere Herausbildung desselben zur Zeit des 
genden ist vollständig ausgeschlossen, obwohl E. TiETZE 
. Schutze dies annehmen. Ersterer^) schreibt nämlich: 

c. S. 113. 

15* 



E. Dat 






B des ObtrdfT 



^Ersichtlich ist es der Porjihyr geweseu, weither, indem er UDter 
der K&hen Kulkmnase nicht miin Diirchbrnch gelangt, daa aaf ihm 
lastende SchichtpQByHtem währPiid eeiner EniptioD gehohen «nd 
dttinit »null die devonischeu AbsSl/e tum der Tiefi^ hervurßrijrncht 
hat, die beim Fehlen einer »ok-hen Ur»^(iohe an anderen Stellen 
uatflrlidi vcratet-kt blieben.« . . . »Augenfiillig war der Umstand, ,^ 
dass dit' in dem Kalkbriich ungefähr ihrer SlreichnugsUnic gemas» j^ 

au%eBchlossent'ii de voniMrlicii Seblclilen in dirtaem Durch- 

schnitte da» Bild eines Sattel» abgeben, dessen höchster ~mx 
Punkt sich fast genau ftlter der Stolle befindet, welche unterhalb des ^^ » 
Kalkes von dem I'<ir|ihyr eiugeuummen wird.« Bei A. Schötzk'j C^-*) 
lesen wir aber: i [)x alisn an der »tldwe.stlichen Bniehwanil Gahhm «^v-u 
die Unterlage des riithen Clymeuienkalkes bildet, sn miis» ninii ^z^M 
daraus den Schliieü stehen, dtm» er Alter als jener ist, und »elbxl. .-^^at 
wenn man den Porphyr des Kalkberges nur als Tuff gelten lassen «-«■■^r 
will, so fehlt keineswegs die Ursache für das idötüliche Zutage' — -^^ 
treten des Devonkalkes, da der Poriihyrtuff auf einen im — «m 
mittelbar darunter anstehenden Feldspath - Porphyr* ^^y 
Bcblieasen lässl. welchem man die Helmng des Kalkes« -^ 
und des Gabbro zuschreihen darf.« 

Die Schlnssfi)lgerniig von A. Schützr hczflglich des in dew-^»** 
Tiefe voriinsgeset/ten Porphyrs ist selbstverständlich verfehlt, wi^«"^! 
auch die Hebung durch Porphyr Oberhaupt nicht in Betracht kommt. *" «"«n 
weil eben dieses Porpliyrgestein kein Porphyr, sondern nuB «-» " 
ein Porphyrtuf'f ist. Letzterer hat bei seinem Absätze ein vie -=^ ■ ''' 
höheres Niveau eingenommen, er grenzte somit zunächst nicht ai*-«» ' 
das überdevou, sondern ist nur in Folge von Verwerfungen später^»*'* 
in die Nachbarschaft des Klahbro« und des devonischen Kalke: ■*» ^^^^' 
gelangt, wie wir noch besonders nachweisen werden. 

Obwohl Schütze*) ganz richtig daa Porphyrgestein mit deir» ^»en 
Porphyrtnffe von Wniditz vergleicht, so gelangt er hinsichtlich^:» «ic'i 
seiner wahren Natur doch zu keiner bestimmten Ansicht. WTW^lle 



') l. c, S. 53. 

I. c, s. r)3. 



und Colm un Kalkberge bei Ebersdorf in Sclilct<ien. 229 

Autoreu vor und nach ihm — ueuerdiugs auch F. Frech ^) und 
G. GuRiCH^) — haben die Tufiuatur des Gesteins nicht erkannt. 
Es ist nicht schwierig, bei sorgfältiger Beobachtung in der licht- 
röthlichen bis schniutzigrotben, feinkörnigen Hauptmasse des Por- 
pbyrtuffs, der die feinkörnigen Aschenmassen darstellt, hasel- bis 
wallnussgrosse Lapilli von Porphyren, z. B. im Steinbruch am 
Kalkberge in ziemlicher Menge nachzuweisen, ei- bis faustgrosse 
Porphyrbomben kommen aber häufig im Porphyrtuffe am Stein- 
berge vor. 

Der Porphyrtuff am Kalkberge erweist sich als ein Lager 
auf der Grenze zwischen Unteren und Oberen Cuseler Schichten ; 
dasselbe wird begleitet von einem 1,0 — 1,5 Meter mächtigen 
und ' röthlichgrau gefärbten Plattenkalke, der ihn in 10 Meter 
Tiefe unterteufl und von ihm durch rothe Letten mit einge- 
schalteten, dQnnen, rothen Sandsteinbänken getrennt wird. Aehn- 
lich ausgebildete Schichten des Kothliegenden bedecken das 
Lager des Porphyrtuffes auf seiner ganzen Erstreckung. Wie die 
Kartirung des Rothliegendeü zwischen Volpersdorf und Ebersdorf 
einerseits und Ebersdorf und llothwaltersdorf andererseits ergeben 
bat, sind die dort entwickelten Cuseler Schichten grabenartig ein- 
gesunken, sodass sie von einer bedeutenden Verwerfung an ihrer 
O.-Seite, wo sie an Culm, Oberdevon und obercarbonische Wal- 
denburger Schichten anstossen, begrenzt werden, wie sie auch 
westlich durch die grosse, über 1000 Meter Sprunghöhe besitzende 
Haupt- Verwerfung am Gabbrozuge abgesunken sind. Im Profil 
S. 231 ist die Anlagerung des gesunkenen Rothliegenden (IV, 10) 
mit seinem Plattenkalke (IV, 10c) und dem Porphyrtuff (IV, 10b) 
am Devon und Culm des Kalkberges zur DarsteHung gebracht 
wofden. — Die Verwerfung ist selbst nicht direct zu beobachten. 



Jahresber. d. Schles. Ges. für vatorl. Cultur 1900, S. 17 und 18. — Ne- 
benbei bemerke ich, dass der Angabe FuiicH^s, der Porphyr dos Kalkbcrgcs finde 
seine Fortsetzung am Bauerberge, ein starker Irrthum zu Grunde lie^t; dorn» 
dort steht überhaupt kein Porphyrgestein an: der PorphyrtufiP des Kalkberges 
bireicht vielmehr zum Steinberge hin, der fast l Kilometer westlich vom Bauer- 
^"'Tge liegt, 

2) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Gesellsch. lOOO, S. 162. 



230 ^- Daiiik, Die LHgrTunysvrrhilltiii^ae d«^ OI'erdcvoD 

soDdem ergiebt sich aus der Kaitiniug der gesHinititon dortigen 
GebirgBSchichtcD. 

Zum ScUuBs babeii wir uns, wie in der Einleitiiuir scboa 
bemerkt wurde, mit den ueuerdinga Ober deu Kalkberg veröfient- 
liehteu Publicationen von F. Frech und G. GOhich noch näher zu 
befassen. 

Von ersterem Autor liegen darüber zwei Arbeiten vor; die 
erslere') fuhrt den Titel: »Geologische ExciirEiouen in Sublesien" 
und eutbält den Bericht Ober ^Excnrsioneu, die er seit mehreren 
Jahren mit den Studirendeu der Breelauer Hochschule nach Sübc-r- 
herg und Ebersdorf unternommen hat'v; derselbe wurde nach sctneu 
Angaben von einem Theilnebmer der ExourBiou gleichzeitig 
niedergeschrieben. Die zweite hierher gehörige Veröffent- 
lichung Fhkch's') ist in seiner Letbaeii palaeoKoica ganz gleich- 
lautend enthalten. Seine Aufrussungeu der LagerungsverhJtltDi:$so 
werden durch ein grosses, iu der letzteren Schrift beigegcbeuus 
Profil erläutert; dasselbe führt die Ueberschrift: >.Scheniatis(.'her 
Durchschnitt durch dus Carbon von Silberberg und Neurode (Graf- 
schaft Glatz).« 

Dieses Profil bringe ich zum gröesten Theile, soweit es ftlr 
uusero Besprechung nothwendig ist, nfimlich von Silberber^ bis west- 
lich des EbersdorferKalkbruches, in genanerCoi)ie(ProfiI III, S.231) 
nochmals zur Abbildung; ich setze ein von mir nach den thatsäch- 
licben VerbÄitnisseu entworfenes Profil (Profil IV) darunter, indem 
absichtlich dieselben Signaturen und Bezeichnungen, wie in dem 
FRECH'scheu Profil, gewählt worden sind; selbstverständlich kann 
deshalb auch das nieinige nur schemntisch gehalten sein, um dadurch^ 
den Vergleich beider bildlichen Darstellungen zu erleichtern"). 

Seit den früher erwähnten ausgezeichneten ForschungetiM 
E. Bkyhichs wissen wir, dass der Culm zwischen Silberberg untt 
Ebersdorf eine normale Mulde bildet und dass der KohIenki<ll== 



') Jfctircsber. d. Schles. Gosdlsoh. für vntcri. Gultur laOO, II, S 

'j Bd. H, 2, S. 302-30y, 

^ Die Eiitfernuni;! a-b ist in bcidwi Profilen gleicli gross. 



nnd Calm km Kalkber^ro bei Bborsilorf in Sclilcsion. 231 

"Von Silberberg- Waldgruiid und der an der O. -Seite des Kalkberges 
auftretende dieser Mulde augehöreu. Wie das FRECH'ache Profil 



■E 'S J 
-S S 's 




"/^Si' 


"M 




7/i / 


-'// 


t^ 


^L 


Ä s 



ä^-ä 



Sil"« 
■if,|i 

o g i>- 






gt, ist die filierst von BuRlcii Ic 
u E. TiETZE, A. Schütze uud \ou nii 

i) Dieses Jahrbuch f. 1884, S. 5C3-.J(;i. 



;i(iiid(.ti lind später auch 
') iiKligeuiesPiic iiorm»Ie 




•i 



Muldcabilduug des Kohleukalkcs in dieser (jegcnd iliui 
uubcknuiit geblieben; er uiiiiiiit an, wie »ein Profil xoigt, und 
spricht aus, dasa der Silberberg- Wal dgruuder Kohteukulk (Prutil 
III, 5) sieb in der Mitte der Mulde auskeile; er s^igt wörtlich au der 
znerat citirten Stolle: Ju gnuz geringer Entfernnug (1 Kiluuictcr) 
keilen Gneiüsconglonierate und Kalkzoue gänzlich aus, Hodass im 
iCalkbrucb bei Eberedorf das Oberdevon toueurdaut Obcrlagtil 
wird von Grauwacken mit eingelagerten Schiefern und Cougktutc- 
raten') (letztere mit gerundeten Kollet einen).« Dieser Satz knl 
wörtlich in seiner Lcthitea palaeozoica *) wieder. 

Man nuiss gestehen, dase die Darstellung des Auskrileus doi 
Kubleukalkes von Silberberg -Waldgrund in den» Muldenliefslen, 
wofflr irgeud welche Beobachtungen au Auffschlüiisen durrh IVrg> 
hau uiebt vorliegen, geradezu vorblflüend wirkt; leider ist das Itild 
nicht richtig; der Kohlen kiilk ersieh eint, v/'iv gesagt und h'tugst 
hekaunt war, als Gegenflügel an der \V. -Seite der Mulde 
am Ostllcheu Abfall den Kalkberges vou Khei-Hd»rl 
wieder, wie auch mein Profil lehrt. 

Wenn im FRicru'seheü Profile flbur der Schiebt 4!i, die f.iu- 
glomerate mit runden Geschieben bezeichnen soll, nnd Qber der 
Schiebt mit Schiefersiguatur, die erstere im Niveau des Kohlen- 
kalkes am W. -Flügel auftritt, uocb Schieferlagen eingezeichnet 
worden sind statt des vorhandenen Kohlenkalkes, so beridit dies, 
wie eben jene vorerwähnte SchieferschiL-lit (111,5) auf etwas zn freier 
wiöseuschaftlicber Behandlung der Natur. Auch diese Schiefer- 
lage hat uocb nicht ihre Diiseiusberechtignng erlangt; denn wirk- 
liehe culmische Thonschiefer stellen sich erst über dem Kobleukalk 
sowohl auf dem hei Khersdorf gelegenen W.-Flügel als auch über 
dem O.-FIfigel ■'), also fiber dem Silberberg -Waldgruuder Kohlen- 
kalke, ein. 

') l.c S. 15. *) S.303. 

>) Wenn F. Fkech vun der Vtrhreitung i)e= Kohleukaltes diesi'ä O.-Flügals 
sclireibt, es sei >eiTi langes Band von wccliseloder MSchtigk''!t aus der Gegeod 
von Silberberg bis Neudorf Titrfolgbur", eo ist das nicht richtig; denn der KoblcJi' 
kalk setzt TOD letzterem Orli: uo^h über 2 Kilometer weit bis zur Colonic Wald- 
grand, also fa^t bis nach \'olpei'ädorf fort, sodass man, will dikd überhaufiU 
Aofaeg und Bndi' des Kohlenkalke.'i von diosem Flügel bestimmen, die TOm. 
mir gebrauchte Beieichnuag vrfthlen muss. 



und Culm am Kalkbergo bei Ebersdorf in Schlesien. 233 

Der Kohleukalk des Kalkberges bildet uicht ein einziges 
Lager, sondern in demselben Niveau, Ober Gneissconglonieraten 
gelagert, erscheinen drei sich nicht ganz berührende Lager, von 
welchem das mittlere das grössere, nämlich 0,55 Kilometer lang 
i^t; das südliche Lager ist durch einen 50 Meter breiten Zwischen- 
raum von dem mittleren getrennt, während der nördliche entfernter, 
nämlich zu beiden Seiten des Baches und am Ende des dorti(;en 
Culmvorsprunges liegt. — Der mehrfach erwähnte Gneisssandsteiii 
(siehe Profil IV, 4 c) erreicht von seiner unteren, über dem Cly- 
nienieukalke gelegenen Grenze eine Mächtigkeit von 30 Meter, 
über ihm folgen auf eine Länge von 160 Meter Gneissconglonieratc 
mit bis über Faust grossen Gneissgeröllen; über diesen kommt man 
Ju das Niveau des Kohlenkalkes (Profil IV, 5), der von Thonschiefcrn 
bedeckt wird. Sodann stellt sich in den Schiefern ein Gabbro- 
^onglomerat ein, in dem bis faustgrosse Gerolle von Gabbro. Diabas 
und Gneiss in fast gleicher Menge vorhanden sind (Profil IV, 6 a). 
lu den in der Muldenmitte entwickelten Thonschiefern (IV, 6) sind 
^üuue, 1 — 2 Meter, höchstens aber 10—15 Meter mächtige Bänke 
(i V'', 7) von ächten, feinkörnigen Grauwacken eingelagert und seltener 
^*nnue Lagen und Linsen von Kalkstein, Kieselschiefern und 
-^^<iiüolen eingeschaltet. 

Nach der Faltun<j und Bilduu^r der Culmmulde fand eine 
*^^>trajTun«c ihrer Schichten östlich des Kalkberjjes im Gebiete der 
-■■ Tonschiefer und Grauwacken statt, und in der so entstandenen 
*^-»'osionsrinne kamen die obercarbonischen Waldeuburger Schichten 
^^ > , 8), aus Quarzconglomeraten, grauen (^uarz - Saudsteinen, 
•^ ^hieferthonen und Steinkohlenflötzen bestehend, zum Absatz und 
'^gerten sich ungleichförmig Ober den Culmsehichten ab. Später 
^''*itten auch diese Schichten eine Zusammenschiebung zu einer 
^*^ulde, deren Flügel in Folge von Verwerfungen eine ziemlich 
^^^ile Stellung (30—600) angenommen haben. 

Nachdem wir einen sehr wesentlichen Irrthum der FREcuschen 

'""^'hriftlichen und bildlichen Darstellung berichtigt haben, benutzen 

*^ hier die Gelegenheit, um bezüglich der Stellung der zwei 

^^'schiedenaltrigen Horizonte des Kohlenkalks in diesem Gebiete 

*'^<^m früheren Autor sein Eifirenthumsrccht zu wahren. 



2:J4 E. Daiitk, Dil! l-uyerungsyerlifiltnisse (Im ObL-rdcvon 

FuEOii') stellt näutlich die UutersclieiduDg des Kohleiikalks in cJu c^ - 
ältere» und jöngerou Horizout alg eiue ueue wisseiiGi'bnftlivhe Erm^^"^ 
geoschaft aeiucrseits liiu. die nuerst von GÜRICH in seinen Krläut^^^ 

rungen zu der geolofjisclien Uebersichtskarte von Schlesien (189t f 

«iiiigedeutet- worden sei. Aber weder Herrn G. GÜIUCH uoiih Heiu 'i 
F. Frech gebfthrt das Verdienst, diese Gliederung und Unterscbe ~ä- 
düng zuerst >: angedeutet « oder aufgestellt zu babe:^K=s 
Bereits im Jiibre 1882 iiaf A. SchPtze^) dieee Gliederung « u 
seiner ; » Geognosliüehc Darstelliin;; des N iodersebleslscIi-Böhni ?- 
scheu Steiukohleubecken» '. durchgeführt; er schreibt: »Es »ii^ (i 
deuiuaoh zwei vprsi'hiedenalterige Kohlenkulk- Vorkoni uieu zu uule^r- 
scheiden nud als «-Kiilk und ,':^-Kalk kii verzeichnen. Zum a-KnB k 
gehört der ältere Kohleukalk von Waldgrund, Neudorf iiud .Silbe ^r- 
berg und sfiu üegenflügel bei Ebersdorf, zu den i-IZ-Kalkon d ic 
Kalklager au der Vogelkippe, von Hauedorf, GlAtzisch-Knlkeuber-^;- 
das haugende Lager von Waldgi-nnd und dos von Uoth-Waltei — «- 
dorf. Die Verschiedeuheil der «- und (^-Kalke documentit-t si^cnli 
nicht nur lu der g&uzlich verschieden eu petrograi)hiBchpu Au»b ü- 
dung, sondern auch iu dem verschiedenen Charakter der Fani^ n~ 
indem, wie aus der weiter unten aufgettlhrten Zusaninien«tella^~3<^ 
der Niederschlesischen Kohlenkalk - Fauna nach den einzeln ^cf«« 
Luc.ilitäten hervorgeht, NiMidorf- Silberberg mit Altwasser-Hai^ *" 
dorf vou 120 Geeammt-Species uur \'l gemeinsam besitzen.' 

Die Nichtberlli^ksichtignng der vorhandenen Literatur hat t^^' 
Fhkch auch die irrthfluiiicbc AufTHssung der Lager ungsverhSltnii!^ *" 
der devonischen und culniischeu Schichten am Kalkberge verit ■*■" 
lasst. Wie sein Profil und seine Darsteihmg in seinen beid -^o 
bereits augefilhrtcii Schriften lehren, kennt er die Satte? *' 
bildung, au der, wie wir noclimals ausführlich auseiuaudergese*^^* 
haben, das Oberdevon und derCnlni tbeiluehmen, uicl"^ *' 
obwohl dioöe Lagerungsfonii vou E. TiETZE schon kurz augedeu*-*^ 
und vou A. Schütze ausführlich erwähnt wurde. 

Ferner ist ihm das Vorkouimeu von »Gabbro« iui Kai »^ " 

I) JaLreeber. d. Sclileo. Ges. f. vaterl. Cultur 1900, II, S. 15 und Letlt^^^'" 
palaeowica II, 2, S. 310. 

^ Allhandlungen d. kgl. prcu^s. )reul. LandesaiiBt., Bd. 111, H. 4, S. 50. 



und Gulm am Kalkborgc bei Ebci*sdorf in Schlosion. 235 

iche, obwohl A. Schutze dies scbou eingehend beschrieben 
, unbekannt geblieben, obwohl er seit mehreren Jahren 

den Studirenden der Breslauer Hochschule jährlich geolo- 
ihe Excursionen dahin unternommen hat. 

Das Vorkommen »des vollkommen verwitterteu, rothen Quarz- 
•phyrs, der unmittelbar an das Devon grenzt« (siehe Profil III, 
, beruht auf einer ungenügenden Bestimmung Frech's ^), denn 
3 Porphyrgestein ist, wie von mir erwähnt wurde, ein Porphyr- 
'f. Es braucht wohl kaum die Aufmerksamkeit des Lesers 

den Unterschied der beiden Profile hinsichtlich der Darstellung 
' Rothliegenden hingelenkt zu werden. F. Frech giebt ledig- 
^ »Quarzporphyr« (111,10) an, wo nach meinem Profile 
i in der Natur Porphyrtuff (IV, 10 b) Sandsteine und Schiefer- 
en der Cuseler Schichten (IV, lO) und Kalkstein der Cuseler 
hichten (IV, 10 c) zur Ausbildung gelangt sind 2). 

In zwei kleinen Mittheil unoren und in seinem Führer in das 
esengebirge befasst sich G. GÜRICH mit dem Ebersdorfer Kalk- 
fge. Von den ersteren fühii die eine^) den Titel: »Das geolo- 
«he Profil von Ebersdorf in der Grafschaft Glatz«, die andere*) 
sitzt die Ueberschrift: »Ueber Gabbro im Liegenden des ober- 
vonischen Kalkes von Ebersdorf in der Grafschaft Glatz.« 



') Jahresber. d. Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur 11, S. 18. 

^ Aehnlicho Irrthumer, wie die hier erwähnten, enthält die FiiKCH'scho 
•haea geognostica nnd sein Bericht über * Geologische Excursionen in Schlc- 
^'^ über das Niederschleslsche Palaeozoiciim, namentlich auch über das Ober- 
bon und Rothlicgende noch recht viele. Dasselbe gilt vou seiner brieflichen 
ttheiioDg im Centralblatt für Mineralogie etc. 1900, S. 337— 311, über das 
^Miegende an der schlesisch-böhmischen Grenze. Es blüht mir also die nicht 
feuliche Aufgabe, diese Irrthumer gelegentlich berichtigen zu müssen. Die 
nogischen Verhältnisse dieses Gebietes sind bekanntlich sehr complicirt und 
^'fierig'; Herr Frech und mancher Andere werden wohl nun verstehen, weshalb 
diese so interessante, aber schwierige Gegend recht gründlich untersuchen 
d aof eine vorzeitige Publication meiner geologischen Aufnahmen in Nieder- 
ilesien — abgesehen von anderen amtlichen Gründen — verzichten musste. 
6 unpassende Bemerkung Fbech's darüber in seiner Lethaea II, 2, S. 311, 
'*lt nun durch ihn selbst nämlich, durch seine doch mindestens flüchtige 
Handlung der geologischen Verhältnisse von Ebijrsdorf etc. die genügende 
leuchtung und hier die verdiente Abweisung. 

^ Jahresber. d. Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur 11, S. 65. 

*) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Gesellsch. 1900, S. IGl. 




Nacll Widcu letztereu AlittLeilimgcii glutlbt U. UCkIUB 
mehrere ucur Entdeckungen geumclit üii hnbcii ; erstlich m d(t 
i>Gabhrot im Kalklruebo Kiierst von ihm aufgefunden worden, 
flcuu er') schreibt : Pfingsten 1^02 ronchto It-h in dem geiiauu'ai 
Hntchß ttine Ileohachtuug, die, soweit ich mhcIi dt^n vurliegeadrii 
Augabtfu iirtheilen niii.«ä, von anderer Seilu nuch nicht gcmacbt j 
wurden ist . . . An der Mitte der W. -Seite des Itrucheü sieb« 
. . . Klt]>peu vuti Ciiibbro hr.« Zweitens ersi;heint ihm al« neue 
lleobuehtuug die Suttclbilduug im Kalkhriiche, eigfutlich mir in 
di-'ui N.-Ende defeselben, den» es lieisat^); »Im ninter|;riiii(le 
niiiiercr «diematiaehen Zeichnung, giiux nui N.-Ende des Bfucbif 
int eine deutliche Autikliue blossgoiegt, iu welcher dt« übt'r«leii 
l'Iyiueuien -Hauke und die uuteraten Culmgrauwackeo iincli 0. nuJ 
W. ciut'alIeD; zugleich ist der westliche Flfl^l um kuHiii 1 Mctir 
gegen den Östlichen abgesunken." 

Zunftchet ist fOr letzteres L'ilat eine Berichtigung boIIi- 
wcudig. Es ist nämlich uicht der westliehe, sondern der Sit' 
liehe Flügel des Sattels an dieser Stelle ge^uukeu. Man vergleiii« 
darüber meine Bescbreibnug und Abbildung auf S. 219. Au (is 
Siittelbitdiuig betheiligeu sich iiiclit nur der Culni und i>-' 
Clymcuienkidk, sondern auch der ll»uptkdk. Ferner siuJ ilif «^^ 
E. TiETXE und A. SchCtzf. Über die Sattelbildung gemMthlen 
Mittheilnngen und die von letzterem Autor bekannt gegcbfO' 
Heschreihung über das Auftreten des vdabbro« ihm Iremi' 
geblieben; es tritt also auch hei G. tlCRiCH eiu bedfluerlicli" 
l'ebersehen der xeiuschlSgigen« Literatur^) zu Tage- 
Ferner ist iiodi hervorzuheben, dass G. GCrich auob i^ 
l'oriihyrtuff nicht erkannt hat; weshalb er immer nur vom Ktfi*" 
dorler Porphyr spricht 

Den .ScLIusöfolgeruugeii, dh ii. LiüuiCH ül^ec die Kütittltii^ii! 
und das Alter des »Gabbro« von Ebersdorf anknüpft, kann icli 



>) I. t. S. Uli. 
') I.e. S. l6-.>. 

') Diese» ücbersulico dvr eiuBulilä^gen Literatur macht «ich auut bei smdcs 
linir iu das Riesengel >irgo oft bemerklich, worübw ich im anderer Stelle W 



und Culm am Kalkborgo W\ Eberstlorf in Schlesien. 237 

iiielit beipflichten. Er fusst dies Gabbro- Vorkommen als eine, 

sclion zur Devonzeit hervorragende Klippe auf, auf dem der 

Korallen- fahrende Hauptkalk zum Absatz gelangt sei, und betrachtet 

sie als ehemals mit dem Gabbro von Neurode in Zusammenhang 

stehend. Der Letztere soll ein Tiefengestein von archäischem Alter 

sein, und das gleiche Alter soll auch dem Gabbro von Zobten und 

1?^ rankenstein nach ihm zukommen. Wenn sich auch das Alter 

des G.ibbro von Neurode nicht ganz sicher als devonisch bestimmen 

lasst, so gehört er jedenfalls nicht zu den archäischen Tiefengesteinen; 

denn, wenn er auch kein Ergussgestciu ist, wie G. GÜRICH richtig 

bemerkt, was aber meines Wissens auch Niemand behauptet hat, 

so ist doch das massivartige Auftreten eines Eruptivgesteins noch 

kein Beweis für sein archäisches Alter. Wäre diese Lagerungs- 

form für das Alter eruptiver Massen entscheidend, so mflssteu 

beispielsweise alle stockfbrmigen Granite Schlesiens, so namentlich 

des Riesengebirges, von Striegau, Strehlen und dem Zobten archäisch 

sein. Ist denn der Granit des Brockenmassivs archäisch? Ich 

^»nterlasse, die Beispiele Ober das massivartige Auftreten von 

Eruptivgesteinen, da ich das als allgemein bekannt voraussetze, 

"ier zu vermehren. Giebt es überhaupt archäische Massive von 

Eruptivgesteinen in dem GöRiCH'schen Sinne? Die Sedrrholm'- 

s^hen Angaben dan*\ber aus Finland halte ich für nicht genügend 

begründet. 

Die Gesteine des Gabbrozuges von Neurode sind nach Zu- 
sammensetzung und Structur sehr wechselnd und namentlich das 
durchaus diabasartige Gefüge des »Gesteins der Schlegler Berge«, 
das wiederum von gleichstruirtem Diabas gangförmig durchsetzt 
^''rd, lassen eben wegen ihres Gefüges vermuthen, dass sie zu den 
^*toren paläolithischen Eruptivgesteinen zählen. Der Unterschied 
^^'ischen dem Neuroder Gabbro einerseits und dem vom Zobten 
Uud Frankenstein andererseits ist auffällig genug; aber auch von 
^t^teren lässt sich nicht erweisen, dass sie archäisch sind, wenn 
*^*^ auch in krystallinischen Schiefern zum Durchbnuh gelaugten. 

Berlin, im Üctober 1901. 



Abhandlungen 



von 



erhalb der Königl. geologischen Landesanstalt 

stehenden Personen. 



Die Fauna des Senons von Biewende bei 

Wolfenbttttel. 

Von Herrn A. Wollemann in Braunschweig. 



Südöstlich von Wolfenbüttel zwischen den Dörfern Kissen- 
'^Uck, Gr. und Kl. Biewende, Remmlingen, Wittmar und Sottmar 
teht ein bald mehr weisslicher, bald mehr gelblichgrauer, stark 
^^Ikhaltiger Mergel an, welcher auf der bekannten geologischen 
^arte Ewald's mit dem Buchstaben »f« bezeichnet und zu den 
^genannten llsenburgmergeln gerechnet ist, unter welchem Namen 
^Wald bekanntlich Senonschichten verschiedenen Alters zusammen- 
^sst, wie die Quadraten- und Mucronatenschichten der Umgegend 
'^on Königslutter, die senonen Thone und Sandmergel von Querum 
^^i Brauuschweig u. s. w. Da die Fauna der Mergel der Um- 
fügend von Ilsenburg, welche besonders gut bei Veckenstädt, 
^tapelburg, Bettingerode und Lochtum aufgeschlossen sind, nicht 
'^^erheblich von der Fauna des Biewender Senons abweicht, so 
^bien es mir gut, hier eine kurze Uebersicht der Fauna von 
-^terem Fundorte gesondert zu geben, ähnlich wie dieses bereits 
"Qher durch Griepbnkerl ^) hinsichtlich der Fauna des Senons 
^»^ Umgegend von Königslutter geschehen ist. 

Der Biewender Mergel hat eine ziemlich grosse Festigkeit, 
^ lange er im Boden liegt, zerföllt aber an der Luft sehr schnell 



') Die YersteineroDgen der senoDen Kreide yon Königslatter im Herzogthum 
'^«mschweig. Palaeontologische AbbandluDgen herausgegeben von W. Damks u. 
Kaysbb Bd. IV, S. 10, 1889. 

Jahrbncb 1900. 1 



I, Die Fbuos äc.» SenoDS tod Bievonde bei Wolfimbüll«!. 



in kleine Stöckcbco, besonders dflnii, wenn er nach eioem R>>go i -~ 

von der Sonne beschienen wird; mit ihm zerfallen aiiuh die mpintp i — 
der darin entbalteueu Versteinerungen volktändig, mit AuEnahm^^^^ 
der verkieselten Spongien, von welchen nach dein 2erfit)) Je^^e^^ 
Gesteins grössere und kleinere, meist stark verwitterte Bnitb — — 
Stücke zurOi;ki)leiben. Hieraus erklärt es sich, dass in den Samm- — — 
lungen nur wenige Versteinerungen von Bicwende aufbewahr — awi 
werden, deren Liste kein voUetSndiges Bild der Biewender Seuon ^ n 
fauua liefern würde. 

Besser eriialtene Versteinerungen habe ich erst durch ein m=mJfi 
grössere systeniatisclie Ausgrabung bekommen, zn welcher niii «rsiir 
die Gemeinde Gr. Biewende nicht nur bereitwilligst die Erlaubnisse £ li^ 
erthettte, sondern auch die geeigneten Arbeitskräfte zur V^ert^guu; kis ao^ 
stellte. 

Es ergab sich hierbei, dass die meisten Versteinerungen durc ;L»-»rel 
die ganze Ablagerung, soweit dieselbe anfgeschlossen werde ^»tde 
konnte, gleichmässig verbreitet waren. Inoeeramm Cripsi fan m:*-»^' 
sich in dem Steinbruch hei Gr. Biewende be&onders häufig un«^>'^^' 
in grösseren Exemplaren nahe der Oberfläche: sie wurde nac'rj».^*>C 
unten zu seltener. An demselben Orte fand ich auch neben ders ^» ■*" 
häufig auftretenden und durch die ganze Ablagerung hindurcIrJ i^^''-''' 
gehenden Actinocamax quadrutu» von der Mitte des Aufschlüsse» ^*ä^ 
an bis nach oben einzelne Eseniplare der typischen Form df^fc^de 
Belemniteüa mueronata, ähnlich wie GrikpenhERL ') und StoLLBY* T^"!" 
beide Arten bei Königslutter zusommen gefunden haben. Beleiik.'^'^ "^stu- 
niteüa mucronata habe ich dagegen in dem Kl. Bieweiider Stein» » ■^'i'- 
bruch, wo Actinocamox quadratu» noch häufiger ist, als in G -i^ZÄJr. 
Biewende, nicht beobachtet, während im übrigen die Fauna d^ fc»er 
beiden erwähnten Fundorte grosse Uebe reinstimm ung zeigt. Wenr« -^oü 
ich im Folgenden eine grössere .Anzahl Arten von Gr. Biewen»-» -^''^ 

') Die VersteineruDgen der seronen Kreide von Königslutter im Heraogtbc^'' ""' 
Br>DiiBchweJg. talaeonto logische Abhandl. herausgegeben von W. Dami« d — ^^uiö 
E. Kav.bii Bd. IV, S. 10, 1899. 

^ Ueber die GliederuDg des uorddciitschea und ballischen Senoo sowie ^— — <l>f 
dasselbe charakterisireadeii BeleDDiten. Archiv für Aothropologie nad Geolo ^S*' 
3chkswig-Hol>tciDs, Bd. 2, EIeft2, S. 229, 1897. 



A. WoLLBMAim, 1)16 Panna des Seoons von Biewende bei WolfeDbfittel. 3 

^uffikbren kann, als von Kl. Biewende, so bat das bauptsäcblicb 
»«inen Grund in der geringen Grösse des Steinbruebs bei letzterem 
IDrte, in dem icb nur Ausgrabungen in geringerem Umfange an- 
^^tellen konnte. 

Fast alle von mir gefundenen Versteinerungen sind scblecbt 
erhalten, besonders die Spongien, welche deshalb wenig zu einer 
xionograpbiscben Bearbeitung einladen; die letzteren sind zum 
^rössten Theil in fast structurlose, stark eisenhaltige Kieselmassen 
imgewandelt, welche später theil weise zersetzt sind und oft nur 
sinen mürben bis erdigen Brauneisenstein hinterlassen haben, wes- 
halb sich brauchbare mikroskopische Präparate aus dem grössten 
Dbeil des mir vorliegenden Materials nicht herstellen lassen. Wenn 
lIso Zittbl^) Biewende mit unter den Fundorten fQr besonders 
^ut erhaltene Spongien aufRlhrt, so gilt dieses nach meinen Be- 
obachtungen nur von einem geringen Theil der dort vorkommenden 
ahl reichen Arten. Einige Hexactinelliden, wie Coeloptychium und 
^o&cinosporay sind recht gut erhalten und liefern gutes Material 
\v mikroskopische Untersuchungen; bei der Bestimmung der 
eisten Species ist man dagegen vorwiegend auf die schwankende 
ssere Gestalt und auf kleine Reste der noch die feinere Structur 
'«renden Oberflächenschicht angewiesen. Die folgenden Arten 
ren mit einiger Sicherheit zu bestimmen. 

1. cf. Seiiseothon gigantens A. Roemer sp. 

.. Cupulotpongia gigantea A. Roemkh, Die SpoDgitarien des norddeatschen 

Kreidegebirges. Palaeontographica 
Bd. 13, S. 51, Taf. 18, Fig. 1. 

Grosse, dickwandige, ziemlich regelmässig gestaltete Trichter 

abgerundetem Rande stimmen zwar gut mit der angezogenen 

ies in der äusseren Form überein, sind aber vielleicht lang 

)lt gewesen, wie die Gestalt einer am unteren Ende der 

ter vorhandenen Bruchfläche vermuthen lässt. Der Durch- 

r beträgt am oberen Rande 110 Millimeter uud mehr. 

und Kl. Biewende zs. ^). 

laadbuch der Palaeontologie Bd. 1, S 140. 
= h&ufig, zh. = ziemlich häufig, s. ^- selten, zs. = ziemlich «m»!*'»- 



4 A. Wuki-cHANN, Die FiQiia de*. Senons »on Bieitende bei Wolfenbütul 

2. SeliscothoB margisatas A. Roeuer sp. 

1841 Sci/pliia marginala A. Kokxcr, Die Versteineraogen <1m norddealscbeK^ 
Eroidegebirge» S. 6, Taf. 3, Fig. 7 

Bald mehr rege Idiöss ige, bald mehr schiefe, dickwandig«^ 
Trichter, welche unteu in einen kurzen, fingerdicken Stiel auslaufen — 
Der liaud wird auf beiden Seilen von einer scharfen ICante be — 
grenzt, fällt mehr oder weniger eehräg uach ausseu ab und Keig£^ 
bei den besser erlialteneu Exemplaren runzelige, imregelmäs«!^- 
radial verlaufeude Furchen. Der Durchmesser beträgt bei den» 
grösEten vollständigen StCtck 105 Miilimetor, doch liegt mir eii^ 
BmchstÖck eines Eseiiiplares vor, welches wahrecheinlicb beträcbt — 
lieh grösser gewesen ist. Die Dicke der Wand schwaukt am oberfi:^^ 
Rande zwischen 10 titid 21 Millimeter und ist von der ür&as^s:' 
des Scbwainmes ziemlich nnabhftugig. 

Gr. und Kl. Biewende zs. 

3. Selfscothon Roemeri Pomel sp. 

ltli>4. Cupuloipoiu/ia Mtintelli GoLDFusa bei A. Roeuek, Die SpongitAricu ili ■ 

DorddeatBcheo KreidegebirgM. PkU» 

onlographic« Bd. 13, S. 50, Taf. \-r' - 
Fig. 6 (doh GoLDrou). 

Mir liegen zwei BrucbstQcke eines trichterförmigen, dDnu 

wandigen Schwammes von Ur. Biewende vor, welche noch Kest^^ 
der feineren 3tructur zeigen und in dieser Hinsicht gut mit der^H 
Abbildung bei A. Roemer a. a. O. Obereinetimmen. Von A_ 
Robher iet diese Art zu Scyphia MantelU Goldfcss 1) gestellK^^^ 
welche jedoch niedriger und bedeutend dickwandiger ist, nberhau|^ 
eine wesentlich andere Gestalt bat. 

Gr. Biewende s. 

4. Verrncnlina marginata Phillips sp. 

1829. Spongia mor^inala Phillips, Illu&tntioDe of ihe geology of Yoi^hire, 187^^^ 

3. Aufl., S. 322, Tar. I, Pig. 5 (HhiodI. 

Von dieser Art liegt mir nur ein 52 Millimeter hohes ua^ -^ 

57 Millimeter breites, kreiselfärmiges Exemplar vor, welches eii^^» 

massig tiefe, trichterförmige Einsenkung des Scheitels "ig^ "* 



1 



■) P«trerBcU GArmaaiae I, S. 219, Taf. 65, Fig. 5. 



A. WoLiiBMANN, Die Fanna des Senons Yon Biewende bei Wolfenbüttel. 5 

tztere ist mit zerstreut stehenden, warzenförmigen Ostien besetzt, 
lebe sich auch einzeln au der Aussenseite befinden, dagegen 
1 Rand fast ganz frei lassen. 
Kl. Biewende s. 

5. Yerrnenlina anrita A. Roemer sp. 

4. Chenendopora aurita A. Robmkr, Die Spongitarien des norddeatsohen 

Kreidegebirges S. 43, Taf. 16, Fig. 2. 

Mehrere unvollständige ohr- bis trichterförmige Stücke scheinen 
dieser Art zu gehören. Sic zeigen die warzenförmig hervor- 
;enden Ostien^ welche auf die Innenseite beschränkt sind und 
:^h den abgerundeten Rand frei lassen, sehr gut. 
Gr. Biewende zs., Kl. Biewende s. 

6. cf. Amphithelion miliaris Reuss sp. 

6. Alanon miliare Rbuss, Die VersteiDerangen der böhmischen Kreide formation 

ir, S. 78, Taf. 19, Fig. 10—13; Taf. 20, Fig. 3. 

Ein verbogen ohrförmiger Schwamm von Gr. Biewende hat 
>S8e Aehnlichkeit mit der angezogenen Species, doch ist die 
össe der Ostien der Innen- und Aussenseite fast gleich. Be- 
iders ähnlich ist die Figur 12 bei Reüss, welche ebenso eigen- 
kmlich in einander geschlungene Ostienreihen zeigt wie das 
emplar von Biewende. 

Gr. Biewende s. 

7. Scytalia annulata A. Roemer sp. 

»4. Eudea annulata A. Roemeb, Die Spongitarien des norddeutschen Kreide- 
gebirges S. 26, Taf. 11, Fig. 2. 

Meistens findet sich dieser Schwamm der RoEMER^schen Ab- 
düng entsprechend, in einzelnen Walzen; nur in einem Falle 
id zwei Exemplare am unteren £nde zusammengewachsen. Die 
bhe beträgt etwa 90 Millimeter, der Durchmesser 30 — 35 
iliimeter. 

Gr. und Kl. Biewende zs. 

8. Doryderma ramosnm Mantell sp. 

22. Spongia ramosa Maittell, The fossils of the South Downs or illustrations 

of the geologj of Sossex S. 162, Taf. 15, Fig. 1 1. 



A. W01.LEUAHK, Die FsuQA des Sodoos van Biewende bei WtilfeDbütt«!. 



Diese Art erreiclit eine beträchtliche LäDgp, kommt aber meit? 
nur in BruchatOckeu vor. Diis volJetändigste Stück ist 210 Mills 
meter lang und hat unten 20 Millimeter, weiter oben iin ilew~- 
Gabeliiugen 30 Millimeter Durchmesser; es ist baumartig ver/.weig-i 
niid hat .'i Hauptäste, von denen zahlreiche dünnere NebeiiA«t« 
uuslaufeu. Die filr die (iattung charakteristischen, darch eine 
netzförmige Lagerung der Skeicttkörper gebildeten maschenartigetj 
Oeffoungen sind nur an einem Brucbstflck erhalten tmd stiniinoc_~ 
am besten mit der Älibildimg bei Reüss ') flberein. Das vo» 
Maktell a. a. O. abgebildete StCtck ist etwas schlanker als mein-« 
Biewender Exemplare. 

Or. und Kl. Biegende h. 



y. Doryderma cyliiidricuin Zittbl. 

187S. hoTijdeTma ci/liniirituni Ziirei-, Stiidi.-D über fossile SpODgien Ablli. 2, S. 6- 

Diese Art soll nach ZiTTKL bei Bie wende vorkommen 
selbet habe sie dort nicht geiimden. 

10. Phymatella bnlbosa Zittgl. 
187?. Phgmatdla bulboia Zn-nn., ». a. 0., S. 74, T«r. 3. Fig. 1. 

Ebenso wie die vorige Art von mir nicht gefunden. 

II. Änlaxinia sulcifera A. Koehbr sp. 

186-1. Siphonocoelia tulcifera A. Rokmer, Die SpoDgilarien des norddenttclH 
KreidegebirgM S. SO, Taf. 1 1, Pig. 

Von dieser Art liegen mir nur zwei Kxemplare vor, vou den* 
das eine sehr regelmässig keulenförmig ist, also auch hineichtli« 
der äusseren Gestalt der Abbildung bei A. Robhbr s. a. O. er3 
spricht, während das andere schief birnenförmig ist. 

Zwischen ür. Biewende und Sottmar s. 

lä. SJphonift coronata Gribpenkbrl. 
1889. Siphoaia coronata GKiEPE.tHERL, Senon von Königilntter S, 19, Tmf — 
Fig. 1-3. 

') Die VerttrineniQgei] der b&hmigeheii Kreide rormatiOD II, S. 79, Tftf. 
Fig. 7 und 8. 



^ 

n 



A. WoLLJBMAN2(, Dio Faaoa des SeooDS von Biewende bei Wolfenbüttel. 7 

Zu dieser Species scheint eiu etwa 90 Millimeter hohes Stück, 
eelchos oben einen Durchmesser von 67 Millimeter hat, zu gehören; 
iosichtlich der Gestalt zeigt es grosse Uebereinstimmung mit der 
ibbildung Fig. 3 bei Griepekkerl a. a. O. 

Gr. Biewende s. 

13. Astrocladia yerrncosa A. Koembr. 

^64. SteUiipongia verrucosa A. Rokmer, Die SpoDgitarien des norddeutschen 

Kreidegebirges S. 50, Taf. 17, Fig. 5. 

Das einzige mir bekannt gewordene Exemplar, ein 55 Milli- 
leter langes und ungefähr 19 Millimeter im Durchmesser dickes 
(ruchstück, befindet sich in der Sammlung der Königl. geologischen 
^andesanstalt in Berlin; es zeigt gut den elliptischen Querschnitt 
md die wenig hervorragenden, von strahlenförmig gestellten 
''ureben umgebenen Oscula. 

Sottmar s. 

14. Leptophragma Hurchisoni Goldfuss sp. 

826 — 33. Scyphia Murcküonü Goldfuss, Petrefacta Germania« I, S. 219, Taf. 65, 

Fig. 8. 

Bildet flache, dünnwandige, längliche Trichter, welche auf 
iner Seite oder auf zwei Seiten eingedrückt oder eingebuchtet 
ind und unten in einen kurzen, dünnen Stiel auslaufen. Die 
^änge beträgt bis 90 Millimeter, die Breite bis 70 Millimeter, die 
^anddicke nur 2 — 3 Millimeter. Die feinere Structur der Ober- 
läche ist an alleu Exemplaren nur undeutlich erhalten. 

Gr. und Kl. Biewende s. 

15. Coscinopora infandibnliformis Goldfuss. 

826 — 33. Coscinopora tn/undibuliformis GoLDFVsa, Petrefacta Germ aniae I, S. 30, 

Taf. 9, Fig. 16; Taf. 30, Fig. 
10. 

Dieser Schwamm kommt verhältnissmässig gut erhalten vor; 
illerdings sind die Becher über der Wurzel stets abgebrochen und 
^uch sonst nie ganz vollständiji^, lassen aber immer gut die im 
^uincunx stehenden Ostieu und die feineren Poren in den Wan- 
lungen zwischen denselben erkennen, so dass auch noch klein? 



A Wo..u. 



\, Dia Paana des San 



a Biewosde hei WoIfeDbüUol. 



ßrnchstßckc sicher zu bestimmen sind. Die Höhe beträgt im Mitt«*=~' 
etwa 100 Millimeter, das grösste meiner Exemplare scheint f»s*- ^ 
doppelt so hoch geweseu zu sein. Die Waiid ist bei siimtntlich«*^^* 
Stocken etwn 3 Millimeter dick. 
Or. und Kl. Riewende h. 

16. Aplirocallisfes alveolites .\. Uoembr »p. 

1841. SiypIiHi aheolüei A. RoEtiKH, Dia VereteinaraDtten dei norddentöcliei 
Kreidpgebirges S. 8, Tat. S, Flg. 6. 

Mir liegt ein Stflck eines dicfaotomen Astes mit ziisammeii— , 
l^drflckt elliptischem Quersehuitt vor, dessen einer Zweig toII- 
ständig erhalten ist und mit abgerundeter Kaute in ein flach t 
caves Bcckeu endigt; die Durchmesser betragen am Scheitel 22 * 
Millimeter und 17 Millimeter. Die Oberfläche zeigt überall die 
sechsseitigen, durch eine dünne, poröse Scheidewand getreauten^^ 
Üstien der Radialkanäle, welche besonders an einer verwitterte iz^n 
Stelle scharf hervortreten und hier ganz das Aussehen sehr klein^^^ 
Bienenwaben haben. 

Kl. Btewende s. 

17. ?«iitricDtit«i Btriatu Toülkik SifiTtii). 

1648. VentfkuUta itriala» Touluin Smith, Od the Veotricalidae of th« Ch*K-^^; 
their claasiGcation. The uinalB n •— '^ ^ 
maguiiia of natoral histoij S«n^ '^S, 
Bd. 1, No. 3, S. 212, T»f. 13, Tis— * 
und 13. 
Kommt meist in zusammengedrückten Stücken vor, weleÄ-»^ 
die fhr die Art charakteristische Becherform vollständig verloi-^E^' " 
haben, aber die Strnctur noch eiuigermaaesen gut zeigen. Au.^t^^'' 
einige andere, noch becherförmige Exemplare mit undeutlich ^^^' 
haltcuer Strnctur scheinen hierher zu gehören. 
ür. Biewende zs., Kl. Biewende s. 

18. Bflcksla SoekeUndi SohlCter. 

1866. Becttia Soekelandi Schl^tbii, SitznD|;ab«r. der uiederrhrnniacheD Gu» ^*"" 
Bcbaft iD BoDD S. 92. 

'} Die BeBtimmDDg dicssr Art verdanke ich Herrn 0«li. Bergrstb Profa^»^*^'' 
Pr. TOM ZmcL in USnchen. 



A. WoLLBMAMH, Die Fauna des Senons yon Biewende bei Wolfenbattel. 9 

Diese von SchlOtSR zum Leitfossil erhobene Spongie kommt 
i Biewende selten und meist nur in Bruchstücken vor; besonders 
den sich Theile der wurzelähnlichen Anhänge. Das einzige 
ligermaassen vollständige Exemplar, welches ich kennen gelernt 
be, befindet sich in der Sammlung der Königl. geologischen 
ndesanstalt in Berlin; sein Durchmesser beträgt am oberen 
nde etwa 80 Millimeter. 

Gr. Biewende s. 

19. Coeloptychinm agaricoides Goldfuss. 

'6 — 33. Coeloptychium agaricoides Goldfuss, Petrefacta Germaoiae I, S 31, 

Taf. 9, Fig. 20. 

Die Biewender Coeloptychien sind verhältnissmässig gut er- 
ten; ganz vollständige Exemplare sind allerdings selten. Sie 
eichen nicht ganz die Grösse wie an anderen Fundorten. 
ITTKL. ^) erwähnt z. B. ein C\ agaricoides von Haldem, dessen 
tiirni am unteren Rande einen Durchmesser von 120 Millimeter 
:, während bei den Biewender Exemplaren dieselbe Dimension 
VB. 80 — 90 Millimeter beträgt; besonders ist der Stiel verhältniss- 
.ssig dünner. Die schmalen, spaltfbrmigen Ostien der Uuter- 
te, an denen man die Art leicht von anderen Coeloptychien 
terscbeiden kann, sind meist deutlich sichtbar. 

Gr. und El. Biewende zh. 

20. Coeloptyehinm lobatnm Goldfuss. 

26 — 33. Coeloptychium lohatum Goldfuss, Petrefacta Germaniae I, S. 220, Taf. 

65, Fig. 11. 

Seltener als die vorige Art. Ich selbst habe nur zwei stiel- 
se Exemplare bei Biewende gefunden, deren Schirm einiger- 
aassen gut erhalten ist Hinsichtlich der ganzen Gestalt stehen 
3 etwa zwischen dem von Roemer und dem von Goldfuss ab- 
^lildeten Stück in der Mitte; hinsichtlich der Weite des Trichters 
Lliem sie sich mehr dem letzteren. 

Gr. Biewende zs. 
üeber Coeloptychiom S. 61. 



10 A.. Wi».i.KM>»H, Di« Fimnft <lcf Senon» tod Biew<>i«lc bei W»l rt^Dbüllcl. 

21. Coeloiitychinm sp. 
Eine dritte Coeloptychiumart ist bei Gr. Biewpnde diiroli t" i 
Bruchtttnck eines diukpu gefaltoten Stiels imgcdpiitf^t , welch« 
({rosee Aehnliulikeit mit dem Stiel vou 6'. dcciminam A. Rokubic ^ 
«der C. Sefbacki ZiTTEL ') liat 

22. Panumilia cylindi-lcft M. Edwards ti. Haihb. 

1830. Paratmilia nittm/rka M. Gii'vaiidh u. Haime, A. moDottrapb al tbobritiih 
foaral conls Th^l 1 , S. 5U, 
T»f. 8. Fig. 5. 

Diese Art, die eia/.ige Korallcnspecies. welche ich bei ßiewenilL' 
nachweisen koDute, wird bereits dureh BöLSCHB ') von Sottmr 
erwähnt. Ilie wenigen Exemplare, wclehe ich gefunden habe, iiud 
klein, zeigen aber den Keleh, die achwammige Coluinella, <lii^ 
Septea, die gekörnten Intercostalfurchen und die fiir die An 
cha rskler ist i scheu esothekaleu Querleisten in gutem Erhaitunge- 
sustAnde. 

KI. Biewende ze. 

23. Porosphaera globnUris Phillips sp. 

1831». MiUeporn y/oMam PniLL.f«, Gwlogj of Torkshire I, S. 155, T»f.* 
Fig. 5. 

iianr, regelmässig kugelförmif^e oder etwas eckige Kdrp^'- 
deren niir.dnneaser (i — 24 Millimeter belr.igt; AnbeftTingsiiiiiikl'" 
sind nirgends mit Sicherheit zu sehen. Die Oberflfiche ist ""^ 
feinen Poren dicht bedeckt, welche «her nur an wenigen Ptöck^" 
deutlich sichtbar sind, da die Oberfläche verwittert ist. 

Gr. und Kl. Biewende h. 

Die regulären Seeigel sind nur angedeutet durch nicht gf 
naner bestimmbare Stacheln. Von den irregulären habe ich i*>^ 
mehrere Arten gefunden, doch kommen leider fast nur verdrückte 
Exemplare mit nur theilweise erhaltener Schale vor, deren Bf- 
stimmung in den meisten Fällen unmOglicb oder wenigstens sehT 

') ZiiTEL, Ueber Coeloptjchium, Tat. 2. 

*) Die Korallen des norddeuUclien Jura- und Kr«idegebii^es S. Mf, 



k. VoLMDUKK, Dia FaDDA des Senona von Biewenda bei Wolfenbütt^ 21 

Der Schtoftsraqd ist gerade, mit ihm bildet der schwach ge- 
^ene Vorderrand eiDeo fast rechten und der stArker gebogene 




Fig. 4». 
F^g. 4 and 4t. Gr. Biewende. Woi.t.uu«a'Belie SunmloDg. 

interrand einen stampfen Winkel. Der Unterrand ist fast ge- 
de und unter dem Wirbel ganz schwach nach innen gebogen, 
ie Klappen sind nur in der Gegend des Wirbels stärker gewölbt, 
nst abgeflacht und zeigen auf dem Rflcken, besonders in der 
Ute der Unterseite, eine ganz seichte Einbuchtung, deren Stärke 
i den verschiedenen Exemplaren schwankt, z. B. bei dem abge- 
deten Stflck nur ganz wenig wahrzunehmen ist. Die Wirbel 
id weit nach vorn gerQckt, breit, stumpf und ragen nur wenig 
rvor; hinter ihnen entspringt ein stumpfer, wenig markirter Kiel, 
ilcber nach unten zu bald verschwindet und deshalb eine Area 
.r undeutlich abgrenzt. 

Die ganze Oberfläche ist mit feinen, mehr oder weniger schräg 
rlaufenden Radialrippen tou verschiedener Stärke dicht bedeckt, 
ilche durch schmälere Furchen getrennt werden. Auf der Area 
id die Furchen etwas breiter. Die Radialrippen werden von 
neo, concentrisoben Linien so geschnitten, dass an den Schnitt- 
inkten Knoten entstehen und die Oberfläche gegittert aussieht. 

Die angeblich zu Area radiata MONSTER gehörenden Exem- 
are, welche bei Gsimitz a. a. O. abgebildet sind, sollen nach 
BOSS zu unserer Art zu rechnen sein. Die Sculptur ist auf den 
'Uecbten Figuren nicht zu erkennen; auf Fig. 13 ist ein stftrker^r 



12 A. W<>i.i-E»*^N, Die FftUBa dns SoDons TOD Blowendo bei Wolfenb&ttel. 

Einige Exemplare mit nur theilweise erhalteoer Suhäle stiinio^- ^^i 
hinHichtlioIi der Gestalt gut mit der angezogenen Spec-tes abereli=^B, 
zu ihr geli6ren wahrscbeinlicli auch die meisteu der mir vorlieget». - 
deu zahlreichen Bruchstücke, während einige der letzteren k^kj 
einer anderen Micraste-r-hvt zu gehören scheinen. 

Gr. Bicwende h. ^fl 

28, Serpala cf. ampntlaeea 8owbrb¥. ^. 

182!). Serpula ainpullacea Sowekkt, Mineral Conahologr V(, S. 199, Taf. 6»~7'. 
Fig. 1-5. 

Ein spiralförmig gebogenes und der ganzen Länge nach a.«.m f 
einen Schwamm aufgewachsenes Exemplar ohne Mündung, dessen aa 
Spirale einen Durchmesser von 21 Millimeter hat, nnd ein 16 Mill «- 
meter langes, nicht aufgewachsenes MfludungsstÜck, welches sor-Mi 
stielrund ist, alier bald einen Kiel ansetzt, gehören wahrscheinlic^li 
zu der angezogenen Species. 

Gr. und Kl. Biewende s. ^^H 

29. CranU PariBiensis Dbfranob. ^^V 

1818. Crania PariiiensU Defrance, Dictionaire dm ecicnces naturelles II, 8. 3lS. 

Von dieser Art brsitze ich nur eine auf einem Schwamm fest- 
gewachsene Klappe, welche am besten mit der Abbildung Fig. ) *^ 
bei d'Orbignt ') flbe rein stimmt, die Kfirner des verticalen Randes 
greifen auf den concaven Theil etwas Über, wie dieses such a"' 
der D'OfiBiGNY'scben Figur angedeutet ist. Nur die Grösse »«• 
geringer, da die Länge nur 14 Millimeter nnd die Breite 16 Mü''" 
meter beträgt. 

Gr. Biewende s. 

30. RliyiiekoD«lla plieatilis Sowerbt sp. 

1818. Terebratula pHeatil!» Sowebbv, Mineral Cooebologj II, S. 37, Taf. H^ 
Fig. 1. 
Gr. und Kl. Biewende s. 

31. BhjnckoMlla CuTieri d'Obbignt sp. 

1847. Terebrahila Cuvieri d'Oebiony, Pal. fr. Tm. miL IV, S. S9, T»f- 4'^« 
Kg. 12—16. 

') Pal. fr. Terr. orft. IV, S. 139, Tif. 524. 



A. WoitLEMAN», Die FauDa des SenoDB Yon Biewende bei Wolfenbfittel. 1 3 

Diese kleine Rhynchanella ist bereits voo Schlönbach ^) im 
^Qon von Biewende gefunden; von den mir vorliegenden zahl- 
icben Exemplaren aus unseren Turonschichten ist die senone 
>rm absolut nicht zu unterscheiden. 

Gr. und El. Biewende zs. 

32. Terebniolina ehrysalis v. Schlothbim sp. 

13. Terebratu&tei ckryidtU v. Schlothbim, Leonrabd's Taschenbach VII, S. 113. 

Einreicht nur eine geringe Grösse; auch ein ganz kleines 
cemplar, welches nur 10 Millimeter lang, 7 Millimeter breit und 
Kfillimeter dick ist und die Jugendform zu sein scheint, habe 
1 gefunden. Es hat auf der undurchbohrten Klappe einen 
b wachen Sinus und am Stirn rande eine verhältnissmässig starke 
nbnchtung. Ein ähnliches Exemplar ist durch Schlönbach 
m Fleischerkamp bei Salzgitter abgebildet^). Die Oberfläche 
er Stocke ist feiu, aber scharf gekörnt, während nach Grispbn- 
XKL, ') die Exemplare aus dem Senon von Königslutter ungekörnte 
ppen haben sollen. 

Gr. und Kl. Biewende s. 

33. Terebratnla earnea Sowerbt. 

12. Terebrahda camea Sowbrby, Mineral Conchology I, S. 47, Taf. 15, Fig. 5 

und 6. 

Diese bekannte Species ist nur durch ein unvollständiges 
Keroplar von KI. Biewende vertreten. 

34. Ostrea semiplana Sowerbt. 

25. Ostrea temiplana Sowbbbt, Mineral Conchology V, S. 144, Taf. 489, Fig. 1 

and 2. 

Ausser einigen Bruchstücken liegt mir eine vollständige Klappe 
►o Gr. Biewende vor, welche genau der Abbildung bei Coqüand*) 
i£ 28, Fig. 7 entspricht, in der Mitte einen über die ganze 



') Ueber die norddeatechen Galcritenschichten und ihre Brachiopodenfaana, 
:iingsber. der K. Akad. d. Wies, in Wien. Bd. 57, S. 33. 
^ Ebenda S. 18, Taf. 1, Fig. 3. 
^ Senon von Königslutter S. 31. 
^) Monographie du genre Ostrea. 



24 A. Woi.i.Ksu>, Di« Fnana de« Senons tod Btcwrnd« b«i WoIfenbaUel. 

G. MCU.KR a. a. O., schfirfer tooi Hanpttheil der Muschel al^cz3- 
gesetzt ist. Die FeineD concentrischeu Rippen sind zwar eliiu ^i' 
at>gmeben, aber ooch deutlicli sicUtliar. Die Höhe beträgt IS Milli^^äirit* 
meter, die uicht ganz vollständige Lange 29 Millimeter. ^M 

54. Dentaliani altoraass J. Müller. 

1S51. UaUaliaiH altemaiu J. MCt.LEn, Petrefact«!! der Aachener Kr«ilef(T~^Ki 'r- 
nution 11, 8. 5. 



'£.a dieser Art gehört ein 33 Millimeter langes Brnchstflck:: 
welches ich bei Gr. Kiewende gefunden habe. Es zeigt denllieH ^^^b 
die abwechselnd schwächeren und stärkeren Rippen; besonder«"^'» 
gut stimmt ei; mit Fig. 9 bei Holzapfel ■) Qberein. ^jl 

55. Plenrotomaria regalii A. Robmb» sp. ^^ 

tSil. TVocAua regalU A. Ruemek, Die Venli^meriiiigeii des DorddeDtBcben Kreide-r^ S*' 
gftbirgaa S. 81. T»f. 13, Fig. 7. 
Kl. Biewende s. 

56. Plearotomaria plana MOnstbr. 

1844. Plairolomaria pkma MüsmB bei Gold^ss, Petrefacta GermsnJM IIIW Ä 
S. 7e, Taf. 187. Fig 4. 
Gr. und Kl. Biewende zs. 

57. PleurotoHaria Cl<«ptoBiaria) graanlifera MGnster. 

1841—44. Plearotomaria granuli/era MOitbtkb bei öot-oroa», P«trefaeta Ger--^^"*"^ 
muia« III, S. 76. Taf. 187, Fig. J^S- 1 
Zu dieser Art scheinen zwei BnichatQcke von Kl. Biewende -•^ 
zu gehören , welche deutlich die gekörnten Rippen zeigen. Hin — ^■'" 
sichtlich der Gestalt stimmen sie am besten mit der Abbildun^^frS 
bei GoLDFUSS Qberein; sie haben unten einen schSrferen Rand al» '^ 
die TOn G. MOllkr'J abgebildeten Stöcke. 

58. Tnrbo BoiastorfeDsis Griepbnkbrl. 

1889. Turbo Boimlor/aiai Griepshkebl, Seaoa toq Rönigsliitt«r S. 73, Taf. ^^S, 
Fig. 13. 
Diese Species kommt zwar ziemlich hSufig vor, doch sii»^ d 
die Exemplare alle stark verdrflckt; manche sind durch Druc^si 



') P»lMontogr«phic» Bd. 34, S. 178, T»f. 20. 

*) Die Molliukenfamia des ünterMDOn von Braanacliwcäg and ÜMda S. ^3f, 
Taf. II, Fig. 10—13. 



A. WoluhanH, Die Fmim de« Swona von Bieveode bei WotfenbOttol. 25 

D oben abgeflacht und Pleurotomarien-JihDlich, andere sind durch 
tlichea Druck Scalarien-Shnlich geworden. Der tiefe Nabel ist 
tistens sichtbar und zeigt bei einem Stflck auch die von G. MOller 
s. O. S. 88 erwähnten Querwfllet«. 
Gr. Biewende zh. 

5V. Delpbinnlft triearinata A. Robhbr. 

11. D^hütuia triearmata A. Sobhbb, Die VeTBt«ineniiigen des oorddentscheii 

KradegebirgeiS. 81, Taf. 12, Fig.8— G. 

Die Gestalt dee Gebftuses und die Sculptur dieser Art 

bwanken so sehr, dass es schwer ist, eine allgemeine ßeschrei- 

Pig. 6. Fig. 64. 





Fig. S tind 6a. Kl. Biewende. Woi.LBHAHn'sche SMnmlang. 
Dg derselben zu liefern. Die wichtigsten Varict&teu sind in 
rzflglicher Weise durch G, Müller a. a. O. Taf. 12 dargestellt, 
f dessen Beschreibung und Abbildungen ich deshalb besonders 
rweise. Im Senon von Biewende scheint die Art nicht so stark 
varitren, soweit eich dieses nach den wenigen von dort vor- 
gendea StQcken beurtheilen l&sst. Das vollständigste Exemplar, 
I von mir in Kl, Biewende gefundener Sculptureteinkero, ist 
l^ebildet; auf ihn bezieht sich die folgende Beschreibung. 

Das 46 Millimeter hohe Gehäuse ist treppenförmig, die Höhe 
r vier durch eine tief einschneidende Naht getrennten Umgänge 
mfpt schnell zu. Etwa auf der Mitte der letzteren beBndet sich 
1 ziemlich starker und am unteren Rande dicht Qber der Naht 
1 etwas schwächerer Kiel ; zwischen beiden liegt ein ganz feiner 



16 A- WoLLKMASH, Dii^ FflUött des Senons tod Biew«nde bei Wolfen bflttoL 

ausserdem mein grösete» Biewender StUck an Grösse ganz be- 
deutend. 

Gr. Bieweude za. 

40. Lima grannlata Nilsson sp. 

1827. Plagiomotna granulatum NrLasos, Pelri6calJi Suecana S. 2G, Tftf. 9, Fig. L 
Von dieser Art kotumeu fast nur Steinkerne vor; ich besitze 
nur wenige Exemplare mit theilweise erhaltener Schale, derea 
Sculptur gut sichtbar ist. Im Gegensatz zu den meisten anderen 
ßivalven erreicht diese Art au unserem Fundorte eine beträchtliche 
Grösse; das gvögste Exemplar, welches durch Uebergänge mit dem 
kleinsten verbunden ist, hat eine Höhe von etwa 24 Millimeter. 
Ob die Art zur Gattung Lima oder Limea gehört, kann ich 
nicht entscheiden, da au meinem Material nirgends ein Schloss vor- 
handen ist. 

Gr. uud Kl. Biewende zh. 

41. Lims (Litnstnla) semisalcata Nilsson sp. 

1827. Plagioiloma »eiaüukatum Nh.shon, PelrificaU Suecana S. 25, T»f. 9, Fig.S, 
Vou dieser Art betinden sich einige Stficke von Kl. Biewende 
in der Sammlung der Königl. geologischen Landesanstalt; ich selbst 
habe sie nicht gefunden. 

42. Pectea cretasDS Dbfrancb. 

1832. Pecten cretottit Dedunce, BBononiABT und CovnB, Geologie dea environs 
de Parifl S. 383, Taf. 3, Fig. 7. 

Die Sculptur variirt nicht unbeträchtlich; ich besitze z. B. 
eine Klappe, welche auf einem Theil die Sculptur der Fig. 6 bei 
d'Orbignt ') zeigt, also fast glatte Radialrippen, zwischen denen 
die concentrische Streifung scharf hervortritt, bis plötzlich in einer 
Entfernung von 4 Miltimeteru vom Unterraude nach einem deutlich 
hervortretenden Anwachsringe nach unten zu die Rippen Körnelong 
zeigen und mehr der Fig. 4 bei d'Orbigny gleichen. Auch ein 
Exemplar, dessen Klappen noch in natflrlichem Zusammenhange 
waren, habe ich gefunden. 

Crr. und Kl, Biewende h. 



l 



') Pal. fr. Tarr. creL III, S. 617, Taf. 440. 



Ä. Woi 



DiePaiuift dN SenoD* von Biewenda bei WoHenbütte]. 17 

43. Peetn Barth! d. sp. 

VoD dieser Art habe ich Dur zwei unTollBtändige Exemplare 
gefiiDdeD, doch zeigt die Gestult nod Sculptur so viele Eigen- 



Fig. 1. 



Fig. Ib. 




FiRi«. 
Fig. 1 Dod 1«. Re<^te EUppe; Fig. Ib der c 
desMlbeu Exemplara. Gr. Biewrnde. W< 



1 Theil der linken Klappe 
lAHN'sche Sammlung. 



thOmlichkeiten, dass ich kein Bedenken trage, auf dieses geringe 
JVlAtCTial eine neue Art zu begrandeti. Der Umriss ist langge- 
streckt oval; Vorder-, Unter- und Hinterrand bilden einen ziemlich 
regelmfissig elliptischen Bogen. Die Schenkel des ziemlich spitzen 
SchlosskanteDwinkels betonen erst etwa mit dem oberen Drittel. 
Die Klappen sind flach gewölbt und ungleich. Das vordere rechte 
Obr zeigt einen ziemlich tiefen Byssueausschnitt und deutlich her- 
vortretende S>fl>rmig gebogene Anwachestreifen. Die rechte Klappe 
ist mit breiten, flachen, nur wenig hin und her gebogenen Radial- 
rippen, zwischen denen in ud rege Im Sseiger Folge schmälere liegen, 
ciicht bedeckt. Die Radialrippen werden durch schmale Furchen 
getrennt, in welchen eine feine, eoucentrische Streifung scharf her- 

JibrDub IMO. [2] 



16 A. WovLKHJtBa, Die Fanim dee Secona tod Biewende bei WolKeabfittal. 

vortritt, die auf dem Rdcken der Rippen Terschfrindet. Daneb^^Bn 
fallen ficharf abgesetzte, im Mittel 5 Millimeter breite Anwacb -s- 
ringe auf, unter denen die Radialrippen mit schwacher Biegung fo i U 
laufen. Die Rippen der linken Klappe verlaufen fast ganz geratK. e, 
sind schmäler, stArker gewölbt und durch etwas breitere Furch^^»n 
getrennt als die der rechten Klappe. 

Einige Aehnlichkeit hat Pecten ManUUtanua d^Obb. ') ii~^it 
unserer Art, doch sind die hervortretenden conceutrischen Anwacb» s- 
ringe bei ihm mehr am unteren Rande gchüuft und die RadiE^I- 
rippen viel schmaler und weiter von einander entfernt, als bei -J*. 
Barthi; auch ist die Sciilptut iu den Farcben eine andere. H^ie 
Soulptur von P. Barthi ist der gewisser Lttna-Arteo nicht ga^maz 
tuShnlicb. ^m 

Gr. and Kl. Biewende s. ^H 

44. PMten cf. spathulatus A. Roembr. ' 

1841. Pecien ipaüiulatu» A. Roekeb, Die VeraMineruDgeD de« oorddeotsc^*«» 
Kreidegebirgea S. 50, Taf, 8, Fig. 5. 

Ich besitze einige unvollständige Exemplare eines glatte", 
dOnuschaligen, flachen Pesten mit Andeutung einer Radialstreifursgr 
welcher der angezogenen Species jedenfalls sehr nahe verwais «Jt 
ist, doch infolge seines ungünstigen Krhaltiingszustandes nicht sieb 'i" 
bestimmt werden konnte. 

Gr. und Kl. Biewende s. 

45. Vola itriatoeostals Goldfdss sp. 

1834—40. Pecteit OritUo-cottatut GoLoruBs, PetrefacU GermMiae tl, 8. 55, Tmt- ^ 
Pig. 2, 0, d, e. 
Gr. und Kl. Biewende s. 

46. Inoeerainns Cripri Mamtbll. 

1822. Jmceramui Oripii Uamtkli., Geologj of Siuaex S. 188, TaL 27, Fig. ''' 

Keben der typischen, langgestreckten, schief ovalen l^^of" 
kommen Exemplare vor, welche stärker gewölbt und höber ^^>^^ 
auch etwas entfernter stehende Rippen haben. An eine speci^B^^ 
Trennung dieser Varietfiten, welche mit der typischen Form X- d*™ 

VtX, h. Tut. erit. UI, S. 619, Taf. 440, Fig. 8-11. 



A« WoLLSMARN, Die Fauna des SeDons von Biewende bei WolfenbütteL 1 9 

^ebergäDge verbundeD sind, ist meiner Ansicht nach nicht zu 
mken; auch SchlOter ^) und Griepbnkbrl ^) haben ähnlichd 
arietäten aus dem Senon von Königslutter bei /. CripH gelassen. 
den obersten Schichten des Gr. Biewender Steinbruchs habe 
1 ein auffallend grosses, leider stark verdrücktes Exemplar 
serer Art unmittelbar zusammen mit Belemnitella mucronata ge- 
üden, welches etwa die Grösse von /. planus MOnstrr bei 
>r.DFCSS^ besitzt, welche Art nach SchlOter a. a. O. mit /. 
ipsi zu vereinigen ist. Einige der Steinkerne sind auch dicht 
deckt mit den bereits von Goldfuss a. a. O. auf Taf. 112, 
^. 4 d abgebildeten rundlichen oder ovalen Gruben, welche nach 
iiKPENKERL ^) »als Ezeugnissc eines in den Lamellen der inneren 
halenschicht wuchernden Schwammes, einer Cliona^ zu deuten 
id«. 

Gr. Biewende h.. Kl. Biewende s. 

47. Area Jostinae n. sp. 

Länge 22 Millimeter, grösste Höhe (am Hinterrande) lOMilli- 
5ter (0,45), Hinterseite 15 Millimeter (0,68). 

Der Schlossrand ist gerade ; mit ihm bildet der schräge Hinter- 
:id einen stumpfen Winkel; der Unterrand ist wenig gebogen, 
iigt nach vorn auf und geht allmählich in den stärker ge- 
Qmmten Vorderrand über; letzterer bildet mit dem Schlossrande 
le vorspringende, scharfe Ecke. Die Klappen sind in der 
frend ziemlich flach, später stärker und sehr gleichmässig ge- 
^Ibt. Die Wirbel sind weit nach vorn gerflckt und ragen wenig 
rvor; hinter ihnen entspringt ein scharfer Kiel, welcher sehr 
bräg zur Grenze zwischen Unter- und Hinterrand läuft und eine 
issig vertiefte Area abgrenzt. 

Die Sculptur besteht aus scharfen, schmalen, durch breitere 
ler schmälere Furchen getrennten Radialrippeu, welche vom 
^irbel ausgehen, auf der Hinterseite sehr schräg nach hinten, un- 



^) Zar Gattung Inoceramus, Palaeontographica Bd. 24, S. 277. 

*) SenoD von Königslutter S. 50. 

^ PetrefacU Germaniaeil, Taf. 113, Fig. Ib. 

^ A. a. 0. S. 277. 



30 A. WoLLuiAXü, Die F»Di> des SeDons tod Bi«««i>(k bä WolEmUttd. 

den AbbilduDgen bei ScblÖtbr &. a. O. und mit den mir ro^^ — • 

liegeDdeo Gbiepekkerl sehen OrigioalcD voa Boimstorf votlstAad^K.^^ 

flberein. ^h 

69. AeÜBoeanax fudratu Blaintiixs. 4P 

18i7. Bdemmtr* qaadraJut Bi-(»Tit.i.s. Ueaoire «at Xm beiemnitcs S. 6% Tal -V * 

R«. .". 
Dieses bekannte Leitfoesi) kommt in Kl. Biew^nde 004==^^ 
fa&u&ger vor als in Gr. Btewende und efreicht an ereterem Fun<^V' 
orte durchschnittlich eine bedeutendere Dicke; die Exemplare rn- o 
letzterem Fundorte sind zwar ebenso taug oder länger, haben ab^?^'' 
einen kleineren Durchmesser und erscheinen deshalb scblaakei^ '■ 
Das längste Exemplar, welches ich Oberhaupt besitze (Gr. Bie^^* 
wende), ist 88 Millimeter lang und misst nur 14 Millimeter in— •rm 
Durchmesser. Die Tiefe der Alveole schwankt etwas, entspriehK:^^^ 
aber ebenso wie die I^age der Apicallinie im allgemeinen etw ^^* 
der Abbildung Fig. ic auf Taf. 54 bei ScHLerRR a. a. O.: Fig. c -* 
auf derselben Tafel stellt ein veHtrüppeltes Exemplar von Bie^^ 1^ 
wende dar. 

70. AelinMUux sp. 
Bei Kl. Biewende habe ich einen 62 Millimeter langen, keulen keil- 
förmigen, fast glatten Betemniten gefunden, welcher also etwa di» £ ''^ 
Grösse des Actmocamax pleniu Blaiktillb bei ScqlOtbb a. a. OtH— ?■ 
Taf. 52, Fig. 16 hat, von welcher Art er sich besonders durcV^^'' 
schärfer abgesetzte Spitze unterscheidet 

71. BelflHiitolb ■lenute t. Schlothsih. 

1818. BeltmittUi mbctomAu t. Scelotseim, TuchoibiKh for HiDeraloftie Bd. 7tf~ ?• 
S. lU. 
Wie ich schon eingangs erwähnt habe, findeo sich. etwa vo l^w^ '" 
der Mitt« Ober der Sohle des Gr. Biewender Steinbruchs an biv-^"^ 
zu den obersten Schichten einzelne kräftige Exemplare der typiscbe^K^^i 
Form dieser Speciee, welche bis oben hin von Acttnocanuuc qtta^^^' 
drattu begleitet werden. Im ganzen liegen mir drei Bmchstflck:^^^ 
und vier ziemlich vollstäadige Exemplare der B. mucrowxta vo^^n 
Gr. Biewende vor, von denen das grösste 120 Millimeter lang i^^=t 
In Kl. Biewende habe ich Beiemmteüa mmeronata nicht gefiuideK^^it- 



A. WoLLnuBH, DieFaDD» dw Senou vod Bieweade bei Wolfenbfittol. 21 

Der Schtoesraqd ist gerade, mit ibm bildet der schwach ge- 
bogeue Vorderrand einen fast rechten und der sUrker gebogene 




Fig. 4». 
Rg, 4 and 4 a. Gr. Biewende. Woi.Lii«AB«'sdie Sammlaiig. 

^Iinterrfuid einen stumpfen Winkel. Der Unterrand ist fast ge- 
*^de und unter dem Wirbel ganz schwach nach innen gebogen. 
'-'■e Klappen sind nur in der Gegend des Wirbels stSrker gewQlbt, 
^^Ost abgeflacht und zeigen auf dem Rücken, besonders in der 
-^Ahe der Unterseite, eine ganz seichte Einbuchtung, deren Stärke 
bei den verschiedenen Exemplaren schwankt, z. B. bei dem abge- 
bildeten Stack nur ganz wenig wahrzunehmen ist. Die Wirbel 
^Utd weit nach vorn gerückt, breit, stumpf und ragen nur wenig 
"Crvor; hinter ihnen entspringt ein stumpfer, wenig markirter Ktel, 
Welcher nach anten zu bald verschwindet und deshalb eine Area 
■Mir undeutlich abgrenzt. 

Die ganze Oberflftche ist mit feinen, mehr oder weniger schr&g 
^^Hanfenden Radialrippen von Tcrscbiedener Stärke dicht bedeckt, 
*elche durch schmälere Furchen getrennt werden. Auf der Area 
**(id die Furchen etwas breiter. Die Radialrippen werden von 
''bitten, concentrischen Linien so geschnitten, dass an den Schnitt- 
Punkten Knoten entstehen und die Oberfläche gegittert aussiebt. 
Die angeblich zu Area radiata MONSTER gehörenden Exem- 
VWe, welche bei Geinitz a. a. O. abgebildet sind, sollen nach 
**Oae «u unserer Art an rechnen sein. Die Scnlptur ist auf den 
fechten Figuren nicht zu erkennen; auf Fig. 13 ist ein st^rker^r 



A. Wau.EiuBn, Dia Fauna dea Senons tod Biewsnda bai Wolfeabfitbl, 23 

53. Nsaera eudftta Nilsson sp. 

S27. Corhtla cmidata Kti^aon, PetrifioaU Saecana S. 16, Tat 8, Yi%. 18. 
)S4— 40. * ■ > GoLoruis, Petrafacta 6«niiaiiiaa Ü, S. 251, 

Taf. 151, Kg. 17. 
)46. • > » RiDsa , Die VenteinarangBii der böhmiacheD 

Ereidefonnatioii S. 20, Taf. 86, Fig. 23. 
)C9. Neaera > * Patbe, UollnBqaea fouilea de la craie des en- 

Tirona de Lemberg S. 102, Taf. U, 
Fig. 8. 
)89. > > > GsiRiiraKBL, Senon von Königalntter S. 69. 

)9{L > > > 6. UBllib, Die Molluahenfauna des UntereenoD 

von Brannaohweig nod Ilsede S. 77, 
Taf. 10, Fig. 10 n. II. 
Diese Species ▼ariirt stArk, wie die verschiedenen Äbbildungeo 
>ei dea citirten Autoren zeigen, besonders hiosichtlich der LAnge 

Fig. 5. 




Fig. 5. Gr. Biewende. Sammlnn^dss Eerra Khoop in Börwnni. 

ind Gestalt' des Scbnabels. Den kflrzesten Schnabel sehen wir 
™f der Abbildung bei Goldfdss a. a. O., welche EigenthQmlich- 
[^it nach G. MOiXBR auf deu Erhaltungszustand zurCckzuftihren 
'^in soll. Auch das VerhftltDiss zwischen Höhe und Lftnge des 
>reiten Xbeils der Muschel ist nicht constant, weshalb nuDche 
^emplare sehr schUnk, manche plump aussehen. Die letztere 
-■'t^Dscbaft tritt besonders bei dem tod Knbr abgebildeten Stücke 
•error, welches deshalb vom Autor nur frageweise zu unserer Art 
iWtflilt wird. 

loh kenne nur das eine, abgebildete Exemplar von Gr. Bie- 
gende, welches sich in der Sammlung des Herrn Knoop in Börssum 
^findet; es gleicht am besten der Abbildung bei Favrb a. a. O., 
^^f breite Tbeil geht ebenso wie dort mehr allmählich in den 
^*^Wbel ober, während er auf anderen Abbildungen, wie bei 



34 I^' Mi:uxiEn, üeber einlgi> Cn!eoplnrt<n-F]figeIdecki!ii Kua der prüftlBi-ialiin 

V(T8i:biedeDe Autoren habeu siub Bchoti mit dem Studium 
quartärrn losectenreste beschäftigt. In einer tmgeuieiD fieii 
und gewisseuhaft durchgcfllhrten Abliandlniig mit naturgelre 
Zeicliniiugeu, bearbeitete K. Flach ') die Coleopteren-Faimi» 
dem PIcistocän von Hösbach in Bayern; H, J. Kolbe ^) beseht 
einige Käferreete von Gr. Rüsulien in der Nieder- Lausitz i 
S. SCDDDKR^) einige Fossilien von Scarboro' Ileights in Can» 

Des Weiteren haben wir einige Aufzeichnungen von Db 
HarPE*) und P- FUCHE *), 8cbät?.enfiwertli vor Allt-ni, «lü 
Inaectcnreste behandeln, deren Alter von den StrKtigrapbrn 
Sicherheit bestimmt werden konnte. 

Uneere Kenntnisse der qimrtjiren Fauna sind jedoch immer 
noch reuht ungenflgend, sodass eit verfrüht wftre, jetzt schon p 
logcnetische Vergleiche zwisi-hen unserer euroffSisoben Fauna i 
jener Ämerika's anstellen zu wollen. 

lu der präglacialen Braunkohle von Lauenburg konnte 
folgende Arten vorfinden: 

1. Domicia (H^coloj- Pz, 12 RtHck. 

2. » bicohra Zett. 4 » 



') Flacjh, K. Die KSfer dor unterpleistocänen AbUneruDgen bei Hijsb 
unweit Asthuffenbarg.Verh.d.ph ja. med. Gesellschaft, Würaburg 18S4. Bd. XV 

ä) KoLUE, H. J. Ueber fossile Reste von Coleopteren aus einem alten T 
la^er (Schmierkohle) bei Gi. Raschen in der Nieder-Lausitz. Berlin, Natnrfon 
Frennde. Silzungsb. 18!H. S. ^36-238. 

') ScutiDEii, S. Deacription of two spccies of Carabidae Tound in Üie in 
glacial deposits of Scarboro' Heigbts near Toronto (Cnaada). Hüll, of tho D 
Geolog, »od geoKr. Survej. Washington 1877. Bd. III, S. 763— 76*. 

^') ScuDUBR, S. The Coloojjtera hithorto found fossil in Canad». Gei 
gicBl Surver ot Canada. Ottawa 1895, vol. 11, Part I, S. 27.^56 mit 9 Taf. 

— , The effect of gladation and die glacial Period on the present Faun* 
North America. Americ Journ. of science, Serie III, vol. SLVIII, No.S 
Sept. 1891. 

*) De La EiRFK, Ph. Sur an gisemi'nt de tourbe glacjairo troave a L 
UDDe. Bull. Soc. Vandoisc des scicnces naturelles Lausanne 1877. Bd. Xi 
S. 45e-<53. 

^] Ft.icHK, P. Sur les lignites <juaternaires de Janille pres de Nu 
Comptes-Rendus de Tlnstitut. Paris 1S75. Bd. LXXX, S. 1233—1236. 

— , Faane et Flore des lourbÜTes de la Champagne. Compt«E- Rendns 
l'lnstitut. Paria 1S7G. Bd. 8i', S. 979—932. 



Braunkohle und dem interglacialen Torflager von Laaenburg (Elbe). 35 

3. Donacia f Eine, beim Entnehmen aus der Braunkohle zu- 
erst bronzefarbene, nachher dunkelblau gewordene Flögeldecke, die 
der Gattung Donacia anzugehören scheint, sich jedoch von jeder 
der Arten discolor, bicolora^ fennica^ thalasaina und obacura unter- 
scheidet. Länge des Deckschildes 11 Millimeter. Breite 2 Millimeter. 
Ich zähle 9 Längsstreifen und erscheint die dieselben formende 
Punktirung gegen die Flögelmitte zu schwach und undeutlich, 
gegen die Schulter zu werden die Punkte jedoch bedeutend grösser 
und deutlicher. Die Querstreifung des ganzen Flügels ist gleich- 
massig fein und zart. Am meisten Aehnlichkeit besitzt diese Art 
noch mit Donacia bicolora Zett. 

4. Deckschild einer von Flach bereits beschriebenen Hydro- 
philiden-Art. Flach nähert diese Art dem Cyclonotum orbiculare 
LiNNife, und bemerkt hierzu, dass die Punktirung des von ihm 
gefundenen Fossils viel stärker und dichter ist als bei den leben- 
den Arten. Das Gleiche ist bei dem von mir gesehenen Exem- 
P'ar aus der Lauenburger Braunkohle der Fall und benenne ich 
daher diese neue Art Cyclonotum Muelleri^ Flerrn Dr. Müller, 
^ein umsichtigen Entdecker der Lauenburger Fauna, zu Ehren. In 
*^^r ersten Sendung von präglacialer Braunkohle kam mir das ab- 
S^hrochene Stock einer Flögeldecke, wahrscheinlich auch dieser 
-^rt angehörend, vor. 

5. Carabidae, Ein einziges noch dazu durch die Fossilisation 
Verkrüppeltes Deckschild mit anscheinend sieben nicht punktirten 
-*^^ng88treifen. Es ist unmöglich, die Gattung, der es angehören 
^^onte, zu bestimmen. Länge der Flögeldecke 4 Millimeter. Breite 
1 Millimeter. 

Das interglaciale Torflager ist reicher au Arten als die prä- 
Slaciale Braunkohle. 

Ich fand folgende Arten: 

1. Donacia discolor Pz. 6 Stück. 

2. » bicolora Zett. 1 » 

3. EJrycus acridulus Linke. Die Charaktermerkmale dieser 
^^fztiglich erhaltenen Flögeldecke habe ich durch Vergleich mit 
^^.^ lebenden Art controUirt. In der Abhandlung von Flach, 

[3*] 



3(! F. UniJMiEa, Ucber finigi- Coleoptwea-Flflgeldecken ans der prlgtaciülm 

Tai'. II, Fig. 8 a, findet Bich eine aitsgezeicliuete Wiedergalip dies» 
DeoksGhildes. 

4. Amarui Eti ist mir noch zweifelhaft, ob die zwei Flüge 
decken mit deutlich von einander getrennten Längsstroifpti der (i^ 
toDg Amara angehören; die oben genaunten Kennzeichen nahes 
diese Art dem Carabites laeHcoüü Heer '), Da die Flil^eldi-cli« 
jedoch zerknittert eind, ist unmöglich ku erkennen, ob die Zwi»chi!e 
räume glatt sind. Länge der un der Spitze etwas abgehrochen« 
Decken 3Va Millimeter. (Die ganze LSnge dürfte wohl 4 Millimet- 
betragen haben.) Breite I'/j Millimeter. 

5. Carabidae. Uarpahmf aeneus. Eine schleeht erlialtcH 
FlDgeldecke. die einige Aehnliehkeit mit der erwähnen Art b 
sitzt, doch ist nicht möglich xa coustatiren, ob neun 
streifen vorbanden sind. Es ist nur 7.u sehen, da«8 dieselh^^v^^a 
ziemlich weit von einander entlerut sind, wie es bei H. aenetr-^siu 
und JJ. pubencens der Fall zu sein pflegt. Da die Zwi&cheK^ ■^^n- 
räume jedoch keinerlei Punktirung aufweisen, gehörte das Tbl* ^mvi 
wohl eher der erstgenannten dieser Arten an. Unsrr Fossil i^t itt 
von kleinerer Gestalt als Fi»'o/)ia mela», deren Kör perläuge 20MilH J''- 
meter beträgt, doch nilliert es sich, was die Grösse betrifft, d- Ä" 
Feronia antfii-acina, mit der es aber wieder andererseits nicht zu ve -^^r- 
gleichen ist, da die feine Punktirung der Längsstreifen fehlt. Of ^^- 
wohl die Decke schlecht erhalten ist, kann man doch mit Sicherhe— ^«'t 
feststellen, dass sie sich durch ihre Gesammtbildung von Ptatygtf^^^"' 
obtongopunctata sowohl als von Feronia rnetalUca, faedatopunctat —Sta. 
foasulata und cuprea unterscheidet. Die Gattungen der quartSr^^^^'' 
Käfer sind nur mit allergrösster Voreicht zu bestimmen. Ausse^^r- 
dem liegen mir noch eine Anzahl Thorax-Reste von Carabid^- ^" 
vor, doch alle in so schlechtem Erhaltungszustande und so unvo ^«H- 
fit&ndige Bruchstücke, dass ich mich leider gezwungen sehe, v^^ oo 
irgend welcher Galtungsbestimmung abzusehen. 

6. Zwei grosse abgeplattete Stücke Flügeldecken von 10 MiL^W'* 
meter Länge und 10 Millimeter Breite. Diese metallisch grün-gl^^S"' 



') Beiträge xat In Beeten fauna Oeningena. Natnrk. Verhandl. no 
Hollandecke Uaatschsppij. Hsarlem 1S63, S. 35, Tafel I, Fig. 28. 



de 

I 



Brauokohle und dem interglaculen Torflager Ton Lauenburg (Eibe). 37 

2eoden Decken haben, ausser dem Thoraxtheil, wovon ein dicht 
punktirter Ansatz vorhanden ist, weder Streifung noch Punktirung. 
Das Insect gehörte wahrscheinlich zu den Chrysomeliden und 
hatte eine ursprüngliche Länge von ungefähr 15 Millimeter. 

7. Das Stück einer röthlichbraunen Flügeldecke mit groben 
abgeplatteten Punkten, welche die ganze Oberfläche bedecken. 
Zwischen diesen anregelmässig vertheilten Punkten sind glatte 
glänzende Zwischenräume. Das Stück ist zu unvollständig, um es 
näher bestimmen zu können. 

8. Eine sehr eigenthümliche Decke von glänzend schwarzer 
Farbe und wenig deutlichen Längsstreifen durchlaufen, zwischen 
welchen sich eine Punktirung befindet, die der Decke eher den 
Anschein von fein gekerbt als gestreift giebt. Länge 10 Milli- 
meter. Breite 1^2 Millimeter. 

9. Flügelrest, von 3 Millimeter Länge und ungefähr 1 Milli- 
meter Breite, mit groben, dichten Punkten versehen. Die Flügel- 
basis ist deutlich quadratisch. 

10. Eine Käferflügeldecke mit Längsstreifen, deren Zahl jedoch 
nicht anzugeben ist, die sich der Carabiden -Gattung Badüter zu 
nähern scheint. Wie bei Badister fragUis Heer ^) scheinen sich 
die Längsstreifen immer je zwei zu zwei zu vereinigen, doch ist 
es mir selbst noch zweifelhaft, ob dieses Fossil wirklich obiger 
Gattung einzureihen ist. Länge des Stückes 4 Millimeter. Breite 
1 ^4 Millimeter. 

11. Ein Wirbelknochen von Mus rattus LiNNifc. Kendall^) 
zeigte schon früher die Auffindung einer Wirbelsäule dieser Nage- 
tbiere in einer Bildung West-Cumberlands an. 

Weder in dem interglacialen Torf noch in dem neueren mir 
«sugetheilten Material der präglacialen Braunkohle habe ich weitere 
Flügeldecken von Bembidium Berendti, die ich früher aus letzterer 
Bildung beschrieben, wieder vorgefunden. 



J) loc. cit. S. 21. 

*) Kendall, J. D. Interglacial deposits of West-Cumberland and North- 
X^ancashire. The qaarterlj Journal of the Geolog. Society. Vol. XXXVII. 
London 1881, S. 35. 



38 



P. Mkc 



RH, Unbnr »inigo Colcopt«r<>n-Flneetdr>ckeD et«. 



Um den Werth meiner BestimmaDgen zu sichern, habe >c=sh 
alle typiscben Formen mit den Arten unserer lebenden Fauna v^^ w- 
glichiau. Was die anderen zu geblecht erhaltenen Esi^niplare a^sm- 
bftriffl, so habe iub mich darauf beschränkt, sie nur im Allge- 
meinen /.n hinschreiben und ist dies sowohl iür Stratigraphen simie 
auch Paläontologen nßtzlicher, als wenn ich eie nach kaum zu l-»^- 
urtheilenden Cliaraktermerkmalen mit einer Anzahl neuer Art^ mh- 
Mamen belegt hätte. Zu eineiu cylinderförmigen Loch eines To«-^- 
stOckes, das sich höchst wahrscheinlich an der Oberfläche befund crn 
haben mag, entdeckte ich eine ganze Colonic Dipteren wie (.'km—j/~ 
$otoaum arcuatum LiNN-, Melükrsptus Löw., zu vertrocknet, u» m 
die Arten zu bestimmen, und Syrpkm balteatus DeBGBB und «S- 
riöeisü Lnm. 

Erst wenn die quartüren Inaecten einmal besser gekannt s»-^«"' 
werden, wird es möglieb, sie phylr>){enetisob mit den verschiede» ^» 
Arten der arktischen nnd nearktiscben (holarktische Region) IC^' 
gionen zu vergleichen. 

Nach dem mir von Herrn Dr. MÜLLER aus den beiden I^ »■- 
diingen zur Veriiiguug gestellten Material ist es mir heute m^^' 
lieh, folgende Schlussfolgerungcn zn ziehen: 

1. Mehrere gleiche fossile Arten finden sich sowohl in Lau^n- 
bnrg als auch iti Uösbacb, Jarville und Lausanne. 

2. Mit Ansnülinie von Cydonotum Muelkri sp. n. begeg»:»«?' 
man den meisten präglacialen Arteu auch im Interglacial. 

3. Vom stratigraphischen Standtpnnkte ans glaube ich %>e- 
haupten zu können, daes die Fauna von Lanenburg wenig ocier 
keinen Auf^chluss zur Bpurtbeilung der verschiedenen Glat^i»'- 
Perioden des nördlichen Deutschlands zu geben vermag. 



Der Sandstein von Kieslingswalde in der 
Grafschaft Glatz nnd seine Fanna. 

Von Herrn Friedrich Sturin in Breslau. 

(Hierzu Taf. II— XL) 



Einleitung. 

Die Anregung zu vorliegender Arbeit verdanke ich Herrn 
^fessor Dr. Frech, der mir im Frühjahr 1898 die Bearbeitung 
• lektonischen und stratigraphischen Verhältnisse der Kreide- 
mation im südlichen Theile der Grafschaft Glatz empfahl. 

Im Frühjahr und Herbst 1898 beschäftigte ich mich mit der 
>logisch - kartographischen Aufnahme jener Gegend unter Zu- 
mdelegung der betreflTenden Messtischblätter. 

Hierbei wurde indessen die Feststellung dos Alters der ein- 
nen Kreidehorizonte und deren gegenseitige Abgrenzung wesent- 
b erschwert durch den grossen Mangel an Versteinerungen und 
rch das Fehlen eingehender Bearbeitungen, die die geologische 
^llung wenigstens eines Theiles der Kreideschichten in diesem 
biete festgestellt hätten. Selbst die Schichten und die fossile 
una des altberühmten Fundortes Kieslingswalde bei Habel- 
iwerdt hatten noch keine genaue, ihr Alter feststellende Bear- 
tung erfahren, obwohl gerade sie am geeignetsten dazu gewesen 
ren. 

War an der Hand der zahlreichen Fossilien des Kieslingswalder 
ndsteins dessen Alter einmal festgestellt, dann konnte man, von ihm 
^gehend, auch den paläontologischen und stratigraphischen Cha- 
rter der übrigen Kreideschichten leicht beurtheilen. Deshalb be* 



Bchränktf ich mich darauf, die Fauna des Kieslingswalder Saii«3- 
Bteins vom palAontologischen und stratigraphiGchen Geeichtspunlc 4e 
aus eingehend /.u bearbeiten, und nur, soweit es zum beeser^zn 
Verständniss nöthig ist, einen Iturzen Ueberbück Ober die sonslin^sn 
et rati graphischen und tektoniäcJieu Verhältnisse der Gegend v^izao 
Hiibelschwerdt und Mitlelwalde zu geben. 

Im Herbst 1899 hielt ich mich wieder 2 Monate in der Ki^^^s- 
lingswalder Gegend auf, um Material zu sammeln und Aufnahm ^^n 
zu machen. 

Den Herren Professoren [>r. Frech (lireslau), Dr. Ka- l/- 
KOWSKY und Dr. Deichjiüller Cl'i'p'dcu), Dr. Stollet (Kier^^l), 
den Herren Langenhan und Sevdel (Liegnitz), Gründet (Kat^MKi>- 
witz) und Gallisch (Nieder-Laugenau) sei ergebenst gedankt ^S^r 
freundliche UeberluBSiing des reichen Materials ihrer Institute, re^^^P- 
Privatsammlungen, und ihre sonstige Unterstützung. 

Dank der Freundlichkeit des Herrn Professors Dr. Frits^» CB 
durfte ich auch die reichhaltigen Sammlungen des Prager JM^^B"" 
seunis näher besichtigen. Auch die Königl. preufis. geologiec;;^^«^ 
Landfs-Anstiilt zu B.TÜn schickte mir Vergleichsmateriul in e^cr nl- 
gegen kommen der Weise zu. 

Im Jahre 184-3 gab Geinitz (»Die Versteinerungen von Ki^^- ^^ 
lingswalde und Nachtrag zur Charakteristik des säcbs.-b&b .^n'- 
Kreidegehirges«) eine kur/,e Bearbeitung der Kieslingswalder Fos-^^*'' 
lien, deren Abbildungen aber sehr wenig gelungen sind. Ueberd: -^'^ 
fehlt noch die Beschreibung vieler, nachträglich bekannt gewordecn:^'" 
Formen. Auch traf Geinitz keine Entscheidung über das Alw^ ^ 
der Kieslingswalder Sandsteine. In späteren Schritten (Elbthalg^^^"" 
Paläontogr. Bd. 20, I u. 11, 1871/75) rechnet sie derselbe An^^^ 
zum Oberen Quader, also zum Unter-Senos. 

Betrich (Lagerung der Kreideformation in Schlesien, ISS^S*) 
erklärt es filr unnatürlich, den im Liegenden des Kiesli ngs walc-^*' 
Sandsteins befindlichen iThona st ratigrap bisch von seineni H^*-"' 
genden zu trennen. 

Auf der geogn 03 tischen Karte von Nieder -Schlesien und ^o 
dep Erläuterungen zu dieser (186?) werden Kieslingswalder Th<»v 



in der Grafschaft Glatz und seine Fauna. 41 

id Sandsteine von Bbyrich, Rose, Roth und Runge zum Unter- 
^non gerechnet, ohne dass eine Begründung beigefügt wäre. 

Dambs rechnet 1874 (Abhandl. des naturhist. Vereins der 
beinlande, Jahrg. 31, S. 97) den Kieslingswalder Sandstein zum 
hten Unter- Senon, den Kieslingswalder Tbon dagegen zum 
Cmscber« SchlOtbrs, weil je ein im Berliner und Breslauer geo- 
l^schen Museum befindliches Stück eines Amman, subtricanna- 
§ d^Orb., also eines Emscher- Fossiles, im »Kieslingswalder 
donc gefunden worden war. 

Fritsch unterzog 1897 bei seinen Studien über die Chlomecker 
shicbten, die böhmischen Aequivalente des Kieslingswalder Sand- 
eins, auch die Fauna dieses letzteren einer allerdings nicht sehr 
Qgehenden Bearbeitung. Fritsgh stellt die Altersübereinstim- 
ung des Kieslingswalder Sandsteins mit den Thonen von Neu- 
^arthau bei Löwenberg fest und rechnet beide zum Unter-Senon, 
ie er denn überhaupt schon die Priesener Schichten, das Aequi- 
dent der Kieslingswalder Thone, zum Unter-Senon rechnet. 

Im Jahre 1891 verfassten die Herren Langenhan, z. Z. in 
iegnitz, und Gründet, z. Z. in Kattowitz, gemeinsam eine durch 
genhändige Zeichnungen illustrirte Arbeit (»Das Kieslingswalder 
estein<(), die eine Beschreibung des Materials ihrer reichen, mit 
'ossem Fleiss und mit Liebe zusammengebrachten Sammlungen, 
)er keine kritische Berücksichtigung der Litteratur und keine 
Dgebende Behandlung der stratigraphischen Stellung des Kies- 
Qgswalder Sandsteins aufweist. 



firftonkohle and dem interglacialen Torflager Ton Lauenburg (Elbe). 33 



£ 




H 

SS 

1 



.1 ö'S-s 



£ 




* '3 .5 3 

ölst 



•2 



i| 



► 
O 

a 



jr r 



H iS 



!B Q k 







J5^ 



.fe 



^1 

et 



I I 






♦ 08 

■^ a § 

SS J 

rl § 

^^ S 

y • «o 

.<K ^ P 

^ V 'S 

.o 5 •- 

1^ .5 



5 



JS o 



«^ 



I 

I 



52 O 



I 

I 



et 

I 



'S)© 0-5 oO 



S 

o 



J 



OD 

o 

Ol 



et 



bc 'S .S 

^ Ph a 



-Top 

Ol Q» C 

S 2 S 

'w: -ß 

® * d) 

8 -T3 CO 

-^ 3 Ö 

5 '^'^ 

fl £ '^ 

P -^ 

52 -^ p 

Ä o *^ 

a r. o 

® r; H 

p * 

4^ ^ M 

2 « t 

> r p 

! • S r « . 

a w <D *j 

OB 

1 gl 



S S 

" 'P 

Ol 



ti 



a I 

^ p 

p .2 

O ^3 

^ 2 

«2 ^ 

SS 

*« 's 

CO 5 

§« 

.P ä 

Ü TS 

^ p 

^ p 

*' tfi 

p £ 

O P 

'S §- 

p •© 

O P 

^ 'i 

»-H Ca 

.. "^ 

bC ^* 

•^ 'S 

V^ P 

o ._ 



m 



a 

CO 

p 



Jahrbach 1900. 



[3] 



34 F. M»t;stiiii, Ueber "inig" Co ki'ptt-ri'B- Flügel diwkrii &iis drrr prtglwinlen 

Vi^rechipdvtii* Autnit-n liAbeii aicb aclioii mit dem Studium J*^'' 
qiiartüreii loBectenrPstv bcctbailigt. In einer iiogemein fliissiß 
und gcwissonbafl durrh^flllirteii Abhandlung mit naturgetreue i^ 
Zeicbnungnti, bearbellett' K. Ki.Acn ') die Golpupteren-Faium ai»^ 
dem Pleistocil» von üöäbacb in Bayern; H. J. KoLBg'^) best^brip'* 
einige Käferreeto von Qr. KäNclien in der Nieder- LuusilK ua*^l 
S. Sci'Di>KK ^ einige Fossilien vim Soarboro' Heighl« in CflD*J«»- 

I>e9 Weileren baben wir einige AiiFKeichntingeu von Dk Ua 
Harpk^) und P. Fliche '■), scbätzeaswerth vor Allem, weil »i« 
Insectenreste behandeln, deren Alter von den Slraligruph^n mit 
Sicherheit bestimmt werden konnte. 

Unsere Kenntnisse der quarUiren Fantiu sind Jedoch immvrbin 
noch recht nngenQgend, sodass es rerfraht wfire, jetzt schon ptiy- 
logenetische Vergleiehe «wischen unserer europäiscben Fauna nad 
jener Amerika'« »nNlellcn «u vvollen. 

In der prAgliloialen Braunkr)hle von Lauenburg konnte ica 
folgende Arten vorfinden: 

1. Donacia dücolar Pz. 12 StHck. 

2. a hicnlnra ZkTT. 4 * 



') Flauii, K. Die Käfer der unturplciatocanen Alil«Kernngen bei H6ib»<* 
unweit Aschaffonborg. Verh. d. plj8. med. Gesellachaft, Würzburg 1 884. Bd. S^'TIl 

") KoLBE, H. .T. Uebor fossile Re^^to von Coleopterun au= einem allen ToW 
lager (Sclunierkohle) bei Gl. RfUehen ia der Nieder-L»usitz. Berlin, NUorfansfi 
Freunde. SitiungHb. 1894. S. SSe-aSS. 

') ScuuiiE». S. Deacriptian o( Ina speciea of CunbidM found le liie 
gl»oi»! deposita ot Srarboro' Heighta near Toronto (Canada). Kult, ai ib« ^- ^ 
Geolog, aod geogr. Sorveir. Washington 1877. Bd. IIl, S. 763—764. 

''') Sci-ui.«B. S. The Coleoptera hitharto fonnd ffMsil in Canida. Ge* 
gical Surfoj of Consda. Ottawa 1895, vol. II, Part I, S. 37-56 mit ST«**- 

— , Thü eÖect of glaciiiliun und Ihe Rlaeial Period on the präsent Fio* '^ 
North Ameriua, Americ Jouro. of acienw, Serie 111, vol. XLVIH, ^o-^' 
Sept. 1891. 

*) Db L* Uahi-k, Pm. Sur nn gisenrnnt de tourba glaciaire trou« « '*'' 
Hmoe. Bull. Socr. Vandoiae due üciunccs nblurelles Laa^noe 18TT. BiL'^^' 
S. 45G-45B. 

') Fliciib. P. Sor lea Hgnitea iiuatemu-irea de Jurville pre* d< St*7' 
CooptMB-Reniius de ringtitut. Pari» 1S75. Bd. LXSX, S. 1233— 123«. 

— , Paaiie et Flore des t^iurbiöreB de la Champagne. C ovpteü- Kendos ^' 
rioalitiil. Paria 1876. Bd. 82, S. 979—982. 



Brunkohle und dem interglacialen Torflager von Lanenburg (Elbe). 35 

3. Danaciai Eine, beim Entnehmen aus der Braunkohle zu- 
rst bronzefarbene, nachher dunkelblau gewordene Flügeldecke, die 
er Gattung Donacia anzugehören scheint, sich jedoch von jeder 
er Arten discolor^ bicolora, fennica^ thalasatna und obscura unter- 
^heidet. Länge des Deckschildes 11 Millimeter. Breite 2 Millimeter. 
:;h zähle 9 Längsstreifen und erscheint die dieselben formende 
^unktirung gegen die Flügelmitte zu schwach und undeutlich, 
egen die Schulter zu werden die Punkte jedoch bedeutend grösser 
nd deutlicher. Die Querstreifung des gan;sen Flügels ist gleich- 
lässig fein und zart. Am meisten Aehnlichkeit besitzt diese Art 
och mit Donacia bicolora Zett. 

4. Deckschild einer von Flach bereits beschriebenen Hydro- 

hiliden-Art. Flach nähert diese Art dem Cyclonotum orbiculare 

'«iKKi:, und bemerkt hierzu, dass die Punktirung des von ihm 

efiindenen Fossils viel stärker und dichter ist als bei den leben- 

en Arten. Das Gleiche ist bei dem von mir gesehenen Exem- 

lar aus der Lauenburger Braunkohle der Fall und benenne ich 

^hcr diese neue Art Cyclonotum Muelleri^ Herrn Dr. Möller, 

'tn umsichtigen Entdecker der Lauenburger Fauna, zu Ehren. In 

r ersten Sendung von präglacialer Braunkohle kam mir das ab- 

brochene Stück einer Flügeldecke, wahrscheinlich auch dieser 

t angehörend, vor. 

5. Carabidae, Ein einziges noch dazu durch die Fossilisation 
krüppeltes Deckschild mit anscheinend sieben nicht punktirten 
igsstreifen. Es ist unmöglich, die Gattung, der es angehören 

nte, zu bestimmen. Länge der Flügeldecke 4 Millimeter. Breite 

illimeter. 

Das interglaciale Torflager ist reicher an Arten als die prä- 
ale Braunkohle. 

Ich fand folgende Arten: 

. Donacia discolor Pz. 6 Stück. 
» bicolora Zett. 1 » 
Erycus acridulus Linke. Die Charaktermerkmale dieser 
lieh erhaltenen Flügeldecke habe ich durch Vergleich mit 
>enden Art controUirt. In der Abhandlung von Flach, 

[3*] 



36 f. MKti.iiER, ÜBbor einige Coleoptoren-FlügeldttWn aug der j-rlgUcialeo 

Taf. II, Fig. 8 a, fimlet sieb eine uusgezeiclmete Wicdcrgalie JIpi 
Deckschi Idee. 

4. Amaraf Es ist mir nouh zweifelhaft, ob die zwei FlOg 
decken mit deutlich von einander getrennten Längs streifen der flu ■*' 
tung Amara angeboren^ die oben genannten KennKeicben nähei^^KQ 
diese Art dem Carabite» Iwsicollis Heer '). Da die Fb*igeldeeki^3MFD 
jodoch zerknittert sind, ist imniöglich /u erkennen, ob die l^wibcbei^K: n- 
rfttime glult sind. Lfinge der an der Spitze etwas abgebrocben^^M^'D 
Decken 3Va Millimeter. (Die giuize Lflnge dürfte wold 4 Millimel— ^er 
betragen haben.) Breite P/a Millimeter. 

n. iJarabidai;. Hafpalun! tien^s. H)ine schlei-bt erhaltei^^np 
Fltlgeldecke, die einige Aebnliehkeit mit der erwähnen Art Ir -^aae- 
sitzt, doch igt nicht möglieb zu constatiren, ob neun Läug;^^^ 
streifen vorbanden sind. Es ist nur zu sehen, dai-s dieeelti»- ^d 
ziemlich weit von einander entfernt sind, wie es bei //. a^n. .. — ^j 

und M. pube/icens der Fall zu sein pflegt. Da die Zwiecb t^. t n- 

räume jedoch keinerlei Punktirung aufweisen, gehörte das Tb? m'tet 
wohl eher der erstgenannten dieser Arten an. unser Fossil isi 

von kleinerer Gestalt als i^e/oni« meto», deren Körperlänge äOMil' jIü- 
meter beträgt, doch nähert es sich, was die Grösse belriffl, i wil i 
Feronia anthracina^ mit der es aber wieder andererseits nicht zu v- — er- 
gleicben ist, da die feine Punktirung der Längsstreiteu fehlt, r > li- 
wobl die Dpcke schlecht erbalten ist, kann man doch mit Sicberb^r^ieit 

feststellen, dass sie sich durch ihre Gesammthildung von IHaty» ^ö 

oblongopunctata sowohl als von Feronia nietaUica, /aadatopuncft^^^lo, 
Josaulata und cuprea unterscheidet. Die Gattungen der quartä^^B'^» 
Käfer sind nur mit allergrösster Vorsicht zu bestimmen. Aus^^v^r- 
dem liegen mir noch eine Anzahl Xhoras-Reste von Carabi^K^^cn 
vor, doch alle in so schlechtem Erhaltungszustande und so unv -^>/i- 
ständige Brucbstdcke, dass ich mich leider gezwungen sehe, -^od 
irgend welcher Gattnngsbestimmung abzusehen. 

6. Zwei grosse abgeplattete Stücke Flögeldecken von 10 M i-Sh- 
meter Länge und 10 Millimeter Breite. Diese metallisch grilo-gf'^''- 



') BeitrftKe zur InBectenfauDa Oeoingens. Natark. Verhu 
HoUandecIie Haatschappij. Haarlem 1863, S. 35, Tafel I, Fig. 28. 



Braimkohle und dem interglacUtleii Torflager von Lauenborg (Elbe). 37 

zenden Decken haben, ausser dem Thoraxtheil, wovon ein dicht 
punktirter Ansatz vorhanden ist, weder Streifung noch Punktirung. 
Das Insect gehörte wahrscheinlich zu den Chrysomeliden und 
hatte eine ursprQngliche Länge von ungefähr 15 Millimeter. 

7. Das Stück einer röthlichbraunen Flügeldecke mit groben 
abgeplatteten Punkten, welche die ganze Oberfläche bedecken. 
Zwischen diesen anregelmässig vertheilten Punkten sind glatte 
glänzende Zwischenräume. Das Stück ist zu unvollständig, um es 
näher bestimmen zu können. 

8. Eine sehr eigenthümliche Decke von glänzend schwarzer 
Farbe und wenig deutlichen Längsstreifen durchlaufen, zwischen 
welchen sich eine Punktirung befindet, die der Decke eher den 
Anschein von fein gekerbt als gestreift giebt. Länge 10 Milli- 
meter. Breite l^a Millimeter. 

9. Flügelrest, von 3 Millimeter Länge und ungefähr 1 Milli- 
meter Breite, mit groben, dichten Punkten versehen. Die Flügel- 
basis ist deutlich quadratisch. 

10. Eine Eäferfiügeldecke mit Längsstreifen, deren Zahl jedoch 
nicht anzugeben ist, die sich der Carabiden -Gattung Badister zu 
nähern scheint. Wie bei Badister fragüis Heer ^) scheinen sich 
die Längsstreifen immer je zwei zu zwei zu vereinigen, doch ist 
es mir selbst noch zweifelhaft, ob dieses Fossil wirklich obiger 
Gattung einzureihen ist. Länge des Stückes 4 Millimeter. Breite 
1^4 Millimeter. 

11. Ein Wirbelknochen von Mm rattua Linne. Kendall^) 
zeigte schon früher die Auffindung einer Wirbelsäule dieser Nage- 
thiere in einer Bildung West-Cumberlands an. 

Weder in dem interglacialen Torf noch in dem neueren mir 
zugetheilten Material der präglacialen Braunkohle habe ich weitere 
Plügeldecken von Bembidium Berendti, die ich früher aus letzterer 
Bildung beschrieben, wieder vorgefunden. 



>) loc. cit. S. 21. 

*) Kendall, J. D. Interglacial deposits of West-Cumberland and North- 
Lancashire. The quarterly Journal of tbe Geolog. Society. Vol. XXX VII. 
LoDdon 1881, S. 35. 



38 l"'- Mbdmisk, üebnr «inige Coleopterfto-FlöKeldpckcn etc. 

Um den Werth meiner BestiminungeD zu Eiclieni, habe icsS^ 
alle typisclioii Formen mit den Arteii unserer lebenden Fauna vei»-— 
glicbeu. Was die andcreu /,ii schlecht erbaltenen Exemplare an- 
betrifft, HO habe ieh mich darauf beschränkt, sie nur im All^^ — 
meinen /n besuhreiben und ist dies sowohl iür Stratigraphen :mlei 
(mvh Paläontologen nAt7.Iicher, als wenn ich sie nach kaum zu U«^— 
iirthellenden Cliaruktermerkmalen mit einer Anzahl neuer Arten- 
Namen belegt hatte. Zu einem cylinderförmigen Loch eines Tom-t^ 
stitckes, das sich höchst wahrscheinlich an der Oberfiäi'be befiind^n 
haben mag, entdeckte ich eine ganze Colouie Dipteren wie Vhfwf— 
«Otoxuvi arcuatum Linn., MuHOueptua Low., zu vertrocknet, ls m 
die Arten v.\\ bestimmea, und Syrphm balteatue Deeger und ^. 
riheni Linn. 

Erst wenn die quartüren In^ecten einmal besser gekannt sc^in 
werden, wird es möglich, sie phyloi^enetisch mit den verschieden» «n 
Arten der arktischen uud nearktischen (holarktisohe Region) E*e- 
gionen zu vergleichen, 

Nach dem mir von Herrn Dr. MCllbr aus den beiden L^i'- 
dungeu zur Verfügung gestellten Material ist es mir beute iii^Bg- 
lich, folgende Scblussfol gerungen zu /ieben: 

1. Mehrere gleiche fossile Arten finden sich sowohl in Laik. «H' 
bürg als auch in Hösbach, Jarville und Lausanne. 

2. Mit Ausnahme von Cyclonotum Muelleri sp. n. bege^^net 
man den meisten präglacialeu Arten aiicli im Interglacial. 

3. Vom slratigraphischen Standtpunkte aus glaube ich lie- 
haupten zn können, dass die Fauna von Lauenburg wenig czrider 
keinen Aufschluss zur Beurtheilung der verschiedenen Gla ^■iaJ- 
periodcn des nördlichen Deutschlands zu geben vermag. 



Der Sandstein von Kieslingswalde in der 
Grafschaft Glatz nnd seine Fauna. 

Von Herrn Friedrich Stlirm in Breslau. 

(Hierzu Taf. ü— XL) 



Einleitung. 

Die Anregung zu vorliegender Arbeit verdanke ich Herrn 
rofessor Dr. Frech, der mir im Frühjahr 1898 die Bearbeitung 
er tektoniscben und stratigraphischen Verhältnisse der Kreide- 
:>rmation im südlichen Theile der Grafschaft Glatz empfahl. 

Im Frühjahr und Herbst 1898 beschäftigte ich mich mit der 
geologisch - kartographischen Aufnahme jener Gegend unter Zu- 
grundelegung der betreffenden Messtischblätter. 

Hierbei wurde indessen die Feststellung des Alters der ein- 
zelnen Kreidehorizonte und deren gegenseitige Abgrenzung wesent- 
lich erschwert durch den grossen Mangel an Versteinerungen und 
durch das Fehlen eingehender Bearbeitungen, die die geologische 
Stellung wenigstens eines Theiles der Kreideschichten in diesem 
Gebiete festgestellt hätten. Selbst die Schichten und die fossile 
Pauna des altberühmten Fundortes Kieslingswalde bei Habel- 
ächwerdt hatten noch keine genaue, ihr Alter feststellende Bear- 
beitung erfahren, obwohl gerade sie am geeignetsten dazu gewesen 
wären. 

War an der Hand der zahlreichen Fossilien des Kieslingswalder 
Sandsteins dessen Alter einmal festgestellt, dann konnte man, von ihm 
ausgehend, auch den paläontologischen und stratigraphischen Cha- 
rakter der übrigen Kreideschichten leicht beurtheilen. Deshalb be- 




svhrAnktf iuh mich darauf, die Fauna des Kiesliags walder Sand- 
ptPiDB vom pal Konto logischen und GtratigraphigcheD Gesicfatepunkte 
aus pingfbe&d 7.11 bearbeiten, und nur, soweit es zum besseren 
Verstand iiisd nötliig ist, einen kur;!en Ueberbück Qber die sonstigen 
Btriiti){ra])liitjcbeii und tektonisilten Verhältnisse der Gegend von 
Habi-Ucliwerdt und Mittelwalde zu geben. 

Im Herbst 181^9 hii.-lt lob mich wieder 2 Monate in derKiei- 
lingswalder Gegend auf, um Material zu sammeln und Aufiiahiiirn 
zu machen. 

Den Herren Professoren Dr. Frech (Breslau), Dr. KaL- 
K0W8KY und Dr. DkiCHMÖLLEB (Dresden), Dr. StOLLBTi' (Kiel), 
dtii Herren Langenhak und Seydel (Li(^nitz), Gründet {K»lln- 
wilz) und Gai.USCH (Nieder- ljansen;iu) sei ergebenst gedsnkl filf 
fri^undliche Uebcrlassung des reichen Materials ihrer Institute, reep- 
PrivHtsammlungen, und ihre sonstige Unterst QtKuug. 

Dank der Freundlichkeit des Herrn Professors Dr. Fhit^b 
durfte ich auch die reichhaltigen Sammlungen des Prager Mu- 
seums näher besichtigen. Auch die Känigl. preuss. geologisch' 
Landes* Anstalt tu Berlin schickte mir TergleichsniateriHl io tot* 
gi"gonkomni('nder Weise zu. 

Im Jahre 184.3 gab GsiNiTZ (»Die Versteinerungen von Kies- 
lingswalde und Nachtrag zur Charakteristik des sälchs.-bflhin. 
Kreidegeliirges«) eine kurze Bearbeitung der Kieslings walder Fossi- 
lien, deren Abbildungen aber sehr wenig gelungen sind. Ueberdi« 
fehlt uiK-h die Be^hreibung vieler, nachtr&glich bekannt gewordener 
Formen. Auch traf Gbinftz keine Entscheidung über da« All« 
der Kie^ling» walder Sandsteine. In spfiteren Schriften (Elbtbalgeb. 
Paläoutogr. Bd. iO, I u. II, 187I/7&) rechnet sie derselbe Autor 
xui» Ot>ervn Quader, also zum Unter-Senon. 

ItKVRiCH (l^agerung der Kreideformation in Schlesien, 1854) 
i>rkl.4rt t'ii t^r uun.ttOrücb, den im Liegenden des Kieslingswalder 
S«niUifius heändlirhen >Thon< stratigraphisch tod seinem Han- 
jTfmlon tu ireniieD. 

.\ut d>T g<\>gni«ii$<-beo Karte von Nieder - Schlesien und in 
'i<-u KrUntenin);«! ni die«4T ,.1867) werden KiesUngswalder Thone 



in der Grimficliafb Glatz und seine Faana. 41 

Und Sandsteine von Bbyrigh, Rose, Roth und Runge zum Unter- 
Senon gerechnet, ohne dass eine Begründung beigefügt wäre. 

Dames rechnet 1874 (Abhandl. des naturhist. Vereins der 
Rheinlande, Jahrg. 31, S. 97) den Kieslingswalder Sandstein zum 
echten Unter- Senon, den Kieslingswalder Thou dagegen zum 
»Emscher« Schlüters, weil je ein im Berliner und Breslau er geo- 
logischen Museum befindliches Stück eines Ammon. subtricanna- 
tus d'Orb., also eines Emscher -Fossiles, im »Kieslingswalder 
Thonc gefunden worden war. 

Fritsch unterzog 1897 bei seinen Studien über die Chlomecker 
Schichten, die böhmischen Aequivalente des Kieslingswalder Sand- 
steins, auch die Fauna dieses letzteren einer allerdings nicht sehr 
eingehenden Bearbeitung. Fritsch stellt die Altersübereinstim- 
mung des Kieslingswalder Sandsteins mit den Thonen von Neu- 
. Warthau bei Löwenberg fest und rechnet beide zum Unter-Senon, 
wie er denn überhaupt schon die Priesener Schichten, das Aequi- 
valent der Kieslingswalder Thone, zum Unter-Senon rechnet. 

Im Jahre 1891 verfassten die Herren Langenhan, z. Z. in 
Liegnitz, und Gründet, z. Z. in Kattowitz, gemeinsam eine durch 
eigenhändige Zeichnungen illustrirte Arbeit (»Das Kieslingswalder 
Gestein«), die eine Beschreibung des Materials ihrer reichen, mit 
grossem Fleiss und mit Liebe zusammengebrachten Sammlungen, 
aber keine kritische Berücksichtigung der Litteratur und keine 
eingehende Behandlung der stratigraphischen Stellung des Kies- 
lingswalder Sandsteins aufweist. 



PeiKDBtcH Siuuu, Der Simdsiejn von KieslingswiJdp 



I. Geologischer Theil. 

I. Otfl stratlgraphlache Stellung des Kiesllngswalder 

Sandsteins, 

Uer Kipslingswnlder Handäteiii bildet das jüngste Glied der 
Kreideformatio» in der südlichen Grafschaft Glatz (Kreise Habel- 
Bchwcrdt und Mittelwalde), 

Da für die richtige Auffassung der stratigraphischen Stellung 
des Kiesllngswalder Sandsteins eine Kenntniss der älteren Kreide- 
bildungen dieser Gegend wichtig ist, wird im Folgenden eis 
Ueberbliük Aber dieselben gegeben. 

Die ältesten Krcideschichten stellt der bei Habelsubwerdt und 
Langenau in mehreren Brüchen aufgeschlossene Ceao man -Quader 
(mit Exogyra columba und Inoeeramus virgatua) dar. 

Er wird Überlagert von dem sog. Plan ersand stein (Itaubsteln), 
einem tbonigen, gelblich bis graublau gi'färbten Gestein von ge- 
ringer Mächtigkeit. Der in dessen Hangendem befindliche, bis 
50 Meter niäcbtige, blaugraue, feste Plänerkalk gehört, nach den 
allerdings sehr sp&rlichen Resten von InoceramuB labiatua zu ur- 
theilen, zum Unter-Turon. 

Im S., O. und N. von Habelschwerdt geht der unterturone 
Plänerkalk allmählich in einen feingescbicbteten, kalkreichen, blau — 
grauen Thon über: die untere Abtiieilung der sogen. Kiesüngs — 
walder Tbone. Durch die Führung von Inoeeramun Brongniarf^^ 

erweisen sie aicb als mittel-turonen Alters. Bei oberflächlicher Be 

traehtung gleichen diese Brongniarti-Pläner dem in ihrem Liegen — 
den befindlichen Plänerkalke. Sie verwittern aber viel Ieiflitec^r=', 
wie dieser, und geben einen sehr schweren, fetten ThonbodeirrTzi- 
Im Dünnschliffe /.eigen sie Reste von Forami niferen. Offenbar hatt:^^« 
sich also hier im S., O. und N. von Habelschwerdt das Meer voi^wm 
Cenoman an vertieft. 

Im W. und NW. dagegen weist das Fehlen der thonig-ka^^«'' 

kigen Sedimente und das dafilr um so mächtigere Auftreten vc j" 

(oft conglomeratischen) Sandsteinen auf seichteres Wasser ul — -J« 
grössere Küstennahe hin, 



I 



in der Grafschaft Glatz und seine Faana. 43 

Die gesammte Stufe des Inoceramus Brongniarti^ z. Th. auch 
die oberen Partieen der Labiatus-Stufe, sind westlich und nordwest- 
lich von Habelschwerdt in sandiger Facies ausgebildet und weisen 
m ihrem unteren Theile eine Wechsellagerung mit den blauen, 
harten Plänern auf, die hier in ihren obersten Schichten (so bei 
Lomnitz) schon Inoceramus Brongniarti führen. 

Es herrschen hier ähnliche Verhältnisse wie im böhniisch- 
sächsischen Mittel-Turon, wo Petraschek (Studien im Gebiete 
der sächsischen Kreideformation 1899) ebenfalls eine gegenseitige 
Vertretung von kalkiger und sandiger Facies (Mallnitzer und Tep- 
litzer Schichten einerseits und Iserschichten andererseits) mit 
Wechsellagerung in den Uebergangsgegenden nachgewiesen hat. 
üeber den thonigen Kalken mit Inoc. Brongniarti lagern im 
S. und N. von Habelschwerdt Thone mit Scaphttes Geinitzi^ 
Scaph. Lambertij Baculitea bohemicus^ also ober-turone Schichten 
(= Priesener Schichten Böhmens '), Scaphitenpläner Westfalens 
und Oppelns). Ob auch diese Schichten im W. durch sandige Äb- 
iagerungen vertreten werden, konnte ich nicht untersuchen, da 
mich dies Ober den Rahmen meiner Aufgabe zu weit hinaus- 
geführt hätte. 

Jedenfalls aber fand während der Ablagerung dieser Schichten 
wieder ein Näherrücken des Strandes im S. und N. von Habel- 
schwerdt statt. Vereinzelte Abdrücke von eingeschwemmten Land- 
pflanzen und bis 1 Meter mächtige Einlagerungen glimmerreichen 
Sandsteines beweisen dies. 

Die kalkig-thonige Ausbildung der beiden Stufen des Inocei^a- 

niu-s Brongniarti und Scaphttes Geinitzi mögen unter dem Namen: 

»Untere Kieslings walder Thone« zusammengefasst werden. 

Die »Oberen KiesHngswalder Thone« gehören der Zone 

des Inoceramus Cuvieri Sow. an. Dieses Fossil selber wurde 

in einigen Exemplaren bei Mittelwalde und Wölfelsdorf gefunden. 



*) Bezüglich des Alters der Priesener Schichten meint Fritsch, ihr »senones 
Alter sei wohl noch von niemand angezweifelt worden«. Angesichts des Vor- 
kommens der typischsten Oberturon - Fossilien wird aber von fast allen Autoren 
nicht an ihrem obeitaronen Alter gezweifelt. Vgl. auch Jahn, Jahrb. d. K. K. 
geoL R.-A. 1895. 




||l|ll.|l|v|jlsl 

liisisäl'Ki iij? 

telS.-'S lll JssS' 



,- B E °£ "^ä £■!< 







in der Grafecliaft Glatz and seine Fauna. 45 

Im Vergleich zu seinem Liegenden, den Plänern mit Scaph. 
Cetnitzi^ ist das Gestein dieser Schichten viel sandiger; im Vor- 
gieich zu dem in seinem Hangenden befindlichen Kieslingswalder 
Sandstein ist es dagegen viel thonreicher. Bemerkenswerth ist 
die Fflhrung von zahlreichen Brauneisensteinknollen. Stellen- 
weise, so bei Mittelwalde, Rosenthal, Alt -Waltersdorf und der 
Urnitzmühle in Ober-Wölfelsdorf, verleihen zahllose, verkohlte 
Pflanzenpartikelchen den Platten des Gesteins ein gesprenkeltes 
Aussehen. Aus diesen Schichten stammen, wie aus der Fundorts- 
angabe ^) hervorgeht, die beiden Stücke von Schloenbachia (Peroni" 
cercui) 9ubtr%eartnata d'Orb, die Dames (1. c.) veranlassten, die 
Kieslingswalder Thone dem »Emscher« Schlüters und daraufhin 
den Kieslingswalder Sandstein dem Unter-Senon gleichzustellen. 
Nun sind aber, wie aus dem bisher Gesagten hervorgeht, die 
KieslingswalderThone kein paläontologisch einheitliches 
Oe bilde. Femer kommt, nach Schlüters Angaben, P<?r(m. ^^rt- 
carinatumiy^OvcR. durchaus nicht ausschliesslich im Emscher, son- 
dern auch im Cuvieri- Pläner vor. Nach zwei vereinzelten Exem- 
plaren von Per. subtricarinatum kann daher eine Schicht nicht 
nvohl als »Emscher« bezeichnet werden. 

Der »Obere Kieslingswalder Thon« (== Stufe des Ino- 

cet'amus Cuvieri) stellt eine deutliche Uebergangsbildung zu 

dem Kieslingswalder Sandstein dar. Der Lagerung und 

Gesteinsbeschaffenheit nach ist er auch mit den Schichten von 

Kreibitz in Böhmen ident. 

Das Seichterwerden des Meeres, das in der Scaphitenstufe 
stellenweise begonnen hatte, war während der Ablagerung der 
Oberen Kieslingswalder Thone weiter fortgeschritten, ein Vorgang, 
der auch während der Bildung des Kieslingswalder Sand- 
steins weiterhin in erhöhtem Maasse stattfand. Nach Ablagerung 
des Kieslingswalder Sandsteins scheint sich das Meer sogar völlig 
zurückgezogen zu haben. Abgesehen von dem Fehlen jüngerer Bil- 
dungen deuten auf dieses Ereigniss die mächtigen Conglomerate 
im Hangenden des Kieslingswalder Sandsteins (s. d. Profil!) hin. 



^) »Gegenüber der Schenke von Alt- Waltersdorf«. 




Den Hauplbi-st&adtlieil dee letütereo bilden blangr»iie, diclite, 
mideutlk^i gfscbit^btete Sandsteine, die sich durch ReieLllium u 
GlimmerHcbOppchen auszeichnen. Durch Verwitterung erhält die- 
ses Gestpin eine gelbgrane Farbe, Ale Einlageningen besiUt « 
Platte» und Knollen eines Äusserst festen, beim Zerechlageo gUaig 
klingenden und schwer verwitternden Gestein«'», des sog. »Eisea- 
steines« der Arbeiter. Derselbe besteht auB einem sehr diuhteii 
Getflge von Quarzkörnero, die durch ein fast thoufreicB, kalkig« 
Bindemittel verkittet sind. Fritsch läßst diese »Eisensteinei in 
seinem I'rotil (Chlum. Seh. S. 26) regelniässige Lagen einaebmen. 
Nach meinen Beobachtungen jedoch eind die Platten und Euoliea 
dieses OcBteins regellos in der gesammten Schichtentblge vcrslrfut. 
Die Regellosigkeit macht eich den Stein arbeit eru üogär oft iiaitog^ 
nehm bemerkbar. Gute Werkstfleke rafUseu oft beiseite geli'S' 
werden, weil eine unvermuthet auftretende Eisenstetnknolle ilsr 
weiteren Beiirbeitung des Slüokes zu grosse Schwierigkeiten fit* 
gegensetat. Die regelmassige Sebichtenfbige mit den vier EiBfii- 
steinlagen, wie sie das erwähnte, von KafFKA gezeichnete Pwil 
zeigt, entspricht daher nicht den wirklichen Verhältnissen. 

Die Frstipkeit des :^Eisensfeins.^ und seine Widerstandsfabe 
keit gegen atmosphärische Einflitsse machen ihn zu einem vorzüg- 
lichen Aufbewahrungsorte von Fossilien, deren gut erhsUf"* 
Schalen ganze Platten dieses Gesteines oft zu Hunderten bedecken, 
während in den thoiiigen Sandsteinen die Thierreste viel zerstreuler 
vorkommen und meist nur als Seulptursteinkerne erhalten i^""' 
Neben dem blaugrauen Sandsteine tritt noch ein braungrauer >"'- 
Dieser ist deutlich geschichtet, enthält sehr viele GlimmerscbOpp' 
chen und ist die Hauptlagerstättc von zahlreichen LaubbU"' 
abdrücken, die ausser den erwähnten Conglomeraten auf "'^ 
Nähe der damaligen Käste hindeuten. 



II. Das Alter des Kieslingswalder Sanilsielns. 

Wie aus dem bereits Gesagten hervorgeht, ist der 1 
walder Sandstein jünger als die Schichten der Stufe des Inoc"' 
mus CuHeri. 



IQ der Grrafschaft Glatz and seine Fauna. 4? 

Ueber dem Cuvieri- Pläner lässt nun Schlüter^) den von ihm 
^Is »Emscher« bezeichneten Horizont folgen, der eine Mittelstel- 
lung zwischen Türen und Ünter-Senon einnimmt und sich durch 
die Führung gewisser Ammoniten (Placentic, Orbignyanum^ 
Schloenbachia (Pef*onic.) subtricarinata, Baculites incurvatus etc.), 
sowie des Inoceramua involutus auszeichnet. Schlüter zeigte auch 
(l. c.) die Identität des Emschers mit der Etage Coniacien (Coqu.) 
in Frankreich. 

Später (1888) wies G. Müller die Uebereinstimmung der 
Zone des Amm. Margae am Harzrande mit dem ScHLÜTER^schen 
JEmscher nach. 

Eine Betrachtung beifolgender Tabelle zeigt nun^ das auch 
<3er Kieslingswalder Sandstein ein gleiches Alter wie 
der »Emscherc (Schlüters) hat. 

Vor allem besitzt er mit letzterem Horizonte gemeinsam die 
ichtigen Ammoniten: 

Placenticercis Orbignyanum Gein. 

Peroniceras subtricarinatum d'Orb. 

Pachydi8CU8 cf. Carezi Grossoüvre. 

Scaphites Kiealingawaldenm Lang, et Gründet (= Sc, 

Meslei Gross., Coniacien). 
Baculites incurvatus DüJ. 
Turrüites vanans Schlüt. 

Von Inoceramen sind besonders wichtig zur Beurtheilung des 
Iters des Kieslingswalder Sandsteins : 

Inoceramus involuttis Sow. 

Inoceramus lobatua Münst. (Dieser allerdings sehr 
selten.)) 
on denen ersterer ein höchst charakteristisches Emscher-Fossil ist. 
Von den 96 in der Tabelle aufgeftihrten Arten treten auf: 

bereits im Cenoman 7, 

» » Turon 27, 



1) Palaeontogr. Bd. 24. 



^^F Tabelle ^Vl 
■ Eum Vergleiche der Kieslmgswalder Fauua mit der anderer 
1 deutscher Kreidebildungea. 


^^^P Namen 

der 
Veretei.. rangen 


Emscher 


ünl 

Sen 


r- 
S 

u 


Elbaiuid. 
»leingelb 


g 


1 


1 


M 

PI 


ii 


1 

i 


f- 


1 

1 




I, CaHaHaima Fanja»! Dksh. . 
a. — elonyala Fbimch') . . 
a. Pbdocrates ZJShn«.««,* 
B^cBi. 


■ 


+ 


+ 

+ 

+ 
+ 
+ 
+ 


■+- 

+ 

+ 

+ 
-t- 
+ 
+ 


■ 


+ 
- 




+ 

+ 
+ 

+ 
+ 
+ 

+ 
+ 

+ 
+ 
+ 


+ 




e, Pgronicera) mhtricarinatuia . 

7. PadiydUfut cf, Carai 
Gross.') 

8. DumoceraiLaagen/iaaio.ep. 

9. Seaphitet Kietliagaicaldensi* 
Lamo. et Gb. ") 

10. BacuHleg mcumatut Duj. . 

12. Tarrilita variant SohlUt. . 

13. Nerita n- np 

U. NaUca balbiformi» Sow. 

15. Nat. hulhif. mr. boreoHt 


+ 
■ 


4- 


1(J. NaÜca tudeHca a. sp. . . 
17. Natica KUpileini J. HiJli.. 

19. TuTTittUa nodota Ä. Rokm. 

20. — aescincbi Goldp. . . . 


+ 


■ 


+ 
+ 



') Auch im Böhmiechen Turon. 

') Kommt im Coniicien (= Smaohw) Fnuikreiclis t 



in der GrafeabAft GUU imd » 





Emscber 


ünter- 

SeoQn 

1 

s a i| 


ElbatDd- 
Bteingetb 


1 

li 




der 

neruEgen 




1 ' 

P H 


1 


,erhaea A. R.k«. 

"^ "P 


. 1 . 


+ 


■^ ■ ■ , ■ 
+ 1+ . 

+ 

+ -t- 

+ + . 

H- + . 
+ + + 


+ 

+ 
+ 

+ 


+ 
+ 

+ 


+ 

+ 
+ 

+ 

+ 
+ 
+ - 

+ 

+ 
-f- 

+ 

-t- 


h . 

\- + 

4- . 


loronabu Ä.RoEx. 
eotCfKa d'Orb. . 
. audacior Gi». 
Mto n. ap. . . 
Rotmeri Ge«. . 
mia glganleaSroi.. 
mboldti J. Müll. 
^Undracen Gm^. 

mülleri n. ep. . 

(a Rkb8«. . . . 
« Graniü.- d'Oh«. 
I^aciona q. Bp. . 

regulariH p'Oku. 
>ltonü GiciN. . . 
*(mSo*. . . . 
a oto Stol.») . 

. Sow 

n» Reyi Boaiju. . 
ut Fbitsch . . . 
Mali» BoK«. , . 


■ 1 " 

. + 

+ 1 + 


+ 

+ 

+ 
4- 



an ObertorOD Fnnkreicbs. 



n Taron Indiens. 



, Der Sandetem Ton Rieslingswalde 





Bmscher 


ünt«- 
Senon 


ElbuDd- 
Blebgelh 


1 
1 

j 






Namen 
der 

-Versteinerungen 


3: ffl S 


J 
< 


I 


11 


1 




50. Q,jirinKnnOnn/(j/J.M0LL. 

51. Vatug GoMfuui Gas, . . 
6a. — MaÜieroni Zur . . . 

53. ~ mufetica n. sp 

64. Tapa faha Sow 

55. — tvhfaha d'Oh. . . . 
66. — » aß%. JraffUii o'Oiie. . 

57. — fi-agiU* »'Obb 

58. OjÜierta oi-aJü Goldv. . . 

59. TtlU»a »trigata GoLor. . . 

ßO. — COttUlatlt GOLDF. . . . 

ei. tfoefru 'wg«loCa Sow. . . 

62. — pOTKCUl Gkis 

G3. Veromjja isocardioidei n. sp. 
64. Qoniom<in Vogti n. ep. . . 
BS. - GatlitM n. ep. . . . 
GG. Panopaea gurgilit Bko.i<in. . 

m. — rudOta Zirr 

G8. — clari/ormii a. sp. . . . 

70. Anatina lanteolata Geis. . 

72. Lyomia Germari Oma. . . 

73. Clavagetla clegan* J. Müll. 

74. CoTbulamellanlriatula GoLve. 

75. Avieiiia Kialiagnraldcruä n. 
«P- 

76. Peeteii viryatae Niuas. . . 

77. Vota quadrkottata Sow. . 


H 

4 
4 




+ : + 
. 1 + 

+ . 

. + 

+ + 
+ - 


+ 
+ 

+ 
+ 

+ 
+ 

4- 


+ 

+ 
+ 

+ 

+ 

+ 

+ 
+ 


4 




-\ 

-t 
-\ 




H 

H 

-* 
-1 




+ 

: 

+ 
+ 

+ 

+ 
+ 
-1- 




1 

4- 

+ 
+ 



in dar Orftbelinft Olkti und ■ 





Emscher 


Ool.r- 


Elbsund- 

BUaogelb 


1 
1 

1 


■2 

1 




aar 

teinerungeD 


Sias 

1 


1 1 


II 


1 
1 


1 


1 


maH/era Goldf. . . 

MM i»D0lubii Sow. . 




• ■ 1 • 


1 
+ 1 . 

. + 

. ' + 

. 1 

! 
1 


+ 
+ 

+ 

+ 

+ 


+ 




.Ma«t. 

^obahu Um. . . . 
^rttacea Schloth. . 
pm*a OoLDF. . . 

data Gn>. ep. . . 
cf. aoUfam Bon- 


*■ 




ne Obih 

'idonata Qku. . . 

1 flagelUMn Pohb. . 
inuila compreuahmi 
ler Jagatui ScblCt . 
eauanu»') d'Obb. . 
Eer cf. lacuaoeia 


' 1 ' ' " 


. ■+: 

1 + 

■ 1 

■ j ■ 




+ 








1 



10, 



orwiegead im Unteren Senon 
> » Emecher .... 

(u. als wichtige Leitfossile) 
;ftnzlioh auf Kieslingswalde -Clilomeck be- 
Bchrftnkt (aber grOssteatheils von senonem 

Charakter) 16. 

ersieht hieraus, dass, wenn man auuh den Klesliogs- 
acdstein wegen seiner Ammoniten und Inocerameu zum 
dl im DiitK*enoii Fraukreichii. 

in 



F 


1 

52 


■ 


■ 

FtriKKRtuu Stur» 




1 


s 


i 


1 






^Ii7 




» 


fe et i 1 S ii 


3 


s 


Jll 






3i 




US 


'£ 


i 


i 


i 

•8 


ll 

-g_ 


"-• tli-N ■ i 


|l 


i 


it 


!i ! 


11 


ll * J, "^ 




Tg 
3 


1 




^ 


•13 




■ .2 




irt mmm 


ii 
i1 


5 

■5 
. 1 


1 


o * 

'S'? 


H 


W^5 
12". 

iii 




1 




il 




s 


J 




> 


' r 


«1 


"s.l 






e 


' 


|i 


ii 


f_ 


■f" 'Sil 1 ^ 

1 1 






B 










31 


1 






J 



in der Grafschaft Glatz und seine Fanna. 53 

eher rechnen muss, man doch nicht verkennen darf, dass sich 
rsenone Elemente stark geltend machen, stärker als die 
aen. Indessen ist wohl zu beachten, dass die oben erwähnten 
Lrten keine besonders wichtigen Leitformen des Untersenons, 
ern indifferente Zweischaler etc. sind, dass dagegen wirklich 
tige Untersenon-Formen, wie Hacenticeraa syi'tale MoKT., 
lium pectinijorme J. Müll., Cyrena cretacea Dresch., Inoce- 
t'S lingua GoLDF. und Inoc, lobatus MsTR. gar nicht oder, wie 
letztgenannte, äusserst selten in den Kieslings walder Saud- 
en vorkommen. 

In der südlichen Glatzer Kreide bildet also der Emscher 
1 jßngstes Glied; das Unter-Senon fehlt. 
Wie diese Verhältnisse im NW. der Grafschaft Glatz liegen^ 
rf noch einer genaueren Untersuchung. 

Dagegen tritt echtes Ünter-Senon in der Löwenberger Mulde 

Hier gehören der »Ueberquader« Beyrichs und die Thone 

Wehrau, Sirgwitz, Wenig -Rackwitz etc. dem Unter-Senon 

Hauptleitfossile sind in diesen Schichten Cyrena cretacea 

5CH. und Cardium pectinifamie J. Müll., also echte Unter- 

1 formen. 

Das Senon fehlt wiederum in den oberschlesischen Kreide- 
ngen. Die Schichten von Oppeln gehören dem Mittel- und 
->Turon an, entsprechen also dem Blauen Plänerkalk und den 
ingswalder Thonen. 

Die Kieslingswalder Sandsteine stellen Ablagerungen eines 
?n Strandmeeres dar, in das mitunter vom Lande her Blätter 
Qgeweht wurden. Auf dem Grunde des Meeres lebten 
schaler in überwiegender Anzahl. Wie überall, kommen auch 
Krebse und Schnecken als regelmässige Mitbewohner vor. 
irkenswerth ist das Fehlen von Süsswassermollusken, deren 
•eten im Unter-Senon (Harz, Löwenberg) zu den regelmässigen 
leinungen gehört. 

Dass eine Verbindung des Glatzer Moeresgebietes mit dem 
lischen Meere bestand, ist selbstverständlich. Ob eine Verbin- 
: mit Ober-Schlesien bestanden hat, ist nicht so sicher, da 
eher dort noch nicht nachgewiesen ist. Jedoch ist es nicht 



54 Fbirixuch Stush, Der S>iidst«m tod KiealingBWftlde 

iinwalirsfheinlich, dasa zur Zeit der Bilduog des Brongniarti* 
Pläners eine ursprÜDgliche Verschiedenheit der Meerestiefe zwischen 
dem Glatzischen und Ober-Schlesischen Meere vorhanden gewesen 
sei. Zahlreiche Hexactinetliden, Lithistiden und Forami niferea 
(Globigerinen) in den Oppelner Plänern denten auf tieferes Meer 
hin. Alle diese Formen fehlen in den Glatzer Krei deschic hlen, 
nur einige Poraminiferen-Reste kommen in den Broagniarti- 
PUnern vor. 

Trotz der ureprünglii-hen Verschiedenheit der Meer est lefen, | 
ist aber noch eine nachträgliche Bodenbewegung ioi Sudeten- i 
gebiete anzunehmen, denn der atidetische Kandbrncb ist xu frisch^ 
als dass er schon in cretaciscber Zeit entstanden sein könnte. 



II. Tektonischer Theil. 

In tektonischer Hinsicht stellt der sttdliohe Theü der Graf- 
schaft GJatz eine Grabenversenkung dar. Die Schichten der 
Kreideform;ition sind an uwei Bruchlinien, im W. am Haliel- 
schwerdter Gebirge, im O. am Glatzer Schueegebirge, in die THefc 
gesunken. Hierbei wurden die Schichten an den Rändern geschleppt, 
und die älteren Glieder der Kreide in steile, oll auch Rberkippte 
Stellung geliracht. 

Der Kieslingswalder Sandstein wurde von diesen Vorgängen 
nur wenig betrofi'en. In der Mittelwalder Gegend ist er in ganz 
ungestörter Lagerung geblieben. Der östliche Bruch zieht nicht so 
weit nach S., der westliche Bruch liegt zu weit entfernt. 

Bei Mariendorf, Nr.-Kieslingswalde, Neu-Plomnitz, Stein- 
grund nud Ober- Alt- Waltersdorf dagegen ist eine deutliche Störung 
der Lagerung wahrnehmbar. Der Sandstein bildet hier eine flache, 
von SO. nach NW. gerichtete und nach NW. offene Mulde. la 
der Mitte derselben ist die Lagerung horizontal, am SW. -Rande 
sind die Schichten bis fl", am O.-Rande bis IS" aufgerichtet 
Nördlich von Alt- und Neu - Waltersdorf stöest der Sandstein 
wieder ungestört an das Urgebirge an. Die östliche Bruchlinie 
erleidet also hier eine Unterbrechung. Vielleicht h&ngt dies und 



in der Grafschaft Glatz und seine Fauna. 



55 



i Muldenforxn damit zusammen, dass bei Neu- Waltersdorf eine 
abiegung im Verlaufe der östlichen Bruchlinie eintritt. Vom 
•then Berge bei Nieder-Rengersdorf an verläuft sie ziemlich ge- 
il von NW. nach SO., in Ober-Neu- Waltersdorf aber tritt eine 
nbiegung nach S. ein, und diese Richtung behält sie bis Lauter- 
cb bei Mittelwalde. 

Einen guten Einblick in die tektonischen Verhältnisse geben 
i Profile der Neisse am Rothen Berge bei Rengersdorf und der 
ölfel an ihrem Austritte aus dem Glatzer Schneegebirge. An 
:zterem Punkte sind die Verhältnisse dieselben wie bei Stein- 
•und (s. d. Profil). 



oriansberg Ploin- 

labelschwerdt) iiitz 



Neu- 
Plomnitz 



KiesliDgBwalder 
Berge 



0. 

Oberer Stein- Lerchen- 
Mflhlberg gnind berge 




Emscher. 



Brkl&rang: 
enomaner Qnadersandstein. 
' labiatas- Pläner (ünt. Turon.) 

o r^. ,r\^. rn x { Untere Kieslingswalder Thone. 

i>capbiten ;> (Ob. Turon.) ) ^ 

Obere Kieslingswalder Thone (noch Ober -Turon). 

' Kieslingswalder Sandstein 

» Conglomerate 

A) Gneiss. 

L&ngen-Maassstab = 1:75 000. Ueberhöhung 2,5 : 1. 

Weniger einfach und einheitlich als auf der O.- Seite ist der 
Erlauf der Bruchlinie auf der W.-Seite der Grabenversenkung. Von 
^bischau bis zum N.-Ende von Rosenthal ist ihr Verlauf von S. 
^^h N. gerichtet. Bei Rosenthal hört die starke Schichtenauf- 
^htung auf, die Schichten liegen auf dem unterlagernden Ur- 
öbirge nahezu ungestört. DafiXr tritt aber am N.-Ende von Nr.- 
'^Dgenau eine neue von SO. nach NW. ziehende Bruchlinie auf, 
Je vom Steinberge bei Nr.-Langenau an bis in die Gegend von 
ohldorf und Sauerbrunn, gegenüber dem Rotben Berge, hinzieht. 



PaiMtMcn fimuM. Dar Sudauüi i 



III. Paläontologiscber Theil. 
BeptUlan- 



1 



1 



Reste sind in Kieslingswulde sehr selten. Die wenigen vorlipgeDd< 
Stücke — ein Itöbrknocben und ein platter Knoeben — gegtatt 
keine nähere Bestimmung. 

Plsoes. 
Ütodos appeDdicnlatu Ag. 

Taf. ilK Fig. I. 
1833-43. Ao.^■'^I.^ Rech, aai lea poi«. fosi. III, S. 370, Taf. 32, Fig. 1 -25. 
1873—7.^. Gusrrz, BIblhalgeb. 11. Tat. 38, Fig. 37 -M, S. 809. 
18l)l. LuiOKKHAi n. GmxDEr, Eiasl. Gcrtlein. Tai I, Fig. .\ 6. 

Von dieser weitvorbreitelen, vom Unter-Tnron bis zum Unier- 
Senon vorkommenden Art, liegen ein Exemplar aus dem Breslauer 
Museum, eins aus dem Dresdener und drei aus dem Besitze der 
Herren Langenhan und Grundey vor. 

Oxyrrbina Hautflli Ag. 

1833 -43. Ao-vssiz, I. c , Taf. 3J, Fig. 1—9, S. 280. 

1S7-2-75. GBiNTri, Elbtbalgeb. II, Taf. 38, Fig. 1-31, S. 207. 

Zwei grosse Zäbne aus der Sammlung des Hcrru Grundby 
in Kattowitz liegen vor. Die Art besitzt dieselbe horizontale und 
verticale Verbreitung wie die vorige. 

Oxyrrbioa angiutideDS Rbuss. 

Taf. 111, Fig. 2. 
1872-7.i. Gbwit^, Elblhalgeb. 1, Taf. 65, Fig. 1, 2, 3. 

Es liegen von dieser sonst vorwiegend im Ceuoman und 
Turon vorkommenden Art zwei Exemplare an^ dem Breslauer 
Museum vor. 



in der GmfiMh»ft Glatz und seine Fauna. 57 

Corax pristodoBtos Ag. 

1833—48. Corax (Oaleui) prütodonUts Ag., 1. c, Taf. 26, Fig. 9, 10, 11—13. 

S. 224. 

Ein schlecht erhaltenes Exemplar aus dem Besitze von Herrn 
Orundby ermöglichte nur eine annähernde Bestimmung. 

AOASSiz citirt diese Art aus dem Unter-Senon von Maastricht 
Der nahe verwandte Corax heterodon Reuss kommt im Cenoman 
und Turon vor. 

Omstaoea. 
Calianassa Fanjasi Desm. 

1843. C, antiqua Otto bei Gbiüitz, Kieelingsw. Taf. 1, Fig. 1—4, S. 6. 

1 867. » » Frxtsch, Calianassen der böhm. Kreideform. S. 7, Taf. 2, 

Fig. 1-6. 
X871 —75. » » GEwrrz, Elbthalgeb. I, S. 289, Taf. 64, Fig. 1-8. 
1897. » » FBrrscu, Chlom. Schichten. 

Ein Vergleich von gut erhaltenen, in Kieslingswalde gefun- 
denen Scheeren dieser Krebsart mit solchen von Maastricht ergab 
keinen Unterschied beider Formen. 

Der von früheren Autoren, so von Fritsch und Geinitz an- 
gegebene Unterschied bestand nur in einer angeblich verschiedenen 
C3rösse beider Arten, die aber durchaus nicht vorhanden ist. Die 
ieslingswalder Exemplare zeigten z. Th. genau dieselben Grössen- 
erhältnisse, wie die Maastrichter. 

Der eine (rechte) Scheerenfuss ist breit, kräftig und besitzt 
urze, stumpfe Finger. Der andere (linke) Scheerenfuss ist 
L'blanker gebaut und besitzt spitze, lange Finger. Die Finger 
er rechten Scheere sind gezähnt. 

Ausser von Kieslingswalde und Aachen wird unsere Art auch 
SA «18 dem Unter-Senon des Harzrandes und Westphalens, dem 
alzbergmergel (= Emscher), den Priesener und Chloniecker Schich- 
beschrieben. 



CaliaBassa elongata Fritsch. 

Taf. 111, Fig. 3. 
1B67. Fbitsch, Calianassen der böhm. Ereideformation. Taf. 2, Fig. 7, S. 11. 
Ein Exemplar aus der Sammlung der Königl. preuss. geolo- 



58 Fki&dkicu Stvbh, D«r Sandatein Ton Eieslingsvalde 

gUciirn Lau des- Anstalt zu Berlin stimmt gut mit der citirt«D äH- 
biltluDg bei Frithch Oberein. 

Die Schwanz&ogmente zeigen die flössen förmigen AnliSn^e- 
wie sie C. Faujim besitzt, nicht. 

Die GrAsaeuTerbältnisse der beiden Scheereo sind, im Oegen- 
satse KU V. Faujaai, bei unserer Art nahezu gleich. 

Bei der einen Scheere siud die schlanken, geschwungensB^ 
Finger mit einem Zabuf versehen, bei der anderen sind dm^ 
Pinger gemder und ungezAbnt, ■ 

Podorrates DnelmeneosiB Bbcks. 

lMy-50. Qnunr^ gaadon-MdMeingBLi. Dentschlands. Tuf. II, Fig. G. 
I86i. ScuLÜmt, MMTure Discspoden der CeüOman- und Senonbilduegeo Wis^. ».- 
pli»l8n9. ZeiUiLr. d. D. s«olog. Gtsellschsft S. 718. T»f. XM- 1 - 

Das in dem Dresdener Museum befiudliche Original ibu 
Grinitz's Abbildung tag zur Bearbeitung vor. 

Soweit da« Kieslings walder StHck einen Vergleich mit d^r 
oberseuonen Art von Dülmen /uliess, konnte kein wesentlicli^r 
Unlersubied zwischen beiden festgestellt «erden. 

Palaeocorfstes ralianassarnin Pritsch. 

1871— T5. Cal. antiqaa Gasm, Elbthalgob, 1, Taf.64, Fig. 6-8, S. iim. 
1897. Falaeorori/tUi CalianoMoram Fhitbch, Chlom. Schicblen S. 69, Fig. 89. 

Ein im Besitze Hes Dresdener Museums befindlicher CephaJ"- 
thorax wurde tou GeinITZ (1. c.) als zu CaL arUiqua gehörig be- 
schrieben. Nach Fritsch (1. c.) gehört er jedoch zur Gattun/J 
Palaeocor^ntes. 

Eine Beurtheilung der Zugehörigkeit des Stückes war nicli' 
mfiglich, da nur ein Esemplar von Kieslingswalde vorliejjl, U"J 
dieses ofi'enbar unvollständig erbalten ist. 



Oephalopoda. 

Placenticerns OrbigDfaDDin Gbik. sp. 

Taf. lU, Fig. 4, <a. 
1818. Amm. l'ibrni,eaHiu Geis., Klrelingsw. S. 8. Taf. 1, Fig. 8. 
tS60. Amm. Orbiynyanui Gb»., QuadersandateiDgeb. Taf. 4, Fig. 1. 



/ 



in der Grafschaft Glatz aod seine Fauna. 59 

>d. Amm, Orbignyanus Dbbsobbr, Löwenberg, Zeitschr. d. D. geolog. Ges. 

S. 330, Taf. 8, Fig. 1. 
J2, Amm. syrtdüs Morton bei SchlOtkb, Paläontogr. Bd. 21, Taf. 15, Fig. 4, 

S. 46. 
>3. Placentic, Früschi Gbossouvbe, Les ammonites de la craie sup. d. la France. 

Taf. 5, Fig. 1, 2, S. 124. 

Unter dem Namen Ammonites syrtalis Morton fasst Schlöter 
c.) mehrere Formen des Genus Placenticerm zusammen, die zwar 
rch zahlreiche Uebergänge verbunden sind, in ihren Extremen 
er doch so stark von einander abweichen, dass eine Trennung 
zwei Arten, wie dies auch vor den Arbeiten des Herrn Pro- 
sors Schlüter üblich war, noth wendig erschien. 

Unter dem Namen Placenticei^aa ayrtale Morton sp. dürften 
m Formen mit starker Sculptur, gezähntem Rückenrande und 
lem stark aufgeblähten, im Querschnitte nahezu fünfeckig er- 
leinenden letzten Umgange zu vereinigen sein, also die Formen 
9 echten PI. syrtale Morton und des PL Guadaloupae Roemer i). 
orwiegend Unter-Senon.) 

Der Name PL Orbignyanum Gein. ist dagegen anzuwenden 
f die Formen mit schwacher oder fehlender Sculptur, unge- 
intem Rückenrande und schwach gewölbtem, im Querschnitte 
izettlich erscheinendem, letztem Umgange. 

Von diesen letztgenannten Formen liegen aus Kieslingswalde 
5 beiden Originale zu den citirten GEiNiTz'schen Abbildungen 
r, sowie ein Exemplar aus der Sammlung des Herrn Professors 
OLLEY in Kiel. 

Wenn Grossoüvre erklärt, und zwar unter Berufung auf 
3 Abbildung bei Schlüter (1 c), die Kieslingswalder Arten 
hörten zu PL syrtale, so ist dem gegenüber zu bemerken, dass 
5 Dresdener Originale genau übereinstimmen mit seinen Abbil- 
mgen von PL Fntachi^ und dass das Originalexemplar zu Schlüters 
bbildung (1. c.) oflfenbar nur eine V'arietät ist, die auf dem älteren 
;balentheile noch einige schwache Knötchen hat, im Uebrigen 
►er alle Hanpteigenschaflten eines Amm, Orbignyanus besitzt. 



^) Kreide von Texas, S. 416. 



i;0 P'biidiikiii Stdiim, Der Sandstein tod Kiojtiogswal'le 

Vorkommen: Ausser von Kieslingswalde wird l'lac. (frbiffitif- 
anum citirt von Chlomeck, atis dem Coniacien Frankreiclis 
(:= Emstiher DentecUlands), aus der Ootatoor- Group Indiens, der 
Kreide ¥on Texas, aus dem Oberen Quadersand&teine bei I^öwen- 
berg, den Thonen von Ullersdorf am Queis. 

PeroniceraB snbtricarinatnm d'Orb. apec. 

Taf. III, Fig. .5, 5a. 

184Ü. Amm. triiarinatun d'Oiui., Pul. fr. teir. cret !, S. 307, T»f. 91, Kig, 1. t. 

185«. Amm. tubtrKorinalia o'Ohh,, Prodrome II, S, 212. 

1863. » . DuMCBSE, I. c, S. 331, Taf. 8, Fig. 2—4. 

1872. Amm. Irirarinatia ScmLOtk«, Pal., Bd. 31, S. 44, Taf. 13. Fig. 1 ~4. 

1693. PtroMi-eran lubtricarinatum GiiosHaDvtiE, Lee amai. d. l. or. t>up. de la 
Fr«nc(s S. 94, Taf. 10, Fig. I, >, 
3, Taf. 11, Fig. l. 

Den Beschreibungen durch frflbere Autoren ist nur binzaüu- 
ibgen, dass bd zunebmendfrr Grösse der Individuen die drei 
ROckenkiele immer mehr schwinden, so daes scblieeelich der Durck- 
scbnitt des letzten Umganges spitz-oval wird. 

Vorkommen: Nach Grossodvre kommt diese Art im Conia- 
cien Frankreicbe (= Emscher DeutscblandeJ vor. 

In Westphalen tritt sie nach SchlCtbr im oberen Cuvieri- 
Fläner und Emscher, in Schlesien nach Drescher (1. c.) im 
Oberen Quadersandstein bei Löwenberg auf. Dames beschrieb 
aus den die Kieslings walder Sandsteine unterlagernden Tbonen 
ein Per. tricannalum'^), Fritsch (Chlom. Schichten S, 36) er- 
wähnt die Art von Tannenberg und Chlomeck. Auch in Indien 
kommt sie vor und zwar in der Ttichinopoly-Group. (Stoliczka, 
Cret. Fauna of south. India, Taf 31, Fig. 3, S. 54). 

PachydUcos cf. Carezi Grosb. 

Taf. III, Fig. 6, 6a. 
1893. GsosaouvRE, Lee amm. de la er. sup. de la Fr. S. 190, Taf. äd, Fig. 3. 
Ein ziemlich mangelhaft erhaltenes Exemplar stimmt ungefähr 
mit der oben citirteu Abbildung eines Ammooiten aus dem Conin- 
cien Frankreichs fiberein. 

') VerhandloDgen des naturhist. IVoreina d. preoss. Rbeiulandd nnd Wesl- 
phalena, Jahrg. 31, 1874, S. 97. 



in der Grafschaft Glatz and seine ^anna. gl 

Ammonites (Defmoeeras?) Lan^nhaBi n. sp. 

Taf. in, Fig. 7, 7 a. 

Aus dem Besitze der Section Mittelwalde des Glatzer Gebirgs- 
vereins erhielt ich einen Ammoniten zur Bearbeitung geliehen, der 
seinem Habitus nach zum Genus Desmoceras Zitt. gehört. Seine 
Zugehörigkeit zu diesem Genus kann jedoch erst festgestellt wer- 
den, wenn Exemplare mit erhaltener Lobenlinie vorliegen. Unsere 
Art ist schwach evolut. Die Seiten sind abgeflacht und mit nach 
Tom geschwungenen Einschnürungen versehen. Da, wo diese von 
den Seiten auf den schwach gewölbten Rücken sich fortsetzen, 
stehen Knoten. 

Die an eioigen Stellen des Steinkernes erhaltene Schale zeigt, 
dass die Einschnürungen auf dem Steinkeme Wülsten der Schale 
entsprechen. 

Scapliites Kieslingswaldensis Langbnh. u. Gründet. 

Taf. III, Fig. 8. 

1891. Lakgbkhah o. Gbuhdbt, Kieslingswalder Gestein, Taf. 1, Fig. 1. 

1893. Scaph. Me$ki GrOssouyrb, Lea amm. de la er. aap. de la Fr. Taf. 32, 

Fig. 7. 
1897. Scaph, hmodotu» Fritsch, Chlom. Seh. S. 37 (non A. Rokm.!). 

Die dicke Schale weist in ihrem eingerollten Theile gerade, 
sich gabelnde und über den Rücken sich fortsetzende Rippen auf, 
9u denen sich noch einige Schaltrippen gesellen. 

Der gestreckte Theil der Schale ist kurz, mit fast geradem 
^abelrande. Die hakenförmige Umbiegung erfolgt unter einem 
^^ienilich scharfen Winkel. Die Rippen auf den Seiten des ge- 
streckten Theiles sind stark, von einander durch weite, glatte 
Zwischenräume getrennt, schwellen am Nabelrande zu länglichen 
Höckern, am Aussenrande zu quergestellten Knötchen an. An 
bliesen Knoten erfolgt eine Gabelung der Rippen. Die Zwischen- 
«>äume zwischen den gegabelten Rippen sind mit 2 — 3 Schaltrippen 
liesetzt. Auf dem hakenfSrmigen Theile verschwinden die Knoten, 
und die Seitenrippen rücken wieder näher an einander. 

Fritsch meint (I. c), dass diese Art von Sc. binodosua A. 
KoBM. nicht zu trennen sei. Es bestehen jedoch ziemlich ein- 



62 pRitonioii Stuuh, Der Sanihtoin von KieslingswtJde 

grcilViide Unleracliif^dt!, die eine TrenauDg der beideu Arteu noth- 
wendig mnüheii. 

Scaph. binodosvs ist schlanker und besitzt eiae weitere Oeff- , 
nung des Uewindes. 

Di» bakeiiförmige Umbiegiing erfolgt weniger scharf und wink- 
lig als bei Scaph. KiesUngsivaldt'Hsiii. Die Rippen auf den Seiten 
des geätreckteu Theileä steheu näher und sind weniger kräflij^ 
Die Rippen des RUckens und des inneren Umganges stehen bei , 
Sc. binodosua fast doppelt so dicht als bei der älteren Art. Ndie i 
der Mündung gleicht sich der Unterschied allmählich aus. 

Die von Schlüter «us dem CLivieri-Pläner abgebildete Form 
des Sc. Geinitzi d'Orb. (Pataeontogr. Bd. 21, Taf. 23, Fig. 12, 13) 
kommt unserer Art nahe, unterscheidet sich aber dadurch, dau 
schon auf dem eingerollten Theile au der Gabeluugsstelle der ' 
Rippen Knoten aufsitzen. Ferner sind die Seitenrippen zahlreicher, 
näher an einander gerückt und schwächer, als hei Sc. Kiettingf 
waldexm. 

Ein Vergleich der Sculptur der Scaphiten ergiebt, dass von 
den einfach gerippten, cenomaneu Formen (Sc. aequali») an eine 
fortschreitende Vermehrung der Sculpturelemente sich verfolgen 
läBSt. Die ceuomanen Arten sind mit ungeknoteten, meist ßber- 
haupt gleich massigen Rippen versehen. Bei den turonen Arten 
treten schon mebrfiich Knoten in einer Reihe auf, während die 
senonen Arten siwei und mehr Knotenreihen haben. 

Unser Scaphit steht seiner Sculptur nach den untereenooen 
Scapbiten entschieden n&her als den turonen. 

Langbmiian und Grumdey nannten 1891 unsere Art jSc. £tM- 
lingswaldensia., ein Name, der beibehalten werden muse, da Gros- 
80UVRE einer völlig identen Art aus dem Coniacien Frankreichs 
nur wegen seiner Uuhekanntheit mit dem wenig verbreiteten 
Langenhan - GBUNDBT'scben Werke einen anderen Nameo , Sc. 
Meslei, gegeben bat. 

Bacnlites inenrratns Duj. 

Taf. IV, Fig. 1. 
1835. DujABDiN, ii&m. de la «oc. geo). S. 333, Taf. 17, Fig. 13. 
1843. GKiNnz, Kiealiagsw. S. 9, Taf. 1, Fig. 5. 



in der Grafschaft Glats und seine Fauna. 63 

1863. Debscb», Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. 15, S. 333. 
1876. Schlotes, Palaeontogr. Bd. 24, S. 142. 
1897. Fbrscb, Ghlom. Sch^ S. 40, Fig. 23. 

Der Beschreibung durch die früheren Autoren ist nur hinzu- 
zuf&gen, dass der Aussenrand der Schale ohrförmig um mehr als 
die Höhe der Schale nach vorn ausgezogen und gekrümmt ist. 
Die Knoten rücken bei einem Exemplar plötzlich um das Doppelte 
des sonstigen Zwischenraumes aus einander. 

Der in dem Liegenden der Kieslingswalder Sandsteine vor- 
kommende Bactdites Bohemicus zeigt noch keine Knoten. Auch 
hier dürfte die Zunahme der Sculpturelemente auf senone Verwandt- 
schaft hinweisen. 

Hamites triBodofiis Gein. 

1849—50. Gaur, Qoadersandsi geb. Deutschlands. Taf. 3, Fig. 4. 
1897. Fbitsoh» Ghlom. ScL, S. 39. 

Ob diese Art, von der 4 Exemplare, darunter die Originale 
zu Geinitz^s Abbildung, vorliegen, ident ist mit Harn, cf. angusiu8 
SchlOt., Hess sich bei dem mangelhaften Material nicht fest- 
stellen. 

Tmrilites varians SchlOtbr. 

1876. ScblGtbr, Palaeontogr. Bd. 21, Taf. 35, Fig. 11. 

Ein ziemlich mangelhaft erhaltenes Bruchstück eines Stein- 
iLems, aus dem Besitze des Dresdener Museums, stimmt mit der 
Abbildung bei SchlOtbr (1. c.) überein. Turrilitea vainans kommt 
xaach Schlüter im Emscher Westphalens vor. 

Nantflns smoatoplicatas Gein. 

1 843. Glim., Eietlingsw., Taf. 1, Fig. 6, S. 8. 
1 897. FamcB, Ghlomeck. Seh., S. 36, Fig. 17. 

Das Originalexemplar zu Geinitz's Abbildung lag vor. 

Oastropoda. 
Nerita nov. spec. 

Taf. IV, Fig. 2, 2 a. 

Gehftuse mit feinen, glatten Querrippchen versehen, das kurze 
Gewinde kaum hervorragend. An dem einzigen Exemplar (im 
besitze des Breslauer Mineralogischen Museums) ist die Mündung 



$4 Fribdiiicii Stvi«, Der Sandetein vua Kiesl.DgBWkldt, 

nicht erhalten. QuerBchnitt dee letzten Umganges gebogen vier 
seitig. Vielleicht bat diese Art Beziehungen zu »Nafica* rugo"^^^* 
A. RoKM. 

Natica bnlbiroraiii Sow. 

Taf, TV, Fig. 3. 
184a. dObbionv, Pal. frini:. terr. crei. Taf. 174, Fig. 2. 
I8Ö2. Zkkbm, Ga«trop. d. Gosauforni, Tuf. 8, Fig. 2, S. 45. 

Zu dieser durch tiefe Nahtrinnen gckenoEeichneten Form, die 
soust vorwiegend dem Ober-Turon angehört, ist ein im Besitze <tea 
Herrn Sj'oilicus Seydkl zu Liegnitz befindliches, leider uur als 
Steinkern erhaltenes Stflck zu stellen. Die Umgänge des grossem 
Steinkernes zeigen sehr tiefe Nabtrinnen. 

Xntica cf. bnlbifonnis var. borealU Frech. 

Taf. TV, Fig. 4, 4a. 
1887. Fkecu, Tboae von Saderode. Zeiteckr. (I. DeaUch. geol. Ges. S. ISS.« 
Taf. 15, Fig. 5-7. 

Einige schlecht erhaltene Stücke zeigen Aebnlichkeit mit der - 
von Frech I. e. Rufgestellten Varietät, die sich durch treppentormig '. 
abgesetzte Umgänge von der echten Nat. tivl(/i/oitnü untiTsebeidt-l. 
Unsere StQobe genügen jedooh ebenso wenig zu einer genauen 
Feststellung der Art, wie die KoBMBR'sche Nat. lamellosa von Kies- 
lingswalde (Nordd. Kreide, S. 83, Taf. XII, Fig. 13), die wohl 
ebenfalls hierher gehört. 

Nat. bulbiforinin var. borealis FreCH ist untersenonen Alters. 

Natica gndetica n. sp. 

Taf. IV, Fig. 5, 5a. 

Gehäuse aus drei bis vier durch eine flache Rinne von ein- 
ander getrennten Umgängen bestehend. Letzter Umgang tonnen- - 
formig erweitert. Anwachsatreifen nicht wie bei N. butbi/ormü Sov. 
parallel zur Spindel, sondern mit dieser einen spit-.en Winkel in^ 
der Richtung bildend. 

Zur Bearbeitung lagen /.wei Exemplare aus dem Dresdenern 
Museum vor. 

Natica (Lnoatia) ct. Klipsteini Jos. MOllgb. 

Taf. IV, Fig. 6. 
1851. Jos. MtiLLKB, MouogT. II, Tafel 5, Fig. la, b, S. 14. 



in der Orafschaft &latz und seine Pannä. 65 

. Fbeoh, Snderode, Zeitschr. d. Deutschen geol. Ges., S. 186, Taf. XV, 

Fig. 8. 
. HoLZAPFB^ Aach. Kreide, S. 140, Taf. XIY, Fig. 28. 

Mehrere Exemplare von Kieslingswalde stimmen am besten 
den von Frbch und Holzapfel gegebenen Abbildungen unter- 
mer Formen Qberein. Jedoch sind bei den echten Formen die 
te tiefer. Der Nabel ist weit Infolge des schlechten Erhal- 
pzustandes ist die Verdickung der Innenlippc kaum wahr- 
shmen. 

Natiea (tiyredes) aentimargo A. Robm. 

Taf. IV, Fig. 7, 7 a. 
. Nat canaUculata Mamt. bei GiciNrnB, Charakter., S. 47, Taf. 15, Fig. 25, 26. 

» acutiinargo A. Robm., Norddeutsche Kr., S. 83, Taf. 12, Fig. 14. 

» cttnaliculata Gei»., Kieslingsw., S. 10, Taf. 1, Fig. 20. 

» Genta Sow., Gein., Elbthalgeb. II, S. 162, Taf. 29, Fig. 12—14. 
. LwuUia Qämtzii Holzapfkl, Aach. Kr., S. 141, Taf. XIV, Fig. 26. 

Die schnell anwachsenden, bauchigen Windungen senken sich 
^lich Yor der Naht scharf nach unten, sodass ein auf den 
idungen oben entlang laufender scharfer Rand entsteht. Die 

Holzapfel (Aach. Kr. Taf. XIV, Fig. 24) als Gyrodes acu^ 
trgo A. RoEM. sp. abgebildete Form lässt jedoch den erwähnten 
id nicht erkennen. Dagegen zeigt seine Lunatia Oeinitzii 
»88e Aehnlichkeit mit unserer Art. 

Der Name N. canaliculata bezieht sich auf eine recht ab- 
ichend gebaute Gault-Form. Vorkommen: Ober-Turon Sachsens, 
kter-Senon. 

Natiea (Ampnllaria) diehotoma Gein. 

Taf.rV, Fi^. 8, 8 a. . 

3. Gniirrz, Kiesliogsw., Taf. I, Fig. 19, S. 10. 
'7. FsrrscB, Ghlomeck. Seh., S. 42, Fig. 39. 

Vielleicht hat diese Art Beziehungen zu der untersenonen Art 
miwro Dathei G. MOll. (Abh. der Kgl. pr. geol. L.-A. 1898, 
101, Taf. XIII, Fig. 10, 11), jedoch konnten die feinen Spiral- 
ien, wie sie V. Dathei aufweist, an dem nicht gut erhaltenen 
eslings walder Material nicht constatirt werden. 

Es l|gen vor 5 Stücke, darunter die Originale aus dem Dr^s-» 
Qer Museum. 

JAhrtmch 1900. [5] 



Stuem, Der SuidEtein voa Kiealingswalde 

Tnrritella Dodosa A. Roeh. 

■ nodosa A. Ro=«., Nordd. Kreide, S. 80, Taf. XI, Fig. 3a 
Nöggeralliitma GoLur., P. Germ, III, S. 107, T«f. 197, Fi«. 1. 
Declieninna id. ibid. Taf. 197, S. 3. 
nodosa Fhkcii, Suderode, Zeilschr. d. Deatsoheii geol. Gce. S. 1'^^ 

Taf. IG, Fig. 18. 19. 
HoLZAFi^i., Aach. Kreide, S. 155, Taf. 15, Fig. 17, 18, Tat. 16. Fi|^ 

II, 13-19, 21, 22. 

G. MübutK, Molluakeafauna des üoter-SoDon tod Bratu]sch*t.ng nti^* 

llsede. Abb. d. Sgl. preuss. geol. L.-A. S. 100, Taf. 1^ 

Fig. 9. 

Kid gut erbalteoes StQck dieser Art aus der SatnDahmg de^ 

Breelauer Miiseiims liegt vor. Da es etwas abgerieben ist, äbneli — 

es der Turr. nodosoides Frech aus dem Unter-Senon von Sude — 

rode, eine Verwechselung ist aber bei der Deutlicbkeit der Knotei 

aaegeschloBsen. 

Vorkommen: Oberstes Turon, Emscber und Unter-Senon. 



Torritella sexcincta Goldf. 

Taf. IV, Fig. 9. 
1841. T. nexlineata A. Roeh., Nordd. Kreide, S. 80, Taf. II. Fig. 22. 
1844. " leicmeta Qoia,w., Petr. Germ. III, S. 107, Taf. 197, Fig. 2. 

1887. * uxäncia Fbeoh, Saderode, S. 174, Taf. XVI, Fig. 14, 15. 

1888. ' KxUneata Holzapfkl, Aach. Kreide, S. 160, Taf. 16, Fig. 20. 

Mit Frech ziehe ich den Namen T. aexcineta GOLi>f= 
wegen der mangelhaften ROEHBR'schen Abbildung von T. eexHnea^ 
vor. Zu bemerken ist noch, dass der unterste der Spiralstreife ■ 
bisweilen stärker hervortritt, dase femer zwischen zweitem ud 
drittem Streifen auf der Innenseite ein Spiralband auftritt. D5 
Alteren Windungen sind stärker gewSlbt, als die jQngeren. Dahf 
wurde die Art oft, in T. sexcincta und mtätütriata Rbdss getrenn - 
Die Abbildung bei Gbinitz (Kiealingsw. Taf. I, Fig. 18, Turr— 
teüa granulata Süw.) stimmt weder mit dem Original noch mitd^ 
Abbildung einer Form von Bi.ackdowh bei Sowbbbt flberein. 

Vorkommen: Unter-Senon, 

Tnrritella nerinaea A. Roeh. 

1841. T. nerinaea A. Ro»., Nordd. Krddegeb., S. 80, Taf. II, Fig. 2L 
1843. > * Geimitz, Kiealinginalde, Taf. I, Fig. 16, 17. 



] 



/ 



in der OmÜMshaft Glatz and seind Fauna. 67 

Den fieberen Beschreibungen ist nicbts binzuzuibgen. Das 
riginal zn Gbinitz, Eieslingsw. Taf. I, Fig. 17, äbnelt, da es 
was abgerieben ist, der TurriteUa nodosaides Frboh (s. o.). 
idocb bilden die Anwacbsstreifen der Suderoder Art eine toII- 
immene Wellenlinie, während die Rieslings walder Art mehr 
shelförmige Anwachsstreifen hat. Ausserdem zeigt sie noch 
loten am oberen Spiralwulste. Zu TurriteUa iniqueomata 
RE8CH. gehört sie offenbar nicht, wie Fritsüh (Chlomecker 
ihichten, S. 41, 42) annehmen will. 

Vorkommen : Wird von Stoliczka auch aus der Ootatoor-Group 
diens erw&hnt. 

Cllraeoiiia nndnlata Drbsch. 

Taf. IV, Fig. 10, 10a. 

S3. B. Drbsoh., Erddebildgen. von Löwenberg, Zeitschr. d. Deutschen geol. 

Ges. S. 835, Taf. IX, Fig. 5. 
)7. Fbrch, Snderode, Zeitschr. d. Deatochen geol. Ges., S. 183, Taf. 18, 
Fig. 9, 10. 

Ein ziemlich schlecht erhaltener Steinkern dieser Art liegt 
r. Die von Fritsch (Chlomecker Seh., S. 42, Fig. 28) abge- 
dete Glauconia ventricoaa dQrfte mit GL undtdata zusammen- 
lenj denn die Abbildung entspricht nicht der DRESCHBR^schen 
. ventricosa^ dagegen ähnelt sie sehr unserer Form. 

Vorkommen: Unter-Senon von Suderode, Plattenberg. Ver- 
indte Formen zahlreich in den Gosaubildungen. 

Psendomelania gigantea Stol. sp. 

Taf. V, Fig. 1, 1 a. 

17« EuehrytaUs gigantea Stdliczka, Cret Fauna of South. India II, S. 289, 

Taf. 21, Fig. 4. 

Mehrere Exemplare aus dem Dresdener Museum zeigten nach 
bigter Präparation eine deutliche Uebereinstimmung mit Euckry- 
ia gigantea Stol. Der stark nach unten ausgezogene, mit 
iwachem Ausgusse versehene Unterrand der Mündung unter- 
leidel die Form von den unter dem Namen Eulima amphora 
)rb. (Terr. cret., Taf. 156, Fig. I, Türen), Etichrysalis Stoliczkai 
tiN. (Elbtbalgeb. I, Taf. 53, Fig. 2, 3, Cenoman), Keüostoma 

[5»] 



gg Fbicdriuh Stubm, Der Suidstein von RiMÜngiwalde 

WinkUri MÖLLER (HOLZAPFEL, Aach. Kreide, Taf. XIV, Fig. ^^ 
Unter-Senon) bescliriebenen Arten. Die Gchwielige Verdicku» M, 
der Innenlippe setzt sich deutlich noch auf dem ganiten UnteiT^- 
ran de fort 

KeHostmna tahiatum (Fritscu, Chlomecker Seh., S. 43) m d^m 

Chemnitzia KUaHng^u-aldennü WeinzBTTEI, in litt. (Fkitscb, Chio 

mecker Seh., S. 45), deren Originale mir nicht zur |VerfQgun i— 
standen, dflrhen mit der Kieslingewalder Art ident sein. 

Sonstiges Vorkommen: Chlomecker Schichten, nach Stouczi 
in der Arrialoor- Gruppe (Turon-Seoon) Indiens. 



1 



Aporrhais (Helieanlax) granolata Sow. ep. 

Taf. V, Fig. 2. 

1840. JtotUUarta ttriata G-h.dp., P. Germ. III, Taf. 170, Fig. 7, 
1667. Aporrh. granulala Prsch, Suderoile, ZeiUchr. d. D. geol. Ges., S. 19.*^^' 

Tftf. 19, Fig. 10, 12-14. 

1888. tfeÄcuWaÄjranuialaHowAPMiL, Aach. Kreide, S. H7, Taf.XII, Flg. 6-»^^- 

1898. Aporrh. (Helicaulaz) granulata G, Müll., MoltuakeDfaDda de» DoL-Seno^^* ** 

von B rann schweig u. Ilsedc, Äbh. i Kgl 9^ 

pr. geol. L.-Ä., S. 112, T»f. U, Fig. 18--^^ 

Von dieser bisher aus Kieslingawalde noch nicht erwihnter*^^ " 
Form fanden eich in der Sammlung des Breslauer geologischfi^c^ " 
Museums und der des Dresdener einige Exemplare, die mit den*^^*'" 
oben citirten, besonders den Suderoder Formen, gut Oberein— "-*'' 
stimmten. 

SouBtigea Vorkommen: Unter-Senon (Aachen, Qaedlinburg,«''^^ 
Saderode). 

Aporrfaais hirnndi nov. spec. 

Taf. V, Fig. 3. 

Unter dem Namen RoateUaiia vegpertilio GoLDF. und aiumM :** * 
NiLBS. wurden von Gbinitz (Kieslingsw., S. 9, Taf. I, Pig. 10) C*- 

und FriTSCh (Chlomecker Seh., S. 45), sowie Langbnhah und **' 

Gründet (das Kieslingswalder Gestein, Taf. 2, Fig. 18) Apor- — "^ 

rbaiden beschrieben , die erheblich von den Äbhildnngen bei * ^^ 

»1L880N (Petrif. Suec, Taf. 3, Fig. 6, S. 13), und GoLDF. (Pelr. — "^ 
Germ. III, Taf. 170, Fig. 5) abweichen. 



/ 



in der Grafschaft Glatz und Bona Fanna. 69 

NiLSSONS Abbildung zeigt eine Fortisetzong des Flügels nach 
en am Gehäuse entlang. Die Kiele auf dem Flügel divergiren 
ti Tornherein beträchtlich. Goldfuss^s Abbildung zeigt ausser 
r starken Divergenz der Kiele einen gerade abgestutzten Flügel. 
i unserer Art dagegen laufen die beiden oberen Kiele eine 
•ecke parallel und biegen sich dann erst nach oben und unten. 
r Flügel ist auch nicht gerade abgeschnitten, sondern hat ein 
iwalbensohwanzförmiges Aussehen. Eine Fortsetzung des Flu- 
8 nach der Spitze am Gehäuse entlang ist nicht vorhanden. 
»LZAPFELS Aporrhais Beisseli (Aach. Kr., S. 115, Taf. 12, Fig. 4) 
; Aehnlichkeit mit unserer Art, aber der Umriss des unteren 
igeltheiles weicht erheblich von dem der Kieslingswalder 
t ab. 

Bisher nur von Kieslingswalde bekannt. 

Lispodesthes cf. Schlotheimi Robm. sp. 

1. RoiteUaria Schlotheimi A. Robmbe, Nordd. Kr., S. 77, Taf. 11, Fig. 6. 
3. » papilionacea Goldpuss, P. Germ. III, S. 18, Taf. 170, Fig. 8. 

3. » papiKonacea Geinitz, Kieelingsw., Taf. 1, Fig. 11, S. 9. 

8. Uspodeßthet Schlotheimi Holzapfel, Aach. Er., S. 118, Tat 12, Fig. 11 

bis 13. 

Holzapfel hat (Aach. Kr., S. 118) nachgewiesen, dass 
iLDFUSS unter dem Namen Rostellaria papilionacea eine Aachener 
t unrichtig abgebildet hat, und dass deren Original mit der be- 
ts zwei Jahre eher aufgestellten RoEMER^schen Art Rostellaria 
dotheimi ident ist. Die von Geinitz nach Goldfuss ebenfalls 
9t. papilionacea genannte Kieslingswalder Art darf daher diesen 
men nicht fbhren. Leider sind das GEiNiTZ^sche Original und 
$h die andern StQcke der Dresdener Sammlung zu schlecht er- 
ten, um mit voller Sicherheit zu Lispod. Schlotheimi gerechnet 
rden zu können, einer Form, die sich durch eine flache, ge- 
idete Einbiegung auf dem hinteren Flügelrande kennzeichnet 
bleicht ist unsere Art auch verwandt oder ident mit Aporrh. 
nnenbergica Fritsch (Chlom. Schichten, S. 46, Fig. 40) von 
lomeck, was jedoch ebenfalls t^rst durch besseres Material er* 
»eo werden könnte. 



JHH, Der Sandstein von KieslingBWBldo 



1841. Pgrulc 

1887. ?Wic/d Monheimi Fi 



Hemifasna ctronatas A. Roeh. sp. 

Taf. V, Fig. 4. 
^<^n<Ua A. Kobher, Nordd. Kr., S. 78, Taf. 11, Fig. i:;. 



Dentech. 



«,/,« 



, Suderodor Thone, Zeitschr. 
Geg. S. 197, Taf. 19, Fig. 6-8. 
coronahu HoLEirirEL, Aach. Krride, Taf. 11, Fig. S— 1^^' 
S. 105. 

• » » G. MüLi.BR, Bcllntg mr KenntD. d. ob. Kt»if * 

am uördl. Hararacde, S, 442, Äbh. <^^^ 
pr. geol. L.-A. ^^1 

Letzter Umgang subarf gekantet und mit KnötcbeD verselKO ^^n 
Von der Kante an sich allmShticIi nach dem Kan&l zu v^rjOngend 

Tudiela Monheimi Jos. Müller, mit der Frbch i. c. die Sude^ 

roder Formen vereinigt, zeigt Jedoch jene Kante nicht so deutlioh- i 
ferner tritt eine zweite, untere Kante am Iptzten Umgnnge kuT, un( fc~rH 
erst von dieser an verjüngt sich der letzte Umgang nach denr=:«B 
Kanal vm. Die Suderoder Formen fallen also, wie dies schonn^ai 
Holzapfel und G. Müller dargethan haben, mit Hemi/uma cttro- -»- 
natu» zusammen. 

Diese Art kommt ausserhalb von Kieslingswalde im Unter- — i- 
Senon von Aachen, Suderode und vom Salzberge vor. 

Zur Beobachtung lagen vor: ein Exemplar aus dem Besitz» ^sx 
des Herrn Langenhan in Liegnitz, zwei Eicemplare uib det^ ^w> 
Dresdener Museum. 



Pyrnla anbeostat» d'Orb. sp. 

Taf. V, ¥\g. 5. 
1843. Pyr. coslata Geikitz, Eieslingaw., S. 9, Taf. I, Fig. 13, l3. 
1850. FtMui tubco»uaat d'Orb., Prodrome IC, S. 228. 

Der Name ycogtata« konnte nicht beibehalten werden, wege* ^S" 
der Mangelhaftigkeit der RoBHER'schen Abbildung (Nordd. Kr., S^^^' 
79, Taf. 11, Fig. 10). Auch Geinitz bezeichnet (Elbthdgeb. IIÄ^ '' 
1872-1875, Taf. 30, Fig. 19—21, S. 173) die Kieslingswalde.^^' 
Form als Fuatti mbcoatatus d'Orb. Nahe verwandt mit onsere^^^ 
Art ist auch Tudiela eximia Stoliczka (Cret. Fauna of Sonl 
India, Taf. 12, Fig. 5 — 8, S. 151) aus der Arrialoor-Groü| 
Indiens. 



in der 6n&eliaf)t GUts and seine Frana. 71 

Sonstiges Vorkommen : Salzberggestein, Chlomecker Schichten. 
Zur Betrachtung lagen vor 6 Stücke aus dem Dresdener 
Museum. 

Tidiela ef. andad^r Gein. sp. 

T»f. V, Fig. 6. 
1871^75. Rapa oMdacwr Okihits, Elbthalgeb. I, S. 262, Taf. 59, Fig. 9. 

Zwei Exemplare aus der Sammlung des Dresdener Museums 
stimmen fast völlig mit der citirten Abbildung übereio, nur sind, 
wie auch Gsinitz ebenda bemerkt, bei der Kieslingswalder Art 
die Querrippen weniger deutlich entwickelt, was wohl dem Er- 
haltungszustande zuzuschreiben ist. 

Tidiela snbearinata nov. spec. 

Taf. V, Fig. 7. 

1B41. P^rula carmaia A. Rosmkb? Nbrdd. Kr., Taf. 11, Fig. 12. 

1S43. » » and angtUata Gbmitz, Eieslingswalde, S. 9, 10, Taf. I, 

Fig. 14, 15. 
1844. » Cottae Robm. bei Goldf., P. Germ. III, S. 27, Taf. 172, Fig. 18. 
1867. Rapa canceUaia Stoliczka, Cret Faona of South. India, S.;i54, Taf. 18, 

Fig. 1-4. 
1872—75. R^a canceliata Gnairz, Elbthalgeb. II, S. 174, Taf. 31, Fig. 10. 
> > quadraia Gnsirz, ibid. S. 174, Taf. 30, Fig. 16 (non. 17!). 

1897. Rapa eancelUUa FnneoH, Ghlom. Seh., S. 46, Fig. 41. 

1898. Tudicia dtprtua MOnrr. bei G. MOllbr, MoUnsk.- Faona d. U.-Senon zw. 

Braunschw. n. Usede. Abh. des 
Egl. preoss. geol. L.-A. S. 121, 
Taf. 16, Fig. 7—9. 

Da die RoBifBB^sche Abbildung sehr mangelhaft ist, wurden 
dßlr diese durch gleichmfissige Abkantung der Umgänge gekenn- 
zeichnete Art, die in der Synonymik angegebenen Namen ein- 
^fllhrt. Unzweifelhaft steht aber die RoBMER^sche Art allen diesen 
]Pormen sehr nahe, und so dürfte es sich empfehlen, bis der Nach- 
^weis der Identit&t der Ro^MER^schen Art mit den erwähnten er- 
bracht ist, eine Artbezeichnung einzufahren, die der RoBMBR^schen 
nahe steht. 

Sonstiges Voricommen: Ober-Turon und Unter-Senon der 
Sächsischen Schweiz, Unter-Senon von Braunschweig und Quedlin- 
burg, Trichinopoly-Gruppe (Senon) Ost-Indiens. 

Zur Betrachtung lagen die Exemplare des Dresdener Mu* 
eeams yor. 



1 



72 Fitiennioii Stubh, Der Sandslein von KiealiDgBWklde 

?To)atilitbe8 Roemeri Geinitz ep. 

1S73— 75. VohitiHthei Roemeri Geimtz, ElbthalReb. II, S. 173, Taf. 30, Fig. 1— '• 
]888, VahlUithu Roemeri HoLeii-ftL, Aach. Kr., S. 100, Taf, 9, Fig. 13. 

Ein Epbr maDgelhafi erhaltener Steiokern aus der Sammlung ^g 
dcB Dredeoer Mueeums liegt vor. Er zeigt weder Kanal nocK^ ^l" 
SpindelfatteD, doch stimmt er mit seinen flach gewölbten Um- .^ci- 
gSngen nnd starken Querrippen mit den citirten Abbildungen »a— -^' 
nähernd tiberein. 

Die Abbildung einer Valuta semiplicata bei FbitsCII (Chlo— -«s- 
mecker Seh., S. 47, Fig. 45) Usst keine Sculptur erkennen, unf^^d 
es dürfte fruglieh sein, ob sie unbedingt zu Vol. aemtplicata ge — ^=- 
rechnet werden kann. 

Vorkommen: Auch im Aachener Unter-Senon, in den Krei — Ä- 
bitzer und Chlomecker Schiebten. 

€innlia Hambotdti Job. MCll. ^m 

Taf. V, Fig. 8, 6a. fl 

1843. Aimcula incrofata Grwitz, KieslingäW.. Taf. I, Fig. SC (hob Sow.3 ^B 

1851. AveUana Humhaldti Jon. Müller, Monogr. Aach. Kr. II, S. 13, Taf. 3 ^^* 
Fig. 15. 
. iculpHlit Stoi.i«ka, Cret. Faon» of Sonth Ind., Tal. 17, Fig. I- *^' 
S. 422. 
. Stoi,.ojik*, GEmtri, Elbthilgeb. II, S. 178, Taf. 23,«^^ 

Fig. 15. 

önu/ia BumboMl! G. Müi.Laa, Mollnaken-Fanna des U.-Senon sw. Braun ** 

Bchwdg u. llsede. Abb. d. Kgl. pr. geoL — "* 
L..A., Taf. 17, Fig. 9-11, S. 129. 
Das mir vorliegende Original zu Gbinitz Auricula incrauala ** 
und ÄveÜana sculptäia zeigte nach der Prfiparation auf der ver- " 
dickten Innenlippe eine kräftige Falte und ebenso eine auf der "^ 
Spindel. Aussenlippe verdickt, innen nicht gezftbnt; im Uebrigen ■** 
stimmt das Stück gut mit den Abbildungen der citirten Arten bei '^ 
HOLZAFt'EL nnd Stoliczka aberein. Dass die Zahl und Gestalt ^ 
der Spindelftilten sehr schwanken kann, hat echoo Holzapfbl ein- "^ 
gehend gezeigt. Die von Fkitbch erwähnte Aveliana ArcAiaciana ^^ 
(Chlom. Seh. S. 48) und Ringicula Hagmotoi (Chlom. Seh. S. 49) <C' 
dQrfte ident sein mit unserer Form. 



iD der GrafsdiAft Glatz and seine Fanna. 73 

Vorkommeb: Auch im Untersenon von Aachen, von Braun- 
bweig, Arrialoor-Gruppe Indiens. 

Zur Betrachtung lagen vor zwei Stücke aus dem Dresdener 
useum. 

Cyliehna eylindracea Gein. 

fi— 75. Guiirrz, ElUlialg. II, S. 178, Taf. 81, Fig. 12. 
n. Fbitscb, Ghlom. ScL S. 49. 

Im Besitze des Prager Museums befinden sich Exemplare die- 
* in Kieslingswalde seltenen Art, die mit der citirten Abbildung 
i Geinitz übereinstimmen. 

Vorkommen : Auch im Baculitenmergel von Zatschke (= Prie- 
ler Schichten = Kiedlings walder Thone.) 

Aetaeoiella Beyrichi Dresch. 

Ta£ V, Fig. 9, 9 a. 

13. Dbbschbr, Kreidebildongen Ton Löwenberg, Zeitschr. d. Deutsch, geol. 

Ges. S. 387, Taf. 9, Fig. 8-11. 
Ü. Fbitscr, Ghlom. Seh. S. 49, Fig. 46. 

Ein Exemplar aus dem Dresdener Museum stimmt mit der 

lESCHER^schen Abbildung Qberein. 

Die DRBSCHER^Bchen Originale stammen von Giersdorf' bei 

•wenberg (Unter-Senon). Actaeonelld cretacea MOLL, aus dem 

«bener Untersenon steht dieser Art nahe, unterscheidet sich je- 

sh durch weit geringere Schlankheit. 

LamelUbranolilata^ 
Cncnllaea snbglabra d'Orb. 

Taf. VI, Fig. 1. 

«. Area gtabra Sow., Goldp., Petr. Genn. II, Taf. 124, Fig. la, c, S. 149. 

3. Cuc. » Gkisi., Kieslingsw., Taf. 3, Fig. 4, S. 14. 

O. Area ntbglahra d'Obb., Prodrome II, S. 244. 

2. -^ » Geix., Elbthalgeb. 11, Ta'l IG, Fig. 2, 3, S. 56. 

'5. Cuc, Matheronhna Bbauns, Salzbergmergel S. 385. 

B. » tubglabra Housafpkl, Aach Er., Taf. 22, Fig. 3, 5, S. 206. 

Diese Form wird charakterisirt durch eine abgerundete Kante, 
\ vom Wirbel nach der hinteren, unteren Ecke zieht. Die hinter 
^ser Kante gelegene, ebene Fläche bildet fast einen rechten 
inkel mit der TangeQtialebene der vorderen Schalen wplbung. 



74 Fbikdwch StuR«, Der SandElob von KiraliogBW»lde 

Eioige Steink^rnc mit BtSrkerer Wdlbung uh'I einer Furche &ul 
der hinteren, ebenen Fläche gehören vieileicht zu <'ue. Afalhtroniana 
d'Orb. (Pal. fran^. terr. cret, S. 238, Taf. 325), jedoch liegen von 
dieser Form zu wenig genügend erhaltene StQcke vor, um die 
Identität mit ( 'ueultaea AtatAeroniana zu erweisen. 

Sonstiges Vorkooiuien; Unter-Senon (Aai^hen, nördlicher Hara- 
nnd), Ober-Turon und Unter-Senon der S&chsiscben Schweix. 



1 



I 



CncDllMa ■ab^labra vur. nov. perversa 

Taf. VI, Fig. 2, 2a. 
Zwei Expmplare aus der Sammlung dee Dreedt^ncr Museunt .^t 
zeigen eine starke VerlÄngening der Schale nach vorn lind ein«^=^ 
allerdings nur angedeutete, Furche auf der hintereu Schalenflficbp 
Das Schloss gleicht dem der CucuUaea sttbglnbia d'Orb. 

Cnenllaea Deichmtllleri uuv. spec. 

Tat. VI, Fig. 3. 8*. 
1838. Arra giabra Goldf., Petr. Germ. 11, T»f. 124, Fig. Ib. 
1843. Cucullaea ghbra Ge.nit/., Kiealingfwaide, T»f. S, Fig. 5 n. 7. 
1875. Area aibglabra Gki»it7., Klbthalgab. II, S. 56, Taf. 16. Fig. 4. 

Unter dem Namen Area glabra bildet GOLDFOSS 1. c. 
Terschiedene Formen ab. Die eine, Fig. 1 a, c, ist die bekanat^ -^' 
CucuUaea subglabra. Die andere ist eine gftnzlich abweichende '^ 
Form. Sie gleicht den erwähnten (s. Synonymik) Abbildunger^ "*" 
von Geinitz. Das Schloss dieser Form ist das einer echten^ *° 
CucuUaea. Die mittelsten, kleinen Zfthne stehen dicht gedr&ng-^^^ 
und senkrecht zum Schloesrande. Die nach den Schalenrftnden^ -'" 
zu gelegenen Zähne biegen sich rasch um, eodaes schliesslich dre^^"* 
von ihnen gSnzlich parallel dem Scfalossrande stehen, während di» ^ -" 
der Cuc. subglabra mit dem Schloserande stets einen Winkel bildenf^ " 
AeuBserlich unterscheidet sich die Schale von der der Cw. «A*^ ^ 
glabra dadurch, dass der vordere Schalentbeil durch allmfthlich .^b-Ä« 
Wölbung in den hinteren übergeht, und dieser deshalb keine h*—^ "^ 
sondere ebene Fläche bildet. Es liegen drei Exemplare aus d^^^ ^r 
Sammlung des Dresdener Museums vor. 

Vorkommen: Ober-Turon und Uater-Senon (wie vorige). 



iit der Graftohift Glatz and seine Fauna. 75 

V; ' Area OrUg;n]ra]ia Math. 

Taf. VI, Kg. 4. 

rd. *Cmc. gla^a Gkottz, Kieelingswalde, Taf. 3, Fig. 6. 

5» Area OrHgnyana Mats. bei i^'Okb., Pal. fr., Taf. 327, Fig. 5, 6. 

Ein Exemplar aus dem Dresdener Museum liegt vor, an dem 
h aber ' nicht . genau feststellen liess, ob es zur Gattung Area 
er CucuUaea gehört. 

Die französische Art stammt aus demi Ober-Turon. 

Area nndnlata Reuss. 

3. Reuss, Geogn. Skiz^. II, S. 195. 

'S. 6. MOlusr, Abhandl. d. pr. geol. L.-A. ünt.-Senon zw. Braunschw. u. 

llsede, Taf. 7, Fig. 4. 

Ein mangelhaftes Exemplar aus der Dresdener Sammlung 
rfie mit den 'angeg^()enen Zeichnungen und Beschreibungen 
ereinstimmen. 

Vorkommen : Ausser in den obersten Schichten (Emscher) der 
hm. Kreide auch im Emscher und Untersenon des Harzes.' 

• • . • • 

Peetiuieiilas Geinitzi d'Orb. 

8. Pectuncuhu tuhlaeoii Sow., Min. Conch. S. 492, Taf. 472, Fig. 5, 6. 

4-40. P. näflaevis Goldp., P. Germ. II, S. 152, Taf. 120, Fig. 3. 

3. P. sublaevis Gbui , Kieslingsw. S. 14, Taf. 2, Fig. 20. 

0. » GeimUi d'Orb., Prodrome S. 196. 

2, > obioleUu Gsnr., Blbth. I, S. 223, Taf. 49, Fig. 7-10. 

8. » QetHiUi HoLZAPPE^ Aach. Kreide, Taf. 24, Fig. 1 — 10, S. 210. 

7. ^ » FuTsoH, Chlomecker Seh. S. 56, Fig. 62. 

Bei Feststellung dieser vom Unter-Turon bis in^s Unter-Senon 

3henden, weitverbreiteten Art wurde die HoLZAPFBL'sche Defi- 

ion und Synonymik angenommen. Ungefähr 30 Exemplare 

• • • • 

en zur Beobachtung vor. 

Trigoiia glaeiana nov. spec. 

TaLVI, Fig, 5. 
(= Triff, ali/ormia autorum non Sow.!). 

Schalenumriss dreieckig-oval, nach hinten stark verlängert, 
n steil abfallend. Area von dem übrigen Theile der Schale 
*ch eine glatte^ von einer Längsfurche gespaltenen Leiste ge- 
tmt. Rippen erst leicht nach vorn, dann nach hinten gekrümmt^ 



7.6 PiiKunicK Stokm, Der Sandstein too RieslisgBwnlde 



mit zahlreichen Knötchen bedeckt. Anch die Area ist mit kleinetr:^! 
aber ungeknotetea Rippchen bedeckt. Bisher wurden die Forme^^ 
Ton Kieslingfiwalde als Tiigoma ali/ormi» Sow. aufgeführt (s. Gor — 

NlTZ, Kieslingswalde, Taf. 2, Fig. 16; Langbkhan und Gründet , 

Das Kiesliogs walder Gestein, Taf. 3, Fig. 7; Fritsch, Cblom. Sclu 
S. 55, Fig. 60). Die im Ganlt vtirkommende Trigonia alifoitni-^^a 

aber hat mit unserer Art nur die starke Verlängerung nach hinte i 1 

und die breite, durch eine Längsfurche gespaltene Leiste gemein 

sam. Hinsichtlich der Form und Sculptur der Rippen gleichec^m 

die Kieslingswaider Trigonien völlig der in der Aachener, unter 

senonen Kreide vorkommenden Trig. VaaUiensis BöBM, der abe-^ 
wieder die gespaltene Leiste fehlt. 

EripliyU lenticaUru Goldp. sp. 

Taf. VI. Fig. 6. Ga. 
18S4— 40. Lueiaa leittie. Goldfu», P. Qerm. II,T&f. U6, Flg. 16, S. S 
1848. Eripk. Iml. Gbihitz, Kiestingaw., Tftf. i, Fig. 4—6. 
1887. . » HoLSArrai., Aach. Kr., S. 195, Tar. 14. Fig, 5— 7- 
1897. • > Fbitbch, Cblom. Seh. S. 1>5. 

Der Bttschreibung durch die frßberen Autoren ist nnr hinnE=:=— '' 
zufügen, das« bei den Kieslingswaider und Aachener Formen de=*i'' 
hintere Scblossrand nicht ungestört kreisförmig veriftuft, sonder- ■" 
dass an der Stelle, wo innen der hintere, seitliche Scbloeszah -^n 
aufhört, eine schwach gerundete Ecke auftritt. 

Cnssatolla n^Dlaris d'Orb. 

Taf. VI, Fig. 7. 
184S. D'ORsiasT, Terr. cr^L Aceph. Taf. 366, Fig. 4—7, S. 80. 

Ein Exemplar aus der Dresdener Sammlung stimmt töIIi^^K 
mit der Abbildung und Beschreibung bei d'Orbigny überein. 

Crasaatella aequalis Holzapfel (Aach. Kr., Taf. 20, Fig. ^^i 
S. 192) ist unserer Form ziemlich ähnlich, zeigt jedoch eine^s^** 
spitzeren Wirbel nnd runderen Unterrand, wShreud dieser 
Cr. regularü fast gerade ist. Auch ist die vom Wiiliel nach 
w&rt« verlaufende Kante bei unserer Art stftdcer, als die« bei d< 
Aachener Form der Fall ist. 



1 



in Aet Orafeehaft Gtbktiz and seine Fmina. 77 

Cardinm Ottonis Qein. 

T»f.VI, Fig. 8, 8a, 8b, 8a 
843. C, OUonü Gbxm., Eieellngsw., Taf. 1, Fig. 31, 32, S. 14. 
Qon!) 1863. C ÖUoi Drbsch., Zeitschr. d. D. geol. Ges. Löwenberg, S. 347, 

Taf. 9, Fig. 16. ' 

Schief-OTsl, Wirbel vor der Mitte gelegen und überragend. 
nTölbung stark, in der Mitte am bedeutendsten. Hinterer Schalen- 
heil steil abfallend. Gegen 30 sich nach unten zu yerbreiternde 
ind gerundete Kadialrippen. Auf dem hinteren Schalentheile sind 
liese dichter gestellt, als auf dem mittleren und vorderen, und 
lorch deutliche Zwischenräume getrennt. Feine concentrische 
Lnwachsstreifen, die auf den Rippen eine feine Schuppenstructur 
lervorbringen, sind auch auf den Zwischenräumen der Rippen 
ichtbar. Diese Merkmale sind nur bei gut erhaltenen Exem- 
plaren zu beobachten. Ist die oberste Schalenschicht abgerieben, 
rscheinen die Rippen schmal, scharf, ungeschuppt und die 
iwischenräume viel breiter. Vielfach liegt in den Zwischen- 
äamen dann noch eine feine Kalkleiste. In diesem Zustande 
hnelt Cardium Ottonis Geik. sehr dem Cardium Becksii Müller 
on Aachen, wie dies auch Fritsch (Chlomecker Schichten 
L 51, Fig. 53) beobachtet hat. Hieraus erklärt es sich, dass 
lOLZAPFRL (Aach. Kr. S. 184) meint, Geinftz habe Cardium 
ottonis und Becksii zusammengeworfen. Weil also nach HOLZ- 
.PFEi/s Ansicht der Name Cardium Ottonis von Geikitz f&r zwei 
erachiedene Formen aufgestellt war, verwarf Holzapfel den 
tarnen (7. Ottonis ganz und rechnete die Cardien von der zuerst 
»eachriebenen, gut erhaltenen Form zu C. pectini/orme MOll., 
Qit dem er auch das C. Ottoi Dresoh. von Warthau bei Löwen- 
»erg vereinigte. Ein Vergleich von echt untersenonen, Aachener 
Stücken des C. pectini/orme Müll, mit einem Löwenberger, eben- 
alls untersenonen Stücke von C. Ottoi Dresch. ergab die Iden- 
itftt beider Formen^). Indessen unterscheidet sich C, pectini/oime 
= Ottoi) von den Eieslingswalder Formen durch bedeutendere 
abOsse, viel gröbere Schuppen auf den Radialrippen und Unsicht- 

>) VergL Frroh, Snderoder Thone, Zeitschr. d. D. geol. Ges. 1S87, S. 164, 
Taf. 14, Fig. 1-4. 



76 FBitDucB SniRK, Der SuHÜt«iii von Kio&liDgswatda 

barkeit der Aawachsetreifen auf den schmfileren ZwiscbenriumeB. 
Bei dem geschilderten Sachverhalte musste der Name Cardixt 
Ottonia Gein. beibehalten werden. 

Es sind also folgende Cardien Gtreng zu soheiden: 

1. Cardium Oltonie Gkin. au8 den Kieslingswalde-ChlomerkeT 
Schichten {= Emscher Schlüt.). 

2. Cardium pfeiiniforme J. MüLL. (= C. OOoi DbUCH) 
sus dem echten Untersenon von Saderode, Aacbt^ 
Löwenberg. 

3. Cardium Beekeit J. MGll. nur b«i Aachen im UnlerwDOfl 
vorkommend. > 

(.'. Ottonia scheint auch noch in's Untersenon hineinzugelu^ 
wenigstens pas&t auf das echte €. Oaonü GsiN. die Beschreibung 
die Bbauns (SaUbergmergel, S. 370) von C. Oltonia giebt (mt 
dem Unt.-Senon des Salzberges). 

Ferner wird ('. Ottonia aus der Gosanformalion (.-itirt (T. Zmi 
Gosaubi». 1, Taf. 6, Fig. 4, S. 40). 

CardiüB (GnutoeardiuH) prodaetnm Sow. 

1831. C. productam Sow., Tnns. g«ol. Soc HL S. 417. T>t 39, Fig. li. 
1834— 4n. C kibaUfenim Goldf., P. Genn. IT, S 321, Ttf. 144, 7\g. 7. 
1864. C. frodmetam t. Zitt., GosaabinlTen 1, S. 37, Taf. 6, Flg. 1. 
1880. Ormocardium prod. BoLurro., Aach. Kr., S. 179, Taf. 17, Rg.5. 

Üeber die Verwandtschaft und Synonymik dieser Art hat «A 
HoLZAPFBi. I. c. eingebend geäussert. Das von Fritsch (Cbloni. 
Schichten, S. 50) abgebildete Exemplar gehört Eweifelloa hierher. 
Ob indessen das eine schlecht erhaltene StQck des Dresdener 
Museums hierher gehört, lisst sieb nur schwer eotscbeidtiii. 

Sonstiges Vorkommen: Aachener Unt-Senon, Gosau, Har^ 
und Neu-Warthauer Untersenon. 

Pr«Ucu4ia alte Sow. sp. 
T.t. VII, Fig. l. 
1871. Pm^. oAoa Stolu-iu, Cr«(. Faoiia of SmÜi. \ai, ITT, S. Sil, Itit^, 
Fig. I n. 3. 
Hohe Formen von nahezu spitzovalem Umrisse. Von Sro- 
LiczKA wird diese Art aus der Ootatoor-Gronp Indiens (=CeP'>- 
man und Unter-Turon) besobrieben. 



in d«r Chrm&oh&ft Glatx und seine Fmuul 79 

Protoeardia Hillana Sow. sp. 

Taf. VII, Fig. 2. 
Cardtum hiUanum Sow., Min. Conch., Taf. 14, Fig. 1, S. 28. 
Brotoc, hiliana Drbscbbb, Zeitschr. d. D. geol. Ges., Löwenberger Er., 

S. 846. 
/Votoe. hüUmum v. Ztrr., Gosanbiy. I, S. 42, Tal 7, Fig. 1,2. 
Prot kOlana Stolicska, Gret Fauna of South. Ind. III, S. 219, Taf. 12, 

Fig. 8-10. 

Diese in Kiesliogswalde und Neu- Waltersdorf sehr häufig vor- 
menden Muscheln zeigen hinsichtlich ihres Umrisses eine 
se Mannigfaltigkeit. Zwei der mir vorliegenden Stücke sind 
ilenexemplare und diese sind im Umrisse der SowERBT'schen 
D gleich. Die als Sculptursteinkerne erhaltenen Formen sind 
t etwas verdrQckt und zeigen alle Uebergänge vom spitzoyalen 
[reieckigem oder kreisähnlichem Umrisse. 
Die Art ist horizontal und vertical im Cenoman und Turon 
▼erbreitet. Dagegen scheint sie im Untersenon seltener zu 
len und zu Terschwinden. Erwähnt wird sie auch aus den 
rsenonen Thonen von Neu- Warthau bei Löwenberg. 

Cyprina (Yenilicardia) van Reyi Bo^qubt. 

Taf.VU, Fig. 3, 3 a, 3 b. 
C. rostraia Gbinitz, Kieslingsw. S. 13, Taf. 2, Fig. 12, 13. 
—50. C- ligeriensis Gbinitz (non d'Obbiomy), Quader Deutschlands S. 156. 
VeniUcctrdia vcm Reyi Bosqo. bei Uolzapi-^l, Aach. Kr., S. 175, Taf. 17, 

Fig. 18. 
» » » Fritsch, Chlom. Schichten, S. 52. 

Geinitz beschrieb die Kieslingswalder Cyprinen zuerst als 
%na rostrata Sow., gab jedoch diesen Namen bald auf und 
ite sie Cypr, ligeriensü d'Orb., eine Unrichtigkeit, die bei 
achtnng blosser Steinkerne und ohne Kenntniss der Schlösser 
it geschehen kann. Einige Schalenexemplare jedoch zeigten, 
die vom Wirbel nach hinten unten ziehende Kante, wie sie 
Ifferietms d'Orb. aufweist, fehlt. Ferner zeigten die Schlösser, 
Q Präparation an den GsiNirz^schen Originalen gelang, keine 
srschiede von denen der Venilicardia van Reyi bei HOLZ- 
:i^ 1. c. Ein kleiner Unterschied der Kieslingswalder von der 
lener Form besteht darin, dass der Wirbel bei ersterer der 



so Friedbiob SrtiRH, Der SuidaUiB na KiesGDgswKldi! 

Mitte näher steht. iDdeseen weisen die HoLZAPFBL'scheo Alibil- 
duDgen auch viel Variationen auf, so dass es nicht angSngig «■ 
echien, einen neuen Namen einsnfQhren. 

Ein Schal enesempUr aus liem Besitze des Herrn Syndicui 
Setdel in Liegnitz, die beiden Originale zu den Abbildungen 
bei Gkimitz und ein ScfaaJenexemplar aus meinem Besitte l^gei 
zur Beobachtung tot. 

Vorkommeii: Nadb G. MCu.br. auch im Unter -Senon van 
Braunachweig, femer bei Aachen, und in den Chlomeclc*t 
Schichten. 

CTprina ftltisrina Fritsch. 
T»t \ni. Fig. i. 

1897. FsmcK, Chlom. Schicbtoi, S. .SS, Fl«. 57. 

Ein Steinkern aus der geologischen Landes-An«taJt tu Ber* ^^^ 
liegt vor. Obwohl er sich in etwas verdröcktem Zustande t"^*" 
6ndet, zeigt er doch die bedeutende Höhe, die epitre Wirlp- -^'' 
Ausfüllung und den vom VTirbel nach hinten nuten ]&ufen<^K.en 
KieL wie dies bei der Abbildung von Fritsch CI- c.) der Fall ^m«^- 

' Cypricardia trapei»{4jüü A. Robh. sp. 

T»f. VII, Rg. 5. 
1S41. t>a*tattlla trapaoidelü A. Roul, NorddentacL Kreide, S. 74, TmL ^' 

Fig. ii. 
IS43. ConUlam glabra Ginfin, KksUagtnlde, Taf. HI. F^g. 6. 
1&19— 50. OiP'üui profruda Rscss W Gau., QuaderaaiidrtaiBgeb. Dents- — ^'^ 

landa, S. 158. 
1897. CroMtaUla ^itariaata FVtrsca, Cklon. SchiehtaD. S. 53. 

Zwei aus dem Dresdener Museum stammende Exempli^^*' 
(Sculpturstein kerne) dieser fHlher als CrauaUUa und CMeuUa"^^'" 
beschriebenen, aber deutlich den Habitus der Gypricardien i 
weisenden Form zdgen aar awei Kiele deutlich, von denen d - 
eine dicht am Schlossrande li^t Von Cifprina 
A. KoBX. unterscheidet sich diese Form durch das Fehlen <'- " 
dritten Kieles und durch die starke Krümmung des stirkst^^^" 
Kieles, der bei C triearimata gerade Tertiuft. 

Vorkommen: Auch im Cnter-Senon bei Quedlinburg, Cfakiniec:.^ 



in der ÖraÜBchaft GUiz und MlMlr Fmri*. gl 

Cyprimeria Oeinitii MOll. sp. 

17. Lucina QeiniUü J. Müll., Monogr. d. Aach. Kr. I, S. 66. 

(9. Cjfprim, » Holzapfel, Aach. Kr., S. 174, Taf. 12, Fi«. 1-4. 

)7. FnrrscH, Ghlom. Schichten, S. 53, Fig. 58. 

Die Abbildung von Fritsch, deren im Prager Museum be- 
dlicbes Original besichtigt werden konnte, stimmt gut mit der 
Q HoLZAPi<^L wohl definirten Form überein. 

Yenns Ooldfassi 6 ein. 

f2-75. Gwj*., Klbthalgeb. II, S. 67, Taf. 18, Fig. 16, 17. 
17. Fritscr, Ghlom. Schichten, S. 63, Fig. 79. 

Da die Kieslingswalder Formen bisher kein Schloss zeigten 
er frei legen Hessen, es sieh daher nicht entscheiden Ifisst, ob 
t zur Gattung Venus oder Cytherea, speciell zu Cyth, tumida ge- 
ren, behalte ich den von Geinitz für diese stark gewölbten, 
t concentrischen Anwachsringen verseheben Arten bei. 

Yenas Matheroni v. Zitt. 

>4. V. ZiTTKL, Gosaabiyalyen, I, Taf. 3, Fig. 1. 

Ein aus dem Dresdener Museum stammendes StQck stimmt 
Umrisse und in- der Wölbung mit der von ZiiTEL 1. c. 
gegebenen Form überein. Das Schloss konnte nicht präparirt 
^rden.. 

Von Venus plana d'Orb. ist diese Art durch viel flachere 
mula und weniger abgestutzte Hinterseite unterschieden. 

YeiHis sndetica nov. spec. 

Taf. Vn, Fig. 6, 6a. 

Umriss oval bis elliptisch, Wölbung sehr flach. Schale kräftig 
ncentrisch gerippt. Wirbel nach vorn gerückt und sehr wenig 
«rragend. Schlossplatte breit. Schloss der linken Klappe mit 
ei divergirenden Cardinalzähnen und einem schwach gefurchten 
Steozahne versehen«. Ligament nach hinten zu gelogen, inner- 
(h« auf breiter Area sitzend. 

' • * 

Zwei gute Exemplare aus dem Dresdener Museum lägen zur 
»trachtung vor. 

Jahrboeh 1900. [6] 




PuHiuuii Stvbh, t>er Sai 

T«nDB (Tap«s} fabft Sow. sp. 

1887. Ven. fiAa u. otmüt So«., Min. CoooL, Taf. 567, S. 592, Fig. 13. 
1839. (Don!) Yen. feä>a Goldf., Petr. Germ. It, T»f. 3äl, Fig. G, S. 236. 
1889. Tnpafaba BoLitprBL, Aach. Kreide, S. IG5, T»f. 13, Fig. 7— 10. 

Der Holzapfbl' seilen Besctreibung ist auf Grund der wenigen. 

gut erhttlteneD Bxemplare von Kieslingswalde nichu hinzu zueetzea. 

An der Uebereinetimmung der Kieslingswalder und Aachener 

Stficke kann nacb stattgehabtem Vergleiche der Stücke beidei 

Fundorte kein Zweifel obwalten. 

Vorkommen: Ausser bei Kieslingawalde im Turon von Strefaleix 
(Geinitz), im Bmscher und Unt-Senon von Aachen und vom nönl- 
licben UHmrande (G. MCllkr). 

VflDBS (Tapes) subfaba d'Orb. 

Taf. VII, Rg. 7. 
1834-4a Vw. faha Ooiji»., P. Gem. 11, S. M7, Tif. IjI. Fig 6 (ooa 8»".!) 
1843. • > GKUim, KiealingBiralde, Taf.2, Fig. 7— 3, S. 13. 

185a Po. »»Mo D'Oni., Prodr.II, S. 337. 

IB73— 7S. 9m. /oJa Gcuiri. BIbthalgeb. II, S. 65, Tftf. 18, Fig. 9, 10. 
1698. TVipM ml^alM O. H9i.um, U.-Sabod iw. Brauiut^w. n. Ilwde, M % 
Fig. 10, S. 69. 
Diese Formen wurden, wie aus der Sj'nonjmik hervorgeht. 
mehrfach ku Tixp. faba Sow. gezogen. Länge und Höhe verhallen 
eich jedoch bei Tap. tubfaba wie 139:100, bei T. faba wie 
131 : 100. Ausserdem ist bei T. tubfaba der Wirbel viel veiler 
nach vom gerßckt, »In bei T. faba. Die Kieelingswalder Artta 
gehören also uicbt durchweg zu T. faba, wie dies HOLZiFFIL 
(Aftch. Kr. S. 166) annimmt. T. mbfaha kommt ausser bei Kiei- 
iJDgswalde noch bei Aachen und am Harzninde vor. 

Ve&as (Tapei) flra^lfi d'Orb. 

T«f. VII, Fig. 8. 
lMft-'t7. n«. fn^am »*0u., P*J. &u»^ ton-, cret^ Tat 385, Rg. 11. 
I8«4. 7V«*/nvdk o'On., r. Zirm, GotutHralTen I. Taf.3, Fig. 3. 

Vier Exemplare aus dem Dresdener Museum slimmeo i» 
W««rntlichen mit den oitirten Abbildungen öberein, zeigen jedocb 
otwas grossere Q&be und etwas mehr nach liintea gestellte Scbloss- 
Kfthne. 



a 

I 



. in der Grafscliaft Crlats ond seme PaniiA. SS 

Yeniu (Tapes) nov. spec. ex affin. Tap. firagilis d'Orb. 

Hierzu dürfte ein Stfick aus der Sammlung des Dresdener 
seums gehören, das sich von Tapes fragüis durch niedrigere 
terpartie und eingebuchteten Unterrand unterscheidet. Eine 
Bre Bestimmung war jedoch nicht möglich, da das Schloss 
\t präparirt werden konnte. 

Cytherea ovalis Goldf. 

-40. GoLDP., P. Genn. If, S. 247, Taf. 151, Fig. 5. 

. Yen. fabacea A. Robm., Nordd. Kreide, S. 72, Taf. 9, Fig. 13. 

. 0^. avalä Holzapfel, Aach. Kr., S. 169, Taf. 13, Fig. 11—15. 

Kommt im Umrisse der Venus faba nahe, jedoch sind die 
vachsstreifen fein, dicht gedrängt und gleichmässig stark, wäh- 
1 sie bei Tap. f aha stark sind, weiter aus einander stehen und 
ichiedene Stärke besitzen. 

Das Schloss konnte an den Kieslingswalder Exemplaren nicht 
gelegt werden. Diese stimmen aber im Umrisse und in der 
chaffenheit der Anwachsstreifen gut mit den klaren Abbildungen 
Holzapfel überein. 

Die echte Cy^. ovalis wird sonst nur aus dem Unter-Senon 

Tellina strigata Goldf. 

I. Goldpubs, Petr. Germ. II, S. 234, Taf. 147, Fig. 18. 
I. HoLZAPPU^ Aach. Kr., Taf. 11, Fig. 6~10, S. 159. 

Mehrere, höchst mangelhaft erhaltene Steinkerne lassen sich 
unsicher als T atrigata bestimmen. Verwandt sind der Ge- 
t nach T, Renauadi d'Orb. (Pal. fran^. terr. cr^t., Taf. 38, 
. 6—8), T. Royana (ibid. Taf. 38, Fig. 9— 11) und TeUina 
ra A. ROBM. (Norddeutsche Kr., Taf 9, Fig. 19). Letztere ist 
leicht ident mit unserer Art, jedoch ist wegen der allzu mangel- 
en Abbildung bei Robmer ein näherer Vergleich unmöglich. 

T. strigata ist charakteristisch flQr das untere Senon. 

Tellina costiilata Goldf. (?) 

. T. costulaia Goldp., Petr. Genn. II, S. 35, Taf. 147, Fig. 10, S. 235. 
. » » Holzapfel, Aach. Kr., Taf. 11, Fig. 11 — 16, S. 162. 

t6T 



84 Fbiedbicb Srcmn, Der SindsteiD von Eiealiagaimlde 

Je ein Steiokern aus der SammluDg des Dresdener Moeeums 
und der Geologischen Landesanstait zu Berlin und ein Schalen- 
exemplar aus dem Besitze des Breslauer Musenms lagen zur Be- 
arbeitung vor. Daa letzter wähute Stück etininit gut mit den gfr- 
naouten Abbilduogea flberein. 

Mactra porrecta Geim. 

1850. Qaa., Qutider DeuUchlucds, Tftf. 10, Fig. 13, 



d 



Mactra angolaU Sow. 
Taf. vni, Fig. 1. 
lesa Ok»., Quader Deutsch l&nda, Taf. 10, Fig. 5, 6, 
TOD denen beiden die Originale von Geihitz vorlagen, sind bisher 
aus Kieslingswalde nur als Steinkerne bekannt. Von dem Scblout 
Hess Bich nur eiue dreieckige Ligamentgrube präpariren, der f^r 
Mactra charaktenstistihe /\ -förmige Spalt/abn dagegen nicht. D>e 
Zurechnung zur Gattung Mactra kann daher nur nach dem 
AeuBseren der Steinkerne — dreieckiger UmriBS und eine ran) 
Wirbel nach hinten unten ziehende stumpfe Kante — erfolgen. 
i/. an^tilaia wird auch von G. MÜLLBR (Beitrag z. Kenntn. d- Kr- 
am Dördl. Harzrande) aus dem Salzberggesteine (Unter-Senoo) be- 
schrieben. 

Ceremya iioe&rdioidea nov. spec. 

T»f. VIII, Fig. 2, 2a. 
1843. Iiocardia crelacea bei Gei.sitz, Eieslingaw., Taf. 2, F^g. U. 

Schale kräftig. Wirbel wie bei Isocardta nach vom eiogeroHt- 
Schlossrand zahnlos, hinten mit tief eingesenkter Ligamentforcbe- 
Das vorliegende SchlossprSparat zeigt unter dem Wirbel noch euK 
Vertiefung, die wohl nur kflnstitchcr Entstehung sein dQrfte. 

Die von Geinitz als hocardia crelacea Goldf. beschriebenen 
Kieslingswalder Formen sind also keine hocardien, sondera Cerons'*- 

Der Name itcretaceat hätte nach deo strengen Regeln der 
Priorität beibehalten werden mflssen. Da jedoch BoLza**^ 
(Aach. Kr., Taf. 9, Fig. 12, S. 152) eine gut definirte 0<"»J" 
crelacea aufgestellt hat, die erheblich von unserer Form abweicbti 
erschien es einfacher, einen neuen Namen zu geben. 



in der Grm&cliaft Glatz und seiiie Faona. 85 

Ooniomya Oalliichi n. sp. 

Taf. VIII, Fig. 3. 

Die Gonioinjen von Kieslingswalde wurden bisher, wie die 
meisten Arten der oberen Kreide, unter einem Sammelnamen — 
Chrdomya designata Goldf. oder G. consignata A. Roem. non 
GoLDF.I — beschrieben. 

Die typische G. designata GotDF. (Petr. Germ. II, Taf. 154, 
Fig. 13) hat einen in der Mitte der vorderen Hälfte liegenden, 
schräg nach vorn sich zuspitzenden Wirbel. Hinten ist die Schale 
etwas höber als vom. Die geknickten Rippen stossen ungefähr 
in einem rechten Winkel auf einander. Die nicht geknickten 
Rippen biegen sich im hinteren Theile der Schale nur wenig zu- 
rück. Dagegen bei 6. consignata A. RoBM. non Goldf., deren 
Original vorliegt, ist die Schale im hinteren Theile stark gewölbt, 
die nicht geknickten Rippen biegen sich an der Stelle der 
stärksten Aufwölbung auffallend stark zurück und die ge- 
knickten Rippen bilden einen spitzeren Winkel als die von 
G. designata Goldf. 

Goniomya designata und consignata gehören dem Ober-Senon 
an. Die Kieslingswalder Sandsteine sind aber noch älter als 
das Ünter-Senon. 

Wirbel in der Mitte der Schale gelegen. Rippen mit der 
Terticalen Mittellinie gleiche Winkel bildend. Wölbung am Wirbel 
am stärksten, sonst schwach und gleichmässig. Schale hinten 
niedriger als vorn. 

Ob die Abbildung von Geinitz (Kieslingsw., Taf. 2, Fig. 1) 
unsere Art darstellt, Hess sich bei der Undeutlichkeit der Ab- 
bildung und der Mangelhaftigkeit des Originals, das zur Betrach- 
tung vorlag, nicht entscheiden. 

Goniomya Yogti nov. spec. 

Taf. Vni, Fig. 4. 
Schalenumriss dreiecfcig-oval. Wirbel nach vorn aus der 
Üitte herausgerückt. Hinten niedriger und spitzer als vorn. Die 
tiicht geknickten Rippen biegen sich stärker nach oben und rüc^* 
^ftrts, als bei der vorigen Form^ 



1 



FniEDKicH Sturh, Der Sandstein von Kieslingsvalde 

Panopaea giirgiti« Bhongn. em. G. MOllbb. 

Tnf. Vfll, Fig. 5. 
18S4-10. Pan. gurgiti» Goldfuss, Petr. Germ. II, Taf. 153. Fig. 7. 

> » plicata GoLOFuss, P. Germ. II, Taf. 158, Fig. 5. 

18*8, Pan. gargitit u'ORniosr, Pal. franc. terr. cret., T«f. 301, Fig. 
1898. < >' G. MC-i,LEH, MulluskiMiFauDB d«s Unter-Setioo tu. BnniiMh - 

n. IlBBde. Abb. d. Kgl. Pr. L.-Ä. S. 70, T»t. I 

Fig. 4. 
Bei Bestimmimg dieser Art, von der aus Kieslingswalde du 
ein Exemplar (im Besitze der-Geologischen Lande sau stalt zu Berlii^r n) 
vorliegt, haben im WeBeotiichen die Angaben G. MCller-^»^s 
(s. Synonymik) als Grundlage gedient. Die von ihm zu Pan. ^ufc-^*r- 
ffitis gerechneten Formen der Aachener Kreide (HoLZArFKL, AacV ^h. 
Kr, S. 158, Taf. 1 1, Fig. 1) und des Säehsiscben Turons (Gbinit^-^äz, 
ElbthaJgeb. II, S. 68, Taf. 19, Fig. 2) dürften indessen wohl aW ab- 
getrennt werden mDssen. 

Ausser von Kieslingswalde wird diese Art citirt aus de :^^sm 
Ober-Turon der Sächsischen Schweiz, der Zone des Amnion. Marg^-^mae 
und dem nDtersenonen Salzberggesteine am n&rdlichen Hantran^ .de 
und den Thonen von Neu-Warthau bei Löwenherg in Schlesiei^^sn. 

Panopaea nutiea t. Zitt. 

Taf. Vm. Fig. 6. 
1843. Pan. gargitU Geis., Kieslingsw., Taf. 2, Fig. 2. 
1864. » rutb'cd v. Zittkl, GoBaubinlven Tftf. I, Fig. 4. 

Von Pan. gurgitia unterscheidet sich diese Art durch bed^^u- 
tendere Lfinge und durch die Oberall gleiche Höbe der Scba^^^ 
von der Ähnlichen Pan. regularia d'Orb, durch weniger stark h^^r- 
vortretende Wirbel und gröbere Anwachsstreifen. Vier mir ^^stir 
Verfügung stehende Exemplare, darunter auch das Original ep 
GsiNiTz*s oben citirter Abbildung zeigten gute Uebereinstimmi^K ig 
mit Pan. iiiattca v. Zrrr. aus der GosauformatioD. 

PaBOpa«a clarifonnü nov. spec. 

Taf. Till, Fig. 7. 
1875. Panopata regularii Gei.mtz, Elbthalgeb. II, S. 69, Taf. 19, Fig. 4. 

Der vordere Theil der Schale ist bedeutend h&her und kar»r 
als der hintere, verlängerte Theil. In der Gegend des Wirb«/» 



in der GrmfMskaft.Glats und seme Faana. 87 

nnd des Vorderrandes liegt die stärkste Wölbung. Der Unterrand 
biegt vom stampf in den Hinterrand um. 

Es liegen 4 Exemplare zur Betraohtong vor, darunter eins 
aus üresden und je eins aus dem Besitze der Herren Langbnhan 
und Setdbl in Liegnitz. 

Putpaea snatinoides nov. spec. 

T»f. VUT, Fig. 8. 

Schlossrand gerade, Wirbel ziemlich in der Mitte gelegen, 
der Unterrand biegt in den Vorderrand in spitzem, in den Hinter- 
rand in stumpfem Winkel um* Die starken, concentriscben Rippen 
laufen den Rändern parallel. 

Diese Art zeigt Beziehungen zu Anatina royana d^Orb. und 
Panopaea gurgüU bei Geinitz (Elbthalgeb. II, Taf. 19, Fig. 1). 

Ueber die Selbstständigkeit der Art wird ein Urtbeil erst 
an der Hand von mehr Material zu ßllen sein. 

Es lag nur 1 Exemplar aus der Sammlung der EgI. pr. geol. 
L.-A. zu Berlin vor. 

Pholadfinja eUiptiea MOnst. 

T»f. Vni, Fig. 9. 

1834—40. Pk, eUipUca MOmst. bei Ooldituss, P. Genn. II, S. 261, Taf. 158, Fig. 1. 
18»7. Fh. noduü/era FsmoH, Chlom. Schicht., S. 60, Fig. 71. 

Pholad(ymya eUiptica unterscheidet sich von der gleich alten 
Pholadomya noduUfera^ zu der Geinitz auch die Kieslingswalder 
Arten rechnet, durch stärkere Verlängerung nach hinten, stärkere 
Beknotung und deutliche Tendenz der Wirbel, sich nach hinten 
einzurollen, während die Wirbel von PA. nodidifera sich nach vorn 
neigen. 

Die Hauptverbreitung dieser Art liegt im Untersenon. 

Anatina lanceolata Gbik. 

Taf. VIII, Fig. 10. 

1843. Cor!mla lanceolata Cknx., Eieslingsw. 

1872-75. Anatma lanceolata Gew., Elbthalgeb. II, S. 68, Taf. 19, Fig. 9. 

Der GEiNiTz'schen Beschreibung ist nichts hinzuzufügen. 
Sehr nahe yerwaiidt ist Cercomya papyracea Böhm (Holzapfisi^. 



88 Fkibdhioh Stdkh, Der S&ndstein von Eie^liQgswBlde 

Aach. Kr., S. 149, Taf. 0, Fig. 14). Dieser fehlt jedoch dip «oi 
Wirbel nach iler vorderen unteren Ecke ziehende Furche. X'vv^ 
ist bei Anat. lanceolafa der Wirbel weniger IiPrvorragend und ^*' 
vordere Schalentheil niedriger als hei der untersenonen Art. 

I'iftpistha aeqtiivalvis Goldp. ep. 

1884—40. Cor&ula aef/uw. Oot-Di-., P. Genn. 11, 8. 250. Taf. 151, Fig. 15. 
1843. Holadomga caudata Geinitz, Kiealiagsw., S. 11, T&f. I, Fig. 3S-30. 
1850. » aequiv. WQaaioirt, Prodr. II, S. 334. 

1871. » cnurfoto SrouczH*. Cret. Ffcona of South. India, S. 79, Ti«-'" 

Fig. 10, 11: Taf. IG, Fig. 19. 
1867, LinpiiUia acqairalvU Fiuccii, Zeilccbr. (1. Dent^h. geol. Gee., Bd— 39, 

S. 172. 
188!>. Liop. ae^uii: HoI.zAFra^ Aach. Kr., S, 150, T»t 9, Fig. 4— G. 

Den auefQbrIicfaen ßesctireibungeu frOherer Antoren ist ni^^=:bts 
hinüuzufögea. 

Die Art ist, vom Cenoman bia in'a Senon vorkommeDd, »s^ei' 
verbreitet und bei Kießüngswalde und Neu -Waltersdorf eine ''*' 
bSnfigsten Vereteincrungen. 

Lyoneia Germari Gibbkl i. litt. 

1849-50. GüiM., QuaderBandEteiiigflb. Deutschl., Taf. 10, Fig. 9-iI. 

Von den Oberragenden Wirbeln verlaufen drei deutli '^"^ 
Kanten Ober die Schale, zwei nach dem Unterrande, die stSrfcr'^s'fi 
dritte nach dem Hinterrande. Wo die Kanten den Rand "" 

reichen, tritt eine deutliche Umbiegung in dem Verlaufe "^ 

Randes ein. Nach hinten ist die Schale etwas verlängert und '"* 
gestutzt. 

Corbnlamella stiiatuta Goldf. 

Taf. IX, Fig. 1, la. 
1834-40. Corhula ttriaiala Goldf., Petr. Germ. II, S. 251, T»f. 151, Fig. t •*- 
IS43. Croitaulla Bocktclm Geinitz, Kieslingsw-, Taf. 11, Pig. 17, 18, S. 12. 
18.50. THgonla Bocktckii u'Orb., Prodrome 11, S. 23d. ^ 

1887. Corbahm. ttriatula Frech, Thone von Saderode, Zoitichr. d. Dentach. g"^^^^ ' 

Gm-, Bd. 39, Taf. 12, Fig. 5-8, S. 278. 
1889. Corhula tubilriatula Hoi.zArraL (Aach. Kr., S. 144, Taf. 10, Pig. 1-5)— 
Die drei im Besitze des Dresdener Museums be6ndlicl^ 
Stücke sind typische Corbulamellen. Dass dieee Formen ^^. 
Triffonia und Crassateäa gezogen werden konnten, ei^Itrt aS^^^ 



in der Grafachaft Glatz und seine Fauna. 89 

il darans, dass von Kieslingswalde nur zwei linke Klappen 
agen, und bei der einzigen rechten Klappe die hintere Ver- 
^emng abgebrochen ist, wodurch eine Tr^onia - ähnliche Form 
teht. 
CorbulameUa striatula deutet auf Untersenon hin. 

Clava^Ua etogans UGvl. 

Taf. IX, Fig. 2. 

. HoLz'APTBL, Aach. Kreide, Taf. 'S, Fi^. 10, 11. 
. FamcH, Chlom. Schichten, S. 66, Fig. 86. 

Es liegen drei gut erhalteire Schalenexemplare vor. Eins 
diesen zeigt deutlich die kragenförmige Ausbreitung des ver- 
:ten Mantelis. Die Art wird ausser von Kieslingswalde aus 
Untersenon von Aachen und von Braunschweig citirt. 

Avieiila Eieslingswaldensis nov. spec. 

Taf. IX, Fig. 3. 

. Avic, anomala Sow. bei Gbin., Kieslingswalde, Taf. UI,. Fig. 8, S. 15. 
Avic, triloba Fritsch, ChlouL Schichten, S. 64, Fig. 82 (non A. Robm.). 

Schale flach, mit feinen queren Anwachsstreifen ' bedeckt. 
1 Wirbel ziehen sich zwei gerade, flache Wülste nach unten 

hinten. Vom vorderen Wulste fällt die Schale nach vorne zu 
er ab. Von Avictda anomala Sow. (in FiiTON »On the strata 
w the Chalk«) unterscheidet sich unsere Art durch das Fehlen 

Eadialstreifen. GeroüUa triloba A. RoEM., mit der Fritsch 
Art von Kieslingswalde identificiren will, hat nach der — 
*dings mangelhaften — Zeichnung (Nordd. Kr., Taf. 8, Fig. 13) 

kräftigere Querstreifen. 

Modiola flagellifera Forbes. 

Taf. XI, Fig. 5. 

\. Modiola reversa Grinitz (non Sow.!) Kieslingsw., S. 15, Taf. 3, Fig 11. 
I. » ' fiageUifera v. Zittbl, Gosaubiyalven II, S. 6, Taf. 12, Fig. 2, a, b. 

» » SroLiczKAy Cret Fauna of Soatb. India, S. 379, Taf. 24, 

Fig. 1. 
(. » »6. MOller, Beitrag z. Kennt, der ob. Kr. am nördl. 

Harzrande. Abb. d. pr. geol. L.-A., 

S. 418. 

Wie bei den voii 6. Müller (1. c.) besphriebepen Formei^ 



90 F&iEDiicH Sturm, Der SiiDd&toia Ton Eieslingswalde 

vom SülKberge, ist auch bei den Kieslingswalder StQckeu der von 
den Buckeln nacb hinten verlaufende Kiel stumpfer, als bei den 
GoBauformen . Auch ist der Unterrand nicht so stark auegebucfatet, 
wie bei diesen. Dagegen gleichen die Kieslingswalder Exemplan 
völlig denen der Indischen Kreide. 

PeeUn Ttrgatoa Nilss. 

1827. P. virgatn* Nilw., Petrif. Sa«.. S. 23, T»f. 9, Fig. 15. 

183B. P. arntatu» GoLDrosa, Petr. Genn. 11, S. 50, Taf. 91, Fig. 6. 

Ifrl3. /'. cvnalut Gairrz, Sieslingtwdd«, S. 16, Tif. 3, Fig. 13. 

1866, r. virgatut i. Zrmi., GoMubivalvft. II, S. 38, Taf. 17, Fig. 8. 

1888. ■■ ■ G. UOllib, Ob. Er. ain oönll. Harzr., Äbh. d. preiut. gM^ 

L.-A., S. 408, 

1889. ■ Hoi.ii.pn^ Aach. Kr., S. 329, T»f. 26, Fi«. 7-9. 

Bei Bestimmung dieser Art, von der acht Exemplare toe=i 
Kieslingswalde vorlagen, hielt ich mich an die AusfllhrnngeK:] 
Holzapfel'», der (l. c.) die Identität der Kieslingswalder {curvattt-a 
Gein.), Aachener {pirnatua und arcuaiu» Goldf.) und schwedi- 
schen Arten (virgatiM Nn.88.) auf Grund reichlichen Materials 
nachwies. 

P. vü-gatm ist horizontal und vertical vom Cenoman bis in's 
Senon weit verbreitet. 

Vola qüAdricMtata Sow. sp. 

1814. Peeten quadrieo»lala» Sow., Uin. Concb., TaT. 56, Fig. 1, 2, 3. 
1848. • • Gbiüitz, Kieslingsw., S. 16, Taf. 3, Fig. U, 15, 

1889. Voh guadricotlala Hoi^eafckl, Aach. Kr., S. 337, Taf. 26, Fig. 20. 
1898. • . G. MOi.ua, U.-S«aoii tw. Braonsohw. o. Ilsode, Ab'' 

d. Kgt. praosB. gML L.-A., S. 35, Taf, *' 
Fig. 9, 10. 
Neben Liopütha aequivalvü ist diese in der ganzen oberen 
Kreide weit verbreitete Form die am häufigsten vorkommende A.rt 
des Kieslingswalder Sandsteins. 

Zur Bearbeitung lagen 12 Exemplare vor. 
Lina euaUTera Goldp. 

1834. GoLDP.. F. Genn. II, S. 89, Taf. 104, Fig. 1. 
1843, Lima mulüvoilata Gkimitz, KieBliDgswalde, Taf, 6, Fig. 10. 
I873-7.i. Lima lanali/cra Gunm, Blbthalgeb. H, S. 38, Taf. 9, Fig. 6-8- 
1888. > > G. MOller, Butr. z, Eenntn. d. ob. Kr. am nötdl 

HarzTande, Jährt), d, Kgl. prtnn. ff^ 

Ii.-A, 8. «5. 



II 

I 



in der Grafsdiafi Olati and sebe Fauna. 91 

Ueber Synonymik und Begrenzung dieser im Ober-Turon, 
ischer und Unter-Senon weit verbreiteten Art haben sich Künth 
»tschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1863, S. 726), Gbinitz und G. 
(lglbr eingehend geäussert. 

Lima semisiüeata Nilss. sp. 

!7. Piagiostofna semisulcaimn Nilss., Petr. Saec S. 2Ö, Taf. 9, Fig. 3. 
6. Limaiuhi semiiulcata Bbauhs, Salzbergmergel, S. 387. 
18. Lima semmUcata G. MDllbb, Beitrag z. Kenntn. d. ob. Kreide am nördl. 

Harzrande, S. 405. 

Diese Art kommt ausser bei Kieslingswalde noch in dem 

tersenonen Salzberggestein, den Chlomecker Schichten und dem 

itersenon von Braunschweig vor. 

Es lagen zwei Exemplare aus dem Dresdener Museum vor, 

deren Identität mit den citirten Abbildungen kein Zweifel 

rrschen konnte. 

6er?illia solenoides Dbfr. 

?8. G. iolenoidet Sow., Min. Conch., S. 533, Taf. 510, Fig. 1—5. 

L3. O. aviculoidet d'Orb., Terr. cr^t. Aceph., Taf. 397, S. 489. 

13. G, sokmndei Gnairrz, Rieelingswalde, S. 15, Taf. I, Fig. 33. 

)7. » » Fritsch, Chlom. Schichten, S. 65. 

Es lagen vier Exemplare vor, darunter zwei aus der Samm- 
ig des Dresdener Museums, an deren Uebereinstimmung mit 
n citirten Abbildungen nicht gezweifelt werden kann. Die Art 
weit verbreitet im Ober-Turon, Emscher, Unter-Senon. 

LiMeraaias inyolntos Sow. 

Taf. IX, Fig. 4, 4 a. 

28. So WERBT, Min. Conch., S. 160, Taf. 583. 

76. In. umbonatui Mkbk d. Haydbn, Cret. and tert invertebr. fossile of the 

npper Missouri, Taf. 3, Fig. 1; Taf. 4, 
Fig. 1, 2, S. 44. 

77. In, invohitus SoRLOna, Zar Gattung Inocer., Pal&ontogr., Bd. 24, S. 272. 
91. In. paradoxw y. HABni^sni bei Lamobmh. u. Gründet, Das Kieslingswalder 

Gestein, Taf. 5, Fig. 3. 

Bei der Bestimmung dieser Art, wie der der übrigen Inoce- 
men, dienten die Ausführungen Sghlüter's (Zur Gattung Ino- 
ramus, Paläontogr., Bd. 24) als Grundlage, 




Von Inoc. involutua liegen aus KieBÜngswalde leider nurSträ^ 
keme vor, nnd unter d'wseo mir einer mit beiden Klappen. 

An letzterem ist die linke Klappe dreimal so hoch als br«l, 
mit Bcliwacben Wellen und zarten Qiierstreifen bedeckt and nahen 
doppelt 8o hoch aU die recbte Klappe. Diese ist in der Mille 
stark gewölbt und auf der gewölbten Stelle mit kräftigen, coocen- 
trischen Kippen verBehen. 

Inoceramun involutus Sow. ist nach SchlOtrr eins der vidi- 
tigeten Leitfossilieu für den «Emschen. 

Citirt wird unsere Art aus Ablagerungen, die mit dem Enucber 
ident sind, so von Brauns au8 den SalzbergmergeJn, von G. UClleb 
aus der Zone des Avimoniti'« Margae am nördlichen HariranJe 
(zu der die Salzbergmergel ebenfalls geboren), von BarROIS mi) 
einer mit dem Emscher ideotlHcirten Zone Nord-Frankreidi». tob 
Meek aus einer scheinbar etwas Älteren Zone Nord-Ameriku 
(Fort- Benton -Group = Ober-Turoii). 

Inocoramns nndnbandus Meer u. Hayden. 
T>tf. X, F.«. 4. 

I87S, Ukkk u. H*Yi.B>i, Invert. fos». of the npp. Miisoori, T«f.3, Rg.S. S.Sa 
Der Wirbel verjDngt sich rascher und spitzer, rollt sieb dabef 
auch viel weniger ein als bei Inoc. involutus. 

Von Meek aus der Fort Benton Group (Ob.-Turon) Nord- 
Amerikas, von ScHLÖTER (Zur Gattung Inooeramus, Palacontogr. 24 
S. 272) aus dem Emscher Westfalens citirt. 

Inoeeramai Cnrieri Sow. 

T»f. X, Fig. I. 
1834-40. GoLDr-, P. Germ. II, S. 114, Taf. lU, Fig. 1. 
1= Inoc. OemiUicmv» Stol. I. iofra c 
Nach Schlüter soll Inoc. Cueieri nicht Ober den Carien- 
PlÄner hinaus vorkommen. Nach neueren Arbeiten Stollbtb') 
jedoch soll er noch in der unteren Qaadratenkreide uiitreten. 
Stoliczka bildet als InoceraTma Geinüzianu* (Cret. Fauna ot 

^ji Einige BemerkuDgen über die obere Krade, iuBbasondere von LSMbiu| 
und L&gerndorf.< Archiv für Anthropologie und Greologie Schleswig -HoUuu 



in der Chrafaehaft Olats und aeixke Faona. 93 

Soath. India, Bd. UI, 1871, S. 407, Taf. 27, Fig. 4, 5) einen Ino- 
ceramtts ab, der alle Eigenschaften eines Inoc. Cuvieri, wie sie in 
der SCHL0T£R^8chen Definition gefordert werden, deutlich auf- 
weist. 

Es wurde deshalb kein Bedenken getragen, die indische und 
die nach ihr von Geikitz (Elbthalgeb. II, S. 43) benannte Form 
TOD Kieslingswalde zu Inoeeramua Cuvieri zu ziehen. 

Inoeenmns latus Mant. 

Taf. X, Big. 2. 
18S8. SowKBBY, Ifin. Coneh., Taf. 582, Fig. 1. 
184a. d'Orbiohy, Terr. crit. Ao^ph., Taf. 408, Fig. 1, 2. 
1877. SchlOtbr, Zur Gattg. Inoc, Pal&ontogr., Bd. 24, S. 265. 

Fünf Exemplare lagen vor, die mit den citirten Abbildungen 
und Beschreibungen wohl übereinstimmten, und auch keinen Unter- 
schied von dem A. RoBMBR^schen Originale (Norddeutsche Kreide, 
S. 61), mit dem sie verglichen werden konnten, aufweisen. 

Inoceramus liUud hat seine Hauptverbreitung im Mittel- und 
Ober-Turon. 

Inoeeramos cf. lobatos Mstr. 

Taf. X, Fig. 3. 
1834—40. Inoc. lobaius Mstr. bei Goldfus«, Petr. Germ. II, S. 113, Taf. 110, 

Fig. 3. 
1877. » » ScHLÜTBR, Zur Gattung Inoceramas, Paläontogr., Bd. 24, 

S. 275, Taf. 89, Fig. 1, 2. 

Von diesem Inoeeramus liegt nur ein einziger, mangelhaft er- 
haltener Steinkem vor. 

Inoeeramua lobatus kommt sonst vorwiegend in echt unter- 
senonen Schichten vor. 

Pinna eretacea Sghloih. 

1834-40. P. quadrangukais Goldf., Petr. Germ. II, Taf. 127, Fig. 8. 
1866. P. ereiacea y. Zitobl, GosaabiTalven II, Taf. 13, Fig. 1. 
1872—75. P. eretaeea Gsmitz, Elbthalgeb. II, S. 54, Taf. 14, Fig. 2, 3. 

Die in Frage kommenden Exemplare von Kieslingswalde zei- 
gen anf der oberen Schalenhälfte sechs^ auf der unteren zwei 1)18 
vier Rippen, gehören somit nach der Definition von Geinitz zu 
P. eretacea. 

Die Art kommt vorwiegend im Turon vor. 




Pinna eompressa Goldf. 
Tttf. XI, Fig. 1. 
Ift34— 4(1 ÖoMinris, Pütr. Germ. II, Tif. 128, Fig. i. 

Geifitz erklärt (Elbthalgeb. I, S. 212) die F. eompressa fllr ein 
Bruchetnek der unteren Sclialenbälfte von P. denifgata. Nun le^ 
die GOLDFüss'sclie Abbildung eine flacbe ScbalenwOlbung und ein 
Tfilliges VerwiBibtsein der Rdckeurippe, Eigenacbaften, die soul 
nur yollkommen ausgewachsenen Individuen von P. dfcussala m- 
kommen. Die GoLDFres'scbe Abbildung aber ist nach dem Bnicb- 
«tflcke einer offenbar noch nicht ausgewachsenen Hnua angeiertigt 

Anomia semiglobosa Gsin. 

T»f. XL Fig. a. 

1849—50, ^noDi. Kmü/lobo$a Geibiü, Qmdareiuiclsleingab. Deot«cliULdfcS.SO(. 

T«f. II. Fig, ti-9. 
1866. '4*001. tem^loiota v. Zittbl, GoskabiTHlvan II, S. .51, Taf. 19, Fig. 9- 
t88& • * e. Hl)i.i.KB, B«ilrige zur Kenniniss cL oti. Kmik » 

aördl. Haizrtude, S. 403. 

Diese Art, von der sechs Exemplare des Dresdener Maaetin» 
vorliegen, darunter auch die GnNiTzWhen Originale, wird ««^ 
von CUomeck und dem untersenonen Salzberggestein citirt 

Anomia Euialdi Frech aus den untersenonen Thonen tos Su- 
derode hat spitzere Wirbel und unregelmftssiger verlaufende h-- 
wachsttreifen. 

Aiionia udlUte Gbin. ep. 

T>f. XI, Fig. 8. 
1849— M. Thtli* tadulata QsiRm, QuAdeTBdrtDgb. DeaUohlds., S. 154, Ttf.l"' 
Fig. 8,4. 

Die von Geinitz (1. c.) abgebildeten Formen zeigten bei i^ 
herer Untersuchung keine Eigenschaften, die ihre Zurechann^ ts 
Thetü rechtfertigten. Es sind weder Scblossz&bne, noch die fi^ 
TAelis charakteristische, sehr starke Mantelausbuchtung TOrbandeO' 
Dagegen " zeigte sich auf der Mitte des am stärksten gew&lbteD 
Schalentbeiles — allerdings undeutlich — ein kreisrunder, wohl- 



in der Grttboluift Olati and seine Pmuuu 95 

grenzter Fleck, entsprechend der Muskeldurohtrittsstelle bei 
lomia. 

Die eigenthümlichen, unregelmässig verlaufenden Runsein be- 
st flbrigens auch die Anamia variata Stol. (Cret. Fauna of 
uth. India, Taf. 48, Fig. 9—12, S. 479) aus der Arrialoor-Group 
diens. Sie unterscheidet sich aber durch grössere Breite und 
deatlidieren Wirbel Ton den Kieslingswalder Exemplaren. 

Zur Bearbeitung lagen die GsiNnz^schen Originale aus dem 
resden^r Museum vor. 

Ostrea ef. floldfüssi Hlzpfl. 

iS. OUr^ maeropitra Qxunrz, Kieelingswalde, Taf. 5, Fig. 22—24, S. 17 

(non Sow!). 
89. O^ea QoU^tm HoLSAPin, Aach. Kreide, S. 249, Taf. 28, Fig. 8—14. 

In Anbetracht der ausserordentlichen Variabilität der Arten 
r Qattnng (hirea und der mangelhaften Erhaltung der Eieslings- 
ftlder Stocke konnten die Ostreen von jenem Fundpunkte nicht 
it genfigender Schärfe bestimmt werden. 

Unsere Art läset sich am besten mit der Ton Holzapfel 1. c. 
igebildeten Art identificiren. 

Von 0« $0mifda9M Sow. lässt sie sich bei der Schärfe ihrer 
ntersohale wohl trennen. 

Oitrea eirrid^rMta Gbin. 

lU. Chrnrnz, Kiealingiw., S. 17, Tal 3, Fig. 19—21. 

^98. (?) Oiirea Bouekerom Coquand bei G. MOllib, Mollnskenf. d. Ü.-Senon 

zw. Br. u. Ilseda. Abh. d. 
pr. geoL L.-A., S. 11, 
Taf. 3, Fig. 5-9. 

Drei ziemticb mangelhaft erhaltene Stücke aus dem Besitze 

a Dresdener Museums liegen vor. Es lässt sich jedoch nicht 

fcwheiden, ob Ostrea Baueheroni CoQü. bei G. MOller (1. c.) mit 

r Kieslingswalder Art ident ist. 

Oftm Linas Gein. 

Taf. XI, Pig. 4, 
UL Oürea lAmae GmiiTz, Kieelingswalde, S. 17, Taf. 3, Fig. 18. 

ünriss schräg oval, Wölbung flach. Die Schale ist mit feinen 



It«dial«treir6n bedeckt. Der FlDgel ist ron der Schale dnrdi äCM-* 
Furche abgesetzt. 

Brachlopoda. 
Rbyncbonella conpreasa Lah. sp. ÄH 

Taf. XI, Kig. 6, e», 6b. ^^S 

1848. TtrcbratuJa alaU Ghuitz, KioaÜDgawald«, S. 17, Taf. 3, F^. IT. 
1841. B/innthonella ampre*ta d'Ohu., Tarr. ctet Bnichiop., S. 85, Taf. 1» 'S 

Kig. 16. 
1891. > aiala LAsamnu. nod Gbu-div, Kiealingsw. Gestein, Tif. ^^ 

Fig. 38. 
1897. * ■ Pkitsch, Cbtom. Schiebten, ä. 68. 

Die bei Kieslrngswalde vorkoiunivodcu Kbynchoaellen, to X3 
denen lf> Exemplare vorliegen, stimmen mit der Abbildung un«J 
Beschreibung bei d'Orbignv übereiii. TcreOratula alata Lam. un«S 
Riiynchonella rfficrtilio Brocchi zeigen bedeutende Unterschied^ 
von RhynchonfUa compressa. Der Stirnraud der beldeo erstga— 
nanntea Arien springt in der Mitte bogenförmig stark vor, sodass 
die seitlichen Partieen stark abgesondert und flftgelförmig erschei- 
nen. Bei RkynchoHeUa comprenaa dagegen ist der Stimrand fast 
gerade, beinahe eingebuchtet. 

R}tynehoaeVa compresM koniint nach d'Orbigky schon im 
Cenomai! vor. 

Annelida. 

Serpuls phmorb» Gein. 
1848. Strpuh gordiaü» var. plunorju Gkimitz, KiBBlingswT S, 7, T»t 1,?** 
Ein undeutlich erhaltenes Exemplar, das Original zu Gbinitk 
Abbildung (1. c), liegt vor. 

Serpala flliformii Sow. 
Ein Exemplar aus der Sammlung des Dresdener Masei 
stimmt Qberein mit der Abbildung bei Fitton (Od the b< 
below the Cbalk, Taf. 16, Fig. 2). 



in- der GraÜBohaft G(ats und seine Fauna. 97 

Serpila sp.? 

Mehrere undefinirbare Röhrenstücke einer Serpula aus der 
».mniliing des Dresdener Museums gehören vielleicht zu Serpula 
tbcL Sow. in Fitton (On the strata below the Chalk, Taf. 16, 

ag- 3). 

Edhlnoidea« 
Cardiaster jogatos Schlüter. 

Taf. XI, Fig. 7. 
IM9 — 50. CardiaUer granulosus Gbimitz, Quader Deutschlands, S. 227 (non 

GOLDPUSS !). 

IS69. Cardiaster jugatus SghlOteb, Fossile Ecbinodennen des nördl. Dentsch- 

lands, S. 25, Taf. 3, Fig. 3. 

Cardiaster grantäoaus GOLDFUSS (Petr. Germ., Taf. 45, Fig. 3, 
S* 148) besitzt ungejochte, winklig gestellte Poren und mehr kreis- 
ß^^'Hiigen Umriss. (Vergl. auch d'Orbigny, Pal. fr. terr. cret. 
tom. VI, Taf. 826.) 

Cardiaster jugatus dagegen hat gejochte Poren und ist länger 
^^ breit. Auch ist das vordere Ambulacrum tiefer eingesenkt als 
^^ Cardiaster granulosus. 

Verwandt mit dieser Art ist auch Cardiaster bicarinatus Ag. 
(J>'<)rbigny , Pal. franp. terr. cret. tom. VI, Taf. 827, 828, 
8- 137). 

Schlüter citirt unsere Art aus der Quadratenkreide West- 
^^^08. Der verwandte Cardiaster bicarinatus kommt nach Brauns 
^^ den Mergeln des Salzberges bei Quedlinburg (= Emscber) vor. 

Cardiaster Cotteananos d'Orb. 

Taf. XI, Fig. 8. 

^^-60. d'Orbiony, Pal. fran^ terr. cr^t. tom. VI, Taf. 830, S. 140. 
^^^1> LAMGBmiAM and Gbuhdby, Kieslingsw. Gestein, Taf. 1, Fig. 17. 
^^37. Fritsch, Chlom. Seh., S. 72. 

Von dieser durch ihr tief zwischen zwei Kiele eingesenktes 
vorderes Ambulacrum und durch winklig gestellte Poren wohl ge- 
kennzeichnete Art liegen drei Exemplare vor. 

Nach d'Orbigny tritt die Art in Frankreich im Senon auf. 

Jahrbuch 1900. [7] 



<)K Fitiiii>rti<.'i< Srciiu, Der S<uiatt«iD tod Kiwlingsnalde etc. 

BemÜBter cf. laennnsiiH Goldf. 

Tsf. XI, Fig. ;». 

Bei Besprechung des Hemiasler guOtacunofus Geinitz (EIK- 
thalgeb. II, S. 14) erklärt Geinitz, bei Kiesliogswalde käme der 
echte Hemia»ter lacunonis Goldhibs (Petr. Germ. J, S. 15P, Taf. ia. 
Fig. 3) vor. Das mir vorliegende Bruchstück aus dem Dreedener 
Museum zeigt zwar im bogeDlörmigeu Verlaufe der paitrigen, vor- 
deren Ambulacra grosse Aeholicbkeit mit Hemiatier lacunottta 
GoLDF-, indeseen ersc^'beiut eiue nähere Bestimmung ausgeacblossen. 
Auch die Zurechnung zur Gattuiig Beviiaster dürfte fruglicb er- 
scheineD. Das Kiealingg walder Exemplar läfist ebenso wie das 
OoLDFüSs'sche die iör Hemiastsr charakteristische PeripetaJfasciole 
vermissen. Doch ist dieser Mangel vielleicht durch den schlechleii 
Erhaltungszustand verursacht. Der echte Hfmiastrr lacunotua wird 
aus dem Unter-Senon von Aachen und Quedlinburg, der Heviitutfr 
mblacunom» Geinitz aus dem Ober-Quader (ünter-Senon) der 
Sächsischen Schweiz citirt. 



Nivhtrag. 

Das von Michael (Zi'ilsi-br. d. Deutsch, geol. Ges., Ifl33. 
S. 195) bearbeitete Gebiet von Cudowa ist das einzige Kraii*- 
gebiet in der uördlichen Gratschafl Glutz, das bisher einer genaueo 
Bearbeitung unterzogea worden ist. 

MiCHABI^ Cenoman-Ablagerungen entsprechen dem Unteren 
Quader bei Habelschwerdt (Schichten mit Exogyra columba„ i" 
dem allerdings ausser dem Plänersandstein die Cudowaer Eio^el- 
Horizonte nicht nachgewiesen werden konnten. 

Die Turon- Ablagerungen von Cudowa haben gleiches A»f 
wie die LaÄiafu^-Pläner der sOdlichen Grafschaft Giatz, sind *leo 
uuter-turon. 

Breslau, den 19. Juli 1900. 






^ie Fauna der oberdevonischen Tnffbreccie 
von Langenanbach bei Haiger. 

Von Herrn Fritz Drevermann in Marburg i. H. 

(Hierzu Taf. XU-XVI.) 

1. Einleitung. 

Die Gegend von Langenanbach ist bereits mehrfach geologisch 
arbeitet worden. Nachdem C. Koch (Jahrb. des Vereins für 
Etturkunde za Wiesbaden 1858, S. 85) und v. Dechen (£r- 
iterangen zur geologischen Karte, Bd. II, S. 31, 160) den in 
eser Gegend vorkommenden Riffkalk für mitteldevonisch erklärt 
ktten, wurde derselbe von Frech auf Grund seiner Versteiner- 
igen ins Oberdevon gestellt (Abhandl. zur geol. Specialkarte, 
d. VII, Hefl 13). Diese Abhandlung ist zugleich die umfassendste, 
e über die besprochene Gegend vorliegt. In diesem Jahrbuch, 
i. VIII , S. LXV erschien dann die erste Mittheilung 
AYSBR^s ober das Vorkommen von Clymenien bei Langen- 
ibach in unmittelbarer Nähe des Iberger Kalks. Auch 
e erste Nachricht über die Auffindung der Breccie verdanken 
ir Kayser (dieses Jahrbuch 1891, S. LIII). An dieser 
belle wird die Breccie dem obersten Horizonte des Devons 
igewiesen, da sie über dem Iberger Kalk und unter dem 
^eckdiabas liegt und zahlreiche Bruchstücke von Clymenien- 
älk enthält. Eine wichtige Notiz erschien 1894 in diesem 




Jdirbacb, S. I6ä, in wdchnr (iie Herren Dbkckhakn und 
BBUSHA08BM Ohet eioe UeiBe in ' dies Gebiet b<>rit.-hteii. Sic 
B])reche[i sieb hier Qber die Entstebuogsart der Breccie aus [ind 
trenuen die in der tuf6gen (irundmasse iiegeodeo Kalkblöckf 
ihren Vereteiaerungen auch im WeseDtlichett. In «einer spjLtereD 
Notiü wird noch das Vorkommen von Sfrinfforep/iaitai Burtmi 
Db^'B. und Conocardium hi/sttricum ScHLöTH. erwähnt (diesps 
Jahrbuch 1895). E» ist dies im WesentlicheD, von weniger 
mehligen Notizen abgesehen, die ge&auimte Literatur aber die la 
besprechende Gegend. 

Bftvor iub r.ii meinem Thema Dbi-rgehe., möchte ich meiiifn 
Dank zun&chst Herrn Professor Kaysbk auseprecben, dem iili di'' 
Anregung au dieser Arbeit verdanke und der mich wahrend tlff 
Abt&ssung stets mit Kath und That in liebfUswArdiger Weise 
unterstützte. Ferner danke ich dem inzwischen verBtorbiwii 
Herrn HädchecOkne, sowie den Herren Denckmanm «nd 
Bedshal'SEK fflr L'eberlassiiug des gesHmmten in der L»nii<^^- 
anstalt befindliuben Materials von Langenaubach. 

Pör Uebereenduug von Vergleichematerial spreche icfa dfio 
königlichen Oberbergamt zu Clausthal, sowie den Rerrpn 
V. ZrrrEi,. v, Kokken, Hejüieat und P. G. Kracse, fär j;"t'f 
Unterstüt/ung den Herren Bauer und BeU8Bausbn meinea '"^ 
bindlichsten Dank aus. 

Ich möchte diesen Tbeil nicht ecbliessen, ohne Hutd 
Dr. Beyer fflr die grosse Mühe zu danken, die er auf die H"^ 
Stellung der Tatein verwandt hat. 



Toffbieccie Ton LangODaubaoh bei Haiger. 101 



2. Stratigraphischer Theil. 

Die Tektonik des Gebietes ist, wie die der ganzen Gegend, 
ziemlich yerwickelt. Schon der erste Blick auf die beigegebene 
geologische Karte zeigt zahlreiche Verwerfungen, vielfach wech- 
selndes Streichen u. a. Unregelmässigkeiten, die sich bei genauerer 
Betrachtung noch bedeutend vermehren. 

Im östlichen Theil der Karte fällt ein schmaler Zug in die 
Augen, der sich aus verruschelten schwarzen und helleren 
Schiefem und Kieselschiefern zusammensetzt. Zwischen die 
Schieferschichten schieben sich zahlreiche dQnne Schalsteinlagen 
ein. Versteinerungen haben sie nicht geliefert; dennoch können 
sie dem petrographischen Habitus nach nur beim Mitteldevon 
untergebracht werden, zumal sich in der Breccie ein Block eines 
übereinstimmenden Gesteines fand , der mit Styliolinen über- 
fdllt war, die ja in der ganzen Gegend das Mitteldevon be- 
zeichnen. 

Das untere Oberdevon ist im Gebiete der Karte in ver- 
schiedener Weise entwickelt*). Mächtige Schalsteine, Iberger 
Kalk und rotho Platten- und Knollenkalke kommen vor. lu den 
^^halstein, der nach seiner Lagerung zum unteren Oberdevon 
gehört, schieben sich in den oberen Lagen dOnnplattige, grau- 
S^lbe Kalke in ziemlich bedeutender Mächtigkeit ein; besonders 
^^i Donsbach finden sich sogar Riffkalk-artige Bänke, die einen 
^^bergang zu der gleichaltrigen Facies des hellen, schichtungs- 
»08en Riff- oder Iberger - Kalks zu vermitteln scheinen. 
Von Versteinerungen haben sich darin nur unbestimmbare 
Korallen und Crinoidenstielglieder gefunden , letztere nur in 

'] Die Eiaensteine werde ich Id einem Anhang zu diesem Theil besprechen. 



) 02 Frite Dretkrmakh, Die F&nnk der oberdeToiii»oliuo 

wenigen, tbonig - achiefrigen Lagen zwischen deii KalkbAnk«n. 
Der Iberger Kalk iat io der ganzen Gegend reichlich entwickelt 
lind Qherall in Steinbröchen gut aufgoschloasen. Es ist ein gmu- 
lich-weisser oder diinkelgrau werdender, fester Kalk mit tindfut- 
licher oder ganz fehlender Schichtung, in dem V erste! Derungen 
nesterweise auftreten , so dass manche Blöcke ganz erfnilt mit 
Brachiopoden und anderen Versteinerungen sind, wAhreod die 
Umgebung aus krystaliiiiisoheni Kalk ohne Spur von Versteine- 
rungen besteht. Korallen, namentlich Phillipsastraeen, sind recht 
häufig. 

Die rothen Platten- und Knollenkalke sind EinlMgc 
rungen in rntben Kalksi^hiefern. Versteinerungen sind in ihnr'D 
recht selten, doch erwähnen schon DenckmaNN und BeuSQACSE)! 
(1. c, pag. 124) den Fund von Manticocfraa infumeiceiw BBrit. sp. 
und Buchiola anguHfera F. A. Roem. sp-, die aberall einen tiefen 
Horizont der Intumescens-Schichten bezeichnot. Diixii fand Hmt 
Dr. Denckmann bei einem gemeinschaftlichen Hosuefa des als 
»Marmorbrucho bezeichneten Steinbruchs ein Belocertu mtätÜa- 
batum Betr. sp. 

Dem jftngeren Obenlevon gehören von Sedimentgesteioei) 
an Schalsteine von verschiedener Ausbildung, Cyprid inen schiefer 
und Plattensandsteine, während Clymenienkalke anstehend nicht 
sicher bekannt sind. 

Die Schalsteine sind bald feinkörnig, bald conglome ratisch 
oder breccienartig entwickelt und besitzen dasselbe Alter, wie die 
jüngsten Schalsteine bei Oberscheid (z. B. Rinkenbach), wo sie 
von Culm oder Deckdiabas Oberlagert werden und daher von 
Kayser als n Deckschalstein« dem sDeckdiabas* angereiht wurden. 

Ein erster besteht aus einer feinkörnigen, violettrothen Grund- 
masse, in der unzählige abgerollte Mandelsteinbrocken liegen. 
Daneben finden sich grosse Blöcke rother dichter Kalke, die 
manchmal Clymenien enthalten. An anderen Stellen sind auch 
Einschlüsse von Iberger Kalk {mit und ohne Petrefacten) nnd 
graugelben Knollenkalken mit Clymenien gefunden worden. Üeber- 
all, wojdie Lagerung normal ist, liegt dieser Schalstein direct 
auf den rothen Kalkschiefern oder KnollenkttlkeD (Marmor- 



Tnffbreode Ton Laagvnaabach bei Hsiger. 103 



brach etc.) and wird telbal durofa wenig mftchtige, graue Tbon- 
flchiefer mit Saadateinbänken Oberlagert 

UngefiUir demselben Niveau gehört das in dieser Arbeit als 
Tuffbreccie bezeichnete, weit mAchtigere Gestein an, dessen 
orgaoiscbe ESinsdilüsse weiter unten ansftihrlich behandelt werden 
sollen. Es überlagert überall direet den Iberger Kalk, nur an 
einer Stelle dichten Cephalopoden-Kalk; die genaueren Ver- 
hdltnisse dieses Punktes auf der Höhe des Hirsenberges, auf den 
Herr Dr. Dbngkmann mich aufmerksam machte, waren wegen 
zu schlechter Aufschlüsse nicht ssu ermitteln. Die Mächtigkeit 
der Taffbreccie ist wechselnd, aber doch recht bedeutend ; sie mag 
stellenweise 20 Meter erreichen. Das Gestein besteht aus einer 
taffigen Omndmasse, in welcher kleine und grosse, z. Th. riesige, 
scharfkantige Kalkblöcke (andere Gesteine sind selten) wirr durch- 
einander liegen. Die Grundmasse, die ich unter gütiger Unter- 
stützung des Herrn Geh. Rath Bauer untersuchte, besteht der 
Bauptsache nach ans Plagioklasleistchen , der Rest wird von 
chloritischer Substanz gebildet. Als secundärer Bestandtheil 
findet sich in Hohlräumen und auf Spältchen massenhaft Kalk- 
spatb, der schon makroskopisch sichtbar ist, daneben seltener chlo- 
ritiscbe Substanz. An dem einzigen Punkte, wo die Breccie 
^weatHoh Tom Aubach vorkommt, ist ihre Grundmasse dunkel, fast 
schwarz und aschenartig. Die Kalkstücke sind hier kleiner, aber 
2. Th. ausserordentlich scharfkantig und an der Oberfläche meist 
berausgewittert Die mikroskopische Untersuchung, die Herr 
Oeh. Rath BaüBR gütigst ausfahrte, ergab kein Resultat; die 
oheaiiache Untersuchung zeigte, dass es sich um ein im Wesent- 
lichen aus Bisenhydroxyd bestehendes Zersetzungsproduct handelt. 
Die Blöcke, die in der Grundmasse wirr und regellos durch- 
^nander liegen, erreichen z. Th. eine Länge von 3 — 4 Metern bei 
dber 1 Meter Dicke und darüber. Sie bestehen im Wesent- 
lichen aus folgenden Gesteinen, die ungefähr ihrer Häufigkeit nach 
geordnet wurden: 

1. Iberger Kalk. Von der oben geschilderten Beschaffen- 
lüeit. Der Masse nach vorwiegend und petrographisch leicht von 
den übrigen Gesteinen zu trennen. Ein Crinoiden- reicher, heil- 



104 FniTK Dkevebhism, Die Fanna der uberdsTilDiscben 

grauer, krystallinischer Kalk ist sowohl petrographisch wie faun- 
istJBch nicht scharf vom Iberger Kalk zu trennen. Er witomeit 
von Brachiopoden. 

2. Intumesoene-Kftlk. Gelbgrauer , undeutlich plattiger. 
transversal scharf geschichteter Kalk mit /ahlreickeu Verateiaer- 
ungen. 

3. Cly meuienlcalk. Vgl. Dbnckmann-Beumha<I)4BN, I. c, 
pag. 183. üie Farbe des Clymenieukalke mit Cl. annulata MOssi'. 
ist sähwärzlicb-graii , während die der beiden anderen gelbgruu ist, 
sodass diese nicht geschieden wurden. 

4. Hellgrauer kry stalliniscber Kalk mit vielen CWo- 
cerfu etc. 

ö. Cielblichgraner dicbter Kulk u\\i Spir^'er Vemfuüi 
McirOb. etc. 

6. Schwarzer Koral leukalk mit Cyatkopkyllum caenjn- 
tOHum GoLüF. (?) 

7. Scbalstein, der ganz mit Amphipora i-amo*a M'COTsp.(?) 
und ä. SchnUteiD, der mit Atrypa reticidarü L. erlQllt Ut. 

9. Tentaculitenscbiefer. Ein Block in einer alten Ping* 
am Schieisaberg. Derselbe ist durch die andi^ren festeren Gesteine 
ganz zerquetscht und enthält Stjlioliuen in grossen Massen. 

Aus dieser Tuffbreccie, aber nicht aus anstehendem Iberger 
Kalk, stammen sämmtliche von Frech (1. c, pag. 17—18) an- 
geführten Versteinerungen. An dem Fundorte nfimlich, wo er 
sammelte, einer alten grabenförmlgen Finge, steht lediglich die 
Tuffbreccie an. Neben dieser Finge liegt ein alter, seit Ober 
'20 Jahren verlassener Steinbruch, in welchem die Breccie prachtvoll 
aufgeschlossen ist. Hier liegt nber derselben eine wenig mächtige 
Lage grauen, dflnn blättrigen Schielers, worauf ein miohtiger und 
ausgedehnter dichter Diabas folgt. Dieser tiberlagert an den 
meisten Stellen die Breccie direct und bildet in der 
Gegend das oberste Glied des Devons; er wird daher von KATSB^^^p 
als Deckdiabas bezeichnet. 

In seiner Arbeit (pag. 17) erwähnt FrbOH das Vorkomme^ ^ 
von Amphipora ramesa M'COT sp. im Iberger Kalk. Da jedo«.-/ 
das Gestein, das diese, Qbrigens ihrer Krhaltung nach vicht 



I 

I 



/ 



' Taffbr^coid von Langenaafoach bei Haiger. 105 

bestimmbare Form enthält, aus der Breccie stammt, so 
! das oberdevonische Alter des Fossils an dieser Stelle nicht 
ihen, weil sich in der Breccie Gesteine von sehr verschie- 
1 Horizonten finden. Der Diabastufi*, der bei den Eruptionen 
werfen wurde, kann selbstverständlich Trümmer aller vor der 
tion abgelagerten Gesteine umsch Hessen. Es können daher 
insblöcke verschiedenen Alters sehr wohl in demselben Schal- 
sich finden, wie ja auch das oben geschilderte Vorkommen 
Blockes von Tentaculitenschiefer neben oberdevonischen Ge- 
^n beweist. 

3iese Art der Bildung des Gesteins möchte ich für die wahr- 
ilichste halten. Dbngkmann und Beushausbn fassen aller- 

das Gestein als Product einer nach Ablagerung der Cly- 
tnkalke einsetzenden Transgression der »Auen berger Schichten« 
CKMANN) auf. Es ist klar, dass die tuffige Natur der Grund- 
( einer solchen Anschaung nicht widerspricht. Stratigraphisch 
sich im vorliegenden Falle weder die eine noch die andere 
:ht beweisen. Die Hauptstütze für die von mir vertretene 
ssung sehe ich in der Beschafienheit der riesigen, schärf- 
ten, kaum abgerollten, wirr durcheinander liegenden und auf 

Entfernungen ganx verschieden gestellten Blöcke und in der 
imässigen Vertheilung der tuflSgen Bestandtheile über die 
t Gesteinsmasse. 

[>ie Cypridinenschiefer sind von der gewöhnlichen rothen 
grünlich-grauen Farbe und enthalten stellenweise Einlagerungen 
^alkknollen. Versteinerungen haben sie nicht geliefert. An der 
Rheinstrasse zwischen Stangen waag und Dillenburg (ausserhalb 
arte) wird der Schalstein in Sattelstellung mit den sich nach 

hin einschiebenden Kalkbänken beiderseits von Cypridinen- 
fer überlagert. Die Plattensandsteine sind als Einlage- 
rn im Cypridinenschiefer oder an manchen Stellen als Ver- 

desselben aufzufassen. Sie sind, wie überall, dünnplattig, 
iinerungsleer und glimmerreich. 

Oie Tektonik der Gegend wird durch die zahlreichen Ver- 
mgen, den Wechsel im Streichen, noch mehr aber durch die 
i Ueberschiebungen auf die im Anhang näher eingegangen 



106 Frtit, Drbverhat*«, Die Faun» Jer obordetoaiseheo 

werden soll, recht oomplicirt. Die Verwerfimgen verlaufen mcis-^^ 
NNW.— SSO., doch kommen auch andere Richtungen vor. Einig^*''^'' 
sind durch Quarzgänge gekennzeichnet, die häuäg Kupferkie 
seltener Bleiglanz ffihrpn. 



Bei der Eigenart der Fauna der EiBensteinc von Laugei 
aiibacb erscheint es gerechtfertigt, dieselben einer auafiihr— 
Helleren Besprechung: ku unterziehen. Man kann in der dortigen« 
Gegend zweierlei Eisensteinvorkommen unterscheiden. D«« eioe^ 
tritt stet« in kleinen Nestern auf und liegt überall im Contiiete« 
des Orthoklasporphyrs, seltener im Contacte des Diabases mit kalk- - 
reichen Schalsteinen oder Kalken. Das zweite wird auf Gnib«Ä 
»Constanze« abgebaut. 

Frech stellt (1. c, pag. IH ff.) die Eisensteine di«ser Grul« •= 
und ebenso gewisse Eisensteine der Dillenburger Gegend an die - 
Basis des Oberdevons. Als Leitfossilien werden angegeben 
Prolecanitfs luauliconta Sandb. sp. uud andere Arten dieser 
Gattung, auch TornoceraH mithracoiilei' Frech ist wichtig. Als 
negatives Merkmal betrachtet er das Fehlen von ManUeoeera» 
intumescens Bbyr. sp. und der zahlreichen verwandten Arten oder 
Varietäten dieser Form, sowie die Abwesenheit des typischen 
Tornoceran dmpifx V. BuCH sp. 

Als strati graphisch er Beleg fQr diese Stellung der Eisensteine 
wird das Profil der Grube »Constanze« angefahrt. FrbcU 
zeichnet einen Sattel, der in seinem Kern aus Schalsteio besteht, 
weicher durch Roth eisen stein und Iberger Kalk Oberlagert wird. 
Diese Folge wird als regelmässig aufgefasst and danach das 
Eisenerz för älter als der Iberger Kalk gehalten. 

Auch mir standen durch die LiebenswOrdigkeit des Hern 
Directors Vahlen8icr sänimtliche aus älterer und neuerer Zeit 
stammende Profile zur Verfügung; ausserdem habe ich die Grobe 
mehrfach mit dem Obersteiger betahren und Oberdies von dem 
ehemaligen Obersteiger Herrn Kebh viele in und liebe Aufklärungen 
erhalten. Auf Grund der so erlangten Kenntnies glaube ich die 
Verhältnisse wesentlich anders als Frbch auffiiasen zu soUeo. 



TafTbreeeie tob Langenaabach bei Haiger. 107 

Da88 einmal ein regelmässiger Sattel (Profil pag. 14 der 
FRRCH^schen Arbeit — im Wesentlichen eine Copie des auf der 
Grube aufbewahrten Gesammtprofils) nicht vorliegen kann, geht 
schon daraus hervor, dass in der alten Finge am Hirzenberg, in 
welcher der Eisenstein ehemals abgebaut wurde, nur ein einziges, 
südlich einfallendes Lager aufgeschlossen ist. In Stollen III sind 
allerdings 2 Eisensteinlager deutlich aufgeschlossen, die einen Kern 
von Schaistein umschliessen ; aber nach oben schrumpft dieser zu 
einem fingerdicken Besteg zusammen und verschwindet schliesslich 
ganz. In der Grube, wie am Tage, sind schwarze Schiefer 
und Kieselschiefer in der Nähe des Lagers bekannt. 

Dass ferner von einer regelmässigen Ueberlagerung des Eisen- 
steins durch Iberger Kalk keine Rede sein kann (B^ech, pag. 20), 
geht in grösster Deutlichkeit schon daraus hervor, dass über dem 
Eisensteinlager zunächst hellgrauer Schiefer mit einzelnen dunklen 
Lagen, dann oberdevonischer Knollenkalk, darüber der oben be- 
sprochene violettrothe Schalstein mit Mandelstein- und Clymenien- 
kalkbrocken, darüber die Breccie und dann erst der Ibörger Kalk 
liegen. Ebenso gut könnte man sonst behaupten, dass das Lager 
auf dem im Profil weiter nördlich folgenden Iberger Kalk läge, 
w^as aber in Wirklichkeit ebenso wenig zutrifil. 

Wenn man nämlich das Profil am Nord- Abhang des Hirzen- 

berges betrachtet, so fallen auf den ersten Blick 4 übereinander 

folgende Züge von Iberger Kalk auf, über denen jedesmal normal 

die Breccie und meist der Deckdiabas folgen. (Figur s. S. 108.) 

Es ist also zweifellos, dass hier vier verschiedene Schollen 

vorliegen, von denen jede südlichere auf die angrenzende nördliche 

«mporgeschoben ist. Zwischen der ersten und zweiten Scholle 

«ngeklemmt und bei der Aufrichtung stark mitgenommen, liegt 

«in schmaler Zug mitteldevonischer Gesteine, bestehend aus 

schwarzen und grauen Schiefern und Kieselschiefern, in denen 

«ich3.nur Ck)nodonten fanden, und Diabas. Diese schmale Mittel- 

fievonpartie folgt direct über der ersten Scholle Iberger Kalk mit 

Sroccie, und über dem Diabas liegt, durch eine Störung getrennt, 

cjas Eisensteinlmger. Wie schon oben gesagt, folgen darüber sehr 

%tark verruschelte graue Schiefer mit dunklen Lagen, deren Alter 



Tnffbreeeie yon Langenaabacb bei Haiger. 109 

anbestimmt bleiben muss, da sie nichts geliefert haben. Hierüber 
liegt rother dichter Knollenkalk, überlagert in regelmassiger Folge 
7on dem bekannten violettrothen Schalstein mit Mandelsteinbrocken 
jnd Blöcken von Clymenienkalk. Es folgt dann die zweite Scholle ; 
iie besteht in regelmässiger Folge aus Ii)erger Kalk, Breccie und 
Oeckdiabas. In ganz gleicher Weise liegt darüber die dritte und end- 
ich folgt auf dem Plateau noch eine vierte Scholle. Es ist klar, dass 
lier keine regelmässige Aufeinanderfolge der verschiedenen Stufen, 
londern typischer Schuppenbau vorliegt. 

Es ist möglich, dass der Eisenstein aus den Kalken ent- 
standen ist, die sich in der ganzen Gegend in der oberen Region 
les altoberdevonischen Schalsteins einstellen, um so mehr, als das 
:u Tage anstehende Lager aus leicht vererzten, abwechselnden 
[Calk- und Schalsteinlagen besteht. Ein endgiltiger Beweis dafür 
nrürde allerdings erst durch das Auffinden von Prolecaniten in 
liesen Schichten zu erbringen sein ; leider aber sind solche bisher 
»reder hier, noch an anderen Orten aufgefunden worden. Die 
in und für sich auffallende Thatsache, dass man oberdevonische 
Prolecaniten bisher nur aus Eisensteinen') kennt, findet wohl ihre 
Erklärung darin, dass in Folge der massenhaften Gewinnung der 
Sisensteine die Möglichkeit des AufSndens von Versteinerungen 
7\el häufiger geboten wird, als bei den unreinen Kalken, die 
tchon wegen ihrer geringen Mächtigkeit und Reinheit nirgends 
gebrochen werden. 

Die Entstehung der fraglichen Eisensteine aus Schalstein, die 
?^RBCH annimmt (pag. 11), ist schon deshalb von der Hand zu 
»"eisen, weil die Eisensteine dazu viel zu kalkig sind. Sie bilden 
lämlich sogenanntes Flusseisen und sind nur als Zuschlag bei 
ier Verhüttung kieselreicher Eisensteine zu verwerthen. Weiter- 
lin spricht gegen Freches Meinung auch der Umstand, dass 
Dephalopoden , die im Eisenstein vorkommen, sich weder hier, 
loch an anderen Orten bisher je im Schalstein gefunden haben. 



^) Der ^ProUcanüesiL tripkyllus Frech (1. c, Tab. II, Fig. 2, S. 29) ist ein 
^loceras, wie aach Frech jetzt annimmt (Lethaea palaeozoica, Bd. II, S. 178, 
Wnm. I). 





1 


■ 




■ 


■ 110 


Fritz Dbsvkeii* 


19, Die Fiuoii der oberdoToniBclien 




H Auch die 




H suhicbteD 


Frecb's bedar 


der Berit; htigung. Nach einer Durch- | 


H sieht des 


Materials aus 


dem Eisenstein, weiches im 


Marburg» 


■ MuBeum 


von 


der Grube 


»Constanzei« aufbewahrt wirc 


, gebe leb 


^L folfgeude 


Liste 


•)■■ 










IVotnamiten triden» Sandb, sp. 






-1- 


— 


clavilobus SaNI'B. sp. 








- 


Becheri L. v. BccH (Goldf. 


•p. 






— 


lunuUcoBta Sandb. sp. 






H- 


TriaxMctra 


n. sp. 
« coatutum A. V. sp. 






+ 


Manticocerat irtfunieicetvi Bryr. 8|i. 






-+■ 


- 


jirimordiale V. ScBLOTH. ep. 






-+- 


I 


acutum Samob. sp. 
lame/loinivi Sandb. ep. 






-t- 


Gcphyiocer 


/orcijiiferum Sanub. sp- 
w aeqvabile Betil sp 






+ 


7W„-.. 


? caiculi/orme BsTR. sp. 
inithracoide« Frech. 


• 



+ Orthocerae cf. tubfleaMotatn MOnsT. 
— sp, div. 

Cyrtoceraa sp. 
+ Gomphocera» sp. 
H- Cardiola concentiica v. Buch sp. 
■+- Buchiola cf. retrostriata V. BüCH sp. 
Ausserdem ein kleiner Gastropode und ein grosser unbestimir*' 
barer Zweischaler, der zu den Cardiolideo zu gehören scheiut 

Ganz ähnlich scheinen die Verhältuisse in dem berflhiDl^' 
Rotheisensteingebiet vonOherscheld, östlich von Dilleoburg, zn liege^^ 
Auch von der dortigen Grube »Anna« liegen in hiesiger Sammluu^^ 
Manticoceras intuinescens Beyr. sp. nnd Afanticocercm carinata^-^ 
Beyr. sp., desgleichen haben sich auf Grube »Beilstein> Manf^* 
cocerae intumescem und Belocei-as Kayseri HzL. gefunden. Nl-^^ 

') Mit + bezeiohcete Formen waren von Gmb« >Caiist>u«> uoob nicbl \*^^^^ 



Tnffbreede tod Lftogenaabach bei Hsiger. Hl 

DD » Volpert8eiche€ kenne ich Manticocei^aa intumescens nicht, da- 
ir fbhrt Frbch selbst (1. c, S. 19) Gephyrocei^as aequabüe Betr. 
». an, das nach Holzapfel mit Manticocei^aa intumescens zu- 
mmen vorkommt (Adorf, pag22). Das Vorkommen von Anarcestes 
nceüatum A. V. ^) auf dem Sessaeker bei Oberscheid wird von 
äBOH (I. c, S. 20) als sehr wichtig fOr die Stellung der Prole- 
nitenschichten angesehen. Jedoch stammt das von mir unter- 
ohte StQck aus der DANNENBERG^schen Sammlung, deren Fund- 
tangaben erfahrungsgemäss nicht immer zuverläss